Der Fürst, der durch das Würfelspiel geschädigt, schlecht, sich selbst besiegt hat – der möge die Kuh des Brahmanen essen, mit dem Gedanken: heute will ich leben, nicht morgen.
Wort für Wort
akṣadrugdho
akṣa 'Würfel' + drugdha 'geschädigt' → durch das Würfelspiel geschädigt (Nom.Sg.)
rājanyaḥ
der Fürst (Nom.Sg.)
pāpa
schlecht (Nom.Sg.)
ātmaparājitaḥ
ātman 'selbst' + parājita 'besiegt' → sich selbst besiegt habend (Nom.Sg.)
nir vai kṣatraṃ nayati hanti varco 'gnir ivārabdho vi dunoti sarvam yo brāhmaṇaṃ manyate annam eva sa viṣasya pibati taimātasya
Es vertreibt fürwahr die Herrschaft, tötet den Glanz; wie ein entfachtes Feuer verzehrt es alles – wer den Brahmanen für bloße Speise hält, der trinkt eben das Gift des Taimāta.
ya enaṃ hanti mṛduṃ manyamāno devapīyur dhanakāmo na cittāt saṃ tasyendro hṛdaye 'gnim indhe ubhe enaṃ dviṣṭo nabhasī carantam
Wer ihn, für schwach haltend, erschlägt, gottfeindlich, aus Habgier, nicht aus Einsicht – in dessen Herz entzündet Indra ein Feuer; ihn, den Gehassten, umkreisen beide Himmelsräume.
Wort für Wort
ya
wer (Nom.Sg.)
enaṃ
ihn (Akk.Sg.)
hanti
erschlägt (3.Sg.Präs.)
mṛduṃ
für schwach (Akk.Sg.m.)
manyamāno
haltend (Nom.Sg.Ptz.Med.)
devapīyur
deva 'Gott' + pīyu 'feindselig, schmähend' → gottfeindlich (Nom.Sg.)
dhanakāmo
dhana 'Reichtum' + kāma 'Verlangen' → aus Habgier (Nom.Sg.)
na brāhmaṇo hiṃsitavyo 'gniḥ priyatanor iva somo hy asya dāyāda indro asyābhiśastipāḥ
Der Brahmane ist nicht zu verletzen, wie Feuer am eigenen Leib nicht anzutasten ist; denn Soma ist sein Erbteiler, Indra sein Beschützer vor Verwünschung.
Wort für Wort
na
nicht
brāhmaṇo
der Brahmane (Nom.Sg.)
hiṃsitavyo
zu verletzen (Nom.Sg.n.Ger.)
'gniḥ
Feuer (agniḥ, sandhi, Nom.Sg.)
priyatanor
priya 'lieb, eigen' + tanū 'Leib' → am eigenen Leib (Gen.Sg.) [?]
iva
wie
somo
Soma (Nom.Sg.)
hy
denn
asya
sein (Gen.Sg.)
dāyāda
Erbteiler (Nom.Sg.)
indro
Indra (Nom.Sg.)
asyābhiśastipāḥ
asya 'sein' + abhiśasti 'Verwünschung, falsche Anklage' + pā 'Beschützer' → sein Beschützer vor Verwünschung (sandhi)
śatāpāṣṭhāṃ ni girati tāṃ na śaknoti niḥkhidam annaṃ yo brahmaṇām malvaḥ svādv admīti manyate
Er verschlingt sie mit hundert Rückenwirbeln, kann sie aber nicht wieder herausziehen – die Speise der Brahmanen, wer, der Schwächliche, meint: 'Ich esse Süßes.' [Anm.: Bildlichkeit des Verses unsicher]
Die Zunge wird zur Bogensehne, die Rede zum Pfeilschaft, die Zähne zur Pfeilspitze, mit Glut bestrichen; mit ihnen durchbohrt der Brahmane die Gottfeinde, mit Bögen aus Herzenskraft, von Göttern angetrieben.
Wort für Wort
jihvā
die Zunge (Nom.Sg.)
jyā
Bogensehne (Nom.Sg.)
bhavati
wird (3.Sg.Präs.)
kulmalaṃ
Pfeilschaft (Nom.Sg.n.) [?]
vāṅ
die Rede (Nom.Sg.)
nāḍīkā
Pfeilschaft (Nom.Sg.) [?]
dantās
die Zähne (Nom.Pl.)
tapasābhidigdhāḥ
mit Glut bestrichen (Nom.Pl.)
tebhir
mit ihnen (Instr.Pl.)
brahmā
der Brahmane (Nom.Sg.)
vidhyati
durchbohrt (3.Sg.Präs.)
devapīyūn
deva 'Gott' + pīyu 'feindselig, schmähend' → die Gottfeinde (Akk.Pl.)
hṛdbalair
hṛd 'Herz' + bala 'Kraft' → mit Herzenskraft (Instr.Pl.)
dhanurbhir
mit Bögen (Instr.Pl.)
devajūtaiḥ
deva 'Gott' + jūta 'angetrieben' → von Göttern angetrieben (Instr.Pl.)
tīkṣṇeṣavo brāhmaṇā hetimanto yām asyanti śaravyāṃ na sā mṛṣā anuhāya tapasā manyunā cota durād ava bhindanty enam
Scharfe Pfeile haben die Brahmanen, mit Geschossen versehen; das Pfeilbündel, das sie abschießen, verfehlt nicht sein Ziel; mit Glut, mit Zorn verfolgend, durchbohren sie ihn selbst aus der Ferne.
Wort für Wort
tīkṣṇeṣavo
tīkṣṇa 'scharf' + iṣu 'Pfeil' → mit scharfen Pfeilen (Nom.Pl.)
brāhmaṇā
die Brahmanen (Nom.Pl.)
hetimanto
heti 'Geschoss' + -mant (Suffix 'versehen mit') → mit Geschossen versehen (Nom.Pl.)
gaur eva tān hanyamānā vaitahavyāṃ avātirat ye kesaraprābandhāyāś caramājām apeciran
Die Kuh selbst, erschlagen, stürzte die Vaitahavyas hinab, die die letzte Ziege der Kesaraprābandhā abgeschlachtet hatten. [Anm.: „Kesaraprābandhā“ unklar, evtl. Eigenname]
devapīyuś carati martyeṣu garagīrṇo bhavaty asthibhūyān yo brāhmaṇaṃ devabandhuṃ hinasti na sa pitṛyāṇam apy eti lokam
Der Gottfeind wandelt unter den Sterblichen, wird giftverschlungen, zu bloßen Knochen; wer den Brahmanen, den Gottverwandten, verletzt, der gelangt nicht einmal auf den Pfad der Väter, in ihre Welt.
Wort für Wort
devapīyuś
deva 'Gott' + pīyu 'feindselig, schmähend' → der Gottfeind (Nom.Sg.)
carati
wandelt (3.Sg.Präs.)
martyeṣu
unter den Sterblichen (Lok.Pl.)
garagīrṇo
gara 'Gift' + gīrṇa 'verschlungen' → giftverschlungen (Nom.Sg.)
Wie ein vergifteter Pfeil, o Herrscher, wie eine Giftschlange, o Hüter der Rinder – so ist der schreckliche Pfeil des Brahmanen; mit ihm durchbohrt er die Feindseligen.