athāto'ṣṭavidhaśastrakarmīyamadhyāyaṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun wollen wir das Kapitel über die achtfache Messerarbeit (die acht chirurgischen Verfahren) erklären.
Suśruta-Saṃhitā · Sutrasthana
Das fünfundzwanzigste Kapitel, „Über die achtfache Messerarbeit“ (*aṣṭavidhaśastrakarma*), ordnet nun im Detail zahlreiche konkrete Krankheiten den acht chirurgischen Grundverrichtungen zu: Zu schneiden sind etwa Analfistel (*bhagandara*) und Hämorrhoiden, zu spalten Abszesse und Ödeme, zu schaben die Weißfleckenkrankheit (*kilāsa*), zu punktieren Venen und Wassersucht, zu extrahieren Harngries und ein toter Fötus, zu nähen frische, unkomplizierte Wunden. Ausführlich beschrieben werden Nahttechniken, drei Nadelformen für unterschiedliche Körperregionen sowie vier grundlegende Fehler des Eingriffs – zu wenig, zu viel, schräg oder gar am eigenen Körper geschnitten –, gefolgt von den Symptomen bei Verletzung von Sehnen, Gelenken und Knochen und einer eindringlichen Warnung vor unfähigen Ärzten, die wie „mit Gift versehene Menschen“ zu meiden seien. Der Arzt wird ermahnt, den Patienten, der sich ihm völlig ausliefert, wie den eigenen Sohn zu behüten.
| Verfahren | Beispielhafte Anwendungen |
|---|---|
| Schneiden (chedya) | Analfistel, Knoten, Muttermale, Wundwucherungen, Tumoren, Hämorrhoiden, Hautwarzen |
| Spalten (bhedya) | Abszesse, Ödeme, Wanderröte-Schwellungen, Fisteln, kleinere Krankheiten |
| Schaben (lekhya) | rohiṇī, Weißfleckenkrankheit (kilāsa), Zäpfchenleiden, Zahnfleischwucherung |
| Punktieren (vedhya) | Venen, Harnretention, Wassersucht des Bauches, Fisteln mit Fremdkörper |
| Extrahieren (āhārya) | Harngries, Zahn-, Ohr- und Blasensteine, Fremdkörper, toter Fetus |
| Entleeren (srāvya) | Abszesse, Hautkrankheiten, Elephantiasis, Tumoren, Wanderröte |
| Nähen (sīvya) | fettbedingte Wunden sowie frische, unkomplizierte Wunden (sadyovraṇa) |
athāto'ṣṭavidhaśastrakarmīyamadhyāyaṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun wollen wir das Kapitel über die achtfache Messerarbeit (die acht chirurgischen Verfahren) erklären.
yathovāca bhagavān dhanvantariḥ
So wie es der erhabene Dhanvantari gesagt hat.
chedyā bhagandarā granthiḥ ślaiṣmikastilakālakaḥ vraṇavartmārbudānyarśaścarmakīlo'sthimāṃsagam
Zu schneiden (*chedya*, das zu Schneidende) sind: die Analfistel (*bhagandara*, die Analfistel), Knoten (*granthi*, der Knoten), der schleimbedingte Knoten, Muttermal und schwarzer Fleck, Wundwucherung an den Augenlidern, Tumoren, Hämorrhoiden, Hautwarzen sowie das, was an Knochen oder Fleisch haftet;
śalyaṃ jatumaṇirmāṃsasaṃghāto galaśuṇḍikā snāyumāṃsasirākotho valmīkaṃ śataponakaḥ
ferner ein Fremdkörper, ein gummiartiger Knoten, eine Fleischverwachsung, die Rachenmandelgeschwulst, Sehnen-Fleisch-Venen-Fäulnis, der Ameisenhügel-Tumor (*valmīka*) und die vielwurzelige Fistel (*śataponaka*);
adhruṣaścopadaṃśāśca māṃsakandyadhimāṃsakaḥ bhedyā vidra dhayo'nyatra sarvajādgranthayastrayaḥ
auch *adhruṣa* und *upadaṃśa* (Geschwürsarten), Fleischknollen und überschüssiges Fleisch – all dies gehört zum Schneiden. Zu spalten (*bhedya*, das zu Spaltende) sind Abszesse, außer den zugleich in allen Geweben entstandenen, sowie die drei Arten von Knoten.
