athāta āturopakramaṇīyamadhyāyaṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun wollen wir das Kapitel über das richtige Herangehen an den Kranken (*āturopakramaṇīya*) erläutern.
Suśruta-Saṃhitā · Sutrasthana
Das fünfunddreißigste, mit fünfzig Versen sehr umfangreiche Kapitel legt dar, wie der Arzt sich dem Kranken nähern soll: Vor jeder weiteren Prüfung von Krankheit, Jahreszeit, Verdauungsfeuer, Alter, Kraft, Konstitution und Ortsverhältnissen muss zunächst die grundsätzliche Lebenskraft (āyus) beurteilt werden – anhand körperlicher Proportionen (in Fingerbreiten, aṅgula, exakt vermessen), die auf langes, mittleres oder kurzes Leben schließen lassen, sowie anhand der „Reifqualität“ (sāra) der sieben Körpergewebe von Geist bis Haut. Es folgt eine Systematik von Krankheiten als heilbar, palliativ oder unheilbar sowie als Begleit-, Grund- oder Vorläufersymptom. Breiten Raum nehmen zudem die vier Typen des Verdauungsfeuers (agni), die drei Landschaftstypen (sumpfig, wüst, gemischt) mit ihren typischen Doṣa-Erkrankungen, die Lebensphasen mit ihren Doṣa-Zuordnungen sowie Grundsätze der Dosierung und des Behandlungswechsels. Das Kapitel bildet damit gleichsam das diagnostische Fundament für die gesamte folgende Therapielehre.
| Gewebe | Sanskrit | Erkennungszeichen |
|---|---|---|
| Geist | sattvasāra | Erinnerungsvermögen, Hingabe, Weisheit, Reinheit, Tapferkeit, feste Geisteshaltung |
| Same | śukrasāra | glatte, feste, weiße Knochen, Zähne und Nägel; viele Kinder; höchste Kraft |
| Knochenmark | majjāsāra | sanfte, tiefe Stimme; glückverheißendes Aussehen; große Augen; große Knochen |
| Fettgewebe | medaḥsāra | glatter Urin, Schweiß und Stimme; großer Körper; erträgt Ermüdung |
| Fleisch | māṃsasāra | makelloser Körper, verborgene Gelenke, wohlausgebildete Muskulatur |
| Blut | raktasāra | glatte, kupferfarbene Nägel, Augen, Gaumen, Zunge, Lippen und Hand-/Fußflächen |
| Haut | tvaksāra | klare, weiche Haut und weiche Körperbehaarung |
| Zustand | Sanskrit | Ursache | Behandlung |
|---|---|---|---|
| ausgeglichen | sama | ausgeglichene Doṣas | lediglich bewahren |
| unregelmäßig | viṣama | Vāta | ölige, saure, salzige Mittel |
| scharf | tīkṣṇa | Pitta | süße, ölige, kühlende Mittel, Abführmittel |
| schwach | manda | Kapha | scharfe, bittere, herbe Mittel, Brechmittel |
athāta āturopakramaṇīyamadhyāyaṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun wollen wir das Kapitel über das richtige Herangehen an den Kranken (*āturopakramaṇīya*) erläutern.
yathovāca bhagavān dhanvantariḥ
So sprach der erhabene Dhanvantari:
āturamupakramamāṇena bhiṣajā'yurādāveva parīkṣitavyaṃ satyāyuṣi vyādhyṛtvagnivayodehabalasattvasātmyaprakṛtibheṣajadeśān parīkṣeta
Der Arzt, der sich dem Kranken zuwendet, soll zunächst dessen Lebenskraft (*āyus*) prüfen; erst wenn diese vorhanden ist, prüfe er weiter Krankheit, Jahreszeit, Verdauungsfeuer (*agni*), Lebensalter, Körperbeschaffenheit, Kraft, Geisteszustand (*sattva*), Gewöhnung (*sātmya*), Konstitution (*prakṛti*), Heilmittel und Ortsverhältnisse.
tatra mahāpāṇipādapārśvapṛṣṭhastanāgradaśanavadanaskandhalalāṭaṃ dīrghāṅguliparvo-cchvāsaprekṣaṇabāhuṃ vistīrṇabhrūstanāntaroraskaṃ hrasvajaṅghāmeḍhragrīvaṃ gambhīrasa-ttvasvaranābhim anuccairbaddhastanam upacitamahāromaśakarṇaṃ paścānmastiṣkaṃ sna-tānuliptaṃ mūrdhānupūrvyā viśuṣyamāṇaśarīraṃ paścācca viśuṣyamāṇahṛdayaṃ puruṣaṃ jānīyāddīrghāyuḥ khalvayamiti tamekāntenopakramet ebhirlakṣaṇairviparītairalpāyuḥ miśrairmadhyamāyuriti
Man erkenne einen Menschen mit großen Händen, Füßen, Flanken, Rücken, Brustwarzen, Zähnen, großem Gesicht, Schultern und Stirn, mit langen Fingergliedern, weitem Atem, weitem Blick und langen Armen, mit breiten Augenbrauen, weitem Abstand zwischen den Brustwarzen und breiter Brust, mit kurzen Unterschenkeln, kurzem Glied und kurzem Hals, mit tiefem Wesen, tiefer Stimme und tiefem Nabel, mit nicht zu hoch angesetzten, festen Brustwarzen, mit dichtem, großem, behaartem Ohr, mit nach hinten liegendem Hinterkopf, dessen Kopf aussieht, als sei er gerade gebadet und eingesalbt worden, dessen Körper von oben nach unten allmählich schlanker wird und dessen Brustkorb sich zuletzt verjüngt, als einen langlebigen Menschen; einen solchen behandle man ohne Zögern. Bei den entgegengesetzten Merkmalen erkenne man einen Kurzlebigen, bei gemischten Merkmalen einen von mittlerer Lebensdauer.
