Kapitel 23: gāndhārīvākyaṃ śalyabhagadattabhīṣmadroṇadarśanam
Gāndhārī zeigt Kṛṣṇa die Gefallenen: Śalya, Bhagadatta, Bhīṣma und Droṇa mit Kṛpī
Fortsetzung der Klage Gāndhārīs auf dem Schlachtfeld: Sie führt Kṛṣṇa an den gefallenen Helden vorüber, von Śalya und Bhagadatta über Bhīṣma zu Droṇa, dessen Totenfeier durch Schüler und Kṛpī geschildert wird.
Gāndhārī sprach: „Da liegt dieser Śalya erschlagen, der leibhaftige Mutterbruder Nakulas, mein Lieber, im Kampf vom rechtskundigen, guten Dharmarāja [Yudhiṣṭhira].“
Wort für Wort
gāndhārī uvāca
Gāndhārī sprach (Nom.Sg.f.; Perf.3.Sg.)
eṣa śalyo hataḥ śete
dieser Śalya liegt erschlagen (Nom.Sg.m.; Part.Pass.; Präs.3.Sg.)
sākṣān nakulamātulaḥ
leibhaftig der Mutterbruder Nakulas (Adv.; Nom.Sg.m., Tatpuruṣa)
dharmajñena satā tāta
vom rechtskundigen, guten [Mann], mein Lieber (Instr.Sg.m.; Vok.Sg.m.)
dharmarājena saṃyuge
vom Dharmakönig, im Kampf (Instr.Sg.m.; Lok.Sg.m.)
Wenn sie irgendwie bei Jayadratha ein Vergehen aussprächen – wie könnten sie beim Sohn der Madra-Frau ein Vergehen aussprechen, [wenn sie] tadeln wollen [?]?
Wort für Wort
jayadrathe yadi brūyur
bei Jayadratha, wenn sie sagten (Lok.Sg.m.; Opt.3.Pl.)
aparādhaṃ kathaṃ cana
ein Vergehen, irgendwie (Akk.Sg.m.; Adv.)
madraputre kathaṃ brūyur
beim Sohn der Madra [-Frau], wie könnten sie sagen (Lok.Sg.m.; Opt.3.Pl.)
aparādhaṃ vivakṣavaḥ
ein Vergehen, sprechen wollend (Akk.Sg.m.; Nom.Pl.m., Desiderativ-Adj.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (Sternstelle); Sinn und Bezug unklar, die Wiedergabe ist unsicher.
Ach, pfui! Sieh Śalyas Gesicht, das dem Vollmond gleich schön anzuschauen ist, lotusblattäugig, [nun] unverwundet [?] von den Vaḍa-Vögeln [?] angepickt.
Wort für Wort
aho dhik paśya
ach, pfui, sieh (Interj.; Imp.2.Sg.)
śalyasya pūrṇacandrasudarśanam
Śalyas [Gesicht], dem Vollmond gleich schön anzusehen (Gen.Sg.m.; Nom./Akk.Sg.n.)
mukhaṃ padmapalāśākṣam
das Gesicht, lotusblattäugig (Akk.Sg.n.; Bahuvrīhi)
vaḍair ādaṣṭam avraṇam
von den Vaḍas [?] gebissen, unverwundet (Instr.Pl.m.; Part.Pass.; Nom./Akk.Sg.n.)
vaḍa (Vogelart?) unsicher; avraṇam vermutlich: das Gesicht selbst ist ohne Wunde.
Diese Zunge, die aus dem Mund dessen hervorgetreten ist, der wie Gold glänzte, und die Farbe geschmolzenen Goldes hat, wird, Kṛṣṇa, von Vögeln gefressen.
Wort für Wort
eṣā cāmīkarābhasya
diese [Zunge] dessen, der goldglänzend ist (Nom.Sg.f.; Gen.Sg.m.)
taptakāñcanasaprabhā
von der Farbe geschmolzenen Goldes (Nom.Sg.f.; Bahuvrīhi)
āsyād viniḥsṛtā jihvā
aus dem Mund hervorgetreten, die Zunge (Abl.Sg.n.; Part.Pass.f.; Nom.Sg.f.)
bhakṣyate kṛṣṇa pakṣibhiḥ
wird gefressen, Kṛṣṇa, von Vögeln (Präs.Pass.3.Sg.; Vok.; Instr.Pl.m.)
Diese, in feinste Gewänder gekleideten Kṣatriya-Frauen, sind zum Madra-König, dem Stier unter den Männern, dem Stier unter den Kṣatriyas, herangetreten und schreien.
