Quellen der Menschheit

Suśruta-Saṃhitā · Sutrasthana

Adhyāya 42: rasaviśeṣavijñānīyo Die Besonderheiten der Geschmäcker (Rasa)

Das zweiundvierzigste Kapitel behandelt systematisch die „Besonderheiten der Geschmäcker“ (rasa): Aus dem wasserzugehörigen Grundgeschmack entstehen durch Mischung mit den übrigen Elementen die sechs Geschmacksrichtungen süß, sauer, salzig, scharf, bitter und zusammenziehend, die sich wiederum zu dreiundsechzig Kombinationen verbinden lassen. Für jeden Geschmack werden Elementherkunft, sinnliche Erkennungsmerkmale, Wirkung auf die drei Doṣa sowie – bei übermäßigem Genuss – charakteristische Krankheitsbilder ausführlich beschrieben, etwa Kropf und Verschleimung bei Süßem im Übermaß oder Zahnschmerz und Sodbrennen bei Saurem. Den Abschluss bildet jeweils eine Liste typischer Substanzen pro Geschmacksgruppe, von der Kākolī-Gruppe und Milchprodukten beim Süßen bis zu Granatapfel und Tamarinde beim Sauren. Das Kapitel liefert damit das begriffliche Rüstzeug der Geschmackslehre, auf das die gesamte Diätetik und Pharmakologie der Saṃhitā aufbaut.

Die sechs Geschmacksrichtungen (rasa) (Vers 3–22)
GeschmackElementherkunftWirkung auf DoṣaÜbermäßiger Genuss (Symptome)
süß (madhura)Erde + Wasserbesänftigt Vāta und Pitta, vermehrt KaphaHusten, Atemnot, Erbrechen, Geschwülste, Kropf
sauer (amla)Erde + Feuerbesänftigt Vāta, vermehrt Pitta und KaphaZittern der Zähne, Auflösung von Kapha, verzögerte Wundheilung
salzig (lavaṇa)Wasser + Feuerbesänftigt Vāta, vermehrt Pitta und KaphaJuckreiz, Nesselausschlag, Blutungsneigung, Sodbrennen
scharf (kaṭu)Wind + Feuerbesänftigt Kapha, vermehrt Vāta und PittaSchwindel, Austrocknung von Rachen und Lippen, Brennen, Zittern
bitter (tikta)Wind + Ätherbesänftigt Pitta und Kapha, vermehrt VātaSteifheit, Krämpfe, Kopfschmerz, Schwindel
zusammenziehend (kaṣāya)Erde + Windbesänftigt Pitta und Kapha, vermehrt VātaDruck auf das Herz, Mundtrockenheit, Steifheit des Nackens, Krämpfe
Beispielsubstanzen: süß – Kākolī-Gruppe, Milch, Reis; sauer – Granatapfel, Āmalaka, Tamarinde; salzig – Steinsalz, Meersalz; scharf – Pippalī-Gruppe, Rettich, Knoblauch; bitter – Āragvadha-Gruppe, Guḍūcī-Gruppe; zusammenziehend – Nyagrodha-Gruppe, drei Myrobalanen (V19–22).

athāto rasaviśeṣavijñānīyamadhyāyaṃ vyākhyāsyāmaḥ

Nun wollen wir das Kapitel über die Besonderheiten der Geschmäcker (rasa, „Geschmack“) erklären.

yathovāca bhagavān dhanvantariḥ

So wie es der erhabene Dhanvantari lehrte:

ākāśapavanadahanatoyabhūmiṣu yathāsaṅkhyamekottaraparivṛddhāḥśabdasparśarūpa ra-sagandhāḥ tasmādāpyo rasaḥ parasparasaṃsargāt parasparānugrahāt parasparānuprave-śācca sarveṣu sarveṣāṃsānnidhyamasti utkarṣāpakarṣāttau grahaṇam sa khalvāpyo rasaḥ śeṣabhūtasaṃsargādvidagdhaḥ ṣoḍhā vibhajyate tadyathāmadhuro'mlo lavaṇaḥ ka-ṭukastiktaḥ kaṣāya iti te ca bhūyaḥ parasparasaṃsargāttriṣaṣṭidhā bhidyante tatra bhūmyambuguṇabāhulyānmadhuraḥ bhūmyagniguṇabāhulyādamlaḥ toyāgniguṇabāhulyā-llavaṇaḥ vāyvagniguṇabāhulyāt kaṭukaḥ vāyvā kāśaguṇabāhulyāttiktaḥ pṛthivyanilaguṇabāhulyātkaṣāya iti

