Adhyāya 45: dra vadra vyavijñānīyo
Wasser, Milch und andere Flüssigkeiten
Das mit 229 Versen bei weitem umfangreichste Kapitel des vorliegenden Abschnitts, die „Erkenntnis der flüssigen Substanzen“ (dravadravya), bietet eine vollständige Materia medica aller Flüssigkeiten der klassischen Diätetik: Ausführlich werden Regen-, Fluss-, Brunnen- und Zisternenwasser nach Herkunft, Reinheitskriterien und Klärmethoden behandelt, gefolgt von den Milcharten sieben verschiedener Tiere samt Frauenmilch, von Dickmilch (dadhi), Buttermilch (takra), Ghee – vom frischen bis zum hundertzehn Jahre gelagerten „Mahāghṛta“ – und zahlreichen pflanzlichen Ölen mit Sesamöl als vornehmstem. Es folgen acht Honigsorten, die verschiedenen Zuckerrohrprodukte von Guḍa bis Śarkarā, ein breiter Abschnitt über alkoholische Getränke (madya) von Traubenwein über Surā bis zum medizinischen Ariṣṭa samt Anzeichen verdorbenen Weins und seiner Doṣa-spezifischen Wirkung, sowie abschließend die Urine von acht Tierarten als Heilmittel. Das Kapitel bildet damit ein enzyklopädisches Kompendium der flüssigen Ernährungs- und Arzneimittel des Āyurveda.
MILCHARTEN DER TIERE (Vers 47–59)
Tier
Eigenschaften
Kuh
wenig verschleimend, ölig, schwer, lebensverlängernd; besonders bei raktapitta, kühl-süß, gegen vāta und pitta
Ziege
wie Kuhmilch, besonders bei Auszehrung; verdauungsfördernd, leicht, zusammenziehend; gegen Atemnot, Husten, pitta-Blutungen
Stute
leicht trocken, warm, leicht salzig, süß, leicht; gegen Schwellungen, Gulma, Bauchwassersucht, Hämorrhoiden, Hautkrankheiten, Gift
Schaf
süß, ölig, schwer; vermehrt pitta und kapha; bei reinen vāta-Störungen und windbedingtem Husten
Büffel
stark verschleimend, süß, schwächt das Verdauungsfeuer, macht schläfrig, kühler und öliger als Kuhmilch, schwer
Pferd (Einhufer)
warm, kräftigend, gegen Windstörungen in den Gliedern; süß-sauer, trocken, salzig im Nachgeschmack, leicht
Frau
süß, herb im Nachgeschmack, kühl; für Nasenanwendung und Eintropfen geeignet, lebenspendend, leicht, verdauungsfördernd
Elefantenkuh
süß, aphrodisisch, herb im Nachgeschmack, schwer, ölig, festigend, kühl, augenzuträglich, kraftmehrend
Regenwasser (das Wasser des Luftraums, āntarīkṣa) ist von unbeschreiblichem Geschmack, gleich dem Nektar (amṛta), lebenspendend, stärkend, erhaltend; es weckt neuen Lebensmut und ist gegen Erschöpfung, Ermattung, Durst, Rausch, Ohnmacht, Schwere und Schlaf sowie gegen Brennen ausnehmend wirksam – in jeder Hinsicht das Zuträglichste.
Eben dieses Wasser nimmt, sobald es auf die Erde gefallen ist, je nach dem besonderen Ort einen bestimmten Geschmack an; es findet sich an Orten wie Flüssen, Bächen, Seen, Teichen, Zisternen, Brunnen, Quellen, Grundwasseraustritten, überschwemmten Feldern, sumpfigen Reisfeldern, Tümpeln und dergleichen.
pānīyamāntarīkṣamanirdeśyarasamamṛtaṃ jīvanaṃ tarpaṇaṃ dhāraṇamāśvāsajananaṃ śramaklamapipāsāmadamūrcchātandrā nidrā dāhapraśamanamekāntataḥ pathyatamaṃ ca
Manche lehren, in roten, braunen, weißlichen, dunklen, gelben und weißen Erdregionen entstehe der Reihe nach süßes, saures, salziges, scharfes, bitteres und herbes Wasser.
Das ist jedoch nicht richtig, denn der Geschmack (rasa) des Wassers entsteht durch das gegenseitige Eindringen von Erde, Wasser, Feuer, Wind und Äther, je nachdem eines vorherrscht oder zurücktritt: Wo im Boden das Eigenmerkmal der Erde vorherrscht, ist das Wasser sauer und salzig; wo die Eigenschaften des Wassers vorherrschen, süß; wo die des Feuers vorherrschen, scharf und bitter; wo die des Windes vorherrschen, herb; wo die des Äthers vorherrschen, von unbestimmtem Geschmack, denn der Äther selbst ist unbestimmt. Darum ist das Regenwasser das Vorzüglichste, weil sein Geschmack klar hervortritt; man trinke es, wo immer es zu haben ist.
tatra lohitakapilapāṇḍunīlapītaśukleṣvavanipradeśeṣu madhurāmlalavaṇakaṭutiktakaṣāyāṇi yathāsaṅkhyamudakāni saṃbhavanti ityeke bhāṣante
Das Wasser des Luftraums ist vierfach: dhāra (Strahlregen), kāra (Hagel), tauṣāra (Reif) und haima (Schnee). Von diesen ist dhāra das Vorzüglichste, weil es leicht ist; es ist wiederum zweifach, gāṅga (aus der Gaṅgā-Region) und sāmudra (vom Meer her). Das gāṅga-Wasser fällt meist im Monat Āśvayuja; beide Arten prüfe man, indem man einen ungekochten, ungegorenen Klumpen Śāli-Reis in einem silbernen Gefäß bei Regen ins Freie stellt: Bleibt er nach einer Muhūrta unverändert, so fällt gāṅga-Wasser; verändert er Farbe, oder werden die Reiskörner klebrig, so ist es sāmudra-Wasser, das man nicht nehmen soll. Auch im Monat Āśvayuja aufgefangenes sāmudra-Wasser verhält sich wie gāṅga-Wasser; das gāṅga-Wasser aber bleibt das Vorzügliche und ist im Monat Āśvayuja zu schöpfen: rein und weiß, von einem gespannten Tuch abgetropft, vom Dach herabgefallen oder mit anderen reinen Gefäßen aufgefangen, bewahre man es in einem goldenen, silbernen oder irdenen Gefäß auf und gebrauche es zu jeder Zeit. Fehlt es, nehme man Erdwasser (bhauma), das reich an der Eigenschaft des Äthers ist; dieses ist wiederum siebenfach: aus Brunnen, aus Flüssen, aus Seen, aus Teichen, aus Quellen, aus Grundwasseraustritten und aus Zisternen.
tattu na samyak pṛthivyādīnāmanyonyānupraveśakṛtaḥ salilaraso bhavatyutka-rṣāpakarṣeṇa tatra svalakṣaṇabhūyiṣṭhāyāṃ bhūmāvamlaṃ lavaṇaṃ ca ambuguṇabhūyiṣṭhāyāṃ madhuraṃ tejoguṇabhūyiṣṭhāyāṃ kaṭukaṃ tiktaṃ ca vāyuguṇabhūyiṣṭhāyāṃ kaṣāyam ā-kāśaguṇabhūyiṣṭhāyāmavyaktarasam avyaktaṃ hyākāśamityataḥ tat pradhānam vyaktarasatvāt tatpeyamāntarīkṣālābhe
In der Regenzeit trinke man Luftwasser oder Wasser aus Grundwasseraustritten wegen ihrer großen Vorzüge; im Herbst jedes Wasser, weil es dann klar ist; im Winter See- oder Teichwasser; im Frühling Brunnen- oder Quellwasser, ebenso im Sommer; in der Vorregenzeit Zisternenwasser, sofern es noch nicht beregnet ist – und so mit allen Arten.
