athātaḥ karṇavyadhabandhavidhimadhyāyaṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun wollen wir das Kapitel über die Methode des Ohrdurchstechens und der Verbandanlegung erklären.
Suśruta-Saṃhitā · Sutrasthana
Das sechzehnte Kapitel, „Über die Methode des Ohrdurchstechens und der Verbandanlegung“ (*karṇavyadhabandhavidhi*), behandelt zunächst das rituelle Ohrdurchstechen bei Kleinkindern im sechsten oder siebten Lebensmonat samt möglichen Komplikationen wie Kālikā, Marmarikā und Lohitikā. Den Kern des Kapitels bildet eine ausführliche Systematik von fünfzehn Formen der Ohrläppchen-Naht – zehn heilbaren, fünf unheilbaren –, mit genauer Beschreibung der jeweiligen Gewebebeschaffenheit und Nahttechnik, einschließlich der Neubildung eines fehlenden Läppchens aus Wangenfleisch. Besondere Bedeutung besitzt die anschließende Beschreibung der Nasenrekonstruktion: Nach dem Maß eines Blattes wird ein gestieltes Hautstück von der Wange geschnitten, an die Nasenspitze angepasst, vernäht und mit Sesamöl sowie Ghee nachbehandelt – ein Verfahren, das entsprechend auch auf die Wiederherstellung der Lippe übertragen wird. Das Kapitel gilt daher als eine der frühesten überlieferten Beschreibungen plastisch-chirurgischer Techniken.
| Name | Status | Merkmal |
|---|---|---|
| Nemisandhānaka | heilbar | beide Läppchenhälften breit, lang, gleichmäßig |
| Utpalabhedyaka | heilbar | beide Hälften rund, lang, gleichmäßig |
| Vallūraka | heilbar | beide Hälften kurz, rund, gleichmäßig |
| Āsaṅgima | heilbar | nur die innere Hälfte ist lang |
| Gaṇḍakarṇa | heilbar | nur die äußere Hälfte ist lang |
| Āhārya | heilbar | beiderseits ist gar kein Läppchen vorhanden |
| Nirvedhima | heilbar | Läppchen wie ein flacher Sockel auf geschrumpftem Rest |
| Vyāyojima | heilbar | Läppchen dick, dünn, gleich- und ungleichmäßig zugleich |
| Kapāṭasandhika | heilbar | innere Hälfte lang, die andere klein |
| Ardhakapāṭasandhika | heilbar | äußere Hälfte lang, die andere klein |
| Saṃkṣipta | unheilbar | Läppchen wie eine ausgetrocknete, geschwollene Hülse |
| Hīnakarṇa | unheilbar | kein Halt an beiden Rändern, Fleisch geschwunden |
| Vallīkarṇa | unheilbar | Läppchen dünn, ungleichmäßig und klein |
| Yaṣṭikarṇa | unheilbar | Fleisch verknotet, Adern steif gespannt, Läppchen fein |
| Kākauṣṭhaka | unheilbar | fleischlos, Spitze geschrumpft, arm an Blut |
| Komplikation | Behandlung (Salbe / Öl) |
|---|---|
| Utpāṭaka | Apāmārga, Sarjarasa, Rinde von Pāṭalā und Lakuca |
| Utpuṭaka | Śampāka, Śigru, Pūtīka mit Waran-Fett, Galle und Ghee |
| Śyāva | Gaurī, Sugandhā, Śyāmā, Anantā, Taṇḍulīyaka |
| Mit starkem Juckreiz verbunden | Pāṭhā, Rasāñjana, Honig, warmer Reisessig (kāñjika) |
| Avamantha | Prapauṇḍarīka, Süßholz, Samaṅgā, Dhava |
| Granthika | Öffnen und Abfließenlassen des Knötchens, Steinsalz, Salbe |
| Jambula | Schaben der Ausflussstelle, Lodhra-Pulver, Milch |
| Mit Ausfluss verbunden | Madhuparṇī, Madhūka, Süßholz mit Honig |
| Mit Brennen verbunden | fünf Rindenarten mit Süßholz und Ghee, Jīvaka u.a. |
athātaḥ karṇavyadhabandhavidhimadhyāyaṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun wollen wir das Kapitel über die Methode des Ohrdurchstechens und der Verbandanlegung erklären.
