Quellen der Menschheit

Suśruta-Saṃhitā · Sutrasthana

Adhyāya 40: dra vyaguṇarasavīryavipākavijñānīyo Der Streit um Substanz und Geschmack

Das vierzigste Kapitel verlässt vorübergehend die listenartige Materia medica und führt in Form eines gelehrten Disputs die Frage vor, welcher der fünf pharmakologischen Grundbegriffe – Substanz (dravya), Geschmack (rasa), Eigenschaft (guṇa), Wirkkraft (vīrya) oder Verdauungswandel (vipāka) – den Vorrang habe. Nacheinander werden die Argumente verschiedener Lehrmeinungen referiert, die jeweils einen der Faktoren als vorrangig behaupten – etwa wegen dessen Beständigkeit, seiner Verankerung im Veda oder seiner unmittelbaren Wirksamkeit –, und mit Gegenbeispielen wie dem „großen pañcamūla“ oder dem Zuckerrohrsaft illustriert. Am Ende setzt sich die Substanz als das eigentlich Tragende durch, durch das die übrigen Faktoren erst wirksam werden, wobei das Zusammenwirken aller vier als entscheidend betont wird. Das Kapitel schließt mit der programmatischen Mahnung, Heilpflanzen nicht durch bloße Spekulation, sondern gemäß der überlieferten Erfahrung zu beurteilen.

athāto dra vyarasaguṇavīryavipākavijñānīyamadhyāyaṃ vyākhyāsyāmaḥ

Nun werden wir das Kapitel über die Erkenntnis von *dravya* (die Substanz), *rasa* (der Geschmack/die Substanzessenz), *guṇa* (die Eigenschaft), *vīrya* (die Wirkkraft) und *vipāka* (die Verdauungsumwandlung) erklären.

yathovāca bhagavān dhanvantariḥ

So wie es der erhabene Dhanvantari lehrte:

kecidācāryā bruvatedra vyaṃ pradhānaṃ kasmāt vyavasthitatvāt iha khalu dra vyaṃ vyavasthitaṃ na rasādayaḥ yathā āme phale ye rasādayaste pakve na santi nitya-tvācca nityaṃ hi dra vyamanityā guṇāḥ yathā kalkādipravibhāgaḥ sa eva saṃpa-nnarasagandho vyāpannarasagandho vā bhavati svajātyavasthānācca yathā hi pārthivaṃ dra vyamanyabhāvaṃ na gacchatyevaṃ śeṣāṇi pañcendri yagrahaṇācca pañcabhirindri yairgṛhyate dra vyaṃ na rasādayaḥ āśrayatvācca dra vyamāśritā rasādayaḥ ārambhasāmarthyācca dra -vyāśrita ārambhaḥ yathāvidārigandhādimāhṛtya saṃkṣudya vipaceta ityevamādi-ṣuna rasādiṣvārambhaḥ śāstraprāmāṇyācca śāstre hi dra vyaṃ pradhānamupadeśe yogānāṃ yathā mātuluṅgāgnimanthau ca ityādau na rasādaya upadiśyante kramāpekṣitatvācca rasādīnāṃ rasādayo hi dra vyakramamapekṣante yathātaruṇe taruṇāḥ saṃpūrṇe saṃpūrṇā iti ekadeśasādhyatvācca dra vyāṇāmekadeśenāpi vyādhayaḥ sādhyante yathāmahāvṛkṣa-kṣīreṇeti tasmāddra vyaṃ pradhānaṃ na rasādayaḥ kasmāt niravayavatvāt dra vyala-kṣaṇaṃ tu kriyāguṇavat samavāyikāraṇam iti 3 netyāhuranye rasāstu pradhānaṃ kasmāt āgamāt āgamo hi śāstramucyate śāstre hi rasā adhikṛtāḥ ya-thārasāyatta āhāra iti tasmiṃstu prāṇāḥ upadeśācca upadiśyante hi rasāḥ yathāmadhurāmlalavaṇā vātaṃ śamayanti anumānācca rasena hyanumīyate dra vyaṃ ya-thāmadhuramiti ṛṣivacanācca ṛṣivacanaṃ vedo yathākiṃcidijyārthaṃ madhuramāharediti tasmādra sāḥ pradhānaṃ raseṣu guṇasaṃjñā rasalakṣaṇamanyatropadekṣyāmaḥ

