Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Strīparva

Kapitel 1: dhṛtarāṣṭraśokaḥ saṃjayāśvāsanaṃ ca Dhṛtarāṣṭras Klage um seine Söhne und die Tröstung durch Saṃjaya und Vidura

Eröffnung des Strīparvan: Janamejaya fragt nach dem Verhalten Dhṛtarāṣṭras nach der Vernichtung der Kurus; Saṃjaya mahnt den klagenden König, sein Leid sei die Folge des Nichtbeachtens der Warnungen, und Vidura setzt die Tröstung fort.

nārāyaṇaṃ namaskṛtya naraṃ caiva narottamam; devīṃ sarasvatīṃ caiva tato jayam udīrayet

Nārāyaṇa verneigend und Nara, den Besten der Männer, und ebenso die Göttin Sarasvatī, soll man danach „Jaya“ anstimmen.

Wort für Wort
nārāyaṇaṃ namaskṛtya
Nārāyaṇa verneigt habend (Akk.; Abs.)
naraṃ caiva narottamam
und Nara, den Besten der Männer (Akk.; nara-uttama)
devīṃ sarasvatīṃ caiva
und ebenso die Göttin Sarasvatī (Akk.)
tato jayam udīrayet
danach soll man Jaya anstimmen (Opt. 3.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzstrophe (Eingangsverneigung); Jaya = Name des Epos.

janamejaya uvāca; hate duryodhane caiva hate sainye ca sarvaśaḥ; dhṛtarāṣṭro mahārājaḥ śrutvā kim akaron mune

Janamejaya sprach: „Als Duryodhana erschlagen war und das Heer ringsum vollständig erschlagen, was tat da der Großkönig Dhṛtarāṣṭra, nachdem er es gehört hatte, o Weiser?“

Wort für Wort
janamejaya uvāca
Janamejaya sprach (Perf. 3.Sg.)
hate duryodhane caiva
und als Duryodhana erschlagen war (Lok. abs.)
hate sainye ca sarvaśaḥ
und das Heer gänzlich erschlagen war (Lok. abs.)
dhṛtarāṣṭro mahārājaḥ
Dhṛtarāṣṭra, der Großkönig (Nom.)
śrutvā kim akaron mune
nachdem er gehört hatte, was tat er, Weiser (Abs.; Impf. 3.Sg.; Vok.)

tathaiva kauravo rājā dharmaputro mahāmanāḥ; kṛpaprabhṛtayaś caiva kim akurvata te trayaḥ

„Und ebenso der Kuru-König, der hochgesinnte Sohn des Dharma [Yudhiṣṭhira], und Kṛpa und die anderen: Was taten diese drei?“

Wort für Wort
tathaiva kauravo rājā
ebenso der Kuru-König (Nom.)
dharmaputro mahāmanāḥ
der Sohn des Dharma, der Hochgesinnte (Nom.)
kṛpaprabhṛtayaś caiva
und Kṛpa und die übrigen (Nom. Pl.; Kompositum)
kim akurvata te trayaḥ
was taten diese drei (Impf. 3.Pl. Med.; Nom. Pl.)

aśvatthāmnaḥ śrutaṃ karma śāpaś cānyonyakāritaḥ; vṛttāntam uttaraṃ brūhi yad abhāṣata saṃjayaḥ

„Aśvatthāmans Tat ist gehört worden und der wechselseitig bewirkte Fluch; berichte den weiteren Verlauf, das, was Saṃjaya sagte.“

Wort für Wort
aśvatthāmnaḥ śrutaṃ karma
des Aśvatthāman Tat ist gehört (Gen.; Part. Pass.; Nom.)
śāpaś cānyonyakāritaḥ
und der gegenseitig bewirkte Fluch (Nom.; Part. Pass. Kaus.)
vṛttāntam uttaraṃ brūhi
den weiteren Verlauf sage (Akk.; Imp. 2.Sg.)
yad abhāṣata saṃjayaḥ
was Saṃjaya sprach (Impf. 3.Sg. Med.; Nom.)

vaiśaṃpāyana uvāca; hate putraśate dīnaṃ chinnaśākham iva drumam; putraśokābhisaṃtaptaṃ dhṛtarāṣṭraṃ mahīpatim

Vaiśaṃpāyana sprach: Den Erdenherrn Dhṛtarāṣṭra, der, da die hundert Söhne erschlagen waren, elend war wie ein Baum mit abgehauenen Ästen, vom Gram um die Söhne durchglüht,

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca
Vaiśaṃpāyana sprach (Perf. 3.Sg.)
hate putraśate dīnam
da die hundert Söhne erschlagen waren, elend (Lok. abs.; Akk. Sg. m.)
chinnaśākham iva drumam
wie ein Baum mit abgehauenen Ästen (Bahuvrīhi; Akk.)
putraśokābhisaṃtaptaṃ
vom Sohnesgram durchglüht (Akk.; Part. Pass.)
dhṛtarāṣṭraṃ mahīpatim
Dhṛtarāṣṭra, den Erdenherrn (Akk.)