bhavanti cātragūḍhasandhisirāsnāyuḥ saṃhatāṅgaḥ sthirendri yaḥ uttarottarasukṣetro yaḥ sa dīrghāyurucyate
Dazu gibt es folgende Verse: Wer verborgene Gelenke, Venen und Sehnen hat, wohlgefügte Glieder und feste Sinnesorgane, und dessen astrologisches Geburtsfeld von einem Haus zum nächsten günstig ist, der wird als langlebig bezeichnet.
garbhāt prabhṛtyarogo yaḥ śanaiḥ samupacīyate śarīrajñānavijñānaiḥ sa dīrghāyuḥ samāsataḥ
Wer von der Empfängnis an gesund bleibt und allmählich an Körper, Wissen und Erkenntnis zunimmt, der ist, kurz gesagt, langlebig.
madhyamasyāyuṣo jñānamata ūrdhvaṃ nibodha me adhastādakṣayoryasya lekhāḥ syurvyaktamāyatāḥ
Nun vernimm von mir die Erkennungsmerkmale der mittleren Lebensdauer. Bei wem unterhalb der Augen deutlich verlaufende Linien vorhanden sind,
dve vā tisro'dhikā vā'pi pādau karṇau ca māṃsalau nāsāgramūrdhvaṃ ca bhavedūrdhvaṃ lekhāśca pṛṣṭhataḥ
zwei oder drei oder auch mehr, wessen Füße und Ohren fleischig sind, dessen Nasenspitze nach oben zeigt und dessen Rückenlinien nach oben verlaufen –
yasya syustasya paramamāyurbhavati saptatiḥ jaghanyasyāyuṣo jñānamata ūrdhvaṃ nibodha me
wer diese Merkmale aufweist, dessen Höchstlebensdauer beträgt siebzig Jahre. Nun vernimm von mir die Erkennungsmerkmale der kurzen Lebensdauer.
hrasvāni yasya parvāṇi sumahaccāpi mehanam tathorasyavalīḍhāni na ca syātpṛṣṭhamāyatam
Wessen Gliedmaßenabschnitte kurz sind, wessen Glied übermäßig groß ist, dessen Brust eingefallen wirkt und dessen Rücken nicht lang gestreckt ist,
ūrdhvaṃ ca śravaṇau sthānānnāsā coccā śarīriṇaḥ hasato jalpato vā'pi dantamāṃsaṃ pradṛśyate prekṣate yaśca vibhrāntaṃ sa jīvetpañcaviṃśatim
dessen Ohren höher stehen als ihre normale Lage und dessen Nase spitz nach oben steht, wer beim Lachen oder Sprechen das Zahnfleisch sehen lässt und wer mit unsteten, verwirrten Augen blickt – ein solcher Mensch lebt nur fünfundzwanzig Jahre.
atha punarāyuṣo vijñānārthamaṅgapratyaṅgapramāṇasārānupadekṣyāmaḥ tatrāṅgānyantarā-dhisakthibāhuśirāṃsi tadavayavāḥ pratyaṅgānīti tatra svairaṅgulaiḥ pādāṅgu-ṣṭhapradeśinyau dvyaṅgulāyatpradeśinyāstu madhyamānāmikākaniṣṭhikā yathottaraṃ pañcamabhāgahīnāḥ caturaṅgulāyate pañcāṅgulavistṛte prapadapādatale pañcacatu-raṅgulāyatavistṛtā pārṣṇiḥ caturdaśāṅgulāyataḥ pādaḥ caturdaśāṅgulapari-ṇāhāni pādagulphajaṅghājānumadhyāni aṣṭādaśāṅgulā jaṅghā jānūpariṣṭācca dvātriṃśadaṅgulam ete pañcāśat jaṅghāyāmasamāvūrū dvyaṅgulānivṛṣaṇaci-bukadaśananāsāpuṭabhāgakarṇamūlabhrūnayanāntarāṇi caturaṅgulāni mehanavadanā-ntaranāsākarṇalalāṭagrīvocchrāyadṛṣṭayantarāṇi dvādaśāṅgulāni bhagavistāra-mehananābhihṛdayagrīvāstanāntaramukhāyāmamaṇibandhaprakoṣṭhasthaulyāni nābhi ba-stipariṇāhāṃsa pīṭhakūrparāntarāyāmaḥ ṣoḍaśāṅgulaḥ caturviṃśatyaṅgulo ha-staḥ dvātriṃśadaṅgulaparimāṇau bhujau dvātriṃśatpariṇāhāvūrū maṇibandhakūrparāntaraṃ ṣoḍaśāṅgulaṃ talaṃ ṣaṭcaturaṅgulāyāmavistāram aṅguṣṭhamūlapradeśinīśrava-ṇāpāṅgāntaramadhyamaṅgulyau pañcāṅgule ardhapañcāṅgule predeśinyanāmike sārdhatryaṅgulau kaniṣṭhāṅguṣṭhau caturviṃśativistārapariṇāhaṃ mukhagrīvaṃ tribhā-gāṅgulavistārā nāsāpuṭamaryādā nayanatribhāgapariṇāhā tārakā navamastāra-kāṃśo dṛṣṭiḥ keśāntamastakāntaramekādaśāṅgulaṃ mastakādavaṭukeśānto daśāṅagulaḥ karṇāvaṭvantaraṃ caturdaśāṅgulaṃ puruṣoraḥ pramāṇavistīrṇā strī-śroṇiḥ aṣṭādaśāṅgulavistāramuraḥ tatpramāṇā puruṣasya kaṭī saviṃśama-ṅgulaśataṃpuruṣāyāma iti