tatrāntarīkṣaṃ caturvidham tadyathādhāraṃ kāraṃ tauṣāraṃ haimamiti teṣāṃ dhāraṃ pradhānaṃ laghutvāt tat punardvividhaṃgāṅgaṃ sāmudraṃ ceti tatra gāṅgamāśvayuje māsi prāya-śo varṣati tayordvayorapi parīkṣaṇaṃ kurvīta śālyodanapiṇḍamakuthitamavidagdhaṃ rajatabhājanopahitaṃ varṣati deve bahiṣkurvīta sa yadi muhūrtaṃ sthitastādṛśa eva bhavati tadā gāṅgaṃ patatītyavagantavyaṃ varṇānyatve sikthapraklede ca sāmudra miti vidyāt tannopādeyam sāmudra mapyāśvayuje māsi gṛhītaṃ gāṅgavadbhavati gāṅgaṃ punaḥ pradhānaṃ tadupādadītāśvayuje māsi śuciśuklavitatapaṭaikadeśacyutamathavā harmyatalaparibhraṣṭamanyairvā śucibhirbhājanairgṛhītaṃ sauvarṇe rājate mṛnmaye vā pātre nidadhyāt tat sarvakālamupayuñjīta tasyālābhe bhaumam taccākāśaguṇa bahu-lam tat punaḥ saptavidham tadyathākaupaṃ nādeyaṃ sārasaṃ tāḍāgaṃ prāsravaṇam audbhidaṃ cauṇṭyamiti
Wasser, das von Insekten, Kot, Urin, Eiern, Aasgeruch und Fäulnis verunreinigt, mit Haufen von Gras und Blättern durchsetzt, trüb und mit Giftstoffen versetzt ist –
Wasser, das mit Schlamm, Algen, hartem Gras, Lotosblättern und dergleichen bedeckt ist, das Sonnen- und Mondstrahlen nicht erreichen, und das durch Geruch, Farbe und Geschmack auffällig verändert ist – solches erkenne man als verdorben (vyāpanna). Ihm eignen sechs Fehler: die des Tastsinns, der Form, des Geschmacks, des Geruchs, der Wirkkraft (vīrya) und der Verdauungsfolge (vipāka). Der Tastfehler besteht in Rauheit, Schleimigkeit, Wärme und einem die Zähne stumpf machenden Gefühl; der Formfehler in Schlamm, Sand, Algen und vielerlei Färbung; der Geschmacksfehler in deutlich hervortretendem, unpassendem Geschmack; der Geruchsfehler in unangenehmem Geruch; der vīrya-Fehler besteht darin, dass das Wasser bei Gebrauch Durst, Schweregefühl, Stiche und Speichelfluss hervorruft; der vipāka-Fehler darin, dass es lange braucht, um verdaut zu werden, oder Verstopfung verursacht. Im Luftwasser (Regenwasser) kommen diese Fehler nicht vor.
tatra yat paṅkaśaivalahaṭhatṛṇapadmapatraprabhṛtibhiravacchannaṃ raviśaśikiraṇāni lainā-bhijuṣṭaṃ gandhavarṇarasopasṛṣṭaṃ tadvyāpannamiti vidyāt tasya sparśarūparasagandha-vīryavipākadoṣāḥ ṣaṭ saṃbhavanti tatra kharatā paicchilyamauṣṇyaṃ dantagrāhitā ca sparśadoṣaḥ paṅkasikatāśaivālabahuvarṇatā rūpadoṣaḥ vyaktarasatā rasadoṣaḥ aniṣṭagandhatā gandhadoṣāḥ yadupayuktaṃ tṛṣṇāgauravaśūlakaphaprasekānāpādayati sa vīryadoṣaḥ yadupayuktaṃ cirādvipacyate viṣṭambhayati vā sa vipākadoṣa iti ta ete āntarikṣe na santi
Wasser, das mit Schlamm, Algen, hartem Gras, Lotosblättern und dergleichen bedeckt ist … Bei solchermaßen verdorbenem Wasser soll man es über Feuer kochen, in der Sonne erhitzen, glühende Eisenklumpen, Sand oder Erdklumpen darin ablöschen und es so klären sowie mit Blüten von Nāga-, Campaka-, Utpala- und Pāṭala-Bäumen aromatisieren.
Bei verdorbenem Wasser soll man es über Feuer kochen, in der Sonne erhitzen, glühende Eisenklumpen, Sand oder Erdklumpen darin ablöschen und es so klären sowie mit Blüten von Nāga-, Campaka-, Utpala- und Pāṭala-Bäumen aromatisieren.
Man trinke duftendes Wasser, mit einem Blütenkranz geschmückt, aus einem goldenen, silbernen, kupfernen, bronzenen oder auch juwelenbesetzten Gefäß, oder aus einem irdenen Gefäß.
vyāpannaṃ varjayennityaṃ toyaṃ yaccāpyanārtavam doṣasaṃjananaṃ hyetannādadītāhitaṃ tu tat
Man meide stets verdorbenes Wasser und ebenso solches, das nicht der Jahreszeit entspricht; denn dieses erzeugt Störungen (doṣa) und ist nicht zuträglich – man nehme es nicht, es ist schädlich.
śvāsakāsapratiśyāyaśūlagulmodarāṇi ca anyānvā viṣamānrogānprāpnuyādacireṇa saḥ
ferner Atemnot, Husten, Schnupfen, Stiche, Gulma (Geschwulstbildung) und Bauchwassersucht oder andere unregelmäßige Krankheiten – all dies binnen kurzer Zeit.
tatra sapta kaluṣasya prasādanāni bhavanti tadyathākatakagome dakabisagranthiśaivālamūlavastrāṇi muktāmaṇiśceti
Es gibt sieben Mittel, um trübes Wasser zu klären: die Frucht der Katakā (Strychnos potatorum), Gomeda-Stein, Lotoswurzeln und -knoten, Algenwurzel, Tuch sowie Perlen und Edelsteine.
Es gibt sieben Arten der Kühlung: Aufstellen im Luftzug, Zugabe von Wasser, Umrühren mit einem Stab, Fächeln, Abdecken mit Tuch, Zugabe von Sand und Aufhängen in einem Netz.
tatra nadyaḥ paścimābhimukhāḥ pathyāḥ laghūdakatvāt pūrvābhimukhāstu na praśasya-nte gurūdakatvāt dakṣiṇābhimukhā nātidoṣalāḥ sādhāraṇatvāt tatra sahya-prabhavāḥ kuṣṭhaṃ janayanti vindhyaprabhavāḥ kuṣṭhaṃ pāṇḍurogaṃ ca malayaprabhavāḥ kṛmīn mahendra prabhavāḥ ślīpadodarāṇi himavatprabhavā hṛdro gaśvayathuśirorogaślīpadaga-lagaṇḍān prācyāvantyā aparāvantyāścārśāṃsyupajana yanti pāriyātraprabhavāḥ pathyābalārogyakarya iti
Flüsse, die nach Westen fließen, sind zuträglich, weil ihr Wasser leicht ist; solche, die nach Osten fließen, sind nicht zu empfehlen, weil ihr Wasser schwer ist; solche, die nach Süden fließen, sind wenig fehlerhaft, da neutral. Flüsse, die im sahya-Gebirge entspringen, erzeugen Hautkrankheiten (kuṣṭha); solche vom vindhya Hautkrankheiten und Blutarmut; solche vom malaya pathogene Mikroorganismen; solche vom mahendra Elephantiasis und Bauchwassersucht; solche vom himavat Herzkrankheiten, Schwellungen, Kopfleiden, Elephantiasis und Kropf; die östlich und westlich von avanti entspringenden fördern Hämorrhoiden; die vom pāriyātra-Gebirge kommenden sind zuträglich, kräftigend und der Gesundheit dienlich.
In Wüstengegenden sind Flüsse meist leicht bitter und salzig, dabei leicht und süßlich; sie sind wie von Menschenhand geformt und der Kraft zuträglich.
tatra sarveṣāmeva bhaumānāṃ grahaṇaṃ pratyūṣasi tatra hyamalatvaṃ śaityaṃ cādhikaṃ bhavati sa eva cāpāṃ paro guṇa iti
Von allem Erdwasser nehme man am besten das in der Morgendämmerung geschöpfte, denn dann ist es am reinsten und kühlsten – eben dies ist die höchste Eigenschaft des Wassers.
Wasser, das tagsüber von den Strahlen der Sonne und nachts von den Strahlen des Mondes berührt wurde, ist nicht rau und nicht stauend (verschleimend) und gleicht dem Regenwasser.
Regenwasser, in einem guten Gefäß aufgefangen, beseitigt die drei Doṣa, stärkt, wirkt lebensverlängernd (rasāyana) und geistfördernd (medhya) – noch mehr, je nach der Güte des Gefäßes.
Dämonenabwehrend, kühl, erfrischend, gegen Fieber, Brennen und Gift wirksam gilt das aus dem Mondstein (candrakānta) gewonnene Wasser als reines, pitta-beseitigendes Wasser.
Bei Ohnmacht, pitta-bedingter Hitze und Brennen, bei Vergiftung, Blutandrang und durch Alkoholmissbrauch entstandenen Zuständen, bei Schwindel und Erschöpfung, bei tamaka-Atemnot und Erbrechen,
ādhmāne stimite koṣṭhe sadyaḥśuddhe navajvare hikkāyāṃ snehapīte ca śītāmbu parivarjayet
Bei Blähungen, bei erstarrtem Verdauungstrakt, unmittelbar nach einer Reinigung, bei frischem Fieber, bei Schluckauf und nach Einnahme öliger Präparate (sneha) vermeide man kaltes Wasser.
Brunnenwasser (kaupa) ist nicht empfehlenswert: es fördert vāta, ist austrocknend, verdauungsfördernd, leicht und auflösend; es staut (verschleimt) und ist süß, dickflüssig, schwer und kapha-vermehrend.
Seewasser (sārasa) ist durststillend, kräftigend, herb und süß und leicht; Teichwasser (tāḍāga) ist vāta-fördernd, süß, herb, in der Verdauungsfolge aber scharf.
