Der Goldkeim (Hiraṇyagarbha) entstand am Anfang; geboren, war er der alleinige Herr des Seienden (bhūta). Er stützte diese Erde und den Himmel. Welchem Gott sollen wir mit der Opfergabe huldigen?
upayāmagṛhīto'si prajāpataye tvā juṣṭaṃ gṛhṇāmyeṣa te yoniḥ sūryaste mahimā yaste'hantsaṃvatsare mahimā sambabhūva yaste vāyāvantarikṣe mahimā sambabhūva yaste divi sūrye mahimā sambabhūva tasmai te mahimne prajāpataye svāhā devebhyaḥ
Du bist als Upayāma ergriffen; dich, dem Prajāpati genehm, ergreife ich; dies ist dein Schoß. Die Sonne ist deine Größe (mahiman); die Größe, die dir im Tag, im Jahr entstanden ist; die Größe, die dir im Wind, im Luftraum entstanden ist; die Größe, die dir im Himmel, in der Sonne entstanden ist - dieser deiner Größe, dem Prajāpati, svāhā, den Göttern.
yaḥ prāṇato nimiṣato mahitvaika idrājā jagato babhūva ya īśe asya dvipadaścatuṣpadaḥ kasmai devāya haviṣā vidhema
Der über das Atmende und Blinzelnde (nimiṣat) durch seine Größe (mahitva) allein König der [beweglichen] Welt (jagat) geworden ist, der über dieses Zwei- und Vierfüßige herrscht - welchem Gott sollen wir mit der Opfergabe huldigen?
Wort für Wort
yaḥ
der (Nom.)
prāṇato
prāṇataḥ 'über das Atmende' (Gen.) [Sandhi: aḥ→o]
nimiṣato
nimiṣataḥ 'und Blinzelnde' (Gen.) [Sandhi: aḥ→o]
mahitvaika
mahitvā 'durch seine Größe' (Instr.) + ekaḥ 'allein' (Nom.) [Sandhi]
idrājā
id 'fürwahr' (Partikel) + rājā 'König' (Nom.) [Sandhi]
Du bist als Upayāma ergriffen; dich, dem Prajāpati genehm, ergreife ich; dies ist dein Schoß. Der Mond ist deine Größe; die Größe, die dir in der Nacht, im Jahr entstanden ist; die Größe, die dir in der Erde, in Agni entstanden ist; die Größe, die dir in den Gestirnen, im Mond entstanden ist - dieser deiner Größe, dem Prajāpati, den Göttern, svāhā.
yuñjanti bradhnamaruṣaṃ carantaṃ pari tasthuṣaḥ rocante rocanā divi
Sie schirren den rötlichbraunen (bradhna), sich [im Kreis] bewegenden [Sonnengott] an, rings um die Feststehenden; es leuchten die Lichträume im Himmel.
yadvāto apo aganīganpriyāmindrasya tanvam etaṃ stotaranena pathā punaraśvamāvartayāsi naḥ
Als der Wind zu den Gewässern gegangen ist, ist er zu Indras liebem Leib gegangen; o Sänger, auf diesem Weg sollst du uns das Pferd wieder zurückbringen.
Die Vasus mögen dich salben mit dem Gāyatrī-Versmaß; die Rudras mögen dich salben mit dem Triṣṭubh-Versmaß; die Ādityas mögen dich salben mit dem Jagatī-Versmaß. Bhūḥ, bhuvaḥ, svar - [Ruflaute des gesungenen Vortrags, unübersetzt] - in der Schafhürde, in der Rinderhürde - esst diese Speise, ihr Götter; iss diese Speise, Prajāpati. [Anm.: die eingestreuten Silben 'lājī', 'śācī' sind wohl liturgische Wiederholungs- oder Tonzeichen und nicht wörtlich übersetzbar.]
kā svidāsītpūrvacittiḥ kiṃ svidāsīd bṛhadvayaḥ kā svidāsītpilippilā kā svidāsītpiśaṅgilā
Was war wohl die erste Wahrnehmung (pūrvacitti)? Was war wohl die große Kraft (bṛhadvayas)? Was war wohl die Pilippilā? Was war wohl die Piśaṅgilā? [Anm.: Rätselverse (brahmodya); die Namen werden im folgenden Vers aufgelöst.]
Vāyu möge dich mit den Kochenden schützen; der Schwarznackige [?] mit den Böcken; der Nyagrodha-Baum mit den Trinkschalen; der Śalmali-Baum mit dem Wachstum. Dieser wagengeeignete [?] Bulle ist mit den vier Füßen dahergegangen [?]; der Brahmane und der Schwarze [Kṛṣṇa] mögen uns schützen. Verehrung dem Agni. [Anm.: mehrere Kompositbegriffe unsicher gedeutet.]
