Der Adhyāya behandelt Nebenriten und Deutungen des Somaopfers am Pressungstag (Soma-Tag) und schließt mit der Ekādaśinī, der Elfergruppe von Tieropfern. Er beginnt mit dem Apoṇaptrīya-Ritus (Wasserholen mit dem Kavaṣa-Lied, Ṛgveda 10.30) samt Herkunftserzählung, geht zu Upāṃśu- und Antaryāma-Graha als Ein- und Ausatmung, zur Frage des Aufstehens beim Pavamāna-Stotra, zum Japa und zur Deutung des Tieropfers über und endet mit dem Āvāhana (Anrufung der Götter) und der Ekādaśinī des Prajāpati. Die Quelle weist in Khaṇḍa 8 (Pādas 5-7 fehlen) und Khaṇḍa 10 (Pādas 26-28 fehlen) Lücken auf; die Marker [i] zählen dort lückenlos nach den tatsächlich vorhandenen Pādas. Khaṇḍa 1 (16 Pādas): Die Wasser als Opfer, Kraft und Unsterblichkeit; Kavaṣa vertreibt mit dem Lied die Rakṣas von den Wasserfurten. Khaṇḍa 2 (24 Pādas): Die Verse des Apoṇaptrīya-Liedes und ihre Anwendung beim Herbeiführen der Wasser samt Wechselruf von Hotṛ und Adhvaryu. Khaṇḍa 3 (24 Pādas): Das Lied als dreifach wirksamer Vajra; die Geschichte von Kavaṣa, dem als Sohn einer Dienerin der Zutritt verwehrt wird, und Sarasvatī, die ihm folgt. Khaṇḍa 4 (16 Pādas): Das Mitführen der Gattinnen bei den Wassern (Gandharvas und Frauen) und die Verszählung zu vierundzwanzig als Gāyatrī. Khaṇḍa 5 (19 Pādas): Upāṃśu- und Antaryāma-Graha als Ein- und Ausatem und ihr Darbringen vor und nach Sonnenaufgang. Khaṇḍa 6 (17 Pādas): Ob man beim Pavamāna aufstehen soll, und wie sich Ṛc und Sāman zueinander verhalten. Khaṇḍa 7 (24 Pādas): Der Japa beim Pavamāna, das Tieropfer als Soma und als Verstärkung der Pressungen, die Götter der Soma-Trinker und der Tier-Anteilhaber. Khaṇḍa 8 (16 Pādas): Streit, ob das Tier für Indra-Agni oder allein für Agni sei; Yājyā- und Puronuvākyā-Verse; Ekādaśinī. Khaṇḍa 9 (24 Pādas): Die Anrufungsformeln in den drei Pressungen, die Stellung des Vanaspati und der Ursprung der Ekādaśinī bei Prajāpati. Khaṇḍa 10 (34 Pādas): Die elf Tiere der Ekādaśinī nach Gottheiten, ihre Zuordnung zu Brahma, Kṣatra und Speise und der Abschluss mit Prajāpatis und des Opferers Gewinn.
yajño vā āpaḥ | tad yad apo accha yanti | yajñam eva tad accha yanti | atho ūrg vā āpo rasaḥ | aurjena eva tad rasena haviḥ saṃsṛjanti | atho amṛtatvam vā āpaḥ | amṛtatvam eva tad ātman dhatte | tadd ha sma vai purā yajña muho rakṣāṃsi tīrtheṣv apo gopāyanti | tad ye ke ca āpo accha jagmuḥ | tad eva tān sarvān jaghnuḥ | tat etat kavaṣaḥ sūktam apaśyat pañcadaśarcam pra devatrā brahmaṇe gātur etv iti | tad anvabravīt | tena yajña muho rakṣāṃsi tīrthebhyo apāhan | tata u ha etad arvāk svasty ariṣṭyāḥ punaḥ pratyāyanti | atha ado amutra apsv adhvaryur āhutim juhoti | tām sampraty etām anubrūyāt |
[1] Die Wasser sind ja das Opfer; [2] dass man also zu den Wassern geht, [3] das heißt: man geht zum Opfer hin. [4] Außerdem sind die Wasser ja Kraft (Ūrj) und Saft (Rasa); [5] mit Kraft und Saft verbinden sie dadurch die Opfergabe. [6] Außerdem sind die Wasser ja Unsterblichkeit; [7] Unsterblichkeit legt er damit in sich selbst. [8] Damals nun, in früherer Zeit, bewachten die Opfer-Räuber (yajñamuṣ, [Anm.: „muho“ der Quelle unsicher, vermutlich „muṣaḥ“]) und Rakṣas an den Furten die Wasser; [9] welche Wasser auch immer hin(kamen), [10] genau die erschlugen sie alle. [11] Dies sah Kavaṣa als Lied von fünfzehn Versen: „Vorwärts zu den Göttern, zum Brahman gehe der Weg“ (Ṛgveda 10.30.1); [12] er rezitierte es (dabei) nach; [13] damit schlug er die Opfer-Räuber und Rakṣas von den Furten weg. [14] Von da an kommen sie (die Wasser) hierher zurück, wohlbehalten und unversehrt. [15] Nun opfert der Adhvaryu dort drüben in den Wassern eine Spende; [16] diese (Spende) soll man sogleich mit diesem (Lied) rezitieren.