In Äther, Luft, Feuer, Wasser und Erde nehmen der Reihe nach je um eine Eigenschaft mehr zu: Klang, Tastempfindung, Form, Geschmack und Geruch. Deshalb gehört der Geschmack eigentlich zum Wasser; doch durch das gegenseitige Vermischen, die gegenseitige Unterstützung und das gegenseitige Durchdringen der Elemente ist in allem etwas von allem gegenwärtig; man erkennt sie an ihrem Vorherrschen und Zurücktreten. Dieser dem Wasser zugehörige Geschmack wird nun, indem er sich mit den übrigen Elementen verbindet und dadurch verändert wird, in sechs Arten unterteilt, nämlich: süß, sauer, salzig, scharf, bitter und zusammenziehend. Diese wiederum werden durch ihre gegenseitige Vermischung in dreiundsechzig Arten unterteilt. Dabei entsteht Süß durch das Überwiegen der Eigenschaften von Erde und Wasser, Sauer durch das Überwiegen der Eigenschaften von Erde und Feuer, Salzig durch das Überwiegen der Eigenschaften von Wasser und Feuer, Scharf durch das Überwiegen der Eigenschaften von Luft und Feuer, Bitter durch das Überwiegen der Eigenschaften von Luft und Äther, Zusammenziehend durch das Überwiegen der Eigenschaften von Erde und Luft.

tatra madhurāmlalavaṇā vātaghnāḥ madhuratiktakaṣāyāḥ pittaghnāḥ kaṭutiktakaṣāyāḥ śleṣmaghnāḥ

Süß, Sauer und Salzig besänftigen vāta; Süß, Bitter und Zusammenziehend besänftigen pitta; Scharf, Bitter und Zusammenziehend besänftigen kapha.

tatra vāyorātmaivātmā pittamāgneyaṃ śleṣmā saumya iti

Dabei ist vāta gleichsam sein eigenes Wesen, pitta ist feuriger Natur, kapha ist mondhaft-wässriger Natur.

ta ete rasāḥ svayonivardhanā anyayonipraśamanāśca

Diese Geschmäcker vermehren das ihnen wesensverwandte Doṣa und besänftigen das ihm fremde.

kecidāhuḥagnīṣomīyatvājjagato rasā dvividhāḥsaumyā āgneyāśca madhurati-ktakaṣāyāḥ saumyāḥ kaṭvamlalavaṇā āgneyāḥ tatra madhurāmlalavaṇāḥ sni-gdhā guravaśca kaṭutiktakaṣāyā rūkṣā laghavaśca saumyāḥ śītāḥ āgneyā uṣmā

Manche Lehrer sagen: Weil die Welt aus Feuer und Mond besteht, sind die Geschmäcker zweifacher Art – mondhaft und feurig. Süß, Bitter und Zusammenziehend sind mondhaft; Scharf, Sauer und Salzig sind feurig. Dabei sind Süß, Sauer und Salzig ölig und schwer, während Scharf, Bitter und Zusammenziehend rau und leicht sind; die mondhaften Geschmäcker sind kühl, die feurigen sind heiß.

tatra śaityaraukṣyalāghavavaiśadyavaiṣṭambhyaguṇalakṣaṇo vāyuḥ tasya samānayoniḥ ka-ṣāyo rasaḥ so'sya śaityācchatyaṃ vardhayati raukṣyādrau kṣyaṃ lāghavāllāghavaṃ vaiśadyādvaiśadyaṃ vaiṣṭambhyādvaiṣṭambhyamiti

