Quellen der Menschheit

Suśruta-Saṃhitā · Sutrasthana

Adhyāya 6: ṛtucaryā Das rechte Verhalten in den Jahreszeiten

Das sechste Kapitel, „Über das rechte Verhalten in den Jahreszeiten“ (*ṛtucaryā*), entfaltet zunächst ein kosmologisches Zeitsystem vom kürzesten Augenblick (*akṣinimeṣa*) bis zum Weltzeitalter (*yuga*) und unterscheidet davon die für die Medizin maßgeblichen sechs Jahreszeiten – Regenzeit, Herbst, Winter, Frühling, Sommer und Vorregenzeit –, denen jeweils die Ansammlung, Erregung oder Beruhigung eines bestimmten *doṣa* zugeordnet wird: *Kapha* sammelt sich im Winter und wird im Frühling erregt, *Vāta* im Sommer beziehungsweise in der Vorregenzeit, *Pitta* in der Regenzeit beziehungsweise im Herbst. In poetisch ausgestalteten Naturschilderungen werden die Kennzeichen jeder Jahreszeit beschrieben – Wind, Vegetation wie *kiṃśuka*- und Lotosblüten, Tierverhalten –, bevor daraus die entsprechenden Reinigungsmaßnahmen abgeleitet werden: Ausleitung des *Kapha* im Frühling, des *Pitta* im Herbst, Beruhigung des *Vāta* in der Regenzeit. Damit liefert das Kapitel die diätetisch-präventive Grundlage, auf der die späteren chirurgischen und internistischen Anweisungen aufbauen.

Die sechs Jahreszeiten und die Doṣa-Dynamik (Vers 6–13, 38)
JahreszeitMonateDoṣa-AnsammlungDoṣa-ErregungReinigungsmaßnahme (Vers 38)
Regenzeit (varṣā)Bhādrapada, Āśvayujapitta–vāta beruhigen*
Herbst (śarad)Kārtika, Mārgaśīrṣa–pittapitta ausleiten
Winter (hemanta)Pauṣa, Māghakapha––
Frühling (vasanta)Phālguna, Caitra–kaphakapha ausleiten
Sommer (grīṣma)Vaiśākha, Jyeṣṭhavāta––
Vorregenzeit (prāvṛṣ)Āṣāḍha, Śrāvaṇa–vāta–
*Vers 38 nennt als dritte Maßnahme die Beruhigung des vāta „in der Regenzeit“; nach der im Kapitel selbst dargelegten Ansammlungs-/Erregungs-Systematik (Vers 11–12) wird vāta jedoch in der Vorregenzeit erregt – die Zuordnung folgt hier wörtlich dem Text.

athāta ṛtucaryamadhyāyaṃ vyākhyāsyāmaḥ

Nun wollen wir das Kapitel über das rechte Verhalten in den Jahreszeiten (*ṛtucaryā*) erklären.

yathovāca bhagavān dhanvantariḥ

So sprach der erhabene Dhanvantari.

kālo hi nāmabhigavānsviyambhuranādimadhyanidhanaḥ atra rasa vyāpatsaṃpattī jīvitamaraṇe ca manuṣyāṇāmāyatte sa sūkṣmāmapi kalāṃ na līyata iti kālaḥ saṃkalayati kālayati vā bhūtānīti kālaḥ

Die Zeit (*kāla*) nämlich ist der erhabene, selbstentstandene Herr ohne Anfang, Mitte und Ende; von ihr hängen Verderben und Gedeihen der Säfte (*rasa*) sowie Leben und Tod der Menschen ab; sie löst sich nicht auf, nicht einmal um den kleinsten Augenblick (*kalā*) — daher heißt sie *kāla*; oder: sie fügt die Wesen zusammen bzw. treibt sie an — auch daher heißt sie *kāla*.

tasya saṃvatsarātmano bhagavānādityo gativiśeṣeṇākṣinimeṣakāṣṭhā kalāmuhūrtāhorātrapakṣamāsartvayanasaṃvatsarayugapravibhāgaṃ karoti

Der erhabene Sonnengott bewirkt durch die Besonderheit seines Laufes die Einteilung dieser Zeit, deren Wesen das Jahr ist, in Augenblick (*akṣinimeṣa*), *kāṣṭhā*, *kalā*, *muhūrta*, Tag-und-Nacht, Monatshälfte, Monat, Jahreszeit, Sonnenwendperiode (*ayana*), Jahr und Weltzeitalter (*yuga*).

