athāto'dhyayanasaṃpradānīyamadhyāyaṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun werden wir das Kapitel über Studium und Weitergabe (des Wissens) erläutern.
Suśruta-Saṃhitā · Sutrasthana
Das dritte Kapitel, „Über Studium und Weitergabe“ (des Wissens), liefert das vollständige Inhaltsverzeichnis der Suśruta-Saṃhitā: Die hundertzwanzig Kapitel verteilen sich auf Sūtra-, Nidāna-, Śārīra-, Cikitsita- und Kalpasthāna mit sechsundvierzig, sechzehn, zehn, vierzig beziehungsweise acht Kapiteln, ergänzt um sechsundsechzig Kapitel des nachfolgenden Uttaratantra mit seinen vier Teilen Śālākya (Augen-, Ohren- und Kopfheilkunde), Kaumāratantra (Kinderheilkunde), Kāyacikitsā (innere Medizin) und Bhūtavidyā (Dämonologie). Jedes Buch wird durch Aufzählung seiner Einzelkapitel knapp charakterisiert, von den Wundarten und Vāta-Krankheiten über Hautleiden und Harnkrankheiten bis zu Giftlehre und Schlangenbiss. Den zweiten Teil bildet eine grundsätzliche Erörterung: Reines Theoriewissen ohne praktische Übung gilt als ebenso unzureichend wie bloße Praxis ohne Theorie – nur wer beide Flügel besitzt, gleicht dem doppelrädrigen Streitwagen und ist zur ärztlichen Tätigkeit befähigt. Genannt werden auch die konkurrierenden chirurgischen Lehrwerke des Aupadhenava, Aurabhra und Pauṣkalāvata neben dem des Suśruta selbst.
| Buch (Sthāna) | Kapitel | Beispielhafte Themen |
|---|---|---|
| Sūtrasthāna | 46 | Veda-Entstehung, Schüleraufnahme, Instrumente, Ätzmittel, Kauterisation, Blutegel, Jahreszeiten, Erbrechen/Abführung, Speise und Trank |
| Nidānasthāna | 16 | Vāta-Krankheiten, Hämorrhoiden, Steinleiden, Hautkrankheiten, Harnkrankheiten, Bauchwassersucht, Geschwülste, Knochenbrüche |
| Śārīrasthāna | 10 | Elementenlehre, Fötalentwicklung, Marman (lebenswichtige Punkte), Gefäße, Aderlass |
| Cikitsitasthāna | 40 | Behandlung der Wundarten, Vāta-Krankheiten, Hautkrankheiten, Harnkrankheiten, Bauchwassersucht, Klistiere, Räucherung |
| Kalpasthāna | 8 | Schutz der Nahrung, Gift- und Schlangenbisslehre, Gegengifte |
| Uttaratantra | 66 | vier Teile: Śālākya, Kaumāratantra, Kāyacikitsā, Bhūtavidyā |
athāto'dhyayanasaṃpradānīyamadhyāyaṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun werden wir das Kapitel über Studium und Weitergabe (des Wissens) erläutern.
yathovāca bhagavān dhanvantariḥ
So wie es der erhabene Dhanvantari sprach:
prāgabhihitaṃ saviṃśamadhyāyaśataṃ pañcasu sthāneṣu tatra sūtrasthānamadhyāyāḥ ṣa-ṭcatvāriṃśatṣoḍaśa nidānāni daśa śārīrāṇi catvāriṃśaccikitsitāni aṣṭau kalpāḥ taduttaraṃ ṣaṭṣaṣṭiḥ
Die zuvor erwähnten hundertzwanzig Kapitel verteilen sich auf fünf Bücher: Das *Sūtrasthāna* hat sechsundvierzig Kapitel, das *Nidānasthāna* sechzehn, das *Śārīrasthāna* zehn, das *Cikitsitasthāna* vierzig, das *Kalpasthāna* acht; darüber hinaus kommen im nachfolgenden Werk (*Uttaratantra*) sechsundsechzig hinzu.