yathovāca bhagavān dhanvantariḥ
So wie es der erhabene Dhanvantari verkündet hat.
rakṣābhūṣaṇanimittaṃ bālasya karṇau vidhyete tau ṣaṣṭhe māsi saptame vā śuklapakṣe praśasteṣu tithikaraṇamuhūrtanakṣatreṣu kṛtamaṅgalasvastivācanaṃ dhātryaṅke kumāradharāṅke vā kumāramupaveśya bālakrīḍanakaiḥpralobhyābhisāntvayan bhiṣagvāmahastenākṛṣya karṇaṃ daivakṛte chidra ādityakarāvabhāsite śanaiḥ śanairdakṣiṇahastenarju vidhyet pratanukaṃ sūcyā bahalamārayā pūrvaṃ dakṣiṇaṃ kumārasya vāmaṃ kumāryāḥ tataḥ picuvartiṃ praveśayet
Zum Schutz und zum Schmuck werden dem Kind beide Ohren durchstochen; dies geschieht im sechsten oder siebten Lebensmonat, in der hellen Monatshälfte, zu einer günstigen Tithi, Karaṇa, Muhūrta und einem günstigen Nakṣatra, nachdem Segenssprüche und Segenswünsche dargebracht wurden. Man setzt das Kind auf den Schoß der Amme oder des Kindermädchens, lockt es mit Kinderspielzeug und beruhigt es; dann zieht der Arzt mit der linken Hand das Ohr an der von Natur aus vorgegebenen Öffnung, die vom Sonnenlicht beschienen wird, sanft heran und durchsticht es mit der rechten Hand gerade – bei dünner Haut mit einer feinen, bei dicker Haut mit einer stärkeren Nadel; zuerst das rechte Ohr beim Knaben, das linke bei einem Mädchen. Danach führe man einen mit Watte umwickelten Docht ein.
śoṇitabahutvena vedanayā cānyadeśaviddhamiti jānīyāt nirupadra vatayā taddeśaviddhamiti
An der starken Blutung und dem Schmerz erkennt man, dass an falscher Stelle durchstochen wurde; an der Beschwerdefreiheit erkennt man, dass die richtige Stelle getroffen wurde.
tatrājñena yadṛcchayā viddhāsu sirāsu kālikāmarmarikālohitikāsūpadra vā bhavanti tatra kālikāyāṃ jvaro dāhaḥ śvayathurvedanā ca bhavati marmarikāyāṃ vedanā jvaro granthayaśca lohitikāyāṃ manyāstambhāpatānakaśirograhakarṇaśūlāni bhavanti teṣu yathāsvaṃ pratikurvīta
Wenn ein unkundiger Arzt aufs Geratewohl eine der *sirā* (Blutgefäße/Adern) trifft, treten die Komplikationen Kālikā, Marmarikā und Lohitikā auf. Bei Kālikā entstehen Fieber, Brennen, Schwellung und Schmerz; bei Marmarikā Schmerz, Fieber und Knotenbildung; bei Lohitikā Nackensteifigkeit, Krämpfe, Kopfschmerz und Ohrenschmerz. Man behandle jedes dieser Leiden entsprechend seiner Eigenart.
kliṣṭajihmāpraśastasūcīvyadhādgāḍhataravartitvāddoṣasamudāyā praśastavyadhādvā yatra saṃrambho vedanā vā bhavati tatra vartimupahṛtyāśu madhu kairaṇḍamūlamañjiṣṭhā-yavatilakalkairmadhughṛtapragāḍhairālepayettāvadyāvat surūḍha iti surūḍhaṃ cainaṃ punarvidhyet vidhānaṃ tu pūrvoktameva
Wenn durch einen misslungenen, schrägen oder mit einer ungeeigneten Nadel geführten Stich, durch einen zu dick eingelegten Docht oder durch eine Ansammlung von *doṣa* (Körpersäften) trotz korrekten Stichs eine Entzündung oder Schmerz entsteht, entferne man sogleich den Docht und bestreiche die Stelle mit einer mit reichlich Honig und Ghee vermengten Paste aus Kairaṇḍa-Wurzel, Mañjiṣṭhā, Gerste und Sesam, bis sie gut verheilt ist. Ist sie verheilt, durchsteche man erneut nach dem zuvor beschriebenen Verfahren.