Manche Lehrer behaupten: Die Substanz (*dravya*) ist das Vorrangige - warum? Wegen ihrer Beständigkeit. Denn hier ist die Substanz beständig, nicht aber der Geschmack und die übrigen Eigenschaften - so wie bei der unreifen Frucht die vorhandenen Geschmäcker in der reifen Frucht nicht mehr vorhanden sind. Und wegen ihrer Dauerhaftigkeit: Die Substanz ist dauerhaft, die Eigenschaften sind unbeständig - wie bei der Aufteilung in eine Paste und dergleichen, wo dieselbe Substanz einmal von vollkommenem Geschmack und Duft, ein andermal von verdorbenem Geschmack und Duft ist, weil sie in ihrem eigenen artgemäßen Zustand verharrt - so wie eine irdene Substanz nicht zu einer anderen Beschaffenheit wird, ebenso verhält es sich mit den übrigen. Und weil sie durch die fünf Sinne erfasst wird: Die Substanz wird von den fünf Sinnesorganen erfasst, nicht der Geschmack und die übrigen. Und wegen ihrer Trägerfunktion: Die Substanz ist der Träger, Geschmack und die übrigen sind ihr untergeordnet. Und wegen der Wirksamkeit für die Zubereitung: Die Zubereitung stützt sich auf die Substanz - wie bei 'man nehme Vidārigandhā und dergleichen, zerstoße es und koche es ein'; bei solchen Anweisungen bezieht sich die Zubereitung nicht auf Geschmack und die übrigen. Und wegen der Autorität der Lehrschrift: In der Lehrschrift ist bei der Anweisung von Heilrezepturen die Substanz das Vorrangige - wie bei 'Mātuluṅga und Agnimantha' und dergleichen wird nicht Geschmack und dergleichen angewiesen. Und weil Geschmack und die übrigen eine Reihenfolge voraussetzen: Geschmack und die übrigen setzen die Abfolge der Substanz voraus - wie 'in der jungen Pflanze ist er jung, in der ausgereiften ausgereift'. Und wegen der Behandelbarkeit durch einen einzelnen Teil der Substanzen: Krankheiten werden auch durch einen einzelnen Teil der Substanzen geheilt - wie durch den Milchsaft des Mahāvṛkṣa. Deshalb ist die Substanz das Vorrangige, nicht Geschmack und die übrigen - warum? Weil sie ohne Teile ist. Das Merkmal der Substanz aber ist: Sie ist die inhärente Ursache von Wirkung und Eigenschaft. So die einen. Nein, sagen andere: Der Geschmack ist das Vorrangige - warum? Wegen der Überlieferung, denn Überlieferung heißt Lehrschrift; in der Lehrschrift ist der Geschmack maßgeblich - wie bei 'die Nahrung hängt vom Geschmack ab', und darin besteht das Leben. Und wegen der Belehrung: Es werden Geschmäcker gelehrt - wie 'Süßes, Saures und Salziges besänftigen *vāta*'. Und durch Schlussfolgerung: Durch den Geschmack wird die Substanz erschlossen - wie 'das Süße'. Und wegen des Ausspruchs der Weisen: Der Ausspruch der Weisen ist der Veda - wie 'man opfere etwas Süßes für das Opfer'. Deshalb ist der Geschmack das Vorrangige; bei den Geschmäckern gilt die Bezeichnung Eigenschaft; das Merkmal des Geschmacks werde ich an anderer Stelle darlegen.

