Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Strīparva

Kapitel 17: gāndhāryā duryodhanaśokaḥ Gāndhārīs Klage am Leichnam des Duryodhana vor Kṛṣṇa

Gāndhārī bricht beim Anblick des gefallenen Duryodhana zusammen und klagt Kṛṣṇa ihr Leid; sie schildert den Umschwung seines Schicksals und die Trauer der Frauen, besonders seiner Gattin.

vaiśaṃpāyana uvāca; tato duryodhanaṃ dṛṣṭvā gāndhārī śokakarśitā; sahasā nyapatad bhūmau chinneva kadalī vane

Vaiśaṃpāyana sprach: Als Gāndhārī dann Duryodhana erblickte, von Kummer ausgezehrt, stürzte sie jäh zu Boden wie ein gefällter Bananenbaum im Wald.

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca
Vaiśaṃpāyana sprach (Perf.)
tato duryodhanaṃ dṛṣṭvā
dann Duryodhana erblickt habend (Akk., Abs.)
gāndhārī śokakarśitā
Gāndhārī, von Kummer ausgezehrt (Nom.f.)
sahasā nyapatad bhūmau
jäh fiel sie nieder zu Boden (Impf.; Lok.)
chinneva kadalī vane
wie ein abgeschlagener Bananenbaum im Wald (Nom.f.; Lok.)

sā tu labdhvā punaḥ saṃjñāṃ vikruśya ca punaḥ punaḥ; duryodhanam abhiprekṣya śayānaṃ rudhirokṣitam

Sie aber, als sie das Bewusstsein wiedererlangt hatte und immer wieder laut aufgeschrien hatte, blickte auf den daliegenden, blutbesprengten Duryodhana

Wort für Wort
sā tu labdhvā punaḥ saṃjñām
sie aber, wiedererlangt habend das Bewusstsein (Abs.; Akk.)
vikruśya ca punaḥ punaḥ
und laut aufgeschrien habend, wieder und wieder (Abs.)
duryodhanam abhiprekṣya
Duryodhana angeblickt habend (Akk., Abs.)
śayānaṃ rudhirokṣitam
den Liegenden, blutbesprengten (Akk., Part.Präs.; Part.Perf.Pass.)

Der Satz läuft in Einheit 3 weiter.

pariṣvajya ca gāndhārī kṛpaṇaṃ paryadevayat; hā hā putreti śokārtā vilalāpākulendriyā

und umarmte ihn, und Gāndhārī klagte jammervoll: „Ach, ach, mein Sohn!“ – so jammerte sie, vom Leid gequält, mit verwirrten Sinnen.

Wort für Wort
pariṣvajya ca gāndhārī
und umarmt habend, Gāndhārī (Abs.; Nom.)
kṛpaṇaṃ paryadevayat
kläglich klagte sie (Adv.; Impf.)
hā hā putreti
ach, ach, Sohn! – so (Interj.; Vok.; iti)
śokārtā vilalāpākulendriyā
vom Kummer gequält, jammerte sie, mit verwirrten Sinnen (Nom.f.; Perf.; Bahuvrīhi)

sugūḍhajatru vipulaṃ hāraniṣkaniṣevitam; vāriṇā netrajenoraḥ siñcantī śokatāpitā; samīpasthaṃ hṛṣīkeśam idaṃ vacanam abravīt

Seine breite Brust mit den wohlverborgenen Schlüsselbeinen, geschmückt mit Halsketten und Goldmünzen, besprengte sie mit dem aus den Augen entstandenen Wasser, von Kummer erhitzt; und zu Hṛṣīkeśa, der nahe [bei ihr] stand, sprach sie diese Worte:

Wort für Wort
sugūḍhajatru vipulaṃ
mit gut verborgenen Schlüsselbeinen, breit (Akk.n.; Bahuvrīhi)
hāraniṣkaniṣevitam
von Halsketten und Niṣkas geschmückt (Akk.n.; Part.Perf.Pass.)
vāriṇā netrajena uraḥ siñcantī
mit dem aus den Augen entstandenen Wasser die Brust besprengend (Instr.; Akk.; Part.Präs.f.)
śokatāpitā
von Kummer erhitzt (Nom.f.)
samīpasthaṃ hṛṣīkeśam
den nahe Stehenden, Hṛṣīkeśa (Akk.)
idaṃ vacanam abravīt
dieses Wort sprach sie (Akk.; Impf.)

