athāto vraṇapraśnamadhyāyaṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun werden wir das Kapitel über die Fragen zur *vraṇa* (die Wunde) erläutern.
Suśruta-Saṃhitā · Sutrasthana
Das einundzwanzigste Kapitel, „Über die Fragen zur Wunde“ (*vraṇapraśna*), legt trotz seines Titels vor allem die grundlegende Doṣa-Lehre dar: Herkunft der Wortstämme *vāta*, *pitta* und *śleṣma*, ihre Sitze im Körper – *Vāta* im Becken, *Pitta* zwischen den beiden Verdauungsräumen, *Kapha* im Magen – sowie die fünf Unterarten des *Pitta* als „inneres Feuer“ (*antaragni*), etwa das verdauende *pācaka* oder das die Hautfarbe hervorbringende *bhrājaka*. Den Kern bildet die Lehre vom sechsstufigen Krankheitsverlauf (*kriyākāla*): Anhäufung, Erregung, Ausbreitung in fünfzehn möglichen Kombinationen, Festsetzung an einem Ort, offenkundiges Hervortreten und schließlich, bei chirurgischen Erkrankungen, der Übergang in den Zustand der Wunde (*vraṇa*) selbst. Ursachen der jeweiligen Doṣa-Erregung – von Speisen bis Tageszeiten – werden für *Vāta*, *Pitta* und *Kapha* einzeln aufgelistet, sodass das Kapitel als theoretisches Fundament der gesamten pathologischen Systematik des Werks dient.
| Name | Sitz | Funktion |
|---|---|---|
| pācaka agni | zwischen āmāśaya und pakvāśaya | verdaut die Nahrung; trennt sie in doṣa, Gewebesaft (rasa), Harn und Kot |
| rañjaka agni | Leber und Milz | färbt den rasa |
| sādhaka agni | Herz | bewirkt die Verwirklichung der Wünsche |
| ālocaka agni | Sehvermögen (Auge) | zuständig für die Erfassung der Formen |
| bhrājaka agni | Haut | verarbeitet Öl-, Bade- und Salbstoffe; bewirkt den Glanz der Hautfarbe |
| Phase | Sanskrit | Kennzeichen |
|---|---|---|
| 1. Anhäufung | saṃcaya | Doṣas sammeln sich an ihren Sitzen; Völlegefühl, gelblicher Teint, Schwäche, Widerwille |
| 2. Erregung | prakopa | Doṣas geraten durch besondere Ursachen in Erregung; stechende Schmerzen, Wandergefühl, Durst |
| 3. Ausbreitung | prasara | Doṣas breiten sich aus, einzeln oder kombiniert (bis zu 15 Kombinationen) |
| 4. Festsetzung | sthānasaṃśraya | Doṣas siedeln sich an einem Körperbereich an und erzeugen dort Vorläuferzeichen |
| 5. Hervortreten | vyakti | die charakteristischen Krankheitszeichen treten deutlich hervor |
| 6. Ausprägung | bheda | bei chirurgischen Erkrankungen Übergang in den Zustand der Wunde (vraṇa) |
athāto vraṇapraśnamadhyāyaṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun werden wir das Kapitel über die Fragen zur *vraṇa* (die Wunde) erläutern.
yathovāca bhagavān dhanvantariḥ
So wie es der erhabene Dhanvantari sprach:
vātapittaśleṣmāṇa eva dehasaṃbhavahetavaḥ tairevāvyāpannairadhomadhyordhvasanniviṣṭaiḥ śarīramidaṃ dhāryate'gāramiva sthūṇābhistisṛbhiḥ ataśca tristhūṇamāhureke ta eva ca vyāpaynanāḥ pralayahetavaḥ tadebhireva śoṇitacaturthaiḥ saṃbhavasthitipralayeṣvapyavirahitaṃ śarīraṃ bhavati
*Vāta* (der Wind-*doṣa*), *Pitta* (der Feuer-*doṣa*) und *Śleṣma*/*Kapha* (der Schleim-*doṣa*) sind die Ursachen für die Entstehung des Körpers. Solange sie unversehrt bleiben und, im unteren, mittleren und oberen Bereich angesiedelt, diesen Körper tragen, gleicht er einem Haus, das von drei Pfosten getragen wird – manche nennen ihn daher deshalb 'den mit drei Pfosten'. Eben dieselben *doṣa*, wenn sie geschädigt sind, werden zur Ursache des Untergangs. Mit ihnen, zu denen als viertes das Blut (*śoṇita*) hinzutritt, ist der Körper bei Entstehung, Bestand und Untergang stets untrennbar verbunden.
