athāto hitāhitīyamadhyāyaṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun wollen wir das Kapitel über das Zuträgliche und Unzuträgliche (*hita* und *ahita*) erläutern.
Suśruta-Saṃhitā · Sutrasthana
Das zwanzigste Kapitel, „Über das Zuträgliche und Unzuträgliche“ (*hitāhita*), entwickelt eine differenzierte Theorie der Nahrungsverträglichkeit: Neben absolut zuträglichen Substanzen wie Wasser, Milch und Ghee sowie absolut unzuträglichen wie Gift gibt es eine dritte, größte Gruppe, die je nach *doṣa*-Konstitution zuträglich oder unzuträglich wirkt. Eine lange Liste von Reissorten, Fleischarten und Hülsenfrüchten wird als allgemein zuträglich benannt, gefolgt von zahlreichen konkreten Unverträglichkeiten (*viruddha āhāra*) – etwa Milch mit Fisch, Honig mit heißem Wasser oder Melasse mit Schweinefleisch –, die nach Verbindung, Zubereitungsart, Mengenverhältnis und Geschmackspaaren systematisiert werden. Den Abschluss bildet eine Beschreibung der vier Himmelsrichtungswinde mit ihren jeweiligen Wirkungen auf Wundpatienten, Vergiftete und Auszehrende – der Südwind etwa gilt als der beste, der Ostwind als besonders schädlich für Verwundete.
| Kombination (Beispiele) | Grund der Unverträglichkeit |
|---|---|
| Milch mit Kürbisfrüchten, Pilzen, sauren Früchten, Salzigem, Öl, Rauschgetränken, Fisch | Verbindung |
| Fleisch von Haustieren mit neu gekeimtem Getreide, Honig, Milch oder Urdbohnen | Verbindung |
| Honig mit heißem Wasser | Verbindung |
| Melasse mit Schweinefleisch | Verbindung |
| Rettich, Fisch oder Mangofrüchte mit Milch | Verbindung |
| Tauben, in Senföl gebraten | Zubereitungsart |
| Fleisch, über glühender Kohle am Spieß gebraten | Zubereitungsart |
| Honig und Wasser bzw. Honig und Ghee in gleichem Mengenverhältnis | Mengenverhältnis |
| Süß mit Sauer, Salzig, Scharf, Bitter oder Herb | Geschmackspaar |
| Wind | Eigenschaften | Wirkung |
|---|---|---|
| Ostwind (pūrva) | süß, ölig, salzig, schwer | erzeugt Brennen, vermehrt Blut und Pitta; verschlimmert bei Verwundeten, Vergifteten und Wundpatienten |
| Südwind (dakṣiṇa) | süß, herber Beigeschmack, leicht | der beste Wind: besänftigt Blut und Pitta, gut für die Augen, kräftesteigernd |
| Westwind (paścima) | scharf | trocknet Kapha und Fettgewebe aus, mindert die Lebenskraft |
| Nordwind (uttara) | ölig, mild, süß, kühl | erregt die Doṣa nicht, befeuchtet, stärkt die Kraft; besonders geschätzt bei Ausgezehrten und Vergifteten |
athāto hitāhitīyamadhyāyaṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun wollen wir das Kapitel über das Zuträgliche und Unzuträgliche (*hita* und *ahita*) erläutern.
yathovāca bhagavān dhanvantariḥ
So wie es der erhabene Dhanvantari sprach:
yadvāyoḥ pathyaṃ tat pittasyāpathyamityanena hetunā na kiṃciddra vyamekāntena hitamahitaṃ vā'stīti kecidācāryā bruvate tattu na samyak iha khalu yasmā-ddra vyāṇi svabhāvataḥ saṃyogataścaikāntahitānyekāntāhitāni hitāhitāni ca bhavanti
'Was dem *Vāta* zuträglich ist, ist dem *Pitta* unzuträglich' — mit dieser Begründung behaupten manche Lehrer (*ācārya*), es gebe überhaupt keine Substanz (*dravya*), die ausnahmslos zuträglich oder unzuträglich sei. Das ist jedoch nicht richtig; denn Substanzen sind, sei es ihrer Natur nach, sei es durch Verbindung mit anderem, teils ausnahmslos zuträglich, teils ausnahmslos unzuträglich, teils sowohl zuträglich als auch unzuträglich.