Die Brust ist wohl die des Duryodhana (uraḥ ohne Possessiv) [?].

upasthite 'smin saṃgrāme jñātīnāṃ saṃkṣaye vibho; mām ayaṃ prāha vārṣṇeya prāñjalir nṛpasattamaḥ; asmiñ jñātisamuddharṣe jayam ambā bravītu me

„Da dieser Kampf bevorsteht, o Mächtiger, [dieser] Untergang der Verwandten, sprach dieser da, Vārṣṇeya, der Beste der Könige, mit gefalteten Händen zu mir: ‚Mutter, sprich mir Sieg zu in diesem Aufeinanderprallen der Verwandten!‘

Wort für Wort
upasthite 'smin saṃgrāme
als dieser Kampf bevorstand (Lok. abs.)
jñātīnāṃ saṃkṣaye vibho
beim Untergang der Verwandten, o Mächtiger (Lok.; Vok.)
mām ayaṃ prāha vārṣṇeya
zu mir sprach dieser, o Vārṣṇeya (Perf.; Vok.)
prāñjalir nṛpasattamaḥ
mit gefalteten Händen, der beste der Könige (Nom.)
asmiñ jñātisamuddharṣe
in diesem Aufeinanderprallen/Aufbrausen der Verwandten (Lok.)
jayam ambā bravītu me
Sieg möge die Mutter sprechen mir (Akk.; Imp.; Dat.-Gen.)

jñātisamuddharṣe: Bedeutung von samuddharṣa unsicher (Erregung/Aufbrausen) [?]. Die Anführung der Rede endet erst in Einheit 8/9.

ity ukte jānatī sarvam ahaṃ svaṃ vyasanāgamam

Als so gesprochen worden war, [sagte ich,] die ich mein ganzes eigenes Unheil kommen wusste:

Wort für Wort
ity ukte
so gesagt worden war (Lok. abs.)
jānatī sarvam
wissend, alles (Part.Präs.f.; Akk.)
ahaṃ svaṃ vyasanāgamam
ich, mein eigenes Hereinbrechen des Unheils (Nom.; Akk.)

Satz wird in Einheit 7/8 mit abruvam fortgesetzt.

ity evam abruvaṃ naivaṃ yataḥ kṛṣṇas tato jayaḥ

„So sagte ich [zu ihm]: ‚Nicht so [ist es]; denn wo Kṛṣṇa ist, dort ist der Sieg.‘

Wort für Wort
ity evam abruvaṃ
so sagte ich (Impf.)
naivaṃ
nicht so (Adv.)
yataḥ kṛṣṇas tato jayaḥ
woher/wo Kṛṣṇa, dort Sieg (Nom.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers (Stern) der kritischen Ausgabe.

abruvaṃ puruṣavyāghra yato dharmas tato jayaḥ

Ich sagte, Tiger unter den Männern: ‚Wo das Recht [Dharma] ist, dort ist der Sieg.‘

Wort für Wort
abruvaṃ
ich sagte (Impf.)
puruṣavyāghra
Tiger unter den Männern (Vok.)
yato dharmas tato jayaḥ
wo das Recht, dort der Sieg (Nom.)

yathā na yudhyamānas tvaṃ saṃpramuhyasi putraka; dhruvaṃ śastrajitāṃl lokān prāptāsy amaravad vibho

Da du kämpfend nicht in Verwirrung gerätst, mein Sohn, wirst du gewiss die durch Waffen gewonnenen Welten erlangen, wie ein Unsterblicher, o Mächtiger.“

Wort für Wort
yathā na yudhyamānas tvaṃ
damit/wie du nicht kämpfend (Part.Präs.med.; Nom.)
saṃpramuhyasi putraka
du in Verwirrung gerätst, Söhnchen (2.Sg.Präs.; Vok.)
dhruvaṃ śastrajitāṃl lokān
gewiss die durch Waffen gewonnenen Welten (Akk.Pl.)
prāptāsy amaravad vibho
wirst erlangen, wie ein Unsterblicher, o Mächtiger (2.Sg.periphr.Fut.; Vok.)