tatra samyagviddhamāmatailena pariṣecayet tryahāttryahācca vartiṃ sthūlatarāṃ dadyāt pariṣekaṃ ca tameva
Ist der Stich richtig gesetzt, so besprenge man die Stelle mit rohem Sesamöl; alle drei Tage lege man einen dickeren Docht ein und wiederhole jeweils dieselbe Besprengung.
atha vyapagatadoṣopadra ve karṇe vardhanārthaṃ laghu vardhanakaṃ kuryāt
Sind die Komplikationen der *doṣa* am Ohr abgeklungen, so lege man zur Weitung ein leichtes Weitungsinstrument ein.
evaṃ vivardhitaḥ karṇaśchidyate tu dvidhā nṛṇām doṣato vā'bhighātādvā sandhānaṃ tasya me śṛṇu
So geweitet, kann das Ohr auf zweierlei Weise reißen – durch die *doṣa* oder durch äußere Gewalteinwirkung. Höre nun von mir, wie man es wieder zusammenfügt.
tatra samāsena pañcadaśakarṇabandhākṛtayaḥ tadyathānemisandhānaka utpalabhedyako vallūraka āsaṅgimo gaṇḍakarṇa āhāryo nirvedhimo vyāyojimaḥ kapāṭasa-ndhiko'dhakapāṭasandhikaḥ saṃkṣipto hīnakarṇo vallīkarṇo yaṣṭikarṇaḥ kākau-ṣṭhakaḥ iti teṣu pṛthulāyatasamobhayapālirnemisandhānakaḥ vṛttāyatasamobhaya-pālirutpalabhedyakaḥ hrasvavṛttasamobhayapālirvallūrakaḥ abhyantaradīrghaikapāli-rāsaṅgimaḥ bāhyadīrghaikapālirgaṇḍakarṇaḥ apāli rubhayato'pyāhāryaḥ pīṭhopa-mapālirubhayataḥ kṣīṇaputrikāśrito nirvedhim sthūlāṇusamaviṣamapālirvyāyo-jimaḥabhyantara dīrghaikapāliritarālpapāli kapāṭasandhikaḥ bāhyadīrghaikapāli ritarālpapālirardhakapāṭasandhikaḥ tatra daśaite karṇabandhavikalpāḥ sādhyāḥ te-ṣāṃ svanāmabhirevākṛtayaḥ prāyeṇa vyākhyātāḥ saṃkṣiptādayaḥ pañcāsādhyāḥ tatra śuṣkaśaṣkulirutsannapāliritarālpapāli saṃkṣiptaḥ anadhiṣṭhānapāli paryanta-yoḥ kṣīṇamāṃso hīnakarṇaḥ tanuviṣamālpapālirvallīkarṇaḥ grathitamāṃsastabdha-sirātata sūkṣmapāliryaṣṭikarṇaḥ nirmāṃsasaṃkṣiptāgrālpaśoṇitapāli kākauṣṭhaka iti baddheṣavapi tu śophadāharāgapākapiḍakāsrāvayuktā na siddhimupayānti
Zusammenfassend gibt es fünfzehn Formen der Ohrnaht, nämlich: Nemisandhānaka, Utpalabhedyaka, Vallūraka, Āsaṅgima, Gaṇḍakarṇa, Āhārya, Nirvedhima, Vyāyojima, Kapāṭasandhika, Ardhakapāṭasandhika, Saṃkṣipta, Hīnakarṇa, Vallīkarṇa, Yaṣṭikarṇa und Kākauṣṭhaka. Davon ist Nemisandhānaka der Fall, bei dem beide Ohrläppchenhälften breit, lang und gleichmäßig sind; Utpalabhedyaka, bei dem beide Hälften rund, lang und gleichmäßig sind; Vallūraka, bei dem beide Hälften kurz, rund und gleichmäßig sind; Āsaṅgima, bei dem die innere Hälfte allein lang ist; Gaṇḍakarṇa, bei dem die äußere Hälfte allein lang ist; Āhārya, wenn beiderseits gar kein Läppchen vorhanden ist; Nirvedhima, wenn beiderseits das Läppchen wie ein flacher Sockel ist und sich auf einen geschrumpften Rest stützt; Vyāyojima, wenn die Läppchen dick, dünn, gleichmäßig und ungleichmäßig zugleich sind; Kapāṭasandhika, wenn die innere Hälfte lang, die andere klein ist; Ardhakapāṭasandhika, wenn die äußere Hälfte lang, die andere klein ist. Diese zehn Arten der Ohrnaht sind heilbar; ihre Gestalt ist meist schon durch ihren eigenen Namen erklärt. Die fünf, beginnend mit Saṃkṣipta, sind unheilbar: Saṃkṣipta, wenn das Läppchen wie eine ausgetrocknete Hülse geschwollen ist und die andere Hälfte klein; Hīnakarṇa, wenn an beiden Rändern kein Halt besteht und das Fleisch geschwunden ist; Vallīkarṇa, wenn das Läppchen dünn, ungleichmäßig und klein ist; Yaṣṭikarṇa, wenn das Fleisch verknotet, die Adern steif gespannt und das Läppchen fein ist; Kākauṣṭhaka, wenn es fleischlos, an der Spitze geschrumpft und arm an Blut ist. Auch wenn man diese verbindet, führen Schwellung, Brennen, Rötung, Eiterung, Pusteln und Ausfluss dazu, dass sie nicht heilen.