Vāta ist gekennzeichnet durch die Eigenschaften Kühle, Rauheit, Leichtigkeit, Klarheit und Blockierendes; ihm wesensverwandt ist der Geschmack Zusammenziehend. Dieser vermehrt durch seine Kühle die Kühle, durch seine Rauheit die Rauheit, durch seine Leichtigkeit die Leichtigkeit, durch seine Klarheit die Klarheit und durch sein Blockierendes das Blockierende des vāta.

auṣṇyataikṣyaraukṣyalāghavavaiśadyaguṇalakṣaṇaṃ pittaṃ tasya samānayoniḥ kaṭuko rasaḥ so'sya auṣṇyādauṣṇyaṃ vardhayati taikṣṇyāttaikṣṇyaṃ raukṣyādrau kṣyaṃ lāghavāllāghavaṃ vaiśadyādvaiśadyamiti

Pitta ist gekennzeichnet durch die Eigenschaften Hitze, Schärfe, Rauheit, Leichtigkeit und Klarheit; ihm wesensverwandt ist der Geschmack Scharf. Dieser vermehrt durch seine Hitze die Hitze, durch seine Schärfe die Schärfe, durch seine Rauheit die Rauheit, durch seine Leichtigkeit die Leichtigkeit und durch seine Klarheit die Klarheit des pitta.

mādhuryasnehagauravaśaityapaicchilyaguṇalakṣaṇaḥ śleṣmā tasya samāna yonirmadhuro rasaḥ so'sya mādhuryānmādhuryaṃ vardhayati snehāt snehaṃ gauravādgauravaṃ śaityācchatyaṃ paicchilyāt paicchilyamiti

Kapha ist gekennzeichnet durch die Eigenschaften Süße, Öligkeit, Schwere, Kühle und Schlüpfrigkeit; ihm wesensverwandt ist der Geschmack Süß. Dieser vermehrt durch seine Süße die Süße, durch seine Öligkeit die Öligkeit, durch seine Schwere die Schwere, durch seine Kühle die Kühle und durch seine Schlüpfrigkeit die Schlüpfrigkeit des kapha.

tasya punaranyoniḥ kaṭuko rasaḥ sa śleṣmaṇaḥ pratyanīkatvāt kaṭukatvānmā-dhuryamabhibhavati raukṣyāt snehaṃ lāghavādgauravam auṣṇyācchatyaṃ vaiśadyāt paicchilyamiti tadetannidarśanamātramuktaṃ bhavati

Der ihm fremde Geschmack aber ist Scharf; da er dem kapha entgegensteht, überwindet er durch seine Schärfe die Süße, durch seine Rauheit die Öligkeit, durch seine Leichtigkeit die Schwere, durch seine Hitze die Kühle und durch seine Klarheit die Schlüpfrigkeit des kapha. Dies ist lediglich als Beispiel gesagt.

rasalakṣaṇamata ūrdhvaṃ vakṣyāmaḥ--tatra yaḥ paritoṣamutpādayati prahlādayati tarpayati jīvayati mukhopalepaṃ janayati śleṣmāṇaṃ cābhivardhayati sa madhuraḥ yo dantaharṣamutpādayati mukhāsrāvaṃ janayati śraddhāṃ cotpādayati so'mla yo bhaktarucimutpādayati kaphaprasekaṃ janayati mārdavaṃ cāpādayati sa lavaṇaḥ yo jihvāgraṃ bādhate udvegaṃ janayati śiro gṛhṇīte nāsikāṃ ca srāvayati sa kaṭukaḥ yo gale coṣamutpādayati mukhavaiśadyaṃ janayati bhaktaruciṃ cāpādayati harṣaṃ ca sa tiktaḥ yo vaktraṃ pariśoṣayati jihvāṃ stambhayati kaṇṭhaṃ badhnāti hṛdayaṃ karṣati pīḍayati ca sa kaṣāya iti