Der Sinn von yathā na … saṃpramuhyasi ist knapp; hier als „da/indem du nicht verwirrt wirst“ gedeutet [?].

ity evam abruvaṃ pūrvaṃ nainaṃ śocāmi vai prabho; dhṛtarāṣṭraṃ tu śocāmi kṛpaṇaṃ hatabāndhavam

So sagte ich früher; um diesen da trauere ich nicht, o Herr; um Dhṛtarāṣṭra aber trauere ich, den Jammervollen, dem die Verwandten erschlagen sind.

Wort für Wort
ity evam abruvaṃ pūrvaṃ
so sagte ich früher (Impf.)
nainaṃ śocāmi vai prabho
um diesen trauere ich wahrlich nicht, o Herr (1.Sg.Präs.; Vok.)
dhṛtarāṣṭraṃ tu śocāmi
um Dhṛtarāṣṭra aber trauere ich (Akk.)
kṛpaṇaṃ hatabāndhavam
den Bejammernswerten, dessen Verwandte erschlagen sind (Akk.; Bahuvrīhi)

amarṣaṇaṃ yudhāṃ śreṣṭhaṃ kṛtāstraṃ yuddhadurmadam; śayānaṃ vīraśayane paśya mādhava me sutam

Den Unversöhnlichen, Besten der Kämpfer, im Gebrauch der Waffen Geübten, im Kampf Übermütigen – sieh, Mādhava, meinen Sohn, auf dem Heldenlager liegend!

Wort für Wort
amarṣaṇaṃ yudhāṃ śreṣṭhaṃ
den Unnachgiebigen, den Besten der Kämpfer (Akk.; Gen.Pl.)
kṛtāstraṃ yuddhadurmadam
den Waffengeübten, im Kampf Trunkenen/Übermütigen (Akk.)
śayānaṃ vīraśayane
liegend auf dem Heldenlager (Part.Präs.; Lok.)
paśya mādhava me sutam
sieh, Mādhava, meinen Sohn (Imp.; Vok.; Akk.)

yo 'yaṃ mūrdhāvasiktānām agre yāti paraṃtapaḥ; so 'yaṃ pāṃsuṣu śete 'dya paśya kālasya paryayam

Der, der an der Spitze der gesalbten Könige einherzog, der Feindebezwinger – er liegt heute im Staub. Sieh den Umschwung der Zeit!

Wort für Wort
yo 'yaṃ mūrdhāvasiktānām
der da unter den gesalbten [Königen] (Nom.; Gen.Pl.)
agre yāti paraṃtapaḥ
an der Spitze ging er, Feindebrenner (Präs.; Nom.)
so 'yaṃ pāṃsuṣu śete 'dya
dieser liegt heute im Staub (Lok.Pl.; 3.Sg.Präs.)
paśya kālasya paryayam
sieh den Umschwung der Zeit (Imp.; Gen.; Akk.)

dhruvaṃ duryodhano vīro gatiṃ nasulabhāṃ gataḥ; tathā hy abhimukhaḥ śete śayane vīrasevite

Gewiss hat der Held Duryodhana einen schwer erreichbaren Weg erlangt; denn er liegt mit dem Gesicht nach vorn auf dem von Helden aufgesuchten Lager.

Wort für Wort
dhruvaṃ duryodhano vīro
gewiss Duryodhana, der Held (Nom.)
gatiṃ nasulabhāṃ gataḥ
einen nicht leicht zu erreichenden Weg gegangen [= erlangt] (Akk.; Part.Perf.)
tathā hy abhimukhaḥ śete
denn so liegt er dem Feind zugewandt (Nom.; 3.Sg.Präs.)
śayane vīrasevite
auf dem von Helden besuchten Lager (Lok.)

yaṃ purā paryupāsīnā ramayanti varastriyaḥ; taṃ vīraśayane suptaṃ ramayanty aśivāḥ śivāḥ

Ihn, den früher die schönsten Frauen, ringsum sitzend, ergötzten – ihn, der auf dem Heldenlager schläft, ergötzen [nun] unheilvolle Schakalweibchen.

