Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Strīparva

Kapitel 26: mṛtānāṃ gatinirdeśaḥ pretakāryāṇi ca Kṛṣṇas Mahnung an Gāndhārī, Zahl und Jenseitswege der Gefallenen, Totenfeuer

Kṛṣṇa weist Gāndhārīs Klage zurück; danach fragt Dhṛtarāṣṭra nach Zahl und Los der Gefallenen, und Yudhiṣṭhira lässt die Bestattungsriten ausrichten, bevor man zur Gaṅgā zieht.

vāsudeva uvāca; uttiṣṭhottiṣṭha gāndhāri mā ca śoke manaḥ kṛthāḥ; tavaiva hy aparādhena kuravo nidhanaṃ gatāḥ

Vāsudeva sprach: „Steh auf, steh auf, Gāndhārī, und richte deinen Sinn nicht auf den Kummer! Durch deine eigene Verfehlung sind die Kuru dem Untergang verfallen.

Wort für Wort
vāsudeva uvāca
Vāsudeva sprach (Perf.)
uttiṣṭhottiṣṭha gāndhāri
steh auf, steh auf, Gāndhārī (Imp./Vok.)
mā ca śoke manaḥ kṛthāḥ
und richte nicht den Sinn auf den Kummer (Prohibitiv/Lok.)
tavaiva hy aparādhena
denn gerade durch deine Verfehlung (Instr.)
kuravo nidhanaṃ gatāḥ
die Kuru sind zum Tod gegangen (Nom.Pl./Part.Perf.)

yā tvaṃ putraṃ durātmānam īrṣum atyantamāninam; duryodhanaṃ puraskṛtya duṣkṛtaṃ sādhu manyase

Du, die du deinen bösgesinnten, neidischen, überaus eingebildeten Sohn Duryodhana vorangestellt hast [und] Schlechtes für gut hältst –

Wort für Wort
yā tvaṃ putraṃ durātmānam
du, die du den bösgesinnten Sohn (Rel.Nom.Sg.f./Akk.)
īrṣum atyantamāninam
neidisch, überaus eingebildet (Akk.)
duryodhanaṃ puraskṛtya
Duryodhana voranstellend (Gerundium)
duṣkṛtaṃ sādhu manyase
das Schlechte für gut hältst (2.Sg.Präs.)

niṣṭhuraṃ vairaparuṣaṃ vṛddhānāṃ śāsanātigam; katham ātmakṛtaṃ doṣaṃ mayy ādhātum ihecchasi

[ihn], den Rohen, voll Feindschaft und Härte, der die Weisung der Älteren übertrat – wie kannst du die selbstverschuldete Schuld auf mich abladen wollen?

Wort für Wort
niṣṭhuraṃ vairaparuṣaṃ
roh, hart durch Feindschaft (Akk.)
vṛddhānāṃ śāsanātigam
der die Weisung der Alten übertritt (Gen.Pl./Akk.)
katham ātmakṛtaṃ doṣam
wie die selbstgemachte Schuld (Akk.)
mayy ādhātum iha icchasi
auf mich legen willst du hier (Lok./Inf./2.Sg.Präs.)

mṛtaṃ vā yadi vā naṣṭaṃ yo 'tītam anuśocati; duḥkhena labhate duḥkhaṃ dvāv anarthau prapadyate

Wer über einen Toten oder Verlorenen, über Vergangenes trauert, gewinnt Leid durch Leid und gerät in zwei Übel.

Wort für Wort
mṛtaṃ vā yadi vā naṣṭaṃ
ob Toten oder Verlorenen (Part./Akk.)
yo 'tītam anuśocati
wer das Vergangene betrauert (Rel./Akk./3.Sg.Präs.)
duḥkhena labhate duḥkham
durch Leid erlangt er Leid (Instr./Akk./3.Sg.Med.)
dvāv anarthau prapadyate
er gerät in zwei Übel (Akk.Du./3.Sg.Präs.)

taporthīyaṃ brāhmaṇī dhatta garbhaṃ; gaur voḍhāraṃ dhāvitāraṃ turaṃgī; śūdrā dāsaṃ paśupālaṃ tu vaiśyā; vadhārthīyaṃ tvadvidhā rājaputrī

Eine Brahmanin trägt [ein Kind] um der Askese willen in der Leibesfrucht; die Kuh [gebiert] einen Zugtier-Träger, die Stute einen Läufer; die Śūdra-Frau einen Diener, die Vaiśya-Frau einen Viehhüter; eine Königstochter wie du aber [gebiert] zum Zwecke des Mordens.

Wort für Wort
taporthīyaṃ brāhmaṇī dhatta garbham
um der Askese willen trägt die Brahmanin die Leibesfrucht (Nom.f./3.Sg.Med./Akk.)
gaur voḍhāraṃ dhāvitāraṃ turaṅgī
die Kuh einen Träger, die Stute einen Läufer (Nom.f./Akk.)
śūdrā dāsaṃ paśupālaṃ tu vaiśyā
die Śūdra-Frau einen Diener, die Vaiśya-Frau aber einen Viehhüter (Nom.f./Akk.)
vadhārthīyaṃ tvadvidhā rājaputrī
zum Zwecke des Tötens [gebiert] eine Königstochter deiner Art (Nom.f.)

