yas tiṣṭhati carati yaś ca vañcati yo nilāyaṃ carati yaḥ prataṅkam dvau saṃniṣadya yan mantrayete rājā tad veda varuṇas tṛtīyaḥ
Wer steht, wer geht, und wer sich verstohlen fortstiehlt, wer sich ins Versteck begibt, wer in den Hinterhalt – wenn zwei sich zusammensetzen und beraten, weiß es König Varuṇa als Dritter.
Und diese Erde gehört König Varuṇa, und jener erhabene Himmel, dessen Enden fern sind; und die beiden Meere sind Varuṇas Flanken; und doch weilt er auch in diesem winzigen Tropfen Wasser verborgen.
Wort für Wort
uteyaṃ
uta 'und' + iyam 'diese' → und diese (Adv.+Nom.Sg.)
bhūmir
Erde (Nom.Sg.)
varuṇasya
Varuṇas (Gen.Sg.)
rājña
König (Gen.Sg.)
utāsau
uta 'und' + asau 'jener' → und jener (Adv.)
dyaur
Himmel (Nom.Sg.)
bṛhatī
erhabene (Nom.Sg.)
dūreantā
dūre 'fern' + antā 'Enden' → dessen Enden fern sind (Nom.Sg.)
uto
und (Adv.)
samudrau
die beiden Meere (Nom.Du.)
varuṇasya
Varuṇas (Gen.Sg.)
kukṣī
Flanken (Nom.Du.)
utāsminn
uta 'und' + asmin 'in diesem' → und in diesem (Adv.)
uta yo dyām atisarpāt parastān na sa mucyātai varuṇasya rājñaḥ diva spaśaḥ pra carantīdam asya sahasrākṣā ati paśyanti bhūmim
Und wer über den Himmel hinaus davonkröche, ferner noch – der entginge König Varuṇa nicht; seine Späher schweifen vom Himmel herab, mit tausend Augen überblicken sie diese Erde.
Wort für Wort
uta
und
yo
wer (Nom.Sg.)
dyām
über den Himmel (Akk.Sg.)
atisarpāt
hinaus davonkröche (3.Sg.Opt.)
parastān
noch ferner (Adv.)
na
nicht
sa
der (Nom.Sg.)
mucyātai
entginge (3.Sg.Opt.Pass.)
varuṇasya
Varuṇas (Gen.Sg.)
rājñaḥ
des Königs (Gen.Sg.)
diva
vom Himmel (Abl.Sg.)
spaśaḥ
Späher (Nom.Pl.)
pra
hervor (Verbalpräfix)
carantīdam
caranti 'sie schweifen' + idam 'dieses' → sie schweifen, dieses (3.Pl.Präs.+Akk.)
asya
sein (Gen.Sg.)
sahasrākṣā
sahasra 'tausend' + akṣā 'Augen' → mit tausend Augen (Nom.Pl.)
sarvaṃ tad rājā varuṇo vi caṣṭe yad antarā rodasī yat parastāt saṃkhyātā asya nimiṣo janānām akṣān iva śvaghnī ni minoti tāni
Das alles überschaut König Varuṇa, was zwischen den beiden Welthälften ist, was darüber hinaus; gezählt sind von ihm die Augenblicke der Menschen; wie ein Würfelspieler seine Würfe, so rechnet er sie zusammen.
ye te pāśā varuṇa saptasapta tredhā tiṣṭhanti viṣitā ruṣantaḥ chinantu sarve anṛtaṃ vadantaṃ yaḥ satyavādy ati taṃ sṛjantu
Deine Fesseln, o Varuṇa, siebenmal sieben, stehen dreifach gespannt, glänzend; sie mögen jeden binden [Anm.: wörtl. 'zerschneiden/fangen' (chinantu) – hier wohl im Sinn von 'ergreifen, fesseln'], der Unwahres redet; wer die Wahrheit spricht, den lassen sie durch.
Wort für Wort
ye
die (Nom.Pl.)
te
deine (Gen.Sg.)
pāśā
Fesseln (Nom.Pl.)
varuṇa
o Varuṇa (Vok.Sg.)
saptasapta
sapta 'sieben' + sapta 'sieben' (Reduplikation) → siebenmal sieben
tredhā
dreifach (Adv.)
tiṣṭhanti
stehen (3.Pl.Präs.)
viṣitā
gespannt (Nom.Pl.)
ruṣantaḥ
glänzend (Nom.Pl.Ptz.)
chinantu
sie mögen fangen/binden (3.Pl.Impv.)
sarve
jeden (Akk.Pl.)
anṛtaṃ
Unwahres (Akk.Sg.)
vadantaṃ
redend (Akk.Sg.Ptz.)
yaḥ
wer (Nom.Sg.)
satyavādy
satya 'wahrhaftig' + vādī 'Sprecher' → der die Wahrheit spricht (Nom.Sg.)
śatena pāśair abhi dhehi varuṇainaṃ mā te mocy anṛtavāṅ nṛcakṣaḥ āstāṃ jālma udaraṃ śraṃśayitvā kośa ivābandhaḥ parikṛtyamānaḥ
Mit hundert Fesseln umschlinge ihn, o Varuṇa; nicht entkomme dir der Lügner, du Menschenüberwacher; es sitze der Elende da, den Leib zusammengesunken, umschnürt wie ein Korb, der ringsum umflochten wird.
Wort für Wort
śatena
mit hundert (Instr.Sg.)
pāśair
Fesseln (Instr.Pl.)
abhi
um (Verbalpräfix)
dhehi
umschlinge (2.Sg.Impv.)
varuṇainaṃ
varuṇa 'o Varuṇa' + enam 'ihn' → o Varuṇa, ihn (Vok.+Akk.)
mā
nicht (Prohibitiv)
te
dir (Dat.Sg.)
mocy
entkomme (3.Sg.Aor.Inj.Pass.)
anṛtavāṅ
an 'nicht' + ṛta 'Wahrheit' + vāk 'redend' → der Lügner (wörtl. 'der Unwahrheit Redende') (Nom.Sg.)
nṛcakṣaḥ
nṛ 'Menschen' + cakṣaḥ 'Überwacher/Auge' → du Menschenüberwacher (Vok.Sg.)
āstāṃ
es sitze (3.Sg.Impv.Med.)
jālma
der Elende (Nom.Sg.)
udaraṃ
den Leib (Akk.Sg.)
śraṃśayitvā
zusammengesunken (Absolutiv)
kośa
Korb (Nom.Sg.)
ivābandhaḥ
iva 'wie' + abandhaḥ 'umschnürt' → wie umschnürt (Nom.Sg.)
yaḥ samābhyo varuṇo yo vyābhyo yaḥ saṃdeśyo varuṇo yo videśyo yo daivo varuṇo yaś ca mānuṣaḥ
Varuṇa, der den Nahen gehört, und der den Fernen gehört; Varuṇa, der dem eigenen Land gehört, und der dem fremden Land gehört; der göttliche Varuṇa und der menschliche.