tatra ekāntahitāni jātisātmyāt salilaghṛtadugdhaudanaprabhṛtīni ekāntāhitāni tu dahanapacanamāraṇādiṣupravṛttānyanalakṣāraviṣādīni saṃyo-gādaparāṇi viṣatulyāni bhavanti hitāhitāni tu yadvāyoḥ pathyaṃ tat pittasyāpathyamiti
Von Natur aus ausnahmslos zuträglich sind, weil an die Art des Menschen angepasst (*sātmya*), Dinge wie Wasser, Ghee, Milch und gekochter Reis. Ausnahmslos unzuträglich sind Dinge, die verbrennen, zerstören oder töten, wie Feuer, Ätzmittel (*kṣāra*) und Gift. Andere werden erst durch Verbindung mit anderem giftähnlich. Sowohl zuträglich als auch unzuträglich aber ist das, wovon gilt: 'Was dem *Vāta* zuträglich ist, ist dem *Pitta* unzuträglich.'
ataḥ sarvaprāṇināmayamāhārārthaṃ varga upadiśyate tadyathāraktaśāliṣaṣṭikaka-ṅgukamukundakapāṇḍukapītakapramodaka kālakāsanapuṣpakakardamakaśakunā-hṛtasugandhakakalamanīvārakodra voddālaka śyāmākagodhūmayavavaiṇavaiṇahariṇa-kuraṅgamṛgamātṛkāśvadaṃṣṭrākarālakrakarakapotalāvatittirikapiñjalavartīravarti-kāmudgavanamudgamakuṣṭhakalāyamasūramaṅgalyacaṇakahareṇvāḍhakīsatīnāścillivā-stukasuniṣaṇṇaka jīvantī taṇḍulīyakamaṇḍūkaparṇyaḥ gavyaṃ ghṛtaṃ saindhavaṃ dāḍimāmalakamityeṣa vargaḥ sarvaprāṇināṃ sāmānyataḥ pathyatamaḥ
Deshalb wird für alle Lebewesen folgende Gruppe von Nahrungsmitteln als Speise gelehrt: Rotreis (*rakta-śāli*), *ṣaṣṭika*-Reis, Hirse (*kaṅgu*), *Mukundaka*, *Pāṇḍuka*, *Pītaka*, *Pramodaka*, *Kālaka*, *Asanapuṣpaka*, *Kardamaka*, *Śakunāhṛta*, *Sugandhaka*, *Kalama*, *Nīvāra*, *Koradūṣa*, *Uddālaka*, *Śyāmāka*, Weizen (*godhūma*), Gerste (*yava*), das Fleisch von Rohrantilopen, Damwild, *Hariṇa*- und *Kuraṅga*-Rehen, Wildziegen, *Aśvadaṃṣṭrā*, *Karāla*, *Krakara*, Tauben, Wachteln, Rebhühnern, *Piñjala*, *Vartīra* und *Vartikā*, Mungbohnen, Waldmungbohnen, *Makuṣṭha*, Erbsen (*kalāya*), Linsen (*masūra*), Kichererbsen (*caṇaka*, *māṅgalya*), *Hareṇu*, Taubenerbsen (*āḍhakī*), *Satīnā*, *Cilli*, *Vāstuka*, *Suniṣaṇṇaka*, *Jīvantī*, *Taṇḍulīyaka* und *Maṇḍūkaparṇī*, Kuhmilchprodukte, Ghee, Steinsalz, Granatapfel und Amalaka — diese Gruppe ist für alle Lebewesen im Allgemeinen die zuträglichste.