tatra laghvakṣaroccāraṇamātro'kṣinimeṣaḥ pañcadaśākṣinimeṣāḥ kāṣṭhā triṃśatkāṣṭhāḥ kalā viṃśatikalo muhūrtaḥ kalādaśabhāgaśca triṃśanmuhūrtamahorātraṃ pañcadaśāhorātrāṇi pakṣaḥ sa ca dvividhaḥ śuklaḥ kṛṣṇaśca tau māsaḥ

Dabei entspricht ein Augenblick (*akṣinimeṣa*) der Dauer, die man zum Aussprechen einer kurzen Silbe braucht; fünfzehn solcher Augenblicke ergeben eine *kāṣṭhā*, dreißig *kāṣṭhā*s eine *kalā*, zwanzig *kalā*s und ein Zehntel einer *kalā* eine *muhūrta*, dreißig *muhūrta*s einen Tag-und-eine-Nacht, fünfzehn Tag-und-Nächte eine Monatshälfte (*pakṣa*); diese ist zweifach, hell und dunkel, und beide zusammen ergeben einen Monat.

tatra māghādayo dvādaśa māsāḥ dvimāsikamṛtuṃ kṛtvā ṣaḍṛtavo bhavanti te śiśiravasantagrīṣmavarṣāśaraddhemantāḥ teṣāṃ tapastapasyau śiśiraḥ madhumādhavau vasantaḥ śuciśukrau grīṣmaḥ nabhonabhasyau varṣāḥ iṣorjau śarat sahaḥsahasyau hemanta iti

Es gibt zwölf Monate, beginnend mit Māgha; je zwei Monate bilden eine Jahreszeit, sodass sechs Jahreszeiten entstehen: die Kühlzeit (*śiśira*), der Frühling (*vasanta*), der Sommer (*grīṣma*), die Regenzeit (*varṣā*), der Herbst (*śarad*) und der Winter (*hemanta*). Tapas und Tapasya bilden die Kühlzeit, Madhu und Mādhava den Frühling, Śuci und Śukra den Sommer, Nabhas und Nabhasya die Regenzeit, Iṣa und Ūrja den Herbst, Sahas und Sahasya den Winter.

ta ete śītoṣṇavarṣalakṣaṇāścandrā dityayoḥ kālavibhāgakaratvādayane dve bhavato dakṣiṇamuttaraṃ ca tayordakṣiṇaṃ varṣāśaraddhemantāḥ teṣu bhagavānāpyāyate somaḥ a-mlalavaṇamadhurāśca rasā balavanto bhavanti uttarottaraṃ ca sarvaprāṇināṃ balamabhi-vardhate uttaraṃ ca śiśira vasantagrīṣmāḥ teṣu bhagavānāpyāyate'ka tiktakaṣā-yakaṭukāśca rasā balavanto bhavanti uttarottaraṃ ca sarvaprāṇināṃ balamapahīyate

Diese Jahreszeiten sind durch Kälte, Hitze und Regen gekennzeichnet, bedingt durch den Lauf von Mond und Sonne; da sie die Zeit einteilen, gibt es zwei Sonnenwendperioden, die südliche und die nördliche. Zur südlichen gehören Regenzeit, Herbst und Winter; in ihnen nimmt der erhabene Mond zu, die sauren, salzigen und süßen Geschmäcker werden kräftig, und von einer Periode zur nächsten wächst die Kraft aller Lebewesen. Zur nördlichen gehören Kühlzeit, Frühling und Sommer; in ihnen nimmt die erhabene Sonne zu, die bitteren, herben und scharfen Geschmäcker werden kräftig, und von einer Periode zur nächsten schwindet die Kraft aller Lebewesen.

bhavati cātra śītāṃśuḥ kledayatyurvīṃ vivasvān śoṣayatyapi tāvubhāvapi saṃśritya vāyuḥ pālayati prajāḥ

Und dazu heißt es: Der Mond befeuchtet die Erde, die Sonne trocknet sie aus; beide zusammen mit dem Wind (*vāyu*) erhalten die Geschöpfe am Leben.

atha khalvayane dve yugapat saṃvatsaro bhavati te tu pañca yugamiti saṃjñāṃ labhante sa eṣa nimeṣādiryugaparyantaḥ kālaścakravatparivartamānaḥ kālacakramityucyata ityeke