bhavati cātra narte dehaḥ kaphādasti na pittānna ca mārutāt śoṇitādapi vā nityaṃ deha etaistu dhāryate
Dazu heißt es: Ohne *Kapha* besteht kein Körper, ebenso wenig ohne *Pitta*, ohne *Vāta* oder ohne Blut – der Körper wird stets von diesen getragen.
tatra vā gatigandhanayoḥ iti dhātuḥ tapa saṃtāpe śliṣa āliṅgane eteṣāṃ kṛdvihitaiḥ pratyayairvātaḥ pittaṃ śleṣmeti ca rūpāṇi bhavanti
Dem Namen *Vāta* liegt die Wurzel 'vā' zugrunde, die 'sich bewegen' und 'kundtun' bedeutet, dem Namen *Pitta* die Wurzel 'tap' im Sinne von 'erhitzen', und dem Namen *Śleṣma* die Wurzel 'śliṣ' im Sinne von 'anhaften, umschließen'; durch die an diese Wurzeln angefügten primären Suffixe entstehen die Wortformen *vāta*, *pitta* und *śleṣma*.
doṣasthānānyata ūrdhvaṃ vakṣyāmaḥtatra samāsena vātaḥ śroṇigudasaṃśrayaḥtaduparyadho nābheḥ pakvāśayaḥ pakvāmāśayamadhyaṃ pittasya āmāśayaḥ śleṣmaṇaḥ
Im Folgenden werden wir die Sitze der *doṣa* (der Körpersäfte) darlegen. Zusammengefasst: *Vāta* hat seinen Sitz im Becken und im Mastdarm; oberhalb davon, unterhalb des Nabels, liegt der *pakvāśaya* (der Sitz des verdauten Speisebreis, der Dickdarm); der Bereich zwischen *pakvāśaya* und *āmāśaya* ist der Sitz des *Pitta*; der *āmāśaya* (der Sitz des unverdauten Speisebreis, der Magen) ist der Sitz des *Śleṣma*.
ataḥ paraṃ pañcadhā vibhajyante tatra vātasya vātavyādhau vakṣyāmaḥ pittasya ya-kṛtplīhānau hṛdayaṃ dṛṣṭistvak pūrvoktaṃ ca śleṣmaṇa uraḥ śiraḥ kaṇṭho ji-hvāmūlaṃ sandhaya iti pūrvoktaṃ ca etāni khalu doṣāṇāṃ sthānānyavyāpannānām
Weiterhin gliedern sie sich in je fünf Bereiche: Die des *Vāta* werden wir im Kapitel über die *vāta*-Krankheiten darlegen; die des *Pitta* sind Leber und Milz, das Herz, das Sehvermögen und die Haut, sowie das bereits früher Genannte; die des *Śleṣma* sind die Brust, der Kopf, der Hals, die Zungenwurzel und die Gelenke, sowie das bereits früher Genannte. Dies sind die Sitze der *doṣa*, solange sie unversehrt sind.
bhavati cātra visargodānavikṣepaiḥ somasūryānilā yathā dhārayanti jagaddehaṃ kaphapittānilāstathā
Dazu heißt es: So wie Mond, Sonne und Wind durch Ausströmen, Aufsteigen und Verteilen die Welt tragen, so tragen *Kapha*, *Pitta* und *Vāta* den Körper.
tatra jijñāsyaṃ kiṃ pittavyatirekādanyo'gni āhosvit pittamevāgniriti atrocyate na khalu pittavyatirekādanyo'gnirupalabhyate āgneyatvāt pitte daha-napacanādiṣvabhipravartamāne'rnigavadupacāraḥ kriyate'ntaragniriti kṣīṇe hyagniguṇe tatsamānadra vyopayogāt ativṛddhe śītakriyopayogāt āgamācca paśyāmo na khalu pittavyatirekādanyo'gniriti
Hierbei stellt sich die Frage: Gibt es außer *Pitta* noch ein weiteres Feuer (*agni*), oder ist *Pitta* selbst das Feuer? Darauf ist zu antworten: Es gibt kein Feuer, das von *Pitta* verschieden wäre. Weil *Pitta* feuriger Natur ist, spricht man, wenn es in Vorgängen wie Verbrennen und Verdauen wirksam wird, bildlich, wie von einem Feuer, vom 'inneren Feuer' (*antaragni*). Denn wenn die Feuer-Qualität geschwächt ist, verwendet man Mittel mit derselben Eigenschaft, um sie zu stärken, und wenn sie übermäßig gesteigert ist, verwendet man kühlende Mittel; auch aus den überlieferten Lehrtexten ersehen wir: Es gibt kein Feuer, das von *Pitta* verschieden wäre.
