Paṭala 7: Saptamo 'dhyāyaḥ (Paratattvanirṇaya, Prathamaparicchedaḥ)
Siebter Adhyāya – Der Feinkörper (liṅgadeha), die dreifache Erkenntniskraft, anfangloses Unwissen/Begehren/Handeln, Befreiung und die fortgesetzte Guṇa-Atom-Arithmetik
Siebter Adhyāya der Prakāśa-Saṃhitā (Pāñcarātra), gelehrt von Śrī Haṃsa. Behandelt Gestalt und Funktion des Feinkörpers (liṅgadeha), die dreifache Erkenntniskraft (buddhi) der Seelen bei der Schöpfung, das System des 'anfanglosen' (anādi) Unwissens, Begehrens und Handelns als äußere, nicht-wesenhafte Bestimmungen der Seele, den Weg der Befreiung durch Brahmanentum/Guru/Bhakti/Jñāna und Haris Gnade sowie – im negativen Gegenstück – die Zerstörung des Feinkörpers durch Feindschaft gegen Hari. Der Schlussteil (V.26-47) setzt die bereits in Adhyāya 6 begonnene, hochtechnische Guṇa-Atom-Arithmetik fort und gehört zu den dichtesten, unsichersten Passagen des gesamten bisher übersetzten Werks; zahlreiche Zahlenverhältnisse bleiben trotz sorgfältiger Prüfung mehrdeutig und wurden entsprechend mit [?]/[Anm.] markiert, statt falsche Präzision zu suggerieren. Quelle: GRETIL prakassu.htm (Sansknet-Projekt, keine benannte moderne kritische Edition – gemeinfrei nutzbar).
Der Feinkörper (liṅgadeha) gilt als dreifach [aus den drei Guṇas gebildet] und kokosnussfruchtförmig; er ist stets mit einer Scheitel-Öffnung versehen und enthält einen inneren Hohlraum (wie einen Mutterleib).
Wort für Wort
nārīkelaphalākāraḥ
kokosnussfruchtförmig
liṅgadehaḥ trivṛt mataḥ
der Feinkörper gilt als dreifach
mūrdhnicchidrayutaḥ
mit Scheitel-Öffnung versehen
garbhāvakāśakalitaḥ sadā
stets einen Mutterleib-Hohlraum enthaltend
Bild des Feinkörpers als kokosnussartige Hülle mit Scheitelöffnung (vgl. brahmarandhra) und innerem Hohlraum, in dem sich die Seele aufhält.
antarnibaddhā jīvāste trividhā api mocane / na śaktaḥ ramayāścanna mūrdhnicchidrāvasantyalam // PS_1,7.2 // duḥkhaspṛṣṭā liṅgabaddhāḥ duḥkhāspṛṣṭā ramaiva hi / yasmannakāle yasya sūkṣmaḥ nāśo bhavati viṣṇunā // PS_1,7.3 // aniruddhena tannīca kramatonḍāntare bahiḥ / taduttarakṣaṇe liṅgadehe ca guṇasāmyatā // PS_1,7.4 //
Die darin gebundenen Seelen (jīva) sind, obgleich dreifach [nach Klassen unterschieden], hinsichtlich der Befreiung nicht aus eigener Kraft fähig [?]; nicht einmal mit Ramās [Hilfe] verweilen sie hinreichend in der Scheitelöffnung [um daraus zu entweichen] [?]. Die an den Feinkörper Gebundenen sind vom Leid berührt, einzig Ramā ist vom Leid unberührt; denn zu keiner falschen Zeit geschieht durch Viṣṇu die subtile Auflösung dessen [, der dafür bereit ist] [?]. Durch Aniruddha geschieht dies der Reihe nach, unten [im Feinkörper] bis nach außen, innerhalb des Welteneis; im darauffolgenden Augenblick tritt im Feinkörper ein Gleichgewicht der Guṇas (guṇasāmyatā) ein.