Elliptischer Vers; das Verb dhatta ist in allen Gliedern zu ergänzen (‚trägt/gebiert‘).

vaiśaṃpāyana uvāca; tac chrutvā vāsudevasya punaruktaṃ vaco 'priyam; tūṣṇīṃ babhūva gāndhārī śokavyākulalocanā

Vaiśaṃpāyana sprach: Als sie diese wiederholte, unliebe Rede Vāsudevas gehört hatte, schwieg Gāndhārī, die Augen voll Kummer und Verwirrung.

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca
Vaiśaṃpāyana sprach (Perf.)
tac chrutvā vāsudevasya
dies gehört habend von Vāsudeva (Gerundium/Gen.)
punaruktaṃ vaco 'priyam
die wiederholte, unliebe Rede (Akk.)
tūṣṇīṃ babhūva gāndhārī
schwieg Gāndhārī (Adv./Perf.)
śokavyākulalocanā
mit von Kummer verwirrten Augen (Kompositum Nom.f.)

punaruktam: ‚wiederholt‘, evtl. auch ‚überflüssig, redundant‘.

dhṛtarāṣṭras tu rājarṣir nigṛhyābuddhijaṃ tamaḥ; paryapṛcchata dharmātmā dharmarājaṃ yudhiṣṭhiram

Der Königsseher Dhṛtarāṣṭra aber, dessen Wesen im Recht gründet, bezwang das aus Unverstand geborene Dunkel und befragte den Rechtskönig Yudhiṣṭhira.

Wort für Wort
dhṛtarāṣṭras tu rājarṣiḥ
Dhṛtarāṣṭra aber, der Königsweise (Nom.)
nigṛhyābuddhijaṃ tamaḥ
bezwungen habend das aus Unverstand geborene Dunkel (Gerundium/Akk.)
paryapṛcchata dharmātmā
befragte, der rechtschaffene (Impf.Med./Nom.)
dharmarājaṃ yudhiṣṭhiram
den Rechtskönig Yudhiṣṭhira (Akk.)

jīvatāṃ parimāṇajñaḥ sainyānām asi pāṇḍava; hatānāṃ yadi jānīṣe parimāṇaṃ vadasva me

„Du kennst die Zahl der lebenden Heere, Pāṇḍava; wenn du auch die Zahl der Gefallenen kennst, so nenne sie mir.“

Wort für Wort
jīvatāṃ parimāṇajñaḥ
kundig der Zahl der Lebenden (Gen.Pl./Nom.)
sainyānām asi pāṇḍava
der Heere bist du, Pāṇḍava (Gen.Pl./2.Sg./Vok.)
hatānāṃ yadi jānīṣe
wenn du der Getöteten [Zahl] kennst (Gen.Pl./2.Sg.Präs.)
parimāṇaṃ vadasva me
die Zahl nenne mir (Akk./Imp.Med.)

yudhiṣṭhira uvāca; daśāyutānām ayutaṃ sahasrāṇi ca viṃśatiḥ; koṭyaḥ ṣaṣṭiś ca ṣaṭ caiva ye 'smin rājamṛdhe hatāḥ

Yudhiṣṭhira sprach: „Ein Ayuta von zehn Ayutas, dazu zwanzigtausend, sechzig Koṭis und sechs – so viele sind in diesem Königsvernichtungskrieg gefallen.

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf.)
daśāyutānām ayutam
ein Ayuta von zehn Ayutas (Gen.Pl./Nom.)
sahasrāṇi ca viṃśatiḥ
und zwanzig Tausend (Nom.Pl.)
koṭyaḥ ṣaṣṭiś ca ṣaṭ caiva
Koṭis, sechzig und sechs (Nom.Pl.)
ye 'smin rājamṛdhe hatāḥ
die in diesem Königskampf getötet wurden (Rel./Lok./Part.)

Ayuta = 10.000, Koṭi = 10.000.000; die Gesamtsumme beträgt somit 1.660.020.000.

alakṣyāṇāṃ tu vīrāṇāṃ sahasrāṇi caturdaśa; daśa cānyāni rājendra śataṃ ṣaṣṭiś ca pañca ca

Und der Helden, deren Spur unbekannt blieb [Verschollene], sind es vierzehntausend, dazu zehn weitere, hundert, sechzig und fünf, König der Könige.“

Wort für Wort
alakṣyāṇāṃ tu vīrāṇām
der unkenntlichen [Verschollenen] Helden aber (Gen.Pl.)
sahasrāṇi caturdaśa
vierzehn Tausend (Nom.Pl.)
daśa cānyāni
und zehn andere (Nom.Pl.)
rājendra śataṃ ṣaṣṭiś ca pañca ca
Herr der Könige, hundert, sechzig und fünf (Vok./Nom.)

alakṣya: ‚nicht erkennbar/nicht verfolgbar‘; gemeint sind vermutlich Verschollene. Summe: 24.165.

dhṛtarāṣṭra uvāca; yudhiṣṭhira gatiṃ kāṃ te gatāḥ puruṣasattamāḥ

Dhṛtarāṣṭra sprach: „Yudhiṣṭhira, welchen Weg sind jene besten der Männer gegangen?

Wort für Wort
dhṛtarāṣṭra uvāca
Dhṛtarāṣṭra sprach (Perf.)
yudhiṣṭhira gatiṃ kāṃ
Yudhiṣṭhira, welchen Weg (Vok./Akk.)
te gatāḥ puruṣasattamāḥ
sind sie gegangen, die besten Männer (Part.Perf./Nom.Pl.)

keṣu keṣu ca lokeṣu gatā hy ete narottamāḥ; yudhyamānā hatāḥ saṃkhye ye caivātrāparāṅmukhāḥ

In welche Welten sind diese Besten der Männer gegangen, die kämpfend in der Schlacht fielen und hier nicht den Rücken kehrten?

