athāto viparītāviparītasvapnanidarśanīyamadhyāyaṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun wollen wir das Kapitel über die Erkenntnis günstiger und ungünstiger Vorzeichen bei Boten und Träumen erläutern.
Suśruta-Saṃhitā · Sutrasthana
Das neunundzwanzigste Kapitel des Sutrasthāna behandelt, in der Lehrübertragung des Dhanvantari an Suśruta, die Deutung günstiger und ungünstiger Vorzeichen (ariṣṭa), die dem Arzt beim Anblick eines Boten oder in Träumen begegnen. Ausführlich schildert der Text, was am Erscheinen, an Kleidung, Sprache und Verhalten eines Boten – etwa seiner Zugehörigkeit zu Kaste oder Sekte des Kranken, der Tageszeit, dem Mondhaus, mitgeführten Gegenständen oder Körperberührungen – auf Erfolg oder Misserfolg der Behandlung schließen lässt, ebenso wie Vogelrufe, Windrichtung und zufällig gehörte Worte gedeutet werden. Ein zweiter, ebenso umfangreicher Abschnitt widmet sich Träumen: Aufgezählt werden zahlreiche unheilverkündende Bilder – etwa das Reiten auf Eseln oder Wildschweinen, das Sinken in Schlamm oder das Umarmtwerden von Verstorbenen –, denen günstige Traumbilder wie Götter, Feuer oder klares Wasser gegenübergestellt werden, samt Ritualen zur Abwehr böser Vorzeichen. Das Kapitel zeigt exemplarisch die enge Verflechtung von Prognostik, Volksglauben und ärztlicher Praxis im klassischen Āyurveda.
athāto viparītāviparītasvapnanidarśanīyamadhyāyaṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun wollen wir das Kapitel über die Erkenntnis günstiger und ungünstiger Vorzeichen bei Boten und Träumen erläutern.
yathovāca bhagavān dhanvantariḥ
So wie es der erhabene Dhanvantari verkündet hat.
dūtadarśanasaṃbhāṣā veṣāśceṣṭitameva ca ṛkṣaṃ velā tithiścaiva nimittaṃ śakuno'nilaḥ
Das Erscheinen und die Rede des Boten, seine Kleidung und sein Verhalten, das Mondhaus (*ṛkṣa*), die Tageszeit, der Mondtag, ein Vorzeichen, der Vogelflug (*śakuna*) und der Wind –
deśo vaidyasya vāgdehamanasāṃ ca viceṣṭitam kathayantyāturagataṃ śubhaṃ vā yadi vā'śubham
– der Ort sowie das Verhalten von Rede, Körper und Geist des Arztes selbst: all dies verkündet, ob es dem Kranken zum Guten oder zum Schlechten stehen wird.
pākhaṇḍāśramavarṇānāṃ sapakṣāḥ karmasiddhaye ta eva viparītāḥ syurdūtāḥ karmavipattaye
Boten, die derselben Sekte (*pākhaṇḍa*), demselben Lebensstadium (*āśrama*) oder derselben Kaste (*varṇa*) wie der Kranke angehören, führen zum Gelingen der Behandlung; sind sie dagegen anders, so führen sie zum Misslingen.
napuṃsakaṃ strī bahavo naikakāryā asūyakāḥ gardabhoṣṭrarathaprāptāḥ prāptā vā syuḥ paramparāḥ
Auch ein Eunuch, eine Frau, viele Boten zugleich, mehrere zu unterschiedlichen Anliegen, Neidische, auf Esel, Kamel oder Wagen Ankommende, oder solche, die nacheinander in Folge eintreffen –
vaidyaṃ ya upasarpanti dūtāste cāpi garhitāḥ pāśadaṇḍāyudhadharāḥ pāṇḍuretaravāsasaḥ
– solche Boten, die sich dem Arzt nähern, sind ebenfalls als ungünstig zu betrachten, ebenso solche, die Stricke, Stöcke oder Waffen tragen, oder in blassgelber bzw. ungewöhnlich gefärbter Kleidung erscheinen.