taccādṛṣṭahetukena viśeṣeṇa pakvāmāśayamadhyasthaṃ pittaṃ caturvidhamannapānaṃ pacati vivecayati ca doṣarasamūtrapurīṣāṇi tatrasthameva cātmaśaktyā śeṣāṇāṃ pitta-sthānānāṃ śarīrasya cāgnikarmaṇā'nugrahaṃ karoti tasmin pitte pācako'gniriti saṃjñā yattu yakṛtplīhnoḥ pittaṃ tasmin rañjako'gniriti saṃjñā sa rasasya rāga-kṛduktāḥ yat pittaṃ hṛdayasthaṃ tasmin sādhako'gniriti saṃjñā so'bhiprārthita-manorathasādhanakṛduktaḥ yadṛṣṭyāṃ pittaṃ tasminnālocako'nnigariti saṃjñā sa rū-pagrahaṇādhikṛtāḥ yattu tvaci pittaṃ tasmin bhrājako'gniriti saṃjñā so'bhyaṅga-pariṣekāvagāhālepanādīnāṃ kriyādra vyāṇāṃ paktā chāyānāṃ ca prakāśakaḥ
Dieses *Pitta*, das durch eine nicht unmittelbar wahrnehmbare Wirkweise in der Mitte zwischen *āmāśaya* und *pakvāśaya* sitzt, verdaut und trennt die viererlei Art von Speise und Trank in *doṣa*, Gewebesaft (*rasa*), Harn und Kot; an eben dieser Stelle unterstützt es zudem aus eigener Kraft die übrigen Sitze des *Pitta* sowie den Körper durch seine Feuerwirkung. Dieses *Pitta* trägt den Namen *pācaka agni* (das verdauende Feuer). Das *Pitta*, das in Leber und Milz sitzt, trägt den Namen *rañjaka agni* (das färbende Feuer); es bewirkt, wie gesagt, die Färbung des *rasa*. Das *Pitta*, das im Herzen sitzt, trägt den Namen *sādhaka agni* (das vollziehende Feuer); es bewirkt, wie gesagt, die Verwirklichung der erstrebten Wünsche. Das *Pitta*, das im Sehvermögen sitzt, trägt den Namen *ālocaka agni* (das betrachtende Feuer); es ist, wie gesagt, für die Erfassung der Formen zuständig. Das *Pitta*, das in der Haut sitzt, trägt den Namen *bhrājaka agni* (das strahlende Feuer); es verarbeitet die bei Einölung, Besprengung, Bad und Salbung verwendeten Stoffe und bringt den Glanz der Hautfarbe hervor.
bhavati cātra pittaṃ tīkṣṇaṃ dra vaṃ pūti nīlaṃ pītaṃ tathaiva ca uṣṇaṃ kaṭurasaṃ caiva vidagdhaṃ cāmlameva ca
Dazu heißt es: *Pitta* ist scharf, flüssig, übelriechend, bläulich oder gelblich, heiß und von scharfem Geschmack; verdorben ist es sauer.
ata ūrdhvaṃ śleṣmasthānānyanuvyākhyāsyāmaḥ tatra āmāśayaḥ pittāśayasyopariṣṭāt tatpratyanīkatvādūrdhvagatitvāttejasaḥ candra iva ādityasya caturvidhasyāhārasyādhārāḥ sa ca tatraudakairguṇairāhāraḥ praklinno bhinnasaṃghātaḥ sukhajaro bhavati
Im Folgenden werden wir die Sitze des *Śleṣma* weiter erläutern. Der *āmāśaya* liegt oberhalb des Sitzes des *Pitta*, da er dessen Gegenspieler ist, so wie der Mond der aufsteigenden Glut der Sonne entgegengesetzt ist. Dort ist der Behälter für die viererlei Art von Nahrung: Durch die wässrigen Eigenschaften wird die Nahrung dort durchfeuchtet, ihr Zusammenhalt gelöst, und sie wird leicht verdaulich.
mādhuryāt picchilatvācca prakleditvāttathaiva ca āmāśaye saṃbhavati śleṣmā madhuraśītalaḥ
Wegen seiner Süße, seiner Schleimigkeit und seiner durchfeuchtenden Wirkung entsteht im *āmāśaya* der süße und kühle *Śleṣma*.