Wort für Wort
yaṃ purā paryupāsīnā
den früher ringsum sitzend (Akk.; Part.Präs.med. f.Pl.)
ramayanti varastriyaḥ
ergötzen die vorzüglichen Frauen (Nom.Pl.)
taṃ vīraśayane suptaṃ
ihn auf dem Heldenlager Eingeschlafenen (Akk.; Lok.)
ramayanty aśivāḥ śivāḥ
ergötzen unheilvolle Schakalinnen (Nom.Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers (Stern); aśivāḥ śivāḥ ist ein Wortspiel (Unheilvolle / Schakalinnen).

yaṃ purā paryupāsīnā ramayanti mahīkṣitaḥ; mahītalasthaṃ nihataṃ gṛdhrās taṃ paryupāsate

Ihn, den früher Könige, ringsum sitzend, ergötzten – ihn, der auf dem Erdboden liegt, erschlagen, umsitzen [jetzt] Geier.

Wort für Wort
yaṃ purā paryupāsīnā
den früher ringsum sitzend (Akk.; Part.)
ramayanti mahīkṣitaḥ
ergötzten die Herrscher der Erde (Nom.Pl.)
mahītalasthaṃ nihataṃ
den auf dem Erdboden Befindlichen, Erschlagenen (Akk.)
gṛdhrās taṃ paryupāsate
Geier ihn umsitzen (Nom.Pl.; Akk.; 3.Pl.Präs.)

yaṃ purā vyajanair agryair upavījanti yoṣitaḥ; tam adya pakṣavyajanair upavījanti pakṣiṇaḥ

Den, den früher Frauen mit vorzüglichen Fächern fächelten – ihn fächeln heute Vögel mit ihren Flügeln.

Wort für Wort
yaṃ purā vyajanair agryair
den früher mit Fächern, vorzüglichen (Instr.Pl.)
upavījanti yoṣitaḥ
fächeln zu die Frauen (Nom.Pl.)
tam adya pakṣavyajanair
ihn heute mit Flügelfächern (Instr.Pl.)
upavījanti pakṣiṇaḥ
fächeln die Vögel (Nom.Pl.)

eṣa śete mahābāhur balavān satyavikramaḥ; siṃheneva dvipaḥ saṃkhye bhīmasenena pātitaḥ

Da liegt er, der Starkarmige, Kraftvolle, von wahrer Tapferkeit, im Kampf von Bhīmasena niedergestreckt wie ein Elefant von einem Löwen.

Wort für Wort
eṣa śete mahābāhur
dieser liegt, der Starkarmige (3.Sg.Präs.; Nom.)
balavān satyavikramaḥ
kraftvoll, von wahrer Tapferkeit (Nom.)
siṃheneva dvipaḥ saṃkhye
wie ein Elefant von einem Löwen im Kampf (Instr.; Nom.; Lok.)
bhīmasenena pātitaḥ
von Bhīmasena gefällt (Instr.; Part.Kaus.)

paśya duryodhanaṃ kṛṣṇa śayānaṃ rudhirokṣitam; nihataṃ bhīmasenena gadām udyamya bhārata

Sieh Duryodhana, Kṛṣṇa, den daliegenden, blutbesprengten, von Bhīmasena erschlagen, der die Keule erhoben hatte, o Bhārata.

Wort für Wort
paśya duryodhanaṃ kṛṣṇa
sieh Duryodhana, Kṛṣṇa (Imp.; Akk.; Vok.)
śayānaṃ rudhirokṣitam
den Liegenden, blutbesprengten (Akk.)
nihataṃ bhīmasenena
erschlagen von Bhīmasena (Part.; Instr.)
gadām udyamya bhārata
die Keule erhoben habend, o Bhārata (Abs.; Vok.)

Das Absolutiv gadām udyamya bezieht sich grammatisch auf Bhīmasena.

akṣauhiṇīr mahābāhur daśa caikāṃ ca keśava; anayad yaḥ purā saṃkhye so 'nayān nidhanaṃ gataḥ

Elf Heerscharen, o Starkarmiger, o Keśava, die er einst in den Kampf geführt hat – er ist durch Unrecht [selbst] in den Tod gegangen.