netyāhuranye vīryaṃ pradhānamiti kasmāt tadvaśenauṣadhakarmaniṣpatteḥ ihauṣadhaka-rmāṇyūrdhvādhobhāgobhayabhāgasaṃśodhanasaṃśamanasāṃ grāhikāgnidīpana pīḍanalekha-nabṛṃhaṇarasāyanavājīkaraṇaśvayathukaravilayana dahana dāraṇamādanaprāṇarnaghaviṣa-praśamanādīni vīryaprādhānyādbhavanti tacca vīryaṃ dvividhamuṣṇaṃ śītaṃ ca agnī-ṣomīyatvājjagataḥ kecidaṣṭavidhamāhuḥśītamuṣṇaṃ muṣṇaṃ snigdhaṃ rūkṣaṃ viśadaṃ picchilaṃ mṛdu tīkṣṇaṃ ceti etāni vīyārṇi svabalaguṇotkarṣādra samabhibhūyā-tma karma kurvanti yathā tāvanmahatpañcamūlaṃ kaṣāyaṃ tiktānurasaṃ vātaṃ śamayati uṣṇavīryatvāt tathā kulatthaḥ kaṣāyaḥ kaṭukaḥ palāṇḍuḥ snehabhāvācca madhu-raścekṣuraso vātaṃ vardhayati śītavīryatvātā kaṭukā pippalī pittaṃ śamayati mṛ-duśītavīryatvāt amlamāmalakaṃ lavaṇaṃ saindhavaṃ ca tiktā kākamācī pittaṃ vardhayati uṣṇavīryatvāt madhurā matsyāśca kaṭukaṃ mūlakaṃ śleṣmāṇaṃ vardhayati snigdhavīryatvāt amlaṃkapitthaṃ śleṣmāṇaṃ śamayati rūkṣavīryatvāt madhuraṃ kṣaudraṃ ca tadetannidarśanamātramuktam

Nein, sagen andere: Die Wirkkraft ist das Vorrangige - warum? Weil die Wirkung der Heilmittel von ihr abhängt. Denn hier entstehen die Wirkungen der Heilmittel - nach oben, nach unten und nach beiden Seiten reinigend, besänftigend, festigend, das Verdauungsfeuer anregend, zusammenpressend, schabend, aufnährend, verjüngend, potenzsteigernd, Schwellungen auflösend, verbrennend, aufspaltend, berauschend, lebenserhaltend, giftbesänftigend und dergleichen - vorrangig durch die Wirkkraft. Diese Wirkkraft ist zweifach: heiß und kalt, entsprechend der beiden Prinzipien Feuer und Mond, aus denen die Welt besteht. Manche sagen, sie sei achtfach: kalt, heiß, ölig, trocken, klar, schleimig, weich und scharf. Diese Wirkkräfte üben, entsprechend der Überlegenheit ihrer eigenen Kraft an Eigenschaft, den Geschmack überwältigend, ihre eigene Wirkung aus - so besänftigt etwa das große pañcamūla, obwohl bitter im Nachgeschmack, *vāta* (der Wind- und Bewegungs-doṣa) wegen seiner heißen Wirkkraft; ebenso Kulattha, obwohl herb und scharf, und Palāṇḍu, obwohl süß und ölig-veranlagt; Zuckerrohrsaft hingegen mehrt *vāta* wegen seiner kalten Wirkkraft. Ebenso besänftigt scharfe Pippalī *pitta* (der Feuer- und Stoffwechsel-doṣa) wegen ihrer milden, kalten Wirkkraft, ebenso saures Āmalaka, sowie Salz und Steinsalz; bittere Kākamācī hingegen mehrt *pitta* wegen ihrer heißen Wirkkraft. Süßer Fisch und scharfer Rettich mehren *kapha* (der Schleim-doṣa) wegen ihrer öligen Wirkkraft; saure Kapittha besänftigt hingegen *kapha* wegen ihrer trockenen Wirkkraft, ebenso süßer Honig. Dies sind lediglich Beispiele.

bhavanti cātraye rasā vātaśamanā bhavanti yadi teṣu vai raukṣyalāghavaśaityāni na te hanyuḥ samīraṇam

Und dazu heißt es: Wenn unter den *vāta*-besänftigenden Geschmäckern Trockenheit, Leichtigkeit und Kälte vorhanden wären, so würden sie *vāta* nicht besänftigen.

ye rasāḥ pittaśamanā bhavanti yadi teṣu vai taikṣṇyauṣṇyalaghutāścaiva na te tatkarmakāriṇaḥ

Wenn unter den *pitta*-besänftigenden Geschmäckern Schärfe, Hitze und Leichtigkeit vorhanden wären, so bewirkten sie nicht jene Wirkung.