Der Satz läuft über in Einheit 6 (abhigamya ... abravīt).

dhyānamūkatvam āpannaṃ cintayā samabhiplutam; abhigamya mahāprājñaḥ saṃjayo vākyam abravīt

in stummes Sinnen versunken, von Sorge überflutet — auf ihn zutretend, sprach der hochweise Saṃjaya das Wort:

Wort für Wort
dhyānamūkatvam āpannaṃ
in stummes Sinnen (Stummheit des Sinnens) geraten (Akk.; Part. Pass.)
cintayā samabhiplutam
von Sorge überflutet (Instr.; Part. Pass.)
abhigamya
auf [ihn] zugetreten (Abs.)
mahāprājñaḥ saṃjayaḥ
der Hochweise Saṃjaya (Nom.)
vākyam abravīt
sprach das Wort (Akk.; Impf. 3.Sg.)

kiṃ śocasi mahārāja nāsti śoke sahāyatā; akṣauhiṇyo hatāś cāṣṭau daśa caiva viśāṃ pate; nirjaneyaṃ vasumatī śūnyā saṃprati kevalā

„Was trauerst du, Großkönig? In der Trauer gibt es keinen Beistand. Achtzehn Akṣauhiṇīs sind erschlagen, o Herr der Menschen; diese Erde ist nun menschenleer, ganz verödet.“

Wort für Wort
kiṃ śocasi mahārāja
was trauerst du, Großkönig (Präs. 2.Sg.; Vok.)
nāsti śoke sahāyatā
in der Trauer gibt es keine Beistandschaft (Lok.; Nom.)
akṣauhiṇyo hatāś cāṣṭau daśa caiva
und acht und zehn Akṣauhiṇīs sind erschlagen (Nom. Pl.; Part. Pass.)
viśāṃ pate
Herr der Menschen (Vok.)
nirjaneyaṃ vasumatī
diese Erde ist menschenleer (Nom.)
śūnyā saṃprati kevalā
verödet, jetzt gänzlich (Nom.; Adv.; Adj.)

nānādigbhyaḥ samāgamya nānādeśyā narādhipāḥ; sahitās tava putreṇa sarve vai nidhanaṃ gatāḥ

„Aus allen Himmelsrichtungen zusammengekommen, aus verschiedenen Ländern, sind die Männerherrscher allesamt zusammen mit deinem Sohn in den Tod gegangen.“

Wort für Wort
nānādigbhyaḥ samāgamya
aus verschiedenen Himmelsrichtungen zusammengekommen (Abl. Pl.; Abs.)
nānādeśyā narādhipāḥ
die aus verschiedenen Ländern stammenden Männerherrscher (Nom. Pl.)
sahitās tava putreṇa
vereint mit deinem Sohn (Nom. Pl.; Instr.)
sarve vai nidhanaṃ gatāḥ
alle sind in der Tat in den Tod gegangen (Nom. Pl.; Part. Pass.)

pitṝṇāṃ putrapautrāṇāṃ jñātīnāṃ suhṛdāṃ tathā; gurūṇāṃ cānupūrvyeṇa pretakāryāṇi kāraya

„Für Väter, Söhne und Enkel, für Verwandte und ebenso Freunde und für die Lehrer lass der Reihe nach die Totenriten vollziehen.“

Wort für Wort
pitṝṇāṃ putrapautrāṇāṃ
für Väter, Söhne und Enkel (Gen. Pl.)
jñātīnāṃ suhṛdāṃ tathā
für Verwandte und ebenso Freunde (Gen. Pl.)
gurūṇāṃ cānupūrvyeṇa
und für Lehrer der Reihe nach (Gen. Pl.; Instr. Adv.)
pretakāryāṇi kāraya
Totenriten lass vollziehen (Akk. Pl.; Imp. 2.Sg. Kaus.)

**** **** ye cānye 'nucarā hatāḥ; pretakāryāṇi sarvāṇi kārayasva narādhipa

[…] und die anderen Gefolgsleute, die erschlagen wurden; lass alle Totenriten vollziehen, Männerherr.

Wort für Wort
**** ****
[Lücke im Text]
ye cānye 'nucarā hatāḥ
und welche anderen Gefolgsleute erschlagen wurden (Nom. Pl.; Part. Pass.)
pretakāryāṇi sarvāṇi
alle Totenriten (Akk. Pl.)
kārayasva narādhipa
lass vollziehen, Männerherr (Imp. 2.Sg. Med. Kaus.; Vok.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage mit Textlücke am Anfang.

vaiśaṃpāyana uvāca; tac chrutvā karuṇaṃ vākyaṃ putrapautravadhārditaḥ; papāta bhuvi durdharṣo vātāhata iva drumaḥ

Vaiśaṃpāyana sprach: Als er dieses jammervolle Wort gehört hatte, von der Tötung der Söhne und Enkel gequält, stürzte der Unbezwingbare zu Boden wie ein vom Wind getroffener Baum.