ārdra jīrṇāpasavyaikamalinoddhvavastavāsasaḥ nyūnādhikāṅgā udvignā vikṛtā raudra rūpiṇaḥ
Boten in feuchter, zerschlissener, links herum gebundener, schmutziger oder aufgerissener Kleidung, mit fehlenden oder überzähligen Gliedern, ängstlich, entstellt oder von furchterregendem Aussehen –
rūkṣaniṣṭhuravaktārastvamaṅgalyābhidhāyinaḥ chindantastṛṇakāṣṭhāni spṛśanto nāsikāṃ stanam
– solche mit rauer, harter Sprache, die Unheilvolles verkünden, die Gras oder Holz zerschneiden, oder die Nase oder Brust berühren –
vastrāntānāmikākeśanakharomadaśāspṛśaḥ srotovarodhahṛdgaṇḍamūrdhoraḥkukṣipāṇayaḥ
– die den Kleidersaum, den Ringfinger, Haare, Nägel, Körperhaare oder Fransen berühren, oder die mit ihren Händen Körperöffnungen, Herz, Wange, Kopf, Brust oder Bauch anfassen –
kapālopalabhasmāsthituṣāṅgārakarāśca ye vilikhanto mahīṃ kiṃcinmuñcanto loṣṭabhedinaḥ
– die Schädelscherben, Steine, Asche, Knochen, Spreu oder Kohle in den Händen tragen, die auf dem Boden Zeichen kratzen, etwas fallen lassen oder Erdklumpen zerbrechen –
tailakardamadigdhāṅgā raktasraganulepanāḥ phalaṃ pakvamasāraṃ vā gṛhītvā'nyacca tadvidham
– deren Glieder mit Öl oder Schlamm beschmiert sind, die rote Kränze oder Salben tragen, oder eine reife oder verdorbene Frucht oder dergleichen bei sich haben –
nakhairnakhāntaraṃ vā'pi kareṇa caraṇaṃ tathā upānaccarmahastā vā vikṛtavyādhipīḍitāḥ
– die sich mit den Nägeln zwischen den Nägeln kratzen, mit der Hand den Fuß berühren, Schuhwerk oder Leder in der Hand halten, oder von einer entstellenden Krankheit geplagt sind –
vāmācārā rudantaśca śvāsino vikṛtekṣaṇāḥ yāmyāṃ diśi prāñjalayo viṣamaikapade sthitāḥ
– die sich linksseitig bewegen, weinen, schwer atmen, verstörten Blickes sind, mit gefalteten Händen nach Süden gewandt stehen, oder auf unebenem Boden auf einem Bein stehen –
vaidyaṃ ya upasarpanti dūtāste cāpi garhitāḥ dakṣiṇābhimukhaṃ deśe tvaśucau vā hutāśanam jvalayantaṃ pacantaṃ vā krūrakarmaṇi codyatam
– solche Boten, die sich dem Arzt nähern, gelten ebenfalls als ungünstig; ebenso wer, nach Süden gewandt, an einem unreinen Ort ein Feuer entfacht, etwas darauf kocht, oder zu einer grausamen Tat angetrieben wird.
nagnaṃ bhūmau śayānaṃ vā vegotsargeṣu vā'śucim prakīrṇakeśamabhyaktaṃ svinnaṃ viklavameva vā
Auch wer nackt auf dem Boden liegt, sich bei der Verrichtung der Notdurft befindet, mit aufgelöstem Haar, eingeölt, schwitzend oder verstört ist –
vaidyaṃ ya upasarpanti dūtāste cāpi garhitāḥ vaidyasya paitrye daive vā kārye cotpātadarśane
– solche Boten, die sich dem Arzt nähern, gelten ebenfalls als ungünstig, ebenso solche, die während eines Ahnenrituals (*pitṛ*-Zeremonie) des Arztes, eines Götteropfers oder bei der Beobachtung eines schlimmen Vorzeichens eintreffen.
