Kapitel 24: bhūriśravaḥśakuniśokadarśanam
Gāndhārī zeigt Kṛṣṇa den gefallenen Bhūriśravas, Somadatta und Śakuni
Gāndhārī führt Kṛṣṇa über das Schlachtfeld: Somadatta und die Frauen des Bhūriśravas trauern um den von Arjuna und Sātyaki im Kampf Gefällten; danach der von Vögeln umgebene, von Sahadeva erschlagene Śakuni, dem sie die Schuld an der Feindschaft gibt.
„Zum Glück siehst du heute nicht deinen Sohn, den Helden mit der Opferpfosten-Standarte, den Geber vieler Tausender, den Darbringer vieler Opfer, erschlagen daliegen.“
Wort für Wort
diṣṭyā yūpadhvajaṃ vīram
zum Glück den Helden mit dem Opferpfosten als Standarte (Akk.Sg.)
putraṃ bhūrisahasradam
den Sohn, den Geber vieler Tausender (Akk.Sg.)
anekakratuyajvānam
den Darbringer vieler Opfer (Akk.Sg.)
nihataṃ na adya paśyasi
erschlagen, heute nicht siehst du (Part.Pass.Akk.; Präs.2.Sg.)
„Zum Glück hörst du nicht, großer König, im Klagegeschrei der Schwiegertöchter das viele schreckliche Jammern, wie das der Kranichweibchen auf dem Wasser.“
Wort für Wort
diṣṭyā snuṣāṇām ākrande
zum Glück im Klagegeschrei der Schwiegertöchter (Gen.Pl.; Lok.Sg.)
ghoraṃ vilapitaṃ bahu
das schreckliche viele Jammern (Akk.Sg.n.)
na śṛṇoṣi mahārāja
du hörst nicht, großer König (Präs.2.Sg.; Vok.)
sārasīnām iva arṇave
wie [das] der Kranichweibchen auf dem Wasser (Gen.Pl.f.; Lok.Sg.)
diṣṭyā tat kāñcanaṃ chatraṃ yūpaketor mahātmanaḥ; vinikīrṇaṃ rathopasthe saumadatter na paśyasi
„Zum Glück siehst du nicht jenen goldenen Schirm des hochgesinnten [Herrn mit der] Opferpfosten-Fahne, verstreut auf dem Sitz des Wagens des Somadatta-Sohnes.“
Wort für Wort
diṣṭyā tat kāñcanaṃ chatram
zum Glück jenen goldenen Schirm (Nom./Akk.Sg.n.)
yūpaketor mahātmanaḥ
des [Herrn] mit dem Opferpfosten als Banner, des Hochgesinnten (Gen.Sg.)
vinikīrṇaṃ rathopasthe
verstreut auf dem Wagensitz (Part.Pass.; Lok.Sg.)
saumadatter na paśyasi
des Somadatta-Sohnes; du siehst nicht (Gen.Sg.; Präs.2.Sg.)
kiṃ nu vakṣyati vai satsu goṣṭhīṣu ca sabhāsu ca; apuṇyam ayaśasyaṃ ca karmedaṃ sātyakiḥ svayam
„Was wird Sātyaki selbst unter den Guten, in den Kuhställen und in den Versammlungen sagen zu dieser unverdienstlichen, ruhmlosen Tat?“
Wort für Wort
kiṃ nu vakṣyati vai satsu
was wird er sagen unter den Guten (Fut.3.Sg.; Lok.Pl.)
goṣṭhīṣu ca sabhāsu ca
in den Kuhställen/Runden und in den Versammlungen (Lok.Pl.)
apuṇyam ayaśasyaṃ ca
unverdienstlich und ruhmlos (Akk.Sg.n.)
karma idaṃ sātyakiḥ svayam
diese Tat, Sātyaki selbst (Akk.; Nom.Sg.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; der Satz ist unvollständig konstruiert („karma“ ohne regierendes Verb); sinngemäß ergänzt.
Diese Frau des [Herrn mit der] Opferpfosten-Standarte, deren Taille mit der Hand zu umspannen ist, hat den Arm des Gatten in den Schoß gelegt und klagte kläglich.