sa tatrastha eva svaśaktyā śeṣāṇāṃ śleṣmasthānānāṃ śarīrasya codakakarmaṇā-'nugrahaṃ karoti uraḥsthastrikasandhāraṇamātmavīryeṇānnarasasahitena hṛdayāvala-mbanaṃ karoti jihvāmūlakaṇṭhastho jihvendri yasya saumyatvāt samyagrasajñāne vartate śiraḥsthaḥ snehasaṃtarpaṇādhikṛtatvādindri yāṇāmātmavīryeṇānugrahaṃ karoti sandhisthaḥ śleṣmā sarvasandhisaṃśleṣāt sarvasandhyanugrahaṃ karoti
Eben an diesem Ort unterstützt er aus eigener Kraft durch seine feuchtende Wirkung die übrigen Sitze des *Śleṣma* sowie den Körper. Der in der Brust sitzende *Śleṣma* hält durch seine eigene Kraft, zusammen mit dem Nahrungssaft, das Dreieck von Brust, Rücken und Seiten zusammen und stützt das Herz. Der an Zungenwurzel und Hals sitzende *Śleṣma* sorgt, da er das milde Wesen des Geschmacksorgans, der Zunge, bewahrt, für eine richtige Wahrnehmung der Geschmäcker. Der im Kopf sitzende *Śleṣma* unterstützt, da er für die Nährung und Befeuchtung zuständig ist, aus eigener Kraft die Sinnesorgane. Der in den Gelenken sitzende *Śleṣma* unterstützt, indem er alle Gelenke zusammenhält, sämtliche Gelenke.
bhavati cātra śleṣmā śveto guruḥ snigdhaḥ picchilaḥ śīta eva ca madhurastvavidagdhaḥ syādvidagdho lavaṇaḥ smṛtaḥ
Dazu heißt es: *Śleṣma* ist weiß, schwer, ölig, schleimig und kühl; solange er unverdorben ist, ist er süß, verdorben gilt er als salzig.
śoṇitasya sthānaṃ yakṛtplīhānau tacca prāgabhihitaṃ tatrasthameva śeṣāṇāṃ śoṇitasthānānāmanugrahaṃ karoti
Der Sitz des Blutes (*śoṇita*) sind Leber und Milz, wie bereits gesagt; von dort aus unterstützt es die übrigen Sitze des Blutes.
bhavati cātra anuṣṇaśītaṃ madhuraṃ snigdhaṃ raktaṃ ca varṇataḥ śoṇitaṃ guru visraṃ syādvidāhaścāsya pittavat
Dazu heißt es: Das Blut ist weder allzu heiß noch kalt, süß, ölig und rot an Farbe, schwer und von fischigem Geruch; sein Verdorben-Sein gleicht dem des *Pitta*.
etāni khalu doṣasthānāni eṣu saṃcīyante doṣāḥ prāk saṃcayaheturuktaḥ tatra saṃcitānāṃ khalu doṣāṇāṃ stabdhapūrṇakoṣṭhatā pītāvabhāsatā mandoṣmatā cāṅgā-nāṃ gauravamālasyaṃ cayakāraṇavidveṣaśceti liṅgaāni bhavanti tatra prathamaḥ kriyākālaḥ
Dies also sind die Sitze der *doṣa*. In ihnen sammeln sich die *doṣa* an; die Ursachen dieser Anhäufung (*saṃcaya*) wurden bereits früher genannt. Sind die *doṣa* angehäuft, so zeigen sich als Zeichen: ein gespanntes, volles Gefühl im Bauchraum, ein gelblicher Teint, eine geschwächte Wärme, Schwere und Mattigkeit der Glieder sowie ein Widerwillen gegen das, was die Anhäufung verursacht hat. Dies ist die erste Phase des Krankheitsverlaufs (*kriyākāla*).
ata ūrdhvaṃ prakopaṇāni vakṣyāmaḥ tatra balavadvigrahātivyāyāmavyavāyādhya-yanaprapatanapradhāvanaprapīḍanābhighāta laṅghanaplavanaprataraṇa rātrijāgaraṇabhāraharaṇa-gajaturagarathapadāticaryā kaṭukaṣāyatiktarūkṣalaghuśītavīryaśuṣkaśākavallūra-varakoddalāka koradūṣaśyāmākanīvāramudgamasūrāḍhakīhareṇukalāyaniṣpāvāna-śanaviṣamāśanādhyaśanavātamūtrapurīṣaśukracchardikṣavathūdgāra bāṣpavega vighātādibhirviśeṣairvāyuḥ prakopamāpadyate
Im Folgenden werden wir die Ursachen der Erregung (*prakopa*) der *doṣa* darlegen. Dabei gerät *Vāta* durch folgende besondere Ursachen in Erregung: heftiges Ringen, übermäßige körperliche Anstrengung, Geschlechtsverkehr, Studium, Stürzen, Laufen, Pressen, Stoßeinwirkung, Springen, Schwimmen, Durchqueren von Gewässern, nächtliches Wachen, Lasttragen, Reiten auf Elefanten, Pferden und Wagen sowie langes Gehen zu Fuß; scharfe, herbe, bittere, raue, leichte, kühle und trockene Speisen; getrocknetes Gemüse, gedörrtes Fleisch, minderwertige Getreidesorten wie Koradūṣa, Śyāmāka, Nīvāra, Mudga, Sūrāḍhakī, Hareṇu, Kalāya und Niṣpāva; unregelmäßiges Essen, übermäßiges Essen, Essen zur falschen Zeit sowie das Zurückhalten des natürlichen Drangs nach Wind, Harn, Stuhl, Samen, Erbrechen, Niesen, Rülpsen und Weinen.