hinotā no adhvaram deva yajyā iti | tasyā eva eṣā yājyā deva yajyā ity abhirūpā | āvarvṛtatīr adha nu dvidhārā ity āvṛttāsu | prati yad āpo adṛśramāyatīr iti pratikhyātāsu | samanyā yanty upa yanty anyā iti samāyatīṣu | āpo na devīr upa yanti hotriyam iti hotṛ camase avanīyamānāsu | ādhenavaḥ payasā tūrṇy arthā iti | āpo vai dhenavaḥ | āpo hi idam sarvam dhinvanti | atha adhvaryur hotāram abhyāvṛtya tiṣṭhati | tam hotā pṛcchaty adhvaryav aiṣīr apa iti | aiṣīr yajñam ity eva enam tad āha | utemanannamur (?) iti pratyāha | avidāma tad yad āsya aiṣīṣma anaṃsata tasmā ity eva enam tad āha | pratyukto hotā etam nigadam pratipadyate | ūrg vai raso nigadaḥ | aurjam eva tad rasam nigadena haviṣi dadhāti | ambayo yanty adhvabhir iti | āpo vā ambayaḥ | apo hi yatīḥ stauti | emā agman revatīr jīva dhanyā ity āgatāsu | āgmann āpa uśatīr barhir edam ity āgatavatyā paridadhāti | abhirūpā anvāha | yad yajñe abhirūpam tat samṛddham yajñasya eva samṛddhyai |
[1] „Treibt uns das Opfer an, ihr Götterwürdigen“ (Ṛgveda 10.30.2); [2] das ist deren (der Wasser) Yājyā (Opferverse), („deva yajyā“:) passend; [3] „Zurückgekehrt (sind sie) nun mit zwei Strömen“ (Ṛgveda 10.30.3), bezieht sich auf die (wieder) zurückgekehrten (Wasser); [4] „Als man die Wasser herankommen sah“ (Ṛgveda 10.30.4), auf die (Wasser), die gesehen wurden; [5] „Die einen strömen zusammen, die anderen strömen heran“ (Ṛgveda 10.30.5), auf die zusammen Herankommenden; [6] „Die Wasser gehen wie Göttinnen zum Hotṛ-Gefäß“ (Ṛgveda 10.30.6), (das sagt man,) wenn sie in den Hotṛ-Becher (camasa) gebracht werden; [7] „die milchreichen (Kühe), mit Milch (…) rasch“ (Ṛgveda 10.30.7). [8] Die Wasser sind ja Milchkühe; [9] die Wasser laben ja dieses ganze (All). [10] Dann tritt der Adhvaryu dem Hotṛ gegenüber und bleibt stehen; [11] ihn fragt der Hotṛ: „Adhvaryu, hast du die Wasser gesucht?“ [12] „Hast du das Opfer gesucht“, sagt er ihm damit. [13] „Utemanam annamuḥ“ antwortet er [Anm.: Text verderbt, die Quelle selbst markiert „(?)“]; [14] „Wir haben es gefunden, was wir suchten; sie haben sich ihm zugeneigt“, sagt er ihm damit. [15] Nachdem er die Antwort erhalten hat, geht der Hotṛ zu diesem Nigada (Spruch) über. [16] Der Nigada ist ja Kraft und Saft; [17] Kraft und Saft legt er damit durch den Nigada in die Opfergabe. [18] „Die Mütter ziehen auf den Wegen“ (Ṛgveda 1.23.16), [19] die Wasser sind ja die Mütter; [20] denn er preist die herankommenden Wasser. [21] „Sie kamen her, die reichen, lebendigen Besitzes (…)“ (Ṛgveda 10.30.13) (sagt man,) wenn sie angekommen sind; [22] „Es kamen die Wasser, verlangend, zu diesem Barhis“ (Ṛgveda 10.30.15) (spricht er,) wenn die Angekommene(n) (das Gefäß) umfasst; [23] passende (Verse) rezitiert er nach. [24] Was beim Opfer passend ist, das ist wohlgelungen, zur Vollendung des Opfers.
