Paṭala 9: Navamo 'dhyāyaḥ (Paratattvanirṇaya, Prathamaparicchedaḥ)
Neunter Adhyāya – Die Hüllen-Maße des Welteneis, die Größenhierarchie der Vyūhas, die Guṇa-Atom-Vermehrung bei den 'Geraden' und der große Geburtskatalog der Götter aus Haris Gliedern
Neunter Adhyāya der Prakāśa-Saṃhitā (Pāñcarātra), gelehrt von Śrī Bhagavān. Behandelt die Maße der Erd-Hülle des Welteneis und die Unterscheidung zwischen den 'gemischten' (innerhalb) und 'ungemischten' (oberhalb) Prinzipien; die den einzelnen Elementen/Hüllen zugeordneten Gottheiten (Viṣṇu/Ahaṅkāra, Ramāpati/Manas, Prāṇa/Ākāśa-Vāyu-Tejas, Anna/Pṛthivī); die geometrisch-hierarchische Größenzunahme der Vyūha-Gestalten (Aniruddha→Pradyumna/Saṅkarṣaṇa→Vāsudeva→Lakṣmī-Nārāyaṇa, jeweils zehnfach größer, bis zur endlosen, grenzenlosen Durchdringung durch Lakṣmī-Nārāyaṇa und Śrī); eine ausführliche, an mehreren Stellen unsicher überlieferte Genealogie der wiederholten Geburten Brahmās und Vāyus sowie zahlreicher weiterer Wesen durch die Prinzipien-Stufen (Mahat→Ahaṅkāra→Manas→Sinnesorgane); die Fortsetzung des Guṇa-Atom-Vermehrungsschemas, hier ausdrücklich mit geistiger Trägheit (buddhimāndya) bzw. 'Verstandes-Verkehrung' bei den unteren Gestaltungsformen in Verbindung gebracht; und schließlich einen umfangreichen, listenartigen Katalog der Entstehung zahlreicher Götter aus einzelnen Körperteilen bzw. -bereichen Haris (V.38-56), der mit dem Grundsatz schließt, dass die höheren Wesen Lehrer, die niederen Diener der höheren sind. Zahlreiche Passagen – insbesondere die Genealogien und der Geburtskatalog, dessen Quelltext selbst mehrere alternative Lesarten in Klammern überliefert – bleiben trotz sorgfältiger Prüfung in Einzelheiten unsicher und wurden entsprechend mit [?]/[Anm.] markiert. Quelle: GRETIL prakassu.htm (Sansknet-Projekt, keine benannte moderne kritische Edition – gemeinfrei nutzbar).
Innerhalb der Erd-Hülle bestimmte der Herr, der Kenner von Ort und Zeit, den für die Entstehung des Welteneis geeigneten, übrigbleibenden Raum – bemessen mit fünfundzwanzig Koṭi [Crore], verdoppelt, an Yojanas [?]. Die 'ungemischten' (asaṃsṛṣṭa) Prinzipien (tattva) sind oberhalb des Welteneis [gelegen]; das Weltenei selbst, mit allem, was in ihm ist, wird als 'gemischt' (saṃsṛṣṭa) bezeichnet. Viṣṇu, 'Vijñāna' (Sondererkenntnis) genannt, ist der Beschützer des Ahaṅkāra.
Wort für Wort
bhūmyāvaraṇamadhye brahmāṇḍotpādanocitaṃ deśam
innerhalb der Erd-Hülle den für die Weltenei-Entstehung geeigneten Raum
yojanānāṃ pañcaviṃśatkoṭidviguṇasaṃmitam
bemessen mit fünfundzwanzig Koṭi, verdoppelt, Yojanas
asaṃsṛṣṭāni tatvāni brahmāṇḍordhvagatāni
die 'ungemischten' Prinzipien, oberhalb des Welteneis
aṇḍaṃ ... saṃsṛṣṭaṃ parikīrtitam
das Weltenei ... wird als 'gemischt' bezeichnet
vijñānanāmakaḥ viṣṇuḥ ahaṅkārasya rakṣakaḥ
Viṣṇu, 'Vijñāna' genannt, Beschützer des Ahaṅkāra
Die genaue Maßangabe ('pañcaviṃśatkoṭidviguṇa', wörtl. 'fünfundzwanzig-Koṭi-verdoppelt') bleibt zahlenmäßig unsicher; die Unterscheidung zwischen den 'ungemischten' Prinzipien oberhalb und dem 'gemischten' Welten-Ei darunter entspricht der bekannten purāṇischen Kosmographie konzentrischer Hüllen (āvaraṇa).
