Quellen der Menschheit

Suśruta-Saṃhitā · Sutrasthana

Adhyāya 11: kṣārapākavighir Die Zubereitung des Ätzmittels (Kṣāra)

Das elfte Kapitel, „Über die Zubereitung des Ätzmittels“ (*kṣārapāka*), widmet sich dem *kṣāra* (dem alkalischen Ätzmittel), das als wirksamer noch als Messer und Instrument gilt, weil es die drei *doṣa* zugleich zerstört. Unterschieden werden ein äußerlich aufzutragendes (*pratisāraṇīya*) und ein innerlich einzunehmendes (*pānīya*) Ätzmittel sowie drei Stärkegrade – mild, mittel, scharf –, deren aufwendige Herstellung aus der Asche verbrannter Pflanzen wie Kuṭaja, Palāśa, Āragvadha und Snuhī, mehrfacher Durchseihung mit Urin und Einkochen mit Zusätzen wie Dantī und Vacā detailliert beschrieben wird. Angegeben werden Indikationen – Hautkrankheiten, Hämorrhoiden, Blasensteine – und strikte Kontraindikationen, etwa bei Schwangeren, Kindern oder an lebenswichtigen Punkten (*marman*), sowie die Zeichen richtiger, zu schwacher und zu starker Verätzung. Ein Schlussvers warnt: falsch angewandt gleicht das Ätzmittel dem Gift, richtig eingesetzt vernichtet es rasch selbst schwere Krankheiten.

Indikationen des Ätzmittels (Kṣāra) (Vers 7–8)
AnwendungsartIndikationen (Auswahl)
Pratisāraṇīya (äußerlich)Hautkrankheiten (kuṣṭha, kiṭibha, dadru, maṇḍala, kilāsa), Fisteln (bhagandara), Tumoren, Hämorrhoiden, bösartige Wunden, Hautwarzen, Muttermale, Sommersprossen, äußere Abszesse, die sieben Mundkrankheiten, die drei Rohiṇī-Halskrankheiten
Pānīya (innerlich)Vergiftung, Gulma, Bauchwassersucht, Verdauungsschwäche, Appetitlosigkeit, Blähung, Harngrieß, Blasensteine, innere Abszesse, Hämorrhoiden
Kontraindiziert ist das Ätzmittel u.a. bei raktapitta, Fieberkranken, Kindern, Alten, Schwangeren sowie an lebenswichtigen Punkten (marman), Venen, Sehnen und Gelenken (Vers 9, 28–29).

athātaḥ kṣārapākavidhimadhyāyaṃ vyākhyāsyāmaḥ

Nun wollen wir das Kapitel über die Zubereitung des Ätzmittels (*kṣāra*) erklären.

yathovāca bhagavān dhanvantariḥ

So sprach der erhabene Dhanvantari.

śastrānuśastrebhyaḥ kṣāraḥ pradhānatamaḥ chedyabhedyalekhyakaraṇāttridoṣaghnatvādviśeṣakriyāvacāraṇācca

Von den scharfen und den Ersatzinstrumenten ist das Ätzmittel das vorzüglichste, weil es die Verrichtungen des Schneidens, Einschneidens und Schabens ausführt, weil es die drei *doṣa* zerstört und weil es besondere Wirkungen entfaltet.

tatra kṣaraṇāt kṣaṇanādvā kṣāraḥ

Es heißt *kṣāra*, weil es zerfließt (*kṣaraṇa*) oder weil es zerstört (*kṣaṇana*).

nānauṣadhisamavāyāttridoṣaghnaḥ śuklatvāt saumyaḥ tasya saumyasyāpi sato da-hanapacanadāraṇādiśaktiraviruddhā āgneyauṣadhiguṇabhūyiṣṭhatvāt kaṭuka uṣṇa-stīkṣṇaḥ pācanao vilayanaḥ śodhano ropaṇaḥ śoṣaṇaḥ stambhano lekhanaḥ kṛmyāmakaphakuṣṭhaviṣamedasāmupahantāpuṃstvasya cātisevitaḥ