anūktaḥ prātar anuvāka āsīt | aprāptāny ukthāny āsan | tān etasmin saṃdhāv asurā upāyan | te devāḥ pratibudhya bibhyata etam triḥsamṛddham vajram apaśyan | āpa iti tat prathamam vajra rūpam | sarasvatī iti tad dvitīyam vajra rūpam | pañcadaśarcam bhavati | tat tṛtīyam vajra rūpam | etena vai devās triḥ samṛddhena vajreṇa ebhyo lokebhyo asurān anudanta | tatho eva etad yajamāna etena eva triḥ samṛddhena vajreṇa ebhyo lokebhyo dviṣato bhrātṛvyān nudate | mādhyamāḥ sarasvatyām satram āsata | tadd ha api kavaṣo madhye niṣasāda | tam ha ima upoduḥ | dāsyā vai tvam putro asi na vayam tvayā saha bhakṣayiṣyāma iti | sa ha kruddhaḥ pradravan sarasvatīm etena sūktena tuṣṭāva | tam ha iyam anviyāya | tata u ha ime nirāgā iva menire | tam ha anvādrutya ūcuḥ | ṛce namas te astu mā no hāsīḥ | tvam vai naḥ śreṣṭho asi | yam tvā iyam anveti iti | tam ha jñapayām cakruḥ | tasya ha krodham vininyuḥ | sa eṣa kavaṣasya eva mahimā sūktasya ca anuveditā |
[1] Der Morgen-Anuvāka (Frühvortrag) war noch nicht rezitiert, [2] die Ukthas (Lobgesänge) waren noch nicht erreicht; [3] in dieser Zwischenzeit (Sandhi) fielen die Asuras heran. [4] Die Götter erwachten, fürchteten sich und sahen diesen dreifach vollendeten Vajra (Keule): [5] „Die Wasser“, das ist die erste Gestalt des Vajra; [6] „Sarasvatī“, das ist die zweite Gestalt des Vajra; [7] (dass) es aus fünfzehn Versen besteht, [8] das ist die dritte Gestalt des Vajra. [9] Mit diesem dreifach vollendeten Vajra stießen die Götter die Asuras aus diesen Welten hinweg. [10] Ebenso stößt hier der Opferer mit diesem dreifach vollendeten Vajra die hassenden Rivalen aus diesen Welten weg. [11] Die Mādhyamas hielten an der Sarasvatī eine Sattra-Feier ab; [12] da setzte sich auch Kavaṣa in die Mitte. [13] Zu ihm traten diese (hin) [14] und sagten: „Du bist ja der Sohn einer Dienerin; wir werden nicht mit dir zusammen (den Rest) verzehren.“ [15] Zornig lief er davon und pries Sarasvatī mit diesem Lied; [16] ihm ging sie nach. [17] Da meinten diese (Mādhyamas), sie seien gleichsam schuldig; [18] sie liefen ihm nach und sagten: [19] „Dem Ṛc (dem Sprecher/dem Vers) Verehrung sei dir, verlass uns nicht! [20] Du bist ja unser Bester, [21] dem diese (Sarasvatī) folgt“; [22] sie machten es ihm bekannt (überzeugten ihn); [23] sie nahmen seinen Zorn von ihm weg. [24] Das ist Kavaṣas Größe und das Nachverkündigen (Bekanntmachen) des Liedes [Anm.: „anuveditā“ unsicher].