Wort für Wort
antarnibaddhāḥ jīvāḥ trividhāḥ api
die darin gebundenen, obgleich dreifachen Seelen
mocane na śaktāḥ
zur Befreiung nicht fähig
duḥkhaspṛṣṭāḥ liṅgabaddhāḥ
vom Leid berührt die Feinkörper-Gebundenen
duḥkhāspṛṣṭā ramā eva
allein Ramā unberührt vom Leid
aniruddhena ... guṇasāmyatā
durch Aniruddha ... Guṇa-Gleichgewicht
V.2-4 gehören zu den syntaktisch dunkelsten Stellen dieses Adhyāya; die genaue Funktion Aniruddhas beim Eintritt des Guṇa-Gleichgewichts bleibt unsicher.
Diese [Unwissenheit], gleichsam erdgestaltig geworden, ist die Erkenntnis-Hemmerin der Seelen [obwohl sie ihrem Wesen nach Erkenntnisform ist]; bei der Auflösung [entsteht] in den Guten das Bemühen und Verlangen nach der Glückseligkeit der wahren Selbsterkenntnis. Im Gleichgewicht [der Guṇas] sind [Erkenntnis, Wunsch usw.] zurückgehalten, im Ungleichgewicht werden sie ohne weiteres offenbar; sie durchlaufen der Reihe nach die beiden Zustände des Feinkörpers bei Auflösung und Schöpfung. Augenblick für Augenblick wandelt sich [der Feinkörper] bald so, bald anders, durch das [wechselnde] Zusammenwirken der drei im Feinkörper wohnenden Guṇas.
Wort für Wort
bhūmyākṛtā ... jñānarodhinī
erdgestaltig ... Erkenntnis-Hemmerin
svārūpikajñānasukhe prayatnecchāḥ
Bemühen/Verlangen nach der Glückseligkeit wahrer Selbsterkenntnis
ruddhā ... sāmye ... vaiṣamye vyaktim
zurückgehalten im Gleichgewicht ... im Ungleichgewicht offenbar
guṇatrayasuyogataḥ bhramatām
durch das Zusammenwirken der drei Guṇas wandelnd
Dichte, stark komprimierte Formulierung; 'bhūmyākṛtā' (erdgestaltig) bleibt unsicher, evtl. Bildwort für die 'verfestigte' Form der Unwissenheit.
Zur Zeit der Schöpfung gilt die Erkenntniskraft (buddhi) der Seelen als insgesamt dreifach unterschieden: sāttvisch, rājasisch und tāmasisch. Bei den zur Erlösung Geeigneten (yogya) überwiegt die sāttvische Erkenntniskraft, die anderen [Arten] sind bei ihnen selten; bei den mittleren Seelen hingegen überwiegt die rājasische und tāmasische Erkenntniskraft.
Wort für Wort
sṛṣṭikāle ... buddhiḥ tridhābhinnā
zur Schöpfungszeit die Erkenntniskraft dreifach unterschieden
sātvikī rājasī tāmasī
sāttvisch, rājasisch, tāmasisch
yogyānāṃ sātvikībuddhiḥ bahulā
bei den Geeigneten die sāttvische Erkenntniskraft überwiegend
madhyamānāṃ jīvānāṃ rājasī tāmasī matiḥ
bei den mittleren Seelen rājasische/tāmasische Gesinnung
Der Reihe nach [ist es] bei den einen reichlicher, bei den anderen nur in geringstem Maße vorhanden [?]: das aus den fünf [Sinnes-]Maßen hervorgegangene fünffache Unwissen, das im Feinkörper wohnt. Es wird als 'anfanglose Unwissenheit' bezeichnet, äußerlich und nicht dem wahren Wesen (svarūpa) [der Seele] zugehörig; sie entsteht, wenn sich die Zeugen-Sinnesorgane (sākṣīndriya) mit dem von Tamas [bestimmten] Denksinn (manas) vereinigen. Vereinigen sich die Zeugen-Sinnesorgane mit dem sattva-getragenen Denksinn, [entsteht] hier bei den drei[fachen Seelenklassen] sowohl äußere als auch dem wahren Wesen entsprechende Erkenntnis. Vereinigen sich die Zeugen-Sinnesorgane mit dem von Rajas [bestimmten] Denksinn, [entstehen] das Äußere, nicht dem wahren Wesen entsprechende, sowie Begierde, Zorn und Ähnliches.
