Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Strīparva

Kapitel 25: gāndhārīvilāpaḥ śāpaś ca Gāndhārīs Klage über die Gefallenen und ihr Fluch über Kṛṣṇa

Gāndhārī zeigt Kṛṣṇa auf dem Schlachtfeld einzelne Gefallene und ihre klagenden Frauen; am Ende macht sie Kṛṣṇa für die Vernichtung der Kuru verantwortlich und verflucht ihn und sein Geschlecht. Kṛṣṇa nimmt den Fluch gelassen als Bestätigung des Vṛṣṇi-Untergangs an.

gāndhāry uvāca; kāmbojaṃ paśya durdharṣaṃ kāmbojāstaraṇocitam; śayānam ṛṣabhaskandhaṃ hataṃ pāṃsuśu mādhava

Gāndhārī sprach: „Sieh, Mādhava, den unbezwingbaren Kāmboja, der auf kāmbojischen Decken zu ruhen gewohnt war: mit Schultern wie ein Stier liegt er erschlagen im Staub.“

Wort für Wort
gāndhārī uvāca
Gāndhārī sprach (Nom.Sg.f.; 3.Sg.Perf.)
kāmbojaṃ paśya durdharṣam
den Kāmboja sieh, den Unbezwingbaren (Akk.Sg.; Imp.2.Sg.)
kāmbojāstaraṇocitam
an kāmbojische Decken gewöhnt (Kompositum, Akk.Sg.)
śayānam ṛṣabhaskandhaṃ
liegend, mit Stierschultern (Part.Präs.Med.; Bahuvrīhi, Akk.Sg.)
hataṃ pāṃsuṣu mādhava
erschlagen, im Staub, Mādhava (Part.Perf.Pass.; Lok.Pl.; Vok.Sg.)

yasya kṣatajasaṃdigdhau bāhū candanarūṣitau; avekṣya kṛpaṇaṃ bhāryā vilapaty atiduḥkhitā

Seine Arme, vom Blut der Wunden beschmiert und mit Sandel gesalbt, betrachtet seine Gattin und klagt jammervoll, aufs tiefste betrübt.

Wort für Wort
yasya kṣatajasaṃdigdhau bāhū
dessen Arme, mit Blut aus Wunden beschmiert (Gen.Sg.; Nom.Du.)
candanarūṣitau
mit Sandel gesalbt (Nom.Du.)
avekṣya kṛpaṇaṃ
betrachtend, jämmerlich (Gerundium; Adv.)
bhāryā vilapaty
die Gattin klagt (Nom.Sg.f.; 3.Sg.Präs.)
atiduḥkhitā
über die Maßen betrübt (Nom.Sg.f.)

imau tau parighaprakhyau bāhū śubhatalāṅgulī; yayor vivaram āpannāṃ na ratir māṃ purājahat

„Diese beiden Arme, gleich Eisenriegeln, mit schönen Handflächen und Fingern: ich, die ich in ihre Umschlingung geraten war, wurde von der Lust an dir früher nicht verlassen.“

Wort für Wort
imau tau parighaprakhyau bāhū
diese beiden Arme, riegelgleich (Nom.Du.; Kompositum)
śubhatalāṅgulī
mit schönen Handflächen und Fingern (Bahuvrīhi, Nom.Du.)
yayor vivaram āpannāṃ
in deren Zwischenraum geraten (Gen.Du.; Akk.Sg.f. Part.Perf.)
na ratir māṃ purājahat
nicht verließ mich früher die Lust (Nom.Sg.f.; Akk.; Impf.3.Sg.)

Vers in der Rede der Gattin des Kāmboja; der Sinn von vivaram āpannām (wörtlich: in den Zwischenraum/die Höhlung geraten) ist auf die Umarmung bezogen.

kāṃ gatiṃ nu gamiṣyāmi tvayā hīnā janeśvara; dūrabandhur anātheva atīva madhurasvarā

„Welchen Weg werde ich nun gehen, ohne dich, Herr der Menschen, fern von Verwandten, gleichsam schutzlos, ich mit der überaus süßen Stimme?“

Wort für Wort
kāṃ gatiṃ nu gamiṣyāmi
welchen Weg wohl werde ich gehen (Akk.Sg.f.; 1.Sg.Fut.)
tvayā hīnā
von dir verlassen/ohne dich (Instr.; Nom.Sg.f.)
janeśvara
Herr der Menschen (Vok.Sg.)
dūrabandhur anātheva
die Verwandte fern hat, gleichsam ohne Beschützer (Bahuvrīhi, Nom.Sg.f.)
atīva madhurasvarā
überaus süßstimmig (Nom.Sg.f.)

ātape klāmyamānānāṃ vividhānām iva srajām; klāntānām api nārīṇāṃ na śrīr jahati vai tanum

Wie bunte Girlanden, die in der Hitze welken, so verlässt die Schönheit den Körper von Frauen nicht, auch wenn sie erschöpft sind.

Wort für Wort
ātape klāmyamānānāṃ
in der Hitze welkend (Lok.Sg.; Part.Präs.Pass. Gen.Pl.)
vividhānām iva srajām
gleichsam wie vielfarbige Girlanden (Gen.Pl.)
klāntānām api nārīṇāṃ
auch von erschöpften Frauen (Gen.Pl.)
na śrīr jahati vai tanum
nicht verlässt die Schönheit fürwahr den Körper (Nom.Sg.f.; 3.Sg.Präs.; Akk.Sg.)

Der Vergleich ist knapp und syntaktisch gedrängt; sinngemäß: Frauen bleiben auch im Leid schön.

śayānam abhitaḥ śūraṃ kāliṅgaṃ madhusūdana; paśya dīptāṅgadayugapratibaddhamahābhujam

Sieh, Madhusūdana, den Kāliṅga, den Helden, der ringsum hingestreckt liegt, mit den gewaltigen Armen, die von Paaren glänzender Armreife umschlossen sind.

Wort für Wort
śayānam abhitaḥ śūraṃ
liegend, ringsum, den Helden (Part.Präs.; Adv.; Akk.Sg.)
kāliṅgaṃ madhusūdana
den Kāliṅga, Madhusūdana (Akk.Sg.; Vok.Sg.)
paśya
sieh (Imp.2.Sg.)
dīptāṅgadayugapratibaddhamahābhujam
mit großen Armen, gebunden durch Paare glänzender Armreife (Bahuvrīhi, Akk.Sg.)

māgadhānām adhipatiṃ jayatsenaṃ janārdana; parivārya praruditā māgadhyaḥ paśya yoṣitaḥ

Den Herrn der Māgadhas, Jayatsena, Janārdana, haben die Māgadhī-Frauen umringt und weinen laut; sieh sie, die Frauen!

