Quellen der Menschheit

Suśruta-Saṃhitā · Sutrasthana

Adhyāya 15: doṣadhātumalakṣayavṛddhivijñānīyo Mangel und Übermaß von Doṣa, Dhātu und Mala

Das fünfzehnte Kapitel, „Über die Erkenntnis von Abnahme und Zunahme der *Doṣa*, *Dhātu* und *Mala*“, systematisiert die Funktionen der drei Körpersäfte, der sieben Körpergewebe von *rasa* bis Same sowie der Ausscheidungsstoffe Stuhl, Harn und Schweiß und beschreibt zu jedem einzelnen die charakteristischen Zeichen von Mangel und Übermaß – etwa Zittern und Schlaflosigkeit bei *Vāta*-Mangel, Gelbfärbung bei *Pitta*-Übermaß. Breiten Raum nimmt die Lehre vom *ojas* (der Vitalessenz) als höchstem Glanz der Gewebe ein, dessen dreistufiger Schwund – Verrutschen, Erkrankung, völliger Verlust – über die Behandelbarkeit eines Patienten entscheidet. Eigens behandelt werden krankhaftes Übergewicht und krankhafte Magerkeit als Störungen des *rasa*, mit ausführlichen Therapieempfehlungen (u. a. Śilājatu und Guggulu gegen Fettleibigkeit, Aśvagandhā und Śatāvarī gegen Auszehrung) sowie der Warnung vor beiden Extremen zugunsten eines mittleren Körperbaus.

Zeichen von Mangel (Kṣaya) und Übermaß (Vṛddhi) der Doṣa, Dhātu und Mala (Vers 11–20)
FaktorZeichen bei MangelZeichen bei Übermaß
Vātaträge Bewegungen, geringes Sprechen, Verwirrtheitraue Sprache, Magerkeit, Zittern, Schlaflosigkeit, harter Stuhl
Pittaschwache Körperwärme, schwaches Verdauungsfeuer, mattes Aussehengelbliches Aussehen, Hitzegefühl, Ohnmacht, Gelbfärbung von Stuhl, Harn, Augen
KaphaTrockenheit, inneres Brennen, Schlaflosigkeit, Schwächeweißliche Farbe, Kälte, Schwere, übermäßiger Schlaf, Lockerung der Gelenke
RasaBeklemmung des Herzens, Zittern, DurstAufquellung des Herzens, übermäßiger Speichelfluss
Blut (rakta)Rauheit der Haut, Verlangen nach Saurem und KühlemRötung von Körper und Augen, Überfüllung der Venen
Muskelfleisch (māṃsa)Austrocknung von Gesäß, Wangen, Lippen u.a.Vergrößerung von Gesäß, Wangen, Lippen u.a.
Fettgewebe (medas)Vergrößerung der Milz, Trockenheitöliger Glanz der Glieder, Vergrößerung von Bauch und Flanken, Husten
Knochen (asthi)Knochenschmerz, brüchige Zähne und Nägelüberzählige Knochen und Zähne
Knochenmark (majjā)geringe Samenmenge, Aufbrechen der GelenkeSchwere in allen Gliedern und Augen
Same (śukra)Schmerz in Glied und Hoden, gestörter Samenergussvermehrte Samensteine (śukrāśmarī)
Stuhl (purīṣa)Druck in Herzgegend und Flanken, geräuschvoller WindAufblähung, Schmerzen im Unterleib
Harn (mūtra)Stechen in der Blase, geringe Harnmengevermehrte Harnmenge, Harndrang, Stechen
Schweiß (sveda)verengte Hautporen, Austrocknung, Ausbleiben des Schwitzensübler Geruch der Haut, Juckreiz
Ārtava (Menstrualblut)Ausbleiben oder geringe Menge, Schmerzen in der ScheideGliederschmerzen, übermäßiger Fluss, übler Geruch
Muttermilch (stanya)Welkheit der Brüste, Ausbleiben oder geringe MengeAnschwellen der Brüste, wiederkehrender Milchfluss, Stechen
Keim (garbha)Ausbleiben der Kindsbewegungen, nicht angeschwollener Leibstarke Vergrößerung des Bauches, Schwitzen
Die drei Stufen des Schwundes von Ojas (Vers 28–32)
StufeZeichen
Visraṃsa (Verrutschen)Lockerung der Gelenke, Erschlaffung der Glieder, Abwandern der Doṣa, Behinderung der Tätigkeiten
Vyāpad (Erkrankung)Starrheit und Schwere der Glieder, windbedingte Schwellung, Mattigkeit, Benommenheit, Schläfrigkeit
Kṣaya (völliger Schwund)Ohnmacht, Schwund des Muskelfleisches, Verwirrung, Delirium, Tod
Bei Verrutschen und Erkrankung ist eine Behandlung noch möglich; völliger Schwund gilt als unbehandelbar (Vers 32).

