athātaḥ śoṇitavarṇanīyamadhyāyaṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun wollen wir das Kapitel über die Beschreibung des *śoṇita* (des Blutes) erläutern.
Suśruta-Saṃhitā · Sutrasthana
Das vierzehnte Kapitel, „Über die Beschreibung des Blutes“ (*śoṇitavarṇana*), entwickelt aus der verdauten Nahrung die Kette der Körpergewebe (*dhātu*): Aus dem feinen Extrakt *rasa*, der im Herzen entsteht und über vierundzwanzig Leitbahnen (*dhamanī*) den Körper durchzieht, wird über Leber und Milz das Blut (*rakta*) gebildet, aus diesem der Reihe nach Fleisch, Fettgewebe, Knochen, Knochenmark und schließlich Same beziehungsweise, bei der Frau, das Menstrualblut (*ārtava*). Ausführlich werden die Zeichen des durch die drei *doṣa* verdorbenen Blutes beschrieben – etwa schaumig-rötlich bei *Vāta*, übelriechend-grünlich bei *Pitta*, ölig-dickflüssig bei *Kapha* – sowie die beiden chirurgischen Methoden des Blutablasses, Skarifizieren und Venenpunktion, mit ihren Fehlern bei zu geringem oder zu starkem Blutfluss. Das Kapitel schließt mit vier Verfahren der Blutstillung (Verschließen, Gerinnenlassen, Ausreifenlassen, Kauterisieren) und dem Grundsatz, dass das Blut die Wurzel des Körpers und daher mit besonderer Sorgfalt zu bewahren sei.
| Ursache | Zeichen des Blutes |
|---|---|
| Vāta | schaumig, rötlich, schwärzlich, rau, dünn, rasch fließend, nicht gerinnend |
| Pitta | blau, gelb, grünlich, graubraun, übelriechend, von Ameisen und Fliegen gemieden |
| Kapha | wie das Wasser von rotem Ocker, ölig, kühl, dickflüssig, schleimig, langsam fließend |
| Sannipāta (alle drei Doṣa) | vereint alle Merkmale, gleicht saurem Reiswasser (kāñjika), besonders übelriechend |
| Naturgemäß (unverdorben) | Farbe des Indragopa-Käfers, nicht geronnen, nicht verfärbt |
| Nr. | Dhātu |
|---|---|
| 1 | Rasa (Nahrungsextrakt, entsteht im Herzen) |
| 2 | Rakta (Blut, gefärbt durch Leber und Milz) |
| 3 | Māṃsa (Muskelfleisch) |
| 4 | Medas (Fettgewebe) |
| 5 | Asthi (Knochen) |
| 6 | Majjā (Knochenmark) |
| 7 | Śukra (Same), bei der Frau Ārtava (Menstrualblut) |
athātaḥ śoṇitavarṇanīyamadhyāyaṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun wollen wir das Kapitel über die Beschreibung des *śoṇita* (des Blutes) erläutern.
yathovāca bhagavān dhanvantariḥ
So wie es der erhabene Dhanvantari verkündet hat.
tatra pāñcabhautikasya caturvidhasya ṣaḍrasasya dvividhavīryasyāṣṭa vidhavīryasya vā'nekaguṇasyopayuktasyāhārasya samyakpariṇatasya yastejobhūtaḥ sāraḥ parama-sūkṣmaḥ sa rasaḥ ityucyate tasya hṛdayaṃ sthānaṃ sa hṛdayāccaturviṃśatidhamanīranupra-viśyordhvagā daśa daśā dhogāminyaścatasraśca tiryaggāḥ kṛtsnaṃ śarīramaharahasta-rpayati vardhayati dhārayati yāpayati cādṛṣṭahetukena karmaṇā tasya śarīramanu sarato'numānādgatirupalakṣayitavyā kṣayavṛddhivaikṛtaiḥ tasmin sarvaśarīrāvaya-vadoṣadhātumalāśayānusāriṇi rase jijñāsākimayaṃ saumyastaijasa iti atrocyatesa khalu dra vānusārī snehanajīvanata rpaṇadhāraṇādibhirviśeṣaiḥ saumya ityavagamyate