In Denksinn, Sinnesvermögen und Feinstoff-Elementen [wohnt] der Gemahl Ramās, mit jeweils eigenem Namen; in Raum, Wind und Feuer [wohnt] der All-Herr, 'Prāṇa' genannt. Er, 'Anna' (Speise) genannt, [wohnt] in der Erde, ebenso als Hüter der Wasser-Hülle; die 'besondere Erde' (viśeṣapṛthivī) ist die verdoppelte Hüllenform des Welteneis. Wasser, Feuer, Raum, Wind, Ahaṅkāra, Mahat-Prinzip – diese Guṇas [d.h. Elemente], die Sattva-etc.-Hüllen, stehen, oberhalb des Welteneis, der Reihe nach als Erd-Hüllen fest.
Wort für Wort
manaḥ hṛṣīkāmātrāsu ... ramāpatiḥ
in Denksinn, Sinnesvermögen, Feinstoff-Elementen ... der Gemahl Ramās
ākāśavāyutejaḥ ... prāṇanāmā akhileśvaraḥ
in Raum-Wind-Feuer ... der 'Prāṇa' genannte All-Herr
annanāmā pṛthivyāṃ ... jalāvaraṇagopi
'Anna' genannt, in der Erde ... auch Hüter der Wasser-Hülle
viśeṣapṛthivī aṇḍadviguṇāvṛttirūpikā
die 'besondere Erde', die verdoppelte Hüllenform des Welteneis
daśottarāḥ pravijñeyā tamaso dviguṇaṃ rajaḥ / rajaso dviguṇaṃ satvaṃ tato na prākṛtaṃ kvacit // PS_1,9.7 // paścādūrdhvapradeśe tu aniruddhātmako hariḥ / tasmāddhaśādhikatanuḥ sopyāvaraṇarūpakaḥ // PS_1,9.8 // tato daśādhikau pradyumnasaṅkarṣaṇanāmakau / vāsudevastadūrdhvasthastaddhaśāṃśādhiko mataḥ // PS_1,9.9 // tatopyanantaguṇikānantānanta pradeśake / lakṣmīnārāyaṇau vyāptau maryādā na tayoḥ kvacit // PS_1,9.10 // śrīrdeśakālatonantāguṇānantā na hi kvacit / aniruddhāt prathamato ṛjubhistvaparokṣibhiḥ // PS_1,9.11 //
[Diese Hüllen] sind als zehnfach vermehrt zu erkennen: das Doppelte des Tamas [ist] Rajas, das Doppelte des Rajas [ist] Sattva; darüber hinaus gibt es nirgends mehr 'Prākṛtisches' (materielle Natur). Danach, in der weiter oben gelegenen Region, [ist] Hari von Aniruddhas Wesen; von dort an [ist sein] Körper zehnmal größer, ebenfalls von Hüllenform. Darauf, zehnmal größer, [sind] die 'Pradyumna' und 'Saṅkarṣaṇa' genannten [Gestalten]; Vāsudeva, darüber befindlich, gilt als zehnmal größer als jene. Darüber hinaus, in einer unendlich vervielfachten, endlos-endlosen Region, durchdringen Lakṣmī und Nārāyaṇa [alles]; für die beiden gibt es nirgends eine Grenze. Śrī [ist], nach Ort und Zeit, endlos vervielfacht, endlos – nirgends [gibt es für sie eine Grenze]; von Aniruddha zuerst, durch die 'Geraden' (ṛju) und die unmittelbaren Schauer (aparokṣin) [fortschreitend, geschieht die weitere Entfaltung].