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca
Vaiśaṃpāyana sprach (Perf. 3.Sg.)
tac chrutvā karuṇaṃ vākyaṃ
dieses jammervolle Wort gehört habend (Abs.; Akk.)
putrapautravadhārditaḥ
von der Tötung der Söhne und Enkel gequält (Nom.; Part. Pass.)
papāta bhuvi durdharṣaḥ
stürzte zu Boden, der Unbezwingbare (Perf. 3.Sg.; Lok.; Nom.)
vātāhata iva drumaḥ
wie ein vom Wind getroffener Baum (Nom.)

dhṛtarāṣṭra uvāca; hataputro hatāmātyo hatasarvasuhṛjjanaḥ; duḥkhaṃ nūnaṃ bhaviṣyāmi vicaran pṛthivīm imām

Dhṛtarāṣṭra sprach: „Der Söhne beraubt, der Minister beraubt, aller Freunde und Anverwandten beraubt, werde ich gewiss im Leid diese Erde durchwandern.“

Wort für Wort
dhṛtarāṣṭra uvāca
Dhṛtarāṣṭra sprach (Perf. 3.Sg.)
hataputro hatāmātyaḥ
dessen Söhne erschlagen, dessen Minister erschlagen sind (Bahuvrīhi; Nom.)
hatasarvasuhṛjjanaḥ
dessen sämtliche Freunde und Leute erschlagen sind (Bahuvrīhi; Nom.)
duḥkhaṃ nūnaṃ bhaviṣyāmi
in Leid werde ich gewiss sein (Adv./Akk.; Fut. 1.Sg.)
vicaran pṛthivīm imām
diese Erde durchwandernd (Part. Präs.; Akk.)

duḥkhaṃ bhaviṣyāmi wörtlich „ich werde Leid [sein]“, adverbial als „leidend“ gefasst.

kiṃ nu bandhuvihīnasya jīvitena mamādya vai; lūnapakṣasya iva me jarājīrṇasya pakṣiṇaḥ

„Was soll mir nun heute das Leben, dem die Verwandten fehlen, mir, wie einem vom Alter gebrechlichen Vogel mit abgeschnittenen Flügeln?“

Wort für Wort
kiṃ nu bandhuvihīnasya
was [nützt] nun einem der Verwandten Beraubten (Gen.)
jīvitena mamādya vai
das Leben mir heute (Instr.; Gen.; Adv.)
lūnapakṣasya iva me
mir wie einem mit abgeschnittenen Flügeln (Gen.; Bahuvrīhi)
jarājīrṇasya pakṣiṇaḥ
einem vom Alter verbrauchten Vogel (Gen.)

hṛtarājyo hatasuhṛd dhatacakṣuś ca vai tathā; na bhrājiṣye mahāprājña kṣīṇaraśmir ivāṃśumān

„Des Reiches beraubt, der Freunde beraubt und ebenso der Augen beraubt, werde ich nicht leuchten, o Hochweiser, wie die Sonne mit geschwundenen Strahlen.“

Wort für Wort
hṛtarājyo hatasuhṛd
dem das Reich genommen, dem die Freunde erschlagen sind (Bahuvrīhi; Nom.)
dhatacakṣuś ca vai tathā
und ebenso der Augen beraubt (Bahuvrīhi; Nom.)
na bhrājiṣye mahāprājña
ich werde nicht leuchten, Hochweiser (Fut. 1.Sg. Med.; Vok.)
kṣīṇaraśmir ivāṃśumān
wie der Strahlende [Sonne] mit geschwundenen Strahlen (Nom.)

na kṛtaṃ suhṛdāṃ vākyaṃ jāmadagnyasya jalpataḥ; nāradasya ca devarṣeḥ kṛṣṇadvaipāyanasya ca

„Nicht befolgt wurde das Wort der Freunde: das des Jāmadagnya, der es sprach, und das des Götterweisen Nārada und das des Kṛṣṇa Dvaipāyana.“

Wort für Wort
na kṛtaṃ suhṛdāṃ vākyaṃ
nicht befolgt wurde das Wort der Freunde (Part. Pass.; Gen. Pl.)
jāmadagnyasya jalpataḥ
des Jāmadagnya, des Redenden (Gen.; Part. Präs.)
nāradasya ca devarṣeḥ
und des Götterweisen Nārada (Gen.)
kṛṣṇadvaipāyanasya ca
und des Kṛṣṇa Dvaipāyana (Gen.)

sabhāmadhye tu kṛṣṇena yac chreyo 'bhihitaṃ mama; alaṃ vaireṇa te rājan putraḥ saṃgṛhyatām iti

„Was mir Kṛṣṇa mitten in der Versammlung als das Heilsame gesagt hat: ‚Genug der Feindschaft mit dir, König; dein Sohn möge ergriffen [gebändigt] werden!‘“

Wort für Wort
sabhāmadhye tu kṛṣṇena
mitten in der Versammlung aber von Kṛṣṇa (Lok.; Instr.)
yac chreyo 'bhihitaṃ mama
was als das Heilsame mir gesagt wurde (Nom.; Part. Pass.; Dat./Gen.)
alaṃ vaireṇa te rājan
genug der Feindschaft mit dir, König (Instr.; Vok.)
putraḥ saṃgṛhyatām iti
dein Sohn möge festgehalten werden, so [sprach er] (Imp. Pass. 3.Sg.)