Von der Nahrung, die aus den fünf Elementen (*pañcabhautika*, aus den fünf Grundelementen zusammengesetzt) besteht, vier Arten hat, sechs Geschmacksrichtungen trägt, zwei- oder achtfache Wirkkraft (*vīrya*) besitzt und zahlreiche weitere Eigenschaften aufweist, und die richtig verdaut worden ist – von ihr wird jener feurige, überaus feine Extrakt, der die eigentliche Essenz (*sāra*) darstellt, als *rasa* (Körpersaft, das erste der Körpergewebe) bezeichnet. Sein Sitz ist das Herz. Von dort tritt er in die vierundzwanzig *dhamanī* (Leitbahnen/Kanäle) ein – zehn aufwärts-, zehn abwärtsführende und vier quer verlaufende – und nährt, vermehrt, erhält und durchzieht Tag für Tag den ganzen Körper durch eine Wirkung, deren Ursache sich nicht unmittelbar beobachten lässt. Seine Bewegung durch den Körper ist nur mittelbar, durch Schlussfolgerung, an Abnahme, Zunahme und krankhafter Veränderung zu erkennen. Da sich dieser *rasa* nach allen Körperteilen, den *doṣa* (den drei Körpersäften Wind, Galle und Schleim), den *dhātu* (den Körpergeweben), den *mala* (den Ausscheidungsstoffen) und deren Sitzen richtet, stellt sich die Frage: Ist er seinem Wesen nach wässrig-mondhaft (*saumya*) oder feurig (*taijasa*)? Darauf wird geantwortet: Weil er fließt und weil er befeuchtet, belebt, nährt und erhält, wird er als von wässrig-mondhafter Natur erkannt.
sa khalvāpyo raso yakṛtplīhānau prāpya rāgamupaiti
Dieser wässrige *rasa* erhält, sobald er Leber und Milz erreicht, seine rote Färbung.
ślokau cātra bhavataḥ rañjitāstejasā tvāpaḥ śarīrasthena dehinām avyāpannāḥ prasannena raktamityabhidhīyate
Dazu gibt es hier Verse: Wenn die im Körper der Lebewesen befindlichen Wasseranteile durch das dort wirkende Feuer (*tejas*) gefärbt und dabei makellos und klar sind, nennt man sie *rakta* (Blut).
rasādeva striyā raktaṃ rajaḥsaṃjñaṃ pravartate tadvarṣāddvādaśādūrdhvaṃ yāti pañcāśataḥ kṣayam
Aus eben diesem *rasa* entsteht bei der Frau das Blut, das man *rajas* (Menstrualblut) nennt; es setzt vom zwölften Lebensjahr an ein und versiegt mit dem fünfzigsten.
ārtavaṃ śoṇitaṃ tvāgneyam agnīṣomīyatvādgarbhasya
Das *ārtava* (Menstrualblut) aber ist von feuriger (*āgneya*) Natur, da der Keim (*garbha*) aus dem Zusammenwirken von Feuer und Mond entsteht.
pāñcabhautikaṃ tvapare jīvaraktamāhurācāryāḥ
Andere Lehrer hingegen sagen, das lebendige Blut bestehe, wie alles Übrige, aus allen fünf Elementen.
visratā dra vatā rāgaḥ spandanaṃ laghutā tathā bhūmyādīnāṃ guṇā hyete dṛśyante cātra śoṇite
Denn Fließvermögen, Flüssigkeit, Farbe, Pulsieren und Leichtigkeit – das sind Eigenschaften von Erde und den übrigen Elementen, und eben diese lassen sich auch am Blut beobachten.
rasādra ktaṃ tato māṃsaṃ māṃsānmedaḥ prajāyate medaso'sthi tato majjā majjñaḥ śukraṃ tu jāyate
Aus dem *rasa* entsteht das Blut, aus dem Blut das Muskelfleisch (*māṃsa*), aus dem Muskelfleisch das Fettgewebe (*medas*), aus dem Fettgewebe der Knochen (*asthi*), aus dem Knochen das Knochenmark (*majjā*) und aus dem Knochenmark schließlich der Samen (*śukra*).
tatraiteṣāṃ dhātūnāmannapānarasaḥ prīṇayitā
Was diese *dhātu* betrifft, so ist es der Saft von Speise und Trank, der sie nährt und stärkt.
rasajaṃ puruṣaṃ vidyādra saṃ rakṣet prayatnataḥ annātpānācca matimānācārāccāpyatandri taḥ
Man wisse, dass der Mensch aus dem *rasa* hervorgeht; darum soll der Kluge den *rasa* mit Sorgfalt bewahren – unermüdlich durch rechte Speise, rechten Trank und rechten Lebenswandel.
tatra rasagatau dhātuḥ aharahargacchatītyato rasaḥ
Weil dieser *dhātu* auf seinem Weg Tag für Tag den Körper durchläuft, heißt er *rasa*.