Geschärft ist mit dem Zügel der Wagen; geschärft ist mit dem Zügel das Roß; geschärft ist in den Gewässern der im Wasser Geborene; das Gebet (brahman), dem Soma vorangehend.
Wort für Wort
saṃśito
saṃśitaḥ 'geschärft' (Nom.) [Sandhi: aḥ→o]
raśminā
mit dem Zügel (Instr.)
rathaḥ
der Wagen (Nom.)
saṃśito
saṃśitaḥ 'geschärft' (Nom.) [Sandhi: aḥ→o]
raśminā
mit dem Zügel (Instr.)
hayaḥ
das Roß (Nom.)
saṃśito
saṃśitaḥ 'geschärft' (Nom.) [Sandhi: aḥ→o]
apsvapsujā
apsu 'in den Gewässern' (Lok.Pl.) + apsujāḥ 'der im Wasser Geborene' (Nom.) [Sandhi]
na vā u etanmriyase na riṣyasi devāṃ2 ideṣi pathibhiḥ sugebhiḥ yatrāsate sukṛto yatra te yayustatra tvā devaḥ savitā dadhātu
Fürwahr, du stirbst hierdurch nicht, du nimmst keinen Schaden; du gehst nur zu den Göttern, auf gutgängigen Wegen; wo die Rechttuenden (sukṛta) weilen, wohin sie gegangen sind - dorthin möge dich der Gott Savitṛ setzen.
agniḥ paśurāsīttenāyajanta sa etaṃllokamajayadyasminnagniḥ sa te loko bhaviṣyati taṃ jeṣyasi pibaitā apaḥ vāyuḥ paśurāsīttenāyajanta sa etaṃllokamajayadyasminvāyuḥ sa te loko bhaviṣyati taṃ jeṣyasi pibaitā apaḥ sūryaḥ paśurāsīttenāyajanta sa etaṃllokamajayadyasmintsūryaḥ sa te loko bhaviṣyati taṃ jeṣyasi pibaitā apaḥ
Agni war ein Opfertier; mit ihm opferten sie; er gewann diese Welt, in der Agni ist; sie wird deine Welt sein; du wirst sie gewinnen. Trink dieses Wasser. Vāyu war ein Opfertier; mit ihm opferten sie; er gewann diese Welt, in der Vāyu ist; sie wird deine Welt sein; du wirst sie gewinnen. Trink dieses Wasser. Sūrya war ein Opfertier; mit ihm opferten sie; er gewann diese Welt, in der Sūrya ist; sie wird deine Welt sein; du wirst sie gewinnen. Trink dieses Wasser.
Dem Einatem svāhā, dem Ausatem svāhā, dem Zwischenatem svāhā. Ambā, Ambikā, Ambālikā - niemand führt mich fort; das Rösslein schläft; die Wohlbeglückte, die in Kāmpīla Wohnende. [Anm.: Verse 18-31 gehören zum kryptisch-rätselhaften Aśvamedha-Formelteil; Übersetzung wörtlich, Sinn teils unklar.]
Dich, den Herrn der Scharen (gaṇapati), rufen wir herbei; dich, den Herrn der lieben Dinge, rufen wir herbei; dich, den Herrn der Schätze, rufen wir herbei; o Guter (vasu) - ich bin geboren als der Empfängniserreger; du bist geboren als der Empfängniserreger.
Wir beide wollen unsere vier Füße/Beine ausstrecken, in der Himmelswelt; ihr beide möget euch entfalten; der Bulle, der Preiswürdige, der Samenspender möge Samen legen.
utsakthyā ava gudaṃ dhehi samañjiṃ cārayā vṛṣan ya strīṇāṃ jīvabhojanaḥ
Mit gespreizten Schenkeln senke den [?] herab; führe die Salbung aus, o Bulle, der du der Lebensgenuss der Frauen bist. [Anm.: anatomische Termini unsicher/euphemistisch.]
Wer ist jener, das Vöglein, das 'āhalak' schreiend hin- und herschwankt? Es schlägt im Schoß das Glied, 'nigalgali' [rufend], die Trägerin. [Anm.: lautmalerischer Rätselvers, wörtlich mit Unsicherheit übersetzt.]
mātā ca te pitā ca te'graṃ vṛkṣasya rohataḥ pratilāmīti te pitā gabhe muṣṭimataṃsayat
Deine Mutter und dein Vater besteigen den Gipfel des Baumes; 'pratilāmi' [rufend] hat dein Vater die Faust in den Schoß gesteckt. [Anm.: Rätselvers unsicher übersetzt.]
Wort für Wort
mātā
die Mutter (Nom.)
ca
und
te
deine (Gen., enklit.)
pitā
der Vater (Nom.)
ca
und
te'graṃ
te 'deine' (Gen.) + agram 'den Gipfel' (Akk.) [Sandhi]
Richte sie [die Stute] nach oben auf, wie einer, der eine Last am Berg trägt; dann möge sich ihre Mitte regen, wie beim Läutern im kalten Wind. [Anm.: Bezug und Sinn unsicher.]