Nun wollen wir, um die Lebensdauer noch genauer bestimmen zu können, die Maße und die Substanzqualität (*sāra*) der Haupt- und Nebenglieder darlegen. Als Hauptglieder (*aṅga*) gelten Arme, Beine, Kopf und Rumpf, ihre Teile heißen Nebenglieder (*pratyaṅga*). Gemessen in der eigenen Fingerbreite (*svāṅgula*) des Betreffenden: Die große Zehe und der Zeigefinger des Fußes sind je zwei Fingerbreiten lang; Mittelzehe, Ringzehe und kleine Zehe werden jeweils um ein Fünftel kürzer. Der Vorderfuß ist vier Fingerbreiten lang und fünf breit; die Ferse ist fünf mal vier Fingerbreiten lang und breit; der ganze Fuß ist vierzehn Fingerbreiten lang. Fußgelenk, Unterschenkelmitte und Kniemitte haben je vierzehn Fingerbreiten Umfang. Der Unterschenkel ist achtzehn Fingerbreiten lang, und von dort bis über das Knie hinauf sind es zweiunddreißig Fingerbreiten – beide zusammen also fünfzig. Der Oberschenkel ist gleich lang wie der Unterschenkel. Zwei Fingerbreiten betragen jeweils die Abstände zwischen Hodensack und Kinn, zwischen den Zähnen, an den Nasenflügeln, an der Ohrwurzel und zwischen den Augenbrauen und Augen. Vier Fingerbreiten betragen die Abstände von Glied zu Mund, von Nase zu Ohr, die Höhe der Stirn, des Halses und der Blickachse. Zwölf Fingerbreiten betragen die Weite der Scham, die Länge des Glieds, der Abstand von Nabel zu Herz, die Halslänge, der Abstand zwischen den Brustwarzen, die Gesichtslänge sowie die Dicke von Handgelenk und Unterarm. Der Abstand zwischen Nabel und Schulterblatt bzw. Ellbogen beträgt sechzehn Fingerbreiten Umfang bzw. Länge. Die Hand ist vierundzwanzig Fingerbreiten lang. Beide Arme messen je zweiunddreißig Fingerbreiten, beide Oberschenkel haben je zweiunddreißig Fingerbreiten Umfang. Der Abstand vom Handgelenk zum Ellbogen beträgt sechzehn Fingerbreiten. Die Handfläche ist sechs mal vier Fingerbreiten lang und breit. Der Abstand zwischen Daumenwurzel und Zeigefinger sowie zwischen Ohr und äußerem Augenwinkel und der Mittelfinger messen je fünf Fingerbreiten; Zeigefinger und Ringfinger je viereinhalb; kleiner Finger und Daumen je dreieinhalb. Mund und Hals haben zusammen vierundzwanzig Fingerbreiten Umfang. Der Rand der Nasenflügel ist ein Drittel einer Fingerbreite breit. Die Iris hat ein Drittel des Augenumfangs, die Pupille ein Neuntel der Iris. Der Abstand vom Haaransatz bis zum Scheitel beträgt elf Fingerbreiten, vom Scheitel bis zum Haaransatz im Nacken zehn Fingerbreiten, zwischen beiden Ohrwurzeln vierzehn Fingerbreiten. Die Brust des Mannes und das Becken der Frau sind gleich breit; die Brust ist achtzehn Fingerbreiten breit, ebenso breit ist die Hüfte des Mannes. Die Gesamtkörperlänge des Menschen beträgt hundertzwanzig Fingerbreiten.
bhavanti cātra ślokāḥ pañcaviṃśe tato varṣe pumān nārī tu ṣoḍaśe samatvāgatavīryau tau jānīyāt kuśalo bhiṣak
Dazu gibt es folgende Verse: Der Mann erreicht mit fünfundzwanzig, die Frau mit sechzehn Jahren die volle Reife ihrer Kraft; das soll der erfahrene Arzt wissen.