Wort für Wort
māgadhānām adhipatiṃ
den Herrscher der Māgadhas (Gen.Pl.; Akk.Sg.)
jayatsenaṃ janārdana
Jayatsena, Janārdana (Akk.Sg.; Vok.Sg.)
parivārya praruditā
umringend, in Klagen ausgebrochen (Gerundium; Nom.Pl.f. Part.Perf.)
māgadhyaḥ paśya yoṣitaḥ
die Māgadhī-Frauen, sieh sie, die Frauen (Nom.Pl.f.; Imp.2.Sg.; Akk.Pl.f.)

āsām āyatanetrāṇāṃ susvarāṇāṃ janārdana; manaḥśrutiharo nādo mano mohayatīva me

Der Klang dieser Frauen mit den langen Augen und den schönen Stimmen, Janārdana, raubt Sinn und Gehör und verwirrt mir gleichsam den Geist.

Wort für Wort
āsām āyatanetrāṇāṃ
dieser mit langen Augen (Gen.Pl.f.)
susvarāṇāṃ janārdana
mit schönen Stimmen, Janārdana (Gen.Pl.f.; Vok.Sg.)
manaḥśrutiharo nādo
Geist und Gehör raubender Ton (Kompositum, Nom.Sg.m.)
mano mohayatīva me
den Geist gleichsam verwirrt er mir (Akk.; Kaus.3.Sg.Präs.; Gen./Dat.)

prakīrṇasarvābharaṇā rudantyaḥ śokakarśitāḥ; svāstīrṇaśayanopetā māgadhyaḥ śerate bhuvi

Mit verstreutem Schmuck, weinend, vom Kummer abgezehrt, liegen die Māgadhī-Frauen auf der Erde, wo sie sonst auf schön bereiteten Lagern ruhten.

Wort für Wort
prakīrṇasarvābharaṇā
mit überallhin verstreutem Schmuck (Bahuvrīhi, Nom.Pl.f.)
rudantyaḥ śokakarśitāḥ
weinend, von Kummer abgemagert (Part.Präs., Nom.Pl.f.; Part.Perf.Pass.)
svāstīrṇaśayanopetā
mit gut ausgebreiteten Lagern versehen (Nom.Pl.f.)
māgadhyaḥ śerate bhuvi
die Māgadhī-Frauen liegen auf der Erde (Nom.Pl.f.; 3.Pl.Präs.Med.; Lok.Sg.)

svāstīrṇaśayanopetāḥ ist wörtlich „versehen mit gut ausgebreiteten Lagern“; als Kontrast zu ihrem jetzigen Liegen am Boden wiedergegeben [Deutung].

kosalānām adhipatiṃ rājaputraṃ bṛhadbalam; bhartāraṃ parivāryaitāḥ pṛthak praruditāḥ striyaḥ

Den Herrn der Kosalas, den Königssohn Bṛhadbala, haben diese Frauen, ihren Gatten, umringt und weinen, jede für sich.

Wort für Wort
kosalānām adhipatiṃ
den Herrn der Kosalas (Gen.Pl.; Akk.Sg.)
rājaputraṃ bṛhadbalam
den Königssohn Bṛhadbala (Akk.Sg.)
bhartāraṃ parivāryaitāḥ
den Gatten, umringend, diese (Akk.Sg.; Gerundium; Nom.Pl.f.)
pṛthak praruditāḥ striyaḥ
einzeln in Klagen ausgebrochen, die Frauen (Adv.; Part.Perf.; Nom.Pl.f.)

asya gātragatān bāṇān kārṣṇibāhubalārpitān; uddharanty asukhāviṣṭā mūrchamānāḥ punaḥ punaḥ

Die in seinem Körper steckenden Pfeile, die durch die Armkraft des Kārṣṇi [Abhimanyu] geschleudert wurden, ziehen sie heraus, von Leid erfüllt, wieder und wieder in Ohnmacht sinkend.

Wort für Wort
asya gātragatān bāṇān
die in seinem Körper befindlichen Pfeile (Gen.Sg.; Akk.Pl.)
kārṣṇibāhubalārpitān
durch die Armkraft des Kārṣṇi geschleudert (Kompositum, Akk.Pl.)
uddharanty asukhāviṣṭā
sie ziehen heraus, von Unglück erfüllt (3.Pl.Präs.; Nom.Pl.f.)
mūrchamānāḥ punaḥ punaḥ
in Ohnmacht fallend, immer wieder (Part.Präs., Nom.Pl.f.; Adv.)

āsāṃ sarvānavadyānām ātapena pariśramāt; pramlānanalinābhāni bhānti vaktrāṇi mādhava

Die Gesichter dieser durch und durch makellosen Frauen, erschöpft von der Hitze und Anstrengung, gleichen welken Lotosblumen, Mādhava.

Wort für Wort
āsāṃ sarvānavadyānām
dieser gänzlich Untadeligen (Gen.Pl.f.)
ātapena pariśramāt
durch die Hitze, aus Erschöpfung (Instr.Sg.; Abl.Sg.)
pramlānanalinābhāni
welken Lotosblumen gleichend (Bahuvrīhi, Nom.Pl.n.)
bhānti vaktrāṇi mādhava
erscheinen die Gesichter, Mādhava (3.Pl.Präs.; Nom.Pl.n.; Vok.Sg.)

droṇena nihatāḥ śūrāḥ śerate rucirāṅgadāḥ

Von Droṇa erschlagen liegen Helden mit prächtigen Armreifen.

Wort für Wort
droṇena nihatāḥ
von Droṇa erschlagen (Instr.Sg.; Part.Perf.Pass. Nom.Pl.)
śūrāḥ śerate
die Helden liegen (Nom.Pl.; 3.Pl.Präs.Med.)
rucirāṅgadāḥ
mit prächtigen Armreifen (Bahuvrīhi, Nom.Pl.)