Pradyumna/Saṅkarṣaṇa zehnmal größer, Vāsudeva zehnmal größer als diese
lakṣmīnārāyaṇau ... maryādā na tayoḥ kvacit
Lakṣmī-Nārāyaṇa ... für sie nirgends eine Grenze
Diese Verse beschreiben eine geometrisch-hierarchische Größenzunahme der Vyūha-Gestalten (Aniruddha→Pradyumna/Saṅkarṣaṇa→Vāsudeva→Lakṣmī-Nārāyaṇa), analog dem bereits mehrfach behandelten Guṇa-Verdopplungsschema; die genaue Zahlenbasis ('daśādhika', 'zehnfach vermehrt') bleibt in ihrer kosmographischen Anwendung unsicher.
saha pūrvoktakālena jātau dvau bhāryayāyutau / trirūpakau brahmavāyū triguṇāvṛttigau kramat // PS_1,9.12 // teṣāṃ satvādyā vṛttayaḥ sthūladehāḥ prakīrtitāḥ / tatonirūddhasūkṣmadehājjātau vidhīraṇau // PS_1,9.13 // sa ṛjūkau caturvāraṃ mahattatvagatau matau / teṣāṃ mahattatvameva sthūladehaṃ vadanti hi // PS_1,9.14 // tata strirūpau sa ṛjū tau dvau śāntīśajau kramāt / trividhāhaṅkṛtigatau sa bhāryau sa ṛjū ubhau // PS_1,9.15 // ekaviṃśadvārajātau manastatvāditatvagau / aparokṣiṇām ṛjūnāṃ ca śatasyāṇḍādbahirjaniḥ // PS_1,9.16 // evaṃ rudrādi tatveśāḥ svasaṃkhyā niyamocitāḥ / aṇḍādbahiḥ sṛṣṭiyogyāḥ dṛṣṭeśāḥ netare kvacit // PS_1,9.17 //
Zusammen mit der zuvor genannten Zeit wurden die beiden [Brahmā und Vāyu], mit ihren Gattinnen versehen, dreifach-gestaltig geboren, der Reihe nach durch die drei Guṇa-Hüllen hindurchgehend. Ihre Sattva-etc.-Zustände werden als [ihre] groben Körper verkündet; danach wurden, aus dem begrenzten Feinkörper, die beiden 'Vidhi' und 'Araṇa' [?] geboren. Diese beiden 'Geraden' (ṛju), so gilt es, gingen viermal in das Mahat-Prinzip ein; ihr [Zustand] im Mahat-Prinzip selbst wird [ihr] grober Körper genannt. Dann [wurden], dreifach-gestaltig, die beiden 'Geraden', von 'Śānti' geboren, der Reihe nach, in den dreifachen Ahaṅkāra-Zustand eingegangen, beide mit Gattinnen, beide 'gerade'. Einundzwanzigmal geboren, gingen sie in das Manas-Prinzip und die weiteren Prinzipien ein; für die unmittelbar schauenden 'Geraden' und für die Hundertschaft [?] [erfolgt] die Geburt außerhalb des Welteneis. So sind die Rudra-etc.-Prinzipien-Herren, ihrer eigenen festgelegten Zahl entsprechend, außerhalb des Welteneis zur Schöpfung geeignet, als 'geschaute Herren' – nicht andere, nirgends.
