Gāndhārī sprach: Sieh, Mādhava, meine hundert Söhne, die ihre Ermattung überwunden haben [d. h. nun ruhen], größtenteils im Kampf von Bhīmasena mit der Keule erschlagen.
Wort für Wort
gāndhārī uvāca
Gāndhārī sprach (Nom.Sg.f.; 3.Sg.Perf.)
paśya mādhava
sieh, Mādhava (Imp.; Vok.)
putrān me śatasaṃkhyān
meine Söhne, hundert an der Zahl (Akk.Pl.; Gen./Dat.Sg.; Akk.Pl.)
jitaklamān
die Ermattung überwunden habend (Akk.Pl., Bahuvrīhi)
gadayā bhīmasenena
mit der Keule, von Bhīmasena (Instr.Sg.; Instr.Sg.)
bhūyiṣṭhaṃ nihatān raṇe
größtenteils erschlagen im Kampf (Adv.; Part.Pass. Akk.Pl.; Lok.Sg.)
jitaklamān: wörtlich „die Müdigkeit besiegt habend“, hier wohl bitter-ironisch: im Tod von der Mühe erlöst [?].
idaṃ duḥkhataraṃ me 'dya yad imā muktamūrdhajāḥ; hataputrā raṇe bālāḥ paridhāvanti me snuṣāḥ
Dies ist mir heute noch schmerzlicher, dass diese jungen Frauen, meine Schwiegertöchter, deren Söhne erschlagen sind, mit gelösten Haaren im Kampfgelände umherirren.
Wort für Wort
idaṃ duḥkhataraṃ me 'dya
dies [ist] schmerzlicher für mich heute (Nom.Sg.n.; Komp.; Gen./Dat.Sg.; Adv.)
yad imā muktamūrdhajāḥ
dass diese mit gelöstem Haar (Konj.; Nom.Pl.f.; Bahuvrīhi Nom.Pl.f.)
hataputrā raṇe bālāḥ
deren Söhne erschlagen sind, im Kampf[feld], jung (Bahuvrīhi Nom.Pl.f.; Lok.Sg.; Nom.Pl.f.)
eṣānyā tv anavadyāṅgī karasaṃmitamadhyamā; ghoraṃ tad vaiśasaṃ dṛṣṭvā nipataty atiduḥkhitā
Da ist noch eine andere, mit makellosen Gliedern, deren Taille mit der Hand zu umspannen ist; beim Anblick jenes grauenvollen Gemetzels stürzt sie schwer betrübt nieder.
Wort für Wort
eṣā anyā tu
diese andere aber (Nom.Sg.f.; Nom.Sg.f.; Partikel)
anavadyāṅgī
makellosgliedrig (Nom.Sg.f.)
karasaṃmitamadhyamā
deren Mitte handbreit bemessen ist (Bahuvrīhi Nom.Sg.f.)
Sie sehen Brüder, andere Gatten, andere Söhne am Boden erschlagen liegen und stürzen nieder, indem sie [den Toten] die Arme ergreifen, diese Schönarmigen.
Wort für Wort
bhrātṝn ca anyāḥ
Brüder, und die einen (Akk.Pl.; Nom.Pl.f.)
patīn ca anyāḥ
Gatten, und andere (Akk.Pl.; Nom.Pl.f.)
putrān ca nihatān bhuvi
Söhne und erschlagen am Boden (Akk.Pl.; Part.Pass. Akk.Pl.; Lok.Sg.)
dṛṣṭvā paripatanti etāḥ
gesehen habend, stürzen nieder diese (Abs.; 3.Pl.Präs.; Nom.Pl.f.)
pragṛhya subhujā bhujān
ergriffen habend, die Schönarmigen, die Arme (Abs.; Nom.Pl.f.; Akk.Pl.)
rathanīḍāni dehāṃś ca hatānāṃ gajavājinām; āśritāḥ śramamohārtāḥ sthitāḥ paśya mahābala
Sieh, Starker: Sie haben die Wagenkästen und die Leiber der erschlagenen Elefanten und Rosse aufgesucht und stehen da, von Erschöpfung und Benommenheit gequält.
Wort für Wort
rathanīḍāni
die Wagenkästen (Akk.Pl.n.)
dehān ca hatānāṃ gajavājinām
und die Leiber der erschlagenen Elefanten und Rosse (Akk.Pl.; Gen.Pl.; Gen.Pl., Dvandva)
āśritāḥ
zu ihnen Zuflucht genommen habend (Part.Pass. Nom.Pl.f.)
śramamohārtāḥ
von Erschöpfung und Betäubung gequält (Nom.Pl.f.)
sthitāḥ paśya mahābala
stehend, sieh, du Starker (Part.Pass. Nom.Pl.f.; Imp.; Vok.Sg.)
Ich glaube, Makelloser, die Sünde, die in früherer Geburt begangen wurde, ist nicht gering – von diesen Makellosen und auch von mir, der Geringverständigen.