ādito ye visarpāśca vṛddhayaḥ savidārikāḥ pramehapiḍakāḥ śophaḥ stanarogo'vamanthakaḥ
Von Anfang an gehören dazu: Wanderröte, Anschwellungen zusammen mit *vidārikā* (einem Geschwürleiden), Pusteln bei *prameha*, Ödeme, Brustkrankheiten und *avamanthaka* (ein bestimmtes Geschwür);
kumbhīkā'nuśayī nāḍyo vṛndau puṣkarikā'lajī prāyaśaḥ kṣudra rogāśca puppuṭau tāludantajau
*kumbhīkā*, *anuśayī*, Fisteln (*nāḍī*), *vṛnda* (die Doppelgeschwulst), *puṣkarikā*, *alajī*, meist auch die kleineren Krankheiten (*kṣudraroga*) sowie *puppuṭa* an Gaumen und Zahn;
tuṇḍikerī gilāyuśca pūrvaṃ ye ca prapākiṇaḥ bastistathā'śmarīhetormedojā ye ca kecana
*tuṇḍikerī* und *gilāyu*, ferner alle vorher genannten, wenn sie zu eitern beginnen, ebenso die Harnblase bei durch Blasenstein verursachten Zuständen und alle fettbedingten Geschwülste – all dies gehört zum Spalten.
lekhyāścatasro rohiṇyaḥ kilāsamupajihvikā medojo dantavaidarbho granthirvartmādhijihvikā
Zu schaben (*lekhya*, das zu Schabende) sind: die vier Arten von *rohiṇī* (einer Halskrankheit), die Weißfleckenkrankheit (*kilāsa*), das Zäpfchenleiden, die fettbedingte Zahnfleischwucherung, Knoten sowie Augenlid- und Zungenwucherung;
arśāṃsi maṇḍalaṃ māṃsakandī māṃsonnatistathā vedhyāḥ sirā bahuvidhā mūtravṛddhirdakodaram
Hämorrhoiden, ringförmige Hautflecken, Fleischknollen und Fleischwucherung ebenso – zu punktieren (*vedhya*, das zu Punktierende) sind die vielerlei Venen, Harnretention und Wassersucht des Bauches;
eṣyā nāḍyaḥ saśalyāśca vraṇā unmārgiṇaśca ye āhāryāḥ śarkarāstisro dantakarṇamalo'śmarī
die zuvor genannten Fisteln mitsamt einem Fremdkörper und Wunden mit falschem Verlauf – all dies gehört zum Punktieren. Zu extrahieren (*āhārya*, das zu Entfernende) sind: die drei Arten von Harngries, Zahn-, Ohr- und Schmutzsteine, Blasensteine,
śalyāni mūḍhagarbhāśca varcaśca nicitaṃ gude srāvyā vidra dhayaḥ pañca bhaveyuḥ sarvajādṛte
Fremdkörper, ein toter Fetus im Mutterleib und im After festsitzender Kot – all dies gehört zum Extrahieren. Zu entleeren (*srāvya*, das zum Ausfließenbringende) sind fünf Arten von Abszessen, außer den zugleich in allen Geweben entstandenen;
kuṣṭhāni vāyuḥ sarujaḥ śopho yaścaikadeśajaḥ pālyāmayāḥ ślīpadāni viṣajuṣṭaṃ ca śoṇitam
Hautkrankheiten, schmerzhafter Wind, eine örtlich begrenzte Ödembildung, Nagelbett-Erkrankungen, Elephantiasis (*ślīpada*) und vergiftetes Blut;
arbudāni visarpāśca granthayaścāditaśca te trayastrayaścopadaṃśāḥ stanarogā vidārikā
Tumoren, Wanderröte, die von Anfang an genannten drei Arten von Knoten sowie drei Arten von *upadaṃśa*, Brustkrankheiten und *vidārikā*;
suṣiro galaśālūkaṃ kaṇṭakāḥ kṛmidantakaḥ dentaveṣṭaḥ sopakuśaḥ śītādo dantapuppuṭaḥ
eine Hohlraumbildung, die Rachenmandelgeschwulst, Dornwarzen, der von Mikroorganismen befallene Zahn (*kṛmidantaka*), Zahnfleischwucherung mit Begleitwucherung, kälteempfindliche Zähne und Zahnfleischgeschwulst;