Die beiden Sonnenwendperioden zusammen ergeben ein Jahr; fünf solcher Jahre erhalten die Bezeichnung *yuga*. Diese Zeit, vom Augenblick bis zum *yuga* reichend, dreht sich wie ein Rad — manche nennen sie daher das Zeitrad (*kālacakra*).

iha tu varṣāśaraddhemantavasantagrīṣmaprāvṛṣaḥ ṣaḍṛtavo bhavanti doṣopacayaprakopopaśamanimittaṃ te tu bhādra padādyena dvimāsikena vyākhyātāḥ tadyathā bhādra padāśvayujau varṣāḥ kārtikamārgaśīrṣau śarat pauṣamāghau hemantaḥ phālgunacaitrau vasantaḥ vaiśākhajyeṣṭhau grīṣmaḥ āṣāḍhaśrāvaṇau prāvṛḍiti

Hier jedoch werden im Hinblick auf Ansammlung, Erregung und Beruhigung der *doṣa*s sechs Jahreszeiten unterschieden: Regenzeit, Herbst, Winter, Frühling, Sommer und Vorregenzeit (*prāvṛṣ*); sie werden, mit Bhādrapada beginnend, jeweils durch zwei Monate erklärt: Bhādrapada und Āśvayuja bilden die Regenzeit, Kārtika und Mārgaśīrṣa den Herbst, Pauṣa und Māgha den Winter, Phālguna und Caitra den Frühling, Vaiśākha und Jyeṣṭha den Sommer, Āṣāḍha und Śrāvaṇa die Vorregenzeit.

tatra varṣāsvoṣadhayastaruṇyo'lpavīryā āpaścāpraśāntāḥ kṣitimala prāyāḥ tā upayujyamānā nabhasi meghāvatate jalapraklinnāyāṃ bhūmau klinnadehānāṃ prāṇināṃ śītavātaviṣṭambhitāgnīnāṃ vidahyante vidāhātpittasaṃcayamāpādayanti sa saṃ-cayaḥ śaradi praviralameghe viyatyupaśuṣyati paṅke'kakiraṇapravilāyitaḥ paitti-kān vyādhīñjanayati tā evauṣadhayaḥ kālapariṇāmāt pariṇatavīryā balavatyo hemante bhavantyāpaśca praśāntāḥ snigdhā atyarthaṃ gurvyaśca tā upayujyamānā mandakiraṇatvādbhānoḥ satuṣārapavanopastambhitadehānāṃ dehinā-mavidagdhāḥ snehācchatyādgauravādupalepācca śleṣmasaṃcayamāpādayanti sa saṃcayo vasante'karaśmipravilāyita īṣatstabdhadehānāṃ dehināṃ ślaiṣmikān vyādhī-ñjanayati tā evauṣadhayo nidāghe niḥsārā rūkṣā atimātraṃ laghvyo bhavantyā-paśca tā upayujyamānāḥ sūryapratāpopaśoṣitadehānāṃ dehināṃ raukṣyāllaghutvācca vāyoḥ saṃcayamāpādayanti sa saṃcayaḥ prāvṛṣi cātyarthaṃ jalopaklinnāyāṃ bhūmau klinnadehānāṃ dehināṃ śītavātavarṣerito vātikān vyādhīñjanayati evameṣa doṣāṇāṃ saṃcayaprakopaheturuktaḥ