Wort für Wort
dvau bhāryayāyutau trirūpakau brahmavāyū
die beiden, mit Gattinnen, dreifach-gestaltig, Brahmā und Vāyu
teṣāṃ satvādyā vṛttayaḥ sthūladehāḥ prakīrtitāḥ
ihre Sattva-etc.-Zustände werden als grobe Körper verkündet
ekaviṃśadvārajātau manastatvāditatvagau
einundzwanzigmal geboren, in Manas-Prinzip u.a. eingegangen
die Rudra-etc.-Prinzipien-Herren ... außerhalb des Eis zur Schöpfung geeignet, 'geschaute Herren'
Diese genealogische Passage (V.12-17) über die wiederholten Geburten Brahmās und Vāyus durch die Prinzipien-Stufen (Mahat→Ahaṅkāra→Manas) ist an mehreren Stellen ('vidhīraṇau', 'śāntīśajau') nur unsicher auflösbar; möglicherweise Eigennamen weiterer Emanationsformen.
So, dreifach-gestaltig geboren, durch 'Śānti' zuvor, der Zeit nach, durch das Feinstoffliche, unmittelbar nach der Geburt der 'Geraden' – [kamen] Śeṣa und zwei weitere [Wesen, insgesamt drei]. Sechsfach, beginnend mit Nīla, im Laufe der Zeit; die 'Sāparṇya' u.a. der Reihe nach; durch den Herrn des Unerschaffenen (Ajeśa), den Unerschaffenen (Aja) [selbst] und die 'Reste'-[Wesen] (Śeṣya), [je] mit dreifachen Gestalten, wurden [sie alle] durch [ihre] Formen, dem Ahaṅkāra-Prinzip zugehörige grobe Körperträger; für die anderen aber entstanden die für [ihre] Stellung geeigneten, unmittelbaren Schauer. Diese ebenso [gingen], vom Mahat-Prinzip an, einundzwanzigmal in [je] jenes Prinzip ein; mit ebenso vielen Gestalten, aus dem feinstofflichen Prinzip geboren, [zuvor] von Aniruddha begrenzt. Das Manas-Prinzip und die weiteren Prinzipien nahmen sie als grobe Körper an; und die von Indra bis Puṣkara [reichenden Wesen sind] aus Aniruddhas feinstofflichem Prinzip geboren. Einundzwanzigmal wurden sie [je] dem Citta-Prinzip u.a. zugehörig; jene groben Prinzipien [waren] für sie der Reihe nach [vorhanden].
Wort für Wort
śeṣādayaḥ trayaḥ
Śeṣa und zwei weitere [Wesen]
ṣaṇṇīlādyāḥ ... sāparṇyādyāḥ
sechsfach beginnend mit Nīla ... die Sāparṇya u.a.
ekaviṃśati ... tāvadrūpaiḥ sūkṣmatatvāt jātau
einundzwanzigmal ... mit ebenso vielen Gestalten, aus dem feinstofflichen Prinzip geboren
indrādi puṣkarāntāḥ sūkṣmatatvāniruddhajāḥ
die von Indra bis Puṣkara [reichenden Wesen], aus Aniruddhas feinstofflichem Prinzip geboren
Auch diese Passage (V.18-23) gehört zu den unsichersten des Kapitels; mehrere Eigennamen (Sāparṇya, Ajeśa/Aja/Śeṣya als dreifache Bezugsgruppen) sowie die genaue Zählweise der 'einundzwanzigfachen' Geburten bleiben trotz Prüfung unklar; der Quelltext selbst trägt an dieser Stelle alternative Lesarten in Klammern, was auf bekannte Überlieferungsunsicherheit hindeutet.
Die von 'Śānti' zuvor entstandenen Indra u.a. [Götter], mit grobem Manas-Körper, zwei-, drei-, vier-, fünf-, sechsmal geboren, gingen in das Gehör-Prinzip u.a. ein. Sieben-, sechs-, neun-, zehn-, elfmal [?] der Reihe nach geboren, [sind] Indra u.a. bis Puṣkara mit grobem Rede-Körper u.a. versehen. Und darauf, fünfmal entstanden, durch 'Śānti' zuvor, im Zeitverlauf, mit grobem Klang-Körper u.a. – daraus wiederum wurden die 'zwei-etc.'-eingehenden [Wesen] geboren. Für die hier genannten Götter gilt: je nachdem, welcher Art [ihr] grober Körper [ist], besteht auch für die künftigen, [noch ihre] Stellung einzunehmenden [Wesen] ein davon abhängiger Zustand. Aniruddha, der Feinkörper-Schöpfer, nachdem er wie zuvor für diese den geeigneten Ort erlangt hatte, vollzog, als Kenner von Ort, Zeit und Sachverhalt (tattva), die Schöpfung.