bhavanti cātra yasya pālidvayamapi karṇasya na bhavediha karṇapīṭhaṃ same madhye tasya viddhvā vivardhayet
Hierzu gibt es den Merkvers: Wem beide Ohrläppchenhälften völlig fehlen, dem durchsteche man die Mitte des verbliebenen Ohrsockels gleichmäßig und weite sie.
vāhyāyāmiha dīrghāyāṃ sandhirābhyantaro bhavet ābhyantarāyāṃ dīrghāyāṃ bāhyasanghirudāhṛtaḥ
Ist die äußere Seite lang, so lege man die Naht innen an; ist die innere Seite lang, so wird die Naht außen angelegt.
ekaiva tu bhavet pāli sthūlā pṛthvī sthirā ca yā tāṃ dvidhā pāṭayitvā tu chittvā copari sandhayet
Ist nur ein einziges Läppchen vorhanden, das dick, breit und fest ist, so spalte man es in zwei Teile, schneide es zurecht und füge es oben zusammen.
gaṇḍādutpāṭya māṃsena sānubandhena jīvatā karṇapālīmapālestu kuryānnirlikhya śāstravit
Für ein Ohr ohne Läppchen löse der kundige Arzt lebendiges, zusammenhängendes Fleisch von der Wange, schabe es sauber zurecht und forme daraus ein Ohrläppchen.
ato'nyatamaṃ bandhaṃ cikīrṣuragropaharaṇīyoktopasaṃbhṛtasaṃbhāraṃ viśeṣataścātropaharet surāmaṇḍaṃ kṣīramudakaṃ dhānyāmlaṃ kapālacūrṇaṃ ceti tato'ṅganāṃ puruṣaṃ vā gra-thitakeśāntaṃ laghu bhuktavantamāptaaiḥ suparigṛhītaṃ ca kṛtvā bandhamupadhārya chedya-bhedyalekhyavyadhanairupapannairupapādya karṇaśoṇitamavekṣya duṣṭamaduṣṭaṃ veti tatra vā-taduṣṭe dhānyāmloṣṇodakābhyāṃ pittaduṣṭe śītodakapayobhyāṃ śleṣmaduṣṭe surāma-ṇḍoṣṇodakābhyāṃ prakṣālya karṇau punavalikhyānunnatamahīnamaviṣamaṃ ca karṇa-sandhiṃ sanniveśya sthitaraktaṃ saṃdadhyāt tato madhughṛtenābhyajya picuprotayora-nyatareṇāvaguṇṭhya sūtreṇānavagāḍhamanatiśithilaṃ ca baddhvā kapālacūrṇe nāvakīryācārikamupadiśet dvivraṇīyoktane ca vidhānenopacaret
Will der Arzt eine der übrigen Nahtformen ausführen, so bereite er zuvor die im Kapitel über die Vorbereitungsmaßnahmen genannten Hilfsmittel vor und beschaffe hier insbesondere Branntweinschaum, Milch, Wasser, Reiswasser (Sauerreisbrühe) und Topfscherbenpulver. Dann lasse man die Frau oder den Mann die Haare zurückbinden, leicht essen, und sich von vertrauten Personen gut festhalten. Nachdem der Arzt den Verband bereitgehalten hat, führe er mit den dazu geeigneten Instrumenten zum Schneiden, Spalten, Schaben und Durchstechen den Eingriff aus und prüfe das Blut des Ohres, ob es verdorben oder unverdorben ist. Ist es durch *vāta* verdorben, wasche man mit warmem Reiswasser, ist es durch *pitta* verdorben, mit kaltem Wasser und Milch, ist es durch *kapha* verdorben, mit Branntweinschaum und warmem Wasser. Dann schabe man die Ohrenränder erneut zurecht, richte die Ohrnaht so aus, dass sie weder vorsteht noch fehlt noch ungleichmäßig ist, und nähe sie zusammen, solange das Blut noch nicht geronnen ist. Danach bestreiche man sie mit Honig und Ghee, umhülle sie entweder mit einem Wattebausch oder mit Fäden, verbinde sie weder zu fest noch zu locker, und bestreue sie mit Topfscherbenpulver; man weise die Nachsorge an und behandle im Übrigen nach dem im Kapitel über die zwei Wundarten beschriebenen Verfahren.