Da es aus dem Zusammenwirken verschiedener Heilpflanzen entsteht, zerstört es die drei *doṣa*; da es weiß ist, ist es von *saumya*-Natur (mondhaft, kühlend). Doch obwohl es *saumya* ist, besitzt es zugleich, ohne Widerspruch, die Kraft zu verbrennen, zu verdauen und zu spalten, da es überwiegend die Eigenschaften feuerhafter Heilmittel in sich trägt: Es ist scharf, heiß, durchdringend, verdauungsfördernd, auflösend, reinigend, wundheilend, austrocknend, stopfend und schabend; es tilgt Würmer, unreifen *kapha*, Hautkrankheiten (*kuṣṭha*), unregelmäßiges Fieber und Fettleibigkeit; übermäßig angewandt aber schädigt es die Zeugungskraft des Mannes.

sa dvividhaḥ pratisāraṇīyaḥ pānīyaśca

Es gibt zwei Arten davon: das äußerlich aufzutragende (*pratisāraṇīya*) und das innerlich einzunehmende (*pānīya*).

tatra pratisāraṇīyaḥ kuṣṭhakiṭibhadadrumaṇḍalakilāsabhagandarārbudārśoduṣṭa vraṇa-nāḍīcarmakīlatilakālakanyacchavyaṅgamaśakabāhyavidra dhikṛmiviṣādiṣūpadi-śyate saptasu ca mukharogeṣūpajihvādhijihvopakuśadanta vaidarbheṣu tisṛṣu ca rohi-ṇīṣu eteṣvevānuśastrapraṇidhānamuktam

Das äußerlich aufzutragende wird angewendet bei Hautkrankheiten (*kuṣṭha*), *kiṭibha*, *dadru*, *maṇḍala*, *kilāsa*, Fisteln (*bhagandara*), Tumoren, Hämorrhoiden, bösartigen Wunden, Fistelgängen, Hautwarzen, Muttermalen, dunklen Flecken, Sommersprossen, Mückenstichmalen, äußeren Abszessen, pathogenen Mikroorganismen und Vergiftungen und dergleichen, ferner bei den sieben Mundkrankheiten *upajihvā*, *adhijihvā*, *upakuśa* und den drei Arten von *danta vaidarbha* sowie bei den drei *rohiṇī*-Halskrankheiten. Gerade bei diesen wurde auch der Einsatz der Ersatzinstrumente erwähnt.

pānīyastu garagulmodarāgnisaṅgājīrṇārocakānāhaśarkarāśmaryābhyantaravidra dhikṛmiviṣārśaḥsūpayujyate

Das innerlich einzunehmende wird angewendet bei Vergiftung, *gulma*, Bauchwassersucht, Störung des Verdauungsfeuers, schlechter Verdauung, Appetitlosigkeit, Blähung, Harngrieß, Blasensteinen, inneren Abszessen, pathogenen Mikroorganismen und bei Hämorrhoiden.

ahitastu raktapittajvaritapittaprakṛtibālavṛddhadurbalabhra mamadamūrcchātimiraparītebhyo'nyebhyaścaivaṃvidhebhyaḥ

Ungeeignet ist es hingegen bei *raktapitta*, bei Fieberkranken, bei Menschen von *pitta*-Konstitution, bei Kindern, Alten, Schwachen sowie bei Schwindel, Trunkenheit, Ohnmacht, Augenflimmern und ähnlich Betroffenen.

taṃ cetarakṣāravaddagdhvā parisrāvayet tasya vistaro'nyatra

Dieses innerlich einzunehmende Ätzmittel bereitet man wie das andere durch Kochen und lässt es abtropfen; seine ausführliche Beschreibung folgt an anderer Stelle.