Wort für Wort
dvitryabdipañcaṣaḍvāraṃ jātāḥ śrotrāditatvagāḥ
zwei-, drei-, vier-, fünf-, sechsmal geboren, ins Gehör-Prinzip u.a. eingehend
indrādayaḥ puṣkarāntāḥ vāgādi sthūladehakāḥ
Indra u.a. bis Puṣkara, mit grobem Rede-Körper u.a.
Aniruddha, der Feinkörper-Schöpfer ... als Kenner von Ort/Zeit/Sachverhalt vollzog die Schöpfung
Die genauen Vielfachheits-Zahlen (zwei- bis elffach, je nach Sinnesorgan-Prinzip) in V.24-26 sind im Quelltext unklar überliefert (u.a. 'dvitryabdipañcaṣaḍvāraṃ', 'saptāṣaṭanavadigrudravāra') und wurden bestmöglich, aber mit Vorbehalt, aufgelöst.
Für die 'Geraden' (ṛju), die in allen Prinzipien verweilen, gehen die Sattva-Atome des Feinkörpers durchweg zehnfach vermehrt [ein]; die Rajas- und Tamas-Atome erreichen [nur] eine Zunahme um ein Viertel-Maß – bei den vielfach geborenen Rudra-, Indra- u.a. Feinkörper-Trägern. Die Sattva-Atome, gleich[bleibend] und übermäßig, sind ebenso vermehrt; die Rajas- und Tamas-Atome der Rudra-, Śakra- u.a. Götter-Feinkörper nehmen zu zwei, drei, [vier], fünf, sechs, sieben, acht Anteilen, mit Dharma, Śiva, Sonne [als Bezugsgrößen], bis zu zwanzig Anteilen, der Reihe nach, an Zunahme zu. Aus ebendiesem Grund, durch die zuvor genannten Ursachen, wird bei den je nachfolgenden Gestalten eine gewisse geistige Trägheit (buddhimāndya) u.dgl. erwartet. Im Mahat-Prinzip u.a., oberhalb des Welteneis, wird [dagegen] keine Dämonen-Besessenheit u.dgl. erwartet – so wie im Feinkörper das Rajas und Tamas zunehmen, ebenso wird dies, deutlich gesagt, auch für die groben Körper gelehrt: die Rajas- und Tamas-Atome werden der Reihe nach eben [zunehmend] offenbar. Die früheren Gestalten der Prinzipien sind endlos zahlreich; die 'Geraden' erscheinen in allen Prinzipien, höher wie niederer. Mit ihren Gattinnen, in allen Prinzipien, niederen wie höchsten, angesiedelt – durch das Übermaß an angehäuften Rajas- und Tamas-Atomen [entsteht bei manchen von ihnen] eine Verkehrung des Verstandes (buddhiviparyaya).
bei den Geraden die Sattva-Atome zehnfach vermehrt, die Rajas-/Tamas-Atome um ein Viertelmaß
uttarottararūpeṣu buddhimāndyādi ceṣyate
bei den je nachfolgenden Gestalten wird geistige Trägheit u.dgl. erwartet
mahadādiṣu aṇḍordhvaṃ daityāveśādi na iṣyate
im Mahat u.a. oberhalb des Eis wird keine Dämonen-Besessenheit erwartet
rajastamoṇūpacayādhikyāt buddhiviparyayam
durch das Übermaß an Rajas-/Tamas-Atomen eine Verstandes-Verkehrung
Fortsetzung des bereits aus früheren Adhyāyas bekannten Guṇa-Atom-Zunahme-Schemas, hier auf die 'Geraden' (ṛju) und die verschiedenen Götterklassen angewandt; die genaue Bruchteilsrechnung (V.32) bleibt unsicher. Bemerkenswert die hier explizit gemachte kausale Verbindung zwischen Rajas-/Tamas-Zunahme und geistiger Trägheit bzw. 'Verstandes-Verkehrung' bei den unteren Gestaltungsformen.