bhavati cātra vighaṭṭanaṃ divāsvapnaṃ vyāyāmamatibhojanam vyavāyamagnisaṃtāpaṃ vākśramaṃ ca vivarjayet
Hierzu gilt: Man vermeide Erschütterung, Tagesschlaf, körperliche Anstrengung, übermäßiges Essen, Geschlechtsverkehr, Hitzeeinwirkung durch Feuer und übermäßiges Sprechen.
na cāśuddharaktamatipravṛttaraktaṃ kṣīṇaraktaṃ vā saṃdadhyāt sa hi vātaduṣṭe rakte rū-ḍho'pi paripuṭanavān pittaduṣṭe dāhapākarāgavedanāvān śleṣmaduṣṭe stabdhaḥ kaṇḍūmān atipravṛttarakte śyāvaśophavān kṣīṇo'lpamāṃso na vṛddhimupaiti
Man nähe nicht bei unreinem Blut, bei zu starkem Blutfluss oder bei zu geringem Blutfluss. Denn ist das Blut von *vāta* verdorben, so schwillt die Naht selbst nach dem Verheilen wieder auf; ist es von *pitta* verdorben, treten Brennen, Eiterung, Rötung und Schmerz auf; ist es von *kapha* verdorben, wird die Naht starr und juckt; bei zu starkem Blutfluss wird sie bläulich-schwarz und schwillt an; bei zu geringem Blutfluss ist sie fleischarm und wächst nicht.
āmatailena trirātraṃ pariṣecayet trirātrācca picuṃ parivartayet sa yadā surūḍho nirupadra vaḥ savarṇo bhavati tadainaṃ śanaiḥ śanairabhivardhayet ato'nyathā saṃrambhadāhapākarāgavedanāvān punaśchidyate vā
Man besprenge sie drei Nächte lang mit rohem Sesamöl und wechsle alle drei Nächte den Wattebausch. Ist sie gut verheilt, frei von Komplikationen und von natürlicher Farbe, dann weite man sie langsam und allmählich; andernfalls treten Entzündung, Brennen, Eiterung, Rötung und Schmerz auf, oder sie reißt erneut.
athāsyāpraduṣṭasyābhivardhanārthamabhyaṅgaḥ tadyathā godhāpratudaviṣkirānūpaudakava-sāmajjānau payaḥ sarpistailaṃ gaurasarṣapajaṃ ca yathālābhaṃ saṃbhṛtyārkālarkabalā-tibalānantāpāmārgāśvagandhā vidārigandhākṣīraśuklājalaśūkamadhuravargapayasyāprativāpaṃ tailaṃ vā pācayitvā svanuguptaṃ nidadhyāt
Ist das Ohr nun nicht verdorben, so diene zu seiner weiteren Weitung folgende Einreibung: Man nehme, soweit erhältlich, Fett und Mark von Waran, Hühnervögeln und Sumpf- und Wassertieren, dazu Milch, Ghee, Sesamöl und Öl aus weißem Senf, sowie Arka, Alarka, Balā, Atibalā, Anantā, Apāmārga, Aśvagandhā, Vidārigandhā, Kṣīraśuklā, Jalaśūka und die Süßholzgruppe, koche daraus ohne weitere Zutaten ein Öl und bewahre es sorgfältig verschlossen auf.