Die Halbzeile wird durch die Zusatzpassage der folgenden Einheit unterbrochen und in Einheit 15 fortgeführt.

dhṛṣṭadyumnasutāḥ sarve śiśavo hemamālinaḥ; rathāgnyagāraṃ cāpārciṃ śaraśaktigadendhanam; droṇam āsādya nirdagdhāḥ śalabhā iva pāvakam; tathaiva nihatāḥ śūrāḥ śerate rucirāṅgadāḥ

Alle Söhne des Dhṛṣṭadyumna, Knaben mit goldenen Girlanden, sind, nachdem sie Droṇa erreicht hatten, verbrannt wie Motten im Feuer: er, dessen Haus des Feuers der Wagen war, dessen Flammen der Bogen, dessen Brennholz Pfeile, Speere und Keulen waren. So liegen die Helden erschlagen da, mit prächtigen Armreifen.

Wort für Wort
dhṛṣṭadyumnasutāḥ sarve
Dhṛṣṭadyumnas Söhne, alle (Nom.Pl.)
śiśavo hemamālinaḥ
Knaben, mit goldenen Girlanden (Nom.Pl.)
rathāgnyagāraṃ cāpārciṃ
dessen Feuerhaus der Wagen, dessen Flamme der Bogen ist (Bahuvrīhi, Akk.Sg.)
śaraśaktigadendhanam
dessen Brennholz Pfeile, Speere, Keulen sind (Bahuvrīhi, Akk.Sg.)
droṇam āsādya nirdagdhāḥ
Droṇa erreichend, verbrannt (Gerundium; Part.Perf.Pass.)
śalabhā iva pāvakam
wie Motten ein Feuer (Nom.Pl.; Akk.Sg.)
tathaiva nihatāḥ śūrāḥ śerate rucirāṅgadāḥ
ebenso erschlagen liegen die Helden mit prächtigen Armreifen

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; die Lesart cāpārciṃ (Akk.) ist grammatisch unstimmig zu droṇam [?], sinngemäß als Attribut Droṇas gedeutet.

droṇenābhimukhāḥ sarve bhrātaraḥ pañca kekayāḥ

Von Droṇa, ihm entgegentretend, [sind] alle fünf Brüder, die Kekayas, [erschlagen].

Wort für Wort
droṇenābhimukhāḥ
von Droṇa, ihm zugewandt (Instr.Sg.; Nom.Pl.)
sarve bhrātaraḥ
alle Brüder (Nom.Pl.)
pañca kekayāḥ
fünf Kekayas (Nom.Pl.)

Fortsetzung von Einheit 13; Verb ist zu ergänzen (nihatāḥ).

taptakāñcanavarmāṇas tāmradhvajarathasrajaḥ; bhāsayanti mahīṃ bhāsā jvalitā iva pāvakāḥ

Mit Rüstungen aus geglühtem Gold, mit kupferfarbenen Bannern und Wagengirlanden, erleuchten sie die Erde mit ihrem Glanz, gleich lodernden Feuern.

Wort für Wort
taptakāñcanavarmāṇas
mit Rüstungen aus geglühtem Gold (Bahuvrīhi, Nom.Pl.)
tāmradhvajarathasrajaḥ
mit kupferroten Bannern und Wagengirlanden (Nom.Pl.)
bhāsayanti mahīṃ bhāsā
sie erhellen die Erde mit Glanz (3.Pl.Kaus.Präs.; Akk.Sg.; Instr.Sg.)
jvalitā iva pāvakāḥ
gleichsam entflammte Feuer (Part.Perf., Nom.Pl.; Nom.Pl.)

droṇena drupadaṃ saṃkhye paśya mādhava pātitam; mahādvipam ivāraṇye siṃhena mahatā hatam

Sieh, Mādhava, Drupada, im Kampf von Droṇa gefällt, wie einen mächtigen Elefanten im Wald, den ein großer Löwe getötet hat.

Wort für Wort
droṇena drupadaṃ saṃkhye
von Droṇa, Drupada, in der Schlacht (Instr.; Akk.; Lok.)
paśya mādhava pātitam
sieh, Mādhava, gefällt (Imp.2.Sg.; Vok.; Part.Kaus.Pass., Akk.)
mahādvipam ivāraṇye
wie einen großen Elefanten im Wald (Akk.Sg.; Lok.Sg.)
siṃhena mahatā hatam
von einem großen Löwen getötet (Instr.Sg.; Part.Perf.Pass.)

pāñcālarājño vipulaṃ puṇḍarīkākṣa pāṇḍuram; ātapatraṃ samābhāti śaradīva divākaraḥ

Der weite, weiße Sonnenschirm des Pāñcāla-Königs, Lotosäugiger, glänzt wie die Sonne im Herbst.

Wort für Wort
pāñcālarājño vipulaṃ
des Pāñcāla-Königs, weit (Gen.Sg.; Nom.Sg.n.)
puṇḍarīkākṣa
Lotosäugiger (Vok.Sg.)
pāṇḍuram ātapatraṃ
weißer Sonnenschirm (Nom.Sg.n.)
samābhāti śaradīva divākaraḥ
leuchtet wie die Sonne im Herbst (3.Sg.Präs.; Lok.Sg.; Nom.Sg.)

etās tu drupadaṃ vṛddhaṃ snuṣā bhāryāś ca duḥkhitāḥ; dagdhvā gacchanti pāñcālyaṃ rājānam apasavyataḥ

Diese aber, seine Schwiegertöchter und betrübten Gattinnen, gehen, nachdem sie den greisen Drupada, den König der Pāñcālas, verbrannt haben, mit der Rechten zum Feuer hin [ihn umschreitend] weg.

Wort für Wort
etās tu drupadaṃ vṛddhaṃ
diese aber Drupada, den alten (Nom.Pl.f.; Akk.Sg.)
snuṣā bhāryāś ca duḥkhitāḥ
Schwiegertöchter und Gattinnen, betrübt (Nom.Pl.f.)
dagdhvā gacchanti
nach dem Verbrennen gehen sie (Gerundium; 3.Pl.Präs.)
pāñcālyaṃ rājānam
den König der Pāñcālas (Akk.Sg.)
apasavyataḥ
mit rechter Seite [zugewandt] (Adv.)

apasavyataḥ (wörtlich „nicht links“, d. h. so, dass die Rechte zugewandt ist) bezieht sich auf die Leichenverbrennung; Umschreitung mit der rechten Seite, Deutung [?].

dhṛṣṭaketuṃ maheṣvāsaṃ cedipuṃgavam aṅganāḥ; droṇena nihataṃ śūraṃ haranti hṛtacetasaḥ

Den großen Bogenschützen Dhṛṣṭaketu, den Stier der Cedi, von Droṇa erschlagen, den Helden, tragen die Frauen weg, ihres Verstandes beraubt.

