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Tantrarāja Tantra

Paṭala 1: tantrāvatārādiprakāśanaparaṃ prathamaṃ paṭalam (ṣoḍaśanityātantre yoginīmatākhye 'pi) 1-tes Kapitel: Die Offenbarung des Tantra (Gaṇeśa-Invokation, Aufbau des Werks, Kennzeichen von Guru und Schüler, Mantra-Reinigung)

Quelle: Tantrarāja-tantra mit dem Kommentar Manoramā des Subhagānandanātha, hrsg. Sadāśiva Miśra, Tantrik Texts Vol. 8, Calcutta 1918, archive.org (OCR, sehr schlecht). Übersetzt wurden nur die Wurzelverse; der Sanskrit-Prosakommentar wurde nicht übersetzt, sondern nur stellenweise zur OCR-Klärung wörtlich zitierter Wörter herangezogen (vermerkt in notes). Inhalt: Nach der Gaṇeśa-Invokation (Vers 1) fehlt im verfügbaren OCR-Quelltext ein Abschnitt (Verse 2–15 nicht vorhanden, s.u.); ab Vers 16 folgt eine (stark verderbte) Übersicht über die Kapitelinhalte des ganzen 36-paṭala-Werks, dann Kennzeichen des rechten Guru und des rechten Schülers (19–24), Regeln des Schülerdienstes am Guru je nach Entfernung (25–40), ein zahlenmagisches 16-Felder-Verfahren zur Bestimmung des Verhältnisses (siddha/susiddha/sādhya/ari u. Kombinationen) zwischen dem Namen des Sādhaka und seinem Mantra samt dessen guten und schlechten Wirkungen (41–56), die Bestimmung von 'Gläubiger'/'Schuldner' (uttamarṇa/adhamarṇa) zwischen Mantra und Sādhaka (57–61), Rosenkranz-Materialien und Zählweisen (62–65), Sühnerezitationen (66–67), Verhaltensregeln des Sādhaka (68–71), Verbindungsarten von Mantra und Vidyā (yoga, pallava, saṃpuṭa, grathana, vidarbha, 72–73), eine Liste von 25 Mantra-Fehlern und deren Behebung durch den Guru (74–81), Yonimudrā und Kraftübertragung, die 'Anfangs-/End-Mātrā' (Ādi-/Antamātrā, A und Ha) als Wesensgrund aller Mantras (82–87), Verehrungsregeln für andere Stände und Bewirtung von Yogins (88–90), die für die Guru-Verehrung vorgeschriebenen besonderen Tage (91–94) und ein Guru-Śiva-Lobpreis in fünf Versen (95–100), abschließend zwei kurze Schlussverse (101–102, s. Anmerkung zur Zählung) und das Doppelkolophon. WICHTIGER HINWEIS ZUR QUELLENLÜCKE: Zwischen dem im Quelltext (window.TT1) auf Vers 1 unmittelbar folgenden Kommentar (der ganz normal mit der Verszahl-Wiederholung und zwei Fußnoten endet) und der nächsten lesbaren Stelle (Seitenkopf 'manoramākhyaṭīkāsahitaṃ tantrarājam' mit Seitenzahl 8 und Vers 16) liegen im String buchstäblich nur rund 900 Zeichen – zu wenig für sechs Druckseiten Text (Seiten 2–7 fehlen ganz offensichtlich, vermutlich ein Digitalisierungs-/OCR-Ausfall dieser Seiten bei archive.org). Es gibt also keinerlei Textspur (auch keine verderbte) für die Verse 2–15; sie wurden NICHT übersetzt/erfunden, sondern als dokumentierte Quellenlücke ausgewiesen. Die OCR-Qualität im übrigen Kapitel ist durchgehend sehr schlecht (Ziffern- und Zeichenverwechslungen, zerrissene Wörter); besonders die zahlenmagischen Passagen (16–18 Kapitelübersicht, 41–61 Cakra-/Uttamarṇa-Verfahren) sind so stark verderbt, dass nur der ungefähre Sinn, nicht aber alle Details (insbesondere konkrete Zahlenangaben) mit Sicherheit rekonstruierbar waren; diese Stellen sind reich mit [?] markiert. Verse 101/102: Das OCR zeigt zwei aufeinanderfolgende, aber unterschiedliche Halbverse/Verse, beide mit der Zählung '101' versehen; da dies für eine lückenlose Zählung nicht möglich ist, wurde der zweite als Vers 102 gezählt (Fehler vermutlich Wiederholung der Seitenziffer durch die OCR); dies ist die einzige nicht quellenbedingte, sondern OCR-bedingte Zähllücke im Kapitel.

anādyantoparādhīnaḥ svādhīnabhuvanatrayaḥ | jayaty aviratam vyāptaviśvaḥ kālo vināyakaḥ ||1||

Anfang- und endlos, keinem anderen unterworfen, aus eigener Macht Herr über die drei Welten, alldurchdringend – unaufhörlich siegreich ist Kāla (die Zeit) als Vināyaka (Gaṇeśa).

Der Gaṇeśa-Eingangsvers, mit dem jedes Paṭala-Kommentar-Werk dieser Art beginnt. Der Kommentar deutet 'Vināyaka' hier ausdrücklich als 'kālarūpo vināyakaḥ' (Vināyaka in Gestalt der Zeit) und erklärt 'aviratam' aus 'kālasya santatyamānatvāt' (weil die Zeit sich ununterbrochen fortsetzt); eine Fußnote nennt die Lesart 'jayaty aparataḥ' als Variante einer Handschrift. Die Metrik ist in Pāda b/c durch die OCR-Unsicherheit bei 'aviratam' (könnte auch 'aviratiḥ' o.ä. sein) nicht ganz gesichert. UNMITTELBAR nach dem Kommentar zu diesem Vers (der wie gewohnt mit einer eigenen Verszahl-Wiederholung endet) bricht der greifbare Text ab; die Verse 2–15 sind im verfügbaren Quelltext nicht vorhanden (siehe Kapitel-Anmerkung: vermutlich fehlen hier sechs Druckseiten im digitalisierten Text). Der nächste erhaltene Text setzt mit Vers 16 ein.

ekaviṃśe tadṛddhau ca homāḥ kāmyā mahodayāḥ ||16|| dvātriṃśe [?] tu paṭale yantrāṇi phalabhedataḥ | catustriṃśe [?] tu nāmāni pañcaviṃśe [?] 'sya vāsanā ||17|| ṣaṭtriṃśatsvātmakaṃ granthaṃ adhyāyās tattvavigrahāḥ | pañcādhyāyaṃ [?] śataślokāḥ syād eva tantrasaṃgrahaḥ ||18||

Im einundzwanzigsten [Kapitel] werden, zu dessen Gedeihen, wunscherfüllende Opferfeuer (homa) von großer Wirkung [gelehrt] [?]. Im zweiunddreißigsten [?] Kapitel aber die Yantras nach ihren verschiedenen Wirkungen; im vierunddreißigsten [?] die Namen [der Gottheiten (?)], im fünfundzwanzigsten [?] deren 'Vāsanā' (innere Prägung/Praxis). Aus sechsunddreißig [Kapiteln] besteht der Text selbst als Ganzes; die Abschnitte (adhyāya) sind Verkörperungen der Wahrheiten (tattva); [mit je(?)] fünf Abschnitten [und] hundert Versen [pro Abschnitt (?)] ist dies die Zusammenfassung des Tantra.