madhyāhne cārdharātre vā sandhyayoḥ kṛttikāsu ca ārdrāśleṣāmaghāmūlapūrvāsu bharaṇīṣu ca
Ebenso zur Mittagszeit, um Mitternacht, in der Morgen- oder Abenddämmerung, unter den Mondhäusern Kṛttikā, Ārdrā, Āśleṣā, Maghā, Mūla, den drei Pūrvā-Mondhäusern oder Bharaṇī –
caturthyāṃ vā navamyāṃ vā ṣaṣṭhyāṃ sandhidineṣu ca vaidyaṃ ya upasarpanti dūtāste cāpi garhitāḥ
– oder am vierten, neunten oder sechsten Mondtag sowie an den Übergangstagen (*sandhi*): solche Boten, die zu diesen Zeiten den Arzt aufsuchen, gelten ebenfalls als ungünstig.
svinnābhitaptā madhyāhne jvalanasya samīpataḥ garhitā pittarogeṣu dūtā vaidyamupāgatāḥ
Boten, die schwitzend und erhitzt zur Mittagszeit oder in der Nähe von Feuer beim Arzt eintreffen, gelten bei *pitta*-bedingten Krankheiten als ungünstig.
ta eva kapharogeṣu karmasiddhikarāḥ smṛtāḥ etena śeṣaṃ vyākhyātaṃ buddhvā saṃvibhajettu tat
Dieselben Boten gelten dagegen bei *kapha*-bedingten Krankheiten als Vorzeichen für den Erfolg der Behandlung; nach diesem Muster soll man, sobald man das Prinzip erfasst hat, auch das Übrige entsprechend einordnen.
raktapittātisāreṣu prameheṣu tathaiva ca praśasto jalarodheṣu dūtavaidyasamāgamaḥ
Bei Blutungsleiden (*raktapitta*), Durchfall (*atisāra*) und Harnleiden (*prameha*) ebenso wie bei Harnverhaltung gilt das Zusammentreffen eines solchen Boten mit dem Arzt als günstig.
vijñāyaiva vibhāgaṃ tu śeṣaṃ budhyeta paṇḍitaḥ śuklavāsāḥ śucirgauraḥ śyāmo vā priyadarśanaḥ
Wenn der Gelehrte diese Einteilung einmal erfasst hat, soll er das Übrige selbst erschließen. Ein Bote in weißer Kleidung, reinlich, hellhäutig oder dunkel, aber von angenehmem Aussehen –
svasyāṃ jātau svagotro vā dūtaḥ kāryakaraḥ smṛtaḥ goyānenāgatastuṣṭaḥ pādābhyāṃ śubhaceṣṭitaḥ
– der derselben Geburtsgruppe (*jāti*) oder demselben Geschlecht (*gotra*) wie der Kranke angehört, gilt als erfolgversprechender Bote; ebenso einer, der mit einem Ochsengespann kommt, zufrieden ist und zu Fuß mit günstigem Gebaren herannaht.
smṛtimān vidhikālajñaḥ svatantraḥ pratipattimān alaṅkṛto maṅgalavān dūtaḥ kāryakaraḥ smṛtaḥ
Ein Bote mit gutem Gedächtnis, der Regeln und rechte Zeit kennt, unabhängig ist, entschlossen auftritt, geschmückt und mit Glückszeichen versehen ist, gilt als erfolgversprechend.
svasthaṃ prāṅmukhamāsīnaṃ same deśe śucau śucim upasarpati yo vaidyaṃ sa ca kāryakaraḥ smṛtaḥ
Und wer sich dem Arzt nähert, während dieser gesund, nach Osten gewandt, an ebenem, reinem Ort sitzt, und der selbst rein ist – ein solcher Bote gilt ebenfalls als erfolgversprechend.
māṃsodakumbhātapatravipravāraṇagovṛṣāḥ śuklavarṇāśca pūjyante prasthāne darśanaṃ gatāḥ
Fleisch, ein Wasserkrug, ein Sonnenschirm, ein Brahmane, ein Elefant, ein Stier sowie weiße Gegenstände gelten, wenn sie beim Aufbruch erblickt werden, als günstig.