Nun wollen wir die Kennzeichen der Geschmäcker darlegen. Was Zufriedenheit hervorruft, erfrischt, stärkt, belebt, einen Belag im Mund erzeugt und den kapha vermehrt, das ist süß. Was ein Zittern der Zähne hervorruft, Speichelfluss im Mund erzeugt und Appetit weckt, das ist sauer. Was Lust auf Speise hervorruft, Schleimabsonderung erzeugt und Weichheit bewirkt, das ist salzig. Was die Zungenspitze reizt, Unruhe erzeugt, den Kopf befällt und die Nase zum Fließen bringt, das ist scharf. Was im Rachen ein Brennen hervorruft, Klarheit im Mund erzeugt, Appetit auf Speise bewirkt und Wohlgefühl, das ist bitter. Was den Mund austrocknet, die Zunge lähmt, den Rachen zusammenzieht, das Herz zusammenschnürt und bedrückt, das ist zusammenziehend.

rasaguṇānata ūrdhvaṃ vakṣyāmaḥtatra madhuro raso rasaraktamāṃsamedo'sthimajjaujaḥ śukrastanyavardhanaścakṣuṣyaḥ keśyo varṇyo balakṛtsandhānaḥ śoṇitarasaprasādano bālavṛddhakṣatakṣīṇahitaḥ ṣaṭpadapipīlikānāmiṣṭatamastṛṣṇāmūrcchādāha praśa-manaḥ ṣaḍindri yaprasādanaḥ kṛmikaphakaraśceti sa evaṃguṇo'pyeka evātyarthamā-sevya mānaḥ kāsaśvāsālasakavamathuvadanamādhuryasvaropaghātakṛmigalagaṇḍānāpā dayati tathā'budaślīpada bastigudopalepābhiṣyandaprabhṛtīñjanayati

Nun wollen wir die Wirkungen der Geschmäcker darlegen. Der süße Geschmack vermehrt Körpersaft, Blut, Fleisch, Fettgewebe, Knochen, Knochenmark, Vitalenergie (ojas) und Samen sowie die Muttermilch; er ist gut für die Augen, das Haar und den Teint, verleiht Kraft, fördert die Heilung von Wunden, klärt Blut und Körpersaft, ist heilsam für Kinder, Alte, Verwundete und Geschwächte, ist für Bienen und Ameisen das Liebste, besänftigt Durst, Ohnmacht und Brennen und erfreut alle sechs Sinnesorgane, erzeugt aber auch pathogene Mikroorganismen und kapha. Wird eben dieser, so beschaffene Geschmack allein und im Übermaß genossen, so verursacht er Husten, Atemnot, Trägheit, Erbrechen, eine Beeinträchtigung der Süße des Mundes und der Stimme, pathogene Mikroorganismen und Kropf; ebenso Geschwülste, Elephantiasis, Verklebung von Blase und Anus sowie Verschleimungen und Ähnliches.

amlo jaraṇaḥ pācano dīpanaḥ pavananigrahaṇo'nulomanaḥ koṣṭhavidāhī bahiḥ śītaḥ kledanaḥ prāyaśo hṛdyaśceti sa evaṃguṇo'pyekaevārthamupasevyamāno danta-harṣanayanasaṃmīlanaromasaṃvejanakaphavilayanaśarīraśaithilyānyāpādayati tathā kṣatābhihatadagdhadaṣṭabhagnarugṇaśūnapracyutāvamūtritavisarpitacchinnabhinnaviddhotpiṣṭādīni pācayatyāgneyasvabhāvāt paridahati kaṇṭhamuro hṛdayaṃ ceti

Der saure Geschmack fördert die Verdauung, entfacht die Verdauungskraft, hält den Wind in Schach, wirkt in natürlicher Richtung abführend, erhitzt den Verdauungstrakt von innen, ist äußerlich kühlend, befeuchtend und meist herzstärkend. Wird eben dieser Geschmack allein und im Übermaß genossen, so verursacht er ein Zittern der Zähne, ein Zusammenkneifen der Augen, Gänsehaut, Auflösung des kapha und Schlaffheit des Körpers; ebenso bringt er Wunden, Prellungen, Verbrennungen, Bisse, Brüche, Erkrankungen, Schwellungen, Vorfälle, ausgetretenen Harn, Wundrose, Schnitt-, Riss- und Stichverletzungen sowie Quetschungen zum Eitern, und er verbrennt aufgrund seiner feurigen Natur Rachen, Brust und Herz.