atha yat saha patnībhir yanti | gandharvā ha vā indrasya somam apsu pratyāhitā gopāyanti | ta u ha strī kāmāḥ | te ha āsu manāṃsi kurvate | tad yathā pramattānām yajñam āhared evam tat | upanāmuka u eva enam yajño bhavati | tā vai viṃśatim anvāha | tā virājam abhisampadyante | vairājīr vā āpaḥ | annam virāḍ annam āpaḥ | annena tad anna adyam samardhayati | triḥ prathamayā trir uttamayā caturviṃśatiḥ sampadyante | caturviṃśaty akṣarā gāyatrī | gāyatrī prātaḥ savanam vahati | tad u ha prātaḥ savana rūpān na apaiti | iti nv āponaptrīyasya |
[1] Wenn sie nun mit den Gattinnen (zu den Wassern) gehen: [2] die Gandharvas bewachen ja Indras Soma, der in den Wassern hinterlegt ist; [3] die aber sind auf Frauen aus. [4] Sie richten ihren Sinn auf sie (die Frauen); [5] das ist so, wie wenn man das Opfer von Nachlässigen wegholte. [6] Dem (Opferer) wird das Opfer (dadurch) zugänglich. [7] Er rezitiert jene zwanzig (Verse) nach; [8] sie gelangen zu (dem Metrum) Virāj. [9] Die Wasser gehören ja zur Virāj; [10] Virāj ist Speise, Speise sind die Wasser; [11] mit Speise lässt er dadurch die Speise, das Essbare, gedeihen. [12] Dreimal mit dem ersten, dreimal mit dem letzten (Vers) werden es vierundzwanzig. [13] Die Gāyatrī hat vierundzwanzig Silben; [14] die Gāyatrī trägt die Morgenpressung. [15] Und davon weicht er nicht ab, von der Gestalt der Morgenpressung. [16] So weit zum Apoṇaptrīya.
atha vā upāṃśuḥ prāṇa eva | tam hūyamānam anuprāṇyāt prāṇam me pāhi prāṇam me jinva svāhā tvā subhava sūryāya iti | sa eva tasya vaṣaṭ kāraḥ sa svāhā kāraḥ | na ha vai tā āhutayo devān gacchanti yā avaṣaṭ kṛtā vā asvāhā kṛtā vā bhavanti | antaryāmo apāna eva | tam hūyamānam anvavānyād apānam me pāhy apānam me jinva svāhā tvā subhava sūryāya iti | sa eva tasya vaṣaṭ kāraḥ sa svāhā kāraḥ | na ha vai tā āhutayo devān gacchanti yā avaṣaṭ kṛtā vā asvāhā kṛtā vā bhavanti | tau vā etau prāṇa apānāv eva yad upāṃśv antaryāmau | tayor vā udite anyam anudite anyam juhvati | imāv eva tat prāṇa apānau vitārayati | tasmādd hi imau prāṇa apānau saha santau nānā iva | yad v eva udite anyam anudite anyam juhvati | aho rātrābhyām eva tad asurān antarayanti | ubhayato hy amum ādityam aho rātre pāpmānam vā yajamāna iti ha sma āha | atha yasya etā ubhā udite juhvaty ubhau vā anudite | udaka yājī sa na soma yājī | yasya eva etau yathā yatham hūyete sa soma yājī | iti nv aupāṃśv antaryāmayoḥ |
[1] Nun der Upāṃśu (Graha): das ist der Einatem selbst. [2] Wenn er dargebracht wird, soll man ihm nachatmen: „Schütze meinen Einatem, belebe meinen Einatem; Svāhā dir, dem Wohlwollenden, für die Sonne“; [3] das ist für ihn das Vaṣaṭ-Rufen, das ist das Svāhā-Rufen; [4] denn jene Opferspenden gehen nicht zu den Göttern, die ohne Vaṣaṭ oder ohne Svāhā (dargebracht) werden. [5] Der Antaryāma (Graha) ist der Ausatem selbst. [6] Wenn er dargebracht wird, soll man (ihm) nachhauchen: „Schütze meinen Ausatem, belebe meinen Ausatem; Svāhā dir, dem Wohlwollenden, für die Sonne“; [7] das ist für ihn das Vaṣaṭ-Rufen, das ist das Svāhā-Rufen; [8] denn jene Opferspenden gehen nicht zu den Göttern, die ohne Vaṣaṭ oder ohne Svāhā (dargebracht) werden. [9] Diese beiden sind ja Einatem und Ausatem, nämlich Upāṃśu und Antaryāma. [10] Von diesen beiden opfern sie den einen nach Sonnenaufgang, den anderen vor Sonnenaufgang; [11] dadurch halten sie diese beiden, Einatem und Ausatem, auseinander. [12] Darum sind diese beiden, Einatem und Ausatem, zusammen seiend, (doch) gleichsam getrennt. [13] Dass sie aber den einen nach Sonnenaufgang, den anderen vor Sonnenaufgang opfern, [14] damit trennen sie durch Tag und Nacht die Asuras ab. [15] „Denn auf beiden Seiten (sind) jene Sonne, Tag und Nacht; das Übel (pāpman) (ist) der Opferer“, so pflegte man zu sagen [Anm.: Text unsicher, Sinn dunkel]. [16] Nun (gilt): wer diese beiden (Grahas) entweder beide nach Sonnenaufgang opfert oder beide vor Sonnenaufgang, [17] der ist ein Wasser-Opferer, kein Soma-Opferer; [18] wessen beide aber jeweils richtig (jeder zu seiner Zeit) dargebracht werden, der ist ein Soma-Opferer. [19] So weit zu Upāṃśu und Antaryāma.