strī putriṇī savatsā gaurvardhamānamalaṅkṛtā kanyā matsyāḥ phalaṃ cāmaṃ svastikaṃ modakā dadhi
Eine Frau mit Kindern, eine Kuh mit Kalb, ein geschmückter Getreidebehälter, ein junges Mädchen, Fische, unreife Früchte, ein Svastika-Zeichen, Süßigkeiten und Joghurt –
hiraṇyākṣatapātraṃ vā ratnāni sumano nṛpaḥ apraśānto'nalo vājī haṃsaścāpaḥ śikhī tathā
– ein Gefäß mit Gold und ungeschältem Reis, Edelsteine, ein wohlgesinnter König, loderndes Feuer, ein Pferd, ein Schwan, Wasser sowie ein Pfau –
brahmadundubhijīmūtaśaṅkhaveṇurathasvanāḥ siṃhagovṛṣanādāśca hreṣitaṃ gajabṛṃhitam
– der Klang der Veden-Rezitation, einer Kriegstrommel, der Donner, einer Muschel, einer Flöte, eines Wagens, das Brüllen eines Löwen, eines Rindes oder Stiers, das Wiehern eines Pferdes, das Trompeten eines Elefanten –
śastaṃ haṃsarutaṃ nṝṇāṃ kauśikaṃ caiva vāmataḥ prasthāne yāyinaḥ śreṣṭhā vācaśca hṛdayaṅgamāḥ
– der Ruf des Schwans für Menschen und der Ruf der Kauśika-Eule von links gelten für den Aufbrechenden als vortrefflich, ebenso herzerfreuende Worte.
patrapuṣpaphalopetān sakṣīrānnīrujo drumān āśritā vā nabhoveśmadhvajatoraṇavedikāḥ
Bäume mit Blättern, Blüten und Früchten, saftreiche und gesunde Bäume, oder wenn er sich unter Himmel, Haus, Fahnenmast, Torbogen oder Altarplattform aufhält –
dikṣu śāntāsu vaktāro madhuraṃ pṛṣṭhato'nugāḥ vāmā vā dakṣiṇā vā'pi śakunāḥ karmasiddhaye
– Sprecher, die aus stillen Himmelsrichtungen kommen, süß klingende Stimmen, die von hinten folgen, sowie Vögel, die zur Linken oder zur Rechten erscheinen, künden vom Gelingen des Vorhabens.
śuṣke'śanihate'patre vallīnaddhe sakaṇṭake vṛkṣe'thavā'śmabhasmāsthiviṭtuṣāṅgārapāṃśuṣu
Sitzen sie hingegen auf einem verdorrten, vom Blitz getroffenen, blattlosen, von Schlingpflanzen umrankten oder dornigen Baum, oder auf Steinen, Asche, Knochen, Kot, Spreu, Kohle oder Staub –
caityavalmīkaviṣamasthitā dīptakharasvarāḥ purato dikṣu dīptāsu vaktāro nārthasādhakāḥ
– oder auf einem heiligen Baum (*caitya*), einem Ameisenhügel oder unebenem Grund, mit schrillen, rauen Stimmen, und sprechen sie von vorne aus glühend heißen Himmelsrichtungen, so bringen sie das Vorhaben nicht zum Erfolg.
punnāmānaḥ khagā vāmāḥ strīsaṃjñā dakṣiṇāḥ śubhāḥ dakṣiṇādvāmagamanaṃ praśastaṃ śvaśrṛgālayoḥ vāmaṃ nakulacāṣāṇāṃ nobhayaṃ śaśasarpayoḥ
Vögel mit männlichem Namen sind günstig, wenn sie zur Linken erscheinen, solche mit weiblichem Namen zur Rechten; für Hund und Schakal gilt eine Bewegung von rechts nach links als günstig, für Mungo und Blauracke (*cāṣa*) eine Bewegung nach links, für Hase und Schlange keine von beiden Richtungen.
bhāsakauśikayoścaiva na praśastaṃ kilobhayam darśanaṃ vā rutaṃ vā'pi na godhākṛkalāsayoḥ
Bei Falke (*bhāsa*) und Eule (*kauśika*) ist keine der beiden Erscheinungsweisen günstig; ebenso ist weder der Anblick noch der Laut von Waran (*godhā*) und Chamäleon (*kṛkalāsa*) günstig.
