Quellen der Menschheit

Atharvaveda-Saṃhitā · Kāṇḍa 4

Sūkta 21

ā gāvo agmann uta bhadram akrant sīdantu goṣṭhe raṇayantv asme prajāvatīḥ pururūpā iha syur indrāya pūrvīr uṣaso duhānāḥ

Die Kühe sind gekommen und haben Glück gebracht; im Stall sollen sie sich niederlassen und sich bei uns wohlfühlen. Reich an Nachwuchs, vielgestaltig sollen sie hier sein, die vielen, die für Indra Morgen für Morgen gemolken werden.

Wort für Wort
ā
herbei (Verbalpräfix)
gāvo
die Kühe (Nom.Pl.)
agmann
sind gekommen (3.Pl.Aor.)
uta
und
bhadram
Glück (Akk.Sg.)
akrant
haben gebracht (3.Pl.Aor.)
sīdantu
sie sollen sich niederlassen (3.Pl.Impv.)
goṣṭhe
im Stall (Lok.Sg.)
raṇayantv
sie sollen sich wohlfühlen (3.Pl.Impv.)
asme
bei uns (Lok.Pl.)
prajāvatīḥ
prajā 'Nachwuchs' + vatīḥ 'reich an' → reich an Nachwuchs (Nom.Pl.)
pururūpā
puru 'viel' + rūpāḥ 'gestaltig' → vielgestaltig (Nom.Pl.)
iha
hier
syur
sollen sie sein (3.Pl.Opt.)
indrāya
für Indra (Dat.Sg.)
pūrvīr
die vielen (Nom.Pl.)
uṣaso
Morgen für Morgen (Akk.Pl.)
duhānāḥ
gemolken (Nom.Pl.Ptz.)

indro yajvane gṛṇate ca śikṣata uped dadāti na svaṃ muṣāyati bhūyobhūyo rayim id asya vardhayann abhinne khilye ni dadhāti devayum

Indra steht dem Opfernden und dem Lobsänger bei; er gibt hinzu, er stiehlt nicht das Eigene; immer mehr mehrt er dessen Reichtum und setzt den Gottergebenen auf ungeteiltem Weideland ein.

Wort für Wort
indro
Indra (Nom.Sg.)
yajvane
dem Opfernden (Dat.Sg.)
gṛṇate
dem Lobsänger (Dat.Sg.)
ca
und
śikṣata
steht bei (3.Sg.Präs.Med.)
uped
hinzu (Partikel)
dadāti
er gibt (3.Sg.Präs.)
na
nicht
svaṃ
das Eigene (Akk.Sg.)
muṣāyati
stiehlt (3.Sg.Präs.)
bhūyobhūyo
bhūyaḥ 'mehr' + bhūyaḥ 'mehr' (Reduplikation) → immer mehr
rayim
Reichtum (Akk.Sg.)
id
fürwahr (Partikel)
asya
dessen (Gen.Sg.)
vardhayann
mehrend (Nom.Sg.Ptz.)
abhinne
auf ungeteiltem (Lok.Sg.)
khilye
Weideland (Lok.Sg.)
ni
ein- (Verbalpräfix)
dadhāti
setzt ein (3.Sg.Präs.)
devayum
den Gottergebenen (Akk.Sg.)

na tā naśanti na dabhāti taskaro nāsām āmitro vyathir ā dadharṣati devāṃś ca yābhir yajate dadāti ca jyog it tābhiḥ sacate gopatiḥ saha

Diese Kühe gehen nicht verloren, kein Dieb schädigt sie, kein feindlicher Unglücksbringer bedrängt sie; mit ihnen opfert er den Göttern und gibt Gaben – lange bleibt der Herr der Kühe mit ihnen zusammen.

Wort für Wort
na
nicht
tā
diese (Nom.Pl.)
naśanti
gehen verloren (3.Pl.Präs.)
na
nicht
dabhāti
schädigt (3.Sg.Präs.)
taskaro
Dieb (Nom.Sg.)
nāsām
na 'nicht' + āsām 'diese' → nicht diese (Gen.Pl.)
āmitro
der feindliche Unglücksbringer (Nom.Sg.)
vyathir
Unglücksbringer (Nom.Sg.)
ā
heran (Verbalpräfix)
dadharṣati
bedrängt (3.Sg.Präs.)
devāṃś
den Göttern (Akk.Pl.)
ca
und
yābhir
mit denen (Instr.Pl.)
yajate
er opfert (3.Sg.Präs.Med.)
dadāti
er gibt (3.Sg.Präs.)
ca
und
jyog
lange (Adv.)
it
fürwahr (Partikel)
tābhiḥ
mit ihnen (Instr.Pl.)
sacate
bleibt zusammen (3.Sg.Präs.Med.)
gopatiḥ
der Herr der Kühe (Nom.Sg.)
saha
mit (Präp.)

na tā arvā reṇukakāṭo 'śnute na saṃskṛtatram upa yanti tā abhi urugāyam abhayaṃ tasya tā anu gāvo martasya vi caranti yajvanaḥ

Kein staubaufwirbelndes Ross erreicht sie [Anm.: „reṇukakāṭaḥ" unsicher, evtl. Bild für einen Verfolger], sie geraten nicht in die Falle [Anm.: „saṃskṛtatram" unsicher, auch als „Opfer-/Schlachtstätte" gedeutet] – dem Weitschreitenden gehört ihre Sicherheit; ihm, dem opfernden Sterblichen, folgend weiden die Kühe ringsum.