anūttheyaḥ pavamāno na iti | na anūttheya ity āhuḥ | ṛca etad āyatanam yatra etadd ha uta āste | atha adaḥ sāmno yatra amī sāma gāyanti | sa yo anūttiṣṭhati | ṛcam sa svād āyatanāc cyavayati | ṛcam sa sāmno anuvartmānam karoti | tasmād u na anūttiṣṭhet | na id ṛcam svād āyatanāc cyavayāni iti | na id ṛcam sāmno anuvartmānam karavāṇi iti | yadi tu svayam hotā syāt | anūttiṣṭhet | aupagātram hy asya bhavati | svargo vai lokaḥ svaraḥ sāma | svarge loke svare sāmany ātmānam atisṛjai iti | atha pavamāne ha vā u prātaḥ sarvā devatāḥ saṃtṛpyanti | katham tatra aparibhakṣito bhavati iti |
[1] „Soll man beim Pavamāna aufstehen oder nicht?“ [2] „Man soll nicht aufstehen“, sagen sie. [3] Der Ṛc (Vers) hat dies zum Sitz, wo er (der Hotṛ) sitzt; [4] dann jenes vom Sāman, wo jene das Sāman singen. [5] Wer nun aufsteht, [6] der bringt den Ṛc aus seinem eigenen Sitz; [7] den Ṛc macht er zu einem, der dem Sāman nachfolgt. [8] Deshalb soll man nicht aufstehen: [9] „Ich möchte den Ṛc ja nicht aus seinem eigenen Sitz bringen“, [10] „ich möchte den Ṛc ja nicht zum Nachfolger des Sāman machen“. [11] Wenn er aber selbst Hotṛ ist, [12] soll er aufstehen; [13] denn für ihn gehört das zum Mitsingen. [14] Die Himmelswelt ist ja der Ton (Svara), der Ton ist das Sāman; [15] „In der Himmelswelt, im Ton, im Sāman möge ich mich hingeben“ (so denkt er). [16] Nun aber: beim Pavamāna am Morgen werden ja alle Götter gesättigt; [17] „Wie ist er dabei nicht ausgeschlossen vom Mitgenuss?“ (fragt man).
sa stute pavamāna etam japam japet | upahūtā devā asya somasya pavamānasya vicakṣaṇasya bhakṣa upa mām devā hvayantām asya somasya pavamānasya vicakṣaṇasya bhakṣe manasā tvā bhakṣayāmi vācā tvā bhakṣayāmi prāṇena tvā bhakṣayāmi cakṣuṣā tvā bhakṣayāmi śrotreṇa tvā bhakṣayāmi iti | sa eṣa devaiḥ samupahavaḥ | tathā ha asya asau somo rājā vicakṣaṇaś candramā bhakṣo bhakṣito bhavati | yam amum devā bhakṣam bhakṣayanti | atha paśuḥ | soma eva eṣa pratyakṣam yat paśuḥ | udaka peyam iva hi syād yad eṣa na ālabhyeta | savanāny etena tīvrī karoti | tad yad vapayā caranti | tena prātaḥ savanam tīvrī kṛtam | yat śrapayanti yat paśu puroḍāśena caranti | tena mādhyaṃdinam savanam tīvrī kṛtam | atha yad enena tṛtīya savane pracaranti | tena tṛtīya savanam tīvrī kṛtam | sa eṣa savanānām eva tīvrī kāraḥ | yāś ca somapā devatāḥ | yāś ca paśu bhājanāḥ | trayas triṃśad vai somapā devatāḥ | yāḥ soma āhutīr anvāyattāḥ | aṣṭau vasava ekādaśa rudrā dvādaśa ādityā indro dvātriṃśaḥ | prajāpatis trayas triṃśaḥ | trayas triṃśat paśu bhājanāḥ | tā ubhayyaḥ prītā bhavanti yad eṣa ālabhyate |
[1] Wenn das Pavamāna gepriesen ist, soll er diesen Japa (Murmelspruch) murmeln: [2] „Geladen sind die Götter zum Genuss dieses Soma, des Pavamāna, des Weitsichtigen; mich mögen die Götter herbeirufen zum Genuss dieses Soma, des Pavamāna, des Weitsichtigen; mit dem Geist genieße ich dich, mit der Rede genieße ich dich, mit dem Einatem genieße ich dich, mit dem Auge genieße ich dich, mit dem Ohr genieße ich dich.