dehaḥ svairaṅgulaireṣa yathāvadanukīrtitaḥ yuktaḥ pramāṇenānena pumān vā yadi vā'ṅganā
So wurde der Körper, gemessen in der eigenen Fingerbreite, der Reihe nach beschrieben. Wenn Mann oder Frau diesem Maß entsprechen,
dīrghamāyuravāpnoti vittaṃ ca mahadṛcchati madhyamaṃ madhyamairāyurvittaṃ hīnaistathā'varam
erlangen sie langes Leben und großen Reichtum; bei mittleren Maßen mittleres Leben und Reichtum, bei geringeren entsprechend geringeres.
atha sārān vakṣyāmaḥsmṛtibhaktiprajñāśaicaśauryopetaṃ kalyāṇābhiniveśaṃ sattva-sāraṃ vidyāt snigdhasaṃhataśvetāsthidantanakhaṃ bahulakāmaprajaṃ śukreṇa akṛśamu-ttamabalaṃ snigdhagambhīrasvaraṃ saubhāgyopapaynanaṃ mahānetraṃ ca majjñā mahāśiraḥ skandhaṃ dṛḍhadantahanvasthinakhamasthibhiḥ snigdhamūtrasvedasvaraṃ bṛhaccharīramāyā-sāsahiṣṇuṃ medasā acchidra gātraṃ gūḍhāsthisandhiṃ māṃsopacitaṃ ca māṃsena sni-gdhatāmranakhanayanatālujihvauṣṭhapāṇipādatalaṃ raktena suprasannamṛdutvagromāṇaṃ tvaksāraṃ vidyāditi eṣāṃ pūrvaṃ pūrvaṃ pradhānamāyuḥ saubhāgyayoriti
Nun wollen wir von der Substanzqualität (*sāra*) der Gewebe sprechen. Wer über Erinnerungsvermögen, Hingabe, Weisheit, Reinheit und Tapferkeit verfügt und eine glückliche, feste Geisteshaltung besitzt, bei dem erkenne man die Reifqualität des Geistes (*sattvasāra*). Wer glatte, feste, weiße Knochen, Zähne und Nägel hat, viele Kinder zeugt, durch starken Samen nicht abgezehrt, sondern von höchster Kraft ist – bei ihm erkenne man die Reifqualität des Samens (*śukrasāra*). Wer eine sanfte, tiefe Stimme, ein glückverheißendes Aussehen und große Augen hat, große Knochen an Kopf und Schultern – bei ihm erkenne man die Reifqualität des Knochenmarks (*majjāsāra*, erkennbar auch an festen Zähnen, Kieferknochen und Nägeln). Wer glatten Urin, glatten Schweiß und eine glatte Stimme hat, einen großen Körper und Ermüdung erträgt – bei ihm erkenne man die Reifqualität des Fettgewebes (*medaḥsāra*). Wer einen makellosen Körper, verborgene Knochengelenke und wohlausgebildete Muskulatur hat – bei ihm erkenne man die Reifqualität des Muskelfleisches (*māṃsasāra*). Wer glatte, kupferfarbene Nägel, Augen, Gaumen, Zunge, Lippen sowie Hand- und Fußflächen hat – bei ihm erkenne man die Reifqualität des Blutes (*raktasāra*). Wer eine klare, weiche Haut und weiche Körperbehaarung hat – bei ihm erkenne man die Reifqualität der Haut (*tvaksāra*). Von diesen sieben Geweberei-Qualitäten ist jede vorhergehende bedeutsamer als die folgende für Lebensdauer und Wohlergehen.
viśeṣato'ṅgapratyaṅgapramāṇādatha sārataḥ parīkṣyāyuḥ sunipuṇo bhiṣak sidhyati karmasu
Der sehr geschickte Arzt, der insbesondere anhand der Maße der Haupt- und Nebenglieder sowie anhand der Geweberei-Qualität die Lebensdauer prüft, hat bei seinen Behandlungen Erfolg.
vyādhiviśeṣāstu prāgabhihitāḥ sarva evaite trividhāḥ sādhyā yāpyāḥ pratyā-khyeyāśca tatraitān bhūyastridhā parīkṣetakimayamaupasargikaḥ prākkevalaḥ anya-lakṣaṇa iti tatra aupasargiko nāma yaḥ pūrvotpannaṃ vyādhiṃ jaghanyakālajāto vyādhirupasṛjati sa tanmūla evopadra vasaṃjñaḥ prākkevalo nāma yaḥ prāgevotpanno vyādhirapūrvarūpo'nupadra vaśca anyalakṣaṇo nāma yo bhaviṣyadvyādhikhyāpakaḥ sa pūrvarūpasaṃjñaḥ tatra sopadra vamanyonyā virodhenopakrameta balavantamupadra vaṃ vā prākkevalaṃ yathāsvaṃ pratikurvīta anyalakṣaṇe tvādivyādhau prayateta
Die früher genannten besonderen Krankheitsformen sind sämtlich dreifacher Art: heilbar (*sādhya*), palliativ behandelbar (*yāpya*) und unheilbar (*pratyākhyeya*). Darüber hinaus soll man sie noch auf dreierlei Weise prüfen: Handelt es sich um eine Begleiterkrankung (*aupasargika*), um eine für sich allein zuerst entstandene (*prākkevala*), oder um ein anderes Zeichen (*anyalakṣaṇa*)? Als 'Begleiterkrankung' bezeichnet man eine Krankheit, die eine zuvor entstandene Grunderkrankung begleitet, obwohl sie selbst später entstanden ist; sie wird, da sie in jener wurzelt, als 'Begleitsymptom' (*upadrava*) bezeichnet. Als 'für sich allein zuerst entstanden' bezeichnet man eine Krankheit, die zuerst entstanden ist, kein Vorläuferzeichen einer anderen war und selbst keine Begleitsymptome hat. Als 'anderes Zeichen' bezeichnet man das, was eine künftige Krankheit ankündigt; dies wird als 'Vorläuferzeichen' (*pūrvarūpa*) bezeichnet. Bei einer von Begleitsymptomen begleiteten Krankheit, deren Ursachen einander widersprechen, soll man entweder das stärkere Begleitsymptom oder die primäre Grunderkrankung, je nach Lage, gezielt behandeln; bei einem bloßen Vorläuferzeichen hingegen bemühe man sich um die zugrundeliegende Krankheit selbst.