dūtairaniṣṭaistulyānāmaśastaṃ darśanaṃ nṛṇām kulatthatilakārpāsatuṣapāṣāṇabhasmanām
Der Anblick von Menschen, die ungünstigen Boten gleichen, gilt als ungünstig, ebenso der Anblick von Hülsenfrüchten (*kulattha*), Sesam, Baumwolle, Spreu, Stein oder Asche.
pātraṃ neṣṭaṃ tathā'ṅgāratailakardamapūritam prasannetaramadyānāṃ pūrṇaṃ vā raktasarṣapaiḥ
Ungünstig ist auch der Anblick eines Gefäßes, das mit Kohle, Öl oder Schlamm gefüllt ist, oder mit klarem oder trübem Wein, oder mit roten Senfkörnern gefüllt ist.
śavakāṣṭhapalāśānāṃ śuṣkāṇāṃ pathi saṅgamāḥ neṣyante patitāntasthadīnāndharipavastathā
Ebenso ungünstig gelten Begegnungen unterwegs mit einer Leiche, mit Brennholz, mit Palāśa-Zweigen, mit vertrocknetem Gehölz, mit Ausgestoßenen, mit Kastenlosen, mit Elenden oder mit einem Bettelasketen.
mṛduḥ śīto'nukūlaśca sugandhiścānilaḥ śubhaḥ kharoṣṇo'niṣṭagandhaśca pratilomaśca garhitaḥ
Ein milder, kühler, günstig wehender, wohlriechender Wind ist ein gutes Zeichen; ein rauer, heißer, übelriechender, entgegenwehender Wind gilt als schlecht.
granthyarbudādiṣu sadā chedaśabdastu pūjitaḥ vidra dhyudaragulmeṣu bhedaśabdastathaiva ca
Bei Geschwülsten (*granthi*) und Tumoren (*arbuda*) und dergleichen gilt stets das Wort „schneiden“ (*cheda*) als günstig, ebenso bei Abszessen (*vidradhi*), Bauchleiden (*udara*) und Geschwulstansammlungen (*gulma*) das Wort „aufbrechen“ (*bheda*).
raktapittātisāreṣu ruddhaśabdaḥ praśasyate evaṃ vyādhiviśeṣeṇa nimittamupadhārayet
Bei Blutungsleiden und Durchfall gilt das Wort „gestoppt“ (*ruddha*) als günstig; so soll man je nach Art der Krankheit das jeweilige Vorzeichen beurteilen.
tathaivākruṣṭahākaṣṭamākrandaruditasvanāḥ chardyāṃ vātapurīṣāṇāṃ śabdo vai gardabhoṣṭrayoḥ
Ebenso gelten Schreie, Wehklagen, Weinen und Klagelaute als ungünstig; bei Erbrechen ist auch der Laut von Blähungen oder Stuhlgang sowie das Schreien von Esel und Kamel ungünstig.
pratiṣiddhaṃ tathā bhagnaṃ kṣutaṃ skhalitamāhatam daurmanasyaṃ ca vaidyasya yātrāyāṃ na praśasyate
Ebenso gelten ein Verbot, ein Bruch, ein Nieser, ein Stolpern, ein Anstoßen sowie üble Laune des Arztes auf dem Weg zum Patienten als ungünstig.
praveśe'pyetaduddeśādavekṣyaṃ ca tathā'ture pratidvāraṃ gṛhe cāsya punaretanna gaṇyate
Auch beim Betreten des Krankenzimmers ist auf diese Zeichen zu achten; sie werden jedoch nicht mehr berücksichtigt, sobald der Arzt an jeder weiteren Tür im Haus des Kranken vorbeigeht.
keśabhasmāsthikāṣṭhāśmatuṣakārpāsakaṇṭakāḥ khaṭvordhvapādā madyāpo vasā tailaṃ tilāstṛṇam
Haare, Asche, Knochen, Holz, Steine, Spreu, Baumwolle, Dornen, ein Bett mit nach oben gerichteten Füßen, ein Weintrinker, Fett, Öl, Sesam und Gras –
napuṃsakavyaṅgabhagnanagnamuṇḍāsitāmbarāḥ prasthāne vā praveśe vā neṣyante darśanaṃ gatāḥ
– sowie Eunuchen, Verkrüppelte, Gebrochene, Nackte, Kahlköpfige und in Schwarz Gekleidete gelten, wenn sie beim Aufbruch oder beim Betreten erblickt werden, als ungünstig.