vedotpattiḥ śiṣya nayastathā'dhyayanadānikaḥ prabhāṣaṇāgraharaṇā vṛtucaryā'tha yāntrikaḥ
Die Entstehung des Veda, die Aufnahme des Schülers, sodann Studium und Weitergabe, das rechte Sprechen, das Kapitel über den Vorrang der Chirurgie, die Lebensordnung nach den Jahreszeiten, danach das Kapitel über die Instrumente (*yantra*) —
śastrāvacāraṇaṃ yogyā viśikhā kṣārakalpanam agnikarma jalaukākhyo hyadhyāyo raktavarṇanam
das Kapitel über den Gebrauch der scharfen Instrumente (*śastra*), das Übungskapitel (*yogyā*), das Kapitel über die Sonden (*viśikhā*), die Zubereitung des Ätzmittels (*kṣāra*), die Kauterisation (*agnikarma*), das sogenannte Blutegel-Kapitel (*jalaukā*) und die Beschreibung des Blutes —
doṣadhātumalādyānāṃ vijñānādhyāya eva ca karṇavyadhāmapakvaiṣāvālepo vraṇyupāsanam
das Kapitel über die Erkenntnis der *Doṣa*, *Dhātu* (der Körpergewebe) und Ausscheidungen (*mala*), das Ohrdurchstechen, das Kapitel über Verbände und Salben sowie das Kapitel über die Pflege des *Vraṇa* —
hitāhito vraṇapraśno vraṇāsrāvaśca yaḥ pṛthak kṛtyākṛtyavidhirvyādhisamuddeśīya eva ca
das Kapitel über Zuträgliches und Unzuträgliches für den *Vraṇa*, die Befragung des Wundpatienten, gesondert das Kapitel über den Wundausfluss, die Vorschrift über das, was zu tun und was zu unterlassen ist, sowie das Kapitel mit der Übersicht über die Krankheiten —
viniścayaḥ śastravidhau pranaṣṭajñānikastathā śalyoddhṛtirvraṇajñānaṃ dūtasvapnanidarśanam
das Kapitel über die Entscheidung bei der Anwendung der *Śastra*, ebenso über die Erkenntnis bei unklarem Befund, die Entfernung des Fremdkörpers (*śalya*), die Erkenntnis des *Vraṇa* und die Deutung von Boten und Träumen —
pañcendri yaṃ tathā chāyā svabhāvādvaikṛtaṃ tathā avāraṇo yuktasenīya āturakramabhūmikau
das Kapitel über die fünf Sinne, über den Körperschatten, über natürliche und krankhafte Veränderungen, über das Unabwendbare sowie über die geeignete Ausstattung und Lage des Krankenzimmers —
miśrakākhyo dra vyagaṇaḥ saṃśuddhau śamane ca yaḥ dra vyādīnāṃ ca vijñānaṃ viśeṣo dra vyago'paraḥ
das sogenannte Kapitel über gemischte Substanzgruppen, sowohl für die Reinigung (*śodhana*) als auch für die Beruhigung (*śamana*), die Erkenntnis der Substanzen (*dravya*) und ihrer Eigenschaften, und ein weiteres über die Besonderheiten der Substanzgruppen —
rasajñānaṃ vamanārthamadhyāyo recanāya ca dra vadra vyavidhistadvadannapānavidhistathā
das Kapitel über die Erkenntnis der Geschmäcker (*rasa*), das Kapitel über das Erbrechen (*vamana*) und ebenso über die Abführung (*recana*), die Vorschrift über flüssige Substanzen und ebenso die Vorschrift über Speise und Trank —
sūcanāt sūtraṇāccaiva savanāccārthasantateḥ ṣaṭcatvāriṃśadadhyāyaṃ sūtrasthānaṃ pracakṣate
weil es andeutet, kurz zusammenfasst und die Fülle der Gegenstände hervorbringt, nennt man dieses aus sechsundvierzig Kapiteln bestehende Buch das *Sūtrasthāna* (das Grundlagenbuch).