athāto doṣadhātumalakṣayavṛddhivijñānīyamadhyāyaṃ vyākhyāsyāmaḥ

Nun wollen wir das Kapitel über die Erkenntnis von Abnahme und Zunahme der *doṣa*, *dhātu* und *mala* erläutern.

yathovāca bhagavān dhanvantariḥ

So wie es der erhabene Dhanvantari verkündet hat.

doṣadhātumalamūlaṃ hi śarīraṃ tasmādeteṣāṃ lakṣaṇamucyamānamupadhāraya

Der Körper hat nämlich *doṣa*, *dhātu* und *mala* zur Grundlage; darum vernimm nun die Merkmale, die von ihnen dargelegt werden sollen.

tatra praspandanodvahanapūraṇavivekadhāraṇalakṣaṇo vāyuḥ pañcadhā pravibhaktaḥ śarīraṃ dhārayati

Der *vāta*, gekennzeichnet durch Bewegung, Antrieb, Füllung, Trennung und Erhaltung, ist fünffach unterteilt und trägt den Körper.

rāgapaktyojastejomedhoṣmakṛt pittaṃ pañcadhā pravibhaktamagnikarmaṇā'nugrahaṃ karoti

Das *pitta*, das Farbe, Verdauung, Vitalglanz (*ojas*), Wärmeglanz und geistige Klarheit hervorbringt, ist fünffach unterteilt und wirkt fördernd durch die Funktion des *agni* (Feuers).

sandhisaṃśleṣaṇasnehanaropaṇapūraṇabalasthairyakṛcchleṣmā pañcadhā pravibhakta udakakarmaṇā'nugrahaṃ karoti

Der *kapha*, der die Gelenke verbindet, ölig macht, heilt, füllt und Kraft sowie Festigkeit verleiht, ist fünffach unterteilt und wirkt fördernd durch die Funktion des Wassers.

rasastuṣṭiṃ prīṇanaṃ raktapuṣṭiṃ ca karoti raktaṃ varṇaprasādaṃ māṃsapuṣṭiṃ jīvayati ca māṃsaṃ śarīrapuṣṭiṃ medasaśca medaḥ snehasvedau dṛḍhatvaṃ puṣṭimasthnāṃ ca asthīni dehadhāraṇaṃ majjñaḥ puṣṭiṃ ca majjā snehaṃ balaṃ śukrapuṣṭiṃ pūraṇamasthnāṃ ca karoti śukraṃ dhairyaṃ cyavanaṃ prītiṃ dehabalaṃ harṣaṃ bījārthaṃ ca

Der *rasa* bewirkt Zufriedenheit, Sättigung und die Ernährung des Blutes; das Blut bewirkt Klarheit der Hautfarbe, Ernährung des Muskelfleisches und belebt es; das Muskelfleisch bewirkt die Ernährung des Körpers und des Fettgewebes; das Fettgewebe bewirkt Geschmeidigkeit, Schwitzen sowie Festigkeit und Ernährung der Knochen; die Knochen erhalten den Körper und ernähren das Knochenmark; das Knochenmark bewirkt Geschmeidigkeit, Kraft, Ernährung des Samens und Füllung der Knochen; der Same bewirkt Standhaftigkeit, Erguss, Lustgefühl, Körperkraft, Freude und dient der Zeugung.

purīṣamupastambhaṃ vāyvagnidhāraṇaṃ ca bastipūraṇavikle dakṛnmūtraṃ svedaḥ kledatvaksaukumāryakṛt

Der Stuhl (*purīṣa*) bewirkt Stütze sowie das Zurückhalten von Wind und Feuer; der Harn füllt die Blase und bewirkt Erweichung; der Schweiß bewirkt Feuchtigkeit und Geschmeidigkeit der Haut.

raktalakṣaṇamārtavaṃ garbhakṛcca garbho garbhalakṣaṇaṃ stanyaṃ stanayorāpīnatvajananaṃ jīvanaṃ ceti

Das *ārtava* trägt die Merkmale des Blutes und bewirkt die Empfängnis; der Keim (*garbha*) trägt die Merkmale der Schwangerschaft; die Muttermilch (*stanya*) bewirkt das Anschwellen der Brüste und die Belebung des Kindes.

tatra vidhivat parirakṣaṇaṃ kurvīta

Diese alle soll man vorschriftsmäßig bewahren.

ata ūrdhvameṣāṃ kṣīṇalakṣaṇaṃ vakṣyāmaḥ tatra vātakṣaye mandaceṣṭatā'lpavāktva-mapraharṣo mūḍhasaṃjñatā ca pittakṣaye mandoṣmāgnitā niṣprabhatā ca śleṣmakṣaye rū-kṣatā'ntardāha āmāśayetaraśleṣmāśayaśūnyatā sandhiśaithilyaṃ tṛṣṇā daurbalyaṃ prajāgaraṇaṃ ca

