athāto vraṇālepanabandhavidhimadhyāyaṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun wollen wir das Kapitel über die Methode der Salbenauflage und Verbandanlegung bei der *vraṇa* (der Wunde) erklären.
Suśruta-Saṃhitā · Sutrasthana
Das achtzehnte Kapitel, „Über die Methode der Salbenauflage und Verbandanlegung bei der Wunde“ (*vraṇālepanabandhavidhi*), unterscheidet drei Arten von Salbenauflagen – die dünne, kühlende *pralepa*, die dicke, wärmende *pradeha* und die mittlere *ālepa* – mit genauen Regeln zu Fettanteil, Auftragrichtung und Tageszeit je nach beteiligtem *doṣa*. Den zweiten Schwerpunkt bildet der Verband: Vierzehn benannte Verbandarten wie Beutel-, Kreuz- oder Baldachinverband werden bestimmten Körperregionen zugeordnet, dazu drei Grade der Bindefestigkeit (fest, mittel, locker), die je nach *doṣa* und Jahreszeit variieren. Genau beschrieben werden auch die Fehler falscher Verbandtechnik – zu festes oder zu lockeres Binden – sowie die Wundtypen, die überhaupt nicht verbunden werden dürfen, etwa stark eiternde oder mit Ätzmittel behandelte Wunden.
| Verband | Körperregion |
|---|---|
| Kośa (Beutelverband) | Daumen, Fingerglieder |
| Dāma (Bandverband) | schmale Körperstellen |
| Svastika (Kreuzverband) | Gelenke, Handballen, Augenbrauen, Brustzwischenraum, Handfläche, Ohr |
| Anuvellita (Wickelverband) | Gliedmaßen |
| Uprita (Umlegeverband) | Hals, Penis |
| Maṇḍala (Ringverband) | runde Körperteile |
| Sthagikā (Deckelverband) | Daumen, Finger, Penisspitze |
| Yamaka (Doppelverband) | zwei zusammengehörige Wunden |
| Khaṭvā (Bettgestell-Verband) | Kiefer, Schläfe, Wange |
| Cīna (chinesischer Verband) | Augenwinkel |
| Vibandha (Bindeverband) | Rücken, Bauch, Brust |
| Vitāna (Baldachinverband) | Kopf |
| Gophaṇā (Schlangenkapuzen-Verband) | Kinn, Nase, Lippen, Schulter, Beckenraum |
| Pañcāṅgī (Fünffachverband) | oberhalb des Schlüsselbeins |
| Art | Konsistenz | Wirkung |
|---|---|---|
| Pralepa | kühl, dünn | klärt Blut und Pitta |
| Pradeha | warm oder kühl, dick | beruhigt Vāta und Kapha, reinigt, heilt, lindert Schwellung und Schmerz |
| Ālepa | zwischen Pralepa und Pradeha | vermittelnde Wirkung |
athāto vraṇālepanabandhavidhimadhyāyaṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun wollen wir das Kapitel über die Methode der Salbenauflage und Verbandanlegung bei der *vraṇa* (der Wunde) erklären.
yathovāca bhagavān dhanvantariḥ
So wie es der erhabene Dhanvantari verkündet hat.
ālepa ādya upakramaḥ eṣa sarvaśophānāṃ sāmānyaḥ pradhānatamaśca taṃ ca pratirogaṃ vakṣyāmaḥ tato bandhaḥ pradhānaṃ tena śuddhirvraṇaropaṇamasthisaṃdhisthairyaṃ ca
Die Salbenauflage (*ālepa*) ist die erste Maßnahme; sie ist bei allen Schwellungen die gemeinsame und zugleich wichtigste Behandlung, und wir werden sie für jede Krankheit einzeln beschreiben. Danach kommt dem Verband (*bandha*) die Hauptbedeutung zu, denn durch ihn erfolgt die Reinigung, die Heilung der *vraṇa* sowie die Festigung von Knochen und Gelenken.
tatra pratilomamālimpet pratilome hi samyagauṣadhamavatiṣṭhate'nu praviśati ca romakūpān svedavāhibhiśca sirāmukhairvīryaṃ prāpnoti
Man trage die Salbe stets entgegen der Haarrichtung auf, denn nur so haftet das Heilmittel richtig, dringt in die Haarwurzeln ein und entfaltet seine Wirkkraft über die schweißführenden Öffnungen der Adern.