vātavyādhikamarśāṃsi sāśmariśca bhagandaraḥ kuṣṭhamehodaraṃ mūḍho vidra dhiḥ parisarpaṇam
Die *Vāta*-Krankheiten, die Hämorrhoiden (*arśas*), die Steinleiden (*aśmarī*) mitsamt der Analfistel (*bhagandara*), die Hautkrankheiten (*kuṣṭha*), die Harnkrankheiten (*meha*), die Bauchwassersucht (*udara*), die Steißlage bei der Geburt (*mūḍhagarbha*), die Abszesse (*vidradhi*) und das Umsichgreifen der Hautausschläge (*visarpa*) —
granthivṛddhikṣudra śūkabhagnāśca mukharogikam hetulakṣaṇanirdeśānnidānānīti ṣoḍaśa
die Geschwülste (*granthi*) und Hodenschwellungen (*vṛddhi*), die kleineren Krankheiten (*kṣudraroga*), die Verletzungen durch Splitter (*śūka*), die Knochenbrüche (*bhagna*) und die Krankheiten des Mundes – all dies wird, nach Ursache und Merkmal dargelegt, als die sechzehn Kapitel des *Nidānasthāna* (des Buches der Krankheitsursachen) bezeichnet.
bhūtacintā rajaḥśuddhirgarbhāvakrāntireva ca vyākaraṇaṃ ca garbhasya śarīrasya ca yatsmṛtam
Die Betrachtung der Elemente (*bhūta*), die Reinigung des Menstrualblutes, das Eintreten des Fötus in den Mutterleib, sowie die Erklärung der Entwicklung des Fötus und des Körpers, wie sie überliefert ist —
pratyekaṃ marmanirdeśaḥ sirāvarṇanameva ca sirāvyadho dhamanīnāṃ garbhiṇyā vyākṛtistathā
die einzelne Aufzählung der lebenswichtigen Punkte (*marman*), die Beschreibung der Gefäße (*sirā*), das Aderlassen (*sirāvyadha*) an den Arterien (*dhamanī*), sowie die Erklärung der abweichenden Lage bei der Schwangeren —
nirdiṣṭāni daśaitāni śārīrāṇi maharṣiṇā vijñānārthaṃ śarīrasya bhiṣajāṃ yogināmapi
diese zehn Kapitel wurden vom großen Weisen zum Zweck der Erkenntnis des Körpers dargelegt, für die Ärzte und auch für die Yogins.
dvivraṇīyo vraṇaḥ sadyo bhagnānāṃ vātarogikam mahāvātikamarśāṃsi sāśmariśca bhagandaraḥ
Das Kapitel über die zwei Wundarten, die frische Wunde, die Behandlung der Gebrochenen und der *Vāta*-Kranken, die schweren *Vāta*-Krankheiten, die Hämorrhoiden mitsamt dem Steinleiden und der Analfistel —
kuṣṭhānāṃ mahatāṃ cāpi maihikaṃ paiḍikaṃ tathā madhumehacikitsā ca tathā codariṇāmapi
die Behandlung der schweren Hautkrankheiten, ebenso die der Harnkrankheiten und der Furunkel (*piḍakā*), die Behandlung der Zuckerharnkrankheit (*madhumeha*) und ebenso die der Bauchwassersüchtigen —
mūḍhagarbhacikitsā ca vidra dhīnāṃ visarpiṇām granthivṛddhypudaṃśānāṃ tathā ca kṣudra rogiṇām
die Behandlung der Steißlage, der Abszesse und der Hautausschläge, ebenso der Geschwülste, Hodenschwellungen und Genitalgeschwüre (*upadaṃśa*) sowie der kleineren Krankheiten —
śūkadoṣacikitsā ca tathā ca mukharogiṇām śophasyānāgatānāṃ ca niṣedho miśrakaṃ tathā