Zisternenwasser (vāpya) beseitigt vāta und kapha, ist alkalisch (mineralhaltig), scharf und pitta-fördernd; kaupa-Wasser mit Alkaligehalt ist ebenfalls pitta-fördernd; Brunnenwasser mit Alkaligehalt beseitigt kapha, ist verdauungsfördernd und leicht.
cauṇṭyamagnikaraṃ rūkṣaṃ madhuraṃ kaphakṛnna ca kaphaghnaṃ dīpanaṃ hṛdyaṃ laghu prasravaṇodbhavam
Zisternenwasser (cauṇṭya) fördert die Verdauung, ist austrocknend, süß, doch nicht kapha-erzeugend; Quellwasser (prāsravaṇa) beseitigt kapha, fördert die Verdauung, ist dem Herzen zuträglich und leicht.
Süßes Wasser aus Grundwasseraustritten (audbhida) gilt als pitta-beruhigend und nicht säurebildend; vaikira-Wasser ist scharf, alkalisch, kapha-beseitigend, leicht und verdauungsfördernd.
kaidāraṃ madhuraṃ proktaṃ vipāke guru doṣalam tadvatpālvalamuddiṣṭaṃ viśeṣāddoṣalaṃ tu tat
Wasser aus bewässerten Reisfeldern (kaidāra) gilt als süß, doch in der Verdauungsfolge schwer und fehlerbehaftet; ebenso das aus Tümpeln (pālvala), das jedoch noch stärker fehlerbehaftet ist.
ebhirdoṣairasaṃyuktaṃ niravadyaṃ tu jāṅgalam pāke'vidāhi tṛṣṇāghnaṃ praśastaṃ prītivardhanam
Wasser, das frei von diesen Fehlern ist und aus trockenem, gesundem Wildland (jāṅgala) stammt, ist bei der Verdauung nicht säurebildend, durststillend, empfehlenswert und mehrt die Zuneigung.
dīpanaṃ svādu śītaṃ ca toyaṃ sādhāraṇaṃ laghu kaphamedo'nilāmaghnaṃ dīpanaṃ bastiśodhanam
Warmes Wasser ist verdauungsfördernd, süß und dabei kühlend in der Wirkung, ausgeglichen und leicht; es beseitigt kapha, Fettleibigkeit und Windstörungen, fördert die Verdauung und reinigt die Blase.
Heißes Wasser ist stets zuträglich gegen Atemnot, Husten und Fieber, sofern es so lange gekocht wird, bis es nicht mehr wallt, keinen Schaum mehr wirft, klar und leicht ist.
amlībhūtaṃ kaphotkledi na hitaṃ tat pipāsave madyapānātsamudbhūte roge pittotthite tathā
Säuerlich gewordenes, kapha-erregendes Wasser ist Durstigen nicht zuträglich, ebenso wenig bei Krankheiten, die aus Alkoholmissbrauch entstanden sind, oder bei pitta-bedingten Leiden,
sannipātasamutthe ca śṛtaśītaṃ praśasyate snigdhaṃ svādu himaṃ hṛdyaṃ dīpanaṃ bastiśodhanam
sowie bei sannipāta-bedingten Leiden – hier ist gekochtes und wieder abgekühltes Wasser zu empfehlen: ölig, süß, kühl, dem Herzen zuträglich, verdauungsfördernd und die Blase reinigend.
vṛṣyaṃ pittapipāsāghnaṃ nālikerodakaṃ guru dāhātīsārapittāsṛṅmūrcchāmadyaviṣārtiṣu
Kokoswasser ist stärkend, gegen pitta und Durst wirksam, aber schwer; bei Brennen, Durchfall, pitta-bedingten Blutstörungen (raktapitta), Ohnmacht, Alkoholvergiftung und Gift-Leiden
śṛtaśītaṃ jalaṃ śastaṃ tṛṣṇācchardibhrameṣu ca arocake pratiśyāye praseke śvayathau kṣaye
ist gekochtes und wieder abgekühltes Wasser zu empfehlen, ebenso bei Durst, Erbrechen und Schwindel, bei Appetitlosigkeit, Schnupfen, Speichelfluss, Schwellungen und Auszehrung,
mande'gnāvudare kuṣṭhe jvare netrāmaye tathā vraṇe ca madhumehe ca pānīyaṃ mandamācaret
bei schwacher Verdauungskraft, Bauchwassersucht, Hautkrankheiten, Fieber, Augenkrankheiten sowie bei Geschwüren und Diabetes (madhumeha) verabreiche man Wasser nur in mäßiger Menge.
iti jalavargaḥ atha kṣīravargaḥ gavyamājaṃ tathā cauṣṭramāvikaṃ māhiṣaṃ ca yat aśvāyāścaiva nāryāśca kareṇūnāṃ ca yatpayaḥ
So endet der Abschnitt über das Wasser. Nun der Abschnitt über die Milch. Milch von Kuh, Ziege, Kamel, Schaf, Büffel sowie von Stute, Frau und Elefantenkuh –
sie ist von der Essenz vieler Heilkräuter durchdrungen, lebenspendend, schwer, süß, schleimig, kühl, ölig, glatt, fließend und mild; sie ist allen Lebewesen von Natur aus zuträglich – darum wird Milch hier als das Sātmya (das jedem Wesen von Natur aus Gemäße) schlechthin bezeichnet.
Jede Art Milch ist Lebewesen grundsätzlich nicht verboten, weil sie ihrer Art nach zuträglich ist; sie steht auch bei Störungen von vāta, pitta, Blut oder Geist nicht im Widerspruch. Sie beseitigt chronisches Fieber, Husten, Atemnot, Auszehrung (śoṣa und kṣaya), Gulma, Wahnsinn, Bauchwassersucht, Ohnmacht, Schwindel, Rausch, Brennen, Durst, Herz- und Blasenleiden, Blutarmut, Störungen des grahaṇī (Verdauungsfeuers), Hämorrhoiden, Stiche, āvarta (aufwärtsdrängende Winde), Durchfall, Ruhr, Frauenkrankheiten, Fehlgeburtsblutungen, raktapitta, Erschöpfung und Ermattung; sie vertreibt Unheil, stärkt, wirkt aphrodisisch, lebensverlängernd (rasāyana), geistfördernd (medhya), alterserhaltend, lebenserhaltend, nährend (bṛṃhaṇa) und wundheilend und ist bei Erbrechen, Abführen und Klistieren geeignet, da sie das ojas (die Vitalessenz) auf gleiche Weise vermehrt – sie ist das Zuträglichste für Kinder, Alte, Verwundete, Ausgezehrte, Hungernde, Erschöpfte sowie durch Wind oder Anstrengung Geschwächte.
jīvanīyaṃ tathā vātapittaghnaṃ paramaṃ smṛtam gavyatulyaguṇaṃ tvājaṃ viśeṣācchoṣiṇāṃ hitam
sie gilt als lebenserhaltend und als höchst wirksam gegen vāta und pitta. Ziegenmilch hat dieselben Eigenschaften wie Kuhmilch, ist aber besonders bei Auszehrung (śoṣa) zuträglich,
sie ist verdauungsfördernd, leicht, zusammenziehend und beseitigt Atemnot, Husten und pitta-bedingte Blutungen – dies, weil die Ziegen klein sind und scharfe, bittere Kräuter fressen.
Milch, sofern nicht mit zu viel Wasser oder nach Anstrengung genossen, beseitigt alle Krankheiten. Stutenmilch ist etwas trocken, warm, leicht salzig, süß im Geschmack und leicht,
śophagulmodarārśoghnaṃ kṛmikuṣṭhaviṣāpaham āvikaṃ madhuraṃ snigdhaṃ guru pittakaphāvaham
sie beseitigt Schwellungen, Gulma, Bauchwassersucht, Hämorrhoiden, pathogene Mikroorganismen, Hautkrankheiten und Gift. Schafmilch ist süß, ölig, schwer und vermehrt pitta und kapha,
nidrā karaṃ śītataraṃ gavyāt snigdhataraṃ guru uṣṇamaikaśaphaṃ balyaṃ śākhāvātaharaṃ payaḥ
sie macht sehr schläfrig, ist kühler und öliger als Kuhmilch und schwer. Milch vom Einhufer (Pferd) ist warm, kräftigend und beseitigt Windstörungen in den Gliedern,
nasyāścyotanayoḥ pathyaṃ jīvanaṃ laghu dīpanam hastinyā madhuraṃ vṛṣyaṃ kaṣāyānurasaṃ guru
sie eignet sich zur Nasenanwendung und zum Eintropfen, ist lebenspendend, leicht und verdauungsfördernd. Milch der Elefantenkuh ist süß, aphrodisisch, herb im Nachgeschmack und schwer,
ist, da die Tiere von der Sonne erwärmt wurden, sich bewegt und Wind ausgesetzt waren, erschöpfungslindernd, windbeseitigend und den Augen zuträglich; rohe Milch gilt allgemein als schwer, verschleimend,
dhāroṣṇaṃ guṇavat kṣīraṃ viparītamato'nyathā tadevātiśṛtaṃ śītaṃ guru bṛṃhaṇamucyate
Frisch gemolkene, noch warme Milch ist von guten Eigenschaften, anders behandelte hat das Gegenteil; stark eingekochte und wieder abgekühlte Milch gilt als schwer und nährend (bṛṃhaṇa).