[Es folgt ein umfangreicher, listenartiger Katalog der Götter-Entstehung aus einzelnen Körperteilen bzw. -bereichen Haris/Viṣṇus, den der Quelltext selbst an mehreren Stellen mit alternativen Lesarten überliefert – Übersetzung sinngemäß:] Diese alle werden [von dieser geistigen Trägheit] niemals betroffen sein, [denn sie sind] Hari stets aufs Höchste geliebt: Brahmā [und] Sarasvatī entstehen aus allen Gliedern Viṣṇus. Śeṣa und Vipa entstanden aus dem linken Nasenloch, ebenso Śiva; Nīla u.a. aus dem rechten [Nasenloch, der Vāruṇī-Seite]; Indra und Kāma, aus dem Denksinn geboren. Guru (Bṛhaspati), mit seiner Gattin, aus dem Verstand (buddhi); der erste Manu aus dem Zeugungsglied; Dakṣa aus dem Daumen; [ebenso] Kāmas Sohn; die [weiteren] Manus, Kāma vorangehend. Die Maruts aus dem Atem; Sūrya aus dem Auge; der Mond aus dem Gehör; Dharma, mit seiner Gattin, aus dem Herzen; Varuṇa, entstanden aus der Zunge. Bhṛgu aus der Haut; Agni aus dem Antlitz; aus den Geschlechtsteilen Geborene; Manu aus dem Gang; Viśvāmitra, Marīci u.a.; Mitra, sanft, aus dem unteren [Atem?, unsicher]. Aus Skanda [entstanden] Bhava [und] Gaṇapati [?]; Śambhu und Jayanta aus Nabel und Füßen; die beiden Nāsatyas (Aśvins) aus den beiden Nasenlöchern; Viśvaksena entstand aus dem Mund. Aus den Füßen die Ṛbhus [?]; aus der Kehle die karmabedingten Richtungsgötter; die Rudras aus den Wangen, und aus der Stirn die Vasus, nach dem eigenen Willen des Mächtigen. Die Ādityas, aus dem Glanz entstanden, auch in der Zahnreihe befindlich; Sanaka u.a., aus dem Denksinn geboren; Jayā u.a., von der Nabelseite. Die Gaṅgā und andere Flüsse aus den Adern, mittels der Zehen usw. des Herrn; alle unerwähnten 'Wahrhaftigen' (tāttvika) gelten den Weisen als aus [seinem] Seitenblick entstanden. Śani aus dem Körper; Puṣkara u.a. aus den Handlungsorganen entstanden; die unerwähnten Göttergattinnen entstanden zusammen mit ihren Gatten. Diese alle, in sämtlichen Prinzipien, im jeweiligen Prinzip befindlich, der Reihe nach aus den genannten Gliedern Haris geboren, wohnen [dort], sich [mit jenem Prinzip] identifizierend.
Wort für Wort
brahmā sarasvatī viṣṇoḥ sarvāṅgaiḥ sambhavanti
Brahmā und Sarasvatī entstehen aus allen Gliedern Viṣṇus
śeṣavipau vāmanāḍyutthitau, śivaḥ tathā
Śeṣa und Vipa aus dem linken Nasenloch entstanden, ebenso Śiva
diese alle, der Reihe nach aus den genannten Gliedern geboren, wohnen [dort] sich identifizierend
Dieser umfangreiche Geburtskatalog (V.38-48) ordnet zahlreiche Götter einzelnen Körperteilen Haris zu (eine bekannte purāṇische Denkfigur, vgl. etwa den Puruṣa-Sūkta-Topos RV 10.90, hier jedoch mit einer für die Pāñcarātra-Literatur eigenen, sehr detaillierten Zuordnungsliste). Der Quelltext selbst trägt an mehreren Stellen alternative Lesarten in Klammern (z.B. 'ṛbhavaḥ/rutavaḥ/rubhavaḥ'), was auf erhebliche Überlieferungsunsicherheit hindeutet; mehrere Einzelzuordnungen (insbesondere 'skandādbhavagaṇapatiḥ', 'mitropānāccanairutaḥ', 'manurgateḥ') bleiben trotz sorgfältiger Prüfung unsicher und wurden entsprechend zurückhaltend übersetzt.