bhāṇḍānāṃ saṃkarasthānāṃ sthānāt saṃcāraṇaṃ tathā nikhātotpāṭanaṃ bhaṅgaḥ patanaṃ nirgamastathā
Das Umherräumen von Gefäßen von Müllplätzen, das Ausgraben von Vergrabenem, ein Bruch, ein Fall, ein Ausströmen –
vaidyāsanāvasādo vā rogī vā syādadhomukhaḥ vaidyaṃ saṃbhāṣamāṇo'ṅga kuḍyamāstaraṇāni vā
– ein Einsacken des Sitzes des Arztes, oder wenn der Kranke, während er mit dem Arzt spricht, den Kopf gesenkt hält, oder seine Glieder, die Wand oder die Bettdecke –
pramṛjyādvā dhunīyādvā karau pṛṣṭhaṃ śirastathā hastaṃ cākṛṣya vaidyasya nyasecchirasi corasi
– abwischt oder abschüttelt, oder seine Hände, den Rücken, den Kopf berührt, oder die Hand des Arztes ergreift und sie sich auf den Kopf oder die Brust legt –
yo vaidyamunmukhaḥ paśyannunmārṣṭi svāṅgamāturaḥ na sa sidhyati vaidyo vā gṛhe yasya na pūjyate
– wer als Kranker den Arzt mit erhobenem Blick anschaut und dabei seine eigenen Glieder abwischt, der wird nicht genesen; ebenso genest nicht, wessen Haus dem Arzt keine Ehrerbietung erweist.
bhavane pūjyate vā'pi yasya vaidyaḥ sa sidhyati śubhaṃ śubheṣu dūtādiṣvaśubhaṃ hyaśubheṣu ca
Wessen Haus dagegen dem Arzt Ehrerbietung erweist, der wird genesen; günstige Zeichen bei Boten und dergleichen bedeuten Gutes, ungünstige bedeuten Schlechtes.
āturasya dhruvaṃ tasmāddūtādīn lakṣayedbhiṣak svapnānataḥ pravakṣyāmi maraṇāya śubhāya ca
Deshalb soll der Arzt beim Kranken unbedingt auf Boten und dergleichen Zeichen achten. Nun will ich von Träumen sprechen, die auf den Tod oder auf Genesung hindeuten.
suhṛdo yāṃśca paśyanti vyādhito vā svayaṃ tathā snehābhyaktaśarīrastu karabhavyālagardabhaiḥ
Sowohl Träume, die die Freunde des Kranken haben, als auch solche, die der Kranke selbst hat, sind zu beachten: Wer träumt, mit Öl gesalbt zu sein, und von Kamelen, Schlangen oder Eseln –
varāhairmahiṣairvā'pi yo yāyāddakṣiṇāmukhaḥ raktāmbaradharā kṛṣṇā hasantī muktamūrdhajā
– oder von Wildschweinen oder Büffeln fortgetragen wird, mit dem Gesicht nach Süden gewandt; oder wer eine dunkle Frau in roter Kleidung sieht, lachend, mit aufgelöstem Haar –
yaṃ cākarṣati baddhvā strī nṛtyantī dakṣiṇāmukham antāvasāyibhiryo vā'kṛṣyate dakṣiṇāmukhaḥ
– die ihn fesselt und tanzend nach Süden zerrt; oder wer von Kastenlosen (*antāvasāyin*) mit dem Gesicht nach Süden fortgezogen wird –
pariṣvajeran yaṃ vā'pi pretāḥ pravrajitānistithā muhurāghrāyate yastu śvāpadairvikṛtānanaiḥ
– oder von Verstorbenen (*preta*) oder von nackten Bettelasketinnen umarmt wird, oder wer wiederholt von wilden Tieren mit entstellten Mäulern beschnuppert wird –
pibenmadhu ca tailaṃ ca yo vā paṅke'vasīdati paṅkapradigdhagātro vā pranṛtyet prahasettathā
– oder wer Honig oder Öl trinkt, oder in Schlamm versinkt, oder mit schlammbedecktem Körper tanzt oder lacht –
nirambaraśca yo raktāṃ dhārayecchirasā srajam yasya vaṃśo nalo vā'pi tālo vorasi jāyate
– oder wer nackt einen roten Blumenkranz auf dem Kopf trägt, oder wem im Traum Bambus, Schilfrohr oder eine Palme aus der Brust wächst –
yaṃ vā matsyo grasedyo vā jananīṃ praviśennaraḥ parvatāgrāt patedyo vā śvabhre vā tamasā'vṛte