sa khalu trīṇi trīṇi kalāsahasrāṇi pañcadaśa ca kalā ekaikasmin dhātāvavatiṣṭhate evaṃ māsena rasaḥ śukraṃ strīṇāṃ cārtavaṃ bhavati
In jedem einzelnen *dhātu* verweilt er je dreitausend und fünfzehn *kalā* (Anteile); auf diese Weise wird aus dem *rasa* binnen eines Monats der Same, bei der Frau das *ārtava*.
bhavati cātra aṣṭādaśasahasrāṇi saṅkhyā hyasmin samuccaye kalānāṃ navatiḥ proktā svatantraparatantrayoḥ
Dazu heißt es: Die Gesamtzahl der *kalā* in dieser Summe beträgt achtzehntausend; neunzig davon werden für den eigenständigen wie für den abhängigen Gewebeprozess genannt.
sa śabdārcirjalasantānavadaṇunā viśeṣeṇānudhāvatyevaṃ śarīraṃ kevalam
Wie Schall, Lichtschein oder ein fortlaufender Wasserstrom durchläuft er, in feinsten Teilchen, auf diese besondere Weise den ganzen Körper.
vājīkaraṇyastvoṣadhayaḥ svabalaguṇotkarṣādvirecanavadupayuktāḥ śukraṃ śīghraṃ virecayanti
Aphrodisische (*vājīkaraṇa*) Heilmittel dagegen führen, kraft der Überlegenheit ihrer eigenen Wirkkraft und Eigenschaften, wie ein Abführmittel angewendet, den Samen rasch zur Ausscheidung.
yathāhi puṣpamukulastho gandho na śakyamihāstīti vaktuṃ naiva nāstīti atha cāsti satāṃ bhāvānāmabhivyaktiriti jñātvā kevalaṃ saukṣmyānnābhivyajyate sa eva vivṛtapatrakeśare puṣpe kālāntareṇābhivyaktiṃ gacchati evaṃ bālānāmapi vayaḥpariṇāmā cchukraprādurbhāvo bhavati romarājyādayaśca viśeṣā nārīṇām
So wie man von dem Duft, der in der Knospe einer Blüte ruht, weder sagen kann, dass er vorhanden sei, noch dass er gar nicht vorhanden sei – denn vorhanden ist er, nur wird das Dasein wirklich seiender Dinge durch bloße Feinheit noch nicht offenbar, und eben dieser Duft gelangt, wenn sich die Blüte mit Blütenblättern und Staubfäden entfaltet, nach einiger Zeit zur Offenbarung –, ebenso tritt bei Kindern erst mit dem Fortschreiten des Alters das Hervortreten des Samens ein, und bei Mädchen erscheinen dann die besonderen Merkmale wie die Haarlinie und dergleichen.
sa evānnaraso vṛddhānāṃjirāpiripakvaśarīratvādaprīṇano bhavati
Eben derselbe Nahrungssaft vermag bei alten Menschen, deren Körper gealtert und gleichsam übergereift ist, nicht mehr zu nähren.
ta ete śarīradhāraṇāddhātava ityucyante
Weil sie den Körper aufrechterhalten, werden diese Stoffe *dhātu* genannt.
teṣāṃ kṣayavṛddhī śoṇitanimitte tasmāttadadhikṛtya vakṣyāmaḥ tatra phenilamaruṇaṃ kṛṣṇaṃ paruṣaṃ tanuśīghragamaskandi ca vātena duṣṭaṃ nīlaṃ pītaṃ haritaṃ śyāvaṃ visramaniṣṭaṃ pipīlikāma kṣikāṇāmaskandi ca pittena duṣṭaṃ gairikodakapratīkāśaṃ snigdhaṃ śītalaṃ bahalaṃ picchilaṃ cirasrāvi māṃsapeśīprabhaṃ ca śleṣmaduṣṭaṃ sarvalakṣaṇasaṃyuktaṃ kāñjikābhaṃ viśeṣato durgandhi ca sannipātaduṣṭaṃ dvidoṣaliṅgaṃ saṃsṛṣṭam
Deren Abnahme und Zunahme haben ihre Ursache im Blut; deshalb wollen wir nun eigens davon handeln. Schaumiges, rötliches, schwärzliches, raues, dünnes, rasch fließendes und nicht gerinnendes Blut ist durch *vāta* (Wind) verdorben. Blaues, gelbes, grünliches, graubraunes, übelriechendes und von Ameisen und Fliegen gemiedenes Blut ist durch *pitta* (Galle) verdorben. Blut, das dem Wasser von rotem Ocker gleicht, ölig, kühl, dickflüssig, schleimig, langsam fließend und wie Muskelfleisch gefärbt ist, ist durch *kapha* (Schleim) verdorben. Blut, das alle diese Merkmale vereint, dem sauren Reiswasser (*kāñjika*) gleicht und besonders übel riecht, ist durch das Zusammenwirken aller drei *doṣa* (*sannipāta*) verdorben; trägt es die Merkmale zweier *doṣa*, so ist es vermischt (*saṃsṛṣṭa*) verdorben.