sa śītābhrapravāteṣu gharmānte ca viśeṣataḥ pratyūṣasyaparāhṇe ca jīrṇe'nne ca prakupyati
*Vāta* gerät besonders bei Kälte, bewölktem Himmel und Wind, am Ende der Sommerzeit, in der Morgendämmerung und am Nachmittag sowie nach der Verdauung der Speise in Erregung.
krodhaśokabhayāyāsopavāsavidagdhamaithunopagamanakaṭvamlalavaṇatīkṣṇoṣṇalaghuvidāhitilatailapiṇyākakulatthasarṣapātasīharitakaśākagodhāmatsyājāvi-kamāṃsadadhitakrakūrcikāmastusauvīrakasurāvikārāmlaphalakaṭvaraprabhṛtibhiḥ pittaṃ prakopamāpadyate
*Pitta* gerät durch Zorn, Kummer, Angst, Anstrengung, Fasten, Geschlechtsverkehr nach dem Genuss von Verdorbenem, sowie durch scharfe, saure, salzige, scharfe, heiße, leichte und verdorbene Speisen; durch Sesam, Sesamöl, Ölkuchen, Kulattha-Bohnen, Senf, Leinsamen, Bittergemüse, Salate, Fleisch von Godhā (Waran), Fisch, Ziegen- und Schaffleisch, Dickmilch, saure Milchgetränke wie Takra-Quark, Mastu, Sauvīraka, alkoholische Getränke, saure Früchte und scharf-saure Gewürzmischungen und Ähnliches in Erregung.
taduṣṇairuṣṇakāle ca ghanānte ca viśeṣataḥ madhyāhne cārdharātre ca jīryatyanne ca kupyati
*Pitta* gerät, verstärkt durch hitzeerzeugende Einflüsse, besonders in der heißen Jahreszeit und am Ende der Regenzeit, zur Mittagszeit und um Mitternacht sowie während der Verdauung der Speise in Erregung.
divāsvapnāvyāyāmālasyamadhurāmlalavaṇaśītasnigdhagurupicchilā bhiṣyandi-hāyanakayavakanaiṣadhetkaṭamāṣamahāmāṣagodhūmatilapiṣṭavikṛtidadhidugdhakṛśarāpāyasekṣuvikārānūpaudakamāṃsavasābi samṛṇālakaserukaśṛṅgaṭākamadhuravallīphalasamaśanādhyaśanaprabhṛtibhiḥ śleṣmā prakopamāpadyate
*Śleṣma* gerät durch Schlaf am Tage, Bewegungsmangel, Trägheit sowie durch süße, saure, salzige, kühle, ölige, schwere, schleimige und verschleimende Speisen; durch Weizen, Gerste, Naiṣadha-Reis, Erbsen, große und kleine Bohnenarten, Weizenmehlspeisen, Dickmilch, Milch, Kṛśarā-Brei, Reismilch, Zuckerrohrerzeugnisse, Fleisch von Sumpf- und Wassertieren, Fett, Lotoswurzel, Lotusrhizom, Kaseru- und Śṛṅgāṭaka-Wasserpflanzen sowie süße Schlingpflanzenfrüchte, ferner durch gleichzeitiges und übermäßiges Essen in Erregung.
sa śītaiḥ śītakāle ca vasante ca viśeṣataḥ pūrvāhṇe ca pradoṣe ca bhuktamātre prakupyati
*Śleṣma* gerät durch kühlende Einflüsse besonders in der kalten Jahreszeit und im Frühling, am Vormittag und am frühen Abend sowie unmittelbar nach dem Essen in Erregung.
