Kapitel 20: gāndhāryā vilāpaḥ abhimanyuuttarādarśanam
Gāndhārī zeigt Kṛṣṇa Abhimanyu, Uttarās Klage und das Elend der Matsya-Frauen
Gāndhārī wendet den Blick auf den gefallenen Abhimanyu und seine junge Witwe Uttarā und gibt deren Klage wieder; danach die Frauen um den erschlagenen Virāṭa und weitere gefallene Jungen.
gāndhāry uvāca; adhyardhaguṇam āhur yaṃ bale śaurye ca mādhava; pitrā tvayā ca dāśārha dṛptaṃ siṃham ivotkaṭam
Gāndhārī sprach: „Ihn, den man, Mādhava, an Kraft und Tapferkeit anderthalbmal [so tüchtig] nennt wie den Vater und dich, Dāśārha, [ihn, der] stolz [war] wie ein wilder Löwe –
Wort für Wort
gāndhāry uvāca
Gāndhārī sprach (Nom.Sg.f.; 3.Sg.Perf.)
adhyardhaguṇam āhur yaṃ
anderthalbfach an Vorzug, nennen sie den (Akk.Sg.m.; 3.Pl.Perf.)
bale śaurye ca mādhava
an Kraft und Tapferkeit, Mādhava (Lok.Sg.; Vok.Sg.)
pitrā tvayā ca dāśārha
[im Vergleich] zum Vater und zu dir, Dāśārha (Instr.Sg.; Vok.Sg.)
dṛptaṃ siṃham iva utkaṭam
stolz, wie einen Löwen, wild (Akk.Sg.m.)
Konstruktion: adhyardhaguṇa mit Instr. des Vergleichs (pitrā tvayā ca); der Satz wird in Vers 2 fortgeführt.
Dort ist Virāṭas Tochter, die Schwiegertochter des Gāṇḍīva-Bogenträgers: gequält, jung, beklagenswert, untadelig beklagt sie ihren heldenhaften Gatten.
Wort für Wort
eṣā virāṭaduhitā
diese Tochter des Virāṭa (Nom.Sg.f.; Kompositum)
snuṣā gāṇḍīvadhanvanaḥ
Schwiegertochter des Gāṇḍīva-Bogenträgers (Nom.Sg.f.; Gen.Sg.m.)
ārtā bālā
gequält, jung (Nom.Sg.f.)
patiṃ vīraṃ śocyā
den Gatten, den Helden, selbst beklagenswert (Akk.Sg.; Nom.Sg.f.Gerundiv)
Sie, die Ruhmreiche, hat sein Gesicht beschnuppert, das des Sohnes der Subhadrā, das einer voll erblühten Lotusblume gleicht, mit einem Hals, rund wie eine Muschel.
Wort für Wort
tasya vaktram upāghrāya
seines Gesicht beschnuppernd (Gen.; Akk.Sg.n.; Absolutiv)
saubhadrasya yaśasvinī
des Subhadrā-Sohnes, die Ruhmreiche (Gen.Sg.; Nom.Sg.f.)
vibuddhakamalākāraṃ
von der Gestalt eines aufgeblühten Lotus (Akk.Sg.n. Kompositum)
kambuvṛttaśirodharam
mit muschelrundem Hals (Akk.Sg.n. Kompositum)
Die Verse 6-7 bilden einen Satz; vaktram ist Objekt zu upāghrāya, das Prädikat pariṣvajati steht in 7.
Deine beiden gewaltigen Arme, die Elefantenrüsseln an Größe gleichen, deren Haut vom Peitschen der Bogensehne hart ist, mit goldenen Armreifen, hast du hingelegt und schläfst –
Wort für Wort
mātaṅgabhujavarṣmāṇau
beide von der Größe der Elefantenrüssel/-arme (Akk.Du.m.)
jyākṣepakaṭhinatvacau
mit von Sehnenschlägen harter Haut (Akk.Du.m.)
kāñcanāṅgadinau
mit goldenen Armreifen (Akk.Du.m.)
śeṣe nikṣipya vipulau bhujau
du liegst, hingestreckt, die mächtigen Arme (2.Sg.Präs.Med.; Absolutiv; Akk.Du.)
Der Satz läuft in Vers 13 weiter (vyāyamya ... sukhasuptaḥ).
Sie hebt ihm die von Blut beschmierten Haare mit der Hand hoch, legt das Gesicht in ihren Schoß und fragt, als ob er lebte, den Schwestersohn Vāsudevas, den Sohn des Gāṇḍīva-Bogenträgers:
Wort für Wort
tasya śoṇitasaṃdigdhān
seine, mit Blut beschmierten (Gen.; Akk.Pl.m.)
keśān unnāmya pāṇinā
die Haare emporhebend mit der Hand (Akk.Pl.; Absolutiv; Instr.)
utsaṅge vaktram ādhāya
in den Schoß das Gesicht gelegt (Lok.; Akk.Sg.n.; Absolutiv)
jīvantam iva pṛcchati
als ob den Lebenden fragt sie (Part.Präs. Akk.; Part.; 3.Sg.Präs.)
svasrīyaṃ vāsudevasya
den Schwestersohn des Vāsudeva (Akk.Sg.m.; Gen.)
putraṃ gāṇḍīvadhanvanaḥ
den Sohn des Gāṇḍīva-Bogenträgers (Akk.Sg.; Gen.Sg.)