Dieser Abschnitt (Beginn des erhaltenen Textes nach der Lücke) fasst, sehr fragmentarisch erhalten, den Aufbau des ganzen 36-Paṭala-Werkes zusammen (welches Kapitel welchen Stoff behandelt). Die OCR ist hier besonders schlecht bei den Ziffern (Paṭala-Nummern); 'dvātriṃśe', 'catustriṃśe', 'pañcaviṃśe' sind Bestlesungen stark ungesicherter OCR-Reste und könnten tatsächlich andere Zahlen (etwa 22, 24) bezeichnen; die aufsteigende Reihenfolge wäre dann plausibler. Vers 18 ist ebenfalls in den Einzelheiten (Zahl der Adhyāyas/Ślokas pro Adhyāya) unsicher; nur der Grundgedanke (36 Kapitel, Adhyāyas als Verkörperungen der Tattvas, Gesamtumfang) ist gesichert. Fußnoten der Ausgabe nennen Varianten ('homāt kāmyaphalodaya' statt 'homāḥ kāmyā mahodayāḥ'; 'nāmāni' evtl. 'nāmnāni').

sundaraḥ sumukhaḥ svacchaḥ sulabho bahutantravit | asaṃśayaḥ saṃśayacchin nirapekṣo gurur mataḥ ||19|| saundaryam anavadyatvaṃ rūpe saumukhyatā punaḥ | suvarapūrvābhibhāṣitvaṃ svacchatājihmavṛttitā ||20|| saulabhyam apragalbhatvaṃ santoṣo bahutantratā | asaṃśayas tattvavādhas tacchaktiṃ pratipādanāt [?] ||21|| nairapekṣyaṃ samatvaṃ ca gurutvaṃ hitavāditā | evaṃvidho gurur jñeyo yas tv itaraḥ śiṣyaduḥkhadaḥ ||22||

Schön, von freundlichem Angesicht, lauter, leicht zugänglich, in vielen Tantras bewandert, frei von Zweifel, ein Zerstreuer von Zweifeln, ohne [eigennütziges] Verlangen – so gilt der [rechte] Guru. Schönheit [bedeutet] Makellosigkeit der Gestalt; Freundlichkeit des Angesichts aber, mit angenehmen Worten zuerst anzusprechen; Lauterkeit [bedeutet] Geradheit, Freisein von Hinterlist. Leichte Zugänglichkeit [bedeutet] Freisein von Anmaßung [und] Zufriedenheit; Bewandertsein in vielen Tantras [zeigt sich daran, dass er] Zweifel [zerstreut, indem er] deren Wahrheitsgehalt/deren Kraft ohne Widerspruch darlegt [?]. Anspruchslosigkeit und Gleichmut, [wahre] Erhabenheit (guru-tva) und Reden zum Wohl [des Schülers] – ein solcher ist als Guru zu erkennen; wer anders ist, bereitet dem Schüler nur Leid.

Verse 20–21 lesen sich wie ein versifizierter Selbstkommentar, der jede der acht in Vers 19 genannten Guru-Eigenschaften einzeln definiert (dieses Verfahren – Aufzählung, dann Vers-für-Vers-Definition – ist im ganzen Kapitel öfter zu beobachten). Vers 21 ist in der zweiten Hälfte unsicher rekonstruiert; der Kommentar paraphrasiert nur knapp 'santoṣaḥ praṇatā' (Zufriedenheit = Demut) und 'pratipādanāt tasya' (aus dem Darlegen davon). Vers 22 ist demgegenüber klar und im OCR fast unbeschädigt lesbar.

caturbhirguṇaiḥ [ādyaiḥ] saṃyuktaḥ śraddhāvān susthirāśayaḥ | alubdhaḥ sthiragātraś ca prājñākāro jitendriyaḥ ||23|| āstiko dṛḍhabhaktiś ca gurau mantre sadaiva ca | evaṃvidho bhavec chiṣyas tv itaro duḥkhado guroḥ ||24|| guror uktavacane śraddhāṃ dadyād ity eva vacaḥ sadā [?] | prasīda nātha deveti tatheti ca kṛtāñjaliḥ ||25|| praṇamyopaviśet tatra tathā gacchen anujñayā [?] | mukhāvalokaṃ [?] seveta kuryād ādiṣṭam ādarāt ||26|| asatyaṃ na vaded agre na vadet pralapedapi | kāmaṃ krodhaṃ tathā lobhaṃ mānaṃ prahasanaṃ stutim ||27||

[Der Schüler sei] ausgestattet mit den vier zuerst [genannten Guru-Eigenschaften: schön, freundlichen Antlitzes, lauter, zugänglich], gläubig, von fest gegründetem Sinn, unbegehrlich, gefasst an Leib, klugen Aussehens, mit gebändigten Sinnen. Gläubig (an die Überlieferung) und von fester Hingabe an Guru und Mantra allezeit – ein solcher werde der Schüler; wer anders ist, bereitet dem Guru nur Leid. Auf das Wort des Guru schenke er stets nur dieses Vertrauen [dass er antwortet]: „Sei gnädig, Herr, Gott!“ und „So sei es!“, mit gefalteten Händen. Er setze sich [erst] nach einer Verneigung dort nieder, ebenso gehe er nur mit Erlaubnis; dienend beobachte er [des Guru] Angesicht und führe das Aufgetragene mit Ehrerbietung aus. Er spreche vor ihm keine Unwahrheit, rede nicht [Unnötiges] und schwatze auch nicht; [er meide] Begierde, Zorn, ebenso Habgier, Stolz, Spott [und unangebrachtes] Lob.