pittaprakopaṇaireva cābhīkṣṇaṃ dra vasnigdhagurubhirāhārairdivāsvapnakrodhānalātapaśramābhighātājīrṇaviruddhādhyaśanādibhirviśeṣairasṛk prakopamāpadyate
Durch dieselben, das *Pitta* erregenden Ursachen, wenn sie häufig wiederholt werden, sowie durch flüssige, ölige und schwere Speisen, Schlaf am Tage, Zorn, Feuer, Sonnenhitze, Erschöpfung, Verletzung, unverdaute Speise, widerstreitende Speisen, gleichzeitiges Essen und Ähnliches gerät das Blut in Erregung.
yasmādra ktaṃ vinā doṣairna kadācit prakupyati tasmāttasya yathādoṣaṃ kālaṃ vidyāt prakopaṇe
Da das Blut niemals ohne die *doṣa* in Erregung gerät, gilt für seine Erregungszeit dieselbe Zeit wie für den jeweils beteiligten *doṣa*.
teṣāṃ prakopāt koṣṭhatodasaṃcaraṇāmlīkāpipāsāparidāhānnadveṣahṛdayotkledāśca jāyante tatra dvitīyaḥ kriyākālaḥ
Durch ihre Erregung entstehen stechende Schmerzen im Bauchraum, ein Wandergefühl, saures Aufstoßen, Durst, brennende Hitze, Widerwille gegen Speise und ein Feuchtigkeitsgefühl im Herzbereich. Dies ist die zweite Phase des Krankheitsverlaufs.
ata ūrdhvaṃ prasaraṃ vakṣyāmaḥteṣāmebhirātaṅkaviśeṣaiḥ prakupitānāṃ kiṇvokapiṣṭa-samavāya ivodri ktānāṃ prasaro bhavati teṣāṃ vāyurgatimattvāt prasaraṇahetuḥ satyapyacaitanye sa hi rajobhūyiṣṭhāḥ rajaśca pravartakaṃ sarvabhāvānām yathāmahānudakasaṃcayo'tivṛddhaḥ setumavadāryāpareṇodakena vyāmiśraḥ sarvataḥ pradhāvati evaṃ doṣāḥ kadācidekaśo dviśaḥ samastāḥ śoṇitasahitā vā'ne-kradhā prasaranti tadyathāvātaḥ pittaṃ śleṣmā śoṇitaṃ vātapitte vātaśleṣmāṇau pittaśleṣmāṇau vātaśoṇite pittaśoṇite śleṣmaśoṇite vātapittaśoṇitāni vātaśleṣmaśoṇitāni pittaśleṣmaśoṇitāni vātapittakaphāḥ vātapittaka phaśoṇitānīti evaṃ paścadaśadhā prasaranti
Im Folgenden werden wir die Ausbreitung (*prasara*) darlegen. Durch diese besonderen krankmachenden Einflüsse in Erregung geraten, breiten sich die *doṣa*, angeschwollen wie ein Gärgemisch aus Hefe und Mehlbrei, aus. Der Wind ist dabei, weil er von Natur aus in Bewegung ist, die Ursache der Ausbreitung auch der übrigen, an sich unbewegten *doṣa*, da er überwiegend aus dem Element *rajas* besteht und *rajas* das antreibende Prinzip aller Erscheinungen ist. So wie eine große, übermäßig angeschwollene Wasseransammlung den Damm durchbricht und, mit weiterem Wasser vermischt, nach allen Seiten strömt, so breiten sich die *doṣa* bisweilen einzeln, bisweilen zu zweit, bisweilen alle zusammen, mit oder ohne Blut vermischt, auf vielfältige Weise aus – nämlich: *Vāta*, *Pitta*, *Śleṣma*, Blut, *Vāta*-*Pitta*, *Vāta*-*Śleṣma*, *Pitta*-*Śleṣma*, *Vāta*-Blut, *Pitta*-Blut, *Śleṣma*-Blut, *Vāta*-*Pitta*-Blut, *Vāta*-*Śleṣma*-Blut, *Pitta*-*Śleṣma*-Blut, *Vāta*-*Pitta*-*Śleṣma* und *Vāta*-*Pitta*-*Śleṣma*-Blut – auf diese Weise breiten sie sich in fünfzehn Kombinationen aus.
kṛtsne'dhe'vayave vā'pi yatrāṅge kupito bhṛśam doṣo vikāraṃ nabhasi meghavattatra varṣati
Wo ein heftig erregter *doṣa* sich im gesamten Körper oder in einem einzelnen Körperteil befindet, dort 'regnet' er, einer Wolke am Himmel gleich, eine Krankheitserscheinung herab.