indra gopakapratīkāśamasaṃhatamavivarṇaṃ ca prakṛtisthaṃ jānīyāt
Blut, das der Farbe des Indragopa-Käfers gleicht, nicht geronnen und nicht verfärbt ist, erkenne man als naturgemäß, das heißt unverdorben.
visrāvyāṇyanyatra vakṣyāmaḥ
Über die Fälle, in denen ein Aderlass angezeigt ist, werden wir an anderer Stelle sprechen.
athāvisrāvyāḥsarvāṅgaśophaḥ kṣīṇasya cāmlabhojananimittaḥ pāṇḍurogyarśasodariśoṣigarbhiṇīnāṃ ca śvayathavaḥ
Nicht zum Aderlass geeignet hingegen sind: eine Schwellung des ganzen Körpers, die bei einem Erschöpften durch den Genuss saurer Speisen entsteht, sowie die Schwellungen bei Patienten mit Blutarmut (*pāṇḍuroga*), Hämorrhoiden, Bauchwassersucht (*udara*), Schwindsucht (*śoṣa*) und bei Schwangeren.
śastravisrāvaṇaṃ dvividhaṃpracchānaṃ sirāvyadhanaṃ ca
Das Ablassen des Blutes mit dem Messer (*śastra*) ist zweifach: das Skarifizieren (*pracchāna*) und das Anstechen einer Vene (*sirā*, das *sirāvyadhana*).
tatra ṛjvasaṃkīrṇaṃ sūkṣmaṃ samamanavagāḍhamanuttānamāśu ca śastraṃ pātayenmarmasirāsnāyusandhīnāṃ cānupaghāti
Dabei soll man das Messer gerade, nicht verwinkelt, fein, gleichmäßig, nicht zu tief, nicht zu flach und rasch führen, ohne dabei *marma* (lebenswichtige Punkte), Venen, Sehnen und Gelenke zu verletzen.
tatra durdine durviddhe śītavātayorasvinne bhuktamātre skandatvācchoṇitaṃ na sravatyalpaṃ vā sravati
Bei trübem Wetter, bei fehlerhaftem Einstich, bei Kälte und Wind, sowie wenn der Patient nicht zuvor geschwitzt hat oder gerade erst gegessen hat, gerinnt das Blut und fließt entweder gar nicht oder nur wenig.
madamūrcchāśramārtānāṃ vātaviṇmūtrasaṃginām nidrā bhibhūtabhītānāṃ nṛṇāṃ nāsṛk pravartate
Bei Menschen, die von Rausch, Ohnmacht oder Erschöpfung geplagt sind, bei denen, die Wind, Stuhl oder Harn zurückhalten, bei den vom Schlaf Übermannten und bei den Ängstlichen kommt das Blut nicht in Fluss.
tadduṣṭaṃ śoṇitamanirhriyamāṇaṃ śophadāharāgapākavedanā janayet
Wird solches verdorbene Blut nicht abgeführt, so verursacht es Schwellung, Brennen, Rötung, Vereiterung und Schmerz.
atyuṣṇe'tisvinne'tividdhe'jñairvisrāvitamatipravartate tadatipravṛttaṃ śiro'bhitāpamāndhyamadhimanthatimiraprādurbhāvaṃ dhātukṣayamākṣepakaṃ dāhaṃ pakṣāghātamekāṅgavikāraṃ hikkāṃ śvāsakāsau pāṇḍurogaṃ maraṇaṃ cāpādayati
Wird bei zu großer Hitze, übermäßigem Schwitzen oder zu tiefem Einstich von Unkundigen ein Aderlass vorgenommen, so fließt das Blut übermäßig; und dieses übermäßige Fließen bewirkt Kopfschmerz, Erblindung, das Krankheitsbild des *adhimantha* (heftige Augenentzündung) und des *timira* (Augentrübung), Schwund der *dhātu*, Krämpfe, Brennen, Halbseitenlähmung, Erkrankung eines einzelnen Körperteils, Schluckauf, Atemnot, Husten, Blutarmut und schließlich den Tod.