tathā brahmacaryanivātaśayanoṣṇodakasnānaniśāsvapnavyāyāmāścaikāntataḥ pathyatamāḥ
Ebenso sind sexuelle Enthaltsamkeit (*brahmacarya*), das Schlafen an windgeschütztem Ort, das Baden mit warmem Wasser, Schlaf während der Nacht und körperliche Bewegung (*vyāyāma*) ausnahmslos höchst zuträglich.
ekāntahitānyekāntāhitāni tu prāgupadiṣṭāni hitāhitāni tu yadvāyoḥ pathyaṃ tat pittasyāpathyamiti
Was ausnahmslos zuträglich und was ausnahmslos unzuträglich ist, wurde bereits zuvor dargelegt; sowohl zuträglich als auch unzuträglich aber ist das, wovon gilt: 'Was dem *Vāta* zuträglich ist, ist dem *Pitta* unzuträglich.'
saṃyogatastvaparāṇi viṣatulyāni bhavanti tadyathāvallīphalakavakakarīrā-mlaphalalavaṇakulatthapiṇyākadadhitailavirohipiṣṭaśuṣkaśākājāvikamāṃsama dyajāmbavacilicimamatsyagodhāvarāhāṃśca naikadhyamaśrnīyāt payasā
Durch Verbindung wiederum werden andere Dinge giftähnlich: So esse man nicht zusammen mit Milch Kürbisfrüchte, Pilze (*kavaka*), *Karīra*-Sprossen, saure Früchte, Salziges, Pferdebohnen (*kulattha*), Ölkuchen (*piṇyāka*), Dickmilch, Öl, keimende Sprossen, Mehlspeisen, getrocknetes Gemüse, das Fleisch von Ziegen und Schafen, Rauschgetränke, Jambu-Früchte, Tamarinden (*cilicima*), Fisch, Waraneidechsen (*godhā*) und Schweinefleisch.
rogaṃ sātmyaṃ ca deśaṃ ca kālaṃ dehaṃ ca buddhimān avekṣyāgnyādikān bhāvān rogavṛtteḥ prayojayet
Der Weise soll unter Berücksichtigung von Krankheit, Gewöhnung (*sātmya*), Land, Jahreszeit und Körperbeschaffenheit sowie Faktoren wie dem Verdauungsfeuer (*agni*) die dem Krankheitsverlauf angemessene Behandlung anwenden.
avasthāntarabāhulyādro gādīnāṃ vyavasthitam dra vyaṃ necchanti bhiṣaja icchanti svastharakṣaṇe
Wegen der Vielzahl der verschiedenen Zustände von Krankheit und dergleichen wünschen die Ärzte (*bhiṣaj*) keine starr festgelegte Substanz; wohl aber wünschen sie eine solche zur Erhaltung der Gesundheit des Gesunden.
dvayoranyatarādāne vadanti viṣadugdhayoḥ dugdhasyaikāntahitatāṃ viṣamekāntato'hitam
Wenn man zwischen zweien wählen muss, zwischen Gift und Milch, so sagt man: Milch ist ausnahmslos zuträglich, Gift ist ausnahmslos unzuträglich.
evaṃ yuktaraseṣveṣu dra vyeṣu salilādiṣu ekāntahitatāṃ viddhi vatsa suśruta nānyathā
Ebenso, mein Sohn Suśruta, erkenne bei diesen wohlverträglichen Substanzen wie Wasser und dergleichen die ausnahmslose Zuträglichkeit — und nicht anders.