iti kṣīravargaḥ atha dadhivargaḥ dadhi tu madhuramamlamatyamlaṃ ceti tatkaṣāyānurasaṃsnigdhamuṣṇaṃ pīnasaviṣama jvarātisārārocakamūtrakṛcchrakārśyāpahaṃ vṛṣyaṃ prāṇakaraṃ maṅgalyaṃ ca
So endet der Abschnitt über die Milch. Nun der Abschnitt über den Dickmilch (dadhi, Joghurt). Dadhi ist süß, sauer oder sehr sauer; herb im Nachgeschmack, ölig und warm; er hilft bei Nasenverschleimung, unregelmäßigem Fieber, Durchfall, Appetitlosigkeit, Harnbeschwerden und Abmagerung; er ist aphrodisisch, lebenspendend und heilbringend.
er ist säurebildend und löst Stuhl und Urin; ist er zu kurz gereift, erzeugt er alle drei Doṣa; ölig, in der Verdauungsfolge süß, ist er verdauungsfördernd und kraftmehrend,
vātāpahaṃ pavitraṃ ca dadhi gavyaṃ rucipradam dadhyājaṃ kaphapittaghnaṃ laghu vātakṣayāpaham
windbeseitigend und rein ist der dadhi der Kuh, geschmacksfördernd. Der dadhi der Ziegenmilch beseitigt kapha und pitta, ist leicht und mindert vāta-Schwäche,
balāsavardhanaṃ snigdhaṃ viśeṣāddadhi māhiṣam vipāke kaṭu sakṣāraṃ guru bhedyauṣṭrikaṃ dadhi
Er vermehrt kapha und stärkt, ist ölig – dies gilt besonders für den dadhi der Büffelmilch. Der dadhi der Kamelmilch ist in der Verdauungsfolge scharf, alkalisch, schwer und abführend.
vātamarśāṃsi kuṣṭhāni kṛmīn hantyudarāṇi ca kopanaṃ kaphavātānāṃ durnāmnāṃ cāvikaṃ dadhi
Der dadhi der Schafmilch vertreibt vāta, Hämorrhoiden, Hautkrankheiten, pathogene Mikroorganismen und Bauchwassersucht, erregt aber kapha und vāta bei Hämorrhoidenleiden.
rase pāke ca madhuramatyabhiṣyandi doṣalam dīpanīyamacakṣuṣyaṃ vāḍavaṃ dadhi vātalam
Der dadhi der Stutenmilch ist im Rohgeschmack und in der Verdauungsfolge süß, sehr stark verschleimend und fehlerbehaftet; er ist verdauungsfördernd, den Augen aber nicht zuträglich und vāta-fördernd.
Der dadhi der Frauenmilch ist den Augen zuträglich, vorzüglich, doṣa-beseitigend – der beste unter allen; leicht in der Verdauung, kräftigend, warm an Wirkkraft und beseitigt Verdauungsstörungen.
Der dadhi der Elefantenmilch ist herb im Nachgeschmack und vermehrt den Stuhlgang. Diese hier genannten dadhi-Arten von Kuh- und anderer Milch sind jeweils gesondert zu verstehen,
Dadhi, der vāta und pitta beseitigt, wohlschmeckend ist und die Verdauungskraft der Gewebe stärkt: Der Rahm (sara) des dadhi ist schwer, ölig, aphrodisisch und gilt als vāta-vertreibend,
im Winter, in der Vorwinterzeit (śiśira) und in der Regenzeit ist dadhi hingegen zu empfehlen. Die Molke (mastu) beseitigt Durst und Erschöpfung, ist leicht und reinigt die Körperkanäle,
amlaṃ kaṣāyaṃ madhuramavṛṣyaṃ kaphavātanut prahlādanaṃ prīṇanaṃ ca bhinattyāśu malaṃ ca tat balamāvahate kṣipraṃ bhaktacchandaṃ karoti ca
sauer, herb, süß, nicht aphrodisisch, beseitigt sie kapha und vāta; sie erfrischt und erfreut und löst rasch den Stuhlgang, verleiht rasch Kraft und regt den Appetit an.
Süßer, saurer, sehr saurer, zu kurz gereifter, aus gekochter Milch entstandener, entrahmter und Rahm-dadhi – so siebenfach wird der dadhi in diesem Abschnitt beschrieben, ebenso die Eigenschaften der Molke.
iti dadhivargaḥ atha takravargaḥ takraṃ tu madhuramamlaṃ kaṣāyānurasamuṣṇavīryaṃ laghu rūkṣamagnidīpanaṃ garaśophāti-sāragrahaṇīpāṇḍurogārśaḥ plīhagulmārocakaviṣamajvara-tṛṣṇācchardiprasekaśū-lamedaḥ śleṣmānilaharaṃ madhuravipākaṃ hṛdyaṃ mūtrakṛcchrasnahevyāpatpraśamanamavṛṣyaṃ ca
So endet der Abschnitt über den dadhi. Nun der Abschnitt über die Buttermilch (takra). Takra ist süß, sauer, herb im Nachgeschmack, warm an Wirkkraft, leicht und trocken; es fördert das Verdauungsfeuer und hilft bei Vergiftung, Schwellung, Durchfall, Störungen des grahaṇī, Blutarmut, Hämorrhoiden, Milzleiden, Gulma, Appetitlosigkeit, unregelmäßigem Fieber, Durst, Erbrechen, Speichelfluss, Stichen sowie durch Fett, kapha und vāta bedingten Leiden; süß in der Verdauungsfolge, dem Herzen zuträglich, hilft es bei Harnbeschwerden und Störungen durch übermäßigen Ölgenuss, ist jedoch nicht aphrodisisch.
Was durch Buttern entsteht, wenn das Fett teilweise ausgeschieden und die Hälfte an Wasser zugesetzt wurde, nicht zu dickflüssig, sondern noch fließend, süß-sauer und herb im Geschmack – das nennt man takra; was hingegen mit dem Fett, ohne Wasserzusatz, gebuttert wird, heißt ghola.
śītakāle'gnimāndye ca kaphottheṣvāmayeṣu ca mārgāvarodhe duṣṭe ca vāyau takraṃ praśasyate
ebenso wenig in der Kälte bei schwachem Verdauungsfeuer oder bei kapha-bedingten Leiden; sie ist jedoch empfehlenswert bei verstopften Körperkanälen und bei gestörtem vāta.
Bei vāta trinke man saure Buttermilch mit Steinsalz, bei pitta süße mit Zucker, bei kapha Buttermilch mit den scharfen Gewürzen (vyoṣa) und Alkalisalz.
Zusammenziehend, vāta-fördernd, trocken und schwer verdaulich ist der Bodensatz der Buttermilch (takrakūrcikā); leichter als Buttermilch ist der Molkerückstand (maṇḍa), noch leichter der aus dadhi und takra entstandene Käseklumpen (kūrcikā);
schwer und vāta-beseitigend gilt geronnene Sahne (kilāṭa), sie fördert Manneskraft und Schlaf; süß und nährend, aphrodisisch sind ebenso pīyūṣa (Biestmilch) und moraṭa.
Frische Butter (navanīta) ist leicht, zart, süß, herb im Nachgeschmack, leicht sauer, kühl, geistfördernd, verdauungsfördernd, dem Herzen zuträglich, zusammenziehend, beseitigt pitta und vāta, ist aphrodisisch und nicht säurebildend; sie hilft bei Auszehrung, Husten, Wunden, Hämorrhoiden und aditā-Leiden. Länger gereifte Butter ist schwer, vermehrt kapha und Fett, macht kräftig, nährt und beseitigt Auszehrung – sie ist besonders für Kinder empfehlenswert.
kṣīrotthaṃ punarnavanītamutkṛṣṭasnehamādhuryamatiśītaṃ saukumāryakaraṃ cakṣuṣyaṃ saṃgrāhi raktapittanetrarogaharaṃ prasādanaṃ ca
Butter aus gekochter Milch ist von hervorragender Öligkeit und Süße, sehr kühl, macht besonders zart, ist den Augen zuträglich, zusammenziehend, beseitigt raktapitta und Augenkrankheiten und wirkt klärend.
Santānikā (die Sahnehaut) ist vāta-beseitigend, nährend, aphrodisisch, kräftigend, ölig, geschmacksfördernd, süß in Geschmack und Verdauungsfolge, beseitigt raktapitta und wirkt klärend, ist aber schwer.