Der Kommentar bestätigt zu Vers 23 ausdrücklich: 'caturbhir ādyaiḥ saṃyuktaḥ' = 'ausgestattet mit den vier ersten [Eigenschaften]', bezogen auf die in Vers 19 für den Guru genannten Eigenschaften sundara/sumukha/svaccha/sulabha – der Schüler soll also dieselben vier äußeren Vorzüge haben. Vers 25 ist in Pāda a/b unsicher rekonstruiert (OCR stark verderbt); der Sinn (der Schüler antwortet dem Guru stets nur zustimmend) ist aus der Kommentarparaphrase erschließbar. Vers 26 ebenfalls unsicher in den Einzelheiten.

cāpalāni ca jihyāni [?] narmāṇi paridevanam [?] | gadānām [?] athādānaṃ vastūnāṃ krayavikrayam ||28|| na kuryād guruṇā sārdhaṃ śiṣyo bhūṣaṇaṃ [?] kadācana | yathā guruḥ śivaḥ sākṣāt taṃ stuvan praṇaman bhajet ||29|| yathā deve tathā mantre yathā mantre tathā gurau | yathā gurau tathā svātmany eva bhaktikramaḥ priye ||30|| guros tu mantradivase kuryād vyavasāyād ādarāt [?] | viśeṣapūjāṃ yogibhyo bhojanaṃ tatpadārcanam ||31|| vyāpte dūragataṃ pūjyaṃ pūjayed agrajādiṣu | ekadeśe nityasevā dūrasthasya yājanakramāt ||32|| ekādi tu ṣaḍyojanāntare varṣam [?] | tato 'py adūragate sevā tadājñāparipālanam ||33||

[Er meide] Unbeständigkeit und Hinterlist [?], Scherze und Klagen [?], ebenso das Vortragen [fremder] Sprüche [?] sowie Kauf und Verkauf von Gegenständen. Niemals wetteifere der Schüler mit dem Guru im Schmuck; da der Guru leibhaftiger Śiva ist, soll er ihn preisend und sich verneigend verehren. Wie zum Gott [die Hingabe sei], so zum Mantra; wie zum Mantra, so zum Guru; wie zum Guru, so, Liebe, auch zum eigenen Selbst – [das ist] die Reihenfolge der Hingabe. Der Guru aber vollziehe am Mantra-Tag mit Eifer und Ehrerbietung [?] eine besondere Verehrung für die Yogins: Speisung und die Verehrung von deren Füßen. Ist [der Guru] fern gegangen (verzogen/verstorben) [?], verehre man den Verehrungswürdigen [stellvertretend] in dessen älteren [Schülern] u. dgl.; ist er am selben Ort, [gebührt ihm] beständiger Dienst; ist er fern, [geschieht die Verehrung] nach der Ordnung des Opferns aus der Ferne. Bei einer Entfernung von ein bis sechs Yojana [gilt dies] ein Jahr [lang] [?]; ist er darüber hinaus nicht allzu fern, [besteht der Dienst] im Befolgen seiner Weisung.

Dieser ganze Abschnitt (28–40) über die dem Guru je nach Entfernung geschuldeten Dienste ist stark verderbt; viele Einzelheiten (genaue Yojana-Zahlen, genaue Bedeutung einzelner Ausdrücke wie 'bhūṣaṇam' hier wohl übertragen 'sich messen/wetteifern') bleiben unsicher und sind mit [?] markiert. Vers 32/33 sind nach dem Kommentar rekonstruiert, der von einem gestaffelten System (nahe Wohnort: täglicher Dienst; sechs Yojana und mehr: Verehrung/Opfer aus der Ferne) spricht.

āsanaṃ śayanaṃ vastraṃ bhūṣaṇaṃ pādukāṃ tathā | kāṣṭhādikam anyac ca yat tasyeṣṭaṃ tu pūjayet ||34|| ekagrāme pṛthakpūjāṃ na kuryād anujñayā [?] | pūjāmadhye samāyāte pūjyaṃ jñātvā sthitiṃ vadet ||35|| vidhehi śeṣam iti yuktaḥ kuryān no cet tadājñayā | vrataṃ tu so 'pi tacchreṣṭaḥ [?] kuryāc cañcalamānasaḥ [?] ||36|| pūjāmadhye gurau prāpte tatraiva vā 'pi samāgate | kṛtyam eva samuddiṣṭaṃ maunaṃ taṃ na samācaret ||37|| guruṃ na manyeta budhāt [?] yadi budhyeta tasya tu | na kadāpi bhavet siddhir mantre vā devapūjane ||38|| mantre ca tasya niyatāṃ pūjāṃ kuryād udīritām [?] | tāṃ ca tatpaṭale samyag jñātvā bhaktisamanvitaḥ ||39|| nijayānāṃ [?] tu purāṇānāṃ ca nābhyāsas tv anyakālataḥ [?] | tathāpy [?] ācyutaṃ [?] kiñcid abhicārād arisiddhaye ||40||

Sitz, Lager, Kleidung, Schmuck und ebenso Sandalen, Holzgerät und anderes, was ihm lieb ist – das verehre man [an Gaben]. Am selben Ort führe man ohne [seine] Erlaubnis keine gesonderte Verehrung durch; kommt er mitten in eine Verehrung hinzu, erkenne man ihn als den Verehrungswürdigen und teile ihm den Stand [der Handlung] mit. [Sagt er:] „Vollende den Rest“, so handle man danach; sagt er es nicht, [handle man dennoch] nach seiner Weisung; auch das Gelübde vollende jener, [den Guru] als das Höchste [betrachtend] [?], mit unbewegtem Sinn [?]. Kommt der Guru mitten in die Verehrung [hinzu] oder trifft dort ein, so ist eben die vorgeschriebene [religiöse] Pflicht [fortzuführen]; Schweigen gegenüber ihm übe man dabei nicht. Man betrachte den Guru nicht als geringer als einen [bloßen] Gelehrten [?]; erkennt man ihn aber richtig, [gilt]: niemals gibt es sonst Erfolg (siddhi), weder beim Mantra noch bei der Gottesverehrung. Beim Mantra vollziehe man die für dieses festgelegte, [in den Lehrtexten] verkündete Verehrung; kennt man sie im betreffenden Kapitel [des Tantra] recht, [handle man] von Hingabe erfüllt. Die eigenen [?] alten [Schriften] aber übe man nicht zu anderer Zeit ein [?]; dennoch [ist] etwas davon nicht aufzugeben [?] – wegen eines Schadenszaubers zur Bezwingung eines Feindes.