tasmānna śīte nātyuṣṇe nāsvinne nātitāpite yavāgūṃ pratipītasya śoṇitaṃ mokṣayedbhiṣak
Deshalb soll der Arzt weder bei Kälte noch bei zu großer Hitze, weder ohne vorheriges Schwitzen noch bei übermäßiger Erhitzung, sondern erst, nachdem der Patient Reisschleim (*yavāgū*) getrunken hat, den Aderlass vornehmen.
samyaggatvā yadā raktaṃ svayamevāvatiṣṭhate śuddhaṃ tadā vijānīyāt samyagvisrāvitaṃ ca tat
Wenn das Blut, nachdem es gehörig geflossen ist, von selbst zum Stillstand kommt und rein erscheint, so erkenne man, dass es richtig zum Aderlass gebracht wurde.
lāghavaṃ vedanāśāntirvyādhervegaparikṣayaḥ samyagvisrāvite liṅgaṃ prasādo manasastathā
Leichtigkeit, Nachlassen der Schmerzen, Abklingen des Krankheitsdrangs und Klarheit des Geistes sind die Zeichen eines richtig durchgeführten Aderlasses.
tvagdoṣā granthayaḥ śophā rogāḥ śoṇitajāśca ye raktamokṣaṇaśīlānāṃ na bhavanti kadācana
Hautkrankheiten, Geschwulstknoten, Schwellungen und alle aus dem Blut entstehenden Krankheiten treten bei denen, die regelmäßig einen Aderlass vornehmen lassen, niemals auf.
atha khalvapravartamāne rakte elāśītaśivakuṣṭhatagarapāṭhābhadra dāruvi ḍaṅgacitra-katrikaṭukāgāradhūmaharidrā rkāṅkuranaktamālaphalairyathālābhaṃ tribhiścaturbhiḥ sa-mastairvā cūrṇīkṛtairlavaṇa tailapragāḍhairvraṇa mukhamavagharṣayet evaṃ samyak pravartate
Fließt das Blut hingegen nicht, so reibe man die Öffnung der Wunde (*vraṇa*) mit Elā (Kardamom), Śītā, Śivā, Kuṣṭha, Tagara, Pāṭhā, Bhadradāru, Viḍaṅga, Citraka, Trikaṭu, Āgāradhūma, Haridrā, den Sprossen des Arka oder der Frucht des Naktamāla ein – je nachdem, was verfügbar ist, mit dreien, vieren oder allen zusammen, zu Pulver zerrieben und dick mit Salz und Öl vermischt; auf diese Weise kommt es richtig in Fluss.
athātipravṛtte rodhramadhukapriyaṅgupattaṅgagairikasarjarasarasāñjanaśālma līpuṣpa-śaṅkhaśuktimāṣayavagodhūmacūrṇaiḥ śanaiḥ śanairvraṇamukhamavacūrṇyā ṅgulyagreṇāva-pīḍayet sālasarjārjunārimedameṣaśṛṅgadhavadhanvanatvagbhirvā cūrṇitābhiḥ kṣaumeṇa vā dhmāpitena samudra phenalākṣācūṇairvā yathoktairvraṇabandhanadra vyairgāḍhaṃ badhnīyāt śītācchādanabhojanāgāraiḥ śītaiḥ pradehapariṣekaiścopacaret kṣāreṇāgninā vā dahe-dyathoktaṃ vyadhādanantaraṃ tāmevātipravṛttāṃ sirāṃ vidhyet kākolyādikvāthaṃ vā śarkarā madhumadhuraṃ pāyayet eṇahariṇorabhraśaśamahiṣavarāhāṇāṃ vā rudhiraṃ kṣīrayūṣarasaiḥ susnigdhaiścāśnīyāt upadra vāṃśca yathāsvamupacaret
Fließt es hingegen übermäßig, so bestreue man die Wundöffnung nach und nach mit den Pulvern von Rodhra, Madhuka, Priyaṅgu, Pattaṅga, gebranntem Ocker, Sarjarasa, Rasāñjana, der Blüte des Śālmalī, Muschelschale, Perlmutter, Māṣa, Gerste und Weizen, und drücke sie mit der Fingerspitze fest; oder man verbinde die Wunde fest mit den gepulverten Rinden von Sāla, Sarja, Arjuna, Arimeda, Meṣaśṛṅga, Dhava und Dhanvana, oder mit aufgeblasener Leinwand, oder mit den vorgeschriebenen Wundverbandmitteln wie Meeresschaum- oder Lackpulver. Man behandle mit kühler Bedeckung, kühler Nahrung, einem kühlen Aufenthaltsraum sowie mit kühlenden Salben und Übergießungen. Man kauterisiere mit Ätzmittel (*kṣāra*) oder mit Feuer (*agni*), wie es unmittelbar nach dem Einstich vorgeschrieben ist, oder man steche eben diese übermäßig blutende Vene erneut ein; oder man gebe einen Sud aus Kākolī und ähnlichen Mitteln, süß mit Zucker und Honig, zu trinken. Auch das Blut von Antilope, Hirsch, Schaf, Hase, Büffel oder Wildschwein kann man, mit sehr öligen Milch- und Fleischbrühen versetzt, zu sich nehmen. Auftretende Begleitstörungen (*upadrava*) behandle man jeweils nach ihrer Eigenart.