Wort für Wort
akṣauhiṇīr mahābāhur
Heerscharen, der Starkarmige (Akk.Pl.; Nom.)
daśa caikāṃ ca keśava
zehn und eine, o Keśava (Akk.; Vok.)
anayad yaḥ purā saṃkhye
der einst im Kampf führte (Impf.; Lok.)
so 'nayān nidhanaṃ gataḥ
er durch Unrecht/Fehlleitung zum Tod gegangen (Abl.; Akk.; Part.)

eṣa duryodhanaḥ śete maheṣvāso mahārathaḥ; śārdūla iva siṃhena bhīmasenena pātitaḥ

Da liegt Duryodhana, der große Bogenschütze, der große Wagenkämpfer, von Bhīmasena niedergestreckt wie ein Tiger von einem Löwen.

Wort für Wort
eṣa duryodhanaḥ śete
dieser Duryodhana liegt (Nom.; 3.Sg.)
maheṣvāso mahārathaḥ
großer Bogenschütze, großer Wagenkämpfer (Nom.)
śārdūla iva siṃhena
wie ein Tiger von einem Löwen (Nom.; Instr.)
bhīmasenena pātitaḥ
von Bhīmasena gefällt (Instr.; Part.Kaus.)

viduraṃ hy avamanyaiṣa pitaraṃ caiva mandabhāk; bālo vṛddhāvamānena mando mṛtyuvaśaṃ gataḥ

Denn Vidura und den Vater hat dieser Unglückselige missachtet; der Tor, ein Knabe, ist durch die Missachtung der Älteren in die Gewalt des Todes gegangen.

Wort für Wort
viduraṃ hy avamanyaiṣa
denn Vidura missachtet habend, dieser (Abs.; Akk.)
pitaraṃ caiva mandabhāk
und den Vater, der Unglückselige (Akk.; Nom.)
bālo vṛddhāvamānena
der Knabe durch Missachtung der Alten (Nom.; Instr.)
mando mṛtyuvaśaṃ gataḥ
der Tor in die Gewalt des Todes gegangen (Nom.; Akk.; Part.)

mandabhāk als „vom Unglück/Geringen Anteil habend“ verstanden [?].

niḥsapatnā mahī yasya trayodaśa samāḥ sthitā; sa śete nihato bhūmau putro me pṛthivīpatiḥ

Er, dessen Erde dreizehn Jahre lang ohne Rivalen dalag – er, mein Sohn, der Herr der Erde, liegt erschlagen am Boden.

Wort für Wort
niḥsapatnā mahī yasya
ohne Gegner die Erde, dessen (Nom.f.; Gen.)
trayodaśa samāḥ sthitā
dreizehn Jahre lang bestehend (Akk.; Part.f.)
sa śete nihato bhūmau
er liegt erschlagen am Boden (Nom.; Lok.)
putro me pṛthivīpatiḥ
mein Sohn, der Herr der Erde (Nom.)

apaśyaṃ kṛṣṇa pṛthivīṃ dhārtarāṣṭrānuśāsanāt; pūrṇāṃ hastigavāśvasya vārṣṇeya na tu tac ciram

Ich sah, Kṛṣṇa, die Erde unter der Herrschaft der Dhṛtarāṣṭra-Söhne voll von Elefanten, Kühen und Pferden, Vārṣṇeya – doch nicht lange.

Wort für Wort
apaśyaṃ kṛṣṇa pṛthivīṃ
ich sah, Kṛṣṇa, die Erde (Impf.; Vok.; Akk.)
dhārtarāṣṭrānuśāsanāt
unter der Herrschaft der Dhārtarāṣṭras (Abl.)
pūrṇāṃ hastigavāśvasya
voll von Elefanten, Kühen, Pferden (Akk.f.; Gen.)
vārṣṇeya na tu tac ciram
o Vārṣṇeya, doch nicht für lange Zeit (Vok.)

tām evādya mahābāho paśyāmy anyānuśāsanāt; hīnāṃ hastigavāśvena kiṃ nu jīvāmi mādhava

Eben diese sehe ich heute, o Starkarmiger, unter der Herrschaft eines anderen, ohne Elefanten, Kühe und Pferde – wozu lebe ich noch, Mādhava?