[…] Geier umsitzen ihn; [ihn,] den leibhaftigen Enkel des Maghavan [Indra].
Wort für Wort
[Lücke] taṃ gṛdhrāḥ
[Lücke] ihn, Geier (Akk.; Nom.Pl.)
paryupāsate
umsitzen ihn (3.Pl.Präs.Med.)
sākṣān maghavataḥ pautraṃ
leibhaftig, des Maghavan Enkel (Adv.; Gen.Sg.; Akk.Sg.m.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Sternpassage mit Lücke im überlieferten Text; der Anschluss ist unsicher [?].
bālaṃ tvāṃ parivāryaikaṃ mama duḥkhāya jaghnuṣām; kathaṃ nu pāṇḍavānāṃ ca pāñcālānāṃ ca paśyatām; tvaṃ vīra nidhanaṃ prāpto nāthavān sannanāthavat
Dich, den Jungen, einzeln umringt, haben sie zu meinem Leid erschlagen. Wie nur konntest du, Held, vor den Augen der Pāṇḍavas und Pāñcālas den Tod finden, obwohl du Beschützer hattest, wie einer ohne Beschützer?
Wort für Wort
bālaṃ tvāṃ parivārya ekam
dich, den Jungen, umringt habend, allein (Akk.; Akk.; Absolutiv; Akk.Sg.m.)
mama duḥkhāya jaghnuṣām
zu meinem Leid, der Erschlagenden (Gen.; Dat.; Gen.Pl.m.)
kathaṃ nu pāṇḍavānāṃ ca pāñcālānāṃ ca paśyatām
wie nur, unter den Augen der Pāṇḍavas und Pāñcālas (Interr.; Gen.Pl.; Gen.Abs.)
tvaṃ vīra nidhanaṃ prāpto
du, Held, den Tod erlangt (Nom.; Vok.; Akk.Sg.n.; Part.Perf.Pass.)
nāthavān san anāthavat
obwohl beschützt, wie schutzlos (Nom.Sg.m.; Part.Präs.; Adv.)
Schwer zu sterben ist es, wahrlich, wenn die Zeit nicht gekommen ist, für jeden: da ich, dich im Kampf erschlagen gesehen, noch lebe, ich Unglückliche.
Wort für Wort
durmaraṃ punar aprāpte kāle
schwer zu sterben ist es aber, wenn die Zeit nicht erreicht ist (Nom.Sg.n.; Adv.; Lok.abs.)
bhavati kena cit
es ist für irgendwen (3.Sg.Präs.; Instr.Indef.)
yad ahaṃ tvāṃ raṇe dṛṣṭvā
weil ich dich im Kampf gesehen habend (Konj.; Nom.; Akk.; Lok.; Absolutiv)
Wen nun, Tiger unter den Männern, wirst du mit sanfter, lächelnder Rede in der Welt der Väter, wenn du sie getroffen hast, anreden – eine andere, wie mich?
Wort für Wort
kām idānīṃ naravyāghra
wen jetzt, Tiger unter den Männern (Akk.Sg.f.; Adv.; Vok.)
ślakṣṇayā smitayā girā
mit sanfter, lächelnder Rede (Instr.Sg.f.)
pitṛloke sametya
in der Welt der Väter, zusammengetroffen (Lok.; Absolutiv)
anyāṃ mām iva āmantrayiṣyasi
eine andere, wie mich, wirst du anreden (Akk.; Akk.; Part.; 2.Sg.Fut.)
Wenn du die Welten der Verdienstvollen erreicht und dich mit Apsaras vereint hast, Sohn der Subhadrā, dann denke, wenn du dich [dort] vergnügst, zu gegebener Zeit an meine guten Taten.
Wort für Wort
prāpya puṇyakṛtāṃl lokān
erreicht habend, die Welten der Verdienst-Tuenden (Absolutiv; Akk.Pl.)
apsarobhiḥ sameyivān
mit Apsaras zusammengekommen (Instr.Pl.; Part.Perf.Akt. Nom.Sg.m.)
saubhadra viharan kāle
Sohn der Subhadrā, dich vergnügend, zur [rechten] Zeit (Vok.; Part.Präs.; Lok.)
smarethāḥ sukṛtāni me
du mögest gedenken der guten Taten, meiner (2.Sg.Opt.Med.; Akk.Pl.n.; Gen.)