die Behandlung der Splitterverletzungen und ebenso der Mundkrankheiten, die Vorbeugung gegen noch nicht entstandene Schwellungen (*śopha*), sowie das Kapitel über gemischte Rezepturen —
vājīkaraṃ ca yat kṣīṇe sarvābādhaśamo'pi ca medhāyuṣkaraṇaṃ cāpi svabhāvavyādhivāraṇam
das Aphrodisiakum (*vājīkaraṇa*) bei Erschöpfung, die Linderung aller Beschwerden, die Mehrung von Verstand und Lebensdauer sowie die Abwehr naturgegebener Krankheiten —
nivṛttasaṃtāpakaraṃ kīrtitaṃ ca rasāyanam snehopayaugikaḥ svedo vamane savirecane
das als Beendigung des Leidens gerühmte Verjüngungsmittel (*rasāyana*), die Anwendung der Ölung (*sneha*) und der Schwitzbehandlung (*sveda*) bei Erbrechen und Abführung —
tayorvyāpaccikitsā ca netrabastivibhāgikaḥ netrabastivipatsiddhistathā cottarabastikaḥ
die Behandlung von deren Komplikationen, die Einteilung von Klistierrohr (*netra*) und Klistier (*basti*), das Vorgehen bei Missgeschicken mit Klistierrohr und Klistier, sowie das Kapitel über das obere Klistier (*uttarabasti*) —
nirūhakramasaṃjñaśca tathaivāturasaṃjñakaḥ dhūmanasyavidhiścāntyaścatvāriṃśaditi smṛtāḥ
das sogenannte Kapitel über die Reihenfolge des Sud-Klistiers (*nirūha*), ebenso das über die Kennzeichnung der Krankenzustände, und als letztes die Vorschrift über Räucherung (*dhūma*) und Nasentropfen (*nasya*) – so sind es, wie überliefert, die vierzig Kapitel.
prāyaścittaṃ praśamanaṃ cikitsā śāntikarma ca paryāyāstasya nirdeśāccikitsāsthānamucyate
Sühne (*prāyaścitta*), Beruhigung (*praśamana*), Heilbehandlung (*cikitsā*) und Sühnehandlung (*śāntikarma*) sind Bezeichnungen für dasselbe; nach dieser Benennung heißt dieses Buch das *Cikitsitasthāna* (Buch der Heilbehandlung).
annasya rakṣā vijñānaṃ sthāvarasyetarasya ca sarpadaṣṭaviṣajñānaṃ tasyaiva ca cikitsitam
Der Schutz der Nahrung, die Erkenntnis des unbeweglichen und des beweglichen Giftes, die Erkenntnis des Giftes bei Schlangenbiss und dessen Behandlung —
dundubhermūṣikāṇāṃ ca kīṭānāṃ kalpa eva ca aṣṭau kalpāḥ samākhyātā viṣabheṣajakalpanāt
das Kapitel über die Dundubha-Schlange, über Mäuse und über Insekten – dies sind, nach der Zubereitung der Gegengifte benannt, die acht Kapitel des *Kalpasthāna*.
adhyāyānāṃ śataṃ viṃśamevametadudīritam ataḥ paraṃ svanāmnaiva tantramuttaramucyate
So sind, wie dargelegt, diese hundertzwanzig Kapitel; danach folgt, unter seinem eigenen Namen, das nachfolgende Werk, das *Uttaratantra*.
adhikṛtya kṛtaṃ yasmāttantrametadupadra vān aupadra vika ityeṣa tasyāgryatvānnirucyate
Weil dieses Werk im Hinblick auf die Komplikationen (*upadrava*) verfasst wurde, wird es wegen seiner Bedeutsamkeit als das 'Aupadravika' (das Buch der Komplikationen) bezeichnet.
