Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Strīparva

Kapitel 24: bhūriśravaḥśakuniśokadarśanam Gāndhārī zeigt Kṛṣṇa den gefallenen Bhūriśravas, Somadatta und Śakuni

Gāndhārī führt Kṛṣṇa über das Schlachtfeld: Somadatta und die Frauen des Bhūriśravas trauern um den von Arjuna und Sātyaki im Kampf Gefällten; danach der von Vögeln umgebene, von Sahadeva erschlagene Śakuni, dem sie die Schuld an der Feindschaft gibt.

gāndhāry uvāca; somadattasutaṃ paśya yuyudhānena pātitam; vitudyamānaṃ vihagair bahubhir mādhavāntike

Gāndhārī sprach: „Sieh den Sohn des Somadatta, von Yuyudhāna gefällt, wie er in der Nähe Mādhavas von vielen Vögeln zerhackt [und zerpickt] wird.“

Wort für Wort
gāndhārī uvāca
Gāndhārī sprach (Nom.Sg.f.; Perf.3.Sg.)
somadattasutaṃ paśya
den Sohn des Somadatta sieh (Akk.Sg.; Imp.2.Sg.)
yuyudhānena pātitam
von Yuyudhāna gefällt (Instr.Sg.; Part.Pass.Akk.)
vitudyamānaṃ vihagair bahubhiḥ
zerhackt/gepeinigt von vielen Vögeln (Part.Pass.Präs.Akk.; Instr.Pl.)
mādhavāntike
in der Nähe Mādhavas (Lok.Sg.)

putraśokābhisaṃtaptaḥ somadatto janārdana; yuyudhānaṃ maheṣvāsaṃ garhayann iva dṛśyate

Somadatta, Janārdana, vom Kummer um den Sohn gequält, scheint den großen Bogenschützen Yuyudhāna gleichsam zu schmähen.

Wort für Wort
putraśokābhisaṃtaptaḥ
vom Kummer um den Sohn gequält (Nom.Sg.; Kompositum, Part.Pass.)
somadatto janārdana
Somadatta, Janārdana (Nom.; Vok.)
yuyudhānaṃ maheṣvāsam
Yuyudhāna, den großen Bogenschützen (Akk.Sg.)
garhayann iva
gleichsam schmähend (Part.Präs.Kaus., Nom.)
dṛśyate
wird gesehen / erscheint (Pass.3.Sg.)

asau tu bhūriśravaso mātā śokapariplutā; āśvāsayati bhartāraṃ somadattam aninditā

Und dort tröstet die Mutter des Bhūriśravas, von Kummer überflutet, die Untadelige, ihren Gatten Somadatta.

Wort für Wort
asau tu bhūriśravaso mātā
jene aber, die Mutter des Bhūriśravas (Nom.Sg.f.; Gen.)
śokapariplutā
von Kummer überflutet (Nom.Sg.f.)
āśvāsayati bhartāram
tröstet den Gatten (Präs.3.Sg.Kaus.; Akk.Sg.)
somadattam aninditā
Somadatta, die Untadelige (Akk.Sg.; Nom.Sg.f.)

diṣṭyā nedaṃ mahārāja dāruṇaṃ bharatakṣayam; kurusaṃkrandanaṃ ghoraṃ yugāntam anupaśyasi

„Zum Glück siehst du dieses grausame, schreckliche Vernichten der Bharatas nicht, das Wehgeschrei der Kurus, das Weltenende, o großer König.“

Wort für Wort
diṣṭyā na idaṃ mahārāja
zum Glück nicht dieses, großer König (Instr.-Adv.; Vok.)
dāruṇaṃ bharatakṣayam
grausam, das Vernichten der Bharatas (Akk.Sg.n.; Akk.Sg.)
kurusaṃkrandanaṃ ghoram
das Wehgeschrei der Kurus, schrecklich (Akk.Sg.)
yugāntam anupaśyasi
das Weltzeitalterende siehst du [an] (Akk.Sg.; Präs.2.Sg.)