Wort für Wort
tām evādya mahābāho
eben diese heute, o Starkarmiger (Akk.; Vok.)
paśyāmy anyānuśāsanāt
sehe ich unter der Herrschaft eines anderen (1.Sg.; Abl.)
hīnāṃ hastigavāśvena
beraubt der Elefanten, Kühe, Pferde (Akk.f.; Instr.)
kiṃ nu jīvāmi mādhava
wozu wohl lebe ich, Mādhava (1.Sg.Präs.; Vok.)

idaṃ kṛcchrataraṃ paśya putrasyāpi vadhān mama; yad imāḥ paryupāsante hatāñ śūrān raṇe striyaḥ

Sieh dies, das noch schwerer ist als selbst der Tod meines Sohnes: dass diese Frauen die im Kampf erschlagenen Helden umsitzen.

Wort für Wort
idaṃ kṛcchrataraṃ paśya
sieh dies Schwerere (Akk.n.; Imp.)
putrasyāpi vadhān mama
als sogar meines Sohnes Tötung (Gen.; Abl.)
yad imāḥ paryupāsante
dass diese ringsum sitzen (3.Pl.Präs.)
hatāñ śūrān raṇe striyaḥ
die erschlagenen Helden im Kampf, die Frauen (Akk.Pl.; Lok.; Nom.Pl.)

prakīrṇakeśāṃ suśroṇīṃ duryodhanabhujāṅkagām; rukmavedīnibhāṃ paśya kṛṣṇa lakṣmaṇamātaram

Sieh, Kṛṣṇa, Lakṣmaṇas Mutter mit aufgelöstem Haar und schönen Hüften, auf Duryodhanas Arm [gebettet], einem goldenen Altar gleich!

Wort für Wort
prakīrṇakeśāṃ suśroṇīṃ
die mit gelöstem Haar, schönhüftig (Akk.f.)
duryodhanabhujāṅkagām
die auf Duryodhanas Arm/Schoß Liegende (Akk.f.)
rukmavedīnibhāṃ paśya
einem goldenen Altar gleichend, sieh (Akk.f.; Imp.)
kṛṣṇa lakṣmaṇamātaram
Kṛṣṇa, Lakṣmaṇas Mutter (Vok.; Akk.)

bhujāṅkagām: wörtlich „in die Armbeuge/den Schoß der Arme gegangen“ [?].

nūnam eṣā purā bālā jīvamāne mahābhuje; bhujāv āśritya ramate subhujasya manasvinī

Gewiss hat diese Junge früher, als der Starkarmige noch lebte, sich an die Arme des Schönarmigen geschmiegt und sich erfreut, die Hochsinnige.

Wort für Wort
nūnam eṣā purā bālā
sicherlich diese einst junge [Frau] (Nom.f.)
jīvamāne mahābhuje
als der Starkarmige lebte (Lok. abs.)
bhujāv āśritya ramate
an die Arme sich schmiegend, erfreut sich (Abs.; Du.; 3.Sg.Präs.)
subhujasya manasvinī
des Schönarmigen, die Hochsinnige (Gen.; Nom.f.)

kathaṃ tu śatadhā nedaṃ hṛdayaṃ mama dīryate; paśyantyā nihataṃ putraṃ putreṇa sahitaṃ raṇe

Wie nur zerspringt dieses mein Herz nicht in hundert Stücke, da ich meinen Sohn im Kampf erschlagen sehe, zusammen mit seinem Sohn?

Wort für Wort
kathaṃ tu śatadhā nedaṃ
wie aber nicht in hundert Teile dieses (Adv.)
hṛdayaṃ mama dīryate
Herz meines birst (Nom.; Gen.; 3.Sg.Pass.)
paśyantyā nihataṃ putraṃ
für mich, die den erschlagenen Sohn sieht (Part.Präs.f. Gen.; Akk.)
putreṇa sahitaṃ raṇe
zusammen mit dem Sohn im Kampf (Instr.; Lok.)

putraṃ rudhirasaṃsiktam upajighraty aninditā; duryodhanaṃ tu vāmorūḥ pāṇinā parimārjati

Sie, die Untadelige, riecht an dem blutgetränkten Sohn; die Schönschenklige aber wischt Duryodhana mit der Hand ab.