sandhau vartmani śukle ca kṛṣṇe sarvatra dṛṣṭiṣu saṃvijñānārthamadhyāyā gadānāṃ tu prati prati
Über die Bindehaut, die Lidränder, das Weiße und das Schwarze im Auge und über das Sehen insgesamt gibt es, zur genauen Erkenntnis, für jede einzelne Augenkrankheit eigene Kapitel —
cikitsāpravibhāgīyo vātābhiṣyandavāraṇaḥ paittasya ślaiṣmikasyāpi raudhirasya tathaiva ca
das Kapitel über die Einteilung der Behandlung, die Abwehr der durch *Vāta* bedingten Augenentzündung (*abhiṣyanda*), ebenso der durch *Pitta*, durch *Kapha* und durch Blut bedingten —
lekhyabhedyaniṣedhau ca chedyānāṃ vartmadṛṣṭiṣu kriyākalpo'bhighātaśca karṇotthāstaccikitsitam
das Schaben (*lekhya*) und das Durchstechen (*bhedya*) sowie deren Kontraindikationen, das Schneiden (*chedya*) an Lidern und Augen, die Behandlungsvorschrift bei Verletzung, sowie die aus dem Ohr entstehenden Krankheiten und deren Behandlung —
ghrāṇotthānāṃ ca vijñānaṃ tadgadapratiṣedhanam pratiśyāyaniṣedhaśca śirogadavivecanam
die Erkenntnis der aus der Nase entstehenden Krankheiten und deren Abwehr, die Abwehr des Schnupfens (*pratiśyāya*) und die Unterscheidung der Kopfkrankheiten —
cikitsā tadgadānāṃ ca śālākyaṃ tantramucyate navagrahākṛtijñānaṃ skandasya ca niṣedhanam
und die Behandlung dieser Krankheiten – all dies wird das *Śālākya*-Werk genannt. Die Erkenntnis der Gestalt der neun Ergreifer (*graha*) und die Abwehr des Skanda-Ergreifers —
apasmāraśakunyośca revatyāśca punaḥ pṛthak pūtanāyāstathā'ndhāyāḥ śītapūtanamaṇḍikā
ebenso je gesondert die des Apasmāra- und des Śakuni-Ergreifers, der Revatī, der Pūtanā und der Andhā-Pūtanā, der Śītapūtanā und der Maṇḍikā —
naigameṣacikitsā ca grahotpattiḥ sayonijā kumāratantramityetacchārīreṣu ca kīrtitam
die Behandlung des Naigameṣa-Ergreifers und die Entstehung der Ergreifer samt ihrem Ursprung – all dies, zusammen mit dem, was zuvor im *Śārīrasthāna* über den Körper gesagt wurde, wird das *Kaumāratantra* (Werk der Kinderheilkunde) genannt.
jvarātisāraśoṣāṇāṃ gulmahṛdro giṇāmapi pāṇḍūnāṃ raktapittasya mūrcchāyāḥ pānajāśca ye
Von Fieber, Durchfall und Auszehrung, von Gulma (der Bauchgeschwulst) und Herzkrankheiten, von der Blutarmut (*pāṇḍu*), von der Blutungssucht (*raktapitta*), von der Ohnmacht und den durch Alkoholgenuss entstandenen Krankheiten —
tṛṣṇāyāśchardihikkānāṃ niṣedhaḥ śvāsakāsayoḥ svarabhedacikitsā ca kṛmyudāvartinoḥ pṛthak
die Abwehr von übermäßigem Durst, Erbrechen und Schluckauf, von Atemnot (*śvāsa*) und Husten (*kāsa*), die Behandlung der Stimmveränderung, sowie gesondert die der Würmer (*kṛmi*) und der Verstopfung mit Aufwärtsdrang der Winde (*udāvarta*) —
visūcikārocakayormūtrāghātavikṛcchrayoḥ iti kāyacikitsāyāḥ śeṣamatra prakīrtitam
und von der Cholera (*visūcikā*) und der Appetitlosigkeit (*arocaka*), von der Harnverhaltung und der schmerzhaften Harnentleerung – so ist hier der übrige Teil der inneren Medizin (*kāyacikitsā*) dargelegt.