Nun wollen wir im Folgenden die Zeichen ihrer Verminderung darlegen. Bei Verminderung des *vāta*: träge Bewegungen, geringes Sprechen, mangelnde Lebhaftigkeit und Verwirrtheit des Bewusstseins. Bei Verminderung des *pitta*: schwache Körperwärme, schwaches Verdauungsfeuer und mattes Aussehen. Bei Verminderung des *kapha*: Trockenheit, inneres Brennen, Leere des Magens (*āmāśaya*) und der übrigen Schleimsitze, Schlaffheit der Gelenke, Durst, Schwäche und Schlaflosigkeit.

tatra svayonivardhanānyeva pratīkāraḥ

Dagegen besteht die Behandlung eben darin, das jeweils Vermehrende der eigenen Art des betroffenen *doṣa* anzuwenden.

rasakṣaye hṛtpīḍākampaśūnyatāstṛṣṇā ca śoṇitakṣaye tvakpāruṣyamamlaśīta-prārthanā sirāśaithilyaṃ ca māṃsakṣaye sphiggaṇḍauṣṭhopasthoruvakṣaḥ kakṣāpiṇḍi-kodaragrīvāśuṣkatā raukṣyatodau gātrāṇāṃ sadanaṃ dhamanīśaithilyaṃ ca medaḥkṣaye plīhābhivṛddhiḥ sandhiśūnyatā raukṣyaṃ meduramāṃsaprārthanā ca asthikṣaye'sthi-śūlaṃ dantanakhabhaṅgo raukṣyaṃ ca majjakṣaye'lpaśukratā parvabhedo'sthinistodo-'sthiśūnyatā ca śukrakṣaye meḍhravṛṣaṇavedanā'śaktirmaithune cirādvā prasekaḥ praseke cālparaktaśukradarśanam

Bei Verminderung des *rasa*: Beklemmung des Herzens, Zittern, Leeregefühl und Durst. Bei Verminderung des Blutes: Rauheit der Haut, Verlangen nach Saurem und Kühlem, Schlaffheit der Venen. Bei Verminderung des Muskelfleisches: Austrocknung von Gesäß, Wangen, Lippen, Schamgegend, Schenkeln, Brust, Achseln, Waden, Bauch und Nacken, Rauheit und Stechen, Erschlaffung der Glieder und Schlaffheit der *dhamanī*. Bei Verminderung des Fettgewebes: Vergrößerung der Milz, Leere der Gelenke, Trockenheit und Verlangen nach fettreichem Fleisch. Bei Verminderung der Knochen: Knochenschmerz, Brüchigkeit von Zähnen und Nägeln, Trockenheit. Bei Verminderung des Knochenmarks: geringe Samenmenge, Aufbrechen der Gelenke, Stechen in den Knochen und Leere der Knochen. Bei Verminderung des Samens: Schmerz in Glied und Hoden, Unfähigkeit zum Geschlechtsverkehr oder nur ein verspäteter, tröpfelnder Samenerguss, bei dem nur wenig blutig gefärbter Samen zu sehen ist.

tatrāpi svayonivardhanadra vyopayogaḥ pritīkāraḥ

Auch hier besteht die Behandlung in der Anwendung von Mitteln, die das jeweils Betroffene seiner eigenen Art nach vermehren.

purīṣakṣaye hṛdayapārśvapīḍā saśabdasya ca vāyorūrdhvagamanaṃ kukṣau saṃcaraṇaṃ ca mūtrakṣaye bastitodo'lpamūtratā ca atrāpi svayo nivardhanadra vyopayogaḥ svedakṣaye stabdharomakūpatā tvakśoṣaḥ sparśavaiguṇyaṃ svedanāśaśca tatrābhyaṅgaḥ svedopayogaśca

Bei Verminderung des Stuhls: Druck in Herzgegend und Flanken, geräuschvolles Aufsteigen von Wind sowie Umherwandern im Unterleib. Bei Verminderung des Harns: Stechen in der Blase und geringe Harnmenge; auch hier ist die Anwendung von Mitteln angezeigt, die das jeweils Betroffene vermehren. Bei Verminderung des Schweißes: Verengung der Hautporen, Austrocknung der Haut, gestörtes Tastempfinden und Ausbleiben des Schwitzens; hier hilft Einölung (*abhyaṅga*) und schweißtreibende Behandlung.