sveditonmarditaṃ karṇaṃ snehenaitena yojayet athānupadra vaḥ samyagbalavāṃśca vivardhate
Nachdem man das Ohr gedämpft und massiert hat, behandle man es mit diesem Öl; so weitet es sich, frei von Komplikationen, gleichmäßig und kräftig.
yavāśvāgandhāyaṣṭyāhvaistilaiścodvartanaṃ hitam śatāvaryaśvagandhābhyāṃ payasyairaṇḍajīvanaiḥ
Eine Einreibung aus Gerste, Aśvagandhā, Süßholz und Sesam ist zuträglich; ebenso aus Śatāvarī, Aśvagandhā, Payasyā, Rizinus und Jīvaka.
tailaṃ vipakvaṃ sakṣīramabhyaṅgāt pālivardhanam ye tu karṇā na vardhante svedasnehopapāditāḥ
Ein mit Milch gekochtes Öl bewirkt durch Einreibung die Weitung des Ohrläppchens. Weiten sich manche Ohren trotz Dämpfung und Öleinreibung nicht,
teṣāmapāṅgadeśe tu kuryāt pracchānameva tu bāhyacchedaṃna kurvīta vyāpadaḥ syustato dhruvāḥ
so nehme man an ihnen nur eine Skarifikation im Bereich des Augenwinkels vor; einen äußeren Schnitt vermeide man, da daraus sicher Komplikationen entstehen.
baddhamātraṃ tu yaḥ karṇaṃ sahasaivābhivardhayet āmakośī samādhmātaḥ kṣiprameva vimucyate
Wer ein eben erst genähtes Ohr sogleich gewaltsam weitet, dessen Naht öffnet sich rasch wieder, wie eine noch unreife, aufgeblähte Hülse.
jātaromā suvartmā ca śliṣṭasandhiḥ samaḥ sthiraḥ surūḍho'vedano yaśca taṃ karṇaṃ vardhayecchanaiḥ
Nur ein Ohr, an dem sich Haare gebildet haben, dessen Verlauf regelmäßig ist, dessen Naht fest verschlossen, gleichmäßig, stabil, gut verheilt und schmerzfrei ist, weite man langsam.
amitāḥ karṇabandhāstu vijñeyāḥ kuśalairiha yo yathā suviśiṣṭaḥ syāttaṃ tathā viniyojayet
Die Formen der Ohrnaht sind in Wahrheit unzählig und müssen vom erfahrenen Arzt jeweils erkannt werden; welche Methode sich für den jeweiligen Fall am besten eignet, die wende er an.
kirṇapālyāmayānnṝṇāṃ punarvakṣyāmi suśruta karṇapālyāṃ prakupitā vātapittakaphāstrayaḥ
Nun will ich, o Suśruta, weiter über die Krankheiten des Ohrläppchens der Menschen sprechen: Am Ohrläppchen können die drei *doṣa* – *vāta*, *pitta* und *kapha* – erregt sein,
dvidhā vā'pyatha saṃsṛṣṭāḥ kurvanti vividhā rujaḥ visphoṭaḥ stabdhatā śophaḥ pālyāṃ doṣe tu vātike
sei es zu zweien oder alle drei vermischt, und rufen so mannigfache Leiden hervor. Ist am Läppchen *vāta* erregt, entstehen Blasen, Steifheit und Schwellung.
dāhavisphoṭajananaṃ śophaḥ pākaśca paittike kaṇḍūḥ saśvayathuḥ stambho gurutvaṃ ca kaphātmake
Bei *pitta*-Erregung entstehen Brennen, Blasenbildung, Schwellung und Eiterung; bei *kapha*-Erregung Juckreiz mit Schwellung, Steifheit und Schweregefühl.
yathādoṣaṃ ca saṃśodhya kuryātteṣāṃ cikitsitam svedābhyaṅgaparīṣekaiḥ pralepāsṛgvimokṣaṇaiḥ
Man reinige entsprechend dem jeweiligen *doṣa* und behandle mit Dämpfung, Einreibung, Besprengung, Auflagen und Aderlass.