Wort für Wort
etāḥ susūkṣmavasanā
diese, in sehr feine Gewänder gekleidet (Nom.Pl.f.; Bahuvrīhi)
madrarājaṃ nararṣabham
den Madra-König, den Stier unter den Männern (Akk.Sg.m.)
krośanty abhisamāsādya
sie schreien, nachdem sie herangetreten sind (Präs.3.Pl.; Abs.)
kṣatriyāḥ kṣatriyarṣabham
die Kṣatriya-Frauen, [zum] Stier unter den Kṣatriyas (Nom.Pl.f.; Akk.Sg.m.)
Er, der Kraftvolle, der im Kampf die Feinde mit der Glut seiner Waffen erhitzt hat, geht zur Rüste, die Sonne unter den Männern, wie die Sonne, Keśava.
Wort für Wort
eṣa taptvā raṇe śatrūñ
dieser, nachdem er im Kampf die Feinde erhitzt hat (Nom.; Abs.; Lok.Sg.m.; Akk.Pl.m.)
śastratāpena vīryavān
mit der Glut der Waffen, der Kraftvolle (Instr.Sg.m.; Nom.Sg.m.)
narasūryo 'stam abhyeti
die Sonne unter den Männern geht zum Untergang (Nom.Sg.m.; Akk.Sg.n.; Präs.3.Sg.)
sūryo 'stam iva keśava
wie die Sonne zum Untergang, Keśava (Nom.Sg.m.; Adv.; Vok.)
Sieh den Helden, der auf dem Pfeillager liegt, an Rechtschaffenheit dem Devāpi gleich, wie er auf dem Heldenlager ruht, das von Helden aufgesucht wird.
Wort für Wort
śaratalpagataṃ vīraṃ
den zum Pfeillager Gegangenen, den Helden (Akk.Sg.m.)
dharme devāpinā samam
in der Rechtschaffenheit dem Devāpi gleich (Lok.Sg.m.; Instr.Sg.m.; Akk.Sg.m.)
śayānaṃ vīraśayane
liegend auf dem Heldenlager (Part.Präs.Akk.; Lok.Sg.n.)
paśya śūraniṣevite
sieh, [auf dem] von Helden besuchten [Lager] (Imp.2.Sg.; Lok.Sg.n.)
Nachdem er das beste Lager mit Karṇin-, Nālīka- und Nārāca-Pfeilen bedeckt hat, ist der verehrungswürdige [Bhīṣma] hineingegangen und liegt darin, wie der Herr Skanda im Röhricht.
Wort für Wort
karṇinālīkanārācair
mit Karṇin-, Nālīka- und Nārāca-Pfeilen (Instr.Pl.m., Dvandva)
āstīrya śayanottamam
nachdem er bedeckt hat, das beste Lager (Abs.; Akk.Sg.n.)
āviśya śete bhagavān
hineingegangen liegt er, der Verehrungswürdige (Abs.; Präs.3.Sg.; Nom.Sg.m.)
skandaḥ śaravaṇaṃ yathā
wie Skanda [im] Röhricht (Nom.Sg.m.; Akk.Sg.n.; Adv.)
Die Weisung des Vaters wahrend, der Hochberühmte mit aufwärts gehaltenem Samen [Enthaltsamer], ruht dieser Śāṃtanava im Kampf, o Mādhava, ohnegleichen.
Wort für Wort
pālayānaḥ pituḥ śāstram
bewahrend die Weisung des Vaters (Part.Präs.Med.Nom.; Gen.Sg.m.; Akk.Sg.n.)
ūrdhvaretā mahāyaśāḥ
der Enthaltsame, der Hochberühmte (Nom.Sg.m.)
eṣa śāṃtanavaḥ śete
dieser Śāṃtanava liegt (Nom.Sg.m.; Präs.3.Sg.)
mādhavāpratimo yudhi
o Mādhava, ohnegleichen, im Kampf (Vok.Sg.m.; Nom.Sg.m.; Lok.Sg.f.)
Rechtschaffenen Wesens, mein Lieber, rechtskundig bei der Entscheidung gemäß der Überlieferung: obwohl er ein Sterblicher war, hielt er wie ein Unsterblicher sein Leben [in sich].