Was von ihr, der eng zu Durchbohrenden, das Verkürzte, Dicke sich anlagerte - die beiden [Hoden, ?] dieses sich Regenden sind wie zwei Fische an der Kuhklaue. [Anm.: stark euphemistisch-obszöner Aśvamedha-Rätselvers; Übersetzung unsicher.]
yaddevāso lalāmaguṃ pra viṣṭīminamāviṣuḥ sakthnā dediśyate nārī satyasyākṣibhuvo yathā
Als die Götter den mit einer Blesse versehenen [?], den Ausgedehnten [?] hervorbrachten - mit dem Schenkel deutet die Frau, wie die Augenzeugin der Wahrheit. [Anm.: Vers stark unsicher, seltene Wortformen.]
yaddhariṇo yavamatti na puṣṭaṃ paśu manyate śūdrā yadaryajārā na poṣāya dhanāyati
Wenn die [scheckige] Hirschkuh Gerste frisst, gilt sie nicht als wohlgenährtes Vieh; wenn die Śūdra-Frau die Buhlin eines Vollbürgers (arya) ist, trachtet sie nicht nach Wohlstand für die Nahrung. [Anm.: Sinnzusammenhang unsicher.]
yaddhariṇo yavamatti na puṣṭaṃ bahu manyate śūdro yadaryāyai jāro na poṣamanu manyate
Wenn die Hirschkuh Gerste frisst, gilt sie nicht als sehr wohlgenährt; wenn der Śūdra der Buhle einer Vollbürgerin ist, denkt er nicht an ihren Wohlstand.
Ich habe [das Lied] für Dadhikrāvan gemacht, den siegreichen, preiswürdigen Renner; er möge unsere Münder wohlriechend machen; er möge unsere Lebenszeiten verlängern.
Die zweifüßigen [Versmaße] und die vierfüßigen, die dreifüßigen und die sechsfüßigen, die unregelmäßigen (vicchandas) und die regelmäßigen (sacchandas) - mit den Nadeln mögen sie dich beruhigen.
Die Mahānāmnī-Verse, die reichen, alle Himmelsrichtungen, die überreichen, die zum Gewölk gehörigen Blitze, die Stimmen - mit den Nadeln mögen sie dich beruhigen.
Die Frauen, deine Gattinnen, mögen die Haare mit Verstand (manīṣā) aussuchen; die Gattinnen der Götter, die Himmelsrichtungen - mit den Nadeln mögen sie dich beruhigen.
Wort für Wort
nāryaste
nāryaḥ 'die Frauen' (Nom.Pl.) + te 'deine' (Gen.) [Sandhi: aḥ→o]
Silberne, gelbliche, bleierne [Nadeln], verbunden, werden mit [rituellen] Handlungen verbunden; auf der Haut des preiswürdigen Rosses mögen die beruhigenden Grenzmarken [?] beruhigen. [Anm.: 'simāḥ' unsicher gedeutet.]
kuvidaṅga yavamanto yavañcidyathā dāntyanupūrvaṃ viyūya ihehaiṣāṃ kṛṇuhi bhojanāni ye barhiṣo nama uktiṃ yajanti
Ob wohl, mein Lieber, die Gerstenreichen, wie sie die Gerste selbst der Reihe nach zerteilen - hier und da bereite ihnen die Speisen, die dem Streu die Ehrerbietung als Opferwort erweisen. [Anm.: Syntax unsicher.]
ṛtavasta ṛtuthā parva śamitāro vi śāsatu saṃvatsarasya tejasā śamībhiḥ śamyantu tvā
Die Jahreszeiten mögen dich, den Zeiten gemäß, an den Gelenken zerlegen, die Schlachtpriester; durch die Glut des Jahres, mit den Ritualwerken mögen sie dich beruhigen.
Wort für Wort
ṛtavasta
ṛtavaḥ 'die Jahreszeiten' (Nom.Pl.) + te 'dich' (Akk., enklit.) [Sandhi]
daivyā adhvaryavastvā cchyantu vi ca śāsatu gātrāṇi parvaśaste simāḥ kṛṇvantu śamyantīḥ
Die göttlichen Adhvaryu mögen dich zerschneiden und deine Glieder zerteilen, Gelenk für Gelenk; die beruhigenden Grenzmarken mögen dich dabei beruhigen.