nātyarthaṃ kupitaścāpi līno mārgeṣu tiṣṭhati niṣpratyanīkaḥ kālena hetumāsādya kupyati
Ist ein *doṣa* nicht übermäßig erregt, so verweilt er verborgen in den Körperkanälen; findet er dort keinen Gegenspieler, so gerät er mit der Zeit, sobald sich eine Ursache einstellt, in Erregung.
tatra vāyoḥ pittasthānagatasya pittavat pratīkāraḥ pittasya ca kaphasthānagatasya kaphavat kaphasya ca vātasthānagatasya vātavatā eṣa kriyāvibhāgaḥ
Ist dabei *Vāta* an den Sitz des *Pitta* gelangt, so behandelt man ihn wie *Pitta*; ist *Pitta* an den Sitz des *Kapha* gelangt, so behandelt man es wie *Kapha*; ist *Kapha* an den Sitz des *Vāta* gelangt, so behandelt man ihn wie *Vāta*. Dies ist die Einteilung der Behandlung.
evaṃ prakupitānāṃ prasaratāṃ vāyorvimārgagamanāṭopau oṣacoṣaparidāhadhūmāyanā-ni pittasya arocakāvipākāṅgasādāśchardiśceti śleṣmaṇo liṅgāni bhavanti tatra tṛtīyaḥ kriyākālaḥ
Wenn sich die derart erregten *doṣa* ausbreiten, sind Bewegung in falschen Bahnen und Blähungen die Zeichen des *Vāta*; Brennen, Sengen, Hitzegefühl und ein Empfinden wie von aufsteigendem Rauch die Zeichen des *Pitta*; Appetitlosigkeit, Verdauungsstörung, Erschlaffung der Glieder und Erbrechen die Zeichen des *Śleṣma*. Dies ist die dritte Phase des Krankheitsverlaufs.
ata ūrdhvaṃ sthānasaṃśrayaṃ vakṣyāmaḥ evaṃ prakupitātāṃstāñ śarīrapradeśānāgamya tāṃstān vyādhīn janayanti te yadodarasanniveśaṃ kurvanti tadā gulma vidra -dhyudarāgnisaṅgānāhavisūcikātisāraprabhṛtīñjanayanti vastigatāḥ pramehāśmarī-mūtrāghātamūtradoṣaprabhṛtīnā meḍhragatā niruddha prakaśopadaṃśaśūkadoṣa prabhṛtīn guda-gatā bhagandarārśaḥ prabhṛtīnā vṛṣaṇagatā vṛddh ūrdhvajatrugatāstūrdhvajānā tvaṅmāṃ-saśoṇitasthāḥ kṣudra rogān kuṣṭhāni visarpāṃścā medogatāgranthyapacyarbudagalaga-ṇḍālajīprabhṛtīnā asthigatāvidra dhyanuśayī prabhṛtīnā pādagatāḥ ślīpadavā-taśoṇitavātakaṇṭakaprabhṛtīnā sarvāṅgagatā jvarasarvāṅgarogaprabhṛtīn teṣāmeva-mabhisaṃniviṣṭānāṃ pūrvarūpaprādurbhāvāḥ taṃ pratirogaṃ vakṣyāmaḥ tatra pūrvarūpagateṣu caturthaḥ kriyākālaḥ
Im Folgenden werden wir das Sich-Niederlassen an einem Ort (*sthānasaṃśraya*) darlegen. Nachdem die derart erregten *doṣa* die verschiedenen Körperbereiche erreicht haben, erzeugen sie dort die jeweiligen Krankheiten: Setzen sie sich im Bauchraum fest, erzeugen sie *Gulma* (Geschwulstbildungen), *Vidradhi* (innere Abszesse), Bauchwassersucht, Verdauungsfeuer-Blockaden, Blähungsverschluss, cholera-artige Zustände, Durchfall und Ähnliches. Gelangen sie in die Harnblase, erzeugen sie *Prameha* (Diabetes-artige Erkrankungen), Blasensteine, Harnverhaltung, Harnstörungen und Ähnliches. Gelangen sie zum Glied, erzeugen sie Vorhautverengung, Fisteln, Geschwüre, Schankererkrankungen, durch Grannenhaare verursachte Leiden und Ähnliches. Gelangen sie zum After, erzeugen sie Analfisteln, Hämorrhoiden und Ähnliches. Gelangen sie zu den Hoden, erzeugen sie Hodenschwellungen. Gelangen sie in die oberen Körperöffnungen, erzeugen sie die Krankheiten des oberen Körperbereichs. Sitzen sie in Haut, Fleisch und Blut, erzeugen sie kleinere Erkrankungen, Hautkrankheiten und *Visarpa* (wandernde Entzündungen). Gelangen sie ins Fettgewebe, erzeugen sie *Granthi* (Knoten), *Apacī* (Skrofeln), *Arbuda* (Geschwülste), Halsschwellungen, *Alajī* und Ähnliches. Gelangen sie in die Knochen, erzeugen sie *Vidradhi* und *Anuśayī*-Geschwüre und Ähnliches. Gelangen sie in die Füße, erzeugen sie Elephantiasis, *Vātaśoṇita* (Gicht-artige Erkrankungen) und *Vātakaṇṭaka* (Fersensporn-artige Leiden) und Ähnliches. Erfassen sie den ganzen Körper, erzeugen sie Fieber und Erkrankungen des gesamten Körpers. Bei diesen so festgesetzten *doṣa* zeigen sich Vorzeichen; über diese Vorzeichen werden wir bei der jeweiligen Krankheit sprechen. Das Auftreten der Vorzeichen ist die vierte Phase des Krankheitsverlaufs.
