Kapitel 17: gāndhāryā duryodhanaśokaḥ
Gāndhārīs Klage am Leichnam des Duryodhana vor Kṛṣṇa
Gāndhārī bricht beim Anblick des gefallenen Duryodhana zusammen und klagt Kṛṣṇa ihr Leid; sie schildert den Umschwung seines Schicksals und die Trauer der Frauen, besonders seiner Gattin.
sā tu labdhvā punaḥ saṃjñāṃ vikruśya ca punaḥ punaḥ; duryodhanam abhiprekṣya śayānaṃ rudhirokṣitam
Sie aber, als sie das Bewusstsein wiedererlangt hatte und immer wieder laut aufgeschrien hatte, blickte auf den daliegenden, blutbesprengten Duryodhana
Wort für Wort
sā tu labdhvā punaḥ saṃjñām
sie aber, wiedererlangt habend das Bewusstsein (Abs.; Akk.)
vikruśya ca punaḥ punaḥ
und laut aufgeschrien habend, wieder und wieder (Abs.)
duryodhanam abhiprekṣya
Duryodhana angeblickt habend (Akk., Abs.)
śayānaṃ rudhirokṣitam
den Liegenden, blutbesprengten (Akk., Part.Präs.; Part.Perf.Pass.)
Seine breite Brust mit den wohlverborgenen Schlüsselbeinen, geschmückt mit Halsketten und Goldmünzen, besprengte sie mit dem aus den Augen entstandenen Wasser, von Kummer erhitzt; und zu Hṛṣīkeśa, der nahe [bei ihr] stand, sprach sie diese Worte:
Wort für Wort
sugūḍhajatru vipulaṃ
mit gut verborgenen Schlüsselbeinen, breit (Akk.n.; Bahuvrīhi)
hāraniṣkaniṣevitam
von Halsketten und Niṣkas geschmückt (Akk.n.; Part.Perf.Pass.)
vāriṇā netrajena uraḥ siñcantī
mit dem aus den Augen entstandenen Wasser die Brust besprengend (Instr.; Akk.; Part.Präs.f.)
śokatāpitā
von Kummer erhitzt (Nom.f.)
samīpasthaṃ hṛṣīkeśam
den nahe Stehenden, Hṛṣīkeśa (Akk.)
idaṃ vacanam abravīt
dieses Wort sprach sie (Akk.; Impf.)
Die Brust ist wohl die des Duryodhana (uraḥ ohne Possessiv) [?].
„Da dieser Kampf bevorsteht, o Mächtiger, [dieser] Untergang der Verwandten, sprach dieser da, Vārṣṇeya, der Beste der Könige, mit gefalteten Händen zu mir: ‚Mutter, sprich mir Sieg zu in diesem Aufeinanderprallen der Verwandten!‘
Wort für Wort
upasthite 'smin saṃgrāme
als dieser Kampf bevorstand (Lok. abs.)
jñātīnāṃ saṃkṣaye vibho
beim Untergang der Verwandten, o Mächtiger (Lok.; Vok.)
mām ayaṃ prāha vārṣṇeya
zu mir sprach dieser, o Vārṣṇeya (Perf.; Vok.)
prāñjalir nṛpasattamaḥ
mit gefalteten Händen, der beste der Könige (Nom.)
asmiñ jñātisamuddharṣe
in diesem Aufeinanderprallen/Aufbrausen der Verwandten (Lok.)
jayam ambā bravītu me
Sieg möge die Mutter sprechen mir (Akk.; Imp.; Dat.-Gen.)
jñātisamuddharṣe: Bedeutung von samuddharṣa unsicher (Erregung/Aufbrausen) [?]. Die Anführung der Rede endet erst in Einheit 8/9.
Da du kämpfend nicht in Verwirrung gerätst, mein Sohn, wirst du gewiss die durch Waffen gewonnenen Welten erlangen, wie ein Unsterblicher, o Mächtiger.“
Wort für Wort
yathā na yudhyamānas tvaṃ
damit/wie du nicht kämpfend (Part.Präs.med.; Nom.)
saṃpramuhyasi putraka
du in Verwirrung gerätst, Söhnchen (2.Sg.Präs.; Vok.)
dhruvaṃ śastrajitāṃl lokān
gewiss die durch Waffen gewonnenen Welten (Akk.Pl.)
prāptāsy amaravad vibho
wirst erlangen, wie ein Unsterblicher, o Mächtiger (2.Sg.periphr.Fut.; Vok.)
Der Sinn von yathā na … saṃpramuhyasi ist knapp; hier als „da/indem du nicht verwirrt wirst“ gedeutet [?].
Den Unversöhnlichen, Besten der Kämpfer, im Gebrauch der Waffen Geübten, im Kampf Übermütigen – sieh, Mādhava, meinen Sohn, auf dem Heldenlager liegend!
Wort für Wort
amarṣaṇaṃ yudhāṃ śreṣṭhaṃ
den Unnachgiebigen, den Besten der Kämpfer (Akk.; Gen.Pl.)
kṛtāstraṃ yuddhadurmadam
den Waffengeübten, im Kampf Trunkenen/Übermütigen (Akk.)
Ihn, den früher die schönsten Frauen, ringsum sitzend, ergötzten – ihn, der auf dem Heldenlager schläft, ergötzen [nun] unheilvolle Schakalweibchen.
Wort für Wort
yaṃ purā paryupāsīnā
den früher ringsum sitzend (Akk.; Part.Präs.med. f.Pl.)
ramayanti varastriyaḥ
ergötzen die vorzüglichen Frauen (Nom.Pl.)
taṃ vīraśayane suptaṃ
ihn auf dem Heldenlager Eingeschlafenen (Akk.; Lok.)
ramayanty aśivāḥ śivāḥ
ergötzen unheilvolle Schakalinnen (Nom.Pl.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers (Stern); aśivāḥ śivāḥ ist ein Wortspiel (Unheilvolle / Schakalinnen).
Denn Vidura und den Vater hat dieser Unglückselige missachtet; der Tor, ein Knabe, ist durch die Missachtung der Älteren in die Gewalt des Todes gegangen.
Wort für Wort
viduraṃ hy avamanyaiṣa
denn Vidura missachtet habend, dieser (Abs.; Akk.)
pitaraṃ caiva mandabhāk
und den Vater, der Unglückselige (Akk.; Nom.)
bālo vṛddhāvamānena
der Knabe durch Missachtung der Alten (Nom.; Instr.)
mando mṛtyuvaśaṃ gataḥ
der Tor in die Gewalt des Todes gegangen (Nom.; Akk.; Part.)
mandabhāk als „vom Unglück/Geringen Anteil habend“ verstanden [?].
Einer Lotosblüte gleich, mit dem Glanz aus dem Inneren des Lotos, erscheint die Bejammernswerte, während sie das Gesicht des Sohnes und des Gatten abwischt.
Wort für Wort
puṇḍarīkanibhā bhāti
einem Lotos gleich, scheint sie (Nom.f.; 3.Sg.)
puṇḍarīkāntaraprabhā
mit dem Glanz aus dem Lotosinneren (Nom.f.; Bahuvrīhi)
mukhaṃ vimṛjya putrasya
das Gesicht abgewischt habend des Sohnes (Akk.; Abs.; Gen.)