Diese Vielfalt an dadhi-Arten wurde, ausgehend von der Kuhmilch als der besten, dargestellt; die übrigen Varianten sind entsprechend der Wirkkraft der jeweiligen Milch zu beurteilen.
iti takravargaḥ atha ghṛtam ghṛtaṃ tu madhuraṃ saumyaṃ mṛduśītavīryamanabhiṣyandisnehanamudāvartonmādāpasmāra-śūlajvarānāhavātapittapraśamanamagnidīpanaṃ smṛtimatimedhākāntisvaralāvaṇya-saukumāryaujastejobalakara-māyuṣyaṃ vṛṣyaṃ medhyaṃ vayaḥsthāpanaṃ guru cakṣuṣyaṃ śleṣmābhivardhanaṃ pāpmālakṣmīpraśamanaṃ viṣaharaṃ rakṣoghnaṃ ca
So endet der Abschnitt über die Buttermilch. Nun das Ghee (ghṛta, geklärte Butter). Ghṛta ist süß, mild, von milder und kühler Wirkkraft, nicht verschleimend; es ölt und beseitigt āvarta, Wahnsinn, Epilepsie, Stiche, Fieber und Blähungen sowie Störungen von vāta und pitta; es fördert das Verdauungsfeuer, Gedächtnis, Verstand, Geist, Ausstrahlung, Stimme, Schönheit, Zartheit, Vitalkraft, Glanz und Körperkraft, verlängert das Leben, ist aphrodisisch, geistfördernd, alterserhaltend, schwer, den Augen zuträglich, vermehrt kapha, vertreibt Unheil und Missgeschick und wirkt giftneutralisierend und dämonenabwehrend.
vipāke madhuraṃ śītaṃ vātapittabiṣāpaham cakṣuṣyamagryaṃ balyaṃ ca gavyaṃ sarpirguṇottaram
In der Verdauungsfolge süß und kühl, beseitigt es vāta, pitta und Gift; den Augen zuträglich, vorzüglich, kräftigend – Kuhghee gilt als das Beste unter allen Sorten.
Ziegenghee ist verdauungsfördernd, den Augen zuträglich und kraftmehrend; es ist zuträglich bei Husten, Atemnot und Auszehrung, in der Verdauung leicht.
Kamelghee ist in der Verdauung scharf, beseitigt Schwellungen, Würmer und Gift; es fördert die Verdauung und beseitigt vāta und kapha sowie Hautkrankheiten, Gulma und Bauchwassersucht.
cakṣuṣyamagryaṃ strīṇāṃ tu sarpiḥ syādamṛtopamam vṛddhiṃ karoti dehāgnyorlaghupākaṃ viṣāpaham
Für Frauen ist Ghee den Augen besonders zuträglich, wie Nektar; es steigert die Kraft von Körper und Verdauungsfeuer, ist leicht in der Verdauung und giftbeseitigend.
Das Ghee der Rentierkuh (kāreṇava) ist herb, hilft bei Harn- und Stuhlverhalt, bitter, verdauungsfördernd, leicht und beseitigt kapha, Hautkrankheiten, Gift und Würmer.
Der Rahm des Ghee (sarpirmaṇḍa) ist süß und fließend; er hilft gegen Stiche in Vagina, Ohr, Auge und Kopf und wird für Klistiere, Nasenanwendungen und zum Füllen des Auges empfohlen.
Altes Ghee ist fließend, in der Verdauung scharf, beseitigt alle drei Doṣa; es hilft bei Ohnmacht, Rausch, Wahnsinn, Bauchwassersucht, Fieber, Vergiftung, Auszehrung, Epilepsie sowie Stichen in Vagina, Ohr, Auge und Kopf; es fördert die Verdauung und wird für Klistiere und Nasenanwendungen empfohlen.
Sehr altes Ghee hilft überdies gegen Nachtblindheit, Atemnot, Schnupfen, Fieber und Husten und beseitigt Ohnmacht, Hautkrankheiten, Gift, Wahnsinn, Besessenheit und Epilepsie.
peyaṃ mahāghṛtaṃ bhūtaiḥ kaphaghnaṃ pavanādhikaiḥ balyaṃ pavitraṃ medhyaṃ ca viśeṣāttimirāpaham
Mahāghṛta soll bei von Wesen (Dämonen) verursachten Leiden und übermäßigem Wind getrunken werden; es beseitigt kapha, stärkt, wirkt reinigend und geistfördernd und ist besonders wirksam gegen Nachtblindheit.
So endet der Abschnitt über das Ghee. Nun die Öle (taila). Öl ist von feuriger Natur, warm, scharf, süß, süß in der Verdauungsfolge, nährend, erfreuend, sich rasch ausbreitend (vyavāyi), fein, klar, schwer, fließend, aufblähend (vikāsi), aphrodisisch, die Haut klärend; es fördert Verstand, Weichheit, Muskelfestigkeit, Hautfarbe und Kraft, ist den Augen zuträglich, hilft bei Harnverhalt, wirkt auflösend (lekhana), ist bitter-herb im Nachgeschmack, verdauungsfördernd, mindert vāta, balāsa (Schleim) und Auszehrung, tötet Würmer, erregt im ungegessenen Zustand pitta, lindert Stiche in Vagina, Kopf und Ohr und reinigt die Gebärmutterhöhle; ebenso bei Zerschnittenem, Zerbrochenem, Durchstochenem, Zerquetschtem, Verrenktem, Gestoßenem, Verwundetem, Zerrissenem, Gebrochenem, Gesprungenem, durch Alkalien oder Feuer Verbranntem, Auseinandergerissenem, Zerspaltenem, Geschlagenem, schlecht Verheiltem sowie von wilden Tieren oder Schlangen Gebissenem wird zum Übergießen, Einreiben, Baden und Ähnlichem Sesamöl empfohlen.
tadbastiṣu ca pāneṣu nasye karṇākṣipūraṇe annapānavidhau cāpi prayojyaṃ vātaśāntaye
Es wird auch für Klistiere und innerlich getrunken, zur Nasenanwendung sowie zum Füllen von Ohr und Auge verwendet, ebenso in Speise und Trank, um vāta zu beruhigen.
Rizinusöl ist süß, warm, scharf, verdauungsfördernd, scharf im Geschmack, herb im Nachgeschmack, fein, reinigt die Körperkanäle, ist der Haut zuträglich, aphrodisisch, süß in der Verdauungsfolge, alterserhaltend, reinigt Gebärmutter und Samen, fördert Gesundheit, Verstand, Glanz, Gedächtnis und Kraft, beseitigt vāta und kapha sowie Störungen im unteren Körperbereich.
Die Öle von Nimba, Leinsamen, Färberdistel, Rettich, jīmūtaka, kṛtavedhana, Arka (Calotropis), Kampillaka, Elefantenohrbaum, pṛthvīkā, āpīlu, Karañja, Igudī, Śigru (Meerrettichbaum), Senf, suvarcalā, Viḍaṅga und Jyotiṣmatī sind scharf, leicht, warm an Wirkkraft, scharf im Geschmack, scharf in der Verdauungsfolge und fließend; sie beseitigen vāta, kapha, pathogene Mikroorganismen, Hautkrankheiten, Diabetes (prameha) und Kopfkrankheiten.
Unter diesen ist Leinöl vāta-beseitigend und süß, entzieht aber Kraft; in der Verdauung scharf, den Augen nicht zuträglich, ölig-warm, schwer und pitta-fördernd.
Senföl vernichtet pathogene Mikroorganismen, hilft bei Juckreiz und Hautkrankheiten, ist leicht, beseitigt kapha, Fett und vāta, wirkt auflösend, scharf und verdauungsfördernd.
Igudī-Öl vernichtet pathogene Mikroorganismen, ist leicht bitter und leicht, beseitigt Hautkrankheiten und pathogene Mikroorganismen, entzieht jedoch Sehkraft, Samen und Kraft.
vipāke kaṭukaṃ tailaṃ kausumbhaṃ sarvadoṣakṛt raktapittakaraṃ tīkṣṇamacakṣuṣyaṃ vidāhi ca
Distelöl (kausumbha) ist in der Verdauung scharf und erzeugt alle drei Doṣa, fördert raktapitta, ist scharf, den Augen nicht zuträglich und säurebildend.
Die Öle von Kirātatikta, Atimuktaka, Bibhītaka, Kokosnuss, kola, akṣoḍa (Walnuss), Jīvantī, Priyāla, karbudāra, sūryavallī, Gurke, sairvāruka, Wassermelone und Kürbis und dergleichen sind süß, süß in der Verdauungsfolge, beruhigen vāta und pitta, sind kühl an Wirkkraft, verschleimend, lösen Harn und schwächen das Verdauungsfeuer.
tuvarakabhallātakataile uṣṇe madhurakaṣāye tiktānurase vātakaphakuṣṭhamedomehakṛmipraśamane ubhayatobhāgadoṣahare ca
Die Öle von Tuvaraka und Bhallātaka sind warm, süß-herb, bitter im Nachgeschmack; sie beruhigen vāta, kapha, Hautkrankheiten, Fettleibigkeit, Diabetes und pathogene Mikroorganismen und wirken gegen Störungen in beiden Körperrichtungen.
Die öligen Substanzen von Sarala, Devadāru, Śiṃśapā, Guggulu und Gaṇḍīra sind bitter-scharf-herb, reinigen schlechte Geschwüre und beseitigen pathogene Mikroorganismen, kapha, Hautkrankheiten und vāta.