ārtavakṣaye yathocitakālādarśanamalpatā vā yonivedanā ca tatra saṃśodhanamāgneyānāṃ ca dra vyāṇāṃ vidhivadupayogaḥ stanakṣaye stanayormlānatā stanyāsaṃbhavo'lpatā vā tatra śleṣmavardhanadra vyo payogaḥ garbhakṣaye garbhāspandanamanunnatakukṣitā ca tatra prāptabasti kālāyāḥ kṣīrabastiprayogo medyānnopayogaśceti

Bei Verminderung des *ārtava*: Ausbleiben zur gewohnten Zeit oder nur geringe Menge, sowie Schmerzen in der Scheide; dagegen hilft eine reinigende Behandlung (*saṃśodhana*) und die vorschriftsmäßige Anwendung feuriger (*āgneya*) Mittel. Bei Verminderung der Muttermilch: Welkheit der Brüste, Ausbleiben oder nur geringe Menge der Milch; dagegen hilft die Anwendung von Mitteln, die den *kapha* vermehren. Bei Verminderung des Keimes: Ausbleiben der Kindsbewegungen und ein nicht angeschwollener Leib; dagegen wende man, sobald für die Frau die Zeit für ein *basti* (Klistier) gekommen ist, ein Milchklistier an sowie fettreiche Nahrung.

ata ūrdhvamativṛddhānāṃ doṣadhātumalānāṃ lakṣaṇaṃ vakṣyāmaḥ vṛddhiḥ punareṣāṃ sva-yonivardhanātyupasevanādbhavati tatra vātavṛddhau vākpāruṣyaṃ kārśyaṃ kārṣṇyaṃ gātrasphuraṇamuṣṇakāmitā nidrā nāśo'lpabalatvaṃ gāḍhavarcastvaṃ ca pittavṛddhau pītāvabhāsatā saṃtāpaḥ śītakāmitvamalpanidra tā mūrcchā balahāniri-ndri yadaurbalyaṃ pīta viṇmūtranetratvaṃ ca śleṣmavṛddhau śauklyaṃ śaityaṃ sthairyaṃ gauravamavasādastandrā nidrā sandhiviśleṣaśca

Nun wollen wir im Folgenden die Zeichen der übermäßigen Vermehrung der *doṣa*, *dhātu* und *mala* darlegen. Diese Vermehrung entsteht durch übermäßigen Genuss dessen, was das jeweils Betroffene seiner eigenen Art nach vermehrt. Bei Vermehrung des *vāta*: raue Sprache, Magerkeit, Schwärzlichkeit, Zittern der Glieder, Verlangen nach Wärme, Schlaflosigkeit, Kraftlosigkeit und harter Stuhl. Bei Vermehrung des *pitta*: gelbliches Aussehen, Hitzegefühl, Verlangen nach Kühle, wenig Schlaf, Ohnmacht, Kraftverlust, Schwäche der Sinnesorgane sowie Gelbfärbung von Stuhl, Harn und Augen. Bei Vermehrung des *kapha*: weißliche Farbe, Kälte, Starrheit, Schwere, Mattigkeit, Benommenheit, übermäßiger Schlaf und Lockerung der Gelenke.

raso'tivṛddho hṛdayotkledaṃ prasekaṃ cāpādayati raktaṃ raktāṅgākṣitāṃ sirāpūrṇatvaṃ ca māṃsaṃ sphiggaṇḍauṣṭhopasthorubāhujaṅghāsu vṛddhiṃ gurugātratāṃ ca medaḥ snigdhā-ṅgatāmudarapāśvarvṛddhiṃ kāsaśvāsādīn daurgandhyaṃ ca asthyadhyasthīnyadhidantāṃścā majjā sarvāṅganetragauravaṃ ca śukraṃ śukrāśmarīmatiprādurbhāvaṃ ca

Übermäßig vermehrter *rasa* bewirkt Aufquellung des Herzens und übermäßigen Speichelfluss. Vermehrtes Blut bewirkt Rötung von Körper und Augen sowie Überfüllung der Venen. Vermehrtes Muskelfleisch bewirkt Vergrößerung von Gesäß, Wangen, Lippen, Schamgegend, Schenkeln, Armen und Unterschenkeln sowie Schwerfälligkeit der Glieder. Vermehrtes Fettgewebe bewirkt öligen Glanz der Glieder, Vergrößerung von Bauch und Flanken, Husten, Atemnot und dergleichen sowie üblen Körpergeruch. Vermehrte Knochen bewirken überzählige Knochen und überzählige Zähne. Vermehrtes Knochenmark bewirkt Schwere in allen Gliedern und Augen. Vermehrter Same bewirkt vermehrtes Auftreten von Samensteinen (*śukrāśmarī*).

purīṣamāṭopaṃ kukṣau śūlaṃ ca mūtraṃ mūtravṛddhiṃ muhurmuhuḥ pravṛttiṃ bastitodamādhmānaṃ ca svedastvaco daurgandhyaṃ kaṇḍūṃ ca

Vermehrter Stuhl bewirkt Aufblähung und Schmerzen im Unterleib; vermehrter Harn bewirkt vermehrte Harnmenge, immer wiederkehrenden Harndrang, Stechen in der Blase und Blähung; vermehrter Schweiß bewirkt üblen Geruch der Haut und Juckreiz.