na ca śuṣyamāṇamupekṣeta anyatra pīḍayitavyāt śuṣko hyapārthako rukkaraśca
Man lasse die Salbe nicht ungestört eintrocknen, außer wenn sie bewusst zusammengedrückt werden soll; denn eine eingetrocknete Salbe ist wirkungslos und verursacht sogar Schmerzen.
sa trividhaḥ pralepaḥ pradeha ālepaśca pralepapradehayorantaraṃtatra pralepaḥ śītastanura-viśoṣī viśoṣī vā pradehastūṣṇaḥ śīto vā bahalo'bahuraviśoṣī ca madhya-mo'trālepaḥ tatra raktapitta prasādakṛdālepaḥ pradeho vātaśleṣmapraśamanaḥ śodhano ropaṇaḥ śophavedanāpahaśca tasyopayogaḥ kṣatākṣateṣu yastu kṣateṣūpayujyate sa bhūyaḥ kalka iti saṃjñāṃ labhate niruddhālepanasaṃjñaḥ tenāsrāvasannirodho mṛdutā pūtimāṃsāpakarṣaṇamanantardoṣatā vraṇaśuddhiśca bhavati
Man unterscheidet drei Arten von Auflagen: den *pralepa* (die dünne Salbe), den *pradeha* (die dicke Salbe) und den *ālepa* (die Salbe), der zwischen beiden liegt. Der *pralepa* ist kühl, dünn und trocknet nicht bzw. trocknet ein; der *pradeha* ist warm oder kühl, dick, nicht dünn und trocknet nicht ein; der mittlere zwischen beiden heißt *ālepa*. Der *pralepa* klärt Blut und *pitta*; der *pradeha* beruhigt *vāta* und *kapha*, reinigt, heilt und lindert Schwellung und Schmerz. Man verwendet ihn sowohl bei offenen als auch bei unversehrten Stellen. Wird er bei einer *vraṇa* angewandt, so erhält er zusätzlich den Namen *kalka* (Paste) beziehungsweise *niruddhālepana* (verschließende Auflage); durch ihn wird der Ausfluss zurückgehalten, die Stelle wird weich, faulendes Fleisch löst sich ab, es bleibt kein *doṣa* im Inneren zurück, und die *vraṇa* wird gereinigt.
avidagdheṣu śopheṣu hitamālepanaṃ bhavet yathāsvaṃ doṣaśamanaṃ dāhakaṇḍūrujāpaham
Bei noch nicht durchglühten (nicht eiternden) Schwellungen ist die Salbenauflage zuträglich; sie beruhigt jeweils den entsprechenden *doṣa* und beseitigt Brennen, Juckreiz und Schmerz.
tvakprasādanamevāgryaṃ māṃsaraktaprasādanam dāhapraśamanaṃ śreṣṭhaṃ rujākaṇḍūvināśanam
Am wichtigsten ist die Klärung der Haut, sodann die Klärung von Fleisch und Blut; am wertvollsten ist die Linderung des Brennens sowie die Beseitigung von Schmerz und Juckreiz.
marmadeśeṣu ye rogā guhyeṣvapi tathā nṛṇām saṃśodhanāya teṣāṃ hi kuryādālepanaṃ bhiṣak
Bei Erkrankungen an den *marma* (den lebenswichtigen Punkten) sowie an den verborgenen (Geschlechts-)Teilen des Menschen wende der Arzt zu deren Reinigung ebenfalls eine Salbenauflage an.
ṣiḍbhāgaṃ paittike snehaṃ caturbhāgaṃ tu vātike aṣṭabhāgaṃ tu kaphaje snehamātrāṃ pradāpayet
Bei einer durch *pitta* verursachten Erkrankung gebe man ein Sechstel Fett in der Salbe, bei einer durch *vāta* verursachten ein Viertel, bei einer durch *kapha* verursachten ein Achtel als Fettanteil.
tasya pramāṇaṃ mahiṣārdra carmotsedhamupadiśanti
Als Maß für die Dicke der Auflage gilt, wie die Meister lehren, die Dicke einer frischen Büffelhaut.
na cālepaṃ rātrau prayuñjīta mā bhūcchatyavihatoṣmaṇastadanirgamādvikārapravṛttiriti
Man lege die Salbe nicht bei Nacht an, damit nicht, weil die innere Wärme nicht entweichen kann, eine Verschlechterung eintritt.
pradehasādhye vyādhau tu hitamālepanaṃ divā pittaraktābhighātotthe saviṣe ca viśeṣataḥ
Bei einer Krankheit hingegen, die durch *pradeha* zu behandeln ist, ist die Salbenauflage bei Tage zuträglich, besonders bei einer durch *pitta*, Blut oder äußere Verletzung entstandenen sowie bei einer mit Gift verbundenen Erkrankung.
na ca paryuṣitaṃ lepaṃ kadācidavacārayet uparyupari lepaṃ ca na kadācit pradāpayet
Man wende niemals eine über Nacht gestandene Salbe an, und man trage niemals eine neue Salbe über eine bereits vorhandene auf.
