Quellen der Menschheit

Paippalāda-Saṃhitā · Kāṇḍa 5

Hymne 5.32 Varuṇas Fesseln gegen den Lügner

ye te pāśā varuṇa sapta saptatīs / tredhā tiṣṭhanti viṣitā ruśantaḥ | / sinanti sarve anṛtaṃ vadantaṃ / yaḥ satyavādy ati taṃ sṛjanti ||

Die Fesseln, Varuṇa, sieben mal siebzig, / die dreifach stehen, ausgespannt, glänzend: / alle binden den Lügenredner; / wer wahr redet, den lassen sie hinaus.

iha spaśaḥ pra carantīme asya / sahasrākṣā ati paśyanti bhūmim | / yo 'sya vrataṃ pramināti kaś ca / na sa mucyate varuṇasya pāśāt ||

Hier gehen diese Späher von ihm umher, / tausendäugig sehen sie über die Erde. / Wer auch immer sein Gelübde verletzt, / der wird nicht von Varuṇas Fessel gelöst.

uteyam asya pṛthivī samīcy / utāsau dyaur bṛhatī dūreantā | / uto samudro varuṇasya kukṣā / utāsminn alpa udake namuktaḥ ||

Auch diese Erde gehört ihm, die sich zusammenschließt, / auch jener Himmel, der große, dessen Enden fern sind; / auch das Meer ist Varuṇas Bauch; / und in diesem kleinen Wasser ist er geborgen [namuktaḥ] [?].

yas tiṣṭhati manasā yaś ca vañcati / yo nilāyaṃ carati yaḥ pralāyam | / dvau yadyad vadataḥ sanniṣadya / rājā tad veda varuṇas tṛtīyaḥ ||

Wer im Sinn [heimlich] dasteht, und wer betrügt, / wer sich versteckt umherschleicht, wer davonschleicht: / was zwei, zusammensitzend, reden, / das weiß König Varuṇa als dritter.

sarvaṃ tad rajā varuṇo vi caṣṭe / yad antarā rodasī yat parastāt | / saṃkhyātā asya nimiṣo janānām / akṣān na śvaghnī bhuvanā mimīte ||

All das überschaut König Varuṇa, / was zwischen den beiden Welten ist und was jenseits. / Gezählt sind von ihm die Augenblicke der Menschen; / wie ein Spieler die Würfel, so misst er die Wesen.

tvam eva rājan varuṇa / dhartā devānām asi viśvarūpaḥ | / duścarmāstv adhamaḥ piśaṅgo / yaḥ satyāṃ vācam anṛtena hanti ||

Du allein, König Varuṇa, / bist der Träger der Götter, allgestaltig; / schlechthäutig, der Niedrigste, gelbbraun soll sein, / wer wahre Rede mit Lüge schlägt.

yaḥ samāmyo varuṇo yo vyāmyo / yaḥ sandeśyo varuṇo yo videśyaḥ | / yo daivyo varuṇo yaś ca mānuṣaḥ / sarvāṃs tve tān prati muñcāmy atra ||

Der Varuṇa der Zusammenkunft, der Varuṇa der Trennung, / der des Nahen, der des Fernen, / der göttliche Varuṇa und der menschliche: / alle diese lege ich dir hier an.

śatena pāśair varuṇābhi dhehi / mā te mocy anṛtavāṅ nṛcakṣaḥ | / āstāṃ jālma udaraṃ śraṃsayitvā / kośa ivābandhraḥ parikṛtyamānaḥ ||

Mit hundert Fesseln, Varuṇa, umgib [ihn]; / nicht soll dir der Lügenredner freikommen, Männerschauender. / Der Lump soll dasitzen, den Bauch erschlaffend lassend, / wie ein Sack ohne Band, ringsum zerschnitten.

uto tvat pra pātayaty / uto tvad api nahyati | / uto tvad asvakaṃ kṛtvā / rājā varuṇa īyate ||

Und er schleudert dich fort, / und er bindet dich, / und er macht dich besitzlos: / so geht König Varuṇa einher.

ainaṃ chinatti varuṇo / naḍaṃ kaśipune yathā | / mūlaṃ tasya vṛścati / ya enaṃ pramimīṣati ||

Varuṇa zerschneidet ihn, / wie Rohr für ein Lager. / Die Wurzel dessen schneidet er ab, / der ihn hintergehen will.