Syntax: nedaṃ … anupaśyasi als „du siehst nicht“ aufgefasst; in der Zeile ist die Negation für alle drei Objekte wirksam.

diṣṭyā yūpadhvajaṃ vīraṃ putraṃ bhūrisahasradam; anekakratuyajvānaṃ nihataṃ nādya paśyasi

„Zum Glück siehst du heute nicht deinen Sohn, den Helden mit der Opferpfosten-Standarte, den Geber vieler Tausender, den Darbringer vieler Opfer, erschlagen daliegen.“

Wort für Wort
diṣṭyā yūpadhvajaṃ vīram
zum Glück den Helden mit dem Opferpfosten als Standarte (Akk.Sg.)
putraṃ bhūrisahasradam
den Sohn, den Geber vieler Tausender (Akk.Sg.)
anekakratuyajvānam
den Darbringer vieler Opfer (Akk.Sg.)
nihataṃ na adya paśyasi
erschlagen, heute nicht siehst du (Part.Pass.Akk.; Präs.2.Sg.)

diṣṭyā snuṣāṇām ākrande ghoraṃ vilapitaṃ bahu; na śṛṇoṣi mahārāja sārasīnām ivārṇave

„Zum Glück hörst du nicht, großer König, im Klagegeschrei der Schwiegertöchter das viele schreckliche Jammern, wie das der Kranichweibchen auf dem Wasser.“

Wort für Wort
diṣṭyā snuṣāṇām ākrande
zum Glück im Klagegeschrei der Schwiegertöchter (Gen.Pl.; Lok.Sg.)
ghoraṃ vilapitaṃ bahu
das schreckliche viele Jammern (Akk.Sg.n.)
na śṛṇoṣi mahārāja
du hörst nicht, großer König (Präs.2.Sg.; Vok.)
sārasīnām iva arṇave
wie [das] der Kranichweibchen auf dem Wasser (Gen.Pl.f.; Lok.Sg.)

ekavastrānusaṃvītāḥ prakīrṇāsitamūrdhajāḥ; snuṣās te paridhāvanti hatāpatyā hateśvarāḥ

Deine Schwiegertöchter, in ein einziges Gewand gehüllt, mit aufgelösten schwarzen Haaren, laufen umher, ihrer Kinder beraubt, ihrer Herren beraubt.

Wort für Wort
ekavastrānusaṃvītāḥ
in ein einziges Gewand gehüllt (Nom.Pl.f.)
prakīrṇāsitamūrdhajāḥ
mit aufgelösten schwarzen Haaren (Nom.Pl.f.)
snuṣās te
deine Schwiegertöchter (Nom.Pl.; Gen./Dat.Sg.)
paridhāvanti
laufen umher (Präs.3.Pl.)
hatāpatyā hateśvarāḥ
deren Kinder erschlagen, deren Herren erschlagen [sind] (Nom.Pl.f.)

śvāpadair bhakṣyamāṇaṃ tvam aho diṣṭyā na paśyasi; chinnabāhuṃ naravyāghram arjunena nipātitam

„Ach, zum Glück siehst du nicht den von Raubtieren Gefressenen, den Tiger unter den Männern, dem der Arm abgeschlagen ist, von Arjuna gefällt.“

Wort für Wort
śvāpadair bhakṣyamāṇam
von Raubtieren gefressen werdend (Instr.Pl.; Part.Pass.Präs.Akk.)
tvam aho diṣṭyā na paśyasi
du, ach, zum Glück siehst nicht (Nom.; Präs.2.Sg.)
chinnabāhuṃ naravyāghram
mit abgeschlagenem Arm, den Tiger unter den Männern (Akk.Sg.)
arjunena nipātitam
von Arjuna gefällt (Instr.Sg.; Part.Pass.Kaus.)

śalaṃ vinihataṃ saṃkhye bhūriśravasam eva ca; snuṣāś ca vidhavāḥ sarvā diṣṭyā nādyeha paśyasi

„Und Śala, im Kampf erschlagen, und ebenso Bhūriśravas, und all die verwitweten Schwiegertöchter siehst du heute hier zum Glück nicht.“

Wort für Wort
śalaṃ vinihataṃ saṃkhye
Śala erschlagen im Kampf (Akk.Sg.; Part.Pass.; Lok.)
bhūriśravasam eva ca
und ebenso Bhūriśravas (Akk.Sg.)
snuṣāś ca vidhavāḥ sarvāḥ
und die Schwiegertöchter, verwitwet, alle (Nom./Akk.Pl.f.)
diṣṭyā na adya iha paśyasi
zum Glück nicht heute hier siehst du (Präs.2.Sg.)