In der Regenzeit sind die Pflanzen noch jung und von geringer Kraft, und auch das Wasser ist unruhig und meist mit Erde vermischt; werden sie in dieser Zeit genossen, geraten sie bei Menschen, deren Körper vom feuchten Wetter durchnässt sind und deren Verdauungsfeuer (*agni*) durch Kälte und Wind gehemmt ist, in Gärung; durch diese Gärung verursachen sie eine Ansammlung von *pitta*. Diese Ansammlung wird, wenn im Herbst die Wolken sich lichten und der Himmel sich austrocknet, im schlammigen Boden durch die Sonnenstrahlen aufgelöst und erzeugt *pitta*-bedingte Krankheiten. Dieselben Pflanzen, durch den Wandel der Zeit ausgereift und kräftig geworden, sowie das im Winter beruhigte, sehr ölige und schwere Wasser bleiben, wenn sie genossen werden, bei Menschen, deren Körper durch Reif und kalten Wind erstarrt und deren Verdauungsfeuer durch die schwachen Sonnenstrahlen gemindert ist, unverdaut und verursachen durch ihre Ölhaltigkeit, Klebrigkeit, Schwere und Verschleimung eine Ansammlung von *kapha*. Diese Ansammlung erzeugt, im Frühling durch die Sonnenstrahlen aufgelöst, bei Menschen, deren Körper leicht erstarrt sind, *kapha*-bedingte Krankheiten. Dieselben Pflanzen, in der Sommerhitze ohne Saft, trocken und übermäßig leicht geworden, verursachen zusammen mit dem Wasser, wenn sie genossen werden, bei Menschen, deren Körper durch die Sonnenglut ausgetrocknet sind, durch ihre Trockenheit und Leichtigkeit eine Ansammlung von *vāta*. Diese Ansammlung erzeugt in der Vorregenzeit, wenn der Boden übermäßig durch Wasser durchnässt ist, bei Menschen, deren Körper durchnässt und von Kälte, Wind und Regen angegriffen sind, *vāta*-bedingte Krankheiten. So wurde die Ursache für Ansammlung und Erregung der *doṣa*s dargelegt.

tatra varṣāhemantagrīṣmeṣu saṃcitānāṃ doṣāṇāṃ śaradvasanta prāvṛṭsu ca prakupitānāṃ nirharaṇaṃ kartavyam

Dabei muss man die *doṣa*s, die sich in Regenzeit, Winter und Sommer angesammelt haben und die sich in Herbst, Frühling und Vorregenzeit erregt haben, ausleiten.

tatra paittikānāṃ vyādhīnāmupaśamo hemante ślaiṣmikāṇāṃ nidāghe vātikānāṃ śaradi svabhāvata eva ta ete saṃcayaprakopopaśamā vyākhyātāḥ

Dabei kommt es von Natur aus zur Beruhigung *pitta*-bedingter Krankheiten im Winter, *kapha*-bedingter Krankheiten im Sommer und *vāta*-bedingter Krankheiten im Herbst. Damit wurden Ansammlung, Erregung und Beruhigung der *doṣa*s erklärt.

tatra pūrvāhṇe vasantasya liṅgaṃ madhyāhne grīṣmasya aparāhṇe prāvṛṣaḥ pradoṣe vārṣikaṃ śāradamardharātre pratyuṣasi haimantamupalakṣayet evamahorātramapi varṣamiva śītoṣṇavarṣalakṣaṇaṃ doṣopacayaprakopopaśamairjānīyāt

Am Vormittag erkenne man die Kennzeichen des Frühlings, am Mittag die des Sommers, am Nachmittag die der Vorregenzeit, am frühen Abend die der Regenzeit, am Abend die des Herbstes, um Mitternacht und in der Morgendämmerung die des Winters; so soll man erkennen, dass auch Tag und Nacht, wie das Jahr, durch Kälte, Hitze und Regen gekennzeichnet sind und man an ihnen ebenso Ansammlung, Erregung und Beruhigung der *doṣa*s erkennen kann.

tatra avyāpanneṣu ṛtuṣvavyāpannā oṣadhayo bhavantyāpaśca tā upayujyamānāḥ prāṇāyurbalavīryaujaskaryo bhavanti

Wenn die Jahreszeiten ungestört verlaufen, sind auch die Pflanzen und Gewässer ungestört; werden sie genossen, fördern sie Lebenskraft, Lebensdauer, Stärke, Tatkraft und *ojas* (die Vitalessenz).

teṣāṃ punarvyāpado'dṛṣṭakāritāḥ śītoṣṇavātavarṣāṇi khalu viparītānyoṣadhīrvyāpādayantyapaśca

Störungen dieser Jahreszeiten, die durch unsichtbare Ursachen bewirkt werden — nämlich verkehrte Kälte, Hitze, Wind und Regen — schädigen dagegen die Pflanzen und die Gewässer.

tāsāmupayogādvividharogaprādurbhāvo marako vā bhavediti

Aus deren Genuss kann das Entstehen mannigfacher Krankheiten oder gar eine Seuche entstehen.

tatra avyāpannānāmoṣadhīnāmapāṃ copayogaḥ

Deshalb sollen nur ungestörte Pflanzen und ungestörtes Wasser genossen werden.