Wort für Wort
keṣu keṣu ca lokeṣu
und in welche Welten (Lok.Pl.)
gatā hy ete narottamāḥ
gegangen sind diese Besten der Männer (Part.Perf./Nom.Pl.)
yudhyamānā hatāḥ saṃkhye
kämpfend getötet in der Schlacht (Part.Präs.Med./Lok.)
ye caivātrāparāṅmukhāḥ
und die hier nicht abgewandt [waren] (Rel./Nom.Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage (Sternstelle).

ācakṣva me mahābāho sarvajño hy asi me mataḥ

Sag es mir, Starkarmiger; denn du gilst mir als allwissend.“

Wort für Wort
ācakṣva me mahābāho
sag mir, Starkarmiger (Imp.Med./Vok.)
sarvajño hy asi me mataḥ
denn allwissend bist du mir geachtet (Nom./2.Sg./Part.)

yudhiṣṭhira uvāca; yair hutāni śarīrāṇi hṛṣṭaiḥ paramasaṃyuge; devarājasamāṃl lokān gatās te satyavikramāḥ

Yudhiṣṭhira sprach: „Die, welche freudig im höchsten Kampf ihre Leiber [wie Opfergaben] dargebracht haben, jene Wahrhaft-Tapferen, sind in Welten gegangen, die denen des Götterkönigs [Indra] gleichen.

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf.)
yair hutāni śarīrāṇi
von denen die Leiber geopfert wurden (Instr.Rel./Part.Nom.Pl.n.)
hṛṣṭaiḥ paramasaṃyuge
von den Freudigen im höchsten Kampf (Instr./Lok.)
devarājasamāṃl lokān
Welten, dem Götterkönig gleich (Akk.Pl.)
gatās te satyavikramāḥ
gegangen sind jene, wahrhaft an Tapferkeit (Part./Nom.Pl.)

ye tv ahṛṣṭena manasā martavyam iti bhārata; yudhyamānā hatāḥ saṃkhye te gandharvaiḥ samāgatāḥ

Die aber, Bhārata, die mit unfrohem Herzen, „Ich muss sterben“, kämpfend in der Schlacht fielen, sind mit den Gandharven zusammengekommen.

Wort für Wort
ye tv ahṛṣṭena manasā
die aber mit unfrohem Sinn (Rel./Instr.)
martavyam iti bhārata
„es ist zu sterben“, so, Bhārata (Gerundiv/Vok.)
yudhyamānā hatāḥ saṃkhye
kämpfend getötet in der Schlacht (Part.)
te gandharvaiḥ samāgatāḥ
sie sind mit den Gandharven vereint (Instr.Pl./Part.Perf.)

ye tu saṃgrāmabhūmiṣṭhā yācamānāḥ parāṅmukhāḥ; śastreṇa nidhanaṃ prāptā gatās te guhyakān prati

Die aber, die auf dem Schlachtfeld standen, flehend, sich abwandten und durch die Waffe den Tod fanden, sind zu den Guhyakas gegangen.

Wort für Wort
ye tu saṃgrāmabhūmiṣṭhāḥ
die aber auf dem Kampfboden standen (Nom.Pl.)
yācamānāḥ parāṅmukhāḥ
flehend, abgewandt (Part.Präs.Med./Nom.Pl.)
śastreṇa nidhanaṃ prāptāḥ
durch die Waffe den Tod erlangt habend (Instr./Akk./Part.)
gatās te guhyakān prati
sie sind zu den Guhyakas gegangen (Part./Akk.Pl./Postp.)

kṣatradharmeṇa nihatās te gatāḥ paramāṃ gatim

Durch die Pflicht der Kṣatriyas erschlagen, gelangten sie zum höchsten Ziel.

Wort für Wort
kṣatradharmeṇa nihatāḥ
durch die Kriegerpflicht erschlagen (Instr./Part.)
te gatāḥ paramāṃ gatim
sie gingen zum höchsten Ziel (Part./Akk.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage (Sternstelle).

pīḍyamānāḥ parair ye tu hīyamānā nirāyudhāḥ; hrīniṣedhā mahātmānaḥ parān abhimukhā raṇe

Die aber, die von Feinden bedrängt wurden, geschwächt und ohne Waffen, die Edelgesinnten, die die Scham [vom Fliehen] zurückhielt, die in der Schlacht den Feinden zugewandt blieben,

Wort für Wort
pīḍyamānāḥ parair ye tu
bedrängt von Feinden, die aber (Part.Pass./Instr.Pl./Rel.)
hīyamānā nirāyudhāḥ
schwindend, waffenlos (Part.Pass./Nom.Pl.)
hrīniṣedhā mahātmānaḥ
durch Scham zurückgehalten, hochgesinnt (Nom.Pl.)
parān abhimukhā raṇe
den Feinden zugewandt in der Schlacht (Akk.Pl./Nom.Pl./Lok.)

Satzgefüge setzt sich in 16 fort; hīyamānāḥ auch ‚verlassen‘ möglich.

chidyamānāḥ śitaiḥ śastraiḥ kṣatradharmaparāyaṇāḥ; gatās te brahmasadanaṃ hatā vīrāḥ suvarcasaḥ

von scharfen Waffen zerhauen, der Kṣatriya-Pflicht ergeben – jene Helden, hell strahlend, gingen erschlagen zur Wohnstatt Brahmās.