diṣṭyā tat kāñcanaṃ chatraṃ yūpaketor mahātmanaḥ; vinikīrṇaṃ rathopasthe saumadatter na paśyasi

„Zum Glück siehst du nicht jenen goldenen Schirm des hochgesinnten [Herrn mit der] Opferpfosten-Fahne, verstreut auf dem Sitz des Wagens des Somadatta-Sohnes.“

Wort für Wort
diṣṭyā tat kāñcanaṃ chatram
zum Glück jenen goldenen Schirm (Nom./Akk.Sg.n.)
yūpaketor mahātmanaḥ
des [Herrn] mit dem Opferpfosten als Banner, des Hochgesinnten (Gen.Sg.)
vinikīrṇaṃ rathopasthe
verstreut auf dem Wagensitz (Part.Pass.; Lok.Sg.)
saumadatter na paśyasi
des Somadatta-Sohnes; du siehst nicht (Gen.Sg.; Präs.2.Sg.)

amūs tu bhūriśravaso bhāryāḥ sātyakinā hatam; parivāryānuśocanti bhartāram asitekṣaṇāḥ

Jene aber, die Frauen des Bhūriśravas, mit dunklen Augen, umringen den von Sātyaki Erschlagenen, ihren Gatten, und betrauern ihn.

Wort für Wort
amūs tu bhūriśravaso bhāryāḥ
jene aber, des Bhūriśravas Frauen (Nom.Pl.f.; Gen.)
sātyakinā hatam
von Sātyaki erschlagen (Instr.Sg.; Part.Pass.)
parivārya anuśocanti
umringend betrauern sie (Abs.; Präs.3.Pl.)
bhartāram asitekṣaṇāḥ
den Gatten, die Dunkeläugigen (Akk.Sg.; Nom.Pl.f.)

etā vilapya bahulaṃ bhartṛśokena karśitāḥ; patanty abhimukhā bhūmau kṛpaṇaṃ bata keśava

Diese, nachdem sie viel geklagt haben, vom Kummer um den Gatten ausgezehrt, stürzen zu Boden, nach vorn gewandt, kläglich, ach, Keśava.

Wort für Wort
etā vilapya bahulam
diese, nachdem sie geklagt, sehr viel (Nom.Pl.f.; Abs.; Adv.)
bhartṛśokena karśitāḥ
vom Kummer um den Gatten ausgezehrt (Instr.Sg.; Part.Pass.Nom.Pl.f.)
patanti abhimukhā bhūmau
fallen [mit dem Gesicht] nach vorn auf die Erde (Präs.3.Pl.; Nom.Pl.f.; Lok.)
kṛpaṇaṃ bata keśava
kläglich, ach, Keśava (Adv.; Interj.; Vok.)

bībhatsur atibībhatsaṃ karmedam akarot katham; pramattasya yad acchaitsīd bāhuṃ śūrasya yajvanaḥ

„Wie konnte Bībhatsu diese überaus abscheuliche Tat begehen, dass er dem unachtsamen, tapferen Opferherrn den Arm abschlug?“

Wort für Wort
bībhatsur atibībhatsam
Bībhatsu (Arjuna), überaus abscheulich (Nom.Sg.; Akk.Sg.n.)
karma idam akarot katham
diese Tat beging er, wie? (Akk.; Aor.3.Sg.)
pramattasya yad acchaitsīt
dem Unachtsamen, dass er abschnitt (Gen.Sg.; Aor.3.Sg.)
bāhuṃ śūrasya yajvanaḥ
den Arm des tapferen Opferherrn (Akk.Sg.; Gen.Sg.)

tataḥ pāpataraṃ karma kṛtavān api sātyakiḥ; yasmāt prāyopaviṣṭasya prāhārṣīt saṃśitātmanaḥ

„Noch schlimmere Tat als diese hat aber Sātyaki begangen, dass er den in Fasten bis zum Tode Sitzenden, den Gefestigten, schlug.“