Wort für Wort
dhṛṣṭaketuṃ maheṣvāsaṃ
Dhṛṣṭaketu, den großen Bogenschützen (Akk.Sg.)
cedipuṃgavam aṅganāḥ
den Stier der Cedi, die Frauen (Akk.Sg.; Nom.Pl.f.)
droṇena nihataṃ śūraṃ
von Droṇa erschlagen, den Helden (Instr.; Part.Perf.Pass.; Akk.Sg.)
haranti hṛtacetasaḥ
tragen weg, der Besinnung beraubt (3.Pl.Präs.; Nom.Pl.f.)

droṇāstram abhihatyaiṣa vimarde madhusūdana

Dieser da, nachdem er im Gedränge, Madhusūdana, Droṇas Geschoss getroffen hatte …

Wort für Wort
droṇāstram
Droṇas Waffe (Akk.Sg.n.)
abhihatyaiṣa
getroffen habend, dieser (Gerundium; Nom.Sg.m.)
vimarde madhusūdana
im Gedränge, Madhusūdana (Lok.Sg.; Vok.Sg.)

Die Halbzeile bricht ab und setzt sich in Einheit 23 fort; der Sinn von droṇāstram abhihatya (Droṇas Geschoss abgewehrt oder getroffen bzw. von ihm getroffen) ist unsicher [?].

evaṃ mām iha putrasya putraḥ pitaram anvagāt

So folgte mir hier der Sohn des Sohnes dem Vater.

Wort für Wort
evaṃ mām iha
so mir hier (Adv.; Akk./Gen.; Adv.)
putrasya putraḥ
der Sohn des Sohnes (Gen.Sg.; Nom.Sg.)
pitaram anvagāt
folgte dem Vater (Akk.Sg.; Aor.3.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; Sprecherbezug (mām) und Zusammenhang unklar, vermutlich aus Vers 025.025 hierher geraten (dort: evaṃ mamāpi putrasya putraḥ pitaram anvagāt) [?].

maheṣvāso hataḥ śete nadyā hṛta iva drumaḥ

… liegt der große Bogenschütze erschlagen da, wie ein vom Fluss fortgerissener Baum.

Wort für Wort
maheṣvāso hataḥ
der große Bogenschütze, erschlagen (Nom.Sg.; Part.Perf.Pass.)
śete
liegt (3.Sg.Präs.Med.)
nadyā hṛta iva drumaḥ
wie ein vom Fluss fortgerissener Baum (Instr.Sg.f.; Part.Perf.Pass.; Nom.Sg.m.)

eṣa cedipatiḥ śūro dhṛṣṭaketur mahārathaḥ; śete vinihataḥ saṃkhye hatvā śatrūn sahasraśaḥ

Dieser ist der Herr der Cedi, der Held, der Großwagenkämpfer Dhṛṣṭaketu; er liegt in der Schlacht niedergestreckt, nachdem er zu Tausenden Feinde erschlagen hat.

Wort für Wort
eṣa cedipatiḥ śūro
dieser Herr der Cedi, der Held (Nom.Sg.)
dhṛṣṭaketur mahārathaḥ
Dhṛṣṭaketu, Großwagenkämpfer (Nom.Sg.)
śete vinihataḥ saṃkhye
liegt niedergeschlagen in der Schlacht (3.Sg.Präs.; Part.Perf.Pass.; Lok.Sg.)
hatvā śatrūn sahasraśaḥ
nachdem er Feinde erschlagen hat, zu Tausenden (Gerundium; Akk.Pl.; Adv.)

vitudyamānaṃ vihagais taṃ bhāryāḥ pratyupasthitāḥ; cedirājaṃ hṛṣīkeśa hataṃ sabalabāndhavam

Ihn, der von Vögeln zerhackt wird, haben seine Gattinnen umstellt, den König der Cedi, Hṛṣīkeśa, erschlagen samt Heer und Verwandten.

Wort für Wort
vitudyamānaṃ vihagais
zerhackt werdend, von Vögeln (Part.Präs.Pass., Akk.Sg.; Instr.Pl.)
taṃ bhāryāḥ pratyupasthitāḥ
ihn, die Gattinnen, herangetreten (Akk.; Nom.Pl.f. Part.Perf.)
cedirājaṃ hṛṣīkeśa
den König der Cedi, Hṛṣīkeśa (Akk.Sg.; Vok.Sg.)
hataṃ sabalabāndhavam
erschlagen samt Heer und Verwandten (Part.Perf.Pass.; Bahuvrīhi, Akk.Sg.)

dāśārhīputrajaṃ vīraṃ śayānaṃ satyavikramam; āropyāṅke rudanty etāś cedirājavarāṅganāḥ

Den tapferen Sohn der Dāśārhī-Tochter, der mit unfehlbarer Heldenkraft daliegt, nehmen diese trefflichen Frauen des Cedi-Königs auf den Schoß und weinen.

Wort für Wort
dāśārhīputrajaṃ vīraṃ
den vom Sohn/Nachkommen der Dāśārhī Abstammenden, den Helden (Akk.Sg.)
śayānaṃ satyavikramam
liegend, von wahrer Tapferkeit (Part.Präs., Akk.Sg.; Bahuvrīhi)
āropyāṅke rudanty etāḥ
auf den Schoß setzend, weinen diese (Gerundium; Lok.Sg.; 3.Pl.Präs.; Nom.Pl.f.)
cedirājavarāṅganāḥ
die edlen Frauen des Cedi-Königs (Nom.Pl.f.)

dāśārhīputrajam: wörtlich „den Sohn, der von der Dāśārhī-Frau [her] geboren ist“; auf Dhṛṣṭaketu oder seinen Sohn bezogen, Bezug unsicher [?].

asya putraṃ hṛṣīkeśa suvaktraṃ cārukuṇḍalam; droṇena samare paśya nikṛttaṃ bahudhā śaraiḥ

Sieh, Hṛṣīkeśa, seinen Sohn mit dem schönen Antlitz und den prächtigen Ohrringen, von Droṇa in der Schlacht mit Pfeilen vielfach zerstückelt.

Wort für Wort
asya putraṃ hṛṣīkeśa
seinen Sohn, Hṛṣīkeśa (Gen.Sg.; Akk.Sg.; Vok.Sg.)
suvaktraṃ cārukuṇḍalam
mit schönem Gesicht, mit reizenden Ohrringen (Akk.Sg.)
droṇena samare paśya
von Droṇa, im Kampf, sieh (Instr.; Lok.Sg.; Imp.2.Sg.)
nikṛttaṃ bahudhā śaraiḥ
zerschnitten, vielfach, mit Pfeilen (Part.Perf.Pass.; Adv.; Instr.Pl.)

pitaraṃ nūnam ājisthaṃ yudhyamānaṃ paraiḥ saha; nājahāt pṛṣṭhato vīram adyāpi madhusūdana

Seinen Vater, der gewiss im Kampf stand und mit den Feinden focht, hat er, den Helden, im Rücken nicht verlassen, bis heute nicht, Madhusūdana.