Wort für Wort
chidyamānāḥ śitaiḥ śastraiḥ
zerhauen von scharfen Waffen (Part.Pass./Instr.Pl.)
kṣatradharmaparāyaṇāḥ
der Kṣatriya-Pflicht ganz ergeben (Nom.Pl.)
gatās te brahmasadanam
gegangen sind sie zur Brahmā-Wohnung (Part./Akk.)
hatā vīrāḥ suvarcasaḥ
erschlagen die Helden, glanzvoll (Part./Nom.Pl.)

ye tatra nihatā rājann antar āyodhanaṃ prati; yathā kathaṃ cit te rājan saṃprāptā uttarān kurūn

Die dort, König, im Inneren des Kampfplatzes gefallen sind – irgendwie, König, gelangten sie zu den Nördlichen Kuru.

Wort für Wort
ye tatra nihatā rājann
die dort gefallen sind, König (Rel./Part./Vok.)
antar āyodhanaṃ prati
im Inneren, zum Kampfplatz hin (Adv./Akk./Postp.)
yathā kathaṃ cit te rājan
irgendwie, sie, König (Adv./Vok.)
saṃprāptā uttarān kurūn
gelangten zu den Nördlichen Kuru (Part./Akk.Pl.)

antar āyodhanaṃ prati: Sinn unsicher; hier als ‚im Inneren des Kampfplatzes‘ gefasst.

dhṛtarāṣṭra uvāca; kena jñānabalenaivaṃ putra paśyasi siddhavat; tan me vada mahābāho śrotavyaṃ yadi vai mayā

Dhṛtarāṣṭra sprach: „Durch welche Kraft der Erkenntnis, mein Sohn, siehst du dies gleich einem Siddha? Das sag mir, Starkarmiger, wenn es von mir gehört werden darf.“

Wort für Wort
dhṛtarāṣṭra uvāca
Dhṛtarāṣṭra sprach (Perf.)
kena jñānabalenaivaṃ putra
durch welche Erkenntniskraft so, Sohn (Instr./Adv./Vok.)
paśyasi siddhavat
siehst du wie ein Siddha (2.Sg.Präs./Adv.)
tan me vada mahābāho
das sag mir, Starkarmiger (Imp./Vok.)
śrotavyaṃ yadi vai mayā
wenn es zu hören ist von mir (Gerundiv/Instr.)

yudhiṣṭhira uvāca; nideśād bhavataḥ pūrvaṃ vane vicaratā mayā; tīrthayātrāprasaṅgena saṃprāpto 'yam anugrahaḥ

Yudhiṣṭhira sprach: „Auf deine Weisung, als ich früher im Wald umherzog, wurde mir im Zuge der Pilgerfahrt diese Gnade zuteil.

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf.)
nideśād bhavataḥ pūrvam
auf Geheiß von dir, früher (Abl./Gen./Adv.)
vane vicaratā mayā
als ich im Wald umherzog (Lok./Part.Instr.)
tīrthayātrāprasaṅgena
bei Gelegenheit der Pilgerfahrt (Instr.)
saṃprāpto 'yam anugrahaḥ
erlangt wurde diese Gunst (Part./Nom.)

devarṣir lomaśo dṛṣṭas tataḥ prāpto 'smy anusmṛtim; divyaṃ cakṣur api prāptaṃ jñānayogena vai purā

Ich sah den göttlichen Seher Lomaśa, und daraufhin gelangte ich zur Erinnerung; auch das göttliche Auge wurde mir einst durch Erkenntnis-Yoga zuteil.

Wort für Wort
devarṣir lomaśo dṛṣṭaḥ
der Götterseher Lomaśa wurde gesehen (Nom./Part.)
tataḥ prāpto 'smy anusmṛtim
dann habe ich erlangt die Erinnerung (Part./1.Sg./Akk.)
divyaṃ cakṣur api prāptam
auch das göttliche Auge erlangt (Akk./Part.)
jñānayogena vai purā
durch Wissens-Yoga, fürwahr, einst (Instr./Adv.)

dhṛtarāṣṭra uvāca; ye 'trānāthā janasyāsya sanāthā ye ca bhārata; kaccit teṣāṃ śarīrāṇi dhakṣyanti vidhipūrvakam

Dhṛtarāṣṭra sprach: „Diejenigen dieser Leute hier, die ohne Beschützer sind, und die, die Beschützer haben, Bhārata – werden ihre Leiber wohl nach Vorschrift verbrannt werden?