Wort für Wort
tataḥ pāpataraṃ karma
danach/als diese eine noch schlimmere Tat (Abl.-Adv.; Komp.Akk.Sg.n.)
kṛtavān api sātyakiḥ
hat begangen auch Sātyaki (Part.Perf.Akt.Nom.; Nom.Sg.)
yasmāt prāyopaviṣṭasya
weil dem im Todesfasten Sitzenden (Abl.-Konj.; Gen.Sg.)
prāhārṣīt saṃśitātmanaḥ
er schlug, dem fest Gelobenden/Scharfgeistigen (Aor.3.Sg.; Gen.Sg.)

saṃśitātman: „fest im Gelübde“ bzw. „geschärften Geistes“; hier mit ersterem wiedergegeben, mit [?] gerechnet.

eko dvābhyāṃ hataḥ śeṣe tvam adharmeṇa dhārmikaḥ

„Du liegst da, allein von zweien erschlagen, du Gerechter, wider die Gerechtigkeit.“

Wort für Wort
ekaḥ dvābhyāṃ hataḥ
allein, von zweien erschlagen (Nom.Sg.; Instr.Du.; Part.Pass.)
śeṣe
du liegst (Präs.2.Sg.Med. von śī)
tvam adharmeṇa dhārmikaḥ
du, wider das Recht, Gerechter (Nom.; Instr.Sg.; Nom.Sg.)

śeṣe als 2.Sg. von śī „liegen“ gedeutet; Sprecherinnen sind die Frauen des Bhūriśravas, die ihn anreden.

kiṃ nu vakṣyati vai satsu goṣṭhīṣu ca sabhāsu ca; apuṇyam ayaśasyaṃ ca karmedaṃ sātyakiḥ svayam

„Was wird Sātyaki selbst unter den Guten, in den Kuhställen und in den Versammlungen sagen zu dieser unverdienstlichen, ruhmlosen Tat?“

Wort für Wort
kiṃ nu vakṣyati vai satsu
was wird er sagen unter den Guten (Fut.3.Sg.; Lok.Pl.)
goṣṭhīṣu ca sabhāsu ca
in den Kuhställen/Runden und in den Versammlungen (Lok.Pl.)
apuṇyam ayaśasyaṃ ca
unverdienstlich und ruhmlos (Akk.Sg.n.)
karma idaṃ sātyakiḥ svayam
diese Tat, Sātyaki selbst (Akk.; Nom.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; der Satz ist unvollständig konstruiert („karma“ ohne regierendes Verb); sinngemäß ergänzt.

iti yūpadhvajasyaitāḥ striyaḥ krośanti mādhava

So klagen diese Frauen des [Herrn mit der] Opferpfosten-Standarte, Mādhava.

Wort für Wort
iti yūpadhvajasya
so, des [Herrn] mit der Opferpfosten-Standarte (Gen.Sg.)
etāḥ striyaḥ
diese Frauen (Nom.Pl.f.)
krośanti mādhava
klagen/schreien, Mādhava (Präs.3.Pl.; Vok.)

bhāryā yūpadhvajasyaiṣā karasaṃmitamadhyamā; kṛtvotsaṅge bhujaṃ bhartuḥ kṛpaṇaṃ paryadevayat

Diese Frau des [Herrn mit der] Opferpfosten-Standarte, deren Taille mit der Hand zu umspannen ist, hat den Arm des Gatten in den Schoß gelegt und klagte kläglich.

Wort für Wort
bhāryā yūpadhvajasya eṣā
die Frau des Yūpadhvaja, diese (Nom.Sg.f.; Gen.)
karasaṃmitamadhyamā
deren Mitte mit einer Hand messbar ist (Nom.Sg.f.)
kṛtvā utsaṅge bhujam bhartuḥ
nachdem sie in den Schoß gelegt den Arm des Gatten (Abs.; Lok.; Akk.; Gen.)
kṛpaṇaṃ paryadevayat
kläglich beklagte sie [ihn] (Adv.; Impf.3.Sg.)

ayaṃ sa raśanotkarṣī pīnastanavimardanaḥ; nābhyūrujaghanasparśī nīvīvisraṃsanaḥ karaḥ

„Dies ist jene Hand, die den Gürtel hochzog, die volle Brüste knetete, Nabel, Schenkel und Hüfte berührte, den Knoten des Gewandes löste.“