Wort für Wort
putraṃ rudhirasaṃsiktam
den Sohn, blutgetränkt (Akk.)
upajighraty aninditā
sie beschnuppert, die Untadelige (3.Sg.Präs.; Nom.f.)
duryodhanaṃ tu vāmorūḥ
Duryodhana aber, die Schönschenklige (Akk.; Nom.f.)
pāṇinā parimārjati
mit der Hand wischt sie ab (Instr.; 3.Sg.Präs.)

kiṃ nu śocati bhartāraṃ putraṃ caiṣā manasvinī; tathā hy avasthitā bhāti putraṃ cāpy abhivīkṣya sā

Um wen von beiden trauert sie nun, die Hochsinnige – den Gatten oder den Sohn? Denn so dasitzend erscheint sie, [wenn] sie auch auf den Sohn blickt.

Wort für Wort
kiṃ nu śocati bhartāraṃ
was/wen nun trauert sie: den Gatten (3.Sg.Präs.; Akk.)
putraṃ caiṣā manasvinī
und den Sohn, diese Hochsinnige (Akk.; Nom.f.)
tathā hy avasthitā bhāti
denn so dastehend erscheint sie (Part.f.; 3.Sg.)
putraṃ cāpy abhivīkṣya sā
und auch den Sohn angesehen habend, sie (Abs.; Nom.f.)

Der Vers ist knapp und syntaktisch unklar; Wiedergabe unsicher [?].

svaśiraḥ pañcaśākhābhyām abhihatyāyatekṣaṇā; pataty urasi vīrasya kururājasya mādhava

Sich mit den fünfzweigigen [Händen] auf den eigenen Kopf schlagend, sinkt die Langäugige auf die Brust des Helden, des Kurukönigs, o Mādhava.

Wort für Wort
svaśiraḥ pañcaśākhābhyām
den eigenen Kopf mit den fünfzweigigen [Händen] (Akk.; Instr.Du.)
abhihatyāyatekṣaṇā
geschlagen habend, die Langäugige (Abs.; Nom.f.)
pataty urasi vīrasya
fällt auf die Brust des Helden (3.Sg.Präs.; Lok.; Gen.)
kururājasya mādhava
des Kurukönigs, o Mādhava (Gen.; Vok.)

puṇḍarīkanibhā bhāti puṇḍarīkāntaraprabhā; mukhaṃ vimṛjya putrasya bhartuś caiva tapasvinī

Einer Lotosblüte gleich, mit dem Glanz aus dem Inneren des Lotos, erscheint die Bejammernswerte, während sie das Gesicht des Sohnes und des Gatten abwischt.

Wort für Wort
puṇḍarīkanibhā bhāti
einem Lotos gleich, scheint sie (Nom.f.; 3.Sg.)
puṇḍarīkāntaraprabhā
mit dem Glanz aus dem Lotosinneren (Nom.f.; Bahuvrīhi)
mukhaṃ vimṛjya putrasya
das Gesicht abgewischt habend des Sohnes (Akk.; Abs.; Gen.)
bhartuś caiva tapasvinī
und des Gatten, die Arme (Gen.; Nom.f.)

yadi cāpy āgamāḥ santi yadi vā śrutayas tathā; dhruvaṃ lokān avāpto 'yaṃ nṛpo bāhubalārjitān

Wenn es Überlieferungen gibt oder auch Offenbarungstexte, dann hat dieser König gewiss die durch Armkraft gewonnenen Welten erlangt.

Wort für Wort
yadi cāpy āgamāḥ santi
wenn auch Überlieferungen sind (Nom.Pl.; 3.Pl.Präs.)
yadi vā śrutayas tathā
oder wenn Offenbarungstexte ebenso (Nom.Pl.)
dhruvaṃ lokān avāpto 'yaṃ
gewiss die Welten erlangt hat dieser (Akk.Pl.; Part.Perf.Pass.)
nṛpo bāhubalārjitān
der König, durch Armkraft erworbene (Nom.; Akk.Pl.)

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