ato'nyānyapi saṃyogādahitāni vakṣyāmaḥnavavirūḍhadhānyairvasāmadhupayaguḍa-māṣairvā grāmyānūpaudakapiśitādīni nābhyavaharet na payomadhubhyāṃ rohiṇī-śākaṃ jātukaśākaṃvā'śrnīyāt balākāṃ vāruṇīkulmāṣābhyāṃ kākamācīṃ pippalīmaricābhyāṃ nāḍībhaṅgaśakakukkuṭadadhīni ca naikadhyāṃ madhu coṣṇodakā-nupānāṃ pittena cāmamāṃsāni surākṛśarāpāyasāṃśca naikadhyaṃ savrakeṇa sahati-laśaṣkulmamatsyaiḥ sahekṣuvikārānā guḍena kākamācīṃ madhunā mūlakaṃ guḍena vārāhaṃ madhunā ca saha viruddhaṃ kṣīreṇa mūlakam āmrajāmbavaśvāvicchūkaragodhāścā sarvāṃśca matsyān payasā viśeṣeṇa cili-cimaṃ kadalīphalaṃ tālaphalena payasā dadhnā takreṇa vā lakucaphalaṃ payasā dadhnā māṣasūpena vā prākpayasaḥ payaso'nte vā
Nun wollen wir weitere, durch Verbindung unzuträgliche Kombinationen nennen: Man esse nicht das Fleisch von Haustieren, Sumpf- oder Wassertieren zusammen mit neu gekeimtem Getreide, tierischem Fett, Honig, Milch oder Urdbohnen; man verzehre nicht *Rohiṇī*-Gemüse oder *Jātuka*-Gemüse zusammen mit Milch und Honig; man esse nicht Reiher (*balākā*) zusammen mit *Vāruṇī*-Wein und zerstoßenem Getreide (*kulmāṣa*); nicht Nachtschattengemüse (*kākamācī*) zusammen mit Pfeffer und langem Pfeffer (*pippalī*); nicht *Nāḍībhaṅga*-Gemüse, Hühnerfleisch und Dickmilch gemeinsam; nicht Honig zusammen mit heißem Wasser als Getränk; nicht rohes Fleisch zusammen mit *Pitta*-erregenden Dingen; nicht Branntwein (*surā*), Reisbrei mit Sesam (*kṛśarā*) und Milchreis (*pāyasa*) gemeinsam mit saurer Buttermilch (*savraka*); nicht zusammen mit Sesam, gebratenem Getreide und Fisch; nicht Zuckerrohrzubereitungen zusammen mit Melasse (*guḍa*); nicht Nachtschattengemüse mit Honig; nicht Rettich mit Honig; nicht Melasse mit Schweinefleisch; nicht Honig zusammen mit Milch — das ist unverträglich; nicht Rettich mit Milch; nicht Mangofrüchte, Jambufrüchte, Stachelschwein- oder Waraneidechsenfleisch, ja überhaupt keinen Fisch zusammen mit Milch, ganz besonders nicht Tamarinden; nicht Bananenfrüchte zusammen mit Palmyrafrüchten und Milch; nicht die *Lakuca*-Frucht mit Milch, Dickmilch, Buttermilch oder Urdbohnensuppe, weder vor noch nach dem Genuss von Milch.
ataḥ karmaviruddhān vakṣyāmaḥkapotān sarṣapatailabhṛṣṭānnādyātā kapiñjalamayūralāvatittirigodhāścairaṇḍadārvyagnisiddhā eraṇḍatailasiddhā vā nādyāt kāṃsyabhājane daśarātraparyuṣitaṃ sarpiḥ madhu coṣṇairuṣṇe vā matsyaparipacane śṛṅga-veraparipacane vā siddhāṃ kākamācīṃ . tilakalkasiddhamupodikāśākaṃ nāri-kelena varāhavasāparibhṛṣṭāṃ balākāṃ bhāsamaṅgāraśūlyaṃ nāśnīyāditi
Nun wollen wir Kombinationen nennen, die durch die Zubereitungsart (*karma*) unzuträglich werden: Man esse keine Tauben, die in Senföl gebraten wurden; man esse kein *Kapiñjala*-, Pfau-, Wachtel-, Rebhuhn- oder Waraneidechsenfleisch, das über Feuer von Rizinusholz gegart oder in Rizinusöl zubereitet wurde; man esse kein Ghee, das zehn Nächte lang in einem Bronzegefäß gestanden hat; man esse keinen Honig, der mit heißen Zutaten oder in Hitze gekocht wurde, bei der Zubereitung von Fisch oder von Ingwer; man esse kein Nachtschattengemüse, das mit Sesampaste gekocht wurde; kein *Upodikā*-Gemüse, das mit Kokosnuss zubereitet wurde; keinen Reiher, der in Schweinefett gebraten wurde; und man esse kein Fleisch, das über glühender Kohle am Spieß gebraten wurde.