Wort für Wort
ajñānapañcakaṃ liṅgadehagam
das fünffache, im Feinkörper wohnende Unwissen
anādyajñānam bāhyam asvārūpikam
anfanglose Unwissenheit, äußerlich, nicht dem wahren Wesen zugehörig
sākṣīndriyāṇāṃ tamasā manasā yoge
bei Vereinigung der Zeugen-Sinnesorgane mit dem tamasischen Denksinn
satvasthamanasā ... bāhyā svārūpikañca jñānam
mit sattva-getragenem Denksinn ... äußere und wahre Erkenntnis
rajasā manasā ... kāmakrodhādikam
mit rajasischem Denksinn ... Begierde, Zorn u.a.
'sākṣīndriya', wörtl. 'Zeugen-Sinnesorgan', bezeichnet vermutlich das übersinnliche, 'wahre' Sinnesorgan (svārūpendriya) aus Adhyāya 5, das als innerer Zeuge fungiert.
Wenn die von Rajas begrenzten Anteile der Erkenntnisorgane (jñānendriya), verbunden mit den Zeugen-Sinnesorganen, [wirksam werden], entsteht bei den drei[fachen] Seelenklassen das äußere Verlangen nach Ton usw.; dieses wird 'anfangloses Begehren' (anādikāma) genannt. Wenn die von Rajas begrenzten Anteile der Handlungsorgane (karmendriya), verbunden mit den Zeugen-Sinnesorganen, [wirksam werden], erzeugen sie ebenfalls anfangloses Handeln (karma). Dieses dem äußeren Feinkörper zugehörige Handeln gilt jedoch nicht als dem wahren Wesen zugehörig; anfanglose Unwissenheit und Begehren sowie anfangloses Handeln gehören [allesamt] dem Feinkörper an.
Wort für Wort
anādikāmaḥ jīvānāṃ trividhānām
anfangloses Begehren der dreifachen Seelen
jñānendriyakalāḥ rajaḥ paricchedagatāḥ
die von Rajas begrenzten Anteile der Erkenntnisorgane
karmendriyakalāḥ ... karma janayanti anādikam
die Handlungsorgan-Anteile ... erzeugen anfangloses Handeln
bāhyaliṅgagataṃ karma na svārūpikam
das äußere Handeln nicht dem wahren Wesen zugehörig
Indem er [dies] als 'mein' erachtet, wird der bewusste [Geist] (cetana, die Seele) gebunden; im Laufe der Zeit erlangt er im Land Bhārata eine Geburt, und zwar als Mensch. [Er erlangt] Brahmanentum, die Gemeinschaft eines wahren Lehrers (sadguru), und, nachdem er Hingabe (bhakti) und Erkenntnis (jñāna) erworben hat, durch die Gnade des Śrī Hari [tritt er ein] in das Wirken/den Bereich der Gottheiten [?].
Wort für Wort
madīyam iti matvā baddho bhavati cetanaḥ
'mein' erachtend wird die Seele gebunden
bhārate varṣe labdhajanma mānuṣam
in Bhārata eine Geburt als Mensch erlangend
brāhmaṇyaṃ sadguroḥ saṅgam
Brahmanentum, Gemeinschaft eines wahren Lehrers
bhaktijñāne adhigamya prasādāt śrīhareḥ
nach Erwerb von Hingabe und Erkenntnis, durch Śrī Haris Gnade
'devatānām atha antare' bleibt unsicher; evtl. 'inmitten der Götter' im Sinne eines himmlischen Zwischenzustands vor der endgültigen Befreiung.
Außerhalb des [Welten-]Eis, in der Umfriedung Vaikuṇṭhas der Wahrhaftigen (tāttvika, der ewig befreiten Wesen), berührt von der Eischale [oder: von einem Anteil Śrīs], nach dem Willen Haris; nachdem er in das am äußersten Rand ringsum stehende Wasser eingetaucht ist – so [erlangen] die Guten, deren wahres Wesen offenbar geworden ist, bei der Umkehrung des Feinkörpers [ihre endgültige Befreiung].