Ich frage dich zur Wahrnehmung, du Freund der Götter, ob du hierher mit dem Geist gelangt bist: in welchen drei Schritten Viṣṇu sich niedergelassen hat, in denen das ganze All eingegangen ist.
api teṣu triṣu padeṣvasmi yeṣu viśvaṃ bhuvanamā viveśa sadyaḥ paryemi pṛthivīmuta dyāmekenāṅgena divo asya pṛṣṭham
Ich bin auch in jenen drei Schritten, in denen das ganze All eingegangen ist; sogleich umkreise ich die Erde und den Himmel, mit einem einzigen Glied den Rücken dieses Himmels.
In welche [Dinge] ist der Mensch (puruṣa) eingegangen? Welche [Dinge] sind im Menschen niedergelegt? Dies, o Brahmane, fragen wir dich; was wirst du uns wohl darauf antworten?
pañcasvantaḥ puruṣa ā viveśa tānyantaḥ puruṣe arpitāni etattvātra pratimanvāno asmi na māyayā bhavasyuttaro mat
In fünf [Dinge] ist der Mensch eingegangen; diese sind im Menschen niedergelegt; darauf sinne ich hier nach; nicht durch Täuschung (māyā) wirst du mir überlegen sein.
kā īmare piśaṅgilā kā īṃ kurupiśaṅgilā ka īmāskandamarṣati ka īṃ panthāṃ vi sarpati
Wer ist wohl fern die Piśaṅgilā? Wer ist die Kurupiśaṅgilā? Wer erreicht wohl [im Sprung] das Aufsteigen? Wer kriecht wohl über den Weg? [Anm.: 'Kurupiśaṅgilā' Rätselwort unsicher.]
ajāre piśaṅgilā śvāvitkurupiśaṅgilā śaśa āskandamarṣatyahiḥ panthāṃ vi sarpati
Die alterlose [?] Piśaṅgilā [ist die Nacht]; das Stachelschwein ist die Kurupiśaṅgilā; der Hase erreicht das Aufsteigen; die Schlange kriecht über den Weg. [Anm.: Auflösung des Rätsels unsicher.]
katyasya viṣṭhāḥ katyakṣarāṇi kati homāsaḥ katidhā samiddhaḥ yajñasya tvā vidathā pṛcchamatra kati hotāra ṛtuśo yajanti
Wie viele sind seine Standorte (viṣṭhā)? Wie viele Silben? Wie viele Opferungen? Auf wie viele Arten ist [das Feuer] entzündet? Nach den Opferordnungen (vidathā) des Opfers frage ich dich hier: wie viele Hotṛ opfern zu rechter Zeit?
Wort für Wort
katyasya
katī 'wie viele' (Nom.Pl.) + asya 'seine' (Gen.) [Sandhi]
ṣaḍasya viṣṭhāḥ śatamakṣarāṇyaśītirhomāḥ samidho ha tisraḥ yajñasya te vidathā pra bravīmi sapta hotāra ṛtuśo yajanti
Sechs sind seine Standorte, hundert Silben, achtzig Opferungen, drei Brennscheite; die Opferordnungen des Opfers verkünde ich dir: sieben Hotṛ opfern zu rechter Zeit.
ko asya veda bhuvanasya nābhiṃ ko dyāvāpṛthivī antarikṣam kaḥ sūryasya veda bṛhato janitraṃ ko veda candramasaṃ yatojāḥ
Wer kennt den Nabel dieser Welt? Wer kennt Himmel und Erde, den Luftraum? Wer kennt die Erzeugung (janitra) der großen Sonne? Wer weiß, woher der Mond geboren ist?
vedāhamasya bhuvanasya nābhiṃ veda dyāvāpṛthivī antarikṣam veda sūryasya bṛhato janitramatho veda candramasaṃ yatojāḥ
Ich kenne den Nabel dieser Welt; ich kenne Himmel und Erde, den Luftraum; ich kenne die Erzeugung der großen Sonne, und ich weiß, woher der Mond geboren ist.
Wort für Wort
vedāhamasya
veda 'ich kenne' (1.Sg.Perf.) + aham 'ich' (Nom.) + asya 'dieser' (Gen.) [Sandhi]
Ich frage dich nach dem äußersten Ende der Erde; ich frage, wo der Nabel dieser Welt ist; ich frage dich nach dem Samen des bullengleichen Rosses; ich frage nach dem höchsten Weltraum (vyoman) der Rede.
Dieser Opferaltar (vedi) ist das äußerste Ende der Erde; dieses Opfer ist der Nabel dieser Welt; dieser Soma ist der Same des bullengleichen Rosses; dieses Gebet (brahman) ist der höchste Weltraum der Rede.
prajāpate na tvadetānyanyo viśvā rūpāṇi pari tā babhūva yatkāmāste juhumastanno astu vayaṃ syāma patayo rayīṇām
O Prajāpati, kein anderer als du hat alle diese Gestalten umfasst; um was wir dich bittend geopfert haben, das werde uns zuteil; wir möchten Herren der Reichtümer sein.