Wort für Wort
ayaṃ sa raśanotkarṣī
dies ist jene, den Gürtel hochziehend (Nom.Sg.m.)
pīnastanavimardanaḥ
volle Brüste knetend (Nom.Sg.m.)
nābhyūrujaghanasparśī
Nabel, Schenkel, Hüfte berührend (Nom.Sg.m.)
nīvīvisraṃsanaḥ karaḥ
den Knoten lösend, die Hand (Nom.Sg.m.)

ayaṃ sa hantā śatrūṇāṃ mitrāṇām abhayapradaḥ; pradātā gosahasrāṇāṃ kṣatriyāntakaraḥ karaḥ

„Dies ist jene Hand, die Feinde erschlug, den Freunden Furchtlosigkeit gab, Tausende Kühe schenkte, den Kṣatriyas ein Ende machte.“

Wort für Wort
ayaṃ sa hantā śatrūṇām
dies ist jene, der Feinde Erschläger (Nom.Sg.; Gen.Pl.)
mitrāṇām abhayapradaḥ
der Freunde Furchtlosigkeit-Spender (Gen.Pl.; Nom.Sg.)
pradātā gosahasrāṇām
Geber von tausend Kühen (Nom.Sg.; Gen.Pl.)
kṣatriyāntakaraḥ karaḥ
den Kṣatriyas ein Ende bereitend, die Hand (Nom.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). kṣatriyāntakaraḥ: wörtlich „das Ende der Kṣatriyas bewirkend“; im Kontext wohl „gegenüber Kṣatriyas als Todbringer“ (Feinden).

vāsudevasya sāṃnidhye pārthenākliṣṭakarmaṇā; yudhyataḥ samare 'nyena pramattasya nipātitaḥ

„In der Nähe Vāsudevas wurde sie durch Pārtha, den Mühelos-Wirkenden, gefällt, während er [Bhūriśravas] mit einem anderen im Kampf kämpfte, unachtsam.“

Wort für Wort
vāsudevasya sāṃnidhye
in der Nähe Vāsudevas (Gen.Sg.; Lok.)
pārthena ākliṣṭakarmaṇā
durch Pārtha, den Unermüdlich-Handelnden (Instr.Sg.)
yudhyataḥ samare 'nyena
dem Kämpfenden im Kampf mit einem anderen (Gen.Sg.; Lok.; Instr.)
pramattasya nipātitaḥ
dem Unachtsamen gefällt (Gen.Sg.; Part.Pass.Nom.m.)

Subjekt ist die Hand (karaḥ) aus Vers 17.

kiṃ nu vakṣyasi saṃsatsu kathāsu ca janārdana; arjunasya mahat karma svayaṃ vā sa kirīṭavān

„Was wirst du, Janārdana, in den Versammlungen und in den Erzählungen sagen von Arjunas großer Tat, oder [was wird] er selbst, der Diademträger [sagen]?“

Wort für Wort
kiṃ nu vakṣyasi saṃsatsu
was wirst du sagen in den Versammlungen (Fut.2.Sg.; Lok.Pl.)
kathāsu ca janārdana
und in den Erzählungen, Janārdana (Lok.Pl.; Vok.)
arjunasya mahat karma
des Arjuna große Tat (Gen.Sg.; Akk.Sg.n.)
svayaṃ vā sa kirīṭavān
oder er selbst, der Diademträger (Adv.; Nom.Sg.)

Der zweite Halbvers ist elliptisch; „was wird er sagen“ ergänzt.

ity evaṃ garhayitvaiṣā tūṣṇīm āste varāṅganā; tām etām anuśocanti sapatnyaḥ svām iva snuṣām

So tadelnd schweigt diese Vortreffliche; und ihre Mitfrauen betrauern sie wie die eigene Schwiegertochter.

Wort für Wort
iti evaṃ garhayitvā eṣā
so tadelnd, diese (Abs.; Nom.Sg.f.)
tūṣṇīm āste varāṅganā
schweigend bleibt sie, die Vortreffliche (Adv.; Präs.3.Sg.; Nom.Sg.f.)
tām etām anuśocanti
diese hier betrauern sie (Akk.Sg.f.; Präs.3.Pl.)
sapatnyaḥ svām iva snuṣām
die Mitfrauen wie die eigene Schwiegertochter (Nom.Pl.f.; Akk.Sg.f.)

gāndhārarājaḥ śakunir balavān satyavikramaḥ; nihataḥ sahadevena bhāgineyena mātulaḥ

Der König der Gāndhāra, Śakuni, der Mächtige von wahrer Tapferkeit, wurde von Sahadeva, dem Schwestersohn, dem Onkel [mütterlicherseits], erschlagen.