kadācidavyāpanneṣvapi ṛtuṣu kṛtyābhiśāparakṣaḥ krodhādharmairupadhva syante janapadāḥ viṣauṣadhipuṣpagandhena vā vāyunopanītenākramyate yo deśastatra doṣaprakṛtyaviśeṣeṇa kāsaśvāsavamathupratiśyāyaśiro rugjvarairupatapyante grahanakṣatracaritairvā gṛhadāraśayanāsanayāna vāhanamaṇiratnopakaraṇagarhitalakṣaṇanimittaprādurbhāvairvā

Manchmal geraten Länder, selbst wenn die Jahreszeiten ungestört sind, durch Verhexung, Fluch, Dämonen (*rakṣas*) und Zorn in Widrigkeiten; oder ein Gebiet wird von einem Wind heimgesucht, der den Geruch von Gift, schädlichen Pflanzen oder Blüten mit sich trägt — dort erkranken die Bewohner je nach der besonderen Beschaffenheit ihrer *doṣa*-Konstitution an Husten, Atemnot, Übelkeit, Schnupfen, Kopfschmerz und Fieber; ebenso durch den Lauf der Planeten (*graha*) und Sternbilder oder durch das Auftreten schlechter Vorzeichen an Haus, Ehefrau, Lager, Sitz, Fahrzeug, Reittier, Juwelen, Edelsteinen und Geräten.

tatra sthānaparityāgaśāntikarmaprāyaścittamaṅgalajapahomopahārejyāñjalinamaskā-rataponiyamadayādānadīkṣābhyupagama devatābrāhmaṇaguru parairbhavitavyam evaṃ sādhu bhavati

In solchen Fällen muss man den Ort verlassen sowie Sühneriten, Buße, glückverheißende Rezitation, Opferfeuer, Darbringungen, Verehrung, Handfaltung und Verneigung, Askese und Gelübde, Mildtätigkeit, Weihe und Hingabe gegenüber Gottheiten, Brahmanen und Lehrern vollziehen — so wird es gut.

ata ūrdhvamavyāpannānāmṛtūnāṃ lakṣaṇānyupadekṣyāmaḥ

Nun wollen wir die Kennzeichen der ungestörten Jahreszeiten darlegen.

vāyurvātyuttaraḥ śīto rajodhūmākulā diśaḥ channastuṣāraiḥ savitā himānaddhā jalāśayāḥ

Ein kalter Nordwind weht, die Himmelsrichtungen sind von Staub und Rauch verhangen, die Sonne ist von Reif verschleiert, die Gewässer sind von Eis bedeckt.

darpitā dhvāṅkṣakhaṅgāhvamahiṣorabhrakuñjarāḥ rodhrapriyaṅgupunnāgāḥ puṣpitā himasāhvaye

Krähen, Nashörner, Büffel, Widder und Elefanten sind mutwillig; *rodhra*-, *priyaṅgu*- und *punnāga*-Bäume stehen in Blüte — dies im Winter (*hemanta*).

śiśire śītamadhikaṃ vātavṛṣṭyākulā diśaḥ śeṣaṃ hemantavat sarvaṃ vijñeyaṃ lakṣaṇaṃ budhaiḥ

In der Kühlzeit (*śiśira*) ist die Kälte noch stärker, die Himmelsrichtungen sind von Wind und Regen aufgewühlt; alle übrigen Kennzeichen sollen die Kundigen wie beim Winter erkennen.

siddhavidyādharavadhūcaraṇālaktakāṅkite malaye candanalatāpariṣvaṅgādhivāsite

Über den Malaya-Berg weht er, gezeichnet vom roten Lack an den Füßen der Frauen der Siddhas und Vidyādharas, geschwängert vom Duft der Umschlingung der Sandelholzranken —

vāti kāmijanānandajanano'naṅgadīpanaḥ dampatyormānabhiduro vasante dakṣiṇo'nilaḥ

— so weht im Frühling der Südwind, der den Verliebten Freude bereitet, das Liebesverlangen entfacht und den Stolz der Eheleute gegeneinander bricht.

diśo vasante vimalāḥ kānanairupaśobhitāḥ kiṃśukāmbhojabakulacūtāśokādipuṣpitaiḥ

Im Frühling sind die Himmelsrichtungen klar und geschmückt durch Wälder, die von *kiṃśuka*-, Lotos-, *bakula*-, Mango- und *aśoka*-Blüten und anderen prangen.