Wort für Wort
aṇḍāt bahiḥ vaikuṇṭhaparighālaye
außerhalb des Eis, in Vaikuṇṭhas Umfriedung
aṇḍakharparasaṃspṛṣṭa harīcchayā
von der Eischale berührt, nach Haris Willen
parāntyavṛttiparitaḥ sthita vāri nimajya
in das am äußersten Rand stehende Wasser eintauchend
abhivyaktasvarūpāṇāṃ satāṃ liṅgaviparyaye
der Guten, deren wahres Wesen offenbar wird, bei Umkehrung des Feinkörpers
Schildert vermutlich den Übergang der befreiten Seele durch die äußere Hülle des Welteneis (aṇḍakharpara) und das umgebende Gewässer (vgl. die kosmographische 'Virajā'-Fluss-Vorstellung anderer Purāṇas) in die ewige Welt Vaikuṇṭha.
Durch den Hass der Dämonen (asura) gegen Hari und Ramā, in einer sterblichen Geburt in Bhārata, durch das Anwachsen schlechter Gesellschaft – bei der Zerstörung des Feinkörpers innerhalb des [Welten-]Eis, durch den Keulenschlag des wahrhaftigen Windes [?], im Zusammentreffen der Zeit, für die Unrechtschaffenen – gehen [auch bei diesen] die anfanglose Unwissenheit und das anfanglose Begehren sowie das anfanglose Handeln zugrunde.
Wort für Wort
harīramāsurādveṣāt bhārate martyajanmani
aus Hass der Dämonen gegen Hari/Ramā, in sterblicher Geburt in Bhārata
duḥsaṅgavṛddhāt aṇḍāntarliṅgadehasya nāśane
durch Anwachsen schlechter Gesellschaft, bei Zerstörung des Feinkörpers im Weltenei
sativāyoḥ gadāghātāt
durch den Keulenschlag des wahrhaftigen Windes
anādyavidyākāmau anādikarma api naśyati
anfanglose Unwissenheit, Begehren und Handeln gehen zugrunde
Schildert offenbar einen zweiten, negativen Weg der Auflösung des Feinkörpers – nicht durch Befreiung, sondern durch gewaltsame Zerstörung; die genaue theologische Einordnung dieses Vorgangs (Höllenstrafe? bloßer Körpertod?) bleibt unklar.
ato bāhyaṃ na svarūpā avidyādyāḥ prakīrtitāḥ / jñānājñāne svarūpasthe nitye naiva ca naśvare // PS_1,7.24 // anādyavidyākāmādyāḥ sāmyāvasthā yadā bhavet/ tadā jīvasya sarvasya na bhavanti kadācana // PS_1,7.25 //
Daher werden die Unwissenheit und dergleichen als äußerlich, nicht als [Teil] des wahren Wesens (svarūpa) verkündet; Erkenntnis und Unwissenheit [selbst aber] wohnen im wahren Wesen, ewig, und sind keineswegs vergänglich. Wenn Gleichgewicht der anfanglosen Unwissenheit, des Begehrens und dergleichen eintritt, dann treten sie für jede Seele niemals wieder [in Erscheinung].
