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Tantrarāja Tantra

Paṭala 6: iti śrīṣoḍaśanityātantre kādimate ṣaṣṭhaṃ paṭalam 6-tes Kapitel: Die anlassbezogene und die wunscherfüllende Verehrung Lalitās

Quelle: Tantrarāja-Tantra mit dem Kommentar Manoramā des Subhagānandanātha, Tantrik Texts Vol. 8 (Hrsg. Sadāśiva Miśra, Calcutta 1918), archive.org, OCR (Qualität in diesem Kapitel besonders schlecht, deutlich schlechter als in den Nachbarkapiteln; sehr viele Ziffern- und Zeichenverwechslungen). Das sechste Paṭala (101 Verse) setzt die in Paṭala 4-5 begonnene Darlegung der Verehrung Lalitās fort und behandelt, wie am Kapitelanfang angekündigt, die anlassbezogene (naimittika) und die wunscherfüllende (kāmya) Verehrung: zunächst (V.1-32) ein Kalender von Vollmondsfesten durch das Jahr (Caitra bis Phālguna) mit jeweils eigenen Blumen/Substanzen, darunter ausführlich das Śrāvaṇa-Fest der Pavitrāropaṇa (Darbringung geweihter Schnüre, V.11-19) und das Āśvina-Navarātra mit gestaffeltem Homa, Japa und Kumārī-Verehrung (V.20-24); dann (V.33-40) die Einführung der sechs magischen Handlungen (ṣaṭkarman: Schutz, Befriedung, Sieg, Gewinn, Bezwingung, Vernichtung) mit ihren Maṇḍala-Zuordnungen; anschließend (V.41-101) eine lange, disparate Reihe kāmya-ritueller Einzelvorschriften (Homa-Substanzen, Baum- und Sitzsockel-Zuordnungen für die Mütter-Göttinnen, wochentagsbezogene Verehrung gegen Planetenbedrängnis, Cakra-Konstruktionen aus verschiedenen Materialien, nächtliche Verehrung an Leichenplätzen, Berggipfeln und im Wald zur Unterwerfung verschiedenster Geister- und Halbgötterwesen [Piśācas, Vetālas, Nāga-Mädchen, Yakṣas u.a.], Blumen-Substanz-Ziel-Listen für weltliche Wünsche und schließlich die formelhafte Schlussmeditation über das Erd-/Geruchselement). Das Kapitel endet, wie die Nachbarkapitel, mit einem kurzen Wurzeltext-Kolophon und dem langen Kommentar-Kolophon des Subhagānandanātha. OCR-Qualität: sehr schlecht durchgehend; besonders in den Versen 4, 7, 21, 31-32, 39-40, 52-53, 63, 68-69, 73-75, 82, 87-89, 93-96 sind Einzelwörter oder ganze Halbverse nicht mit Sicherheit zu rekonstruieren und deshalb mit [?] markiert; mehrfach sind auch die gedruckten Versziffern selbst fehlerhaft (typische Ziffernverwechslungen 3/2, 5/4, 6/4, 9/8 u.ä.), was jeweils in den Einheiten-Notizen vermerkt ist; die fortlaufende Zählung 1-101 wurde nach Kontext und Metrum rekonstruiert.

atha ṣoḍaśanityānāṃ nityārcanaratātmanām | naimittikaṃ ca kāmyaṃ ca vakṣye'haṃ tava sundari ||1|| nityaṃ naimittikaṃ kāmyaṃ sāpekṣaṃ pūrvapūrvataḥ | anyathā bhajanaṃ kurvan kuryād āpatparamparām ||2|| nityārcanarataḥ siddhaḥ kāryaṃ naimittikārcanam | tadvidhānam ato vakṣye caitrādyaṃ phālgunāvadhi ||3|| caitre damanakaṃ kuryāt samūlair atha gucchakaiḥ | [kṛṣṇa?]pakṣacaturdaśyāṃ niśi saṃsthāpya vidyayā ||4||

Nun, Schöne, werde ich dir von den sechzehn Nityā-Göttinnen, deren Wesen der täglichen (nitya) Verehrung hingegeben ist, die anlassbezogene (naimittika) und die wunscherfüllende (kāmya) Verehrung darlegen. Die tägliche, die anlassbezogene und die wunscherfüllende [Verehrung] bauen jeweils aufeinander auf; wer anders, [d.h. außer der Reihe,] verehrt, zieht sich eine Kette von Unglücksfällen zu. Wer der täglichen Verehrung hingegeben und darin vollendet ist, dem obliegt die anlassbezogene Verehrung; deren Vorschrift werde ich nun darlegen, von Caitra an bis Phālguna reichend. In Caitra soll man den Damanaka(-Strauch, Artemisia) mitsamt der Wurzel oder auch mit Zweigbüscheln [darbringen], in der Nacht der vierzehnten Tithi der [dunklen?] Monatshälfte, nachdem man [die Kultgegenstände] durch die Vidyā (das Mantra) niedergelegt/geweiht hat.