Wort für Wort
dhṛtarāṣṭra uvāca
Dhṛtarāṣṭra sprach (Perf.)
ye 'trānāthā janasyāsya
die hier ohne Schutzherrn von diesem Volk (Nom.Pl./Gen.)
sanāthā ye ca bhārata
und die mit Schutzherrn, Bhārata (Nom.Pl./Vok.)
kaccit teṣāṃ śarīrāṇi
ob wohl ihre Leiber (Fragepartikel/Gen./Nom.Pl.)
dhakṣyanti vidhipūrvakam
man wird verbrennen, der Vorschrift gemäß (3.Pl.Fut./Adv.)

na yeṣāṃ santi kartāro na ca ye 'trāhitāgnayaḥ; vayaṃ ca kasya kuryāmo bahutvāt tāta karmaṇaḥ

Für die, die keine Ausführenden haben und hier keine Feuer eingerichtet hatten – und für wen sollen wir es tun, lieber Sohn, wegen der Menge der Riten?“

Wort für Wort
na yeṣāṃ santi kartāraḥ
für die es keine Ausführenden gibt (Gen.Rel./3.Pl./Nom.Pl.)
na ca ye 'trāhitāgnayaḥ
und die hier keine Feuer eingerichtet haben (Nom.Pl.)
vayaṃ ca kasya kuryāmaḥ
und für wen sollten wir tun (Nom./Gen./Opt.1.Pl.)
bahutvāt tāta karmaṇaḥ
wegen der Vielheit der Riten, Lieber (Abl./Vok./Gen.)

Sprecherwechsel und Sinn dieses Verses unsicher; der zweite Halbvers evtl. Yudhiṣṭhiras Antwort.

yān suparṇāś ca gṛdhrāś ca vikarṣanti tatas tataḥ; teṣāṃ tu karmaṇā lokā bhaviṣyanti yudhiṣṭhira

Die, die Geier und Falken [oder: Vögel mit schönem Gefieder und Geier] hierhin und dorthin zerren – deren Welten werden durch [dieses] Werk [der Totenriten der anderen] entstehen, Yudhiṣṭhira.

Wort für Wort
yān suparṇāś ca gṛdhrāś ca
die, welche Adler/Falken und Geier (Akk.Pl. rel.; Nom.Pl.)
vikarṣanti tatas tataḥ
zerren auseinander, hierhin und dorthin (3.Pl.Präs.)
teṣāṃ tu karmaṇā
deren aber durch das Werk (Gen.Pl.; Instr.Sg.)
lokā bhaviṣyanti
die Welten werden entstehen/sein (Nom.Pl.; 3.Pl.Fut.)
yudhiṣṭhira
o Yudhiṣṭhira (Vok.)

suparṇāḥ: Vögel mit schönem Gefieder bzw. Falken/Adler; karmaṇā: Deutung des Bezugs unsicher (Werk der Riten anderer oder deren eigenes Tun).

vaiśaṃpāyana uvāca; evam ukto mahāprājñaḥ kuntīputro yudhiṣṭhiraḥ; ādideśa sudharmāṇaṃ dhaumyaṃ sūtaṃ ca saṃjayam

Vaiśaṃpāyana sprach: So angesprochen, wies der hochweise Sohn der Kuntī, Yudhiṣṭhira, Sudharman, Dhaumya und den Wagenlenker Saṃjaya an –

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca
Vaiśaṃpāyana sprach (Nom.; 3.Sg.Perf.)
evam ukto mahāprājñaḥ
so angesprochen, der hochweise (Part.Perf.Pass.; Nom.Sg.)
kuntīputro yudhiṣṭhiraḥ
Kuntīs Sohn Yudhiṣṭhira (Nom.Sg.)
ādideśa
wies an (3.Sg.Perf.)
sudharmāṇaṃ dhaumyaṃ
Sudharman, Dhaumya (Akk.Sg.)
sūtaṃ ca saṃjayam
und den Wagenlenker Saṃjaya (Akk.Sg.)

viduraṃ ca mahābuddhiṃ yuyutsuṃ caiva kauravam; indrasenamukhāṃś caiva bhṛtyān sūtāṃś ca sarvaśaḥ

und Vidura, den sehr verständigen, und Yuyutsu, den Kaurava, und die von Indrasena angeführten Diener sowie überall die Wagenlenker:

Wort für Wort
viduraṃ ca mahābuddhiṃ
und Vidura, den großverständigen (Akk.Sg.)
yuyutsuṃ caiva kauravam
und Yuyutsu, den Kaurava (Akk.Sg.)
indrasenamukhāṃś caiva
und die von Indrasena angeführten (Kompositum, Akk.Pl.)
bhṛtyān sūtāṃś ca sarvaśaḥ
Diener und Wagenlenker allesamt (Akk.Pl.; Adv.)

bhavantaḥ kārayantv eṣāṃ pretakāryāṇi sarvaśaḥ; yathā cānāthavat kiṃ cic charīraṃ na vinaśyati

„Ihr Herren, lasst für diese überall die Totenriten vollziehen, damit kein Leichnam wie bei Schutzlosen zugrunde geht.“

Wort für Wort
bhavantaḥ kārayantv
ihr Herren, sollen veranlassen (Nom.Pl.; 3.Pl.Imp.Kaus.; hier Anrede)
eṣāṃ pretakāryāṇi sarvaśaḥ
für diese die Totenriten überall (Gen.Pl.; Akk.Pl.n.; Adv.)
yathā cānāthavat
und damit wie bei Schutzlosen (Konj.; Adv.)
kiṃ cic charīraṃ
irgendein Körper (Nom.Sg.n.)
na vinaśyati
nicht zugrunde geht (3.Sg.Präs.)