ūṣmāṇaṃ vedanāṃ dāhaṃ ghanatvājjanayet sa hi na ca tenaiva lepena pradehaṃ dāpayet punaḥ śuṣkabhāvātsa nirvīryo yukto'pi syādapārthakaḥ
Denn eine solche mehrfach aufgetragene Salbe erzeugt durch ihre Dicke Hitze, Schmerz und Brennen; man lasse auch nicht mit derselben bereits angewandten Salbe erneut einen *pradeha* auftragen, denn wegen ihrer Trockenheit wäre sie wirkungslos und, selbst wenn angewandt, ohne Nutzen.
ata ūrdhvaṃ vraṇabandhanadra vyāṇyupadekṣyāmaḥ tadyathākṣaumakārpāsāvikadukūlakauśeyapatrorṇacīnapaṭṭacarmāntarvalkalālābuśa-kalalatāvidalarajjutūlaphalasantānikālauhānīti teṣāṃ vyādhiṃ kālaṃ cāvekṣyopayogaḥ prakaraṇataścaiṣāmādeśaḥ
Im Folgenden wollen wir die Materialien für den Verband der *vraṇa* beschreiben, nämlich: Leinen, Baumwolle, Wolle, feines Seidengewebe, Seide, Blattfaser, Wollstoff, chinesisches Seidengewebe, Leder, Baumbast, Kürbisschale, Schaka-Ranken, gespaltenes Bambusrohr, Seil, Baumwollflocken, Fruchtfasergewebe und dünnes Metallblech. Ihre Anwendung richtet sich nach Krankheit und Jahreszeit; ihre nähere Beschreibung erfolgt im jeweiligen Zusammenhang.
tatra kośadāmasvastikānuvellitopritamaṇḍalasthagikāyamakakhaṭvā-cīnavibandhavitānagophaṇāḥ pañcāṅgī ceti caturdaśabandhaviśeṣāḥ teṣāṃ nāmabhirevākṛtayaḥ prāyeṇa vyākhyātāḥ
Es gibt vierzehn besondere Verbandarten: den Beutelverband (*kośa*), den Bandverband (*dāma*), den Kreuzverband (*svastika*), den Wickelverband (*anuvellita*), den Umlegeverband (*uprita*), den Ringverband (*maṇḍala*), den Deckelverband (*sthagikā*), den Doppelverband (*yamaka*), den Bettgestell-Verband (*khaṭvā*), den chinesischen Verband (*cīna*), den Bindeverband (*vibandha*), den Baldachinverband (*vitāna*), den Schlangenkapuzen-Verband (*gophaṇā*) und den Fünffachverband (*pañcāṅgī*). Ihre Form ist meist schon durch ihren eigenen Namen erklärt.
tatra kośamaṅguṣṭhāṅguliparvasu vidadhyāt dāma saṃbādhe'ṅge sandhikūrcakabhrū-stanāntaratalakarṇeṣu svastikam anuvellitaṃ śākhāsu grīvāmeḍhrayoḥ pratolīṃ vṛtte'ṅge maṇḍalam aṅguṣṭhāṅgulimeḍhrāgreṣu sthagikāṃ yamalavraṇayoryamakaṃ hanuśaṅkhagaṇḍeṣu khaṭvām apāṅgayoścīnaṃ pṛṣṭhodaroraḥsu vibandhaṃ mūrdhani vitānaṃ cibukanāsauṣṭhāṃsabastiṣu gophaṇāṃ jatruṇa ūrdhvaṃ pañcāṅgīmiti yo vā yasmin śarīrapradeśe suniviṣṭo bhavati taṃ tasmin vidadhyāt
Den Beutelverband lege man an Daumen und Fingergliedern an, den Bandverband an schmalen Körperstellen, den Kreuzverband an Gelenken, Handballen, Augenbrauen, dem Raum zwischen den Brüsten, Handfläche und Ohr, den Wickelverband an den Gliedmaßen, den Umlegeverband an Hals und Penis, den Ringverband an runden Körperteilen, den Deckelverband an Daumen, Fingern und Penisspitze, den Doppelverband bei zwei zusammengehörigen Wunden, den Bettgestell-Verband an Kiefer, Schläfe und Wange, den chinesischen Verband an den Augenwinkeln, den Bindeverband an Rücken, Bauch und Brust, den Baldachinverband am Kopf, den Schlangenkapuzen-Verband an Kinn, Nase, Lippen, Schulter und Beckenraum und den Fünffachverband oberhalb des Schlüsselbeins. Oder man lege jeweils den Verband an, der sich für die betreffende Körperstelle am besten eignet.