athetarastrividho mṛdurmadhyastīkṣṇaśca taṃ cikīrṣuḥ śaradi girisānujaṃ śuci-rupoṣya praśaste'hani praśastadeśajātamanupahataṃ madhyamavayasaṃ mahāntamasitamu-ṣkakamadhivāsyāparedyuḥ pāṭayitvā khaṇḍaśaḥ prakalpyāvapāṭya nivāte deśe nicitiṃ kṛtvā sudhāśarkarāśca prakṣipya tilanālairādīpayet athopaśānte'gnau tadbhasma pṛthaggṛhṇīyādbhasmaśarkarāśca athānenaivavidhānena kuṭajapalāśāśva ka-rṇapāribhadra kabibhītakāragvadhatilvakārkasnuhya pāmārgapāṭalānakta mālavṛṣa-kadalīcitrakapūtīkendra vṛkṣāsphotāśvamāraka saptacchadāgnimanthaguñjāścatasraśca kośātakīḥ samūlaphalapatraśākhā dahet tataḥ kṣāradro ṇamudakadro ṇaiḥ ṣaḍbhirā-loḍya mūtrairvā yathoktairekaviṃśatikṛtvaḥ parisrāvya mahati kaṭāhe śanairdarvyā-'vaghaṭṭayan vipacet sa yadā bhavatyaccho raktastīkṣṇaḥ picchilaśca tamādāya mahati vastre parisrāvyetaraṃ vibhajya punaragnāvadhiśrayet tata eva kṣārodakāt kuḍavamadhyardhaṃvā'panayet tataḥ kaṭaśarkarābhasmaśarkarākṣīrapāka śaṅkhanābhīra-gnivarṇāḥ kṛtvā'yase pātre tasminneva kṣārodake niṣicya piṣṭvā tenaiva dvidro -ṇe'ṣṭapalasaṃmitaṃ śaṅkhanābhyādīnāṃ pramāṇaṃ prativāpya satatamapramattaścainamavaghaṭṭa-yan vipacet sa yathā nātisāndro nātidra vaśca bhavati tathā prayateta athaina-māgatapākamavatāryānu guptamāyase kumbhe saṃvṛtamukhe nidadhyādeṣa madhyamaḥ

Das andere, äußerliche Ätzmittel ist dreifach: mild, mittel und scharf. Wer es bereiten will, soll im Herbst reines, an einem Berghang gewachsenes Pflanzenmaterial nach vorbereitender Fastenzeit an einem günstigen Tag sammeln; er nehme einen großen, dunklen, unverletzten Strauch mittleren Alters aus günstiger Gegend, besprenge ihn am Vortag, spalte ihn am folgenden Tag in Stücke, richte sie her, schichte sie an einem windgeschützten Ort auf, gebe Muschelkalk und Salzstücke hinzu und entzünde das Ganze mit Sesamstängeln. Wenn das Feuer erloschen ist, sammle man die Asche gesondert von den Salzstücken. Nach demselben Verfahren verbrenne man auch, mit Wurzel, Frucht, Blatt und Zweig, Kuṭaja, Palāśa, Aśvakarṇa, Pāribhadraka, Bibhītaka, Āragvadha, Tilvaka, Arka, Snuhī, Pāmārga, Pāṭalā, Naktamāla, Vṛṣaka, Kadalī, Citraka, Pūtīka, Indravṛkṣa, Sphotā, Aśvamāraka, Saptacchada, Agnimantha, Guñjā und die vier Arten von Kośātakī. Dann rühre man die Asche mit sechs Teilen Wasser an, seihe sie mit dem vorgeschriebenen Urin einundzwanzigmal durch und koche sie in einem großen Kessel, indem man sie langsam mit einem Rührlöffel umrührt. Wenn sie klar, rötlich, scharf und schleimig geworden ist, gieße man sie durch ein großes Tuch ab, teile den Rest und setze ihn erneut aufs Feuer; von dieser Ätzlauge nehme man ein Kuḍava bis anderthalb Kuḍava ab. Dann bereite man Muschelkalkstücke, Salzstücke, gekochte Molke, Muschelnabelasche und feuerfarbene Zusätze, gebe sie in ein eisernes Gefäß, gieße dieselbe Ätzlauge darüber, zerreibe sie darin und füge in der Menge von zwei *droṇa* acht *pala* der genannten Zutaten hinzu; unablässig und ohne Nachlässigkeit rühre man dabei um und koche es so, dass es weder zu dickflüssig noch zu dünnflüssig wird. Wenn es die richtige Kochstufe erreicht hat, nehme man es vom Feuer und bewahre es wohlverwahrt in einem verschlossenen eisernen Gefäß auf – dies ist die mittlere Stärke.

eṣa caivāpratīvāpaḥ pakvaḥ saṃvyūhimo mṛduḥ

Diese, ohne weiteren Zusatz gekocht, ist zugleich die milde, gut mischbare Form.

pratīvāpe yathālābhaṃ dantīdra vantīcitrakalāṅgalīpūtikapravālatālapa trīviḍasuvarcikākanakakṣīrīhiṅguvacātiviṣāḥ samāḥślakṣṇacūrṇāḥ śuktipramāṇāḥ pratīvāpaḥ sa eva sapratīvāpaḥ pakvaḥ pākyastīkṣṇaḥ