śāsanād dharmarājasya kṣattā sūtaś ca saṃjayaḥ; sudharmā dhaumyasahita indrasenādayas tathā

Auf Geheiß des Dharmakönigs [taten] der Kṣattṛ [Vidura] und der Wagenlenker Saṃjaya, Sudharman samt Dhaumya und ebenso Indrasena und die Übrigen [Folgendes]:

Wort für Wort
śāsanād dharmarājasya
auf Geheiß des Dharmakönigs (Abl.Sg.; Gen.Sg.)
kṣattā sūtaś ca saṃjayaḥ
der Kṣattṛ und der Wagenlenker Saṃjaya (Nom.Sg.)
sudharmā dhaumyasahitaḥ
Sudharman zusammen mit Dhaumya (Nom.Sg.; Kompositum)
indrasenādayas tathā
ebenso Indrasena und die anderen (Nom.Pl.)

Das Prädikat folgt in den nächsten Versen (samāhṛtya … dāhayām āsuḥ).

candanāgurukāṣṭhāni tathā kālīyakāny uta; ghṛtaṃ tailaṃ ca gandhāṃś ca kṣaumāṇi vasanāni ca

Sandelholz, Aloeholz und Kālīya-Hölzer, Ghee und Öl und Duftstoffe und Leinengewänder,

Wort für Wort
candanāgurukāṣṭhāni
Sandel- und Aloeholzscheite (Kompositum, Akk.Pl.n.)
tathā kālīyakāny uta
ebenso Kālīya-Hölzer, auch (Akk.Pl.n.)
ghṛtaṃ tailaṃ ca
Ghee und Öl (Akk.Sg.n.)
gandhāṃś ca
und Duftstoffe (Akk.Pl.)
kṣaumāṇi vasanāni ca
und Leinengewänder (Akk.Pl.n.)

samāhṛtya mahārhāṇi dārūṇāṃ caiva saṃcayān; rathāṃś ca mṛditāṃs tatra nānāpraharaṇāni ca

kostbare [Dinge] zusammengebracht und Haufen von Brennholz, ebenso dort zerschlagene Streitwagen und mancherlei Waffen,

Wort für Wort
samāhṛtya mahārhāṇi
nachdem sie zusammengebracht hatten, kostbare [Dinge] (Abs.; Akk.Pl.n.)
dārūṇāṃ caiva saṃcayān
und Haufen von Holz (Gen.Pl.; Akk.Pl.)
rathāṃś ca mṛditāṃs tatra
und Streitwagen, zerschlagene, dort (Akk.Pl.; Part.Perf.Pass.)
nānāpraharaṇāni ca
und vielerlei Waffen (Akk.Pl.n.)

citāḥ kṛtvā prayatnena yathāmukhyān narādhipān; dāhayām āsur avyagrā vidhidṛṣṭena karmaṇā

errichteten sie mit Sorgfalt Scheiterhaufen, wie es den Fürsten nach ihrem Rang entsprach, und verbrannten sie unbeirrt nach dem vorschriftsmäßig geschauten Ritus.

Wort für Wort
citāḥ kṛtvā prayatnena
Scheiterhaufen errichtet habend, mit Mühe/Sorgfalt (Abs.; Akk.Pl.f.; Instr.Sg.)
yathāmukhyān narādhipān
die Fürsten nach Rang (Adv.-Kompositum; Akk.Pl.)
dāhayām āsur avyagrāḥ
ließen/verbrannten, ungestört (3.Pl.Perf.Kaus.; Nom.Pl.)
vidhidṛṣṭena karmaṇā
durch den nach Vorschrift gesehenen Ritus (Instr.Sg.)

duryodhanaṃ ca rājānaṃ bhrātṝṃś cāsya śatādhikān; śalyaṃ śalaṃ ca rājānaṃ bhūriśravasam eva ca

Den König Duryodhana und dessen Brüder, über hundert, Śalya und Śala, den König, und Bhūriśravas,

Wort für Wort
duryodhanaṃ ca rājānaṃ
und Duryodhana, den König (Akk.Sg.)
bhrātṝṃś cāsya śatādhikān
und dessen Brüder, mehr als hundert (Akk.Pl.)
śalyaṃ śalaṃ ca rājānaṃ
Śalya und Śala, den König (Akk.Sg.)
bhūriśravasam eva ca
und eben Bhūriśravas (Akk.Sg.)

jayadrathaṃ ca rājānam abhimanyuṃ ca bhārata; dauḥśāsaniṃ lakṣmaṇaṃ ca dhṛṣṭaketuṃ ca pārthivam

und den König Jayadratha und Abhimanyu, o Bhārata, Dauḥśāsani und Lakṣmaṇa und den Fürsten Dhṛṣṭaketu,

Wort für Wort
jayadrathaṃ ca rājānam
und Jayadratha, den König (Akk.Sg.)
abhimanyuṃ ca bhārata
und Abhimanyu, o Bhārata (Akk.Sg.; Vok.)
dauḥśāsaniṃ lakṣmaṇaṃ ca
Dauḥśāsani und Lakṣmaṇa (Akk.Sg.)
dhṛṣṭaketuṃ ca pārthivam
und Dhṛṣṭaketu, den Fürsten (Akk.Sg.)

bṛhantaṃ somadattaṃ ca sṛñjayāṃś ca śatādhikān; rājānaṃ kṣemadhanvānaṃ virāṭadrupadau tathā

Bṛhanta und Somadatta und die Sṛñjayas, über hundert, den König Kṣemadhanvan, ebenso Virāṭa und Drupada,

Wort für Wort
bṛhantaṃ somadattaṃ ca
Bṛhanta und Somadatta (Akk.Sg.)
sṛñjayāṃś ca śatādhikān
und die Sṛñjayas, mehr als hundert (Akk.Pl.)
rājānaṃ kṣemadhanvānaṃ
den König Kṣemadhanvan (Akk.Sg.)
virāṭadrupadau tathā
ebenso Virāṭa und Drupada (Akk.Du.)