Wort für Wort
gāndhārarājaḥ śakuniḥ
der König der Gāndhāra, Śakuni (Nom.Sg.)
balavān satyavikramaḥ
mächtig, von wahrer Tapferkeit (Nom.Sg.)
nihataḥ sahadevena
erschlagen von Sahadeva (Part.Pass.Nom.; Instr.Sg.)
bhāgineyena mātulaḥ
durch den Schwestersohn, der Mutterbruder (Instr.Sg.; Nom.Sg.)

Wörtlich ist Sahadeva Sohn von Śakunis Schwester [?] nicht; Gāndhārīs Sohn-Verhältnis: Sahadeva gilt hier als „Schwestersohn“ im weiteren Sinn (Sohn von Pāṇḍus Gattin), so die Vorlage.

yaḥ purā hemadaṇḍābhyāṃ vyajanābhyāṃ sma vījyate; sa eṣa pakṣibhiḥ pakṣaiḥ śayāna upavījyate

Der früher mit zwei Fächern mit goldenen Stielen befächelt wurde, der liegt nun da und wird von Vögeln mit [ihren] Flügeln befächelt.

Wort für Wort
yaḥ purā hemadaṇḍābhyām
der einst mit zwei goldstieligen (Nom.Sg.; Instr.Du.)
vyajanābhyāṃ sma vījyate
mit zwei Fächern wurde befächelt (Instr.Du.; Pass.Präs.3.Sg.)
sa eṣa pakṣibhiḥ pakṣaiḥ
dieser hier von Vögeln mit Flügeln (Nom.; Instr.Pl.; Instr.Pl.)
śayāna upavījyate
liegend wird befächelt (Part.Präs.Med.; Pass.3.Sg.)

yaḥ sma rūpāṇi kurute śataśo 'tha sahasraśaḥ; tasya māyāvino māyā dagdhāḥ pāṇḍavatejasā

Der Hunderte und Tausende von Gestalten annahm, dieses Blendwerkers Blendwerke wurden von der Glut der Pāṇḍavas verbrannt.

Wort für Wort
yaḥ sma rūpāṇi kurute
der Gestalten annahm (Präs.3.Sg.Med.)
śataśo 'tha sahasraśaḥ
hundertfach und tausendfach (Adv.)
tasya māyāvino māyāḥ
dessen, des Blendwerkers, Blendwerke (Gen.Sg.; Nom.Pl.f.)
dagdhāḥ pāṇḍavatejasā
verbrannt durch die Glut der Pāṇḍavas (Part.Pass.; Instr.Sg.)

māyayā nikṛtiprajño jitavān yo yudhiṣṭhiram; sabhāyāṃ vipulaṃ rājyaṃ sa punar jīvitaṃ jitaḥ

Der durch Trug, betrugsklug, Yudhiṣṭhira besiegte, der in der Versammlung ein weites Reich [gewann], der wurde nun seinerseits um sein Leben besiegt.

Wort für Wort
māyayā nikṛtiprajñaḥ
durch Trug, betrugskundig (Instr.Sg.; Nom.Sg.)
jitavān yaḥ yudhiṣṭhiram
der Yudhiṣṭhira besiegte (Part.Perf.Akt.; Akk.)
sabhāyāṃ vipulaṃ rājyam
in der Versammlung ein weites Reich (Lok.; Akk.Sg.n.)
sa punar jīvitaṃ jitaḥ
er wiederum um das Leben besiegt (Nom.; Adv.; Akk.; Part.Pass.)

śakuntāḥ śakuniṃ kṛṣṇa samantāt paryupāsate; kitavaṃ mama putrāṇāṃ vināśāyopaśikṣitam

Die Vögel umgeben Śakuni ringsum, Kṛṣṇa, den Würfelspieler, der für das Verderben meiner Söhne geschult war.