ato mānaviruddhān vakṣyāmaḥmadhvambunī madhusarpiṣī mānatastulye nāśnīyāt snehau madhusnehau jalasnehau vā viśeṣādāntarīkṣodakānupānau
Nun wollen wir Kombinationen nennen, die durch das Mengenverhältnis (*māna*) unzuträglich werden: Man verzehre nicht Honig und Wasser oder Honig und Ghee in gleichem Mengenverhältnis; ebenso nicht zwei Fettstoffe zusammen, nicht Honig mit einem Fettstoff oder Wasser mit einem Fettstoff, insbesondere nicht mit Regenwasser als Getränk dazu.
ata ūrdhvaṃ rasadvandvāni rasato vīryato vipākataśca viruddhānivakṣyāmaḥtatra ma-dhurāmlau rasavīryaviruddhau madhuralavaṇau ca madhurakaṭukau ca sarvataḥ madhura tiktau rasavipākābhyāṃ madhurakaṣāyaau ca amlalavaṇau rasataḥ amlakaṭukau rasavi-pākābhyām amlatiktāvamlakaṣāyau ca sarvataḥ lavaṇakaṭukau rasavipākā-bhyāṃ lavaṇatiktau lavaṇakaṣāyau ca sarvataḥ kaṭutiktau rasavīryābhyāṃ kaṭukaṣāyau ca tiktakaṣāyau rasataḥ
Nun wollen wir Geschmackspaare (*rasa*) nennen, die hinsichtlich Geschmack, Wirkkraft (*vīrya*) und Umwandlung nach der Verdauung (*vipāka*) unverträglich sind: Süß und sauer sind hinsichtlich Geschmack und Wirkkraft unverträglich; süß und salzig ebenso wie süß und scharf sind es in jeder Hinsicht; süß und bitter sind es hinsichtlich Geschmack und Verdauungsumwandlung, süß und herb (*kaṣāya*) ebenso in jeder Hinsicht; sauer und salzig sind es hinsichtlich des Geschmacks; sauer und scharf hinsichtlich Geschmack und Verdauungsumwandlung; sauer und bitter sowie sauer und herb sind es in jeder Hinsicht; salzig und scharf hinsichtlich Geschmack und Verdauungsumwandlung; salzig und bitter sowie salzig und herb sind es in jeder Hinsicht; scharf und bitter hinsichtlich Geschmack und Wirkkraft; scharf und herb in jeder Hinsicht; bitter und herb hinsichtlich des Geschmacks.
taratamayogayuktāṃśca bhāvānatisnigdhānatirūkṣānatyu ṣṇānatiśītānityevamādīn vivarjayet
Man meide auch Dinge, die in unterschiedlichem Grade miteinander verbunden sind, wie übermäßig Öliges, übermäßig Austrocknendes, übermäßig Heißes, übermäßig Kaltes und dergleichen.
bhavanti cātra viruddhānyevamādīni vīryato yāni kānicit tānyekāntāhitānyeva śeṣaṃ vidyāddhitāhitam
Dinge, die auf diese und ähnliche Weise hinsichtlich der Wirkkraft unverträglich sind, sind ausnahmslos unzuträglich; das Übrige erkenne man als sowohl zuträglich als auch unzuträglich.
vyādhimindri yadaurbalyaṃ maraṇaṃ cādhigacchati viruddharasavīryāṇi bhuñjāno'nātmavānnaraḥ
Wer unbedacht Dinge mit unverträglichem Geschmack und unverträglicher Wirkkraft zusammen verzehrt, erleidet Krankheit, Schwäche der Sinnesorgane und sogar den Tod.