mṛdvīṃ kriyāṃ bṛṃhaṇīyairyathāsvaṃ bhojanaistathā ya evaṃ vetti doṣāṇāṃ cikitsāṃ kartumarhati
Man wende milde Maßnahmen sowie kräftigende, dem jeweiligen Fall entsprechende Speisen an; wer dies so versteht, ist geeignet, die Behandlung der *doṣa*-Leiden durchzuführen.
ata ūrdhvaṃ nāmaliṅgairvakṣye pālyāmupadra vān utpāṭakaścotpuṭakaḥ śyāvaḥ kaṇḍūyuto bhṛśam
Im Folgenden will ich die Komplikationen am Ohrläppchen mit Namen und Merkmalen aufzählen: Utpāṭaka, Utpuṭaka, Śyāva und der von starkem Juckreiz begleitete,
avamanthaḥ sakaṇḍūko granthiko jambulastathā srāvī ca dāhavāṃścaiva śṛṇveṣāṃ kramaśaḥ kriyām
Avamantha (mit Juckreiz), Granthika, Jambula, der mit Ausfluss verbundene und der mit Brennen verbundene – höre nun der Reihe nach ihre Behandlung.
apāmārgaḥ sarjarasaḥ pāṭalālakucatvacau utpāṭake pralepaḥ syāttailamebhiśca pācayet
Bei Utpāṭaka gebe man eine Salbe aus Apāmārga, Sarjarasa, sowie der Rinde von Pāṭalā und Lakuca; man koche aus diesen auch ein Öl.
śampākaśigrupūtīkān godhāmedo'tha tadvasām vārāhaṃ gavyamaiṇeyaṃ pittaṃ sarpiśca saṃsṛjet
Man vermenge Śampāka, Śigru und Pūtīka mit Waran-Fett und dessen Mark sowie mit Schweine-, Rinder- und Antilopen-Galle und Ghee
lepamutpuṭake dadyāttailamebhiśca sādhitam gaurīṃ sugandhāṃ saśyāmāmanantāṃ taṇḍulīyakam
und lege dies als Salbe bei Utpuṭaka auf; man bereite auch ein Öl daraus. Bei Śyāva gebe man Gaurī, Sugandhā, Śyāmā, Anantā und Taṇḍulīyaka
śyāve pralepanaṃ dadyāttailamebhiśca sādhitam pāṭhāṃ rasāñjanaṃ kṣaudraṃ tathā syāduṣṇakāñjikam
als Salbe, und bereite auch ein Öl daraus. Bei dem mit Juckreiz verbundenen Leiden gebe man Pāṭhā, Rasāñjana, Honig sowie warmen Reisessig (Kāñjika)
dadyāllepaṃ sakaṇḍūke tailamebhiśca sādhitam vraṇībhūtasya deyaṃ syādidaṃ tailaṃ vijānatā
als Salbe, und bereite auch ein Öl daraus. Ist eine offene Wunde entstanden, so gebe der Kundige folgendes Öl:
madhukakṣīrakākolījīvakādyairvipācitam godhāvarāhasarpāṇāṃ vasāḥ syuḥ kṛtabṛṃhaṇe
mit Süßholz, Kākolī, Jīvaka und ähnlichem gekocht; bei Bedarf an Aufbau nehme man das Fett von Waran, Schwein und Schlange.
pralepanamidaṃ dadyādavasicyāvamanthake prapauṇḍarīkaṃ madhukaṃ samaṅgāṃ dhavameva ca
Bei Avamantha gebe man, nachdem man die Stelle besprengt hat, folgende Salbe: Prapauṇḍarīka, Süßholz, Samaṅgā und Dhava.
tailamebhiśca saṃpakvaṃ śṛṇu kaṇḍūmataḥ kriyām sahadevā viśvadevā ajākṣīraṃ sasaindhavam etairālepanaṃ dadyāttailamebhiśca sādhitam
Man koche auch ein Öl daraus. Höre nun die Behandlung bei Juckreiz: Sahadevā, Viśvadevā, Ziegenmilch mit Steinsalz – mit diesen gebe man eine Salbe und bereite auch ein Öl daraus.