Verse 36, 38 und besonders 40 sind so schwer beschädigt, dass die Übersetzung nur den ungefähren, aus dem Kontext erschlossenen Sinn wiedergeben kann; einzelne Wörter (budhāt, nijayānām, ācyutam) sind reine Bestlesungen unsicherer OCR-Reste und mit [?] gekennzeichnet. Vers 40 leitet offenbar zum folgenden zahlenmagischen Abschnitt über (abhicāra = Schadenszauber gegen einen Feind).

aśvinyādiṣu ṛkṣeṣu rāśiṣv api ca [?] sarvataḥ | bindu-visargābhyāṃ varjitāṃś caturo yojayed ādyān [?] bindusargau tu sarvagau ||41|| tena mantrādivarṇena nāmnaścādyantareṇa ca | gaṇayed anyāvat [?] ṣaṣṭhaṃ vāṣṭamaṃ dvādaśaṃ tu vā ||42|| ripor mantrādivarge [?] syāt taṃ na tasyāhitaṃ bhavet [?] | rāśiṣv anākṛṣṭeṣu [?] samprapañcadvitīyagaiḥ [?] ||43|| [?] [?] | yatas taṃ tattvavijñānarahitās taṃ na coditam ||44|| prāk pratyag ūrdhvanimnaṃ ca guṇapañcakayogataḥ [?] | koṣṭhāni ṣoḍaśātra syus tān vargān kramāl likhet ||45||

Bei den Mondhäusern, beginnend mit Aśvinī, und ebenso bei allen Tierkreiszeichen [?]: die vier Anfangsbuchstaben [der vier Konsonantenklassen (?)], frei von Bindu und Visarga, ordne man zu [?]; Bindu und Visarga aber sind allgegenwärtig [durchdringen alles]. Mit jenem [ermittelten] Anfangsbuchstaben des Mantra und mit dem Anfangs- [und End-]Buchstaben des Namens zähle man ebenso [?] bis zur sechsten, oder achten, oder auch zwölften [Stelle]. Fällt [der Anfangsbuchstabe] des Feindes-Mantra in [diese Stelle] [?], so wird ihm [daraus] nichts Übles erwachsen [?]; ... [Rest unklar]. [Die ersten zwei Pādas dieses Verses fehlen im Quelltext, offenbar an einem Seitenübergang verloren] ... denn wer der Erkenntnis dieser Wahrheit entbehrt, dem wurde dies nicht [zur Ausführung] angeordnet. Nach Osten, Westen, oben und unten, durch die Verbindung mit der Fünfergruppe [der Konsonantenklassen] [?], entstehen hier sechzehn Felder; in diese schreibe man der Reihe nach jene [Buchstaben-]Gruppen (varga).

Dieser gesamte Abschnitt (41–56) beschreibt ein zahlenmagisches Verfahren mit einem Diagramm aus 16 Feldern, in das die Konsonantenklassen eingetragen werden, um anhand des Namens des Sādhaka und seines Mantras deren wechselseitiges Verhältnis (siddha/susiddha/sādhya/ari) zu bestimmen. Er ist im vorliegenden OCR außergewöhnlich schwer beschädigt (Ziffern- und Zeichenfehler häufen sich); nur der ungefähre Ablauf – nicht aber alle Einzelheiten der Zählmethode – ließ sich aus Wurzeltext und knapper Kommentarparaphrase erschließen. Vers 44 ist im Quelltext nur mit seinen Pādas c–d erhalten (im sa-Feld als '[?] [?]' markiert); die ersten beiden Pādas fehlen ersatzlos, offenbar durch einen Ausfall am Seitenumbruch (anders als die große Lücke nach Vers 1 handelt es sich hier nur um einen kurzen, lokalen Verlust). Verse 42–43 sind Bestlesungen; die genaue arithmetische Prozedur (Zählung bis zur 6., 8. oder 12. Stelle) folgt der knappen Kommentarparaphrase, die von einer Berechnung 'bis zur im 6., 8. oder 12. Rāśi befindlichen Silbe' für Schadenszauber gegen einen Feind spricht.

catuścaturvibhāgena kalpayet tāni tu kramāt | prathamaprathame tv ādyaṃ dvitīyaprathame tathā ||46|| dvitīyam anyat tathānyat tathānyad api kalpayet | tattatkoṣṭheṣu vilikhet tattatpañcamam akṣaram ||47|| evaṃ catuḥkoṣṭheṣu tadantāvadhi samālikhet | svanāmādyakṣaraṃ yatra yatkoṣṭhe saṃdṛśyate tataḥ ||48|| siddhādīn gaṇayed yāvan mantrādyakṣaradarśanam [?] | siddhaḥ siddhāj japāt siddhād dviguṇāt siddhasādhyakaḥ [?] ||49||

In eine Einteilung von je vier Feldern ordne man sie der Reihe nach: in das erste Feld der ersten [Vierergruppe schreibe man] den ersten [Buchstaben der jeweiligen Klasse], ebenso in das erste Feld der zweiten [Vierergruppe]. Den zweiten [Buchstaben schreibe man] in ein anderes [Feld], und ebenso [je] einen weiteren in ein anderes und wieder einen weiteren ordne man an; in die jeweiligen Felder schreibe man [von da an fortlaufend] jeweils den fünften Buchstaben [danach]. So schreibe man fortlaufend bis zum Ende in die [je] vier Felder der vier Gruppen; von wo aus der erste Buchstabe des eigenen Namens in welchem Feld sich zeigt, von da – zähle man [die Felder als] 'siddha' usw. ab, bis man auf [das Feld] blickt, [in dem] der erste Buchstabe des Mantra [erscheint] [?]: 'siddha' aus 'siddha' durch [bloßes] Rezitieren, 'siddha-sādhyaka' aus 'siddha' durch das Doppelte [der Zählung] [?].

Auch dieser Abschnitt gehört zum in 1.41 begonnenen 16-Felder-Verfahren; die genaue Zähl- und Füllmethode (Eintragen der Buchstaben nach der 'jeweils fünften Stelle'-Regel) folgt der Kommentarparaphrase, bleibt aber in Details unsicher. Vers 49 leitet zur Ergebnisliste (siddha/susiddha/sādhya/ari-Kombinationen) über, die in 1.50 folgt; die genaue Ableitungsregel für 'siddha-sādhyaka' aus 'dviguṇāt' (durch das Doppelte) ist nicht mit Sicherheit rekonstruierbar.

siddhaḥ susiddhaḥ samprāptaḥ siddhārir hanti gotrajān | sādhyasiddhe 'tisatkṣepāt [?] sādhyasādhyo 'tiduḥkhakṛt ||50|| sādhye susiddho bhajanāt sādhyāriḥ svāṃ śriyaṃ haret | susiddhasiddho 'dhyayanāt phalaṃ dadyād abhīpsitam ||51|| susiddhasādhyo jāpād vā siddhaye syād ato 'nyathā [?] | susiddhaṃ tu prasiddhas tu pūrvajanmakṛtaśramaḥ ||52|| tasmāt tu bhavasiddhīnāṃ sādhane yo japen mantram | abhicāre ripor evaṃ yadi svātmavipattaye ||53|| susiddhāris tu śeṣeṇa svakulaṃ nāśayed dhruvam | arisiddhaḥ sutaṃ hanyād arisādhyaḥ svayoṣitam ||54|| ariḥ susiddho mantras tu kulotsādanakṛcchraiḥ [?] | atha 'ariḥ' svātmahā mantraḥ saṃprāptaś ca suniścitam ||55|| nāmādyakṣaram ārabhya yāvan mantrādivargakam | tridhā kṛtvā svarair bhindyāt tad anyad aparītakam [?] ||56||