yatkiṃciṃddoṣamutkleśya bhuktaṃ kāyānna nirharet rasādiṣvayathārthaṃ vā tadvikārāya kalpate
Was auch immer verzehrt wird und dabei einen *doṣa* erregt, ohne ihn aus dem Körper auszuscheiden, oder das nicht ordnungsgemäß in Geschmacksstoffe und dergleichen umgewandelt wird, das führt zu einer Störung.
viruddhāśanajān rogān pratihanti virecanam vamanaṃ śamanaṃ vā'pi pūrvaṃ vā hitasevanam
Krankheiten, die durch unverträgliche Speisenkombinationen entstehen, heilt man durch Abführmittel (*virecana*), Brechmittel (*vamana*), besänftigende Mittel (*śamana*) oder durch vorheriges Zuführen von Zuträglichem.
sātmyato'lpatayā vā'pi dīptāgnestaruṇasya ca snigdhavyāyāmabalināṃ viruddhaṃ vitathaṃ bhavet
Für den an solche Kombinationen Gewöhnten (*sātmya*), oder wenn nur eine geringe Menge genossen wird, sowie für den mit lodernder Verdauungskraft, den Jugendlichen und den durch Ölung und körperliche Bewegung Gestärkten wird die Unverträglichkeit wirkungslos.
atha vātaguṇān vakṣyāma pūrvaḥ samadhuraḥ snigdho lavaṇaścaiva mārutaḥ gururvidāhajanano raktapittābhivardhanaḥ
Nun wollen wir die Eigenschaften der Winde nach Himmelsrichtung nennen: Der Ostwind (*pūrva*) ist mäßig süß, ölig und salzig; er ist schwer, erzeugt Brennen (*vidāha*) und vermehrt Blut und *Pitta*.
kṣatānāṃ viṣajuṣṭānāṃ vraṇinaḥ śleṣmalāśca ye taiṣāmeva viśeṣeṇa sadā rogavivardhanaḥ
Für Verwundete, von Gift Betroffene, Wundpatienten und solche mit *Kapha*-Übermaß verstärkt er stets ganz besonders die Krankheit.
vātalānāṃ praśastaśca śrāntānāṃ kaphaśoṣiṇām madhuraścāvidāhī ca kaṣāyānuraso laghuḥ dakṣiṇo mārutaḥ śreṣṭhaścakṣuṣyo balavardhanaḥ
Für an *Vāta*-Übermaß Leidende ist er günstig, ebenso für Erschöpfte und für solche, deren *Kapha* auszehren soll. Der Südwind (*dakṣiṇa*) ist süß, ohne Brennen zu erzeugen, mit einem Beigeschmack von herb, leicht, der beste von allen, gut für die Augen und kräftesteigernd.
raktapittapraśamano na ca vātaprakopaṇaḥ viśado rūkṣaparuṣaḥ kharaḥ snehabalāpahaḥ
Er besänftigt Blut und *Pitta* und erregt *Vāta* nicht; klärend, austrocknend, rau und scharf, raubt er Ölung und Kraft.
paścimo mārutastīkṣṇaḥ kaphamedoviśoṣaṇaḥ sadyaḥ prāṇakṣayakaraḥ śoṣaṇastu śarīriṇām
Der Westwind (*paścima*) ist scharf, trocknet *Kapha* und Fettgewebe (*medas*) aus, mindert sogleich die Lebenskraft und lässt die Körper der Lebewesen austrocknen.
uttaro mārutaḥ snigdho mṛdurmadhura eva ca kaṣāyānurasaḥ śīto doṣāṇāṃ cāprakopaṇaḥ
Der Nordwind (*uttara*) ist ölig, mild, süß, mit einem Beigeschmack von herb, kühl und erregt die *doṣas* nicht.
tasmācca prakṛtisthānāṃ kledano balavardhanaḥ kṣīṇakṣayaviṣārtānāṃ viśeṣeṇa tu pūjitaḥ
Deshalb befeuchtet er bei denen, deren *doṣas* in natürlichem Zustand sind, und stärkt die Kraft; für Ausgezehrte, an Schwindsucht Leidende und Vergiftete aber wird er ganz besonders geschätzt.