Wort für Wort
dharmātmā tāta dharmajñaḥ
der Rechtschaffene, mein Lieber, der Rechtskundige (Nom.Sg.m.; Vok.; Nom.Sg.m.)
pāraṃparyeṇa nirṇaye
gemäß der Überlieferung, bei der Entscheidung (Instr.Sg.n.; Lok.Sg.m.)
amartya iva martyaḥ sann
wie ein Unsterblicher, obwohl sterblich seiend (Nom.Sg.m.; Adv.; Nom.Sg.m.; Part.Präs.)
eṣa prāṇān adhārayat
dieser hielt die Lebenshauche (Nom.Sg.m.; Akk.Pl.m.; Impf.Kaus.3.Sg.)
prāṇān adhārayat: „hielt das Leben fest“, d. h. er wählte selbst die Stunde seines Todes; Auffassung des Halbverses nicht ganz sicher.
pranaṣṭaḥ kuruvaṃśaś ca punar yena samuddhṛtaḥ; sa gataḥ kurubhiḥ sārdhaṃ mahābuddhiḥ parābhavam
Und der Kuru-Stamm, der zugrunde gegangen war und durch ihn wieder aufgerichtet wurde – der Hochweise ist zusammen mit den Kurus in den Untergang gegangen.
Wort für Wort
pranaṣṭaḥ kuruvaṃśaś ca
und der zugrunde gegangene Kuru-Stamm (Part.Pass.; Nom.Sg.m.)
punar yena samuddhṛtaḥ
der durch den wieder aufgerichtet wurde (Adv.; Instr.Sg.m.; Part.Pass.)
sa gataḥ kurubhiḥ sārdhaṃ
er ist gegangen, mit den Kurus zusammen (Nom.; Part.Pass.; Instr.Pl.m.; Adv.)
mahābuddhiḥ parābhavam
der Hochweise, in den Untergang (Nom.Sg.m.; Akk.Sg.m.)
yaṃ purodhāya kurava āhvayanti sma pāṇḍavān; so 'yaṃ śastrabhṛtāṃ śreṣṭho droṇaḥ śastraiḥ pṛthak kṛtaḥ
Ihn, den die Kurus an die Spitze stellten, als sie die Pāṇḍavas herausforderten – dieser Droṇa, der Beste der Waffenträger, ist von Waffen zerteilt [?].
Wort für Wort
yaṃ purodhāya kurava
den [als Vorangestellten] gesetzt habend, die Kurus (Rel.Akk.; Abs.; Nom.Pl.m.)
āhvayanti sma pāṇḍavān
forderten heraus, die Pāṇḍavas (Präs.3.Pl.+sma; Akk.Pl.m.)
so 'yaṃ śastrabhṛtāṃ śreṣṭho
dieser, der Beste der Waffenträger (Nom.Sg.m.; Gen.Pl.m.; Nom.Sg.m.)
droṇaḥ śastraiḥ pṛthak kṛtaḥ
Droṇa, von Waffen zerteilt [?] (Nom.Sg.m.; Instr.Pl.n.; Adv.; Part.Pass.)
pṛthak kṛtaḥ: „zerteilt/getrennt“; ob von den Waffen getroffen oder von den Waffen getrennt, ist nicht ganz sicher.
Nachdem sie die Feuer vorschriftsgemäß herbeigeholt und den Scheiterhaufen ringsum entzündet haben, singen die Sāma-Sänger, Droṇa daraufgelegt, drei Sāmans.
Wort für Wort
agnīn āhṛtya vidhivac
die Feuer herbeigeholt habend, nach Vorschrift (Akk.Pl.m.; Abs.; Adv.)
citāṃ prajvālya sarvaśaḥ
den Scheiterhaufen entzündet habend, ringsum (Akk.Sg.f.; Abs.Kaus.; Adv.)
droṇam ādhāya gāyanti
Droṇa hingelegt habend, singen sie (Akk.Sg.m.; Abs.; Präs.3.Pl.)
trīṇi sāmāni sāmagāḥ
drei Sāmans, die Sāma-Sänger (Akk.Pl.n.; Nom.Pl.m.)
Die Schüler Droṇas, die Zweimalgeborenen, gehen der Gaṅgā entgegen, nachdem sie den Scheiterhaufen zur Linken [verkehrt herum] gemacht und dann Kṛpī vorangestellt haben.
Wort für Wort
gacchanty abhimukhā gaṅgāṃ
sie gehen, zugewandt, zur Gaṅgā (Präs.3.Pl.; Nom.Pl.m.; Akk.Sg.f.)
droṇaśiṣyā dvijātayaḥ
Droṇas Schüler, die Zweimalgeborenen (Nom.Pl.m.)
apasavyāṃ citiṃ kṛtvā
den Scheiterhaufen zur Linken/verkehrt gemacht habend (Akk.Sg.f.; Akk.Sg.f.; Abs.)
puraskṛtya kṛpīṃ tadā
Kṛpī vorangestellt habend, dann (Abs.; Akk.Sg.f.; Adv.)