Ist [das Verhältnis] 'siddha-susiddha' erreicht, [ist alles günstig]; 'siddha-ari' aber tötet die eigenen Sippenangehörigen; bei 'sādhya-siddha' [droht] durch überstürztes Handeln [?] [Unheil]; 'sādhya-sādhya' verursacht großes Leid. 'sādhya-susiddha' [gewährt] durch Verehrung [Erfolg]; 'sādhya-ari' aber raubt das eigene Glück; 'susiddha-siddha' gewährt durch [beständiges] Studium/Rezitieren die erwünschte Frucht. 'susiddha-sādhya' führt durch Rezitation zum Erfolg, sonst nicht [?]; 'susiddha-susiddha' aber ist von vornherein erfolgreich – [bei dem, der] schon in einem früheren Leben die Anstrengung dafür geleistet hat. Deshalb: wer beim Erwirken der [aus früherem Karma] entstandenen Erfolgs-Verhältnisse das Mantra rezitiert – ebenso beim Schadenszauber (abhicāra) gegen einen Feind, falls [dies] zum eigenen Verderben [ausschlägt] – 'susiddha-ari' wird durch den verbleibenden [Rest des Verfahrens] gewiss die eigene Sippe vernichten; 'ari-siddha' tötet den [eigenen] Sohn, 'ari-sādhya' die eigene Ehefrau. Das Mantra '[bloß] ari-susiddha' aber [führt] durch mühevolle allmähliche Zerrüttung zur Vernichtung der Sippe; das [Mantra, das nur als] 'ari' erlangt wird, ist mit Gewissheit ein den eigenen [Übenden] tötendes Mantra. Vom Anfangsbuchstaben des Namens an bis zur [entsprechenden] Buchstabenklasse des Mantra teile man, dreifach gemacht, durch die Vokale [?]; das andere [Ergebnis] ist ein Gegenstück dazu [?].

Dieser Abschnitt (Ergebnisse der 16-Felder-Methode) ist im OCR vergleichsweise gut erhalten und daher sicherer rekonstruiert als 41–49; unsicher bleiben v.a. einzelne Fachausdrücke ('atisatkṣepāt', 'kṛcchraiḥ') und Vers 56, der offenbar zu einem weiteren, hier nur angedeuteten Unterverfahren überleitet. Die Pañcamakāra-artige Drastik dieser Verse (Tötung von Sohn/Ehefrau/Sippe als Mantra-Wirkung) wurde wörtlich wiedergegeben, wie im Auftrag gefordert.

[?] ko jñeyo raṇo vā mantram uttamam | svayaṃ no cet tanmantraṃ tyajet pūrvaṃ raṇo yataḥ [?] ||57|| kathaṃ jñātavyaṃ mantrāṇāṃ sādhakānāṃ ca me vada | pūrvajanmakṛtābhyāse pāpād asya aphalāptṛtvam [?] ||58|| pāpe naṣṭaphalāvāptiḥ kāle dahanakṛt tv agī [?] | mantraḥ samprāptibhāvena prāktanaḥ siddhaye bhavet ||59|| siddhaṃ tu guror mantro yaḥ siddhibhāṅ na naraḥ [?] | lakṣmīm adāntyā [?] mantre bhogam avāpnuyāt ||60|| svanāmamantrasya [?] jñeyo bhajanaṃ tasya pūrvavat [?] | tasmād aviśuddhis tu kāryā sarvatra svataḥ ||61||

[Die ersten Wörter dieses Verses sind zu stark verderbt, um sie sicher wiederzugeben] ... wie ist das überlegene Mantra zu erkennen? Wenn es sich [für einen] von selbst nicht [als überlegen erweist], gebe man jenes Mantra auf, weil es zuvor [im Streit/Wettstreit unterlegen ist (?)]. Wie ist [die Über- bzw. Unterlegenheit] der Mantras und der Sādhakas [gegeneinander] zu erkennen – sage mir das! Durch Sünde aus in früherer Geburt geübter Gewohnheit [entsteht] dessen Fruchtlosigkeit. Durch [diese] Sünde geht der Erfolg verloren; [zur rechten] Zeit aber [wird ein Mantra, das] frühere [gute Prägung hat], durch das [erneute] Erlangen zum Erfolg führen. Ein Mantra, das durch den Guru [rechtmäßig] erlangt ist, führt zum Erfolg; [ohne einen solchen Guru] wird der Mensch nicht erfolgreich. ... [Rest unsicher]. Das Verhältnis des Mantras zum eigenen Namen ist ebenso zu erkennen wie zuvor [beschrieben]; deshalb ist von sich aus überall auf [etwaige] Unreinheit [des Mantras] zu achten.

Verse 57 ist am Anfang (erste ein bis zwei Wörter) so stark zerstört, dass keine sichere Lesung möglich war (im sa-Feld als '[?]' markiert). Dieser Abschnitt über 'uttamarṇa' (überlegenes/'Gläubiger'-) und 'adhamarṇa' (unterlegenes/'Schuldner'-)Mantra ist besonders stark beschädigt; der Kommentar deutet an, dass hierbei die Buchstabenreste von Name und Mantra nach Division durch sieben verglichen werden (die größere Restzahl gilt als 'adhamarṇa', die kleinere als 'uttamarṇa'), doch lässt sich die genaue Rechenregel aus dem vorliegenden Text nicht mehr sicher rekonstruieren. Die Übersetzung gibt daher nur den erschließbaren Grundgedanken wieder; zahlreiche Wörter sind Bestlesungen und mit [?] gekennzeichnet.