Wort für Wort
pitaraṃ nūnam ājistham
den Vater, gewiss, im Kampf stehend (Akk.Sg./Adv./Akk.Sg.)
yudhyamānaṃ paraiḥ saha
kämpfend mit den Feinden (Part.Präs.Med. Akk.Sg./Instr.Pl.)
na ajahāt pṛṣṭhataḥ
er verließ nicht, von hinten (3.Sg.Impf./Abl.-Adv.)
vīram adya api
den Helden, auch heute noch (Akk.Sg./Adv.)
madhusūdana
Madhusūdana (Vok.Sg.)

Der Bezug von vīram ist syntaktisch locker; als Akk. zu pitaram, der Vater als Held, aufgefasst.

evaṃ mamāpi putrasya putraḥ pitaram anvagāt; duryodhanaṃ mahābāho lakṣmaṇaḥ paravīrahā

So ist auch meinem Sohn der Sohn dem Vater gefolgt: Duryodhana, o Starkarmiger, folgte Lakṣmaṇa, der Feindeshelden-Töter.

Wort für Wort
evaṃ mama api putrasya
so auch meines Sohnes (Adv./Gen.Sg./Part./Gen.Sg.)
putraḥ pitaram anvagāt
der Sohn dem Vater folgte (Nom.Sg./Akk.Sg./3.Sg.Aor.)
duryodhanaṃ mahābāho
den Duryodhana, o Starkarmiger (Akk.Sg./Vok.Sg.)
lakṣmaṇaḥ paravīrahā
Lakṣmaṇa, Töter feindlicher Helden (Nom.Sg./Nom.Sg.)

Der Vers ist syntaktisch knapp: lakṣmaṇaḥ ist Sohn Duryodhanas und folgte ihm in den Tod; der Wortlaut ist entsprechend wiedergegeben. [?]

vindānuvindāv āvantyau patitau paśya mādhava; himānte puṣpitau śālau marutā galitāv iva

Sieh, Mādhava, Vinda und Anuvinda, die Avanter, sind gefallen, wie zwei blühende Śāla-Bäume am Ende des Winters, vom Wind umgestürzt.

Wort für Wort
vindānuvindau āvantyau
Vinda und Anuvinda, die beiden Avanter (Nom.Du.)
patitau paśya mādhava
gefallen sieh, Mādhava (Part.Nom.Du./Imp.2.Sg./Vok.)
himānte puṣpitau śālau
am Ende des Winters blühende zwei Śāla-Bäume (Lok.Sg./Nom.Du./Nom.Du.)
marutā galitau iva
vom Wind gestürzt gleichsam (Instr.Sg./Part.Nom.Du./Part.)

kāñcanāṅgadavarmāṇau bāṇakhaḍgadhanurdharau; ṛṣabhapratirūpākṣau śayānau vimalasrajau

Beide tragen goldene Armreifen und Panzer, sind mit Pfeil, Schwert und Bogen bewaffnet, haben Augen wie Stiere und liegen mit makellosen Kränzen da.

Wort für Wort
kāñcanāṅgadavarmāṇau
mit goldenen Armreifen und Panzern (Bahuvrīhi Nom.Du.)
bāṇakhaḍgadhanurdharau
Pfeil, Schwert und Bogen tragend (Nom.Du.)
ṛṣabhapratirūpākṣau
Augen gleich denen von Stieren habend (Nom.Du.)
śayānau vimalasrajau
liegend, mit reinen Kränzen (Part.Nom.Du./Nom.Du.)

avadhyāḥ pāṇḍavāḥ kṛṣṇa sarva eva tvayā saha; ye muktā droṇabhīṣmābhyāṃ karṇād vaikartanāt kṛpāt

Unverletzbar waren doch alle Pāṇḍavas, Kṛṣṇa, zusammen mit dir: sie, die von Droṇa und Bhīṣma verschont wurden, von Karṇa, dem Vaikartana, von Kṛpa,

Wort für Wort
avadhyāḥ pāṇḍavāḥ kṛṣṇa
unverletzbar die Pāṇḍavas, Kṛṣṇa (Nom.Pl./Nom.Pl./Vok.)
sarve eva tvayā saha
alle ja, mit dir zusammen (Nom.Pl./Part./Instr./Postp.)
ye muktāḥ
welche freigelassen wurden (Nom.Pl./Part.Nom.Pl.)
droṇabhīṣmābhyām
von Droṇa und Bhīṣma (Abl.Du.)
karṇāt vaikartanāt kṛpāt
von Karṇa, dem Vaikartana, von Kṛpa (Abl.Sg.)

Der Satz wird in Vers 33 fortgesetzt; muktāḥ hier als verschont, entkommen gedeutet.

duryodhanād droṇasutāt saindhavāc ca mahārathāt; somadattād vikarṇāc ca śūrāc ca kṛtavarmaṇaḥ; ye hanyuḥ śastravegena devān api nararṣabhāḥ

von Duryodhana, vom Sohn des Droṇa, vom großen Wagenkämpfer, dem Saindhava, von Somadatta, von Vikarṇa und vom Helden Kṛtavarman, sie, die Stiere unter den Männern, die selbst die Götter mit der Wucht ihrer Waffen erschlagen könnten.

Wort für Wort
duryodhanāt droṇasutāt
von Duryodhana, vom Sohn des Droṇa (Abl.Sg./Abl.Sg.)
saindhavāt ca mahārathāt
vom Saindhava und vom großen Wagenkämpfer (Abl.Sg./Abl.Sg.)
somadattāt vikarṇāt ca
von Somadatta und von Vikarṇa (Abl.Sg.)
śūrāt ca kṛtavarmaṇaḥ
und vom Helden Kṛtavarman (Abl.Sg./Abl.Sg.)
ye hanyuḥ śastravegena
welche erschlagen könnten durch die Wucht der Waffen (Opt.3.Pl./Instr.Sg.)
devān api nararṣabhāḥ
selbst die Götter, Stiere unter den Männern (Akk.Pl./Nom.Pl.)

ta ime nihatāḥ saṃkhye paśya kālasya paryayam; nātibhāro 'sti daivasya dhruvaṃ mādhava kaś cana; yad ime nihatāḥ śūrāḥ kṣatriyaiḥ kṣatriyarṣabhāḥ

Eben diese sind im Kampf erschlagen: sieh den Umschwung der Zeit! Es gibt, Mādhava, gewiss keine allzu schwere Last für das Schicksal, dass diese Helden, Stiere unter den Kṣatriyas, von Kṣatriyas erschlagen wurden.