ye rasāḥ śleṣmaśamanā bhavanti yadi teṣu vai snehagauravaśaityāni na te tatkarmakāriṇaḥ

Wenn unter den *kapha*-besänftigenden Geschmäckern Öligkeit, Schwere und Kälte vorhanden wären, so bewirkten sie nicht jene Wirkung.

tasmādvīryaṃ pradhānamiti

Deshalb ist die Wirkkraft das Vorrangige.

netyāhuranye vipākaḥ pradhānamiti kasmāt samyaṅmithyāvipakvatvāt iha sarvadra vāṇyabhyavahṛtāni samyaṅmithyāvipakvāni guṇaṃ doṣaṃ vā janayanti ta-trāhuranyeprati rasaṃ pāka iti kecittrividhamicchanti madhuramamlaṃ kaṭukaṃ ceti tattu na samyak bhūtaguṇādāmāccānyo'mlo vipāko nāsti pittaṃ hi vidagdha-mamlatāmupaityāgneyatvāt yadyevaṃ lavaṇo'pyanyaḥ pāko bhaviṣyati śleṣmā hi vidagdho lavaṇatāmupaitīti madhuro madhurasyāmlo'mlasyaivaṃ sarveṣāmiti ke-cidāhuḥ dṛṣṭāntaṃ copadiśantiyathā tāvat kṣīramukhāgataṃ pacyamānaṃ madhurameva syāttathā śāliyavamudgādayaḥ prakīrṇāḥ svabhāvamuttarakāle'pi na parityajanti tadvaditi kecidvadantiabalavanto balavatāṃ vaśamāyāntīti evamanavasthi-tiḥ tasmādasiddhānta eṣaḥ āgame hi dvividha eva pāko madhuraḥ kaṭukaśca ta-yormadhurākhyo guruḥ kaṭukākhyo laghuriti tatra pṛthivyaptejovāyvākāśānāṃ dvaividhyaṃ bhavati guṇasādharmyādgurutā laghutā ca pṛthivyāpaśca gurvyaḥ śeṣāṇi laghūnitasmāddvividha eva pāka iti

Nein, sagen andere: Die Verdauungsumwandlung ist das Vorrangige - warum? Weil sie über richtige oder falsche Verdautheit entscheidet. Denn hier erzeugen alle aufgenommenen Substanzen, je nachdem ob sie richtig oder falsch verdaut werden, entweder eine gute Eigenschaft oder einen Fehler. Dazu sagen andere: Die Verdauungsumwandlung entspricht jeweils dem Geschmack. Manche wollen sie dreifach: süß, sauer und scharf. Das aber ist nicht richtig, denn abgesehen von den Grundeigenschaften und dem unverdauten Zustand gibt es keinen weiteren sauren Verdauungswandel - *pitta* nämlich wird, wenn es verdirbt, aufgrund seiner feurigen Natur sauer. Wenn dem so wäre, müsste auch salzig ein weiterer Verdauungswandel sein, denn *kapha*, wenn es verdirbt, wird salzig - so wäre süß der Wandel des Süßen, sauer der Wandel des Sauren, und ebenso bei allen anderen, sagen manche. Und sie führen ein Beispiel an: So wie Milch, die im Mund gekocht wird, süß bleibt, ebenso behalten Reis, Gerste, Mungbohnen und dergleichen, ausgestreut, auch später noch ihre eigene Natur; ebenso verhalte es sich hier, sagen manche. Die Schwächeren geraten unter die Herrschaft der Stärkeren, sagen andere - so entstünde jedoch Beliebigkeit. Deshalb ist dies keine feststehende Lehre. In der Überlieferung gibt es nur zwei Arten von Verdauungswandel: süß und scharf. Von diesen ist der als süß bezeichnete schwer, der als scharf bezeichnete leicht. Dabei besteht bei Erde, Wasser, Feuer, Wind und Raum entsprechend der Gleichartigkeit ihrer Eigenschaften eine Zweiteilung in Schwere und Leichtigkeit: Erde und Wasser sind schwer, die übrigen leicht. Deshalb gibt es nur zwei Arten von Verdauungswandel.