pittāsṛkkaphajāścauṣṭhyāḥ kṣudra rogāśca bhūyaśaḥ sīvyā medaḥsamutthāśca bhinnāḥ sulikhitā gadāḥ
die durch Galle, Blut oder Schleim bedingten Lippenleiden und wiederum die kleineren Krankheiten – all dies gehört zum Entleeren. Zu nähen (*sīvya*, das zu Nähende) sind fettbedingte Wunden und solche, die gespalten oder ordentlich geschabt wurden,
sadyovraṇāśca ye caiva calasandhivyapāśritāḥ na kṣārāgniviṣairjuṣṭā na ca mārutavāhinaḥ
ferner frische Wunden (*sadyovraṇa*), sofern sie nicht an einem beweglichen Gelenk liegen, nicht mit Ätzmittel (*kṣāra*, das Ätzmittel), Feuer oder Gift behandelt wurden und keinen Windkanal führen,
nāntarlohitaśalyāśca teṣu samyagviśodhanam pāṃśuromanakhādīni calamasthi bhavecca yat
und keinen inneren blutigen Fremdkörper enthalten – bei diesen ist eine gründliche Reinigung angezeigt. Staub, Haare, Nägel und dergleichen sowie lose Knochensplitter,
ahṛtāni yato'mūni pācayeyurbhṛśaṃ vraṇam rujaśca vividhāḥ kuryustasmādetān viśodhayet
die, wenn man sie nicht entfernt, die Wunde heftig eitern lassen und mancherlei Schmerzen verursachen würden, müssen deshalb gründlich entfernt werden.
tato vraṇaṃ samunnamya sthāpayitvā yathāsthitam sīvyet sūkṣmeṇa sūtreṇa valkenāśmantakasya vā
Danach richte man die Wundränder auf, halte sie in ihrer ursprünglichen Lage fest und nähe sie mit feinem Faden, mit der Rinde des *aśmantaka*-Baumes,
śaṇajakṣaumasūtrābhyāṃ snāyvā bālena vā punaḥ mūrvāguḍūcītānairvā sīvyedvellitakaṃ śanaiḥ
mit Hanf-, Leinen- oder Baumwollfaden, mit Sehnenfaden oder Haarfaden, mit Fasern von *mūrvā* oder *guḍūcī*; man nähe langsam mit der gewundenen Naht (*vellitaka*),
sīvyedgophaṇikāṃ vā'pi sīvyedvā tunnasevanīm ṛjugranthimatho vā'pi yathāyogamathāpi vā
oder mit der Schuster-Naht, oder mit der durchbohrten Dammnaht-Naht, oder mit dem geraden Knoten, je nach Erfordernis oder Gegebenheit.
deśe'lpamāṃse sandhau ca sūcī vṛttāṅguladvayam āyatā tryaṅgulā tryasrā māṃsale cā'pi pūjitā
An Stellen mit wenig Fleisch und an Gelenken sei die Nadel rund, zwei Finger lang; für weiter reichende Nähte sei sie dreieckig, drei Finger lang – im fleischigen Bereich ist diese Form am besten geeignet;
dhanurvakrā hitā marmaphalakośodaropari itayetāstrividhāḥ sūcīstīkṣṇāgrāḥ susamāhitāḥ
eine bogenförmig gekrümmte eignet sich für vitale Punkte, Wangenpartien und Bauchdecke – so gibt es drei Arten von Nadeln, alle scharfspitzig und sorgfältig gearbeitet.
kārayenmālatīpuṣpavṛntāgraparimaṇḍalāḥ nātidūre nikṛṣṭe vā sūcīṃ karmaṇi pātayet
Man lasse sie wie die Spitze eines Jasminblütenstiels rundlich zulaufen; man führe die Nadel weder zu weit entfernt noch zu nahe an der Wunde ein;
dūrādrujo vraṇauṣṭhasya sannikṛṣṭe'valuñcanam
sticht man zu weit entfernt, schmerzt es die Wundränder; sticht man zu nahe, reißt die Naht aus.