bhavati cātra nāsti rogo vinā doṣairyasmāttasmādvicakṣaṇaḥ anuktamapi doṣāṇāṃ liṅgairvyādhimupācaret
Dazu gilt: Da es keine Krankheit ohne beteiligte *doṣas* gibt, soll der Kundige auch eine nicht ausdrücklich benannte Krankheit anhand der Anzeichen der *doṣas* behandeln.
prāgabhihitā ṛtavaḥ
Die Jahreszeiten wurden bereits an früherer Stelle behandelt.
śīte śītapratīkāramuṣṇe coṣṇanivāraṇam kṛtvā kuryāt kriyāṃ prāptāṃ kriyākālaṃ na hāpayet
Bei Kälte wende man Gegenmittel gegen die Kälte an, bei Hitze Mittel zur Abwehr der Hitze; erst danach führe man die angezeigte Behandlung durch. Man versäume nicht den rechten Zeitpunkt für die Behandlung.
aprāpte vā kriyākāle prāpte vā na kṛtā kriyā kriyā hīnā'tiriktā vā sādhyeṣvapi na sidhyati
Eine Behandlung, die vor der rechten Zeit oder gar nicht durchgeführt wird, oder eine unzureichende oder übertriebene Behandlung führt selbst bei heilbaren Krankheiten nicht zum Erfolg.
yā hyudīrṇaṃ śamayati nānyaṃ vyādhiṃ karoti ca sā kriyā na tu yā vyādhiṃ haratyanyamudīrayet
Nur diejenige Behandlung ist die richtige, die die vorliegende Krankheit beseitigt, ohne eine andere hervorzurufen – nicht eine solche, die zwar die eine Krankheit beseitigt, dafür aber eine andere entstehen lässt.
prāgabhihito'gnirannasya pācakaḥ sa caturvidho bhavati doṣānabhipanna ekaḥ vi-kriyāmāpannastrividho bhavativiṣamo vātena tīkṣṇaḥ pittena mandaḥ śleṣmaṇā caturthaḥ samaḥ sarvasāmyāditi tatra yo yathākālamupayuktamannaṃ samyak pacati sa samaḥ samairdoṣaiḥ yaḥ kadācit samyak pacati kadācidādhmānaśūlodāva-rtātisārajaṭharagauravāntrakūjanapravāhaṇāni kṛtvā sa viṣamaḥ yaḥ prabhūtamapyu-payuktamannamāśupacati sa tīkṣṇaḥ sa evābhivardhamāno'tyagnirityābhāṣyate sa muhurmuhuḥ prabhūtamapyupayuktamannamāśutaraṃ pacati pākānte ca galatālvoṣṭhaśoṣadā-hasaṃtāpāñjanayati yastvalpamapyupayuktamudaraśirogauravakāsaśvāsaprasekacchardigātrasadanāni kṛtvā mahatākālena pacati sa mandaḥ
Das bereits früher erwähnte Verdauungsfeuer (*agni*), das die Nahrung verdaut, ist vierfacher Art. Eines davon ist von den *doṣas* unbeeinflusst, der ausgeglichene Zustand; die übrigen drei entstehen durch Störung: unregelmäßig (*viṣama*) durch *vāta*, scharf (*tīkṣṇa*) durch *pitta*, und schwach (*manda*) durch *kapha* als viertes. Ausgeglichen (*sama*) ist es, wenn die *doṣas* ausgeglichen sind. Wer zur rechten Zeit aufgenommene Nahrung stets gut verdaut, dessen Feuer ist ausgeglichen, entsprechend ausgeglichenen *doṣas*. Wer manchmal gut verdaut, manchmal aber unter Blähung, Schmerz, Stuhlverhaltung, Durchfall, Bauchschwere, Darmknurren und schmerzhaftem Stuhldrang leidet, dessen Feuer ist unregelmäßig. Wer selbst reichlich aufgenommene Nahrung rasch verdaut, dessen Feuer ist scharf; steigert sich dies noch weiter, spricht man von übermäßigem Verdauungsfeuer (*atyagni*): ein solcher Mensch verdaut immer wieder selbst reichliche Nahrung noch schneller und ruft am Ende der Verdauung ein Austrocknen und Brennen von Rachen, Gaumen und Lippen sowie starke Hitzeempfindung hervor. Wer dagegen selbst geringe Nahrungsmengen erst nach langer Zeit verdaut, dabei Bauch- und Kopfschwere, Husten, Atemnot, vermehrten Speichelfluss, Erbrechen und Gliederschwäche entwickelt, dessen Feuer ist schwach.