yantraṇamūrdhvamadhastiryak ca
Die Zugrichtung des Verbandes kann nach oben, nach unten oder quer verlaufen.
tatra ghanāṃ kavalikāṃ dattvā vāmahastaparikṣepamṛjumanāviddhamasaṃkucitaṃ mṛdu paṭṭaṃ niveśya badhnīyāt na ca vraṇasyopari kuryādgranthimābādhakaraṃ ca
Man lege zunächst einen dicken Wattebausch auf, führe dann mit der linken Hand einen geraden, nicht schräg gelegten, nicht zusammengezogenen, weichen Binde-Streifen herum und binde ihn fest; einen Knoten mache man nicht über der *vraṇa* selbst, noch an einer Stelle, die Beschwerden verursacht.
na ca vikeśikauṣadhe atisnigdhe atirūkṣe viṣame vā kurvītā yasmādatisnehāt kledo raukṣyācchedodurnyāsādvraṇavartmāvagharṣaṇamiti
Man verwende für die Verbandunterlage kein zu fettes, zu trockenes oder ungleichmäßig aufgetragenes Heilmittel; denn bei zu viel Fett entsteht Nässe, bei Trockenheit Rissigkeit, und bei schlechter Anlegung wird der Wundrand wund gescheuert.
tatra vraṇāyatanaviśeṣādbandhaviśeṣastrividho bhavatigāḍhaḥ samaḥśithila iti
Je nach der besonderen Lage der *vraṇa* gibt es drei Arten des Verbandes: den festen (*gāḍha*), den mittleren (*sama*) und den lockeren (*śithila*).
pīḍayannarujo gāḍhaḥ socchvāsaḥ śithilaḥ smṛtaḥ naiva gāḍho na śithilaḥ samo bandhaḥ prakīrtitaḥ
Als fest gilt der Verband, der drückt, ohne Schmerz zu verursachen; als locker gilt der, der noch Atem- und Bewegungsspielraum lässt; weder fest noch locker wird der mittlere Verband genannt.
tatra sphikkukṣikakṣāvaṅkṣaṇoruśiraḥsu gāḍhaḥ śākhāvadanakarṇa kaṇṭhameḍhramuṣkapṛṣṭhapārśvodaroraḥsu samaḥ akṣṇoḥ sandhiṣu ca śithila iti
Fest binde man an Gesäß, Bauch, Achsel, Leiste, Oberschenkel und Kopf; mittel an Gliedmaßen, Gesicht, Ohr, Hals, Penis, Hodensack, Rücken, Flanke, Bauch und Brust; locker an den Augen und an den Gelenken.
tatra paittikaṃ gāḍhasthāne samaṃ badhnīyāt samasthāne śithilaṃ śithilasthāne nai-vā evaṃ śoṇitaduṣṭaṃ ca ślaiṣmikaṃ śithilasthāne samaṃ samasthāne gāḍhaṃ gāḍhasthāne gāḍhataraṃ evaṃ vātaduṣṭaṃ ca
Bei einer durch *pitta* verursachten Wunde binde man an einer Stelle, die sonst fest verbunden würde, nur mittel, an einer Stelle, die mittel verbunden würde, nur locker, und an einer Stelle, die locker verbunden würde, gar nicht fest; ebenso verfahre man bei einer durch verdorbenes Blut verursachten Wunde. Bei einer durch *kapha* verursachten Wunde hingegen binde man an einer sonst locker zu bindenden Stelle mittel, an einer mittel zu bindenden Stelle fest, und an einer fest zu bindenden Stelle noch fester; ebenso verfahre man bei einer durch *vāta* verursachten Wunde.