atha kṣaumapicucchannaṃ susyūtaṃ pratisārayet priyaṅgvañjanayaṣṭyāhvarodhracūrṇaiḥ samantataḥ
Danach bedecke man die Wunde mit gut vernähter Baumwollwatte und bestreue sie ringsum mit den Pulvern von *priyaṅgu*, *añjana*, Süßholz und *lodhra*-Rinde,
śallakīphalacūrṇairvā kṣaumadhyāmena vā punaḥ tato vraṇaṃ yathāyogaṃ baddhvā'cārikamādiśet
oder mit dem Pulver der *śallakī*-Frucht, oder mit reiner Baumwolle; danach verbinde man die Wunde in gebührender Weise und weise die Nachsorge (*ācārika*, die Verhaltensregeln des Kranken) an.
etadaṣṭavidhaṃ karma samāsena prakīrtitam cikitsiteṣu kārtsnyena vistarastasya vakṣyate
Diese achtfache Arbeit ist hiermit in Kürze dargelegt; die ausführliche Darstellung erfolgt im Abschnitt über die Behandlung.
hīnātiriktaṃ tiryak ca gātracchedanamātmanaḥ etāścatasro'ṣṭavidhe karmaṇi vyāpadaḥ smṛtāḥ
Zu wenig, zu viel, schräg geführtes und dem eigenen Körper des Arztes selbst zugefügtes Schneiden von Körperteilen – dies sind die vier Fehler, die bei der achtfachen Arbeit überliefert sind.
ajñānalobhāhitavākyayoga bhayapramohairaparaiśca bhāvaiḥ yadā prayuñjīta bhiṣak kuśastraṃ tadā sa śeṣān kurute vikārān
Wenn ein Arzt aus Unwissenheit, Habgier, aus schädlicher Beeinflussung, aus Ehrgeiz, aus Furcht, aus Verwirrung oder aus anderen Beweggründen ein untaugliches Messer einsetzt, dann verursacht er die übrigen genannten Fehler.
taṃ kṣāraśastrāgnibhirauṣadhaiśca bhūyo'bhiyuñjānamayuktiyuktam jijīviṣurdūrata eva vaidyaṃvivarjayedugraviṣāhitulyam
Wer das Leben schätzt, meide von vornherein weit einen solchen Arzt, der unsachgemäß handelt und dennoch immer wieder Ätzmittel, Messer, Feuer und Heilmittel anwendet – wie einen mit schrecklichem Gift versehenen Menschen.
tadeva yuktaṃ tvati marmasandhīn hiṃsyāt sirāḥ snāyumathāsthi caiva mūrkhaprayuktaṃ puruṣaṃ kṣaṇena prāṇairviyuñjyādathavā kadācit
Nur der sachkundig eingesetzte Eingriff ist recht; ein von einem Toren angewandter kann vitale Punkte, Gelenke, Venen, Sehnen und sogar Knochen verletzen und den Menschen im Nu, ja bisweilen sogar sofort, um sein Leben bringen.
bhramaḥ pralāpaḥ patanaṃ pramoho viceṣṭanaṃ saṃlayanoṣṇate ca srastāṅgatā mūrcchanamūrdhvavātastīvrā rujo vātakṛtāśca tāstāḥ
Schwindel, Delirium, Hinstürzen, Ohnmacht, unkontrollierte Bewegungen, Erstarren, Hitzegefühl, Erschlaffung der Glieder, Bewusstlosigkeit, aufsteigender Wind und heftige, durch den Wind-Doṣa bedingte Schmerzen verschiedenster Art können die Folge sein.
māṃsodakābhaṃ rudhiraṃ ca gacchet sarvendri yārthoparamastathaiva daśārdhasaṃkhyeṣvapi vikṣateṣu sāmānyato marmasu liṅgamuktam
Es kann fleischwasserfarbiges Blut abgehen und ein völliger Ausfall aller Sinnesfunktionen eintreten; bei Verletzungen an den zehneinhalb Gruppen vitaler Punkte sind die Zeichen allgemein dargelegt.
surendra gopapratimaṃ prabhūtaṃ raktaṃ sravedvai kṣatataśca vāyuḥ karoti rogān vividhān yathoktāṃśchinnāsu bhinnāsvathavā sirāsu
Reichlich Blut, dem leuchtend roten Indragopa-Käfer gleich, kann fließen, und der durch die Verletzung entfesselte Wind verursacht die verschiedenen, bereits genannten Krankheiten, wenn Venen durchtrennt oder gespalten werden.
kaubjyaṃ śarīrāvayavāvasādaḥ kriyāsvaśaktistumulā rujaśca cirādvraṇo rohati yasya cāpi taṃ snāyuviddhaṃ manujaṃ vyavasyet
Buckelbildung, Verkümmerung von Körperteilen, Unfähigkeit zu gewohnten Verrichtungen und heftige Schmerzen – und wessen Wunde nur langsam heilt, den erkenne man als einen, dessen Sehne verletzt wurde.