“ [3] Das ist das Zusammenrufen mit den Göttern; [4] so wird ihm jener Soma, der König, der weitsichtige Mond, als Speise (Bhakṣa) verzehrt, [5] jene Speise, die die Götter verzehren. [6] Nun das Tier: [7] das ist ja Soma selbst, sichtbar, nämlich das Tier. [8] Denn (der Soma) wäre wie gewöhnliches Trinkwasser, wenn dieses (Tier) nicht dargebracht (ālabh) würde. [9] Damit macht er die Pressungen stark (intensiv). [10] Dass sie mit der Vapā (Netzfett) verfahren, [11] dadurch ist die Morgenpressung stark gemacht; [12] dass sie kochen, dass sie mit dem Tier und mit dem Puroḍāśa verfahren, [13] dadurch ist die Mittagspressung stark gemacht; [14] dass sie nun mit diesem (Tier) bei der dritten Pressung verfahren, [15] dadurch ist die dritte Pressung stark gemacht. [16] Das ist die Verstärkung eben der Pressungen, [17] und (auch) der Somatrinker-Gottheiten [18] und der Gottheiten, die am Tier Anteil haben. [19] Dreiunddreißig sind ja die Somatrinker-Gottheiten, [20] die an den Soma-Spenden beteiligt sind: [21] acht Vasus, elf Rudras, zwölf Ādityas, Indra als zweiunddreißigster, [22] Prajāpati als dreiunddreißigster; [23] dreiunddreißig sind die Anteilhaber am Tier. [24] Beide (Gruppen) sind erfreut, wenn dieses (Tier) dargebracht wird.
tam etam aindrāgnaḥ syād iti ha eka āhuḥ | indrāgnī vai sarve devāḥ | tad enena sarvān devān prīṇāti iti vadantaḥ | tad u vā āhur ati tad indram bhājayanti | agner vai prātaḥ savanam | prātaḥ savana eṣa ālabhyate | agner vā etam santam anyasmai haranti ye anya devatyam kurvanti | tad yathā anyasya santam anyasmai hared evam tat | api kevalam saṃvatsaram saṃvatsara sadām āgneya eva na cyaveta iti | tadvihā eka āhuḥ | śikṣāyām eva avadhṛta āgneyaḥ | tasya bhuvo yajñasya rajasaś ca netā iti vapāyai yājyā | pra vaḥ śukrāya bhānave bharadhvam iti śukravatī puroḍāśasya | pra kāravo mananā vacyamānā iti haviṣmatī haviṣaḥ | ekādaśinīs tv eva anvāyātayeyur iti sā sthitiḥ | yadi pṛṣṭha upāyam bhavati |
[1] Manche sagen: Dieses (Tier) solle für Indra und Agni sein; [2] denn Indra und Agni sind ja alle Götter; [3] „damit erfreue er alle Götter“, sagen sie. [4] Andere aber sagen: „Damit lassen sie Indra darüber hinaus teilhaben“ [Anm.: Sinn von „ati“ unklar; in der Quelle fehlen hier Pādas]. [5] Die Morgenpressung gehört ja Agni; [6] bei der Morgenpressung wird dies (Tier) dargebracht; [7] wenn sie es, das Agni gehört, einem anderen zuführen, die (es) einer anderen Gottheit widmen, [8] so ist das, wie wenn man das, was einem gehört, einem anderen zuführte. [9] „Für ein ganzes Jahr, für die Jahrsitzer, soll es allein ein Āgneya (Agni-Tier) sein und nicht abweichen“, [10] so sagen (die einen) [Anm.: „tadvihā“ unklar]; (andere): [11] „Nur in der Regel (Śikṣā) ist der Āgneya festgelegt.“ [12] „Er, der Führer der Erde, des Opfers und des Luftraums“ (Ṛgveda), das ist die Yājyā für die Vapā; [13] „Bringt dar dem leuchtenden Glanz“ (Ṛgveda 5.?), das ist die Śukravatī (Vers mit „śukra“) für den Puroḍāśa; [14] „Die Sänger, in Gedanken sprechend“ (Ṛgveda), das ist die Haviṣmatī für die Opferspeise. [15] „Die Ekādaśinīs aber soll man nachfolgen lassen“, das ist die feste Regel; [16] wenn es ein Pṛṣṭha(-Stotra) als Stütze gibt, (gilt dies) [Anm.: Pāda 19 „yadi pṛṣṭha upāyam bhavati“ unsicher, Fortsetzung fehlt].
