Quellen der Menschheit

Suśruta-Saṃhitā · Sutrasthana

Adhyāya 32: svabhāvavipratipattir Widernatürliche Veränderungen des Körpers

Das zweiunddreißigste Kapitel führt die Reihe der Todeszeichen-Kapitel fort und behandelt die „widernatürliche Veränderung“ (svabhāvavipratipatti) körperlicher Eigenschaften: Verkehrt sich eine natürliche Beschaffenheit in ihr Gegenteil – wird Weißes schwarz, Festes weich, Bewegliches unbeweglich –, so gilt dies als Todeszeichen. In zwei sehr umfangreichen, listenartigen Versen werden unzählige solcher Anzeichen aufgezählt: von wandernden oder verschwindenden Körperteilen über ungewöhnliche Schweißbildung, Staub auf dem Scheitel, sich nähernde Vögel und astrologisch ungünstige Planetenkonstellationen bis zu Verhaltensauffälligkeiten wie sinnlosem Zerschlagen von Erdklumpen. Abschließende Verse benennen zwei weitere Warnzeichen: eine Krankheit, die trotz sachgemäßer Behandlung fortschreitet, und eine schwere Erkrankung, die plötzlich von selbst zurückweicht, ohne dass die Nahrung noch wirkt. Der Schlussvers betont, dass die sichere Unterscheidung heilbarer von unheilbaren Fällen dem Arzt Ansehen selbst am Königshof verschafft.

athātaḥ svabhāvavipratipattimadhyāyaṃ vyākhyāsyāmaḥ

Nun wollen wir das Kapitel über die widernatürlichen Veränderungen (*svabhāvavipratipatti*) körperlicher Eigenschaften erläutern.

yathovāca bhagavān dhanvantariḥ

So sprach der erhabene Dhanvantari:

svabhāvasiddhānāṃ śarīraikadeśānāmanyabhāvitvaṃ maraṇāya tadyathāśuklānāṃ kṛ-ṣṇatvaṃ kṛṣṇānāṃ śuklatā raktānāmanyavarṇatvaṃ sthirāṇāṃ mṛdutvaṃ mṛdūnāṃ sthiratā calānāmacalatvam acalānāṃ calatā pṛthūnāṃ saṃkṣiptatvaṃ saṃkṣiptānāṃ pṛthutā dīrghāṇāṃ hrasvatvaṃ hrasvānāṃ dīrghatā apatanadharmiṇāṃ patanadharmitvaṃ patanadharmi-ṇāmapatanadharmitvamakasmāt śaityauṣṇyasnaigdhyaraukṣyaprastambhavaivarṇyāvasādanaṃ cāṅgānām

Wenn sich naturgegebene Eigenschaften einzelner Körperteile ins Gegenteil verkehren, bedeutet dies den Tod – so etwa wenn Weißes schwarz wird, Schwarzes weiß, Rotes eine andere Farbe annimmt, Festes weich wird, Weiches fest, Bewegliches unbeweglich, Unbewegliches beweglich, Breites schmal, Schmales breit, Langes kurz, Kurzes lang, wenn das, was normalerweise nicht herabfällt, herabzufallen beginnt, oder das, was fällt, zu fallen aufhört, sowie wenn Glieder plötzlich, ohne ersichtlichen Grund, Kälte, Hitze, Öligkeit, Rauheit, Erstarrung, Verfärbung oder Erschlaffung zeigen.

svebhyaḥ sthānebhyaḥ śarīraikadeśānāmavastrastotkṣiptabhrāntāvakṣiptapatitavimuktanirgatāntargatagurulaghutvāni pravālavarṇavyaṅgaprādurbhāvo vā'pyakasmātsirāṇāṃ ca darśanaṃ lalāṭe nāsāvaṃśe vā piḍakotpattiḥ lalāṭe vā prabhātakāle svedaḥ netrarogādvinā vā'śrupravṛttiḥ gomayacūrṇaprakāśasya vā rajaso darśanamuttamāṅge nilayanaṃ vā kapotakaṅkakākaprabhṛtīnāṃ mūtrapurīṣavṛddhirabhuñjānānāṃ tatpraṇāśo vā bhuñjānānāṃ stanamūlahṛdayoraḥsu ca śūlotpattayaḥ madhye śūnatvamanteṣu parimlāyitvaṃ viparyayo vā tathā'rdhāṅge śvayathuḥ śoṣo'ṅgapakṣayorvā naṣṭahīnavika-lavikṛtasvaratā vā vivarṇapuṣpaprādurbhāvo vā dantamukhanakhaśarīreṣu yasya vā-'psu kaphapurīṣaretāṃsi nimajjanti yasya vā dṛṣṭimaṇḍale bhinnavikṛtāni rū-pāṇyālokyante snehābhyaktakeśāṅga iva yo bhāti yaśca durbalo bhaktadveṣātisā-rābhyāṃ pīḍyate kāsamānaśca tṛṣṇābhibhūtaḥ kṣīṇaśchardibhaktadveṣayuktaḥ saphenapūyarudhirodvāmī hatasvaraḥ śūlābhipannaśca manuṣyaḥ śūnakaracaraṇavadanaḥ kṣīṇo-'nnadveṣī srastapiṇḍikāṃsapāṇipādo jvarakāsābhibhūtaḥ yastu pūrvāhṇe bhuktamapa-rāhṇe chardayatyavidagdhamatisāryate vā sa śvāsānmriyate bastavadvilapan yaśca bhū-mau patati srastamuṣkaḥ stabdhameḍhro bhagnagrīvaḥ pranaṣṭamehanaśca manuṣyaḥ prāgviśuṣyamāṇāhṛdaya ārdraśarīraḥ yaśca loṣṭaṃ loṣṭenābhihanti kāṣṭhaṃ kāṣṭhena tṛṇāni vā chinatti adharoṣṭhaṃ daśati uttaroṣṭhaṃ vā leḍhi āluñcati vā karṇau keśāṃśca devadvijagurusuhṛdvaidyāṃśca dveṣṭi yasya vakrānuvakragā grahā garhitasthānagatāḥ pī-ḍayanti janmarkṣaṃ vā yasyolkāśanibhyāmabhihanyate horā vā gṛhadāraśayanāsanayānavāhanamaṇiratnopakaraṇagarhitalakṣaṇanimittaprādurbhāvo veti