amānuṣaniṣedhaśca tathā'pasmāriko'paraḥ unmādapratiṣedhaśca bhūtavidyā nirucyate
Die Abwehr der Ergriffenheit durch nichtmenschliche Wesen, ebenso ein weiteres Kapitel über Epilepsie (*apasmāra*), und die Abwehr des Wahnsinns (*unmāda*) – dies wird die *Bhūtavidyā* (Dämonologie) genannt.
rasabhedāḥ svasthavṛttaṃ yuktayastāntrikāśca yāḥ doṣabhedā iti jñeyā adhyāyāstantrabhūṣaṇāḥ
Die Unterscheidungen der Geschmäcker (*rasa*), die Lebensordnung für den Gesunden, die im Werk enthaltenen methodischen Grundsätze und die Unterscheidungen der *Doṣa* – dies sind, wie man wissen muss, die Kapitel, die das Werk schmücken.
śreṣṭhatvāduttaraṃ hyetattantramāhurmaharṣayaḥ bahvarthasaṃgrahācchreṣṭhamuttaraṃ vā'pi paścimam
Wegen seiner Vorzüglichkeit nennen die großen Weisen dieses Werk das 'Nachfolgende' (*uttara*); vorzüglich ist es, weil es viele Gegenstände zusammenfasst, und 'uttara' heißt es auch, weil es das letzte ist.
śālākyatantraṃ kaumāraṃ cikitsā kāyikī ca yā bhūtavidyeti catvāri tantre tūttarasaṃjñite
Das *Śālākya*-Werk, das *Kaumāratantra*, die innere Heilbehandlung (*kāyacikitsā*) und die *Bhūtavidyā* – dies sind die vier Teile innerhalb des sogenannten *Uttaratantra*.
vājīkaraṃ cikitsāsu rasāyanavidhistathā viṣatantraṃ punaḥ kalpāḥ śalyajñānaṃ samantataḥ
Das Aphrodisiakum (*vājīkaraṇa*) gehört zu den Heilbehandlungen, ebenso die Vorschrift über das Verjüngungsmittel (*rasāyana*); die Giftlehre (*viṣatantra*) wiederum bilden die Kapitel des *Kalpasthāna*; und die Wissenschaft der Chirurgie (*śalya*) durchdringt das Ganze.
ityaṣṭāṅgamidaṃ tantramādidevaprakāśitam vidhinā'dhītya yuñjānā bhavanti prāṇadā bhuvi
So ist dieses achtgliedrige Werk, vom ersten Gott (Dhanvantari) offenbart; wer es vorschriftsgemäß studiert und anwendet, wird auf Erden zum Lebensretter.
etaddhyvaśyamadhyeyam adhītya ca karmāpyavaśyamupā sitavyam ubhayajño hi bhiṣag rājārho bhavati
Dieses Werk muss unbedingt studiert werden, und nach dem Studium muss man sich unbedingt auch der praktischen Ausübung widmen; denn nur ein Arzt, der beides beherrscht, ist eines Königs würdig.
bhavanti cātra yastu kevalaśāstrajñaḥ karmasvapariniṣṭhitaḥ sa muhyatyāturaṃ prāpya prāpya bhīrurivāhavam
Und hierzu heißt es: Wer nur die Theorie (*śāstra*) kennt, in der Praxis aber nicht geübt ist, der gerät jedes Mal, wenn er einem Kranken gegenübersteht, in Verwirrung, wie ein Feigling im Kampf.
yastu karmasu niṣṇāto dhārṣṭyācchāstrabahiṣkṛtaḥ sa satsu pūjāṃ nāpnoti vadhaṃ carcchati rājataḥ
Wer aber in der Praxis erfahren ist, aus Vermessenheit jedoch die Theorie vernachlässigt hat, der erlangt bei den Rechtschaffenen keine Anerkennung und läuft sogar Gefahr, vom König hingerichtet zu werden.