śikhaṇḍinaṃ ca pāñcālyaṃ dhṛṣṭadyumnaṃ ca pārṣatam; yudhāmanyuṃ ca vikrāntam uttamaujasam eva ca

Śikhaṇḍin, den Pāñcāla, und Dhṛṣṭadyumna, den Pṛṣata-Sproß, und Yudhāmanyu, den Tapferen, und ebenso Uttamaujas,

Wort für Wort
śikhaṇḍinaṃ ca pāñcālyaṃ
und Śikhaṇḍin, den Pāñcāla (Akk.Sg.)
dhṛṣṭadyumnaṃ ca pārṣatam
und Dhṛṣṭadyumna, Pṛṣatas Abkömmling (Akk.Sg.)
yudhāmanyuṃ ca vikrāntam
und Yudhāmanyu, den Tapferen (Akk.Sg.)
uttamaujasam eva ca
und eben Uttamaujas (Akk.Sg.)

kausalyaṃ draupadeyāṃś ca śakuniṃ cāpi saubalam; acalaṃ vṛṣakaṃ caiva bhagadattaṃ ca pārthivam

den Kausalya und die Draupadī-Söhne und auch Śakuni, den Sohn des Subala, Acala und Vṛṣaka und den Fürsten Bhagadatta,

Wort für Wort
kausalyaṃ draupadeyāṃś ca
den Kausalya und die Draupadī-Söhne (Akk.Sg.; Akk.Pl.)
śakuniṃ cāpi saubalam
und auch Śakuni, den Saubala (Akk.Sg.)
acalaṃ vṛṣakaṃ caiva
Acala und Vṛṣaka (Akk.Sg.)
bhagadattaṃ ca pārthivam
und Bhagadatta, den Fürsten (Akk.Sg.)

karṇaṃ vaikartanaṃ caiva sahaputram amarṣaṇam; kekayāṃś ca maheṣvāsāṃs trigartāṃś ca mahārathān

und Karṇa, den Vaikartana, samt seinen Söhnen, den Unversöhnlichen, und die Kekayas, die großen Bogenschützen, und die Trigartas, die Großwagenkämpfer,

Wort für Wort
karṇaṃ vaikartanaṃ caiva
und Karṇa, den Vaikartana (Akk.Sg.)
sahaputram amarṣaṇam
samt Söhnen/Sohn, den Unduldsamen (Akk.Sg.)
kekayāṃś ca maheṣvāsān
und die Kekayas, große Bogenschützen (Akk.Pl.)
trigartāṃś ca mahārathān
und die Trigartas, Großwagenkämpfer (Akk.Pl.)

sahaputram amarṣaṇam: zu Karṇa gehörig gedeutet; alternativ ‚Karṇa samt Sohn‘.

ghaṭotkacaṃ rākṣasendraṃ bakabhrātaram eva ca; alambusaṃ ca rājānaṃ jalasaṃdhaṃ ca pārthivam

Ghaṭotkaca, den Fürsten der Rākṣasas, und den Bruder des Baka, dazu den König Alambusa und den Fürsten Jalasaṃdha,

Wort für Wort
ghaṭotkacaṃ rākṣasendraṃ
Ghaṭotkaca, den Herrn der Rākṣasas (Akk.Sg.)
bakabhrātaram eva ca
und eben den Bruder des Baka (Akk.Sg.)
alambusaṃ ca rājānaṃ
und Alambusa, den König (Akk.Sg.)
jalasaṃdhaṃ ca pārthivam
und Jalasaṃdha, den Fürsten (Akk.Sg.)

anyāṃś ca pārthivān rājañ śataśo 'tha sahasraśaḥ

und andere Fürsten, o König, zu Hunderten und zu Tausenden,

Wort für Wort
anyāṃś ca pārthivān
und andere Fürsten (Akk.Pl.)
rājañ
o König (Vok.)
śataśo 'tha sahasraśaḥ
zu Hunderten sodann zu Tausenden (Adv.)

citāḥ kṛtvā maheṣvāsān sarvān etān yathāvidhi

nachdem sie für all diese großen Bogenschützen nach der Vorschrift Scheiterhaufen errichtet hatten,

Wort für Wort
citāḥ kṛtvā
Scheiterhaufen errichtet habend (Abs.; Akk.Pl.f.)
maheṣvāsān
die großen Bogenschützen (Akk.Pl.)
sarvān etān
all diese (Akk.Pl.)
yathāvidhi
vorschriftsgemäß (Adv.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften).

ghṛtadhārāhutair dīptaiḥ pāvakaiḥ samadāhayan

verbrannten sie sie mit lodernden Feuern, [genährt] durch Gussströme von Opferschmalz.

Wort für Wort
ghṛtadhārāhutaiḥ
mit Ghee-Strömen begossen (Kompositum, Instr.Pl.)
dīptaiḥ pāvakaiḥ
mit leuchtenden Feuern (Instr.Pl.)
samadāhayan
verbrannten (3.Pl.Impf.Kaus.)

Vers 43 setzt die Zusatzzeile (42) syntaktisch fort.

pitṛmedhāś ca keṣāṃ cid avartanta mahātmanām; sāmabhiś cāpy agāyanta te 'nvaśocyanta cāparaiḥ

Und für manche der Hochherzigen wurden Totenopfer vollzogen, und mit Sāman-Gesängen wurde gesungen, und andere trauerten um sie.