lavaṇaḥ saṃśodhanaḥ pācano viśleṣaṇaḥ kledanaḥ śaithilyakṛduṣṇaḥ sarvarasapra-tyanīko mārgaviśodhanaḥ sarvaśarīrāvayavamārdavakaraśceti sa evaṃguṇo'pyeka evātyarthamāsevyamāno gātrakaṇḍūkoṭhaśophavaivarṇyapuṃstvopaghātendri yopatāpa mukhākṣipākaraktapittavātaśoṇitāmlīkāprabhṛtīnāpādayati

Der salzige Geschmack reinigt, fördert die Verdauung, löst auf, befeuchtet, bewirkt Schlaffheit, ist heiß, ist der Widerpart aller Geschmäcker, reinigt die Körperkanäle und macht alle Körperteile weich. Wird eben dieser Geschmack allein und im Übermaß genossen, so verursacht er Juckreiz am Körper, Nesselausschlag, Schwellungen, Verfärbung der Haut, Beeinträchtigung der Manneskraft, Reizung der Sinnesorgane, Entzündung von Mund und Augen, Blutungsneigung, Störungen von vāta und Blut sowie Sodbrennen und Ähnliches.

kaṭuko dīpanaḥ pācano rocanaḥ śodhanaḥ sthaulyālasyakaphakṛmiviṣakuṣṭhaka-ṇḍūpraśamanaḥ sandhibandhavicchedano'vasādanaḥ stanyaśukramedasāmupahantā ceti sa evaṃguṇopyeka evātyarthamupasevyamāno bhramamadagalatālvoṣṭha śoṣadāhasaṃtā-pabala vighātakampatodabhedakṛta karacaraṇapārśvapṛṣṭhaprabhṛtiṣu ca vātaśūlānāpādayati

Der scharfe Geschmack entfacht die Verdauungskraft, fördert die Verdauung, regt den Appetit an, reinigt, besänftigt Fettleibigkeit, Trägheit, kapha, pathogene Mikroorganismen, Gift, Hautkrankheiten und Juckreiz, löst die Bindungen der Gelenke, schwächt und beeinträchtigt Muttermilch, Samen und Fettgewebe. Wird eben dieser Geschmack allein und im Übermaß genossen, so verursacht er Schwindel, Bewusstseinstrübung, Austrocknung von Rachen, Gaumen und Lippen, Brennen, Erschöpfung, Kraftverlust, Zittern, stechende und bohrende Schmerzen und ruft an Händen, Füßen, Flanken, Rücken und ähnlichen Stellen vāta-bedingte Schmerzen hervor.

tiktaśchedano rocano dīpanaḥ śodhanaḥ kaṇḍūkoṭhatṛṣṇāmūrcchājvarapraśamanaḥ stanyaśodhano viṇmūtrakledamedovasāpūyopaśoṣaṇaśceti sa evaṃguṇo'pyeka evātyartha mupasevyamānogātramanyāstambhākṣepa kārditaśiraḥ śūlabhramatodabhedacchedāsyavairasyānyāpādayati

Der bittere Geschmack durchtrennt und löst, regt den Appetit an, entfacht die Verdauungskraft, reinigt, besänftigt Juckreiz, Nesselausschlag, Durst, Ohnmacht und Fieber, reinigt die Muttermilch, trocknet Stuhl, Harn, Feuchtigkeit, Fettgewebe, Fett und Eiter aus. Wird eben dieser Geschmack allein und im Übermaß genossen, so verursacht er Steifheit des Körpers und des Nackens, Krämpfe, Erschöpfung, Kopfschmerzen, Schwindel, stechende und bohrende sowie schneidende Schmerzen und Geschmacklosigkeit im Mund.

kaṣāyaḥ saṃgrāhako ropaṇaḥ stambhanaḥ śodhanolekhanaḥ śoṣaṇaḥ pīḍanaḥ kledopa-śoṣaṇa śceti sa evaṃguṇo'pyeka evātyarthamupasevyamāno hṛtpīḍāsyaśoṣodarā-dhmānavākyagrahamanyāstambhagātrasphuraṇacumucumāyanākuñcanākṣepaṇaprabhṛtīñjanayati