Wort für Wort
na
nicht
tā
diese (Akk.Pl.)
arvā
Ross (Nom.Sg.)
reṇukakāṭo
reṇu 'Staub' + kāṭaḥ '(aufwirbelnd)' → staubaufwirbelnd [?] (Nom.Sg.)
'śnute
erreicht (3.Sg.Präs.Med.)
na
nicht
saṃskṛtatram
in die Falle [?] (Akk.Sg.)
upa
hinein (Verbalpräfix)
yanti
geraten (3.Pl.Präs.)
tā
diese (Nom.Pl.)
abhi
zu (Präp.)
urugāyam
dem Weitschreitenden (Akk.Sg.)
abhayaṃ
Sicherheit (Nom.Sg.)
tasya
dessen (Gen.Sg.)
tā
diese (Nom.Pl.)
anu
folgend (Adv.)
gāvo
Kühe (Nom.Pl.)
martasya
des Sterblichen (Gen.Sg.)
vi
ringsum (Verbalpräfix)
caranti
weiden (3.Pl.Präs.)
yajvanaḥ
des Opfernden (Gen.Sg.)

gāvo bhago gāva indro ma ichād gāva somasya prathamasya bhakṣaḥ imā yā gāvaḥ sa janāsa indra ichāmi hṛdā manasā cid indram

Kühe sind Glück (Bhaga), Kühe sind für mich Indra, wonach ich verlange; Kühe sind der erste Trank des Soma. Diese Kühe hier, ihr Leute, sind Indra – mit Herz und Sinn begehre ich Indra.

Wort für Wort
gāvo
Kühe (Nom.Pl.)
bhago
Glück/Bhaga (Nom.Sg.)
gāva
Kühe (Nom.Pl.)
indro
Indra (Nom.Sg.)
ma
für mich (Dat.Sg.)
ichād
wonach ich verlange
gāva
Kühe (Nom.Pl.)
somasya
des Soma (Gen.Sg.)
prathamasya
des ersten (Gen.Sg.)
bhakṣaḥ
Trank (Nom.Sg.)
imā
diese (Nom.Pl.)
yā
die (Nom.Pl.)
gāvaḥ
Kühe (Nom.Pl.)
sa
das (Nom.Sg.)
janāsa
o Leute (Vok.Pl.)
indra
Indra (Nom.Sg.)
ichāmi
ich begehre (1.Sg.Präs.)
hṛdā
mit Herz (Instr.Sg.)
manasā
mit Sinn (Instr.Sg.)
cid
fürwahr (Partikel)
indram
Indra (Akk.Sg.)

yūyaṃ gāvo medayatha kṛśaṃ cid aśrīraṃ cit kṛṇuthā supratīkam bhadraṃ gṛhaṃ kṛṇutha bhadravāco bṛhad vo vaya ucyate sabhāsu

Ihr Kühe macht selbst den Mageren fett, den Unansehnlichen macht ihr wohlgestaltet; ein gutes Haus schafft ihr, ihr mit der guten Stimme – groß wird euer Ansehen in den Versammlungen genannt.

Wort für Wort
yūyaṃ
ihr (Nom.Pl.)
gāvo
Kühe (Vok.Pl.)
medayatha
macht fett (2.Pl.Präs.)
kṛśaṃ
den Mageren (Akk.Sg.)
cid
selbst (Partikel)
aśrīraṃ
den Unansehnlichen (Akk.Sg.)
cit
selbst (Partikel)
kṛṇuthā
macht (2.Pl.Präs.)
supratīkam
wohlgestaltet (Akk.Sg.)
bhadraṃ
gutes (Akk.Sg.)
gṛhaṃ
Haus (Akk.Sg.)
kṛṇutha
schafft (2.Pl.Präs.)
bhadravāco
bhadra 'gut' + vācaḥ 'Stimme' → mit der guten Stimme (Vok.Pl.)
bṛhad
groß (Nom.Sg.)
vo
euer (Gen.Pl.)
vaya
Ansehen (Nom.Sg.)
ucyate
wird genannt (3.Sg.Präs.Pass.)
sabhāsu
in den Versammlungen (Lok.Pl.)

prajāvatīḥ sūyavase ruśantīḥ śuddhā apaḥ suprapāṇe pibantīḥ mā va stena īśata māghaśaṃsaḥ pari vo rudrasya hetir vṛṇaktu

Reich an Nachwuchs, weiß glänzend auf guter Weide, reines Wasser trinkend an guter Tränke – nicht soll der Dieb über euch Macht haben, noch der Übelwünschende; Rudras Geschoss möge euch verschonen.

Wort für Wort
prajāvatīḥ
reich an Nachwuchs (Nom.Pl.)
sūyavase
auf guter Weide (Lok.Sg.)
ruśantīḥ
weiß glänzend (Nom.Pl.Ptz.)
śuddhā
reines (Akk.Sg.)
apaḥ
Wasser (Akk.Sg.)
suprapāṇe
su 'gut' + prapāṇe 'an der Tränke' → an guter Tränke (Lok.Sg.)
pibantīḥ
trinkend (Nom.Pl.Ptz.)
mā
nicht (Prohibitiv)
va
über euch (Akk.Pl.)
stena
der Dieb (Nom.Sg.)
īśata
soll Macht haben (3.Sg.Impv.Med.)
māghaśaṃsaḥ
mā 'nicht' + agha 'Übel' + śaṃsaḥ 'wünschend' → noch der Übelwünschende (Nom.Sg.)
pari
ringsum (Verbalpräfix)
vo
euch (Akk.Pl.)
rudrasya
Rudras (Gen.Sg.)
hetir
Geschoss (Nom.Sg.)
vṛṇaktu
möge verschonen (3.Sg.Impv.)

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