So [geschieht es] bei der Schöpfung, außerhalb des Welteneis; so auch bei der Befreiung – [alles bleibt] unter Haris Kontrolle. In Geburt um Geburt, von wem auch immer [ein Wesen abstammt] – von jenem [entsteht wiederum ein weiteres, so etwa] von Kāma der 'Udgati'-Sohn [?]. Caṇḍa, Jayā und andere, als Torwächter; der Mond (Śaśāṅka), ebenso Dhanada (Kubera); alle Gandharva-Fürsten, und auch die 'Wahrhaftigen' (tāttvika) unter den [verschiedenen] Geburtsarten. Die 'in Puṣkara Erhabenen' und die 'in Budha Erhabenen' – diese unerwähnten [Wesen] sind [hiermit] verkündet. So [entstanden], von Śeṣas Anteil [oder: Pfad] ausgehend, gänzlich außerhalb des Welteneis: neun Koṭi (Crore) Götter, die sich mit dem Sattva-Prinzip identifizieren; [zuerst] Aja, [dann] Vipa; von diesem, Nīla; [dann] die von den sechs Vipas Geliebte [?]. Darauf Indra, der Mond; von diesem, Prāṇa und die übrigen, alle Maruts; von Indra, Dakṣa; dann die Götterweisen (devarṣi), nämlich Nārada u.a. Von Indra, Guru (Bṛhaspati); dann die Sonne; die beiden Jaya[s], dann der Herr der Hindernisse (Vighneśa/Gaṇeśa) – so wurden sie überliefert; von der Sonne, Agni; von Agni, die Rudras. Die Ādityas, die Vasus, die Viśvedevas, auch die beiden Aśvins, der Herr der Rākṣasas; Parjanya, Budha, Śani u.a., bis hin zu Puṣkara, entstanden [in dieser Reihe]. Garuḍa und die Weggottheiten wohnen in allen Prinzipien; und die Höheren sind die Lehrer der Niederen, die Niederen die Diener der Höheren.
Wort für Wort
sṛṣṭau bahiḥ aṇḍāt, muktau ca, harervaśaḥ
bei der Schöpfung außerhalb des Eis, ebenso bei der Befreiung – unter Haris Kontrolle
navakoṭyaḥ devānāṃ satvatatvābhimāninaḥ
neun Koṭi Götter, die sich mit dem Sattva-Prinzip identifizieren
dann Indra, der Mond; von Indra Dakṣa; dann die Götterweisen Nārada u.a.
sūryāt agniḥ, agneḥ rudrakāḥ
von der Sonne Agni, von Agni die Rudras
uttamānāṃ guravaḥ, nīcāḥ uttamasevakāḥ
die Höheren sind Lehrer, die Niederen Diener der Höheren
Abschluss der genealogischen Götterkataloge dieses Adhyāya. Auch hier bleiben mehrere Einzelheiten (insbesondere 'kāmastudgatiḥsutaḥ' und 'viṣaṭkavipavallabhā') trotz Prüfung unsicher. Der abschließende Grundsatz – die höheren Wesen sind Lehrer, die niederen Diener der höheren – fasst die hierarchische Kosmologie dieses gesamten Adhyāya pointiert zusammen. Kolophon: 'So [endet] im ersten Teil der ehrwürdigen Prakāśa-Saṃhitā der neunte Adhyāya.'