ārtavamaṅgamardamatipravṛttiṃ daurgandhyaṃ ca stanyaṃ stanayorāpīnatvaṃ muhurmuhuḥ pravṛttiṃ todaṃ ca garbho jaṭharābhivṛddhiṃ svedaṃ ca

Vermehrtes *ārtava* bewirkt Gliederschmerzen, übermäßigen Fluss und üblen Geruch; vermehrte Muttermilch bewirkt Anschwellen der Brüste, immer wiederkehrenden Milchfluss und Stechen; ein übermäßig wachsender Keim bewirkt starke Vergrößerung des Bauches und Schwitzen.

teṣāṃ yathāsvaṃ saṃśodhanaṃ kṣapaṇaṃ ca kṣayāda viruddhaiḥ kriyāviśeṣaiḥ prakurvīta

Bei diesen wende man jeweils, ohne der Verminderung entgegenzuwirken, die entsprechenden reinigenden und vermindernden Behandlungsmaßnahmen an.

pūrvaḥ pūrvo'tivṛddhatvādvardhayeddhi paraṃ param tasmādatipravṛddhānāṃ dhātūnāṃ hrāsanaṃ hitam

Denn ein jeweils vorangehendes, übermäßig vermehrtes Gewebe vermehrt auch das nachfolgende; deshalb ist bei übermäßig vermehrten *dhātu* eine Verminderung heilsam.

balalakṣaṇaṃ balakṣayalakṣaṇaṃ cāta ūrdhvamupadekṣyāmaḥ tatra rasādīnāṃ śukrāntānāṃ dhātūnāṃ yat paraṃ tejastat khalvojastadeva balamityucyate svaśāstrasiddhāntāt

Nun wollen wir im Folgenden die Zeichen der Kraft (*bala*) und die Zeichen ihrer Verminderung darlegen. Der höchste Glanz der *dhātu*, angefangen vom *rasa* bis hin zum Samen, das eben ist *ojas* (die Vitalessenz), und dieses wird, gemäß der Lehre unseres Faches, als *bala* bezeichnet.

tatra balena sthiropacitamāṃsatā sarvaceṣṭāsvapratighātaḥ svaravarṇaprasādo bāhyānāmābhyantarāṇāṃ ca karaṇānāmātmakāryapratipattirbhavati

Durch die Kraft entsteht ein fest gefügtes, wohlgenährtes Muskelfleisch, ungehinderte Bewegungsfähigkeit in allen Tätigkeiten, Klarheit von Stimme und Hautfarbe, sowie das ungestörte Erfüllen ihrer jeweiligen Aufgabe durch die äußeren und inneren Sinnesorgane.

bhavanti cātra ojaḥ somātmakaṃ snigdhaṃ śuklaṃ śītaṃ sthiraṃ saram viviktaṃ mṛdu mṛtsnaṃ ca prāṇāyatanamuttamam

Dazu heißt es: Das *ojas* ist von mondhafter (*soma*) Natur, ölig, weiß, kühl, stabil, fließend, klar unterscheidbar, weich und schleimig; es ist der höchste Sitz der Lebenskraft (*prāṇa*).

dehaḥ sāvayavastena vyāpto bhavati dehinaḥ tadabhāvācca śīryante śarīrāṇi śarīriṇām

Durch dieses *ojas* ist der Körper des Lebewesens mit all seinen Gliedern durchdrungen; bei seinem Fehlen aber zerfallen die Körper der Lebewesen.

abhighātātkṣayātkopācchokāddhyānācchramātkṣudhaḥ ojaḥ saṃkṣīyate hyebhyo dhātugrahaṇaniḥsṛtam tejaḥ samīritaṃ tasmādvisraṃsayati dehinaḥ

Durch Verletzung, Erschöpfung, Zorn, Kummer, angestrengtes Nachdenken, Anstrengung und Hunger wird das *ojas* vermindert; denn durch diese Ursachen wird der aus der Aufnahme der *dhātu* gewonnene Glanz in Bewegung versetzt und lässt so die Körper der Lebewesen schwinden.

tasya visraṃso vyāpat kṣaya iti trayo doṣāḥ liṅgāni bhavanti saṃndhivi-śleṣo gātrāṇāṃ sadanaṃ doṣacyavanaṃ kriyāsannirodhaśca visraṃse stabdhagurugātratā vātaśopho varṇabhedo glānistandrā nidrā ca vyāpanne mūrcchā māṃsakṣayo mohaḥ pralāpomaraṇamiti ca kṣaye