rudrākṣair api padmākṣaiḥ [pūrvajaiḥ?] kucandanaiḥ [?] | sphāṭikaiś ca pravālaiś ca mauktikair hemanirmitaiḥ ||62|| rājate japamālā syāt [pūrvaṃ pūrvaṃ phalair guruḥ?] [?] | ādyantair antarair varṇaiḥ syād akṣamālā yathārthataḥ [?] ||63|| anulomavilomābhyāṃ mālākāntaritāṃ [?] japet | evaṃ sarvaguṇopeto jāyate sarvasiddhimān ||64|| tarjanīrahitaḥ kuryād aṅgulyagrajapakriyām | aṅgulīparvasaṃkhyānād api vā gaṇayej japam ||65|| abuddhipūrvaṃ vihite niṣiddhe karmaṇi dvijaḥ [?] | vidyāṃ japec chataṃ tena tatpāpān mucyate dhruvam ||66|| nityātikramadoṣāṇāṃ śāntyarthaṃ vidyāṃ śataṃ japet | naimittikātikrame sahasraṃ prajapet tadā ||67||

Mit Rudrākṣa-Perlen, mit Lotossamen-Perlen, mit rotem Sandelholz, mit Bergkristall, mit Koralle, mit Perlen [oder] aus Gold gefertigt [gefertigte Rosenkränze] – [eine silberne (?)] Gebetskette [ist zu verwenden, wobei] je frühere [Materialien den] früher [genannten] an Frucht [übertreffen (?)]; mit den [Buchstaben] von Anfang bis Ende, dazwischen den [übrigen] Lauten, entsteht in Wahrheit die Silbenkette (akṣamālā) [?]. Man rezitiere, indem man die Kette abwechselnd vorwärts und rückwärts [durchläuft (?)]; so wird man, mit allen guten Eigenschaften versehen, zum Erlanger aller Vollendungen. Ohne den Zeigefinger [zu benutzen] vollziehe man das Rezitieren an den Fingerspitzen, oder man zähle das Rezitieren auch nach der Zahl der Fingerglieder. Hat ein Zweimalgeborener [oder: der Übende] unabsichtlich in einer vorgeschriebenen [Handlung] etwas Verbotenes getan, so rezitiere er die Vidyā hundertmal; dadurch wird er von jener Sünde gewiss befreit. Zur Besänftigung der Fehler bei Verstößen gegen die täglichen [Pflichten] rezitiere man die Vidyā hundertmal; bei einem Verstoß gegen die anlassbezogenen [Pflichten] rezitiere man dann tausendmal.

Vers 62 (Rosenkranz-Materialien) ist gut lesbar; Vers 63 dagegen stark beschädigt ('rājate japamālā' = 'die [wohl silberne, rājata] Gebetskette' ist eine Vermutung; 'akṣamālā' statt des unsinnigen OCR-Rests 'annamālā'). Verse 64–67 sind vergleichsweise klar.

viśuddhadehavadanaḥ śuklāmbaradharaḥ śuciḥ | vimukhaḥ paranindāsu devatādarśaneṣu ca [?] ||68|| parāṅganāvasumitasya [?] bhūmipīḍāsu vigatasprhaḥ [?] | dayānvitaḥ sarvajane prājñākāro gataspṛhaḥ ||69|| āstiko gurubhaktaś ca nityaśo niyamānvitaḥ | yaḥ sa sarvaguṇopeto vidyāsiddhim avāpnuyāt ||70|| anyathā vartamāno yo vidyābhajanavāñchiraṃ [?] | na tasya siddhiḥ kutrāpi kadācic ca kathañcana ||71|| ādau yogo bhaved ante pallavaḥ saṃpuṭe ubhayoḥ [?] | ekāntaraṃ tu grathanaṃ vidarbho 'nyatra nānyataḥ [?] ||72|| mantradoṣāṃs tu vijñāya guruḥ pariharet tu tān | anyathā sa guruḥ śiṣyaṃ nihantya vāciraddhruvam [?] ||73||

Rein an Körper und Antlitz, weißgewandet, lauter; abgeneigt gegen die Verleumdung anderer und ebenso [gegen Unangemessenes] beim Anblick der Gottheiten; frei von Begehren nach fremden Frauen [und] nach Gütern [?], von der Bedrängnis von Lebewesen (?) abgewandt, mitleidsvoll gegenüber allen Wesen, klugen Aussehens, frei von [weltlichem] Verlangen; gläubig und dem Guru ergeben, stets an die [vorgeschriebenen] Regeln gehalten – wer so mit allen guten Eigenschaften versehen ist, erlangt die Vollendung (siddhi) der Vidyā. Wer sich aber anders verhält und [dennoch] lange nach dem Erlangen der Vidyā trachtet, dem wird niemals, nirgends und auf keine Weise Erfolg zuteil. Am Anfang [der Verbindung von Mantra und Vidyā entsteht die Verbindungsart] 'yoga', am Ende 'pallava', an beiden [zugleich] 'saṃpuṭa'; abwechselnd [Silbe für Silbe verschränkt ist] 'grathana', [eine weitere Art] 'vidarbha'. Der Guru soll die Fehler des Mantras erkennen und sie beseitigen; tut er dies nicht, wird er, der Guru, den Schüler dadurch gewiss bald zugrunde richten.

Verse 68–71 (Sādhaka-Verhaltensregeln) sind größtenteils klar; Vers 69 enthält unsichere Stellen. Vers 72 benennt fünf Arten der Verschränkung von Mantra und Vidyā (yoga, pallava, saṃpuṭa, grathana, vidarbha); der Kommentar erläutert sie ausführlicher, doch wurde nur der Wurzelvers übersetzt. Vers 73 leitet zur folgenden Liste der 25 Mantra-Fehler über.

tena tatparihāraṃ ca śṛṇu devi samāhitā [?] | parihāraprakāraṃ tu vakṣye yogena tattvataḥ ||74|| dagdhaḥ ṣaṭkarṇago mantro garvitaḥ syād adhikaṃ japāt | garvitas tv avidhiprāptaḥ śavo vairikoṣṭhagaḥ ||75|| bālo laghvakṣaraprāyo guvakṣarānvitaḥ [?] | nirjitā karmabāhulyād ahasāḥ sattvavarjitāḥ [?] ||76|| apūrṇarūpāḥ khaṇḍitāḥ syuḥ stambhitāḥ sānunāsikāḥ | akālaviniyogena svāpagā japataḥ [?] ||77|| mattāḥ patheṣu paṭhanād anyavarṇais tu kaulitāḥ | ruddhā visandhikāḥ prāptaduḥkhā vairisamanvitāḥ ||78|| khaṇḍībhūtās tv ūnajāpād aṅgahīnās tv asaṃvṛtāḥ [?] | apūrṇā nopadiṣṭā ye hīnavīryās tu te matāḥ ||79|| sadā prayogāt kuṇṭhatvaṃ kliṣṭatātivilambanāt | rugṇāḥ pralapanair japād anyamantraiḥ sadāvilāḥ ||80|| utsṛṣṭāvasthayā [?] japād vaiṣamyād avamānitāḥ | pañcaviṃśatir uddiṣṭā doṣāṃs tān śamayed guruḥ ||81||