śophātivṛddhistumulā rujaścabalakṣayaḥ parvasu bhedaśophau kṣateṣu sandhiṣvacalācaleṣu syāt sandhikarmoparatiśca liṅgam
Übermäßiges Anschwellen, heftiger Schmerz, Kraftverlust, Bruch und Schwellung an den Gelenken, an beweglichen wie unbeweglichen Gelenken bei Verletzungen, sowie das Erlöschen der Gelenkfunktion sind die Zeichen einer Gelenkverletzung.
ghorā rujo yasya niśādineṣu sarvāsvavasthāsu na śāntirasti tṛṣṇā'ṅgasādau śvayathuśca ruk ca tamasthividdhaṃ manujaṃ vyavasyet
Wessen Schmerzen Tag und Nacht in allen Zuständen furchtbar bleiben und niemals Ruhe geben, verbunden mit Durst, Erschlaffung der Glieder, Schwellung und Schmerz – den erkenne man als einen, dessen Knochen (*asthi*, der Knochen) verletzt wurde.
yathāsvametāni vibhāvayecca liṅgāni marmasvabhitāḍiteṣu sparśaṃ na jānāti vipāṇḍuvarṇo yo māṃsamarmaṇyabhitāḍitaḥ syāt
Diese Zeichen erkenne man je nach Art bei den betroffenen vitalen Punkten selbst; wer an einem fleischbezogenen vitalen Punkt getroffen wurde, kennt keine Berührungsempfindung mehr und wird bleich.
ātmānamevātha jaghanyakārī śastreṇa yo hanti hi karma kurvan tamātmavānātmahanaṃ kuvaidyaṃ vivarjayedāyurabhīpsamānaḥ
Wer Übles tut und, während er den Eingriff ausführt, mit dem Messer den Patienten wie sich selbst zugrunde richtet – einen solchen selbstschädigenden schlechten Arzt meide, wer nach einem langen Leben strebt, mit Bedacht.
tiryakpraṇihite śastre doṣāḥ pūrvamudāhṛtāḥ tasmāt pariharan doṣān kuryācchastranipātanam
Bei schräg angesetztem Messer entstehen die zuvor genannten Fehler; deshalb vermeide man diese Fehler und führe den Messerschnitt erst dann aus.
mātaraṃ pitaraṃ putrān bāndhavānapi cāturaḥ apyetānabhiśaṅketa vaidye viśvāsameti ca
Der Kranke könnte selbst seine Mutter, seinen Vater, seine Söhne und seine Verwandten verdächtigen –
visṛjatyātmanā'tmānaṃ na cainaṃ pariśaṅkate tasmāt putravadevainaṃ pālayedāturaṃ bhiṣak
denn er gibt sich selbst gänzlich in fremde Hände und hegt dennoch keinen Argwohn gegen den Arzt; deshalb behüte der Arzt den Kranken wie den eigenen Sohn.
dharmārthau kīrtimityarthaṃ satāṃ grahaṇamuttamam prāpnuyāt svargavāsaṃ ca hitamārabhya karmaṇā
Rechtschaffenheit (*dharma*), Wohlstand (*artha*) und Ruhm, die Anerkennung der Guten als höchstes Gut sowie den Aufenthalt im Himmel erlangt der Arzt, wenn er heilsames Handeln beginnt.
karmaṇā kaścidekena dvābhyāṃ kaścittribhistathā vikāraḥ sādhyate kaściccaturbhirapi karmabhiḥ
Manche Krankheit wird durch eine einzige der acht Verfahrensweisen geheilt, manche durch zwei, manche durch drei, und manche sogar durch vier zugleich angewandte Verfahren.