– oder wer von einem Fisch verschlungen wird, oder wer in den Schoß seiner Mutter zurückkehrt, oder von einem Berggipfel stürzt, oder in eine finstere, von Dunkel umhüllte Grube fällt –
hriyeta srotasā yo vā yo vā mauṇḍyamavāpnuyāt parājīyeta badhyeta kākādyairvā'bhibhūyate
– oder von einer Strömung fortgerissen wird, oder eine Kahlrasur erhält, oder besiegt oder gefesselt wird, oder von Krähen und dergleichen überwältigt wird –
patanaṃ tārakādīnāṃ praṇāśaṃ dīpacakṣuṣoḥ yaḥ paśyeddevatānāṃ vā prakampamavanestathā
– oder das Herabfallen von Sternen sieht, das Erlöschen einer Lampe oder seines Augenlichts, oder das Zittern von Götterbildern oder des Erdbodens –
yasya chardirvireko vā daśanāḥ prapatanti vā śālmaladyaṃ kiṃśukaṃ yūpaṃ valmīkaṃ pāribhadra kam
– oder wer erbricht oder Durchfall hat, oder wem die Zähne ausfallen, oder wer einen Śālmali-, Kiṃśuka- oder Pāribhadraka-Baum, einen Opferpfahl (*yūpa*) oder einen Ameisenhügel –
puṣpāḍhyaṃ kovidāraṃ vā citāṃ vā yo'dhirohati kārpāsatailapiṇyākalohāni lavaṇaṃ tilān
– oder einen blütenreichen Kovidāra-Baum oder einen Scheiterhaufen besteigt; oder wer Baumwolle, Öl, Ölkuchen, Metall, Salz oder Sesam –
labhetāśnīta vā pakvamannaṃ yaśca pibet surām svasthaḥ sa labhate vyādhiṃ vyādhito mṛtyumṛcchati
– erhält oder verzehrt, oder gekochte Speise isst, oder Alkohol trinkt: Wer als Gesunder solches träumt, erkrankt; wer als Kranker solches träumt, wird sterben.
yathāsvaṃ prakṛtisvapno vismṛto vihatastathā cintākṛto divā dṛṣṭo bhavantyaphaladāstu te
Ein Traum, der der eigenen Natur (*prakṛti*) entspringt, ein vergessener, ein unterbrochener, ein durch Grübeln entstandener oder ein tagsüber gesehener Traum – all diese bleiben ohne Bedeutung.
jvaritānāṃ śunā sakhyaṃ kapisakhyaṃ tu śoṣiṇām unmāde rākṣasaiḥ pretairapasmāre pravartanam
Bei Fieberkranken bedeutet Freundschaft mit einem Hund im Traum Unheil, bei Auszehrungskranken Freundschaft mit einem Affen; bei Geisteskrankheit (*unmāda*) das Umherziehen mit *Rākṣasa*, bei Epilepsie (*apasmāra*) mit Verstorbenen –
mehātisāriṇāṃ toyapānaṃ snehasya kuṣṭhinām gulmeṣu sthāvarotpattiḥ koṣṭhe mūrdhni śiroruji
– bei Harnleiden und Durchfall das Trinken von Wasser, bei Hautkrankheiten (*kuṣṭha*) das Trinken von Öl, bei Geschwulstansammlungen (*gulma*) das Wachsen einer Pflanze im Bauchraum, bei Kopfschmerz das Wachsen im Kopf –
śaṣkulībhakṣaṇaṃ chardyāmadhvā śvāsapipāsayoḥ hāridraṃ bhojanaṃ vā'pi yasya syāt pāṇḍurogiṇaḥ
– bei Erbrechen das Essen von Gebäck, bei Atemnot und Durst das Reisen auf einem Weg, und bei Bleichsucht (*pāṇḍuroga*) das Essen gelb gefärbter Speise –
raktapittī pibedyastu śoṇitaṃ sa vinaśyati svapnānevaṃvidhān dṛṣṭvā prātarutthāya yatnavān
– und wer an Blutungsleiden erkrankt ist und im Traum Blut trinkt, der wird zugrunde gehen. Wer solche Träume gesehen hat, soll am Morgen sorgfältig aufstehen –
dadyānmāṣāṃstilāṃllohaṃ viprebhyaḥ kāñcanaṃ tathā japeccāpi śubhān mantrān gāyatrīṃ tripadāṃ tathā
– und Bohnen, Sesam, Eisen und Gold an Brahmanen verschenken, sowie günstige *mantras* rezitieren, darunter die dreiteilige *Gāyatrī*.