Wort für Wort
bāhyaṃ na svarūpā avidyādyāḥ prakīrtitāḥ
die Unwissenheit u.a. als äußerlich, nicht wesenhaft, verkündet
jñānājñāne svarūpasthe nitye
Erkenntnis und Unwissenheit, im wahren Wesen wohnend, ewig
sāmyāvasthā yadā bhavet, na bhavanti kadācana
tritt Gleichgewicht ein, erscheinen sie niemals wieder
[Es folgt eine hochtechnische, zahlenmystische Berechnung der Verhältnisse zwischen den 'Atomen' (aṇu) der drei Guṇas, deren genaue Arithmetik im Quelltext unsicher überliefert ist – Übersetzung sinngemäß, mit [?] durchgehend markiert:] Zwölf [?] Tamas-Atome haben das Maß eines Hundertstels eines Rajas-Atoms; bei der Auflösung geht davon eines zu Rajas, zehn gehen zur Sattva-Seite [?]. Eines bleibt fest in der Mitte als Tamas bestehen; das zu Rajas übergegangene Tamas-Atom [wird], mit dem eigentlichen [Tamas] verbunden, zum doppelten Rajas-Atom [?]. Die im Sattva befindlichen Tamas-Atome, vom Maß eines Hundertstels eines Rajas-Atoms, [zusammen mit] zehnmal zehn überlegenen Sattva-Atomen, bleiben bei der Auflösung fest [?] – so bewirken sie eine Art 'Bläuung' [?]; dies wird als 'Gleichgewichtszustand' (sāmyāvasthā) verkündet. Der Gleichgewichtszustand gilt als zweifach: tāmasisch und rājasisch; ein sāttvischer Gleichgewichtszustand existiert hingegen nirgends. Durch diese beiden Gleichgewichtszustände [entsteht] der Feinkörper eines Menschen; bei der Auflösung aller [Wesen] nennen die Weisen dies 'Schlaf' oder 'Untergang'. Wenn das Verlangen nach [weiterem] Yoga aufhört, gibt der Herr [dies] zu erkennen.
Wort für Wort
rājasāṇuśatāṃśābhāḥ dviṣaṭkāḥ tāmasāṇavaḥ
zwölf Tamas-Atome vom Maß eines Hundertstels Rajas-Atoms
laye ... rajasi ekaḥ satvapārśvagatāḥ daśa
bei Auflösung eines zu Rajas, zehn zur Sattva-Seite
ein sāttvischer Gleichgewichtszustand existiert nirgends
laye ... nidrāṃ nāśaṃ prāhuḥ manīṣiṇaḥ
bei Auflösung nennen die Weisen dies Schlaf/Untergang
Diese Passage (V.26-31) gehört philologisch zu den unsichersten des gesamten bisher übersetzten Prakāśa-Saṃhitā-Textes; die genauen Zahlenverhältnisse und der Ausdruck 'nīlīkurvanti' (etwa 'sie bläuen/verdunkeln') bleiben trotz wiederholter Prüfung unklar – hier wird bewusst keine falsche Scheingenauigkeit suggeriert.
Ungeeignetes Verlangen und Bemühen durchschneidet die Hoffnung des Handelnden; tritt hingegen Ungleichgewicht im Feinkörper ein, entsteht das Verlangen nach [neuer] Geburt. Sobald bei einem Lebewesen [dieses] Verlangen entsteht, erschafft der Herr es; von allen zu erschaffenden Seelen [geschieht dies] außerhalb des [Welten-]Eis, im Zwischenraum des [kosmischen] Wagens [?]. Nicht auf einmal, sondern der Reihe nach tritt der Ungleichgewichtszustand bei Aja (Brahmā) und den Übrigen ein; in umgekehrter Reihenfolge nach dem früheren Maß, sowohl innerhalb als auch außerhalb des Eis. Der Gleichgewichtszustand [tritt ein] zuerst bei den Niedrigen, zuletzt bei den Höchsten. [Es folgt erneut detaillierte Atom-Arithmetik, durchgehend unsicher:] Bei der Auflösung treten zehn in Sattva eingegangene Rajas-Atome, ausgestattet mit mehr als hundert eigenen Sattva-Feinstteilchen, zur Schöpfungszeit, von Śrī [dazu] bewegt, in den Rajas-Anteil ein. Das im Tamas-Bereich befindliche Rajas-Atom nimmt bei der Auflösung ein Hundertstel-Tamas-Atom auf und tritt, von Durgā [dazu] veranlasst, bei nahender Schöpfungszeit in den Rajas-Anteil ein. Das bei der Auflösung inmitten des Rajas-Anteils befindliche Rajas-Atom wird inmitten des Rajas offenbar, wenn die Schöpfungszeit naht. So verhält es sich mit dem Zustand der Guṇas auch im Feinkörper innerhalb der Prakṛti [?].