Wort für Wort
te ime nihatāḥ saṃkhye
eben diese sind erschlagen im Kampf (Nom.Pl./Part.Nom.Pl./Lok.Sg.)
paśya kālasya paryayam
sieh den Umschwung der Zeit (Imp.2.Sg./Gen.Sg./Akk.Sg.)
na atibhāraḥ asti daivasya
keine allzu große Last ist für das Schicksal (Nom.Sg./3.Sg.Präs./Gen.Sg.)
dhruvaṃ mādhava kaḥ cana
gewiss, Mādhava, irgendeine (Adv./Vok./Nom.Sg.)
yat ime nihatāḥ śūrāḥ
dass diese Helden erschlagen wurden (Konj./Nom.Pl./Part./Nom.Pl.)
kṣatriyaiḥ kṣatriyarṣabhāḥ
von Kṣatriyas, Stiere unter den Kṣatriyas (Instr.Pl./Nom.Pl.)

śūrāś ca kṛtavidyāś ca mama putrā manasvinaḥ

[Meine Söhne], tapfer und in den Künsten bewandert, hochgesinnt.

Wort für Wort
śūrāḥ ca
und tapfer (Nom.Pl.)
kṛtavidyāḥ ca
und gelehrt, in den Wissenschaften geschult (Nom.Pl.)
mama putrāḥ manasvinaḥ
meine Söhne, verständig (Gen.Sg./Nom.Pl./Nom.Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers, nur in einem Teil der Handschriften; der Anschluss an den Kontext ist unklar.

tadaiva nihatāḥ kṛṣṇa mama putrās tarasvinaḥ; yadaivākṛtakāmas tvam upaplavyaṃ gataḥ punaḥ

Damals schon, Kṛṣṇa, wurden meine ungestümen Söhne erschlagen, als du, ohne dein Ziel erreicht zu haben, wieder nach Upaplavya zurückgekehrt warst.

Wort für Wort
tadā eva nihatāḥ kṛṣṇa
damals schon erschlagen, Kṛṣṇa (Adv./Part.Nom.Pl./Vok.)
mama putrāḥ tarasvinaḥ
meine Söhne, ungestüm (Gen.Sg./Nom.Pl./Nom.Pl.)
yadā eva akṛtakāmaḥ tvam
als eben du, dessen Wunsch unerfüllt blieb (Adv./Nom.Sg./Nom.Sg.)
upaplavyaṃ gataḥ punaḥ
nach Upaplavya gegangen, wieder (Akk.Sg./Part.Nom.Sg./Adv.)

śaṃtanoś caiva putreṇa prājñena vidureṇa ca; tadaivoktāsmi mā snehaṃ kuruṣvātmasuteṣv iti

Vom Sohn des Śaṃtanu und vom klugen Vidura wurde mir schon damals gesagt: „Hänge dein Herz nicht [so sehr] an die eigenen Söhne.“

Wort für Wort
śaṃtanoḥ ca eva putreṇa
und vom Sohn des Śaṃtanu (Gen.Sg./Instr.Sg.)
prājñena vidureṇa ca
und vom klugen Vidura (Instr.Sg./Instr.Sg.)
tadā eva uktā asmi
damals schon wurde mir gesagt (Adv./Part.Nom.Sg.f./1.Sg.Präs.)
mā snehaṃ kuruṣva
hege nicht Zuneigung (Prohib./Akk.Sg./Imp.2.Sg.Med.)
ātmasuteṣu iti
zu den eigenen Söhnen, so (Lok.Pl./Zitatpartikel)

tayor na darśanaṃ tāta mithyā bhavitum arhati; acireṇaiva me putrā bhasmībhūtā janārdana

Ihr Anblick [das heißt ihre Voraussicht], mein Lieber, kann nicht falsch sein: in Kürze sind meine Söhne zu Asche geworden, Janārdana.

Wort für Wort
tayoḥ na darśanam
deren Einsicht, nicht (Gen.Du./Neg./Nom.Sg.)
tāta mithyā bhavitum arhati
Lieber, falsch zu sein, kann (Vok./Adv./Inf./3.Sg.Präs.)
acireṇa eva me putrāḥ
in Kürze eben meine Söhne (Instr.Sg./Part./Gen.Sg./Nom.Pl.)
bhasmībhūtāḥ janārdana
zu Asche geworden, Janārdana (Part.Nom.Pl./Vok.)

vaiśaṃpāyana uvāca; ity uktvā nyapatad bhūmau gāndhārī śokakarśitā; duḥkhopahatavijñānā dhairyam utsṛjya bhārata

Vaiśaṃpāyana sprach: Nachdem sie so gesprochen hatte, fiel Gāndhārī zu Boden, von Kummer verzehrt, ihr Verstand vom Leid getroffen, die Fassung aufgebend, o Bhārata.

Wort für Wort
vaiśaṃpāyanaḥ uvāca
Vaiśaṃpāyana sprach (Nom.Sg./Perf.3.Sg.)
iti uktvā
so gesprochen habend (Part./Abs.)
nyapatat bhūmau gāndhārī
fiel nieder auf den Boden, Gāndhārī (Impf.3.Sg./Lok.Sg./Nom.Sg.)
śokakarśitā
von Trauer abgezehrt (Part.Nom.Sg.f.)
duḥkhopahatavijñānā
deren Bewusstsein vom Schmerz getroffen war (Bahuvrīhi Nom.Sg.f.)
dhairyam utsṛjya bhārata
die Standhaftigkeit aufgebend, Bhārata (Akk.Sg./Abs./Vok.)

tataḥ kopaparītāṅgī putraśokapariplutā; jagāma śauriṃ doṣeṇa gāndhārī vyathitendriyā

Da, ihr Körper von Zorn erfüllt, von Kummer um die Söhne überflutet, die Sinne erschüttert, wandte sich Gāndhārī in ihrem Groll gegen Śauri.