dṛṣṭvā tu prathame yāme svapyād dhyātvā punaḥ śubham japedvā'nyatamaṃ vedaṃ brahmacārī samāhitaḥ
Hat er den Traum in der ersten Nachtwache gehabt, so soll er, nachdem er sich Gutes vorgestellt hat, wieder einschlafen, oder keusch lebend und gesammelt einen der Veden rezitieren.
na cācakṣīta kasmaiciddṛṣṭvā svapnamaśobhanam devatāyatane caiva vasedrā tritrayaṃ tathā viprāṃśca pūjayennityaṃ duḥsvapnāt pravimucyate
Hat er einen üblen Traum gesehen, so soll er ihn niemandem erzählen; er soll sich für drei Nächte in einem Götterschrein aufhalten und beständig Brahmanen verehren – dadurch wird er von der Wirkung des bösen Traumes befreit.
ata ūrdhvaṃ pravakṣyāmi praśastaṃ svapnadarśanam devān dvijāngovṛṣabhān jīvataḥ suhṛdo nṛpān
Nun will ich von günstigen Traumbildern sprechen: Wer Götter, Brahmanen, Rinder und Stiere, lebende Freunde oder Könige –
samiddhamagniṃ sādhūṃśca nirmalāni jalāni ca paśyet kalyāṇalābhāya vyādherapagamāya ca
– ein lodernd brennendes Feuer, fromme Menschen oder klares, reines Wasser im Traum sieht, dem bringt dies Glück und die Beseitigung der Krankheit.
māṃsaṃ matsyān srajaḥ śvetā vāsāṃsi ca phalāni ca labheta dhanalābhāya vyādherapagamāya ca
Wer im Traum Fleisch, Fische, weiße Blumenkränze, Gewänder oder Früchte erhält, dem bringt dies Gewinn an Reichtum und die Beseitigung der Krankheit.
mahāprāsādasaphalavṛkṣavāraṇaparvatān ārohedduvyalābhāya vyādherapagamāya ca
Wer im Traum einen großen Palast, einen fruchttragenden Baum, einen Elefanten oder einen Berg besteigt, dem bringt dies Gewinn an Gütern und die Beseitigung der Krankheit.
nadīnadasamudrāṃśca kṣubhitān kaluṣodakān taret kalyāṇalābhāya vyādherapagamāya ca
Wer im Traum wogende Flüsse, Ströme oder Meere mit trübem Wasser durchschwimmt, dem bringt dies Glück und die Beseitigung der Krankheit.
urago vā jalauko vā bhramaro vā'pi yaṃ daśet ārogyaṃ nirdiśettasya dhanalābhaṃ ca buddhimān
Wird jemand im Traum von einer Schlange, einem Blutegel (*jalaukā*) oder einer Biene gebissen, so soll der Kundige daraus Genesung und Gewinn an Reichtum voraussagen.
evaṃ rūpāñ śubhān svapnān yaḥ paśyedvyādhito naraḥ sa dīrghāyuriti jñeyastasmai karma samācaret
Wer als Kranker solche günstigen Träume sieht, von dem ist zu wissen, dass er langes Leben haben wird; für ihn soll man die entsprechende Behandlung durchführen.