Kṛṣṇa (Vāsudeva) sprach diese Mahnung in der Kuru-Versammlung.

tac ca vākyam akṛtvāhaṃ bhṛśaṃ tapyāmi durmatiḥ; na hi śrotāsmi bhīṣmasya dharmayuktaṃ prabhāṣitam

„Und dieses Wort nicht befolgt habend, quäle ich mich heftig, ich Toren; denn ich wollte auf Bhīṣmas rechtgemäß gesprochenes Wort nicht hören.“

Wort für Wort
tac ca vākyam akṛtvāhaṃ
und dieses Wort nicht befolgt habend, ich (Abs.; Nom.)
bhṛśaṃ tapyāmi durmatiḥ
heftig quäle ich mich, der Törichte (Präs. 1.Sg. Pass./Med.; Nom.)
na hi śrotāsmi bhīṣmasya
denn ich hörte nicht auf Bhīṣma (Periphr. Fut. 1.Sg.; Gen.)
dharmayuktaṃ prabhāṣitam
das rechtgemäße Gesprochene (Akk.; Part. Pass.)

duryodhanasya ca tathā vṛṣabhasyeva nardataḥ; duḥśāsanavadhaṃ śrutvā karṇasya ca viparyayam; droṇasūryoparāgaṃ ca hṛdayaṃ me vidīryate

„Und so auch: [Da ich] von Duryodhana, der wie ein Stier brüllte, die Tötung Duḥśāsanas gehört habe und Karṇas Umsturz und die Verfinsterung der Sonne Droṇa, zerbirst mir das Herz.“

Wort für Wort
duryodhanasya ca tathā
und ebenso von Duryodhana (Gen.)
vṛṣabhasyeva nardataḥ
der wie ein Stier brüllt (Gen.; Part. Präs.)
duḥśāsanavadhaṃ śrutvā
die Tötung Duḥśāsanas gehört habend (Akk.; Abs.)
karṇasya ca viparyayam
und Karṇas Umsturz (Gen.; Akk.)
droṇasūryoparāgaṃ ca
und die Verfinsterung der Sonne Droṇa (Akk.)
hṛdayaṃ me vidīryate
mir zerbirst das Herz (Nom.; Gen.; Präs. Pass. 3.Sg.)

Der Anschluss von duryodhanasya ... nardataḥ ist syntaktisch lose (wohl „von [dem Fall] Duryodhanas, der wie ein Stier brüllte“); Wiedergabe unsicher [?].

na smarāmy ātmanaḥ kiṃ cit purā saṃjaya duṣkṛtam; yasyedaṃ phalam adyeha mayā mūḍhena bhujyate

„Ich erinnere mich an keine frühere üble Tat von mir, Saṃjaya, deren Frucht hier jetzt von mir Verblendetem genossen wird.“

Wort für Wort
na smarāmy ātmanaḥ kiṃ cit
ich erinnere mich an nichts von mir (Präs. 1.Sg.; Gen.)
purā saṃjaya duṣkṛtam
früher, Saṃjaya, an eine Missetat (Adv.; Vok.; Akk.)
yasyedaṃ phalam adyeha
deren Frucht dies hier heute (Gen.; Nom.)
mayā mūḍhena bhujyate
von mir Verblendetem genossen wird (Instr.; Präs. Pass.)

nūnaṃ hy apakṛtaṃ kiṃ cin mayā pūrveṣu janmasu; yena māṃ duḥkhabhāgeṣu dhātā karmasu yuktavān

„Gewiss wurde von mir in früheren Geburten etwas Böses getan, weshalb der Schöpfer mich an Taten band, die Leidensanteil bringen.“

Wort für Wort
nūnaṃ hy apakṛtaṃ kiṃ cin
gewiss wurde ja etwas Böses getan (Part. Pass.)
mayā pūrveṣu janmasu
von mir in früheren Geburten (Instr.; Lok. Pl.)
yena māṃ duḥkhabhāgeṣu
weshalb mich an Leid-Anteil-habende (Instr.; Akk.; Lok. Pl.)
dhātā karmasu yuktavān
der Schöpfer an Taten gebunden hat (Nom.; Lok. Pl.; Part. Perf. Akt.)

pariṇāmaś ca vayasaḥ sarvabandhukṣayaś ca me; suhṛnmitravināśaś ca daivayogād upāgataḥ; ko 'nyo 'sti duḥkhitataro mayā loke pumān iha

„Das Reifen des Alters, der Untergang aller meiner Verwandten und der Verlust von Freunden und Gefährten ist mir durch Fügung des Schicksals zugekommen; welcher andere Mann ist in dieser Welt hier leidvoller als ich?“

Wort für Wort
pariṇāmaś ca vayasaḥ
und das Reifen des Alters (Nom.; Gen.)
sarvabandhukṣayaś ca me
und der Untergang aller Verwandten für mich (Nom.; Dat./Gen.)
suhṛnmitravināśaś ca
und der Verlust von Freunden und Gefährten (Nom.)
daivayogād upāgataḥ
durch Fügung des Schicksals eingetreten (Abl.; Part. Pass.)
ko 'nyo 'sti duḥkhitataro
welcher andere ist leidvoller (Nom.; Komparativ)
mayā loke pumān iha
als ich in der Welt, Mann, hier (Instr.; Lok.; Nom.)