ubhāvetāvanipuṇāvasamarthau svakarmaṇi ardhavedadharāvetāvekapakṣāviva dvijau
Beide sind ungeschickt und für ihre Aufgabe untauglich; sie tragen nur die halbe Kenntnis des Veda in sich, wie zweimal geborene Vögel mit nur einem Flügel.
oṣadhyo'mṛtakalpāstu śastrāśaniviṣopamāḥ bhavantyajñairupahṛtāstasmādetān vivarjayet
Heilpflanzen, die dem Nektar der Unsterblichkeit gleichen, werden, wenn sie von Unkundigen angewandt werden, wie Waffe, Blitz und Gift; darum meide man solche Unkundigen.
snehādiṣvanabhijño yaśchedyādiṣu ca karmasu sa nihanti janaṃ lobhāt kuvaidyo nṛpadoṣataḥ
Wer sich bei Ölbehandlungen (*sneha*) und dergleichen sowie bei chirurgischen Eingriffen wie dem Schneiden (*chedya*) nicht auskennt, ein solcher schlechter Arzt (*kuvaidya*) tötet aus Habgier Menschen und lädt so die Schuld des Königs auf sich.
yastūbhayajño matimān sa samartho'thasādhane āhave karma nirvoḍhuṃ dvicakraḥ syandano yathā
Wer aber beides beherrscht und klug ist, der ist fähig, seine Aufgabe zu vollbringen, so wie ein Streitwagen erst mit zwei Rädern seinen Zweck im Kampf erfüllen kann.
atha vatsa tadetadadhyeyaṃ yathā tathopadhāraya mayā procyamānaṃ atha śucaye kṛ-tottarāsaṅgāyāvyākulāyopasthitāyādhyanakāle śiṣyāya yathāśakti gururupa-diśet padaṃ pādaṃ ślokaṃ vā te capadapādaślokā bhūyaḥ krameṇānusaṃdheyāḥ eva-mekaikaśo ghaṭayedātmanā cānupaṭhet adrutamavilambitamaviśaṅkitamananunā-sikaṃ suvyaktākṣaramapīḍitavarṇa makṣibhruvauṣṭhahastairanabhinītaṃ susaṃskṛtaṃnātyuccairnātinīcaiśca svaraiḥ paṭhet na cāntareṇa kaścidvrajet tayāradhīyānayoḥ
Nun, mein Kind, vernimm, wie das zu Studierende beschaffen ist, wie ich es dir jetzt darlege: Dem Schüler, der rein ist, das Obergewand über die linke Schulter gelegt hat, ungestört ist und sich zur Studierstunde eingefunden hat, soll der Lehrer nach Vermögen Wort für Wort, Versfuß für Versfuß oder Vers für Vers vortragen; diese Wörter, Versfüße und Verse soll der Schüler dann der Reihe nach wieder verknüpfen; so soll er jedes einzelne für sich zusammenfügen und selbst nachsprechen, dabei weder hastig noch zögerlich, ohne Unsicherheit, nicht nasal, mit deutlich ausgesprochenen Silben, ohne die Laute zu pressen, ohne Bewegungen von Augen, Augenbrauen, Lippen oder Händen, wohlgeformt, weder zu laut noch zu leise mit der Stimme lesen; und niemand soll zwischen die beiden treten, während sie miteinander studieren.
bhavataścātra śucirguruparo dakṣastandrā nidrā vivarjitaḥ paṭhannetena vidhinā śiṣyaḥ śāstrāntamāpnuyāt
Und hierzu heißt es: Rein, dem Lehrer zugetan, tüchtig, frei von Mattigkeit und Schläfrigkeit, gelangt ein Schüler, der nach dieser Vorschrift studiert, bis ans Ende der Lehre (*śāstra*).
vāksauṣṭhave'thavijñāne prāgalbhye karmanaipuṇe tadabhyāse ca siddhau ca yatetādhyayanāntagaḥ
Wer sein Studium zu Ende bringt, soll sich um Wohlklang der Rede, um Erkenntnis, um Selbstsicherheit, um Geschicklichkeit in der Praxis, um deren Übung und um Vollendung bemühen.