Wort für Wort
tataḥ kopaparītāṅgī
dann, mit von Zorn ergriffenen Gliedern (Adv./Nom.Sg.f.)
putraśokapariplutā
vom Kummer um die Söhne überflutet (Nom.Sg.f.)
jagāma śauriṃ doṣeṇa
ging zu Śauri, mit Beschuldigung (Perf.3.Sg./Akk.Sg./Instr.Sg.)
gāndhārī vyathitendriyā
Gāndhārī, mit erschütterten Sinnen (Nom.Sg.f./Nom.Sg.f.)

jagāma śauriṃ doṣeṇa: wörtlich sie ging (auf) Śauri (los) mit Tadel; sinngemäß wiedergegeben.

gāndhāry uvāca; pāṇḍavā dhārtarāṣṭrāś ca drugdhāḥ kṛṣṇa parasparam; upekṣitā vinaśyantas tvayā kasmāj janārdana

Gāndhārī sprach: Die Pāṇḍavas und die Dhārtarāṣṭras haben einander Schaden zugefügt, Kṛṣṇa. Warum hast du sie, Janārdana, zugrunde gehen lassen und übergangen?

Wort für Wort
gāndhārī uvāca
Gāndhārī sprach (Nom.Sg.f./Perf.3.Sg.)
pāṇḍavāḥ dhārtarāṣṭrāḥ ca
die Pāṇḍavas und die Dhārtarāṣṭras (Nom.Pl.)
drugdhāḥ kṛṣṇa parasparam
haben einander Böses angetan, Kṛṣṇa (Part.Nom.Pl./Vok./Adv.)
upekṣitāḥ vinaśyantaḥ
übergangen, zugrunde gehend (Part.Nom.Pl./Part.Präs.Nom.Pl.)
tvayā kasmāt janārdana
von dir, warum, Janārdana (Instr.Sg./Abl.Interr./Vok.)

śaktena bahubhṛtyena vipule tiṣṭhatā bale; ubhayatra samarthena śrutavākyena caiva ha

Du warst mächtig, hattest viele Diener, standest inmitten einer gewaltigen Streitmacht, warst beiden Seiten gewachsen und bist einer, dessen Wort man hört.

Wort für Wort
śaktena bahubhṛtyena
der du fähig bist, mit vielen Dienern (Instr.Sg./Instr.Sg.)
vipule tiṣṭhatā bale
in einem großen Heer stehend (Lok.Sg./Part.Instr.Sg./Lok.Sg.)
ubhayatra samarthena
auf beiden Seiten vermögend (Adv./Instr.Sg.)
śrutavākyena ca ha
mit angehörtem Wort, ja fürwahr (Instr.Sg./Part./Part.)

śrutavākya ist doppeldeutig: einer, dessen Rede gehört wird, oder einer, der Wort(e) gehört hat; erstere Lesart gewählt. [?]

icchatopekṣito nāśaḥ kurūṇāṃ madhusūdana; yasmāt tvayā mahābāho phalaṃ tasmād avāpnuhi

Absichtlich hast du das Verderben der Kurus übergangen, Madhusūdana; weil du das getan hast, Starkarmiger, so empfange dafür die Frucht.

Wort für Wort
icchatā upekṣitaḥ nāśaḥ
von einem, der es wollte, übergangen der Untergang (Part.Instr.Sg./Part.Nom.Sg./Nom.Sg.)
kurūṇām madhusūdana
der Kurus, Madhusūdana (Gen.Pl./Vok.)
yasmāt tvayā mahābāho
weil von dir, Starkarmiger (Konj./Instr.Sg./Vok.)
phalaṃ tasmāt avāpnuhi
die Frucht, deshalb empfange (Akk.Sg./Adv./Imp.2.Sg.)

patiśuśrūṣayā yan me tapaḥ kiṃ cid upārjitam; tena tvāṃ duravāpātmañ śapsye cakragadādhara

Durch das, was ich durch den Dienst an meinem Gatten an Askese erworben habe, damit werde ich dich verfluchen, du schwer Erreichbarer, Träger von Diskus und Keule.

Wort für Wort
patiśuśrūṣayā
durch den Dienst am Gatten (Instr.Sg.)
yat me tapaḥ kiṃ cit
welche meine Askese, irgendeine (Rel./Gen.Sg./Nom.Sg./Ind.)
upārjitam tena
erworben, damit (Part.Nom.Sg./Instr.Sg.)
tvām duravāpātman
dich, du schwer zu Ergründender (Akk.Sg./Vok.)
śapsye cakragadādhara
werde ich verfluchen, Träger von Diskus und Keule (Fut.1.Sg./Vok.)

yasmāt parasparaṃ ghnanto jñātayaḥ kurupāṇḍavāḥ; upekṣitās te govinda tasmāj jñātīn vadhiṣyasi

Weil du die Verwandten, die Kurus und Pāṇḍavas, die einander erschlugen, übergangen hast, Govinda, deshalb wirst du [deine eigenen] Verwandten töten.

Wort für Wort
yasmāt parasparaṃ ghnantaḥ
weil einander erschlagend (Konj./Adv./Part.Präs.Nom.Pl.)
jñātayaḥ kurupāṇḍavāḥ
die Verwandten, Kurus und Pāṇḍavas (Nom.Pl./Nom.Pl.)
upekṣitāḥ te govinda
übergangen von dir, Govinda (Part.Nom.Pl./Gen.-Instr.Sg./Vok.)
tasmāt jñātīn vadhiṣyasi
deshalb Verwandte wirst du töten (Adv./Akk.Pl./Fut.2.Sg.)

tvam apy upasthite varṣe ṣaṭtriṃśe madhusūdana; hatajñātir hatāmātyo hataputro vanecaraḥ

Auch du, Madhusūdana, wirst, wenn das sechsunddreißigste Jahr herangekommen ist, als einer, dessen Verwandte, Minister und Söhne erschlagen sind, im Wald umherziehen,

Wort für Wort
tvam api
auch du (Nom.Sg./Part.)
upasthite varṣe ṣaṭtriṃśe
wenn das sechsunddreißigste Jahr da ist (Lok.abs.)
madhusūdana
Madhusūdana (Vok.)
hatajñātiḥ hatāmātyaḥ
mit erschlagenen Verwandten, mit erschlagenen Ministern (Bahuvrīhi Nom.Sg.)
hataputraḥ vanecaraḥ
mit erschlagenen Söhnen, im Wald umherziehend (Nom.Sg./Nom.Sg.)

anāthavad avijñāto lokeṣv anabhilakṣitaḥ

wie ein Schutzloser, unerkannt, von den Welten unbemerkt,

Wort für Wort
anāthavat avijñātaḥ
wie ein Schutzloser, unerkannt (Adv./Part.Nom.Sg.)
lokeṣu anabhilakṣitaḥ
unter den Menschen unbemerkt (Lok.Pl./Part.Nom.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers, nur in einem Teil der Handschriften.

kutsitenābhyupāyena nidhanaṃ samavāpsyasi

auf schmähliche Weise wirst du den Tod finden.