tan mām adyaiva paśyantu pāṇḍavāḥ saṃśitavratam; vivṛtaṃ brahmalokasya dīrgham adhvānam āsthitam

„Darum sollen mich heute noch die Pāṇḍavas sehen, den in strengen Gelübden Gefestigten, der den offenen, langen Weg zur Brahmawelt betreten hat.“

Wort für Wort
tan mām adyaiva paśyantu
darum sollen mich heute noch sehen (Imp. 3.Pl.)
pāṇḍavāḥ saṃśitavratam
die Pāṇḍavas, den in strengen Gelübden Gefestigten (Nom. Pl.; Akk.)
vivṛtaṃ brahmalokasya
den offenen [Weg] der Brahmawelt (Akk.; Gen.)
dīrgham adhvānam āsthitam
der den langen Weg beschritten hat (Akk.; Part. Pass. aktiv)

Anspielung auf die Absicht, sich in strenger Askese dem Tod zu weihen (Wiedergabe sinngemäß).

vaiśaṃpāyana uvāca; tasya lālapyamānasya bahuśokaṃ vicinvataḥ; śokāpahaṃ narendrasya saṃjayo vākyam abravīt

Vaiśaṃpāyana sprach: Zu ihm, der so jammerte und vielfachen Kummer erwog, sprach Saṃjaya, dem Männerfürsten, ein kummervertreibendes Wort.

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca
Vaiśaṃpāyana sprach (Perf. 3.Sg.)
tasya lālapyamānasya
als er jammerte (Gen.; Part. Präs. Intens.)
bahuśokaṃ vicinvataḥ
der vielen Kummer erwog (Adv./Akk.; Part. Präs.)
śokāpahaṃ narendrasya
ein kummervertreibendes [Wort] dem Männerfürsten (Akk.; Gen.)
saṃjayo vākyam abravīt
Saṃjaya sprach das Wort (Nom.; Akk.; Impf. 3.Sg.)

śokaṃ rājan vyapanuda śrutās te vedaniścayāḥ; śāstrāgamāś ca vividhā vṛddhebhyo nṛpasattama; sṛñjaye putraśokārte yad ūcur munayaḥ purā

„Vertreibe die Trauer, König! Du hast die Entscheidungen der Veden gehört und die mannigfachen Lehrüberlieferungen von den Alten, bester der Fürsten, [ebenso] was die Weisen einst zu Sṛñjaya sagten, der von Sohnesgram gequält war.“

Wort für Wort
śokaṃ rājan vyapanuda
die Trauer vertreibe, König (Akk.; Vok.; Imp. 2.Sg.)
śrutās te vedaniścayāḥ
gehört wurden von dir die Veda-Entscheidungen (Part. Pass.; Instr./Gen.; Nom. Pl.)
śāstrāgamāś ca vividhā
und die mannigfachen Śāstra-Überlieferungen (Nom. Pl.)
vṛddhebhyo nṛpasattama
von den Alten, bester der Fürsten (Abl. Pl.; Vok.)
sṛñjaye putraśokārte
zu Sṛñjaya, der von Sohnesgram bedrängt war (Lok.; Tatpuruṣa)
yad ūcur munayaḥ purā
was die Weisen einst sagten (Perf. 3.Pl.; Nom. Pl.)

tathā yauvanajaṃ darpam āsthite te sute nṛpa; na tvayā suhṛdāṃ vākyaṃ bruvatām avadhāritam; svārthaś ca na kṛtaḥ kaś cil lubdhena phalagṛddhinā

„Ebenso, als dein Sohn, o König, im aus der Jugend geborenen Hochmut verharrte, wurde das Wort der redenden Freunde von dir nicht beherzigt; und kein eigener Zweck wurde von dir, dem Gierigen, nach Frucht Lechzenden, verfolgt.“

Wort für Wort
tathā yauvanajaṃ darpam
ebenso den aus der Jugend geborenen Hochmut (Akk.)
āsthite te sute nṛpa
als dein Sohn [darin] verharrte, König (Lok. abs.; Vok.)
na tvayā suhṛdāṃ vākyaṃ
nicht wurde von dir das Wort der Freunde (Instr.; Gen. Pl.)
bruvatām avadhāritam
der Redenden beherzigt (Gen. Pl. Part.; Part. Pass.)
svārthaś ca na kṛtaḥ kaś cil
und kein eigener Zweck wurde verfolgt (Nom.; Part. Pass.)
lubdhena phalagṛddhinā
von dem Gierigen, nach Frucht Lechzenden (Instr.)

asinaivaikadhāreṇa svabuddhyā tu viceṣṭitam; prāyaśo 'vṛttasaṃpannāḥ satataṃ paryupāsitāḥ

„Nur mit einer einschneidigen Klinge wurde aus eigenem Verstand gehandelt; meist wurden die des guten Wandels Ermangelnden beständig umdient.“

Wort für Wort
asinaivaikadhāreṇa
nur mit einem einschneidigen Schwert (Instr.)
svabuddhyā tu viceṣṭitam
aus eigenem Verstand aber wurde gehandelt (Instr.; Part. Pass. unpers.)
prāyaśo 'vṛttasaṃpannāḥ
meist die des guten Wandels nicht Teilhaftigen (Adv.; Nom. Pl.)
satataṃ paryupāsitāḥ
beständig umdient (Adv.; Part. Pass. Nom. Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzstrophe; Sinn und Bezug unklar, Wiedergabe unsicher [?].