Der zusammenziehende Geschmack ist zusammenziehend und festigend, heilt, stillt, reinigt, schabt ab, trocknet aus, drückt zusammen und trocknet Feuchtigkeit aus. Wird eben dieser Geschmack allein und im Übermaß genossen, so verursacht er Druck auf das Herz, Austrocknung des Mundes, Auftreibung des Bauches, Sprachverlust, Steifheit des Nackens, Zucken des Körpers, ein Kribbeln, Verkrampfung und Krämpfe und Ähnliches.

ataḥ sarveṣāmeva dra vyāṇyupadekṣyāmaḥ tadyathā kākolyādiḥ kṣīraghṛtava sā-majjaśāliṣaṣṭikayavagodhūmamāpaśṛṅgāṭakakaserukatrapusairvārukarkārukālā bū-kālindakatakagiloḍyapriyālapuṣkarabījakāśamaryamadhūkadrā kṣākharjūrarājā danatālanālikerekṣuvikāravalātibalātmaguptāvidārīpayasyāgokṣurakakṣīra moraṭamadhūlikākūṣmāṇḍaprabhṛtīni samāsena madhuro vargaḥ

Nun wollen wir zu jedem einzelnen Geschmack die Substanzen aufzählen. Die Gruppe Kākolī und Ähnliches, Milch, Ghee, Fett, Knochenmark, Reis, Ṣaṣṭika-Reis, Gerste, Weizen, Māṣa-Bohne, Wassernuss, Kaseruka, Gurke, Sairavāraka, Karkāru, Kālābū, Kālinda, Kataka, Giloḍī, Priyāla, Puṣkarabīja, Kāśamarya, Madhūka, Weintraube, Dattel, Rājādana, Palme, Kokosnuss, Zuckerrohrprodukte, Balā, Atibalā, Ātmaguptā, Vidārī, Payasyā, Gokṣuraka, Kṣīramoraṭa, Madhūlikā, Kürbis und Ähnliches – dies ist zusammengefasst die Gruppe des Süßen.

dāḍimāmalakamā tuluṅgāmrātakakapitthakaramardabadarakolaprācīnāmalakati-ntiḍīkakośāmraka bhavyapārāvatavetraphalalakucāmlavetasadantaśaṭhadadhitakrasu-rāśuktasauvīrakatu ṣodakadhānyāmlaprabhṛtīnisamāsenāmlo vargaḥ saindhavasauva-rcalaviḍapākyaroma kasāmudra kapaktrimayavakṣāroṣaraprasūtasuvarcikāprabhṛtīni samāsena lavaṇo vargaḥ

Granatapfel, Āmalaka, Tuluṅga-Zitrone, Amrātaka, Kapittha, Karamarda, Badara-Jujube, Kola, Prācīnāmalaka, Tamarinde, Kośāmraka, Bhavya, Pārāvata, Rohrfrucht, Lakuca, Amlavetasa, Dantaśaṭha, Dickmilch, Buttermilch, Branntwein, saurer Reisschleim, Tuṣodaka und saure Getreidebrühe und Ähnliches – dies ist zusammengefasst die Gruppe des Sauren. Steinsalz, Sauvarcala-Salz, Viḍa-Salz, Pākya-Salz, Romaka-Salz, Meersalz, gekochtes Salz, Yavakṣāra, Ora-Salz und Suvarcikā-Salz und Ähnliches – dies ist zusammengefasst die Gruppe des Salzigen.

pippalyādiḥ surasādiḥ śigrumadhuśigrumūlakalaśunasumukhaśītaśiva kuṣṭhadevadāruhareṇukāvalgujaphalacaṇḍāguggulumustalāṅgalakīśukanāsāpīlu prabhṛtīni sālasārādiścaprāyaśaḥ kaṭuko vargaḥ

Die Gruppe Pippalī und Ähnliches, die Gruppe Surasā und Ähnliches, Śigru, Madhuśigru, Rettich, Knoblauch, Sumukha, Śīta, Śiva, Kuṣṭha, Devadāru, Hareṇukā, Valguja-Frucht, Caṇḍā, Guggulu, Mustā, Laṅgalakī, Śuka, Nāsāpīlu und Ähnliches sowie die Gruppe Sālasāra und Ähnliches – dies ist meist die Gruppe des Scharfen.