Wort für Wort
kutsitena abhyupāyena
durch ein verächtliches Mittel (Part.Instr.Sg./Instr.Sg.)
nidhanaṃ samavāpsyasi
den Tod wirst du erlangen (Akk.Sg./Fut.2.Sg.)

tavāpy evaṃ hatasutā nihatajñātibāndhavāḥ; striyaḥ paripatiṣyanti yathaitā bharatastriyaḥ

Auch deine Frauen, deren Söhne erschlagen sind und deren Verwandte und Angehörige gefallen sind, werden so niederstürzen, wie diese Frauen der Bharatas hier.

Wort für Wort
tava api evam
auch deine, so (Gen.Sg./Part./Adv.)
hatasutāḥ
mit erschlagenen Söhnen (Nom.Pl.)
nihatajñātibāndhavāḥ
deren Verwandte und Angehörige erschlagen sind (Nom.Pl.)
striyaḥ paripatiṣyanti
die Frauen werden niederstürzen (Nom.Pl./Fut.3.Pl.)
yathā etāḥ bharatastriyaḥ
wie diese Bharata-Frauen (Adv./Nom.Pl./Nom.Pl.)

vaiśaṃpāyana uvāca; tac chrutvā vacanaṃ ghoraṃ vāsudevo mahāmanāḥ; uvāca devīṃ gāndhārīm īṣad abhyutsmayann iva

Vaiśaṃpāyana sprach: Als der hochgesinnte Vāsudeva diese furchtbare Rede gehört hatte, sprach er zu der Herrin Gāndhārī, gleichsam ein wenig lächelnd.

Wort für Wort
vaiśaṃpāyanaḥ uvāca
Vaiśaṃpāyana sprach (Nom.Sg./Perf.3.Sg.)
tat śrutvā vacanaṃ ghoram
diese Rede gehört habend, furchtbar (Akk.Sg./Abs./Akk.Sg./Akk.Sg.)
vāsudevaḥ mahāmanāḥ
Vāsudeva, hochgesinnt (Nom.Sg./Nom.Sg.)
uvāca devīṃ gāndhārīm
sprach zur Herrin Gāndhārī (Perf.3.Sg./Akk.Sg.f./Akk.Sg.f.)
īṣat abhyutsmayan iva
ein wenig lächelnd gleichsam (Adv./Part.Präs.Nom.Sg./Part.)

saṃhartā vṛṣṇicakrasya nānyo mad vidyate śubhe; jāne 'ham etad apy evaṃ cīrṇaṃ carasi kṣatriye

„Den Vernichter des Vṛṣṇi-Kreises gibt es außer mir keinen anderen, Edle. Ich weiß, dass du dies ebenso als Vollbrachtes vollziehst, o Kṣatriyā [?].“

Wort für Wort
saṃhartā vṛṣṇicakrasya
der Vernichter des Vṛṣṇi-Kreises (Nom.Sg./Gen.Sg.)
na anyaḥ mat vidyate
kein anderer außer mir findet sich (Neg./Nom.Sg./Abl.Sg./3.Sg.Pass.)
śubhe
Edle (Vok.Sg.f.)
jāne aham etat api evam
ich weiß, dies ebenso (1.Sg.Präs./Nom.Sg./Akk.Sg./Part./Adv.)
cīrṇaṃ carasi kṣatriye
Vollbrachtes vollziehst du, o Kṣatriyā (Part.Akk.Sg./2.Sg.Präs./Vok.Sg.f.)

Zweiter Satz unsicher: cīrṇaṃ carasi kṣatriye ist syntaktisch schwierig (etwa: du vollziehst eine [schon] vollbrachte Tat / Wiederholung, oder Verderbnis). [?]

daivād eva vinaśyanti vṛṣṇayo nātra saṃśayaḥ

„Durch das Schicksal allein gehen die Vṛṣṇis zugrunde, daran ist kein Zweifel.“

Wort für Wort
daivāt eva vinaśyanti
durch das Schicksal allein gehen sie zugrunde (Abl.Sg./Part./3.Pl.Präs.)
vṛṣṇayaḥ na atra saṃśayaḥ
die Vṛṣṇis, nicht hierbei ein Zweifel (Nom.Pl./Neg./Adv./Nom.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers, nur in einem Teil der Handschriften.

avadhyās te narair anyair api vā devadānavaiḥ; parasparakṛtaṃ nāśam ataḥ prāpsyanti yādavāḥ

„Für andere Menschen oder auch für Götter und Dānavas sind sie unverletzbar; daher werden die Yādavas ein Verderben erlangen, das sie einander selbst bereiten.“

Wort für Wort
avadhyāḥ te naraiḥ anyaiḥ
unverletzbar sie durch andere Menschen (Nom.Pl./Nom.Pl./Instr.Pl./Instr.Pl.)
api vā devadānavaiḥ
oder auch durch Götter und Dānavas (Part./Part./Instr.Pl.)
parasparakṛtaṃ nāśam
ein von ihnen gegenseitig herbeigeführtes Verderben (Akk.Sg./Akk.Sg.)
ataḥ prāpsyanti yādavāḥ
daher werden erlangen die Yādavas (Adv./Fut.3.Pl./Nom.Pl.)

ity uktavati dāśārhe pāṇḍavās trastacetasaḥ; babhūvur bhṛśasaṃvignā nirāśāś cāpi jīvite

Als der Dāśārha so gesprochen hatte, wurden die Pāṇḍavas im Herzen erschrocken, sehr erschüttert und hoffnungslos, was das Leben betraf.

Wort für Wort
iti uktavati dāśārhe
als so gesprochen hatte der Dāśārha (Part.Lok.abs.)
pāṇḍavāḥ trastacetasaḥ
die Pāṇḍavas, mit verstörtem Sinn (Nom.Pl./Nom.Pl.)
babhūvuḥ bhṛśasaṃvignāḥ
wurden sehr aufgewühlt (Perf.3.Pl./Nom.Pl.)
nirāśāḥ ca api jīvite
und hoffnungslos auch im Leben (Nom.Pl./Part./Lok.Sg.)

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