bhavanti cātra dhātukṣayāt srute rakte mandaḥ saṃjāyate'nalaḥ pavanaśca paraṃ kopaṃ yāti tasmāt prayatnataḥ
Dazu heißt es: Wenn durch den Schwund der *dhātu* zu viel Blut abgeflossen ist, wird der *agni* schwach, und der *vāta* gerät in starke Erregung; deshalb behandle man mit Sorgfalt.
taṃ nātiśītairlaghubhiḥ snigdhaiḥ śoṇitavardhanaiḥ īṣadamlairanamlairvā bhojanaiḥ samupācaret
Man behandle einen solchen Patienten mit Speisen, die nicht zu kalt, leicht, ölig, blutvermehrend und nur leicht sauer oder gar nicht sauer sind.
caturvidhaṃ yadetaddhi rudhirasya nivāraṇam saṃdhānaṃ skandanaṃ caiva pācanaṃ dahanaṃ tathā
Diese Blutstillung ist viererlei Art: das Verschließen (*saṃdhāna*), das Gerinnenlassen (*skandana*), das Ausreifenlassen (*pācana*) und das Kauterisieren (*dahana*).
vraṇaṃ kaṣāyaḥ saṃdhatte raktaṃ skandayate himam tathā saṃpācayedbhasma dāhaḥ saṃkocayet sirāḥ
Ein adstringierendes Mittel (*kaṣāya*) verschließt die Wunde, ein kühlendes Mittel bringt das Blut zum Gerinnen, Asche (*bhasma*) lässt es ausreifen, und die Kauterisation (*dāha*) zieht die Venen zusammen.
askandamāne rudhire saṃdhānāni prayojayet saṃdhāne bhraśyamāne tu pācanaiḥ samupācaret
Gerinnt das Blut nicht, wende man verschließende Mittel an; misslingt aber der Wundverschluss, so behandle man mit ausreifenden Mitteln.
kalpairetaistribhirvaidyaḥ prayateta yathāvidhi asiddhimatsu caiteṣu dāhaḥ parama iṣyate
Mit diesen drei Verfahren soll der Arzt vorschriftsmäßig verfahren; bleiben sie ohne Erfolg, so gilt die Kauterisation als das beste Mittel.
śeṣadoṣe yato rakte na vyādhirativartate sāvaśeṣe tataḥ stheyaṃ na tu kuryādatikramam
Solange im verbliebenen Blut noch ein Rest des *doṣa* vorhanden ist, entsteht daraus keine Krankheit von Bedeutung; deshalb soll man bei einem solchen Rest innehalten und nicht darüber hinausgehen.
dehasya rudhiraṃ mūlaṃ rudhireṇaiva dhāryate tasmādyatnena saṃrakṣyaṃ raktaṃ jīva iti sthitiḥ
Das Blut ist die Wurzel des Körpers, und der Körper wird eben durch das Blut erhalten; deshalb muss das Blut mit Sorgfalt bewahrt werden, denn es gilt: Blut ist Leben.
srutaraktasya sekādyaiḥ śītaiḥ prakupite'nile śophaṃ satodaṃ koṣṇena sarpiṣā pariṣecayet
Ist bei einem Patienten, dem Blut abgelassen wurde, durch kühle Übergießungen und dergleichen der *vāta* erregt worden, so behandle man die schmerzhafte, stechende Schwellung mit leicht erwärmter Ghee-Übergießung.