Wort für Wort
pūrvajātikṛtaṃ pāpaṃ
die in früherer Geburt getane Sünde (Akk.Sg.n.; Akk.Sg.n.)
manye na alpam iva
ich meine, [sie ist] nicht gering (1.Sg.Präs.Med.; Neg.; Akk.Sg.n.; Partikel)
anagha
Makelloser (Vok.Sg.)
etābhir anavadyābhir
von diesen Makellosen (Instr.Pl.f.; Instr.Pl.f.)
mayā ca alpamedhayā
und von mir, der Geringverständigen (Instr.Sg.; Instr.Sg.f.)
Syntax elliptisch: „begangen von …“ ist aus kṛtam zu beziehen; iva verstärkt hier die Negation [?].
Sieh sie, die im frischen Alter stehen, mit anmutigen Brüsten und Leibern, in [guten] Familien geboren, schamhaft, mit dunklen Wimpern, Augen und Haaren.
Wort für Wort
pratyagravayasaḥ paśya
im frischen Alter stehend, sieh (Nom./Akk.Pl.f.; Imp.)
darśanīyakucodarāḥ
mit ansehnlichen Brüsten und Bäuchen (Bahuvrīhi Akk.Pl.f.)
kuleṣu jātāḥ hrīmatyaḥ
in Familien geboren, schamhaft (Lok.Pl.; Part.Pass. Nom.Pl.f.; Nom.Pl.f.)
kṛṣṇapakṣākṣimūrdhajāḥ
mit dunklen Wimpern, Augen und Haaren (Bahuvrīhi Nom.Pl.f.)
gadayā vīraghātinyā paśya mādhava me sutam; dyūtakleśān anusmṛtya draupadyā coditena ca
Sieh, Mādhava, meinen Sohn, [gefällt] mit der Keule, die Helden erschlägt, [von Bhīma,] der sich der Qualen des Würfelspiels erinnerte und von Draupadī angestachelt wurde.
Wort für Wort
gadayā vīraghātinyā
mit der heldenerschlagenden Keule (Instr.Sg.f.; Instr.Sg.f.)
paśya mādhava me sutam
sieh, Mādhava, meinen Sohn (Imp.; Vok.; Gen.Sg.; Akk.Sg.)
dyūtakleśān anusmṛtya
der Würfelspielqualen gedenkend (Akk.Pl.; Abs.)
draupadyā coditena ca
und von Draupadī angetrieben (Instr.Sg.f.; Part.Pass. Instr.Sg.m.)
uktā hy anena pāñcālī sabhāyāṃ dyūtanirjitā; priyaṃ cikīrṣatā bhrātuḥ karṇasya ca janārdana
Von diesem wurde ja Pāñcālī, die im Würfelspiel Gewonnene, in der Versammlungshalle angesprochen, um dem Bruder und Karṇa einen Gefallen zu tun, Janārdana:
Wort für Wort
uktā hi anena pāñcālī
angesprochen ja von diesem, Pāñcālī (Part.Pass. Nom.Sg.f.; Partikel; Instr.Sg.; Nom.Sg.f.)
sabhāyāṃ dyūtanirjitā
in der Halle, im Würfelspiel gewonnen (Lok.Sg.; Part.Pass. Nom.Sg.f.)
priyaṃ cikīrṣatā
Liebes zu tun wünschend (Akk.Sg.n.; Part.Desid. Instr.Sg.)
bhrātuḥ karṇasya ca janārdana
dem Bruder und Karṇa, Janārdana (Gen./Dat.Sg.; Gen./Dat.Sg.; Vok.)
„Du begreifst nicht, Übelgesinnter, dass Bhīmasena unduldsam ist, wenn du ihn mit scharfen Wort-Pfeilen stichelst, wie man einen Elefanten mit Fackeln [reizt].“
Wort für Wort
na budhyase tvam
du merkst nicht (Neg.; 2.Sg.Präs.Med.; Nom.Sg.)
durbuddhe
Übelgesinnter (Vok.Sg.)
bhīmasenam amarṣaṇam
Bhīmasena, den Unduldsamen (Akk.Sg.; Akk.Sg.)
vāṅnārācaiḥ tudan tīkṣṇaiḥ
mit Wort-Pfeilen stechend, scharfen (Instr.Pl.; Part.Präs. Nom.Sg.; Instr.Pl.)
ulkābhiḥ iva kuñjaram
wie mit Fackeln einen Elefanten (Instr.Pl.; Partikel; Akk.Sg.)
Vom Schlaf [?] der Berührung von Umarmung [und] Gesicht der Geliebten [?] … sandiges Gesicht [?].
Wort für Wort
kāntāsaṅgamukhasparśa
Umarmung der Geliebten, Gesichtsberührung (Kompositum, verderbt) [?]
nidrayā
durch/mit Schlaf (Instr.Sg.f.)
vālikāmukhaḥ
sandgesichtig, mit sandigem Gesicht (Nom.Sg.m.) [?]
(sic)
so in der Ausgabe überliefert
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Sternzeile der kritischen Ausgabe mit vermerktem „(sic)“; Text offenkundig verderbt, Übersetzung nur tastend.