Seine Verminderung geschieht in drei Stufen: Verrutschen (*visraṃsa*), Erkrankung (*vyāpad*) und völliger Schwund (*kṣaya*). Beim Verrutschen sind die Zeichen: Lockerung der Gelenke, Erschlaffung der Glieder, Abwandern der *doṣa* und Behinderung der Tätigkeiten. Bei der Erkrankung: Starrheit und Schwere der Glieder, windbedingte Schwellung, Veränderung der Hautfarbe, Mattigkeit, Benommenheit und Schläfrigkeit. Beim völligen Schwund: Ohnmacht, Schwund des Muskelfleisches, Verwirrung, Delirium und schließlich der Tod.

bhavanti cātra trayo doṣā balasyoktā vyāpadvisraṃsanakṣayāḥ viśleṣasādau gātrāṇāṃ doṣavisraṃsanaṃ śramaḥ

Dazu heißt es: Drei Störungen der Kraft werden genannt: Erkrankung, Verrutschen und Schwund. Lockerung und Erschlaffung der Glieder sowie Abwandern der *doṣa* nebst Erschöpfung kennzeichnen das Verrutschen.

aprācuryaṃ kriyāṇāṃ ca balavisraṃsalakṣaṇam gurutvaṃ stabdhatā'ṅgeṣu glānirvarṇasya bhedanam

Mangelnde Ausdauer bei den Tätigkeiten ist ebenfalls ein Zeichen des Verrutschens der Kraft; Schwere und Starrheit in den Gliedern, Mattigkeit und Veränderung der Hautfarbe

tandrā nidrā vātaśopho balavyāpadi lakṣaṇam mūrcchā māṃsakṣayo mohaḥ pralāpo'jñānameva ca

sowie Benommenheit, Schläfrigkeit und windbedingte Schwellung sind die Zeichen der Erkrankung der Kraft; Ohnmacht, Schwund des Muskelfleisches, Verwirrung, Delirium und Bewusstlosigkeit

pūrvoktāni ca liṅgāni maraṇaṃ ca balakṣaye tatra visraṃsevyāpanne ca kriyāviśeṣairaviruddhairbalamāpyāyayet itaraṃ tu mūḍhasaṃjñaṃ varjayet

sowie die zuvor genannten Zeichen und schließlich der Tod sind die Zeichen des Schwundes der Kraft. Bei Verrutschen und Erkrankung soll man mit geeigneten, nicht widersprechenden Behandlungsmaßnahmen die Kraft wieder auffüllen; den anderen Fall aber, bei dem das Bewusstsein bereits umnachtet ist, meide man als unbehandelbar.

doṣadhātumalakṣīṇo balakṣīṇo'pi vā naraḥ svayonivardhanaṃ yattadannapānaṃ prakāṅkṣati

Ein Mensch, dessen *doṣa*, *dhātu* und *mala* vermindert sind, oder auch einer, dessen Kraft vermindert ist, verlangt gerade nach der Speise und dem Trank, die das jeweils Betroffene seiner eigenen Art nach vermehren.

yadyadāhārajātaṃ tu kṣīṇaḥ prārthayate naraḥ tasya tasya sa lābhe tu taṃ taṃ kṣayamapohati

Welche Art von Nahrung ein an Mangel Leidender auch immer verlangt, durch deren Erlangen beseitigt er jeweils genau diesen Mangel.

yasya dhātukṣayādvāyuḥ saṃjñāṃ karma ca nāśayet prakṣīṇaṃ ca balaṃ yasya nāsau śakyaścikitsitum

Wessen Bewusstsein und Handlungsfähigkeit der *vāta* infolge eines Schwunds der *dhātu* zerstört hat, und wessen Kraft gänzlich erschöpft ist, der lässt sich nicht mehr behandeln.

rasanimittameva sthaulyaṃ kārśyaṃ ca tatra śleṣmalāhārasevino'dhyaśanaśīla-syāvyāyāmino divāsvapnaratasya cāma evānnaraso madhurataraśca śarīramunakrāma-nnatisnehānmedo janayati tadatisthaulyamāpādayati tamatisthūlaṃ kṣudra śvāsapipā-sākṣutsvapnasvedagātradaurgandhyakrathanagātrasādagadgadatvāni kṣipramevāviśanti saukumāryānmedasaḥ sarvakriyāsvasamarthaḥ kaphamedoniruddhamārgatvāccālpavya-vāyo bhavati āvṛtamārgatvādeva śeṣā dhātavo nāpyāyante'tyarthamato'lpaprāṇo bhavati pramehapiḍakājvarabhagandaravidra dhivātavikārāṇāmanyatamaṃ prāpya pañcatva-mupayāti sarva eva cāsya rogā balavanto bhavantyāvṛtamārgatvāt srotasām atastasyotpattihetuṃ pariharet utpanne tu śilājatuguggulugomūtratriphalā lo-harajorasāñjana madhu yavamudgakoradūṣakaśyāmākoddālakādīnāṃ virūkṣaṇacchedanīyānāṃ ca dra vyāṇāṃ vidhivadupayogo vyāyāmo lekhanabastyupayogaśceti