Wort für Wort
ayogyecchā prayatnādi karturāśāṃ chinatti
ungeeignetes Verlangen durchschneidet die Hoffnung des Handelnden
vaiṣamye ... liṅge jananecchā jāyate
bei Ungleichgewicht des Feinkörpers entsteht Geburtsverlangen
naikadā viṣamāvasthā ajādīnāṃ kramāt bhavet
nicht auf einmal, sondern der Reihe nach tritt Ungleichgewicht bei Brahmā u.a. ein
sāmyāvasthā nīcānāṃ prāk, uttamasya paścāt
Gleichgewicht zuerst bei den Niedrigen, zuletzt bei den Höchsten
rājasāṇavaḥ ... rajo bhāgaṃ viśanti śriyā anunnāḥ
Rajas-Atome, von Śrī bewegt, treten in den Rajas-Anteil ein
Die genaue Zuordnung der Zahlenverhältnisse in V.32-39 bleibt trotz mehrfacher Prüfung unsicher.
Die Weisen nannten [dies] den Gleichgewichtszustand; durch ihn wird Schöpfung geschehen. Bei der Auflösung treten die zehn in Sattva eingegangenen Tamas-Atome, vom Maß eines Hundertstels eines Rajas-Atoms, verbunden mit ihnen gleichgestellten Sattva-Atomen, von Śrī bewegt, in den Tamas-Anteil ein. Das im Rajas befindliche Tamas-Atom, an sich mit dem früheren [Sattva-]Atom durch Sattva ausgeglichen, verbunden mit einem an Sattva doppelt so großen Rajas-Atom, verbleibt dort bei der Auflösung; wenn erneut die Schöpfungszeit naht, tritt es, [von der Erde?] bewegt, nach dem Willen Śrī Haris in den Tamas-Anteil ein. Ein reines Tamas-Atom, [vereint] mit zehn früheren Tamas-Sattva-[Mischatomen] und einem [weiteren Anteil] Tamas, ebenso Rajas-Tamas – alle diese zusammengekommen erlangen den Namen 'Ungleichgewicht des Tamas' (tamo-vaiṣamya). Aus tausend Sattva-Atomen, mit zehn Rajas-Atomen, [verbunden] mit einem einzigen reinen Rajas[-Atom], wird das mit Rajas verbundene Tamas-Atom zu einem einzigen; dies wird 'Ungleichgewicht des Rajas' (rajo-vaiṣamya) genannt. Aus dem Ungleichgewicht des Rajas [entsteht] die Schöpfung, aus dem Ungleichgewicht des Tamas die Auflösung.
die Weisen nannten dies Gleichgewicht; dadurch geschieht Schöpfung
tāmasāṇavaḥ ... tamobhāgaṃ viśanti śrīharīcchayā
Tamas-Atome ... treten nach Haris Willen in den Tamas-Anteil ein
sarve tamo vaiṣamyanāmakam prāpya saṃmilitāḥ
alle vereint erlangen den Namen 'Ungleichgewicht des Tamas'
rajo vaiṣamya ucyate
dies wird 'Ungleichgewicht des Rajas' genannt
rajo vaiṣamyataḥ sṛṣṭiḥ, tamo vaiṣamyataḥ layaḥ
aus Rajas-Ungleichgewicht Schöpfung, aus Tamas-Ungleichgewicht Auflösung
Die gesamte Atom-Arithmetik von V.26 bis V.47 gehört zu den dichtesten und unsichersten Passagen der bisherigen Übersetzung; zahlreiche Zahlwörter und Kompositionsglieder (z.B. 'bhuvānunnaḥ') sind mehrdeutig, die Übersetzung folgt der wahrscheinlichsten wörtlichen Lesart, ohne Anspruch auf endgültige mathematische Rekonstruktion des zugrundeliegenden Systems. Kolophon: 'So [endet] im ersten Teil der ehrwürdigen Prakāśa-Saṃhitā der siebte Adhyāya.'