Die öligen Substanzen von Tumbī, kośāmra, Dantī, Dravantī, Śyāmā, Saptalā, Nīlikā und Kampillaka sind bitter-scharf-herb, wirken auf den unteren Körperbereich, beseitigen pathogene Mikroorganismen, kapha, Hautkrankheiten und vāta und reinigen schlechte Geschwüre.
sahakāratailamīṣattiktamatisugandhi vātakaphaharaṃ rūkṣaṃ madhurakaṣāyaṃ rasavannāti-pittakaraṃ ca
Mangoöl (sahakāra) ist leicht bitter und sehr wohlriechend, beseitigt vāta und kapha, ist trocken, süß-herb, wohlschmeckend und erregt nicht übermäßig pitta.
phalodbhavāni tailāni yānyuktānīha kānicit guṇān karma ca vijñāya phalānīva vinirdiśet
Die hier genannten, aus Früchten gewonnenen Öle – ihre Eigenschaften und Wirkungen sind, wie bei den jeweiligen Früchten selbst, entsprechend zu bestimmen.
grāmyānūpaudakānāṃ ca vasāmedomajjāno gurūṣṇamadhurā vātaghnāḥ jāṅgalaikaśa phakravyādādīnāṃ laghuśītakaṣāyā raktapittaghnāḥ pratudaviṣkirāṇāṃ śleṣmaghnāḥ tatra ghṛtatailavasāmedomajjāno yathottaraṃ guruvipākā vātaharāśca
Das Fett (*vasā*), das Depotfett (*medas*) und das Knochenmark (*majjan*) von Haustieren und von Sumpf- und Wassertieren sind schwer, heiß und süß und vertreiben *vāta* (der Wind, eines der drei *doṣa* bzw. Körperprinzipien); die entsprechenden Gewebe von Wildtieren des Trockenlands, von einhufigen Tieren und von Fleischfressern sind leicht, kühlend und herb und vertreiben Blutungs- und Gallenstörungen (raktapitta); die von hackenden und scharrenden Vögeln vertreiben *kapha* (der Schleim, ein weiteres *doṣa*). Dabei gilt: Ghee, Öl, Fett, Depotfett und Knochenmark werden in dieser Reihenfolge zunehmend schwerer in ihrer Verdauungswirkung (*vipāka*, das Ergebnis der Verdauung) und zunehmend wirksamer gegen *vāta*.
Damit endet der Abschnitt über die Öle. Nun folgt der Abschnitt über *madhu* (der Honig): Honig ist süß mit herbem Nachgeschmack, trocken, kühl, regt das Verdauungsfeuer an, verbessert den Teint, klärt die Stimme, ist leicht, mild, zehrend, herzstärkend, aphrodisierend, fördert das Zusammenwachsen von Wunden, reinigt, heilt, wirkt zusammenziehend, stärkt die Augen, klärt die Sinne und dringt in die feinsten Kanäle des Körpers ein. Er lindert *pitta* (die Galle, ein *doṣa*), *kapha*, Fettsucht, Diabetes, Schluckauf, Atemnot, Husten, Durchfall, Erbrechen, Durst sowie Wurmbefall und Vergiftungen, wirkt erfrischend und besänftigt zugleich alle drei *doṣa* (die drei Körperprinzipien Vāta, Pitta und Kapha). Weil er leicht ist, vertreibt er *kapha*; wegen seiner Schleimigkeit, seiner Süße und seines herben Nachgeschmacks vertreibt er zugleich *vāta* und *pitta*.
pauttikaṃ bhrāmaraṃ kṣaudraṃ mākṣikaṃ chātrameva ca ārghyamauddālakaṃ dālamityaṣṭau madhujātayaḥ
Es gibt acht Sorten von *madhu*: den Pauttika-, den Bhrāmara-, den Kṣaudra-, den Mākṣika-, den Chātra-, den Ārghya-, den Auddālaka- und den Dāla-Honig.
Von diesen ist der Pauttika-Honig besonders trocken und heiß, da er von einer giftigen Biene stammt; er schädigt *vāta*, Blut und *pitta*, wirkt brennend und berauschend.
Wegen seiner Schleimigkeit und seiner ausgeprägten Süße gilt der Bhrāmara-Honig als schwer. Der Kṣaudra-Honig hingegen gilt als besonders kühl, leicht und zehrend.
svādupākaṃ guru himaṃ picchilaṃ raktapittajit śvitramehakṛmighnaṃ ca vidyācchātraṃ guṇottaram
Der Chātra-Honig ist süß in der Verdauungswirkung, schwer, kühl und schleimig, heilt Blutungs- und Gallenstörungen, Leukoderm, Diabetes und Befall mit pathogenen Mikroorganismen; er gilt als von hervorragender Qualität.
ārghyaṃ madhvaticakṣuṣyaṃ kaphapittaharaṃ param kaṣāyaṃ kaṭu pāke ca balyaṃ tiktamavātakṛt
Der Ārghya-Honig ist besonders gut für die Augen, hervorragend gegen *kapha* und *pitta*, herb, scharf in der Verdauungswirkung, kräftigend, bitter und lässt *vāta* nicht ansteigen.
auddālakaṃ rucikaraṃ svaryaṃ kuṣṭhaviṣāpaham kaṣāyamamlamuṣṇaṃ ca pittakṛt kaṭupāki ca
Der Auddālaka-Honig regt den Appetit an, ist gut für die Stimme und heilt Hautkrankheiten und Vergiftungen; er ist herb, sauer und heiß, erregt *pitta* und ist scharf in der Verdauungswirkung.
Der aus Blütenblättern gewonnene Honig (Dalodbhava) stillt Erbrechen und Diabetes und ist trocken. Frischer Honig ist nährend; Honig mittleren Alters vertreibt *kapha* nicht in besonderem Maße.
Alter Honig vertreibt Fettsucht und Übergewicht und wirkt zusammenziehend, besonders zehrend; gut ausgereifter Honig vertreibt alle drei *doṣa*, während unreifer oder saurer Honig alle drei *doṣa* erregt.
Mit verschiedenen Zubereitungen kombiniert, kann Honig zahlreiche Krankheiten besiegen; weil er aus den Säften vielfältigster Pflanzen besteht, ist Honig in höchstem Maße yogavāhin – er verstärkt und trägt die Wirkung der Substanzen, mit denen er verbunden wird.
Da Honig nämlich aus den Säften mannigfaltiger Blüten entsteht, die sich in Geschmack, Eigenschaft, Wirkkraft und Verdauungswirkung widersprechen, und da er von den Bienen erzeugt wird, darf er nicht erhitzt werden.
Alles Erhitzte verträgt sich nicht mit Honig, da dieser gleichsam giftähnliche Eigenschaften in sich trägt; wird er mit heißen Dingen vermischt oder einem von Hitze Geplagten in heißer Form gegeben, wirkt er zerstörerisch wie Gift.
Auch wegen seiner Feinheit und Kühle, da er aus dem Saft kühlender Pflanzen stammt, verträgt sich Honig besonders schlecht mit Erhitztem – ebenso mit erhitzter Luft und erhitztem Wasser.
Wird Honig mit etwas Heißem verbunden und beim Erbrechen (Vamana) angewandt, so entsteht daraus keine solche Unverträglichkeit wie sonst, da er dabei nicht verkocht wird und nicht lange im Körper verweilt.
madhvāmātparatastvanyadāmaṃ kaṣṭaṃ na vidyate viruddhopakramatvāttat sarvaṃ hanti yathā viṣam
Es gibt nichts Schädlicheres als verdorbenen, unreif gewordenen Honig; da seine Verarbeitung völlig widersprüchlich verläuft, zerstört er alles wie Gift.
Damit endet der Abschnitt über den Honig. Nun folgt der Abschnitt über *ikṣu* (das Zuckerrohr): Zuckerrohre sind süß, süß in der Verdauungswirkung, schwer, kühl, ölig, kräftigend, aphrodisierend, harntreibend und lindern Blutungs- und Gallenstörungen, erzeugen jedoch Befall mit pathogenen Mikroorganismen und *kapha*. Es gibt viele Arten davon, nämlich:
sowie Naipāla, Dīrghapatra, Nīlapora und Kośakṛt – dies sind die nach ihrer Dicke unterschiedenen Sorten. Ihre Eigenschaften werde ich nun im Einzelnen darlegen.
Pauṇḍraka und Bhīruka sind sehr kühl, süß, ölig, nährend, vermehren *kapha*, wirken abführend, verursachen kein Brennen, sind schwer und aphrodisierend.
ābhyāṃ tulyaguṇaḥ kiṃcitsakṣāro vaṃśako mataḥ vaṃśavacchvetaporastu kiṃciduṣṇaḥ sa vātahā
Vaṃśaka gilt als diesen beiden in seinen Eigenschaften gleichwertig, ist jedoch etwas alkalisch. Śvetapora ist wie Vaṃśaka, aber etwas heißer und vertreibt *vāta*.
kośakāro guruḥ śīto raktapittakṣayāpahaḥ atīva madhuro mūle madhye madhura eva tu
Kośakāra ist schwer, kühl und heilt die Erschöpfung durch Blutungs- und Gallenstörungen; an der Wurzel ist es außerordentlich süß, in der Mitte ebenfalls süß,
Der durch Kauen mit den Zähnen ausgepresste Saft verursacht kein Brennen, vermehrt *kapha*, lindert *vāta* und *pitta*, erfreut den Mund und ist aphrodisierend.