tatra paittikaṃ śaradi grīṣme dvirahno badhnīyāt raktopadrutamapyevaṃ ślaiṣmikaṃ hemantavasantayostryahāt vātopadrutamapyevam evamabhyūhya bandhaviparyayaṃ ca kuryāt
Eine durch *pitta* verursachte Wunde verbinde man im Herbst und Sommer zweimal täglich neu; ebenso eine durch Blut komplizierte. Eine durch *kapha* verursachte Wunde verbinde man im Winter und Frühling alle drei Tage neu; ebenso eine durch *vāta* komplizierte. Danach richte man sich entsprechend und wechsle die Verbandweise auch in umgekehrter Weise, je nach Bedarf.
tatra samaśithilasthāneṣu gāḍhaṃ baddhe vikeśikauṣadhanairarthakyaṃ śophavedanāprādu-rbhāvaśca gāḍhasamasthāneṣu śithilaṃ baddhe vike śikauṣadhapatanaṃ paṭṭasaṃcārāddra ṇavartmāvagharṣaṇamiti gāḍhaśithilasthāneṣu samaṃ baddhe guṇābhāva iti
Bindet man an einer mittel oder locker zu verbindenden Stelle fest, so wird das Heilmittel der Unterlage wirkungslos, und es entstehen Schwellung und Schmerz; bindet man an einer fest oder mittel zu verbindenden Stelle locker, so fällt das Heilmittel der Unterlage ab, und durch das Verrutschen der Binde wird der Wundrand wund gescheuert; bindet man an einer fest oder locker zu verbindenden Stelle mittel, so bleibt jede Wirkung aus.
aviparītabandhe vedanopaśāntirasṛkprasādo mārdavaṃ ca
Bei richtig, nicht verkehrt angelegtem Verband treten Schmerzlinderung, Klärung des Blutes und Weichheit ein.
abadhyamāno daṃśamaśakatṛṇakāṣṭhopalapāṃśuśītavātātapaprabhṛtibhirviśeṣairabhiha-nyate vraṇaḥ vividhavedanopadrutaśca duṣṭatāmupaiti ālepanādīni cāsya viśoṣamupayānti
Bleibt die *vraṇa* unverbunden, so wird sie von Bremsen, Mücken, Gras, Holzsplittern, Steinchen, Staub, Kälte, Wind, Sonnenhitze und ähnlichen Einwirkungen im Besonderen getroffen, erleidet mannigfache Komplikationen mit Schmerzen und wird verdorben; auch die Salbenauflagen und ähnliche Mittel trocknen dabei nutzlos ein.
cūrṇitaṃ mathitaṃ bhagnaṃ viśliṣṭamatipātitam asthisnāyusirācchinnamāśu bandhena rohati
Zermalmtes, zerriebenes, gebrochenes, ausgerenktes, stark verletztes sowie ein durchtrennter Knochen, eine Sehne oder eine Ader heilt durch richtiges Verbinden rasch.
sukhamevaṃ vraṇī śete sukhaṃ gacchati tiṣṭhati sukhaṃ śayyāsanasthasya kṣipraṃ saṃrohati vraṇaḥ
So kann der Wundträger beschwerdefrei liegen, beschwerdefrei gehen und stehen; liegt oder sitzt er so beschwerdefrei, verheilt die *vraṇa* rasch.
abandhyāḥ pittaraktābhighātaviṣanimittā yadā śophadāhapākarāgatodavedanābhibhūtāḥ kṣārāgnidagdhāḥ pākāt prakuthitapraśīrṇamāṃsāśca bhavanti
Nicht verbunden werden dürfen Wunden, die durch *pitta*, Blut, äußere Verletzung oder Gift verursacht sind, wenn sie von Schwellung, Brennen, Eiterung, Rötung, Stechen und Schmerz überwältigt sind, ferner mit *kṣāra* (Ätzmittel) oder Feuer verbrannte Wunden sowie solche, deren Fleisch durch Eiterung verfault und zerfallen ist.
kuṣṭhināmagnidagdhānāṃ piḍakā madhumehinām karṇikāśconduruviṣe viṣajuṣṭāśca ye vraṇāḥ
Ebenso nicht verbunden werden die Pusteln von Aussätzigen, von Brandverletzten und von Zuckerkranken, die Warzen bei Onduru-Gift sowie Wunden, die von Gift befallen sind,
māṃsapāke na badhyante gudapāke ca dāruṇe svabuddhyā cāpi vibhajetkṛtyākṛtyāṃśca buddhimān
eine Fleischeiterung sowie eine schwere Eiterung am After; der kluge Arzt soll darüber hinaus mit eigenem Urteilsvermögen entscheiden, was zu tun und was zu unterlassen ist,
deśaṃ doṣaṃ ca vijñāya vraṇaṃ ca vraṇakovidaḥ ṛtūṃśca parisaṃkhyāya tato bandhānniveśayet
indem der in der Wundbehandlung Erfahrene Ort, *doṣa* und Art der *vraṇa* erkennt sowie die Jahreszeit berücksichtigt und danach den Verband anlegt.