Wort für Wort
bhāryā yūpadhvajasya eṣā
die Frau des Yūpadhvaja, diese (Nom.Sg.f.; Gen.)
karasaṃmitamadhyamā
deren Mitte mit einer Hand messbar ist (Nom.Sg.f.)
kṛtvā utsaṅge bhujam bhartuḥ
nachdem sie in den Schoß gelegt den Arm des Gatten (Abs.; Lok.; Akk.; Gen.)
ayaṃ sa hantā śatrūṇāṃ mitrāṇām abhayapradaḥ; pradātā gosahasrāṇāṃ kṣatriyāntakaraḥ karaḥ
„Dies ist jene Hand, die Feinde erschlug, den Freunden Furchtlosigkeit gab, Tausende Kühe schenkte, den Kṣatriyas ein Ende machte.“
Wort für Wort
ayaṃ sa hantā śatrūṇām
dies ist jene, der Feinde Erschläger (Nom.Sg.; Gen.Pl.)
mitrāṇām abhayapradaḥ
der Freunde Furchtlosigkeit-Spender (Gen.Pl.; Nom.Sg.)
pradātā gosahasrāṇām
Geber von tausend Kühen (Nom.Sg.; Gen.Pl.)
kṣatriyāntakaraḥ karaḥ
den Kṣatriyas ein Ende bereitend, die Hand (Nom.Sg.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). kṣatriyāntakaraḥ: wörtlich „das Ende der Kṣatriyas bewirkend“; im Kontext wohl „gegenüber Kṣatriyas als Todbringer“ (Feinden).
„In der Nähe Vāsudevas wurde sie durch Pārtha, den Mühelos-Wirkenden, gefällt, während er [Bhūriśravas] mit einem anderen im Kampf kämpfte, unachtsam.“
Wort für Wort
vāsudevasya sāṃnidhye
in der Nähe Vāsudevas (Gen.Sg.; Lok.)
pārthena ākliṣṭakarmaṇā
durch Pārtha, den Unermüdlich-Handelnden (Instr.Sg.)
yudhyataḥ samare 'nyena
dem Kämpfenden im Kampf mit einem anderen (Gen.Sg.; Lok.; Instr.)
pramattasya nipātitaḥ
dem Unachtsamen gefällt (Gen.Sg.; Part.Pass.Nom.m.)
kiṃ nu vakṣyasi saṃsatsu kathāsu ca janārdana; arjunasya mahat karma svayaṃ vā sa kirīṭavān
„Was wirst du, Janārdana, in den Versammlungen und in den Erzählungen sagen von Arjunas großer Tat, oder [was wird] er selbst, der Diademträger [sagen]?“
Wort für Wort
kiṃ nu vakṣyasi saṃsatsu
was wirst du sagen in den Versammlungen (Fut.2.Sg.; Lok.Pl.)
kathāsu ca janārdana
und in den Erzählungen, Janārdana (Lok.Pl.; Vok.)
arjunasya mahat karma
des Arjuna große Tat (Gen.Sg.; Akk.Sg.n.)
svayaṃ vā sa kirīṭavān
oder er selbst, der Diademträger (Adv.; Nom.Sg.)
Der zweite Halbvers ist elliptisch; „was wird er sagen“ ergänzt.
Der König der Gāndhāra, Śakuni, der Mächtige von wahrer Tapferkeit, wurde von Sahadeva, dem Schwestersohn, dem Onkel [mütterlicherseits], erschlagen.
Wort für Wort
gāndhārarājaḥ śakuniḥ
der König der Gāndhāra, Śakuni (Nom.Sg.)
balavān satyavikramaḥ
mächtig, von wahrer Tapferkeit (Nom.Sg.)
nihataḥ sahadevena
erschlagen von Sahadeva (Part.Pass.Nom.; Instr.Sg.)
bhāgineyena mātulaḥ
durch den Schwestersohn, der Mutterbruder (Instr.Sg.; Nom.Sg.)
Wörtlich ist Sahadeva Sohn von Śakunis Schwester [?] nicht; Gāndhārīs Sohn-Verhältnis: Sahadeva gilt hier als „Schwestersohn“ im weiteren Sinn (Sohn von Pāṇḍus Gattin), so die Vorlage.
[Anm.: Text unsicher] „… dass [deine] Schwester Kṛṣṇā, vom Kummer gequält, kläglich [ihn?] umsitzt, stets das Verderben meiner Söhne begehrend, gegen [sie] zürnend.“
Wort für Wort
śokārtā yat svasā kṛṣṇā
vom Kummer gequält, dass die Schwester Kṛṣṇā (Nom.Sg.f.; Konj.)
kṛpaṇaṃ paryupāsate
kläglich umsitzt/bedient (Adv.; Präs.3.Pl.Med.)
vināśaṃ kāṅkṣatī nityam
das Verderben begehrend, stets (Akk.; Part.Präs.Nom.Sg.f.; Adv.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage, syntaktisch schwierig: Numerus (paryupāsate Pl. neben svasā Sg.) und Bezug von „mama“ unklar; verderbt?