tava duḥśāsano mantrī rādheyaś ca durātmavān; śakuniś caiva duṣṭātmā citrasenaś ca durmatiḥ; śalyaś ca yena vai sarvaṃ śalyabhūtaṃ kṛtaṃ jagat

„Dein Minister war Duḥśāsana und der böswillige Rādheya, und Śakuni, der Boshafte, und Citrasena, der Übelgesinnte; und Śalya [auch], durch den die ganze Welt zu einem Stachel gemacht wurde.“

Wort für Wort
tava duḥśāsano mantrī
dein Berater war Duḥśāsana (Nom.)
rādheyaś ca durātmavān
und Rādheya, der Böswillige (Nom.)
śakuniś caiva duṣṭātmā
und Śakuni, der Boshafte (Nom.)
citrasenaś ca durmatiḥ
und Citrasena, der Übelgesinnte (Nom.)
śalyaś ca yena vai sarvaṃ
und Śalya, durch den ja alles (Nom.; Instr.)
śalyabhūtaṃ kṛtaṃ jagat
zu einem Stachel gemacht wurde die Welt (Part. Pass.; Nom.)

Bezug von yena und Wortspiel śalya (Śalya / Stachel, Pfeil) unsicher [?].

kuruvṛddhasya bhīṣmasya gāndhāryā vidurasya ca

[Nicht befolgt wurde das Wort] des Kuru-Ältesten Bhīṣma, der Gāndhārī und des Vidura,

Wort für Wort
kuruvṛddhasya bhīṣmasya
des Kuru-Ältesten Bhīṣma (Gen.)
gāndhāryā vidurasya ca
der Gāndhārī und des Vidura (Gen.)

Der Satz wird in 001.025 (n=30) mit na kṛtaṃ vacanaṃ fortgeführt; dazwischen steht die Zusatzstrophe n=29.

droṇasya ca mahārāja kṛpasya ca śaradvataḥ; kṛṣṇasya ca mahābāho nāradasya ca dhīmataḥ; ṛṣīṇāṃ ca tathānyeṣāṃ vyāsasyāmitatejasaḥ

und des Droṇa, Großkönig, und des Kṛpa, Śaradvats [Sohn], und des Kṛṣṇa, des Großarmigen, und des weisen Nārada und der anderen Ṛṣis und des Vyāsa von unermesslichem Glanz.

Wort für Wort
droṇasya ca mahārāja
und des Droṇa, Großkönig (Gen.; Vok.)
kṛpasya ca śaradvataḥ
und des Kṛpa, des Śāradvata (Gen.; Nom. [?])
kṛṣṇasya ca mahābāho
und des Kṛṣṇa, Großarmiger (Gen.; Vok.)
nāradasya ca dhīmataḥ
und des weisen Nārada (Gen.)
ṛṣīṇāṃ ca tathānyeṣāṃ
und der Ṛṣis und ebenso der anderen (Gen. Pl.)
vyāsasyāmitatejasaḥ
des Vyāsa von unermesslichem Glanz (Gen.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). śaradvataḥ (Nom.) neben Gen. kṛpasya ist grammatisch auffällig, vermutlich verderbt.

na kṛtaṃ vacanaṃ tena tava putreṇa bhārata

„Das Wort wurde von jenem, deinem Sohn, nicht befolgt, Bhārata.“

Wort für Wort
na kṛtaṃ vacanaṃ
nicht befolgt wurde das Wort (Part. Pass.; Nom.)
tena tava putreṇa bhārata
von ihm, deinem Sohn, Bhārata (Instr.; Vok.)

alpabuddhir ahaṃkārī nityaṃ yuddham iti bruvan; krūro durmarṣaṇo nityam asaṃtuṣṭaś ca vīryavān; śrutavān asi medhāvī satyavāṃś caiva nityadā; na muhyantīdṛśāḥ santo buddhimanto bhavādṛśāḥ

„Geringen Verstandes, selbstherrlich, stets „Krieg!“ rufend; grausam, unduldsam, stets unzufrieden und doch tapfer. Du bist gelehrt, klug und stets wahrhaftig; Verständige wie du, gute Männer, lassen sich nicht so verwirren.“

Wort für Wort
alpabuddhir ahaṃkārī
geringen Verstandes, selbstherrlich (Nom.)
nityaṃ yuddham iti bruvan
stets „Krieg!“ sagend (Part. Präs.)
krūro durmarṣaṇo nityam
grausam, unduldsam, stets (Nom.; Adv.)
asaṃtuṣṭaś ca vīryavān
und unzufrieden, tapfer (Nom.)
śrutavān asi medhāvī
gelehrt bist du, einsichtig (Part. Perf. Akt.; Präs. 2.Sg.; Nom.)
satyavāṃś caiva nityadā
und wahrhaftig allezeit (Nom.; Adv.)
na muhyantīdṛśāḥ santo
nicht verwirren sich solche gute Männer (Präs. 3.Pl.; Nom. Pl.)
buddhimanto bhavādṛśāḥ
verständige, wie du (Nom. Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Die ersten beiden Pādas beziehen sich auf Duryodhana, ab śrutavān asi ist Dhṛtarāṣṭra angesprochen.