kokilāṣaṭpadagaṇairupagītā manoharāḥ dakṣiṇānilasaṃvītāḥ sumukhāḥ pallavojjvalāḥ

Sie sind von Kuckucksscharen und Bienenschwärmen besungen, bezaubernd, vom Südwind umweht, heiter und leuchtend von jungen Blättern.

grīṣme tīkṣṇāṃśurādityo māruto nairṛto'sukhaḥ bhūstaptā saritastanvyo diśaḥ prajvalitā iva

Im Sommer hat die Sonne scharfe Strahlen, der Wind kommt aus Südwesten und ist unangenehm, die Erde ist versengt, die Flüsse sind schmal geworden, und die Himmelsrichtungen scheinen wie in Flammen zu stehen.

bhrāntacakrāhvayugalāḥ payaḥpānākulā mṛgāḥ dhvastavīruttṛṇalatā viparṇāṅkitapādapāḥ

Die Paare der *cakravāka*-Vögel irren umher, die Tiere sind ganz auf das Trinken von Wasser bedacht, die Kräuter, Gräser und Ranken sind verdorrt, und die Bäume stehen entblättert da.

prāvṛṣyambaramānaddhaṃ paścimānilakarṣitaiḥ ambudairvidyududdyotaprasrutaistumulasvanaiḥ

In der Vorregenzeit ist der Himmel verhangen mit Wolken, die der Westwind heranträgt, die von Blitzen erhellt werden, Regen ergießen und mit lautem Tosen dröhnen.

komalaśyāmaśaṣpāḍhyā śakragopojjvalā mahī kadambanīpakuṭajasarjaketakibhūṣitā

Die Erde ist reich an zartem, dunkelgrünem Gras, glänzend von den roten *śakragopa*-Käfern und geschmückt mit *kadamba*-, *nīpa*-, *kuṭaja*-, *sarja*- und *ketakī*-Bäumen.

tatra varṣāsu nadyo'mbhaśchannokhātataṭadrumāḥ vāpyaḥ protphullakumudanīlotpalavirājitāḥ

In der Regenzeit sind die Flüsse voller Wasser, ihre unterspülten Ufer von Bäumen bestanden, und die Teiche prangen von aufgeblühten weißen und blauen Lotosblumen.

bhūravyaktasthalaśvabhrā bahuśasyopaśobhitā nātigarjatsravanmeghaniruddhārkagrahaṃ nabhaḥ

Die Erde, auf der Hügel und Vertiefungen nicht mehr zu unterscheiden sind, ist geschmückt mit reichem Getreide; der Himmel ist von leise donnernden, regenden Wolken verhangen, die die Bahn von Sonne und Planeten verdecken.

babhruruṣṇaḥ śaradyarkaḥ śvetābhravimalaṃ nabhaḥ tathā sarāṃsyamburuhairbhānti haṃsāṃsaghaṭṭitaiḥ

Im Herbst ist die Sonne rötlich-braun und heiß, der Himmel klar mit weißen Wolken; die Seen erstrahlen von Lotosblumen, die von den Flügeln der Wildgänse (*haṃsa*) berührt werden.

paṅkaśuṣkadrumākīrṇā nimnonnatasameṣu bhūḥ vāṇasaptāhvabandhūkakāśāsanavirājitā

Die Erde ist übersät von trocknendem Schlamm, an flachen wie unebenen Stellen gleichermaßen; sie prangt von *vāṇa*-, *saptāhva*-, *bandhūka*-, *kāśa*- und *asana*-Pflanzen.

svaguṇairatiyukteṣu viparīteṣu vā punaḥ viṣameṣvapi vā doṣāḥ kupyantyṛtuṣu dehinām

Wenn die Jahreszeiten mit ihren jeweiligen Eigenschaften übermäßig ausgeprägt sind, oder ihnen entgegengesetzt verlaufen, oder ungleichmäßig sind, geraten die *doṣa*s der Lebewesen in Erregung.

haredvasante śleṣmāṇaṃ pittaṃ śaradi nirharet varṣāsu śamayedvāyuṃ prāgvikārasamucchrayāt

Im Frühling soll man den *kapha* ausleiten, im Herbst das *pitta* ausleiten, in der Regenzeit den *vāta* beruhigen — noch bevor sich die Erkrankung voll entfaltet.

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