Der mit der Presse gewonnene Saft ist schwer, verursacht Brennen und Verstopfung und gilt als scharf. Gekocht wird er schwer, abführend, ölig, scharf und vertreibt *kapha* und *vāta*.
phāṇitaṃ guru madhuramabhiṣyandi bṛṃhaṇamavṛṣyaṃ tridoṣakṛcca
Phāṇita, der eingedickte Zuckerrohrsaft, ist schwer, süß, verstopft die feinen Kanäle des Körpers, nährt, wirkt jedoch nicht aphrodisierend und erregt alle drei *doṣa*.
*Guḍa* (der Rohzucker) ist leicht alkalisch und süß, nicht allzu kühl, ölig, reinigt Urin und Blut, erregt *pitta* nur wenig, vertreibt *vāta*, verursacht jedoch Fettsucht, Befall mit pathogenen Mikroorganismen und *kapha*; er ist kräftigend und aphrodisierend.
Reiner, süßer *guḍa* vertreibt *pitta* und *vāta* und reinigt das Blut; alter *guḍa* besitzt noch bessere Eigenschaften und gilt als besonders bekömmlich.
Matsyaṇḍikā, Khaṇḍa und reine kristalline Zuckerarten (Śarkarā) werden, in dieser Reihenfolge, zunehmend kühler, öliger, schwerer, süßer, aphrodisierender und wirksamer gegen Blutungs- und Gallenstörungen sowie gegen Durst.
yo yo matsyaṇḍikākhaṇḍaśarkarāṇāṃ svako guṇaḥ tena tenaiva nirdeśyasteṣāṃ visrāvaṇo guṇaḥ
Welche Eigenschaft einer jeden Sorte von Matsyaṇḍikā, Khaṇḍa oder Śarkarā eigentümlich ist, nach eben dieser Eigenschaft ist auch ihre lösende Wirkung zu bestimmen.
Je reiner der Zucker im Kern seiner Substanz ist und je weniger Alkalirückstände er enthält, desto besser gelten seine Eigenschaften nach dem Urteil der Kundigen.
madhuśarkarā punaśchardyatīsāraharī rūkṣā chedanī prasādanī kaṣāyamadhurā madhuravipākā ca
Madhuśarkarā, eine bestimmte Zuckerart, stillt wiederum Erbrechen und Durchfall, ist trocken, zehrend, klärend, herb-süß und süß in der Verdauungswirkung.
Der aus Mādhūka-Blüten gewonnene Phāṇita ist trocken, erregt *vāta* und *pitta*, vertreibt *kapha*, ist süß in der Verdauungswirkung, herb und schädlich für die Blase.
Damit endet der Abschnitt über das Zuckerrohr. Nun folgt der Abschnitt über *madya* (der Wein bzw. das alkoholische Getränk): Jeder Wein ist im Wesentlichen sauer, erregt *pitta*, regt Appetit und Geschmackssinn an, wirkt verdauungsfördernd und abführend, vertreibt *kapha* und *vāta*, ist herzerfreuend und reinigt die Blase.
In der Verdauungswirkung ist er leicht, verursacht Brennen, ist heiß, scharf und weckt die Sinnesorgane, wirkt zerstreuend und löst Stuhl und Urin. Höre nun seine besonderen Unterarten.
Mārdvīka, der Traubenwein, wird, weil er kein Brennen verursacht und von Natur aus süß ist, von den Kundigen selbst bei Blutungs- und Gallenstörungen niemals verboten.
Khārjūra, der Dattelwein, unterscheidet sich nur wenig von Mārdvīka, steht ihm jedoch etwas nach und erregt *vāta*; er ist ansonsten klar, appetitanregend, vertreibt *kapha*, macht schlank und ist leicht.
Er ist herb-süß, herzerfreuend, wohlriechend und weckt die Sinne; er heilt Husten, Hämorrhoiden, Störungen der Verdauungskraft (Grahaṇī), Harnverhaltung und *vāta*-Erkrankungen.
Surā, ein gegorenes Getränk, ist förderlich bei Mangel an Muttermilch und Blut, nährend und appetitanregend; sie heilt Husten, Hämorrhoiden, Grahaṇī-Störungen, Atemnot und Schnupfen.
Weiße Surā vermehrt Urin, *kapha*, Muttermilch, Blut und Muskelgewebe; sie lindert Erbrechen, Appetitlosigkeit sowie Schmerzen in Brust, Unterleib und Bauch.
Prasannā, geklärte Surā, beseitigt *kapha*, *vāta*, Hämorrhoiden, Verstopfung und Blähungen; sie vermehrt *pitta* nur wenig, vermindert *kapha* und ist trocken, erregt aber, wenn aus Gerste hergestellt, *vāta*.
Surā im Allgemeinen ist verstopfend und schwer, während Madhūlaka *kapha* vermehrt. Ākṣikī-Surā gilt als trocken, kaum *kapha*-vermehrend, aphrodisierend und verdauungsfördernd.
Kohala wirkt auf alle drei *doṣa*, ist abführend und aphrodisierend und erfreut den Mund. Jagala ist herb, heiß, verdauungsfördernd, trocken und verursacht Durst, *kapha* und Ödeme.
Jagala ist zudem herzerfreuend, lindert Ruhr mit Pressdrang, Blähungen und Hämorrhoiden und heilt *vāta*-bedingte Auszehrung. Bakkasa, weil es dem Körper seine Essenz entzieht, ist verstopfend und erregt *vāta*.
Bakkasa regt zudem die Verdauung an, löst Urin und Stuhl, ist klar, macht nur leicht berauscht und ist schwer. Śīdhu aus *guḍa* ist herb, süß, verdauungsfördernd und appetitanregend.
Śīdhu aus Zucker (Śārkara) ist süß, appetitanregend, verdauungsfördernd, reinigt die Blase, vertreibt *vāta*, ist süß in der Verdauungswirkung, herzerfreuend und weckt die Sinne.
Ebenso ist Śīdhu aus gekochtem Zuckerrohrsaft kräftigend, verbessert den Teint, wirkt abführend, heilt Ödeme, fördert die Verdauung, ist herzerfreuend, appetitanregend und gut bei *kapha*-bedingten Hämorrhoiden.
Es macht schlank, kühlt, heilt Ödeme und Bauchauftreibung, verbessert den Teint; gut vergoren ist es gut für die Stimme, löst Verstopfung und ist förderlich bei Hämorrhoiden.
Jāmbava-Wein staut die Ausscheidungen, ist zusammenziehend und erregt *vāta*. Scharfer Surāsava ist herzerfreuend, harntreibend und vertreibt *kapha* und *vāta*.
Er erfreut den Mund, bewirkt einen anhaltenden Rausch und gilt als heilsam bei *vāta*-Erkrankungen. Madhvāsava, der Honigschnaps, ist leicht, zehrend und heilt Diabetes, Hautkrankheiten und Vergiftungen.
Er ist bitter, herb, heilt Ödeme, ist scharf, süß und lässt *vāta* nicht ansteigen. Ein weiterer, scharfer und herber Trank macht stark berauscht und heilt Hämorrhoiden, *kapha* und Bauchtumoren (Gulma).
Maireya vertreibt pathogene Mikroorganismen, Fettsucht und *vāta*-Erkrankungen, ist süß, schwer, kräftigend, vertreibt *pitta*, verbessert den Teint und erfreut das Herz. Ebenso der aus Zuckerrohrsaft gewonnene Āsava.
Śīdhu aus Mādhūka-Blüten verursacht kein Brennen, fördert Verdauungsfeuer und Kraft, ist trocken, herb, vertreibt *kapha*, erregt jedoch *vāta* und *pitta*.
nirdiśedra sataścānyān kandamūlaphalāsavān navaṃ madyamabhiṣyandi guru vātādikopanam
Ebenso sind die Āsavas aus Knollen, Wurzeln und Früchten zu beurteilen. Frischer Wein verstopft die feinen Kanäle, ist schwer und erregt *vāta* und die übrigen *doṣa*.
aniṣṭagandhi virasamahṛdyaṃ ca vidāhi ca sugandhi dīpanaṃ hṛdyaṃ rociṣṇu kṛmināśanam
Er riecht unangenehm, schmeckt fade, ist dem Herzen unlieb und verursacht Brennen; gut gereifter Wein hingegen duftet gut, regt die Verdauung an, erfreut das Herz, macht Appetit und vertreibt pathogene Mikroorganismen.
Gereifter Wein öffnet die feinen Kanäle, ist leicht und vertreibt *vāta* und *kapha*. Ariṣṭa, ein medizinisch vergorener Trank, übertrifft durch die Kombination und Zubereitung seiner Zutaten alle anderen an Wirkkraft.
Er beseitigt zahlreiche durch *doṣa* verursachte Leiden und besänftigt die *doṣa* selbst; er regt die Verdauung an, vertreibt *kapha* und *vāta*, wirkt abführend und erregt *pitta* nicht.