ata ūrdhvaṃ vyādherdarśanaṃ vakṣyāmaḥśophārbudagranthividra dhivisarpa prabhṛtīnāṃ pravyaktalakṣaṇatā jvarātīsāraprabhṛtīnāṃ ca tatra pañcamaḥ kriyākālaḥ
Im Folgenden werden wir das offenkundige Hervortreten der Krankheit darlegen: das deutliche Hervortreten der charakteristischen Zeichen bei Schwellungen, Geschwülsten, Knoten, inneren Abszessen, wandernden Entzündungen und Ähnlichem sowie bei Fieber, Durchfall und Ähnlichem. Dies ist die fünfte Phase des Krankheitsverlaufs.
ata ūrdhvameteṣāmavadīrṇānāṃ vraṇabhāvamāpannānāṃ ṣaṣṭhaḥ kriyākālaḥ jvarāti-sāraprabhṛtīnāṃ ca dīrghakālānubandhaḥ tatrāpratikriyamāṇe'sādhyatāmupayānti
Im Folgenden ist, wenn diese aufgebrochen sind und den Zustand einer *vraṇa* angenommen haben, dies die sechste Phase des Krankheitsverlaufs; bei Fieber, Durchfall und Ähnlichem entspricht ihr das lang andauernde Fortbestehen der Krankheit. Bleibt hier die Behandlung aus, werden sie unheilbar.
bhavati cātra saṃcayaṃ ca prakopaṃ ca prasaraṃ sthānasaṃśrayam vyaktiṃ bhedaṃ ca yo vetti doṣāṇāṃ sa bhavedbhiṣak
Dazu heißt es: Wer Anhäufung, Erregung, Ausbreitung, Sich-Niederlassen, offenkundiges Hervortreten und die endgültige Ausprägung der *doṣa* kennt, der ist ein wahrer Arzt (*bhiṣaj*).
saṃcaye'pahṛtā doṣā labhante nottarā gatīḥ te tūttarāsu gatiṣu bhavanti balavattarāḥ
Werden die *doṣa* schon im Stadium der Anhäufung beseitigt, gelangen sie nicht in die weiteren Stadien; in den weiteren Stadien jedoch werden sie zunehmend kräftiger.
sarvairbhāvaistribhirvā'pi dvābhyāmekena vā punaḥ saṃsarge kupitaḥ kruddhaṃ doṣaṃ doṣo'nudhāvati
Bei einem gemeinsamen Auftreten – sei es mit allen Ursachen, mit dreien, mit zweien oder mit nur einer – folgt ein erregter *doṣa* dem anderen bereits erregten *doṣa* nach.
saṃsarge yo garīyān syādupakramyaḥ sa vai bhavet śeṣadoṣāvirodhena sannipāte tathaiva ca
Beim gemeinsamen Auftreten mehrerer *doṣa* ist derjenige zu behandeln, der überwiegt, ohne dabei den übrigen *doṣa* zuwiderzuhandeln; ebenso verfährt man beim gleichzeitigen Zusammenwirken aller drei *doṣa* (*sannipāta*).
vṛṇoti yasmādrū ḍhe'pi vraṇavastu na naśyati ādehadhāraṇāttasmādbraṇa ityucyate budhaiḥ
Weil sie, selbst wenn sie verheilt ist, die betroffene Substanz umschließt und diese nicht verschwindet, sondern solange der Körper besteht erhalten bleibt, wird sie von den Weisen 'vraṇa' genannt.