Übergewicht und Magerkeit haben beide ihre Ursache im *rasa*. Bei jemandem, der sich schleimvermehrende Nahrung angewöhnt hat, zu viel isst, keine Bewegung treibt und gerne tagsüber schläft, bleibt der Nahrungssaft unverdaut (*āma*) und übermäßig süß; er durchdringt den Körper nicht recht und erzeugt, wegen des Übermaßes an Öligkeit, Fettgewebe, das zu übermäßigem Übergewicht führt. Bei einem so übermäßig Fettleibigen stellen sich rasch Kurzatmigkeit, Atemnot, Durst, Hunger, übermäßiger Schlaf, Schwitzen, übler Körpergeruch, Rasseln, Erschlaffung der Glieder und stockende Sprache ein. Wegen der Weichheit seines Fettgewebes ist er zu allen Tätigkeiten unfähig; da *kapha* und Fettgewebe seine Kanäle (*srotas*) verstopfen, hat er nur wenig Geschlechtsverkehr; und weil die Kanäle verschlossen sind, werden die übrigen *dhātu* nicht mehr recht genährt, weshalb seine Lebenskraft (*prāṇa*) gering wird. Erleidet er eine der Krankheiten *prameha*-Geschwüre (diabetesartige Hautpusteln), Fieber, *bhagandara* (Analfistel) oder *vidradhi* (innerer Abszess) beziehungsweise eine windbedingte Störung, so geht er daran zugrunde; und alle seine Krankheiten sind besonders hartnäckig, weil die Kanäle verstopft sind. Deshalb soll man die Ursache für die Entstehung dieses Zustands meiden. Ist er aber bereits eingetreten, so ist die vorschriftsmäßige Anwendung austrocknender und spaltender Mittel angezeigt, wie Śilājatu, Guggulu, Kuhurin, Triphalā, Eisenpräparate, Rasāñjana, Honig, Gerste, Mudga, Koradūṣaka, Śyāmāka und Koddālaka, sowie Bewegung, abmagernde Mittel (*lekhana*) und Klistieranwendungen (*basti*).

tatra punarvātalāhārasevino'tivyāyāmavyavāyādhyayanabhayaśokadhyānarātrijā-garaṇapipāsākṣutkaṣāyālpāśanaprabhṛtibhirupaśoṣitorasadhātuḥ śarīramananukrā-mannalpatvānna prīṇāti tasmādatikārśyaṃ bhavati so'tikṛśaḥ kṣutpipāsāśī-toṣṇavātavarṣabhārādāneṣvasahiṣṇurvātarogaprāyo'lpaprāṇaśca kriyāsu bhavati śvāsakāsaśoṣaplīhodarāgnisādagulmaraktapittā nāmanyatamamāsādya maraṇamu-payāti sarva eva cāsya rogā balavanto bhavantyalpaprāṇatvāt atastasyotpa-ttihetuṃ pariharet utpanne tu payasyāśvagandhā vidārigandhā śatāvarībalātiba-lānāgabalānāṃ madhurāṇāmanyāsāṃ cauṣadhī nāmupayogaḥ kṣīradadhighṛtamāṃsaśā-liṣaṣṭikayavagodhūmānāṃ ca divāsvapnabrahmacaryāvyāyāmabṛṃhaṇabastyupayogaśceti