Wort für Wort
śakuntāḥ śakuniṃ kṛṣṇa
die Vögel, Śakuni, Kṛṣṇa (Nom.Pl.; Akk.Sg.; Vok.)
samantāt paryupāsate
ringsum umsitzen/umgeben ihn (Adv.; Präs.3.Pl.Med.)
kitavaṃ mama putrāṇām
den Würfelspieler, meiner Söhne (Akk.Sg.; Gen.)
vināśāya upaśikṣitam
zum Verderben geschult (Dat.Sg.; Part.Pass.Akk.)

etenaitan mahad vairaṃ prasaktaṃ pāṇḍavaiḥ saha; vadhāya mama putrāṇām ātmanaḥ sagaṇasya ca

Durch diesen wurde diese große Feindschaft mit den Pāṇḍavas entfacht, zum Verderben meiner Söhne und seiner selbst samt seiner Schar.

Wort für Wort
etena etat mahat vairam
durch diesen diese große Feindschaft (Instr.Sg.; Nom.Sg.n.)
prasaktaṃ pāṇḍavaiḥ saha
angeknüpft, mit den Pāṇḍavas (Part.Pass.; Instr.Pl.)
vadhāya mama putrāṇām
zum Tod meiner Söhne (Dat.Sg.; Gen.Pl.)
ātmanaḥ sagaṇasya ca
und seiner selbst samt Gefolge (Gen.Sg.)

yathaiva mama putrāṇāṃ lokāḥ śastrajitāḥ prabho; evam asyāpi durbuddher lokāḥ śastreṇa vai jitāḥ

Wie meinen Söhnen durch Waffen die Welten erobert wurden, Herr, so wurden auch diesem Böswilligen die Welten durch die Waffe erobert.

Wort für Wort
yathā eva mama putrāṇām
wie eben meiner Söhne (Gen.Pl.)
lokāḥ śastrajitāḥ prabho
die Welten durch Waffen erobert, Herr (Nom.Pl.; Vok.)
evam asya api durbuddheḥ
so auch dieses Böswilligen (Gen.Sg.)
lokāḥ śastreṇa vai jitāḥ
die Welten durch die Waffe erobert (Instr.Sg.; Part.Pass.)

kathaṃ ca nāyaṃ tatrāpi putrān me bhrātṛbhiḥ saha; virodhayed ṛjuprajñān anṛjur madhusūdana

Wie sollte dieser Krumme nicht auch dort meine geradsinnigen Söhne mit ihren Brüdern entzweien, Madhusūdana?

Wort für Wort
kathaṃ ca na ayam tatra api
und wie nicht dieser, auch dort (Adv.)
putrān me bhrātṛbhiḥ saha
meine Söhne mit ihren Brüdern (Akk.Pl.; Gen.; Instr.Pl.)
virodhayet
sollte entzweien (Opt.3.Sg.Kaus.)
ṛjuprajñān anṛjur madhusūdana
die Geradsinnigen, der Krumme, Madhusūdana (Akk.Pl.; Nom.Sg.; Vok.)

śokārtā yat svasā kṛṣṇā kṛpaṇaṃ paryupāsate; vināśaṃ kāṅkṣatī nityaṃ putrāṇāṃ krudhyatī mama

[Anm.: Text unsicher] „… dass [deine] Schwester Kṛṣṇā, vom Kummer gequält, kläglich [ihn?] umsitzt, stets das Verderben meiner Söhne begehrend, gegen [sie] zürnend.“

Wort für Wort
śokārtā yat svasā kṛṣṇā
vom Kummer gequält, dass die Schwester Kṛṣṇā (Nom.Sg.f.; Konj.)
kṛpaṇaṃ paryupāsate
kläglich umsitzt/bedient (Adv.; Präs.3.Pl.Med.)
vināśaṃ kāṅkṣatī nityam
das Verderben begehrend, stets (Akk.; Part.Präs.Nom.Sg.f.; Adv.)
putrāṇāṃ krudhyatī mama
meiner Söhne, zürnend (Gen.Pl.; Part.Präs.Nom.Sg.f.; Gen.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage, syntaktisch schwierig: Numerus (paryupāsate Pl. neben svasā Sg.) und Bezug von „mama“ unklar; verderbt?

Dieses Kapitel in der Leseansicht