Er ist heilsam bei Koliken, Blähungen, Bauchauftreibung, Milzvergrößerung, Fieber, Verdauungsstörungen und Hämorrhoiden. Der mit Pippalī und weiteren Zutaten bereitete Ariṣṭa gilt als heilsam bei Bauchtumoren und *kapha*-Erkrankungen.
Im Behandlungsteil werden die einzelnen, krankheitsheilenden Ariṣṭas gesondert beschrieben werden; Eigenschaften und Wirkungen von Ariṣṭas, Āsavas und Śīdhus sind entsprechend anzugeben.
Der kundige Arzt soll dabei, je nach Art der Zubereitung, mit Umsicht und Verstand urteilen. Verdorbener Wein hingegen erkennt man an folgenden Merkmalen: dickflüssig, brennend, übelriechend, geschmacklos, von Mikroorganismen befallen, schwer,
ahṛdyaṃ taruṇaṃ tīkṣṇamuṣṇaṃ durbhājanasthitam alpauṣadhaṃ paryuṣitamatyacchaṃ picchilaṃ ca yat
dem Herzen unlieb, unfertig vergoren, scharf, heiß, in einem schlechten Gefäß aufbewahrt, mit zu wenig Kräuterzutat, abgestanden, übermäßig klar oder schleimig –
sarvadoṣairupetaṃ tu sarvadoṣaprakopaṇam cirasthitaṃ jātarasaṃ dīpanaṃ kaphavātajit
Wein, der von allen *doṣa* zugleich betroffen ist, erregt auch alle *doṣa* zugleich. Lange gelagerter Wein, der seinen vollen Geschmack entwickelt hat, regt hingegen die Verdauung an und vertreibt *kapha* und *vāta*;
er ist appetitanregend, klar und duftend – ein solcher Wein sollte getrunken werden, auch wenn er weiterhin berauschend wirkt. Was diesen vielfältigen Wein betrifft, so gilt hinsichtlich seines Geschmacks und seiner Wirkkraft:
Wegen seiner Feinheit, Hitze, Schärfe und zerstreuenden Kraft verbindet er sich mit dem Verdauungsfeuer, erreicht das Herz, steigt durch die Gefäße empor, bringt Sinne und Geist in Bewegung, und seine Wirkkraft berauscht rasch.
Bei einem Menschen vom *kapha*-Typ setzt der Rausch durch das Trinken erst allmählich ein; beim *vāta*-Typ zeigt er sich rascher, beim *pitta*-Typ am schnellsten.
Bei einem Menschen von sattvischer Natur bewirkt der Rausch Reinlichkeit, Höflichkeit, Freude, Freude am Schmuck sowie Lust an Gesang, Studium, Wohlergehen und Liebesspiel.
Bei einem Menschen von tamasischer Natur bewirkt der Rausch Unreinlichkeit, Schläfrigkeit, Missgunst, Verlangen nach unerlaubtem Geschlechtsverkehr und Neigung zur Lüge.
Śukta, ein saures Gärgetränk, verursacht Blutungs- und Gallenstörungen, wirkt zehrend, fördert die Verdauung der Speisen, beeinträchtigt jedoch die Stimme; gereift vertreibt es *kapha*, Anämie und Wurmbefall und ist leicht.
tīkṣṇoṣṇaṃ mūtralaṃ hṛdyaṃ kaphaghnaṃ kaṭupāki ca tadvattadāsutaṃ sarvaṃ rocanaṃ ca viśeṣataḥ
Es ist scharf, heiß, harntreibend, herzerfreuend, vertreibt *kapha* und ist scharf in der Verdauungswirkung. Ebenso sind alle daraus bereiteten Āsutas appetitanregend, in besonderem Maße.
gauḍāni rasaśuktāni madhuśuktāni yāni ca yathāpūrvaṃ gurutarāṇyabhiṣyandakarāṇi ca
Aus *guḍa*, aus Zuckerrohrsaft und aus Honig bereitete Śuktas werden, in dieser Reihenfolge, zunehmend schwerer und verstopfen zunehmend die feinen Kanäle.
Tuṣāmbu, das Getreidespelzenwasser, regt die Verdauung an, ist herzerfreuend, heilt Herzleiden, Anämie und Befall mit pathogenen Mikroorganismen, ist heilsam bei Grahaṇī- und Hämorrhoidenleiden und wirkt abführend; ebenso Sauvīraka.
Dhānyāmla, das saure Getreidegärgetränk, ist, da es aus Getreide entsteht, lebenspendend und vertreibt Brennen; durch Berühren wie durch Trinken beseitigt es *vāta*, *kapha* und Durst und ist leicht.
Wegen seiner Schärfe entfernt es, als Mundspülung gehalten, rasch *kapha*; es beseitigt schlechten Mundgeschmack, Mundgeruch, Unreinheit, Trockenheit und Erschöpfung.
dīpanaṃ jaraṇaṃ bhedi hitamāsthāpaneṣu ca samudra māśritānāṃ ca janānāṃ sātmyamucyate
Es regt die Verdauung an, fördert die Reifung der Speisen, wirkt abführend und ist heilsam bei Āsthāpana-Klistieren; es gilt als besonders zuträglich für Menschen, die an der Meeresküste leben.
Damit endet der Abschnitt über den Wein. Nun folgt der Abschnitt über *mūtra* (der Urin, hier als Heilmittel): Die Urine von Kuh, Büffel, Ziege, Schaf, Elefant, Pferd, Esel und Kamel sind im Allgemeinen scharf, heiß, pfeffrig, bitter, salzig im Nachgeschmack, leicht und reinigend; sie vertreiben *kapha* und *vāta* sowie Wurmbefall, Fettsucht, Vergiftungen, Bauchtumoren, Hämorrhoiden, Bauchauftreibung, Hautkrankheiten, Ödeme, Appetitlosigkeit und Anämie, sind herzerfreuend und regen im Allgemeinen die Verdauung an.
bhavataścātra tat sarvaṃ kaṭu tīkṣṇoṣṇaṃ lavaṇānurasaṃ laghu śodhanaṃ kaphavātaghnaṃ kṛmimedoviṣāpaham
All diese Urine sind pfeffrig, scharf, heiß, salzig im Nachgeschmack, leicht, reinigend, vertreiben *kapha* und *vāta* und heilen Befall mit pathogenen Mikroorganismen, Fettsucht und Vergiftungen.
Sie heilen Hämorrhoiden, Bauchauftreibung und Bauchtumoren, beseitigen Ödeme und Appetitlosigkeit, heilen Anämie, wirken abführend, sind herzerfreuend und regen Verdauung und Stoffwechsel an.
Kuhurin ist pfeffrig, scharf und heiß; wegen seiner alkalischen Natur erregt er *vāta* nicht, ist leicht, regt das Verdauungsfeuer an, schärft den Verstand, vermehrt *pitta* nur wenig und vertreibt *kapha* und *vāta*.
Bei Koliken, Bauchtumoren, Bauchauftreibung, Blähungen sowie bei Abführ- und Āsthāpana-Behandlungen, die durch den Einsatz von Urin bewirkt werden, sollte man Kuhurin verwenden.
kāsaplīhodaraśvāsaśoṣavarcograhe hitam sakṣāraṃ tiktakaṭukamuṣṇaṃ vātaghnamāvikam
Er ist heilsam bei Husten, Milzvergrößerung, Bauchauftreibung, Atemnot, Auszehrung und Stuhlverhaltung. Schafurin ist leicht alkalisch, bitter-pfeffrig, heiß und vertreibt *vāta*.
Pferdeurin regt die Verdauung an, ist pfeffrig, scharf, heiß und vertreibt *vāta*-bedingte Geistesstörungen; er vertreibt rasch *kapha* und wird bei Befall mit pathogenen Mikroorganismen und Hautausschlägen (Dadru) empfohlen.
Elefantenurin, bitter, salzig und abführend, vertreibt *vāta*, erregt jedoch *pitta*; er ist scharf und sollte bei Ätzbehandlungen sowie bei Vitiligo eingesetzt werden.
Eselurin heilt Vergiftungserscheinungen und Geistesstörungen, ist scharf und heilt Grahaṇī-Leiden; er regt die Verdauung an und vertreibt pathogene Mikroorganismen, *vāta* und *kapha*.
śophakuṣṭhodaronmādamāruta krimināśanam arśoghnaṃ kārabhaṃ mūtraṃ mānuṣaṃ ca viṣāpaham
Kamelurin vertreibt Ödeme, Hautkrankheiten, Bauchauftreibung, Wahnsinn, *vāta*-Erkrankungen und Wurmbefall und heilt Hämorrhoiden; auch Menschenurin gehört hierher und vertreibt Gift.
dra vadra vyāṇi sarvāṇi samāsāt kīrtitāni tu kāladeśavibhāgajño nṛpaterdātumarhati
So wurden alle flüssigen Substanzen (dravadravya) in Kürze dargestellt. Wer sich mit den Unterschieden von Zeit und Ort auskennt, ist dazu geeignet, dieses Wissen auch dem König weiterzugeben.