Wenn sich einzelne Körperteile aus ihrer angestammten Lage herabsenken, emporheben, wandern, herabgeworfen erscheinen, fallen, sich lösen, hervortreten oder einsinken, wenn sie ungewöhnlich schwer oder leicht werden; wenn plötzlich eine korallenfarbene Fehlfärbung auftritt oder sonst ungewöhnlich die Venen (*sirā*) hervortreten; wenn an Stirn oder Nasenrücken Pusteln entstehen; wenn morgens auf der Stirn Schweiß auftritt; wenn ohne Augenkrankheit Tränen fließen; wenn auf dem Scheitel ein Staub wie feines Kuhmist-Pulver zu sehen ist oder sich dort Tauben, Reiher, Krähen und ähnliche Vögel niederlassen wollen; wenn bei einem, der nicht isst, Urin und Kot sich vermehren, oder bei einem, der isst, diese ausbleiben; wenn an der Brustwurzel, am Herzen und an der Brust stechende Schmerzen entstehen; wenn die Körpermitte anschwillt und die Extremitäten welk werden, oder umgekehrt; ebenso wenn der Unterleib anschwillt, die Glieder abmagern oder schwinden, wenn die Stimme verlorengeht, sich vermindert, verstümmelt oder verändert klingt; wenn an Zähnen, Mund, Nägeln und Körper verfärbte, blütenartige Ausschläge erscheinen; wenn bei jemandem *kapha* (das Schleim-Prinzip), Kot und Samen im Wasser untersinken; wenn in der Pupille zerrissene, entstellte Formen zu erblicken sind; wenn jemand aussieht, als wären Haar und Körper mit Öl eingerieben, obwohl dem nicht so ist; oder wenn jemand geschwächt ist, von Speiseabscheu und Durchfall geplagt wird, hustet und von Durst überwältigt ist, abgezehrt, von Erbrechen und Speiseabscheu befallen ist, schaumiges, mit Eiter und Blut vermischtes Erbrochenes von sich gibt, dessen Stimme gebrochen ist und der von Schmerzen befallen wird; ein Mensch mit geschwollenen Händen, Füßen und Gesicht, abgezehrt, speiseabgeneigt, mit erschlafften Waden, Schultern, Händen und Füßen, von Fieber und Husten überwältigt; wer, was er vormittags gegessen hat, nachmittags unverdaut erbricht oder als Durchfall ausscheidet, der stirbt unter Atemnot wie eine klagende Ziege; wer mit erschlafftem Hodensack, starrem Glied, gebrochenem Nacken und versiegtem Harn zu Boden stürzt, dessen Herz schon vorher zu welken begann, während der Körper noch feucht ist; wer eine Erdscholle mit einer Erdscholle bewirft, Holz mit Holz schlägt oder Gras ohne Grund zerschneidet, sich auf die Unterlippe beißt oder die Oberlippe beleckt, an den Ohren oder Haaren zupft, wer Götter, Brahmanen, Lehrer, Freunde und Ärzte hasst; bei wem die Planeten (*graha*) auf krummen und gegenläufigen Bahnen in verworfenen Stellungen stehen und das Geburtsgestirn bedrängen, oder bei wem ein Meteor zusammen mit dem Saturn auf das Horoskop (*horā*) einwirkt, oder wenn sich an Haus, Ehefrau, Bett, Sitz, Fahrzeug, Reittier, Schmuckstücken, Edelsteinen oder Gerätschaften ein verwerfliches, unheilverkündendes Vorzeichen zeigt – all dies sind Todeszeichen.

bhavanti cātra cikitsyamānaḥ samyak ca vikāro yo'bhivardhate prakṣīṇabalamāṃsasya lakṣaṇaṃ tadgatāyuṣaḥ

Dazu gibt es folgende Verse: Wenn eine Erkrankung trotz sachgemäßer Behandlung dennoch fortschreitet, während Kraft und Muskelfleisch des Patienten schwinden, so ist dies ein Zeichen dafür, dass sein Leben zu Ende geht.

nivartate mahāvyādhiḥ sahasā yasya dehinaḥ na cāhāraphalaṃ yasya dṛśyate sa vinaśyati

Wessen schwere Erkrankung plötzlich von selbst zurückweicht, bei dem aber keine Wirkung der aufgenommenen Nahrung zu erkennen ist, der geht zugrunde.

etānyariṣṭarūpāṇi samyag budhyeta yo bhiṣak sādhyāsādhyaparīkṣāyāṃ sa rājñaḥ saṃmato bhavet

Der Arzt, der diese Todeszeichen (*ariṣṭa*) richtig zu erkennen versteht und dadurch heilbare von unheilbaren Fällen zu unterscheiden weiß, genießt Ansehen selbst bei einem König.

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