Höre daher auch das Mittel zu deren Behebung, gesammelte Göttin; die Art der Behebung will ich der Wahrheit gemäß, in Verbindung [mit den einzelnen Fehlern], verkünden. 'Verbrannt' ist ein Mantra, das sechs Ohren erreicht hat [d.h. mehr als zwei Personen kennen]; 'überheblich' wird es durch übermäßiges Rezitieren; 'überheblich' auch das unvorschriftsmäßig erlangte, das 'leichenhafte', das 'im Feindesfeld befindliche'; das 'kindliche' [besteht] überwiegend aus kurzen Silben, [ein anderes] aus überwiegend langen Silben [?]; 'besiegt' durch Übermaß an [fremden] Riten, 'freudlos' [?], 'kraftlos' [?]; 'unvollständig', 'zerstückelt', 'gehemmt', 'nasal'; durch Anwendung zur unrechten Zeit [entsteht] das 'schlafende' durch [falsches] Rezitieren; 'berauscht' durch Lesen auf [gewöhnlichen] Wegen, 'vermischt' durch [Beimengung] anderer Laute; 'blockiert', 'bruchhaft', 'leiderfüllt', 'feindbehaftet'; 'zerteilt' durch verkürztes Rezitieren, 'gliedlos' [und] 'unverhüllt' [?]; die 'unvollständigen', nicht [ordnungsgemäß] gelehrten – diese gelten als 'kraftlos'; durch beständigen [falschen] Gebrauch [entsteht] Stumpfheit, durch allzu große Verzögerung Bedrängnis; 'krank' durch [unangebrachtes] Geschwätz beim Rezitieren, 'stets verwirrt' durch [gleichzeitiges Rezitieren] anderer Mantras; durch Rezitieren in [unwürdigem, 'aufgegebenem'] Zustand [entstehen die] durch Ungleichmäßigkeit 'Missachteten'. Fünfundzwanzig Fehler sind [so] aufgezählt; diese Fehler soll der Guru besänftigen (beheben).

Die Liste der 25 Mantra-Fehler ist inhaltlich gut erschließbar, auch wenn einzelne Fachbegriffe (v.a. 'ahasāḥ', 'sattvavarjitāḥ', 'asaṃvṛtāḥ', 'utsṛṣṭāvasthayā') wegen OCR-Schäden unsicher bleiben und mit [?] markiert sind; die Gesamtzahl '25' am Ende bestätigt, dass die Aufzählung im Wesentlichen vollständig erfasst wurde, auch wenn eine genaue Eins-zu-eins-Zuordnung von Fehlerzahl zu Fehlerbegriff wegen der Textschäden nicht in jedem Fall möglich ist.

bandhanaṃ yonimudrāyāḥ mantrāṇāṃ vīryayojanam | ubhayaṃ bodhayan śiṣyaṃ saṃrakṣed gurur ātmavān ||82|| guror lakṣaṇam etāvad ādimātraṃ tu vedayet | ādimātravihīnās tu varṇāḥ syuḥ śaradabhravat ||83|| tasmād ādita evāsau kuryāt tattadahaṃkṛtiḥ [?] | yad ahaṃkāravijñānān mattamo jāyate naraḥ [?] ||84|| anādikramasiddhaṃ mātṛkādyantayojanāt | tādātmyasiddhiṃ tāṃ viddhi sarvamantrādhivigraham ||85|| dvijātīnāṃ tu saṃskāraṃ vedoktaṃ tu samuddiśet [?] | teṣāṃ ca tatra tasyāpi vidyayā vidhim ācaret ||86|| na vidyāsmaraṇaṃ kuryāt kriyāṃ sarvatra coditām | tena tanmayatāsiddhiḥ sarvatra bhavati dhruvam ||87||

Das Binden des Yonimudrā [und] das Verbinden der Kraft (vīrya) der Mantras – indem er den Schüler in beidem unterweist, soll der besonnene Guru [ihn] behüten. Dies also sind die Kennzeichen des Guru; man erkenne aber [auch] die 'Anfangs-Mātrā' [d.h. den Laut A]; ohne die Anfangs- [und End-]Mātrā sind die [bloßen] Laute wie herbstliche Wolken [bedeutungslos, vergänglich]. Deshalb vollziehe er von Anfang an eben dieses [Ich-Bewusstsein] [?]; denn aus der Erkenntnis des [wahren] Ich-Bewusstseins wird der Mensch höchst berauscht [von Wonne erfüllt] [?]. Diese von anfangsloser Ordnung her feststehende [Einheit], entstanden aus der Verbindung von Anfang [A] und Ende [Ha] der Buchstabenreihe (mātṛkā) – erkenne sie als die Vollendung des Einsseins (tādātmya), die über allen Mantras thront. Für die Zweimalgeborenen aber lege man die im Veda gelehrte Weihe zugrunde; auch bei ihnen vollziehe man dort das [entsprechende] Ritual mit der Vidyā. Ohne das Gedenken an die Vidyā vollziehe man keine überall [sonst] vorgeschriebene Handlung; dadurch entsteht überall gewiss die Vollendung des Einsseins mit ihr (tanmayatā).

Vers 83/85 formulieren die für die Śrīvidyā-Tradition zentrale Lehre von Ādimātrā und Antamātrā (A und Ha, Anfang und Ende des Sanskrit-Alphabets) als Grundlage aller Mantras; diese beiden Verse sind vergleichsweise gut erhalten. Vers 84 bleibt in den Details unsicher.

anyeṣām api varṇānāṃ vidyayā samupācaret | nidhanaṃ vidyayā [?] dadyād vidyāyā anyat samācaret [?] ||88|| saṃyojya bhojayed ekam anekaṃ vā svaśaktitaḥ | yoginaṃ vidyayā siddhaṃ pūrvataś ca nimantritam ||89|| um ikāvasānād evaṃ [?] taṃ pūjayitvā praṇamya ca | vidyayā viniyojya [?] svavidyāsiddhaye śive ||90|| guros tu janmadivasaṃ vidyāprāptidinaṃ tathā | svajanmadivasaṃ cāpi vrativāsaram eva ca ||91|| akṣaratrayasaṃpātadinaṃ pūrṇādinaṃ tathā | ṣaṭparvāṇi viśiṣṭāni sadṛśaṃ saptaparvakam ||92|| māsato varṣato vā 'pi kuryād eteṣu pūjanam | guros tu jīvitaṃ nityaṃ vyāptaṃ tatpūjanādikam [?] ||93|| pūjayet tatsamaṃ taṃ ca praṇāmāya samācaret | tadabhāve tatkulīnaṃ taduktaṃ vā samācaret ||94||