Bei jemandem hingegen, der windvermehrende Nahrung zu sich nimmt und durch übermäßige Bewegung, Geschlechtsverkehr, Studium, Angst, Kummer, angestrengtes Nachdenken, nächtliches Wachbleiben, Durst, Hunger, adstringierende Mittel und zu geringe Nahrungsaufnahme ausgetrocknet ist, wird der Gewebesaft nicht mehr recht gebildet; er durchdringt den Körper nicht mehr und kann ihn wegen seiner Geringfügigkeit nicht mehr sättigen, weshalb übermäßige Magerkeit entsteht. Ein solcher übermäßig Abgemagerter erträgt Hunger, Durst, Kälte, Hitze, Wind, Regen und das Tragen von Lasten nur schlecht, neigt zu windbedingten Erkrankungen und ist bei allen Tätigkeiten schwach an Lebenskraft. Erleidet er eine der Krankheiten Atemnot, Husten, Schwindsucht, Milzleiden, Bauchwassersucht, Verdauungsschwäche, *gulma* (Bauchgeschwulst) oder *raktapitta* (eine Blutungsstörung durch verschlechtertes *pitta*), so geht er daran zugrunde; und alle seine Krankheiten sind besonders hartnäckig, weil seine Lebenskraft gering ist. Deshalb soll man die Ursache für die Entstehung dieses Zustands meiden. Ist er aber bereits eingetreten, so ist die Anwendung von Payasyā, Aśvagandhā, Vidārigandhā, Śatāvarī, Balā, Atibalā, Nāgabalā und anderen süßen Heilkräutern angezeigt, ebenso von Milch, Dickmilch, Ghee, Fleisch, Śāli- und Ṣaṣṭika-Reis, Gerste und Weizen, sowie Tagesschlaf, sexuelle Enthaltsamkeit (*brahmacarya*), kräftigende Bewegung, Aufbaukur (*bṛṃhaṇa*) und Klistieranwendungen.

yaḥ punarubhayasādhāraṇānyāseveta tasyānnarasaḥ śarīramanukrāman samān dhātū-nupacinoti samadhātutvānmadhyaśarīro bhavati sarvakriyāsu samarthaḥ kṣutpipāsāśītoṣṇavātavarṣātapasaho balavāṃśca sa satatamanupālayitavya iti

Wer aber eine für beide Extreme gemeinsame, ausgewogene Lebensweise pflegt, dessen Nahrungssaft durchdringt den Körper und mehrt die *dhātu* gleichmäßig; durch diese Ausgewogenheit der Gewebe erhält er einen mittleren Körperbau, ist zu allen Tätigkeiten fähig, erträgt Hunger, Durst, Kälte, Hitze, Wind, Regen und Sonnenglut, und ist kraftvoll. Diesen Zustand soll man beständig bewahren.

bhavanti cātra atyantagarhitāvetau sadā sthūlakṛśau narau śreṣṭho madhyaśarīrastu kṛśaḥ sthūlāttu pūjitaḥ

Dazu heißt es: Diese beiden, der stets Fette und der stets Magere, sind gänzlich zu verwerfen; der von mittlerer Statur ist der Beste, doch der Magere ist immer noch dem Fetten vorzuziehen.

doṣaḥ prakupito dhātūn kṣapayatyātmatejasā iddhaḥ svatejasā vahnirukhāgatamivodakam

Ein erregter *doṣa* zehrt kraft seiner eigenen Glut die *dhātu* auf, so wie entfachtes Feuer kraft seiner eigenen Hitze Wasser verzehrt, das in einen Topf gegossen wurde.

vailakṣaṇyāccharīrāṇāmasthāyitvāttathaiva ca doṣadhātumalānāṃ tu parimāṇaṃ na vidyate

Wegen der Verschiedenartigkeit der Körper und ebenso wegen ihrer Unbeständigkeit lässt sich für *doṣa*, *dhātu* und *mala* kein festes Maß angeben.

eṣāṃ samatvaṃ yaccāpi bhiṣagbhiravadhāryate na tat svāsthyādṛte śakyaṃ vaktumanyena hetunā

Und dieses Gleichgewicht, das von den Ärzten bestimmt wird, lässt sich durch kein anderes Merkmal als eben die Gesundheit selbst feststellen.

doṣādīnāṃ tvasamatāmanumānena lakṣayet aprasannendri yaṃ vīkṣya puruṣaṃ kuśalo bhiṣak

Ein kundiger Arzt erkennt das Ungleichgewicht der *doṣa* und der übrigen Faktoren auf dem Wege der Schlussfolgerung, indem er beobachtet, dass die Sinnesorgane eines Menschen getrübt sind.

svisthasya rakṣaṇaṃ kuryādasvasthasya tu buddhimān kṣapayedbṛṃhayeccāpi doṣadhātumalān bhiṣak tāvadyāvadarogaḥ syādetatsāmyasya lakṣaṇam

Bei einem Gesunden soll man für die Erhaltung sorgen; bei einem Kranken aber soll der kluge Arzt die *doṣa*, *dhātu* und *mala* vermindern oder vermehren, so lange, bis der Patient wieder frei von Krankheit ist – dies ist das Kennzeichen des rechten Gleichgewichts.

samadoṣaḥ samāgniśca samadhātumalakriyaḥ prasannātmendri yamanāḥ svastha ityabhidhīyate

Wer ausgeglichene *doṣa*, ausgeglichenes Verdauungsfeuer, ausgeglichene Gewebe und Ausscheidungsvorgänge sowie einen klaren Geist, klare Sinne und klares Gemüt besitzt, wird als gesund (*svastha*) bezeichnet.

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