viṣamo vātajān rogāṃstīkṣṇaḥ pittanimittajān karotyagnistathā mando vikarānkaphasaṃbhavān
Das unregelmäßige Verdauungsfeuer verursacht durch *vāta* bedingte Krankheiten, das scharfe durch *pitta* bedingte, und das schwache ebenso durch *kapha* verursachte Störungen.
tatra same parirakṣaṇaṃ kurvīta viṣame snigdhāmlalavaṇaiḥ kriyāviśeṣaiḥ pratiku-rvīta tīkṣṇe madhurasnigdhaśītairvirekaiśca evamevātyagnau viśeṣeṇa māhiṣaiśca kṣī-radadhisarpirbhiḥ mande kaṭutiktakaṣāyairvamanaiśca
Bei ausgeglichenem Verdauungsfeuer soll man es lediglich bewahren; bei unregelmäßigem behandle man mit öligen, sauren und salzigen Mitteln in speziellen Verfahren; bei scharfem mit süßen, öligen und kühlenden Mitteln sowie Abführmitteln (*virecana*); ebenso, aber noch verstärkt, bei übermäßigem Feuer, insbesondere mit Büffelmilch, Büffeljoghurt und Büffelghee; bei schwachem mit scharfen, bitteren, herben Mitteln und Brechmitteln (*vamana*).
jāṭharo bhagavānagnirīśvaro'nnasya pācakaḥ saukṣmyādra sānādadāno vivektuṃ naiva śakyate
Das im Leib waltende Verdauungsfeuer ist der erhabene Herr, der die Nahrung verdaut; da es die daraus entstehenden Körpersäfte (*rasa*) in feinstofflicher Form aufnimmt, lässt es sich mit den Augen gar nicht erkennen.
prāṇāpānasamānaistu sarvataḥ pavanaistribhiḥ dhmāyate pālyate cāpi svāṃ svāṃ gatimavasthitaiḥ
Es wird von den drei Winden (*vāyu*) *prāṇa*, *apāna* und *samāna*, die jeweils in ihrer eigenen Bahn wirken, von allen Seiten angefacht und bewahrt.
vayastu trividhaṃbālyaṃ madhyaṃ vṛddhamiti tatronaṣoḍaśavarṣīyā bālāḥ te trivi-dhāḥkṣīrapāḥ kṣīrānnādā annādā iti teṣu saṃvatsaraparāḥ kṣīrapāḥ dvisaṃvatsara-parāḥ kṣīrānnādāḥ parato'nnādā iti ṣoḍaśasaptatyorantare madhyaṃ vayaḥ tasya vikalpovṛddhiḥ yauvanaṃ saṃpūrṇatā parihāṇiriti tatra āviṃśatervṛddhiḥ ātriṃ-śato yauvanam ācatvāriṃśataḥ sarvadhātvindri yabalavīryasaṃpūrṇatā ata ūrdhva-mīṣatparihāṇiryāvatsaptatiriti saptaterūrdhvaṃ kṣīyamāṇadhātvindri yabalavī-ryotsāhamahanyahani valīpalita khālityajuṣṭaṃ kāsaśvāsaprabhṛtibhirupadra vairabhi-bhūyamānaṃ sarvakriyāsvasamarthaṃ jīrṇāgāramivābhivṛṣṭamavasīdantaṃ vṛddhamācakṣate
Das Lebensalter ist dreifacher Art: Kindheit, mittleres Alter und Greisenalter. Kinder bis zu sechzehn Jahren sind wiederum von dreierlei Art: Milchtrinker, Milch-und-Speise-Esser und reine Speise-Esser. Von diesen sind Milchtrinker bis zum Ende des ersten Lebensjahres, Milch-und-Speise-Esser bis zum Ende des zweiten Jahres, danach gelten sie als reine Speise-Esser. Das mittlere Lebensalter liegt zwischen dem sechzehnten und dem siebzigsten Jahr; es unterteilt sich in Wachstum, Jugendreife, Vollendung und beginnenden Abbau. Bis zum zwanzigsten Jahr währt das Wachstum, bis zum dreißigsten die Jugendreife, bis zum vierzigsten die volle Vollendung aller Gewebe (*dhātu*), Sinnesorgane, Kraft und Vitalität; danach setzt bis zum siebzigsten Jahr ein allmählicher, leichter Abbau ein. Nach dem siebzigsten Jahr nennt man einen Menschen 'alt' (*vṛddha*), wenn Gewebe, Sinnesorgane, Kraft, Vitalität und Tatendrang Tag für Tag mehr abnehmen, wenn Falten, graue Haare und Kahlheit ihn zeichnen, wenn er von Husten, Atemnot und ähnlichen Begleiterkrankungen überwältigt wird, zu keiner Verrichtung mehr fähig ist und, einem verfallenen, vom Regen zerstörten Haus gleich, dahinsiecht.