Auch für die anderen Stände (varṇa) verfahre man mit der Vidyā [entsprechend]; ... [man vollziehe] mit der Vidyā anderes. Man bewirte, nachdem man [ihn] herbeigeführt hat, einen oder mehrere, nach eigenem Vermögen – einen Yogin, der durch die Vidyā vollendet ist und zuvor eingeladen wurde. ... so, ihn verehrend und sich verneigend, [und] mit der Vidyā [das Mantra] anwendend, o Śivā, zur Vollendung der eigenen Vidyā. Den Geburtstag des Guru, ebenso den Tag des Empfangs der Vidyā, auch den eigenen Geburtstag und den Tag des Gelübdes, den Tag des Zusammentreffens der drei Silben [?], ebenso den Vollmondtag, die sechs besonderen Feste (parvan) und das ihnen gleichende siebte Fest – an diesen [Tagen], monatlich oder jährlich, vollziehe man die Verehrung; solange der Guru lebt, ist [ihm] die Verehrung u. dgl. stets [geschuldet]. Man verehre ihn ebenso und erweise ihm die Verneigung; ist er nicht mehr [am Leben], so verfahre man ebenso mit einem aus seiner Familie oder mit dem von ihm Bestimmten.

Verse 88 und 90 sind stark beschädigt (unsichere Wortgrenzen, 'umikāvasānāt' ist eine Bestlesung des unklaren OCR-Rests); Verse 91–94 (Sonderverehrungstage für den Guru) sind demgegenüber gut lesbar, mit Ausnahme des genauen Sinns von 'akṣaratrayasaṃpātadinam' (Tag des Zusammentreffens dreier Silben – vermutlich ein astrologisch bestimmter Tag).

stuvīta pañcabhiḥ ślokais taṃ nityaṃ bhavasiddhaye | prātaḥ prabodhasamaye japāt sudivasaṃ bhavet ||95|| namaste nātha bhagavan śivāya śivarūpiṇe | vidyāvratānāṃ siddhyarthaṃ svīkṛtānekavigraha ||96|| navāya navarūpāya paramārthaikarūpiṇe | sarvajñānatamobhedabhānave cidghanāya te ||97|| svatantrāya dayāpūrṇavigrahāya śivātmane | paratantrāya bhaktānāṃ bhavyānāṃ bhavyarūpiṇe ||98|| vivekinaṃ vivekāya vimarśāya vimarśinām | prakāśānāṃ prakāśāya jñānināṃ jñānarūpiṇe ||99|| purastāt pārśvayoḥ pṛṣṭhe namaskuryād yathākramam [?] | sadā me cittarūpeṇa vidhehi bhavadāsanam ||100|| bhūmitattvamayīṃ vyāptim iti samyak samīritā | deśakālākāraiḥ tvanmayatāṃ me vidhehi śivam ||101|| asyā niṣkalanāc cittaṃ tattattvaṃ svātmasātkṛtam [?] ||102||

Man preise ihn täglich mit fünf Versen zur Erlangung des Erfolges (siddhi); rezitiert man dies morgens zur Zeit des Erwachens, wird der Tag gut. Verehrung dir, Herr, Erhabener, Śiva, der du Śivas Gestalt hast, der du zur Vollendung derer, die das Gelübde der Vidyā [halten], viele Gestalten angenommen hast! Dem Neuen, dem von je neuer Gestalt, dem der einzig höchsten Wirklichkeit gleichenden, der alle Finsternis des Wissens zerteilt wie die Sonne, dem aus reinem Bewusstsein Bestehenden – dir [gilt die Verehrung]! Dem Unabhängigen, von mitleidserfüllter Gestalt, dem Śiva-Wesen; dem für seine Verehrer Abhängigen, dem für die Frommen die heilvolle Gestalt Annehmenden! Dem Unterscheidungsvermögen der Unterscheidenden, dem Reflektieren der Reflektierenden; dem Leuchten der Leuchtenden, dem Wissensgestaltigen der Wissenden! Vorn, an beiden Seiten und im Rücken verneige man sich der Reihe nach; gewähre mir allezeit, in Gestalt [meines] Bewusstseins, deinen Sitz [in mir]. Die aus dem Erd-Element bestehende Durchdringung – so ist [dies] treffend ausgesprochen; durch Ort, Zeit und Gestalt gewähre mir das Einssein mit dir, Heilvoller (Śiva). Durch das Auflösen (die Analyse) davon wird das Bewusstsein zu jener Wahrheit gemacht, die dem eigenen Selbst zu eigen ist.

Verse 96–100 bilden einen fünfversigen Guru-Śiva-Lobpreis, der laut Kommentar täglich morgens zu rezitieren ist; sie sind vergleichsweise gut erhalten. Verse 101 und 102: Im OCR tragen zwei aufeinanderfolgende, aber unterschiedliche Halbverse beide die Zählung '101' ('deśakālākāraiḥ...vidhehi śivam' und 'asyā niṣkalanāc...svātmasātkṛtam'); da eine doppelte Vergabe derselben Nummer für die fortlaufende Zählung nicht sinnvoll ist, wurde der zweite hier probeweise als Vers 102 gezählt (vermutlich Wiederholungsfehler der OCR bei der Seiten-/Versziffer). Beide Verse sind zudem inhaltlich und grammatisch nur bruchstückhaft rekonstruierbar (Vers 101 wirkt aus zwei Halbversen zusammengesetzt, deren syntaktischer Zusammenhang unsicher ist); entsprechend vorsichtig ist die Übersetzung zu lesen. Mit Vers 102 endet der Wurzeltext des Kapitels; es folgt das Doppelkolophon. Wurzeltext-Kolophon (übersetzt): „So [endet], im Ṣoḍaśanityā-Tantra, genannt Yoginīmata [?], das erste Kapitel.“ Kommentar-Kolophon (Inhalt, nicht wörtlich übersetzt, da Kommentarprosa): Es nennt den Kommentator (Subhagānandanātha, mit dem Beinamen Prapañcasārasiṃharājaprakāśa) und seinen Kommentar Manoramā und bezeichnet das erste Kapitel als der Darlegung der 'Offenbarung des Tantra u.a.' (tantrāvatārādi) gewidmet; es folgt eine kurze, nicht mehr sicher deutbare Vers-/Umfangsangabe zum Kommentar selbst ('granthasaṃkhyā'). Direkt danach beginnt im Quelltext bereits 'atha dvitīyaṃ paṭalam' (das zweite Kapitel) mit seinem eigenen Vers 1 ('atha nāthān pravakṣyāmi bhadrapān nityavigrahān...') – dies gehört nicht mehr zu Paṭala 1 und wurde hier nicht übersetzt.

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