granthike guṭikāṃ pūrvaṃ srāvayedavapāṭya tu tataḥ saindhavacūrṇaṃ tu ghṛṣṭvā lepaṃ pradāpayet
Bei Granthika öffne man zunächst das Knötchen und lasse es abfließen; dann reibe man Steinsalzpulver ein und lege eine Salbe auf.
likhitvā tatsrutaṃ ghṛṣṭvā cūrṇairlodhrasya jambule kṣīreṇa pratisāryainaṃ śuddhaṃ saṃropayettataḥ
Bei Jambula schabe man die Ausflussstelle, reibe sie mit Lodhra-Pulver ein und bestreiche sie mit Milch; ist sie so gereinigt, lasse man sie verheilen.
madhuparṇī madhūkaṃ ca madhukaṃ madhunā saha lepaḥ srāviṇi dātavyastailamebhiśca sādhitam
Bei Ausfluss gebe man eine Salbe aus Madhuparṇī, Madhūka und Süßholz mit Honig; man bereite auch ein Öl daraus.
pañcavalkaiḥ samadhukaiḥ piṣṭaistaiśca ghṛtānvitaiḥ jīvakādyaiḥ sasarpiṣkairdahyamānaṃ pralepayet
Bei Brennen bestreiche man mit den fünf Rindenarten samt Süßholz, zu Paste zerrieben und mit Ghee versetzt, sowie mit Jīvaka und ähnlichem, ebenfalls mit Ghee vermengt.
viśleṣitāyāstvatha nāsikāyā vakṣyāmi sandhānavidhiṃ yathāvat nāsāpramāṇaṃ pṛthivīruhāṇāṃ patraṃ gṛhītvā tvavalambi tasya
Nun will ich die richtige Methode zur Wiederherstellung einer abgetrennten Nase beschreiben: Man nehme ein Blatt eines Baumes, das in Größe und Form der Nase entspricht und herabhängt,
tena pramāṇena hi gaṇḍapārśvādutkṛtya baddhaṃ tvatha nāsikāgram vilikhya cāśu pratisaṃdadhīta tat sādhubandhairbhiṣagapramattaḥ
und schneide danach entsprechend diesem Maß Haut von der Wange heraus; diese lasse man verbunden (mit der Wange zusammenhängend), schabe sogleich die Nasenspitze zurecht und füge das Hautstück sorgfältig mit guten Nähten an – der Arzt sei dabei unachtsamkeitsfrei.
susaṃhitaṃ samyagato yathāvannāḍīdvayenābhisamīkṣya baddhvā pronnamya caināmavacūrṇayettupataṅgayaṣṭīmadhukāñjanaiśca
Nachdem man es so gut zusammengefügt hat, prüfe man die beiden Nasenlöcher, richte sie aus, befestige und stütze die Nase auf und bestreue sie mit Pulver aus Pataṅga, Süßholz und Rasāñjana.
saṃchādya samyak picunā sitena tailena siñcedasakṛttilānām ghṛtaṃ ca pāyyaḥ sa naraḥ sujīrṇe snigdho virecyaḥ sa yathopadeśam
Dann bedecke man sie sorgfältig mit weißer Watte und besprenge sie wiederholt mit Sesamöl; dem Patienten gebe man Ghee zu trinken, und ist er gut geölt und hat er gut verdaut, so führe man bei ihm nach der Vorschrift eine Abführung durch.
rūḍhaṃ ca sandhānamupāgataṃ syāttadardhaśeṣaṃ tu punarnikṛntet hīnāṃ punarvardhayituṃ yateta samāṃ ca kuryādativṛddhamāṃsām
Ist die Naht verheilt, aber zu kurz geblieben, so schneide man erneut zur Hälfte nach; ist sie zu klein, bemühe man sich, sie erneut zu vergrößern; ist zu viel Fleisch nachgewachsen, gleiche man es aus.
nāḍīyogaṃ vinauṣṭhasya nāsāsandhānavadvidhim ya evameva jānīyāt sa rājñaḥ kartumarhati
Die Methode zur Wiederherstellung der Lippe entspricht, mit Ausnahme der Behandlung der beiden Nasenlöcher, dem Verfahren zur Nasenrekonstruktion; wer dies so beherrscht, ist würdig, selbst für einen König zu wirken.