atha āvāhane | āvaha devān yajamānāya | agnim agna āvaha vanaspatim āvaha indram vasumantam āvaha iti | tat prātaḥ savanam āvāhayati | indram rudravantam āvaha iti | tan mādhyaṃdinam savanam āvāhayati | indram ādityavantam ṛbhumantam vibhumantam vājavantam bṛhaspativantam viśvadevyāvantam āvaha iti | tat tṛtīya savanam āvāhayati | ata u ha eke vanaspatim āvāhayanti | antata āvāhyaḥ | tṛtīya savane hy enam yajanti iti vadantaḥ | tad u vā āhur ātmā vai paśuḥ | prāṇo vanaspatiḥ | yas tam tatra brūyāt | prāṇād ātmānam antaragān na jīviṣyati iti tathā ha syāt | tasmāt paśum eva upasaṃdhāya vanaspatir āvāhyaḥ | mīmāṃsitaḥ paśuḥ | prajāpatiḥ prajā sṛṣṭvā riricāna iva amanyata | sa ha aikṣata | katham nu tena yajña kratunā yajeya yena iṣṭvā upa kāmān āpnuyām ava anna adyam rundhīya iti | sa tām ekādaśinīm apaśyat | tām āharat tayā ayajata | tayā iṣṭvā upa kāmān āpnod ava anna adyam arundhata | tatho evaitad yajamāna etayā eva ekādaśinyā iṣṭvā upa kāmān āpnoty ava anna adyam rundhe |
[1] Nun beim Āvāhana (der Einladung): [2] „Führe die Götter für den Opferer herbei!“ [3] „Agni, o Agni, führe herbei; Vanaspati führe herbei; Indra, den Vasu-Begleiteten, führe herbei“, [4] damit lässt er die Morgenpressung herbeirufen; [5] „Indra, den Rudra-Begleiteten, führe herbei“, [6] damit lässt er die Mittagspressung herbeirufen; [7] „Indra, den mit Ādityas, mit Ṛbhus, mit Vibhus, mit Vājas, mit Bṛhaspati, mit den Viśve Devāḥ Begleiteten, führe herbei“, [8] damit lässt er die dritte Pressung herbeirufen. [9] Daher lassen manche Vanaspati herbeirufen; [10] er soll zuletzt herbeigerufen werden, [11] „denn bei der dritten Pressung opfern sie ihm“, sagen sie. [12] Andere aber sagen: Das Tier ist ja das Selbst (Ātman), [13] der Vanaspati ist der Lebenshauch (Prāṇa); [14] wer ihm dort sagen würde: [15] „Du hast dich vom Lebenshauch weg dazwischen hineingestellt; er wird nicht leben“, so könnte es sein. [16] Daher soll Vanaspati, nachdem man das Tier eben angeschlossen hat, herbeigerufen werden. [17] Das Tier ist (damit) erörtert. [18] Prajāpati, nachdem er die Geschöpfe geschaffen hatte, meinte, er sei gleichsam erschöpft; [19] er überlegte: [20] „Wie könnte ich mit welchem Opferwerk opfern, durch das ich, geopfert habend, die Wünsche erlange und die Speise, das Essbare, (für mich) gewinne?“ [21] Er sah diese Ekādaśinī; [22] er holte sie herbei, mit ihr opferte er; [23] durch sie opfernd erlangte er die Wünsche und gewann die Speise. [24] Ebenso erlangt hier der Opferer, indem er mit eben dieser Ekādaśinī opfert, die Wünsche und gewinnt die Speise.