āragvadhādirguḍūcyādirmaṇḍūkaparṇīvetrakarīraharidrā dvayendra yavavaruṇasvāduka-ṇṭakasaptaparṇabṛhatī dvayaśaṅkhinīdra vantī trivṛtkṛtavedhanakarkoṭakakāravellavā-rtākakarīrakaravīra sumanaḥśaṅkhapuṣpyapāmārgatrāyamāṇāśokarohiṇīvaijayantī-suvarcalāpunarnavāvṛścikālījyotiṣmatīprabhṛtīni samāsena tikto vargaḥ 23 nyagrodhādirambaṣṭhādiḥ priyaṅgvādīrodhrādistriphalāśallakījambvāmrabakula-tindukaphalāni katakaśākaphalapāṣāṇabhedakavanaspatiphalāni sālasārādiśca prāyaśaḥ kuruvakakovidārakajīvantīcillīpālaṅkyāsuniṣaṇṇakaprabhṛtīni varakādayo mudgādayaśca samāsena kaṣāyo vargaḥ

Die Gruppe Āragvadha und Ähnliches, die Gruppe Guḍūcī und Ähnliches, Maṇḍūkaparṇī, Vetra, Karīra, die beiden Haridrā-Arten, Indrayava, Varuṇa, Svādukaṇṭaka, Saptaparṇa, die beiden Bṛhatī-Arten, Śaṅkhinī, Dravantī, Trivṛt, Kṛtavedhana, Karkoṭaka, Kāravella, Vārtāka, Karīra, Karavīra, Sumanas, Śaṅkhapuṣpī, Apāmārga, Trāyamāṇā, Aśoka, Rohiṇī, Vaijayantī, Suvarcalā, Punarnavā, Vṛścikālī, Jyotiṣmatī und Ähnliches – dies ist zusammengefasst die Gruppe des Bitteren. Die Gruppe Nyagrodha und Ähnliches, die Gruppe Ambaṣṭha und Ähnliches, die Gruppe Priyaṅgu und Ähnliches, die Gruppe Lodhra und Ähnliches, die drei Myrobalanen, Śallakī, Jambu, Mango, Bakula, Tinduka-Früchte, Kataka, Śāka-Früchte, Pāṣāṇabheda, Waldfrüchte, die Gruppe Sālasāra und Ähnliches, meist auch Kuruvaka, Kovidāra, Jīvantī, Cillī, Pālaṅkya, Suniṣaṇṇaka und Ähnliches sowie die Varaka- und Mudga-Hülsenfrüchte – dies ist zusammengefasst die Gruppe des Zusammenziehenden.

tatraiteṣāṃ rasānāṃ saṃyogāstriṣaṣṭirbhavanti tadyathāpañcadaśa dvikāḥ viṃśatistri-kāḥ pañcadaśa catuṣkāḥ ṣaṭ pañcakāḥ ekaśaḥ ṣaḍrasāḥ ekaḥṣaṭka iti teṣāmanyatra prayojanāni vakṣyāmaḥ

Die Verbindungen dieser Geschmäcker betragen dreiundsechzig, nämlich: fünfzehn Zweiergruppen, zwanzig Dreiergruppen, fünfzehn Vierergruppen, sechs Fünfergruppen, sechs einzelne Geschmäcker und eine Sechsergruppe. Ihren jeweiligen Nutzen werden wir an anderer Stelle darlegen.

bhavati cātrajagdhāḥ ṣaḍadhigacchanti balino vaśyatāṃ rasāḥ yathā prakupitā doṣā vaśaṃ yānti balīyasaḥ

Hierzu heißt es: Werden die sechs Geschmäcker gegessen, so geraten sie unter die Herrschaft des stärkeren, so wie erregte Doṣas sich dem stärkeren unterordnen.

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