Als Zusatz (*pratīvāpa*) füge man, soweit erhältlich, Dantī, Dravantī, Citraka, Laṅgalī, Pūtika, Korallenpulver, Tālapatrī, Viḍa-Salz, Suvarcikā-Salz, Kanaka-kṣīrī, Hiṅgu, Vacā und Ativiṣā zu gleichen Teilen als feines Pulver hinzu, in der Menge einer Austernschale; diese mit Zusatz gekochte Lauge ist die scharfe, fertig gekochte Form.

teṣāṃ yathāvyādhibalamupayogaḥ

Ihre Anwendung richtet sich nach Krankheit und Kraft des Kranken.

kṣīṇabale tu kṣārodakamāvapedbalakaraṇārtham

Bei geschwächter Kraft mische man Ätzwasser bei, um die Kraft zu stärken.

bhavataścātra naivātitīkṣṇo na mṛduḥ śuklaḥ ślakṣṇo'thapicchilaḥ aviṣyandī śivaḥ śīghraḥ kṣāro hyaṣṭaguṇaḥ smṛtaḥ

Hierzu heißt es: Weder allzu scharf noch zu mild, weiß, glatt und zugleich schleimig, nicht überschießend, heilsam und schnell wirkend – so wird das Ätzmittel mit acht Eigenschaften beschrieben.

atimārdavaśvaityauṣṇyataikṣṇyapaicchilyasarpitāḥ sāndra tā'pakvatā hīnadra vyatā doṣa ucyate

Übermäßige Weichheit, Kälte, Hitze, Schärfe, Schleimigkeit, Klebrigkeit, Dickflüssigkeit, Unfertigkeit und Mangel an Zutaten – dies gelten als Fehler des Ätzmittels.

tatra kṣārasādhyavyādhivyādhitamupaveśya nivātātapedeśe'sabādhe'gropaharaṇīyo-ktena vidhānenopasaṃbhṛtasaṃbhāraṃ tato'sya tamavakāśaṃ nirīkṣyāvaghṛṣyāvalikhya pracchayitvā śalākayā kṣāraṃ pratisārayet dattvā vākśatamātramupekṣeta

Dabei setze man den Kranken, dessen Krankheit mit Ätzmittel behandelbar ist, an einem windgeschützten, sonnengeschützten, ungestörten Ort, mit dem nach der Vorschrift für die Vorbehandlung bereiteten Zubehör; danach betrachte man die betroffene Stelle, reibe und schabe sie leicht an, decke sie ab und trage mit einem Applikatorstäbchen das Ätzmittel auf; nachdem man es aufgetragen hat, warte man etwa die Dauer von hundert Worten.

tasminnipatite vyādhau kṛṣṇatā dagdhalakṣaṇam tatrāmlavargaḥ śamanaḥ sarpirmadhukasaṃyutaḥ

Wenn dies bei der Krankheit eingetreten ist, ist Schwärzung das Zeichen der Verätzung; dagegen wirkt lindernd eine saure Zubereitung mit Ghee und Süßholz.

atha cet sthiramūlatvāt kṣāradagdhaṃ na śīryate idamālepanaṃ tatra samagramavacārayet

Wenn aber die verätzte Stelle wegen fest sitzender Wurzel sich nicht löst, trage man dort insgesamt folgende Salbe auf:

amlakāñjikabījāni tilān madhukameva ca prapeṣya samabhāgāni tenainamanulepayet

Saure Reiswasser-Körner, Sesamsamen und Süßholz zerstoße man zu gleichen Teilen und salbe damit die Stelle ein.

tilakalkaḥ samadhuko ghṛtākto vraṇaropaṇaḥ rasenāmlena tīkṣṇena vīryoṣṇena ca yojitaḥ

Ein Sesambrei mit Süßholz, mit Ghee bestrichen, fördert die Wundheilung, wenn er mit saurem, scharfem, in der Wirkung heißem Saft verbunden wird.