tatrottarottarāsu vayovasthāsūttarottarā bheṣajamātrāviśeṣā bhavanti ṛte ca parihāṇeḥ tatrādyāpekṣayā pratikurvīta
In den jeweils fortgeschritteneren Lebensabschnitten sind dementsprechend auch höhere Arzneidosen angezeigt – mit Ausnahme der Phase des Abbaus; dort behandle man in Bezug auf die Dosis eher wie bei der ersten, kindlichen Phase.
bhavanti cātrabāle vivardhate śleṣmā madhyame pittameva tu bhūyiṣṭhaṃ vardhate vāyurvṛddhe tadvīkṣya yojayet
Dazu gilt: Im Kindesalter überwiegt *kapha*, im mittleren Alter vor allem *pitta*, im Greisenalter nimmt vorwiegend *vāta* zu; dies soll man beachten und die Behandlung entsprechend anpassen.
agnikṣāravirekaistu bālavṛddhau vivarjayet tatsādhyeṣu vikāreṣu mṛdvīṃ kuryāt kriyāṃ śanaiḥ
Kauterisation (*agnikarma*), Ätzmittel (*kṣāra*) und Abführmittel soll man bei Kindern und Greisen vermeiden; bei den mit ihnen dennoch heilbaren Erkrankungen behandle man behutsam und milde.
dehaḥ sthūlaḥ kṛśo madhya iti prāgupadiṣṭaḥ
Der Körperbau wurde bereits früher als fettleibig, mager oder mittelmäßig unterschieden.
karśayedbṛṃhayeccāpi sadā sthūlakṛśau narau rakṣaṇaṃ caiva madhyasya kurvīta satataṃ bhiṣak
Den fettleibigen Menschen soll der Arzt stets abmagern lassen, den mageren kräftigen, den mittleren hingegen fortwährend nur in seinem Zustand bewahren.
balamabhihitaguṇaṃ daurbalyaṃ tu svabhāvadoṣajarādibhiravekṣitavyam yasmādbalavataḥ sarvakriyāpravṛttistasmādbalameva pradhānamadhikaraṇānām
Die Eigenschaften der Kraft (*bala*) wurden bereits erwähnt; Schwäche hingegen ist zu beurteilen im Hinblick auf natürliche Veranlagung, *doṣa*-Störung, Alter und dergleichen. Da alle Behandlungsmaßnahmen von einem kräftigen Patienten getragen werden, ist die Kraft der wichtigste unter den zu berücksichtigenden Faktoren.
kecit kṛśāḥ prāṇavantaḥ sthūlāścālpabalā narāḥ tasmāt sthiratvaṃ vyāyāmairbalaṃ vaidyaḥ pratarkayet
Manche magere Menschen sind lebenskräftig, manche fettleibige hingegen von geringer Kraft; deshalb soll der Arzt die wahre Kraft anhand der Standhaftigkeit bei körperlicher Anstrengung beurteilen.
sattvaṃ tu vyasanābhyudayakriyādisthāneṣvaviklavakaram
Der Geisteszustand (*sattva*) hingegen zeigt sich darin, dass jemand in Situationen des Unglücks, des Erfolgs, bei Behandlungen und dergleichen nicht die Fassung verliert.
sattvavān sahate sarvaṃ saṃstabhyātmānamātmanā rājasaḥ stabhyamāno'nyai sahate naiva tāmasaḥ
Wer von reiner (*sāttvika*) Geistesart ist, erträgt alles, indem er sich selbst durch eigene Kraft aufrichtet; wer von leidenschaftlicher (*rājasa*) Art ist, erträgt es nur, wenn er von anderen gestützt wird; wer von träger (*tāmasa*) Art ist, erträgt es überhaupt nicht.
sātmyāni tu deśakālajātyṛturogavyāyāmodakadivāsvapnarasaprabhṛtīni prakṛ-tiviruddhānyapi yānyabādhakarāṇi bhavanti
Als Gewöhnung (*sātmya*) gilt, was in Bezug auf Ort, Zeit, Herkunft, Jahreszeit, Krankheit, körperliche Betätigung, Wasser, Tagesschlaf, Geschmacksrichtungen und dergleichen, auch wenn es der eigentlichen Konstitution zuwiderläuft, keinen Schaden mehr verursacht.
yo rasaḥ kalpate yasya sukhāyaiva niṣevitaḥ vyāyāmajātamanyadvā tat sātmyamiti nirdiśet
Was für jemanden – sei es ein Geschmack (*rasa*), sei es körperliche Betätigung oder etwas anderes – bei regelmäßigem Gebrauch nur zum Wohlbefinden gereicht, das bezeichne man als seine Gewöhnung.
prakṛtiṃ bheṣajaṃ copariṣṭādvakṣyāmaḥ
Über die Konstitution (*prakṛti*) und über die Heilmittel werden wir weiter unten sprechen.