bhavanti cātradra vyeṣu pacyamāneṣu yeṣvambupṛthivīguṇāḥ nirvartante'dhikāstatra pāko madhura ucyate

Und dazu heißt es: Bei den verdauten Substanzen entsteht dort, wo die Eigenschaften von Wasser und Erde überwiegen, der süße Verdauungswandel.

tejo'nilākāśaguṇāḥ pacyamāneṣu yeṣu tu nirvartante'dhikāstatra pākaḥ kaṭuka ucyate

Wo hingegen die Eigenschaften von Feuer, Wind und Raum bei den verdauten Substanzen überwiegen, dort heißt der Verdauungswandel scharf.

pṛthaktvadarśināmeṣa vādināṃ vādasaṃgrahaḥ caturṇāmapi sāmagryamicchantyatra vipaścitaḥ

Dies ist die Zusammenfassung der Lehrmeinungen jener Streitparteien, die die vier Faktoren einzeln betrachten; die Weisen aber wünschen hier das Zusammenwirken aller vier.

taddra vyamātmanā kiṃcitkiṃcidvīryeṇa sevitam kiṃcidra savipākābhyāṃ doṣaṃ hanti karoti vā

Diese Substanz wirkt teils durch sich selbst, teils durch ihre Wirkkraft, teils durch Geschmack und Verdauungswandel zusammen - so beseitigt oder erzeugt sie einen *doṣa* (der Körpersaft/das Ungleichgewicht).

pāko nāsti vinā vīryādvīryaṃ nāsti vinā rasāt raso nāsti vinā dra vyāddra vyaṃ śreṣṭhatamaṃ smṛtam

Verdauungswandel gibt es nicht ohne Wirkkraft, Wirkkraft nicht ohne Geschmack, Geschmack nicht ohne Substanz - deshalb gilt die Substanz als das Vortrefflichste.

janma tu dra vyarasayoranyonyāpekṣikaṃ smṛtam anyonyāpekṣikaṃ janma yathā syāddehadehinoḥ

Das Entstehen von Substanz und Geschmack wird jedoch als wechselseitig abhängig angesehen - wechselseitig abhängig ist ihr Entstehen, so wie das von Körper und verkörpertem Wesen.

vīryasaṃjñā guṇā ye'ṣṭau te'pi dra vyāśrayāḥ smṛtāḥ raseṣu na bhavantyete nirguṇāstu guṇāḥ smṛtāḥ

Die acht als Wirkkraft bezeichneten Eigenschaften gelten ebenfalls als in der Substanz verankert; im Geschmack selbst treten sie nicht auf, denn Eigenschaften selbst gelten als eigenschaftslos.

dra vye dra vyāṇi yasmāddhi vipacyante na ṣaḍrasāḥ śreṣṭhaṃ dra vyamato jñeyaṃ śeṣā bhāvāstadāśrayāḥ

Weil sich in der Substanz die Substanzen selbst verdauungswandeln, nicht die sechs Geschmäcker, ist deshalb die Substanz als das Vortrefflichste zu erkennen; die übrigen Wesenheiten beruhen auf ihr.

amīmāṃsyānyacintyāni prasiddhāni svabhāvataḥ āgamenopayojyāni bheṣajāni vicakṣaṇaiḥ

Was nicht ergründbar und nicht erdenkbar und von Natur aus feststehend ist, das sollen die Kundigen die Heilmittel gemäß der Überlieferung anwenden.

pratyakṣalakṣaṇaphalāḥ prasiddhāśca svabhāvataḥ nauṣadhīrhetubhirvidvān parīkṣeta kadācana

Mit sichtbaren Merkmalen und Wirkungen, von Natur aus feststehend - der Weise soll die Heilkräuter niemals allein durch spekulative Gründe prüfen.

sahasreṇāpi hetūnāṃ nāmbaṣṭhādirvirecayet tasmāttiṣṭhettu matimānāgame na tu hetuṣu

Auch mit tausend Gründen ließe sich nicht bestreiten, dass Ambaṣṭhā und dergleichen abführend wirken; deshalb soll der Kluge auf der Überlieferung fußen, nicht auf bloßen Gründen.

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