Wort für Wort
pitṛmedhāś ca keṣāṃ cid
und Totenopfer für manche (Nom.Pl.; Gen.Pl.)
avartanta mahātmanām
wurden vollzogen, der Hochherzigen (3.Pl.Impf.Med.; Gen.Pl.)
sāmabhiś cāpy agāyanta
und mit Sāman-Liedern wurde auch gesungen (Instr.Pl.; 3.Pl.Impf.Med.)
te 'nvaśocyanta cāparaiḥ
und sie wurden von anderen betrauert (3.Pl.Impf.Pass.; Instr.Pl.)

sāmnām ṛcāṃ ca nādena strīṇāṃ ca ruditasvanaiḥ; kaśmalaṃ sarvabhūtānāṃ niśāyāṃ samapadyata

Vom Klang der Sāmans und Ṛcs und vom Weinen der Frauen entstand für alle Wesen in der Nacht Verwirrung.

Wort für Wort
sāmnām ṛcāṃ ca nādena
durch den Klang der Sāmans und Ṛcs (Gen.Pl.; Instr.Sg.)
strīṇāṃ ca ruditasvanaiḥ
und durch die Klagelaute der Frauen (Gen.Pl.; Instr.Pl.)
kaśmalaṃ sarvabhūtānāṃ
Verwirrung aller Wesen (Nom.Sg.n.; Gen.Pl.)
niśāyāṃ samapadyata
in der Nacht trat ein (Lok.Sg.; 3.Sg.Impf.Med.)

te vidhūmāḥ pradīptāś ca dīpyamānāś ca pāvakāḥ; nabhasīvānvadṛśyanta grahās tanvabhrasaṃvṛtāḥ

Jene Feuer, rauchlos und flammend und lodernd, erschienen wie Planeten am Himmel, [nur] von dünnen Wolken verhüllt.

Wort für Wort
te vidhūmāḥ pradīptāś ca
jene rauchlosen und entflammten (Nom.Pl.)
dīpyamānāś ca pāvakāḥ
und leuchtenden Feuer (Part.Präs.Med.; Nom.Pl.)
nabhasīvānvadṛśyanta
wie am Himmel wurden sichtbar (Lok.Sg.; 3.Pl.Impf.Pass.)
grahās tanvabhrasaṃvṛtāḥ
Planeten, von dünnen Wolken bedeckt (Nom.Pl.; Part.Perf.Pass.)

ye cāpy anāthās tatrāsan nānādeśasamāgatāḥ; tāṃś ca sarvān samānāyya rāśīn kṛtvā sahasraśaḥ

Und die, die dort ohne Schutz waren, aus mancherlei Ländern zusammengekommen, sie alle brachte man zusammen und machte Tausende von Haufen,

Wort für Wort
ye cāpy anāthās tatrāsan
und auch die, die dort schutzlos waren (Nom.Pl.; 3.Pl.Impf.)
nānādeśasamāgatāḥ
aus verschiedenen Ländern gekommen (Nom.Pl.)
tāṃś ca sarvān samānāyya
und sie alle zusammengebracht habend (Akk.Pl.; Abs.)
rāśīn kṛtvā sahasraśaḥ
Haufen gemacht habend, zu Tausenden (Akk.Pl.; Abs.; Adv.)

Satz setzt sich in Vers 48 fort.

citvā dārubhir avyagraḥ prabhūtaiḥ snehatāpitaiḥ; dāhayām āsa viduro dharmarājasya śāsanāt

schichtete Vidura unbeirrt auf Geheiß des Dharmakönigs sie mit reichlich Holz, mit Fett getränkt, und verbrannte sie.

Wort für Wort
citvā dārubhir avyagraḥ
aufgeschichtet habend mit Holz, ungestört (Abs.; Instr.Pl.; Nom.Sg.)
prabhūtaiḥ snehatāpitaiḥ
mit reichlichem, mit Fett erhitztem [Holz] (Instr.Pl.)
dāhayām āsa viduro
ließ/verbrannte Vidura (3.Sg.Perf.Kaus.; Nom.Sg.)
dharmarājasya śāsanāt
auf Geheiß des Dharmakönigs (Gen.Sg.; Abl.Sg.)

kārayitvā kriyās teṣāṃ kururājo yudhiṣṭhiraḥ; dhṛtarāṣṭraṃ puraskṛtya gaṅgām abhimukho 'gamat

Nachdem Yudhiṣṭhira, der König der Kurus, für sie die Riten hatte vollziehen lassen, ging er, Dhṛtarāṣṭra vorangestellt, in Richtung der Gaṅgā.

Wort für Wort
kārayitvā kriyās teṣāṃ
nachdem er hatte vollziehen lassen die Riten für sie (Abs.Kaus.; Akk.Pl.; Gen.Pl.)
kururājo yudhiṣṭhiraḥ
der Kurukönig Yudhiṣṭhira (Nom.Sg.)
dhṛtarāṣṭraṃ puraskṛtya
Dhṛtarāṣṭra voranstellend (Akk.Sg.; Abs.)
gaṅgām abhimukho 'gamat
zur Gaṅgā hingewandt ging (Akk.Sg.; Nom.Sg.; 3.Sg.Aor./Impf.)

Dieses Kapitel in der Leseansicht