na dharmaḥ satkṛtaḥ kaś cin nityaṃ yuddham iti bruvan; kṣapitāḥ kṣatriyāḥ sarve śatrūṇāṃ vardhitaṃ yaśaḥ

„Kein Recht wurde geachtet von dem, der stets „Krieg!“ rief; vernichtet sind alle Kṣatriyas, der Ruhm der Feinde ist gemehrt.“

Wort für Wort
na dharmaḥ satkṛtaḥ kaś cin
kein Recht wurde geehrt (Nom.; Part. Pass.)
nityaṃ yuddham iti bruvan
der stets „Krieg!“ rief (Part. Präs.)
kṣapitāḥ kṣatriyāḥ sarve
vernichtet sind alle Kṣatriyas (Part. Pass. Kaus.; Nom. Pl.)
śatrūṇāṃ vardhitaṃ yaśaḥ
der Ruhm der Feinde ist gemehrt (Gen. Pl.; Part. Pass.; Nom.)

madhyastho hi tvam apy āsīr na kṣamaṃ kiṃ cid uktavān; dhūr dhareṇa tvayā bhāras tulayā na samaṃ dhṛtaḥ

„Denn auch du standest in der Mitte [unbeteiligt] und sagtest nichts Angemessenes; die Last wurde von dir, dem Jochträger, nicht gleichmäßig auf der Waage getragen.“

Wort für Wort
madhyastho hi tvam apy āsīr
denn auch du warst in der Mitte stehend (Nom.; Impf. 2.Sg.)
na kṣamaṃ kiṃ cid uktavān
nichts Angemessenes sagtest du (Akk.; Part. Perf. Akt.)
dhūr dhareṇa tvayā
von dir, dem Jochträger (Instr.)
bhāras tulayā na samaṃ dhṛtaḥ
die Last wurde nicht gleich mit der Waage getragen (Nom.; Instr.; Part. Pass.)

Bild der ungleich gewogenen Last; Sinn sinngemäß wiedergegeben [?].

ādāv eva manuṣyeṇa vartitavyaṃ yathā kṣamam; yathā nātītam arthaṃ vai paścāttāpena yujyate

„Gleich am Anfang soll der Mensch so handeln, wie es angemessen ist, damit er nicht, wenn die Sache vorüber ist, von Reue heimgesucht wird.“

Wort für Wort
ādāv eva manuṣyeṇa
gleich am Anfang vom Menschen (Lok.; Instr.)
vartitavyaṃ yathā kṣamam
soll gehandelt werden, wie es angemessen ist (Gerundiv)
yathā nātītam arthaṃ vai
damit nicht, wenn die Sache vergangen ist (Nom./Akk.)
paścāttāpena yujyate
mit Nachreue verbunden wird (Instr.; Präs. Pass. 3.Sg.)

putragṛddhyā tvayā rājan priyaṃ tasya cikīrṣatā; paścāttāpam idaṃ prāptaṃ na tvaṃ śocitum arhasi

„Aus Sohnesgier, König, weil du ihm Liebes tun wolltest, ist dir diese Reue zuteil geworden; du darfst nicht trauern.“

Wort für Wort
putragṛddhyā tvayā rājan
aus Sohnesgier von dir, König (Instr.; Vok.)
priyaṃ tasya cikīrṣatā
ihm Liebes tun wollend (Akk.; Part. Präs. Des.)
paścāttāpam idaṃ prāptaṃ
diese Reue ist erlangt (Akk.; Part. Pass.)
na tvaṃ śocitum arhasi
du darfst nicht trauern (Inf.; Präs. 2.Sg.)

madhu yaḥ kevalaṃ dṛṣṭvā prapātaṃ nānupaśyati; sa bhraṣṭo madhulobhena śocaty eva yathā bhavān

„Wer nur den Honig sieht und den Abgrund nicht sieht, der, aus Honiggier abgestürzt, trauert ebenso, wie du.“

Wort für Wort
madhu yaḥ kevalaṃ dṛṣṭvā
wer nur den Honig gesehen habend (Akk.; Abs.)
prapātaṃ nānupaśyati
den Abgrund nicht erblickt (Akk.; Präs. 3.Sg.)
sa bhraṣṭo madhulobhena
der, durch Honiggier abgestürzt (Nom.; Instr.)
śocaty eva yathā bhavān
trauert eben so wie du (Präs. 3.Sg.; Nom.)

arthān na śocan prāpnoti na śocan vindate sukham; na śocañ śriyam āpnoti na śocan vindate param

„Durch Trauer erlangt man keine Güter, durch Trauer findet man kein Glück, durch Trauer gewinnt man keine Herrlichkeit, durch Trauer findet man das Höchste nicht.“

Wort für Wort
arthān na śocan prāpnoti
Güter erlangt man nicht trauernd (Akk. Pl.; Part. Präs.; Präs. 3.Sg.)
na śocan vindate sukham
nicht trauernd findet man Glück (Akk.)
na śocañ śriyam āpnoti
nicht trauernd erlangt man Herrlichkeit (Akk.)
na śocan vindate param
nicht trauernd findet man das Höchste (Akk.)