tasyai vā etasyā ekādaśinyai yājyā puronuvākyāś caiva nānā | manotāyai ca haviṣaḥ | atha itarat samānam | āgneyaḥ prathamaḥ | brahma vā agniḥ | brahma yaśasasya avaruddhyai | sārasvato dvitīyaḥ | vāg vai sarasvatī | vācā vā idam svaditam annam adyate anna adyasya upāptyai | saumyas tṛtīyaḥ | kṣatram vai somaḥ | kṣatra yaśasasya avaruddhyai | pauṣṇaś caturthaḥ | annam vai pūṣā | anna adyasya upāptyai | bārhaspatyaḥ pañcamaḥ | brahma vai bṛhaspatiḥ | brahma yaśasasya avaruddhyai | vaiśvadevaḥ ṣaṣṭhaḥ | viśva rūpam vā idam annam adyate anna adyasya upāptyai | aindraḥ saptamaḥ | kṣatram vā indraḥ | kṣatra yaśasasya avaruddhyai | māruto aṣṭamaḥ | āpo vai marutaḥ | brahma kṣatre vā indrāgnī | brahma yaśasasya ca kṣatra yaśasasya ca avaruddhyai | sāvitro daśamaḥ | savitṛ prasūtam vā idam annam adyate anna adyasya upāptyai | vāruṇa ekādaśaḥ | kṣatram vai varuṇaḥ | kṣatra yaśasasya avaruddhyai | evam vai prajāpatir brahmaṇā ca kṣatreṇa ca kṣatreṇa ca brahmaṇā ca ubhayato anna adyam parigṛhṇāno avarundhāna ait | tatho eva etad yajamāna evam eva brahmaṇā ca kṣatreṇa ca kṣatreṇa ca brahmaṇā ca ubhayato anna adyam parigṛhṇāno avarundhāna ety avarundhāna eti |
[1] Für diese Ekādaśinī sind Yājyā und Puronuvākyā (Opfer- und Einladungsverse) je verschieden, [2] und (auch) für die Opferspeise (Haviṣ) der Manotā; [3] das Übrige aber ist gemeinsam. [4] Der erste ist für Agni; [5] Agni ist ja das Brahman (die heilige Kraft); [6] (das) zur Gewinnung des Brahman-Ruhmes. [7] Der zweite ist für Sarasvatī; [8] Sarasvatī ist ja die Rede; [9] durch die Rede wird diese schmackhaft gemachte Speise verzehrt: zur Erlangung des Essbaren. [10] Der dritte ist für Soma; [11] Soma ist ja das Kṣatra (Herrschaft); [12] zur Gewinnung des Kṣatra-Ruhmes. [13] Der vierte ist für Pūṣan; [14] Pūṣan ist ja Speise; [15] zur Erlangung des Essbaren. [16] Der fünfte ist für Bṛhaspati; [17] Bṛhaspati ist ja das Brahman; [18] zur Gewinnung des Brahman-Ruhmes. [19] Der sechste ist für die Viśve Devāḥ; [20] diese Speise, die verzehrt wird, ist ja vielgestaltig: zur Erlangung des Essbaren. [21] Der siebte ist für Indra; [22] Indra ist ja das Kṣatra; [23] zur Gewinnung des Kṣatra-Ruhmes. [24] Der achte ist für die Maruts; [25] die Wasser sind ja die Maruts. [26] Indra und Agni sind ja Brahman und Kṣatra [Anm.: zwischen den Sätzen fehlen in der Quelle drei Pādas; hier stand offenbar der neunte, für Indra-Agni]; [27] zur Gewinnung sowohl des Brahman-Ruhmes als auch des Kṣatra-Ruhmes. [28] Der zehnte ist für Savitṛ; [29] diese Speise, die verzehrt wird, ist ja von Savitṛ angeregt: zur Erlangung des Essbaren. [30] Der elfte ist für Varuṇa; [31] Varuṇa ist ja das Kṣatra; [32] zur Gewinnung des Kṣatra-Ruhmes. [33] So ging Prajāpati, nachdem er beiderseits die Speise umfasst und gewonnen hatte, mit Brahman und Kṣatra, mit Kṣatra und Brahman, hin (ins Gelingen); [34] ebenso geht hier der Opferer, so mit Brahman und Kṣatra, mit Kṣatra und Brahman, beiderseits die Speise umfassend, gewinnend, hin; gewinnend geht er hin.