āgneyenāgninā tulyaḥ kathaṃ kṣāraḥ praśāmyati evaṃ cenmanyase vatsa procyamānaṃ nibodha me

'Wie kann das Ätzmittel, das dem Feuer, dem feurigen Element, gleicht, so besänftigt werden?' – Wenn du, mein Sohn, so denkst, so höre, was ich dir jetzt erkläre.

amlavarjān rasān kṣāre sarvāneva vibhāvayet kaṭukastatra bhūyiṣṭho lavaṇo'nurasastathā amlena saha saṃyuktaḥ sa tīkṣṇalavaṇo rase

Man betrachte alle Geschmacksrichtungen im Ätzmittel außer dem sauren: darin überwiegt der scharfe Geschmack, mit salzig als Nebengeschmack; verbindet sich dieser mit dem sauren, so wird aus dem scharf-salzigen Geschmack –

mādhuryaṃ bhajate'tyarthaṃ tīkṣṇabhāvaṃ vimuñcati mādhuryācchamamāpnoti vahniradbhirivāplutaḥ

– ein überaus süßer, und die Schärfe weicht; durch die Süße kommt es zur Beruhigung, wie Feuer, das mit Wasser übergossen wird.

tatra samyagdagdhe vikāropaśamo lāghavamanāsrāvaśca hīnadagdhe todakaṇḍujāḍyāni vyādhivṛddhiśca atidagdhe dāhapākarāgasrāvāṅgamardaklama pipāsāmūrcchāḥ syurmaraṇaṃ vā

Bei richtiger Verätzung tritt Rückgang der Krankheit, Leichtigkeit und kein Ausfluss ein; bei zu schwacher Verätzung Stechen, Jucken und Erstarrung sowie ein Fortschreiten der Krankheit; bei zu starker Verätzung Brennen, Eiterung, Rötung, Ausfluss, Gliederschmerz, Erschöpfung, Durst, Ohnmacht oder gar der Tod.

kṣāradagdhavraṇaṃ tu yathādoṣaṃ yathāvyādhi copakramet

Eine durch Ätzmittel verursachte Wunde behandle man entsprechend dem *doṣa* und der Krankheit.

atha naite kṣārakṛtyāḥ tadyathā durbalabālasthavirabhīrusarvāṅgaśūnodariraktapitti-garbhiṇyṛtumatīpravṛddhajvaripramehirūkṣakṣatakṣīṇatṛṣṇā mūrcchopadrutaklībāpavṛttodvṛttaphalayonayaḥ

Nun das, wobei das Ätzmittel nicht anzuwenden ist: bei Schwachen, Kindern, Alten, Ängstlichen, bei allgemeiner Körperschwellung, bei Bauchwassersucht, bei *raktapitta*, bei Schwangeren, bei Menstruierenden, bei fortgeschrittenem Fieber, bei Harnkrankheiten, bei durch Trockenheit Geschwächten, bei durch Verletzung Erschöpften, bei Durst und Ohnmacht Betroffenen, bei Impotenten sowie bei Vorfall oder Umstülpung der weiblichen Geschlechtsorgane.

tathā marmasirāsnāyusandhitaruṇāsthisevanīdhamanīgalanābhinakhāntaḥ śephaḥ srotaḥ svalpamāṃseṣu ca deśeṣvakṣṇośca na dadyādanyatra vartmarogāt

Ebenso wende man es nicht an an lebenswichtigen Punkten (*marman*), Venen, Sehnen, Gelenken, Knorpelknochen, Nähten, großen Blutgefäßen, am Hals, am Nabel, an den Nagelenden, am Glied, an Körperöffnungen und an fleischarmen Körperstellen sowie am Auge – außer bei Lidkrankheiten.

tatra kṣārasādhyeṣvapi vyādhiṣu śūnagātramasthiśūlinamannadveṣiṇaṃ hṛdayasandhipī-ḍopadrutaṃ ca kṣāro na sādhayati durbalabālasthavirādīn pratisāraṇīya iti

Auch bei Krankheiten, die an sich mit Ätzmittel behandelbar wären, heilt das Ätzmittel nicht bei einem Kranken mit geschwollenem Körper, mit Knochenschmerzen, mit Appetitlosigkeit oder mit Beschwerden an Herz und Gelenken; bei Schwachen, Kindern, Alten und dergleichen setze man es nur äußerlich auftragend ein.

bhavati cātra viṣāgniśastrāśanimṛtyukalpaḥ kṣāro bhavatyalpamatiprayuktaḥ sa dhīmatā samyaganuprayukto rogānnihanyādacireṇa ghorān

Hierzu heißt es: Falsch angewandt gleicht das Ätzmittel Gift, Feuer, dem Messer und dem Blitz des Todes. Richtig hingegen, von einem klugen Arzt sachgemäß eingesetzt, vernichtet es rasch selbst schreckliche Krankheiten.

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