deśastvānūpo jāṅgalaḥ sādhāraṇa iti tatra bahūdakanimnonnatanadīvarṣagahano mṛ-duśītānilo bahumahāparvatavṛkṣo mṛdusukumāropacitaśarīramanuṣyaprāyaḥ kapha-vātarogabhūyiṣṭhaścānūpaḥ ākāśasamaḥ praviralālpakaṇṭakivṛkṣa prāyo'lpava-rṣaprasravaṇodapānodakaprāya uṣṇadāruṇavātaḥ praviralālpaśailaḥ sthirakṛśaśarī-ramanuṣyaprāyo vātapittarogabhūyiṣṭhaśca jāṅgalaḥ ubhayadeśalakṣaṇaḥ sādhāraṇa iti
Die Landschaft ist von dreierlei Art: sumpfig-feucht (*ānūpa*), trocken-wüst (*jāṅgala*) und gemischt (*sādhāraṇa*). Die sumpfig-feuchte Landschaft ist wasserreich, mit Senken und Erhebungen, Flüssen und dichtem, regenreichem Bewuchs, mit mildem, kühlem Wind, vielen großen Bergen und Bäumen; ihre Bewohner haben meist weiche, zarte, wohlgenährte Körper, und dort überwiegen Erkrankungen durch *kapha* und *vāta*. Die trocken-wüste Landschaft gleicht dem offenen Himmel, hat meist nur spärliche, kleine, dornige Bäume, wenig Regen, wenige Quellen und Brunnen, heißen, heftigen Wind und spärliche, niedrige Berge; ihre Bewohner haben meist feste, magere Körper, und dort überwiegen Erkrankungen durch *vāta* und *pitta*. Die gemischte Landschaft trägt die Merkmale beider Arten.
bhavanti cātrasamāḥ sādhāraṇe yasmācchītavarṣoṣmamārutāḥ doṣāṇāṃ samatā jantostasmātsādhāraṇo mataḥ
Dazu gilt: In der gemischten Landschaft sind Kälte, Regen, Hitze und Wind ausgeglichen; deshalb sind dort auch die *doṣas* der Lebewesen ausgeglichen, und diese Landschaft gilt deshalb als 'gemischt'.
na tathā balavantaḥ syurjalajā vā sthalāhṛtāḥ svadeśe nicitā doṣā anyasmin kopamāgatāḥ
Weder in Wasser gewachsene noch aus trockenem Land gebrachte Heilmittel wirken so stark auf *doṣas*, die in einer fremden Gegend in Erregung geraten, wie in ihrer eigenen Heimatgegend, wo sie sich angesammelt haben.
ucite vartamānasya nāsti deśakṛtaṃ bhayam āhārasvapnaceṣṭādau taddeśasya guṇe sati
Für den, der in einer ihm gewohnten Umgebung lebt, besteht keine durch den Ort verursachte Gefahr, sofern Nahrung, Schlaf, Bewegung und dergleichen den Vorzügen jener Gegend entsprechen.
deśaprakṛtisātmyartuviparīto'cirotthitaḥ saṃpattau bhiṣagādīnāṃ balasattvāyuṣāṃ tathā
Eine Krankheit, die im Widerspruch zu Landschaft, Konstitution, Gewöhnung und Jahreszeit steht, klingt rasch ab, wenn zudem Arzt und die übrigen drei 'Beine' der Behandlung sowie Kraft, Geisteszustand und Lebensdauer des Patienten günstig beschaffen sind.
kevalaḥ samadehāgneḥ sukhasādhyatamo gadaḥ ato'nyathā tvasādhyaḥ syātkṛcchro vyāmiśralakṣaṇaḥ
Eine Krankheit bei einem Menschen mit ausgeglichenem Körperbau und Verdauungsfeuer ist unter diesen Umständen am leichtesten zu heilen; andernfalls ist sie schwer oder gar nicht heilbar, mit verworrenen, unklaren Erscheinungsformen.
kriyāyāstu guṇālābhe kriyāmanyāṃ prayojayet pūrvasyāṃ śāntavegāyāṃ na kriyāsaṃkaro hitaḥ
Wenn eine Behandlung keine Wirkung zeigt, wende man eine andere an – jedoch erst, nachdem die Wirkung der vorherigen Behandlung abgeklungen ist; eine Vermischung von Behandlungen ist nicht zuträglich.
guṇālābhe'pi sapadi yadi saiva kriyā hitā kartavyaiva tadā vyādhiḥ kṛcchrasādhyatamo yadi
Wenn jedoch selbst bei ausbleibender Wirkung genau diese Behandlung sogleich weiterhin angezeigt ist, dann soll man sie fortsetzen, sofern die Krankheit besonders schwer zu heilen ist.
ya evamenaṃ vidhimekarūpaṃ bibharti kālādivaśena dhīmān sa mṛtyupāśāñjagato gadaughāñchinatti bhaiṣajyaparaśvadhena
Wer als kluger Arzt dieses Behandlungsverfahren nicht starr, sondern je nach Zeit und Umständen anzupassen versteht, der durchtrennt mit der Axt der Heilkunst die Todesschlingen und Krankheitsfluten der Welt.