svayam utpādayitvāgniṃ vastreṇa pariveṣṭayet; dahyamāno manastāpaṃ bhajate na sa paṇḍitaḥ

„Wer selbst ein Feuer entfacht und es in ein Tuch hüllt und dann, brennend, Seelenqual erleidet, ist kein Weiser.“

Wort für Wort
svayam utpādayitvāgniṃ
selbst das Feuer erzeugt habend (Abs.; Akk.)
vastreṇa pariveṣṭayet
in ein Tuch hüllen sollte (Instr.; Opt. 3.Sg. Kaus.)
dahyamāno manastāpaṃ
brennend Herzensqual (Part. Pass.; Akk.)
bhajate na sa paṇḍitaḥ
erfährt, der ist kein Weiser (Präs. 3.Sg. Med.; Nom.)

tvayaiva sasutenāyaṃ vākyavāyusamīritaḥ; lobhājyena ca saṃsikto jvalitaḥ pārthapāvakaḥ

„Von dir selbst samt deinen Söhnen wurde dieses Pāṇḍava-Feuer, vom Wind der Worte angefacht und mit der Schmelzbutter der Gier begossen, entflammt.“

Wort für Wort
tvayaiva sasutenāyaṃ
von dir selbst samt Söhnen dieses (Instr.; Nom.)
vākyavāyusamīritaḥ
vom Wind der Worte angefacht (Nom.; Part. Pass.)
lobhājyena ca saṃsikto
und mit der Schmelzbutter der Gier begossen (Instr.; Part. Pass.)
jvalitaḥ pārthapāvakaḥ
entflammt, das Feuer der Pārthas (Nom.; Part. Pass.)

tasmin samiddhe patitāḥ śalabhā iva te sutāḥ; tān keśavārcir nirdagdhān na tvaṃ śocitum arhasi

„In das Entfachte fielen deine Söhne wie Motten; um sie, von Keśavas Flamme verbrannt, darfst du nicht trauern.“

Wort für Wort
tasmin samiddhe patitāḥ
in dieses Entfachte fielen (Lok.; Part. Pass.)
śalabhā iva te sutāḥ
wie Motten deine Söhne (Nom. Pl.)
tān keśavārcir nirdagdhān
sie, von Keśavas Flamme verbrannt (Akk. Pl.; Nom.; Part. Pass.)
na tvaṃ śocitum arhasi
du darfst nicht trauern (Inf.; Präs. 2.Sg.)

yac cāśrupātakalilaṃ vadanaṃ vahase nṛpa; aśāstradṛṣṭam etad dhi na praśaṃsanti paṇḍitāḥ

„Und dass du, König, ein von Tränenfluss verschmiertes Gesicht trägst, das ist nicht von der Lehre gesehen [d. h. gebilligt]; die Weisen loben es nicht.“

Wort für Wort
yac cāśrupātakalilaṃ
und was von Tränenfluss verschmiert (Akk.)
vadanaṃ vahase nṛpa
das Gesicht du trägst, König (Präs. 2.Sg.; Vok.)
aśāstradṛṣṭam etad dhi
dies ist ja nicht von der Lehre gesehen (Part. Pass.)
na praśaṃsanti paṇḍitāḥ
nicht loben es die Weisen (Präs. 3.Pl.; Nom. Pl.)

visphuliṅgā iva hy etān dahanti kila mānavān; jahīhi manyuṃ buddhyā vai dhārayātmānam ātmanā

„Wie Funken verbrennen sie, so heißt es, diese Menschen. Lass den Grimm fahren mit Einsicht, halte dich selbst durch dich selbst [im Zaum].“

Wort für Wort
visphuliṅgā iva hy etān
wie Funken ja diese (Nom. Pl.; Akk. Pl.)
dahanti kila mānavān
verbrennen sie, so heißt es, Menschen (Präs. 3.Pl.; Akk. Pl.)
jahīhi manyuṃ buddhyā vai
lass fahren den Grimm durch Einsicht (Imp. 2.Sg.; Akk.; Instr.)
dhārayātmānam ātmanā
halte dich selbst durch dich selbst (Imp. 2.Sg. Kaus.; Akk.; Instr.)

Subjekt von dahanti unklar (wohl die Tränen bzw. die Trauer) [?].

evam āśvāsitas tena saṃjayena mahātmanā; viduro bhūya evāha buddhipūrvaṃ paraṃtapa

So von dem hochgesinnten Saṃjaya getröstet, sprach Vidura noch einmal mit Bedacht [zu ihm], Bedränger der Feinde.

Wort für Wort
evam āśvāsitas tena
so getröstet von ihm (Part. Pass.; Instr.)
saṃjayena mahātmanā
von Saṃjaya, dem Hochgesinnten (Instr.)
viduro bhūya evāha
Vidura sprach abermals (Nom.; Adv.; Perf. 3.Sg.)
buddhipūrvaṃ paraṃtapa
mit Bedacht, Bedränger der Feinde (Adv.; Vok.)

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