ūrdhvaṃ tiryagadhastācca yantraṇā trividhā smṛtā yathā ca badhyate bandhastathā vakṣyāmyaśeṣataḥ
Nach oben, quer und nach unten – so gilt die Zugrichtung des Verbandes als dreifach; wie der Verband anzulegen ist, will ich nun vollständig darlegen.
ghanāṃ kavalikāṃ dattvā mṛdu caivāpi paṭṭakam vikeśikāmauṣadhaṃ ca nātisnigdhaṃ samācaret
Man lege einen dicken Wattebausch sowie einen weichen Binde-Streifen an, und wende als Heilmittel der Unterlage etwas an, das nicht zu fettig ist.
prakledayatyatisnigdhā tathā rūkṣā kṣiṇoti ca yuktasnehā ropayati durnyastā vartma gharṣati
Ein zu fettiges Mittel weicht die Wunde übermäßig auf, ein zu trockenes lässt sie schwinden; ein richtig mit Fett versehenes Mittel fördert die Heilung, während ein schlecht angelegtes den Wundrand wund scheuert.
viṣamaṃ ca vraṇaṃ kuryāt stambhayet srāvayettathā yathāvraṇaṃ viditvā tu yogaṃ vaidyaḥ prayojayet
Ein falscher Verband kann die *vraṇa* ungleichmäßig werden lassen, sie erstarren lassen oder zu übermäßigem Ausfluss führen; darum wende der Arzt das jeweilige Mittel erst an, nachdem er die Beschaffenheit der *vraṇa* genau erkannt hat.
pittaje raktaje vā'pi sakṛdeva parikṣipet asakṛt kaphaje vā'pi vātaje ca vicakṣaṇaḥ
Bei einer durch *pitta* oder durch Blut verursachten Wunde umwickle der erfahrene Arzt nur einmal, bei einer durch *kapha* oder durch *vāta* verursachten hingegen mehrmals.
talena pratipīḍyātha srāvayedanulomataḥ sarvāṃśca bandhān gūḍhāntān sandhīṃśca viniveśayet
Man drücke mit der flachen Hand und lasse den Ausfluss in die richtige Richtung abfließen; alle Verbandenden lege man verdeckt an, ebenso versorge man die Gelenke sorgfältig.
oṣṭhasyāpyeṣa sandhāne yathoddiṣṭo vidhiḥ smṛtaḥ buddhyotprekṣyābhiyuktena tathā cāsthiṣu jānatā
Auch bei der Wiederherstellung der Lippe gilt das oben beschriebene Verfahren; ebenso wende der mit den Knochen vertraute Arzt es an, nachdem er es mit Verstand sorgfältig geprüft hat.
uttiṣṭhato niṣaṇṇasya śayanaṃ cādhigacchataḥ gacchato vividhairyānairnāsya duṣyati sa vraṇaḥ
Beim Aufstehen, Sitzen, beim Sich-Legen und beim Gehen sowie bei Fahrten mit verschiedenen Fahrzeugen wird die so verbundene *vraṇa* nicht geschädigt.
ye ca syurmāṃsasaṃsthā vai tvaggatāśca tathā vraṇāḥ sandhyasthikoṣṭhaprāptāśca sirāsnāyugatāstathā
Wunden, die im Fleisch sitzen, ebenso solche, die in der Haut liegen, solche, die Gelenke, Knochen oder Körperhöhlen erreicht haben, sowie solche, die Adern und Sehnen betreffen,
tathā'vagāḍhagambhīrāḥ sarvato viṣamasthitāḥ naite sādhayituṃ śakyā ṛte bandhādbhavanti hi
ebenso tief eingedrungene und in jeder Hinsicht ungleichmäßig gelegene Wunden – all diese lassen sich ohne Verband nicht heilen.