Quellen der Menschheit

Atharvaveda-Saṃhitā · Kāṇḍa 2

Sūkta 1

venas tat paśyat paramaṃ guhā yad yatra viśvaṃ bhavaty ekarūpam idaṃ pṛśnir aduhaj jāyamānāḥ svarvido abhy anūṣata vrāḥ

Vena schaute jenes Höchste, das im Verborgenen liegt, wo dieses All eine einzige Gestalt annimmt. Die gescheckte Kuh (Pṛśni) molk dies, während die Wesen geboren wurden; die Scharen, die das Sonnenlicht (svar) fanden, sangen ihm entgegen.

Wort für Wort
venas
Vena (Seher/Gottheit) (Nom.Sg.)
tat
jenes (Akk.Sg.)
paśyat
schaute (3.Sg.Impf.)
paramaṃ
Höchste (Akk.Sg.)
guhā
im Verborgenen (Adv.)
yad
das
yatra
wo
viśvaṃ
das All (Nom.Sg.)
bhavaty
wird (3.Sg.Präs.)
ekarūpam
eine einzige Gestalt (Nom.Sg.)
idaṃ
dies (Akk.Sg.)
pṛśnir
die gescheckte Kuh (Nom.Sg.)
aduhaj
molk (3.Sg.Impf.)
jāyamānāḥ
während die Wesen geboren wurden (Nom.Pl.Part.)
svarvido
die das Sonnenlicht fanden (Nom.Pl.)
abhy
entgegen (Verbalpräfix)
anūṣata
sangen (3.Pl.Aor.)
vrāḥ
die Scharen (Nom.Pl.)

pra tad voced amṛtasya vidvān gandharvo dhāma paramaṃ guhā yat trīṇi padāni nihitā guhāsya yas tāni veda sa pituṣ pitāsat

Das soll verkünden, wer die höchste Stätte des Unsterblichen im Verborgenen kennt, o Gandharva: Drei Fußspuren sind dort verborgen; wer diese kennt, der wird zum Vater seines eigenen Vaters.

Wort für Wort
pra
(Verbalpräfix, verkünden)
tad
das (Akk.Sg.)
voced
soll verkünden (3.Sg.Opt.)
amṛtasya
des Unsterblichen (Gen.Sg.)
vidvān
wer kennt (Nom.Sg.Part.)
gandharvo
o Gandharva (Genius der Lüfte) (Vok.Sg.)
dhāma
Stätte (Akk.Sg.)
paramaṃ
höchste (Akk.Sg.)
guhā
im Verborgenen (Adv.)
yat
dass
trīṇi
drei (Nom.Pl.)
padāni
Fußspuren (Nom.Pl.)
nihitā
verborgen (Nom.Pl.)
guhāsya
im Verborgenen seines (guhā+asya)
yas
wer (Nom.Sg.)
tāni
diese (Akk.Pl.)
veda
kennt (3.Sg.Perf.)
sa
der (Nom.Sg.)
pituṣ
seines Vaters (Gen.Sg.)
pitāsat
wird zum Vater (pitā+asat)

sa naḥ pitā janitā sa uta bandhur dhāmāni veda bhuvanāni viśvā yo devānāṃ nāmadha eka eva taṃ saṃpraśnaṃ bhuvanā yanti sarvā

Er ist unser Vater und Erzeuger, er auch unser Verwandter; er kennt die Stätten, alle Welten. Er, der den Göttern allein ihre Namen verleiht — an ihn wenden sich alle Welten mit ihrer Frage.

Wort für Wort
sa
er (Nom.Sg.)
naḥ
unser (Gen.Pl.)
pitā
Vater (Nom.Sg.)
janitā
Erzeuger (Nom.Sg.)
sa
er (Nom.Sg.)
uta
auch
bandhur
Verwandter (Nom.Sg.)
dhāmāni
Stätten (Akk.Pl.)
veda
kennt (3.Sg.Perf.)
bhuvanāni
Welten (Akk.Pl.)
viśvā
alle (Akk.Pl.)
yo
der (Nom.Sg.)
devānāṃ
den Göttern (Gen.Pl.)
nāmadha
verleiht Namen (3.Sg.Präs.)
eka
allein (Nom.Sg.)
eva
eben
taṃ
an ihn (Akk.Sg.)
saṃpraśnaṃ
mit der Frage (Akk.Sg.)
bhuvanā
Welten (Nom.Pl.)
yanti
wenden sich (3.Pl.Präs.)
sarvā
alle (Nom.Pl.)

pari dyāvāpṛthivī sadya āyam upātiṣṭhe prathamajām ṛtasya vācam iva vaktari bhuvaneṣṭhā dhāsyur eṣa nanv eṣo agniḥ

Sogleich bin ich zu Himmel und Erde gekommen, ich trete heran zur erstgeborenen Stimme der Wahrheit (ṛta), wie zu einem Sprecher. Der in den Welten Feststehende, der Erhalter [Anm.: dhāsyu, 'Erhalter/Ernährer', ist lexikalisch unsicher gedeutet] — ist das nicht eben er, ist das nicht Agni?

Wort für Wort
pari
(Verbalpräfix, gekommen)
dyāvāpṛthivī
Himmel und Erde (Akk.Dual)
sadya
sogleich (Adv.)
āyam
bin ich gekommen (1.Sg.Aor.)
upātiṣṭhe
ich trete heran (1.Sg.Perf.)
prathamajām
erstgeborenen (Akk.Sg.)
ṛtasya
der Wahrheit (Gen.Sg.)
vācam
Stimme (Akk.Sg.)
iva
wie
vaktari
zu einem Sprecher (Lok.Sg.)
bhuvaneṣṭhā
der in den Welten Feststehende (Nom.Sg.)
dhāsyur
der Erhalter [?] (Nom.Sg.)
eṣa
dieser (Nom.Sg.)
nanv
nicht wahr
eṣo
dieser (Nom.Sg.)
agniḥ
Agni (Nom.Sg.)

pari viśvā bhuvanāny āyam ṛtasya tantuṃ vitataṃ dṛśe kam yatra devā amṛtam ānaśānāḥ samāne yonāv adhy airayanta

Ich bin um alle Welten herumgegangen, um den ausgespannten Faden der Wahrheit zu schauen, dort wo die Götter, die Unsterblichkeit erlangt habend, sich im selben Schoß erhoben haben.

Wort für Wort
pari
herum (Verbalpräfix)
viśvā
alle (Akk.Pl.)
bhuvanāny
Welten (Akk.Pl.)
āyam
bin ich gegangen (1.Sg.Aor.)
ṛtasya
der Wahrheit (Gen.Sg.)
tantuṃ
Faden (Akk.Sg.)
vitataṃ
ausgespannten (Akk.Sg.)
dṛśe
zu schauen (Inf.)
kam
(Partikel)
yatra
wo
devā
Götter (Nom.Pl.)
amṛtam
Unsterblichkeit (Akk.Sg.)
ānaśānāḥ
erlangt habend (Nom.Pl.Part.)
samāne
im selben (Lok.Sg.)
yonāv
Schoß (Lok.Sg.)
adhy
(Verbalpräfix, sich erheben)
airayanta
haben sich erhoben (3.Pl.Impf.)

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