Vers 4: Die Monatshälfte (pakṣa) ist im OCR unlesbar verstümmelt ('pravepakṣa', kein Sanskrit-Wort); da das reale Damanaka-Fest traditionell auf die vierzehnte Tithi der dunklen Hälfte des Caitra (bzw. den Vorabend des Neujahrs) fällt, wird 'kṛṣṇapakṣa' als plausibelste Lesart vermutet und mit [?] versehen. Der Kommentar bestätigt nur, dass hier der Damanaka-Verehrungsablauf gelehrt wird, mit 'samūlaiḥ' (mit Wurzel) als Hauptvariante und 'gucchakaiḥ' (mit Zweigbüscheln) als Nebenvariante.

paredyur nityapūjāntaṃ kuryād ataḥ tu pūjanam | asmin māse ca pūrṇāyāṃ vasantotsavapūjanam ||5|| kuryāt tatkālasambhūtaiḥ prasūnaiś candanaiś ca vā | saugandhikaiḥ sakarpūraiḥ pūjāṃ paramojjvalām ||6|| vaiśākhe māsi pūrṇāyāṃ pūjayed divyapuṣkaraiḥ | athavā candrakastūrīcandanaiḥ śiśirārdrakaiḥ[?] ||7|| jyeṣṭhe māsi ca pūrṇāyāṃ kadalīpanasāmrajaiḥ | phalais tu pūjayed devīṃ pūrvavat sarvasiddhaye ||8|| āṣāḍhe māsi pūrṇāyāṃ candanaiḥ kuṅkumānvitaiḥ | elākakkolajātībhir yutaiḥ pūjayec chivām ||9|| śrāvaṇe māsi pūrṇāyāṃ pavitraiḥ pūjayec chivām | tadvidhānam idaṃ bhadre saubhāgyadāyakam ||10||

Am folgenden Tag soll man, nachdem man die tägliche Verehrung wie gewohnt beendet hat, noch [eine besondere] Verehrung vollziehen. In diesem Monat [Caitra], an dessen Vollmondtag, [findet] die Verehrung des Frühlingsfestes (vasantotsava) [statt]. Man vollziehe die höchst glänzende Verehrung mit den zu jener Zeit hervorgebrachten Blüten und mit Sandelholz, mit wohlriechenden Stoffen samt Kampfer. Im Monat Vaiśākha, an dessen Vollmondtag, verehre man mit himmlischen Lotusblüten (puṣkara), oder mit Moschus (kastūrī) und Sandel, kühl-feucht [durch Kampfer] [?]. In Jyeṣṭha, an dessen Vollmondtag, verehre man die Göttin mit Früchten der Banane, der Jackfrucht und der Mango, wie zuvor, zur Erlangung aller [Ziele]. In Āṣāḍha, an dessen Vollmondtag, verehre man Śivā mit Sandel, verbunden mit Safran (kuṅkuma), zusammen mit Kardamom (elā), Kakkola-Beeren und Jātī (Muskatblüte/Jasmin). In Śrāvaṇa, an dessen Vollmondtag, verehre man Śivā mit Pavitras (geweihten Schnüren); diese Vorschrift, Gütige, bringt Glück (saubhāgya).

Vers 7: 'divyapuṣkaraiḥ' und 'śiśirārdrakaiḥ' sind wegen starker OCR-Verderbnis unsichere Rekonstruktionen; der Kommentar nennt als Sachen nur 'puṣkara' (Lotos), 'candrakastūrī' (mondgleicher Moschus) und 'candana' (Sandel). Verse 5–10 leiten die Reihe der Monatsfeste ein (vasantotsava im Caitra, dann je ein Vollmond-Fest in Vaiśākha, Jyeṣṭha, Āṣāḍha); mit Vers 10 beginnt laut Kommentar ('daśabhiḥ ślokaiḥ … pavitrāropaṇotsavārcanakramam upadiśati') ein zehnversiger Abschnitt (V.10–19) über das Śrāvaṇa-Fest der 'Pavitrāropaṇa' (Darbringung geweihter Schnüre).

saubarṇe rājate vāpi sūtraiḥ paṭṭasamudbhavaiḥ | kārpāsasambhavair vātha raktair navadhā guṇitaiḥ śubhaiḥ ||11|| kuryāt pavitraṃ śaktīnāṃ sarvāsāṃ ṣoḍaśāṅgulaiḥ | navāṅgulair vā tatsaṃkhyaiḥ sagranthādisaṃyutam ||12|| athavā tattacchaktīnāṃ tattatsaṃkhyāṅgulādikam | kṛtvādhivāsapūrvaṃ tu pūjayet taṃ yathākramam ||13|| home tv ekasaragranthi tatpramāṇaṃ syāt pavitrakam | aṣṭottaraśataiḥ sūtrair granthiyuktaiḥ śaktyā [ca] tathā ||14|| pūjā viṣṭaramānena vitānād avalambayet | vārāhyokurukullādi śaktīnāṃ mūlaśaktivat ||15|| svamānenātmanaḥ kuryāt [...] proktasaṃkhyayā | kramād āgamaśiṣyāṇām ātmavat samudāhṛtam ||16|| anyeṣāṃ yogiśaktīnām ekagranthisareṇa ca | paridhānapramāṇena maṇḍapasyaikato vṛtaḥ[?] ||17|| saragranthyaṅgulair yuktaṃ ṣaṇṇavatyā tu saṃkhyayā | kṛtvā pavitratritayaṃ tāni dravyaiḥ samarpayet ||18|| uktamānabhede 'py ekaṃ grāhyaṃ bhavati sarvataḥ | na kuryān mānasāṅkaryaṃ yadi kuryād vinaśyati ||19||

Aus Gold oder aus Silber, oder mit Fäden aus Seide (paṭṭa), oder aus Baumwolle, rot [gefärbt], neunfach verdrillt und makellos, soll man das Pavitra (die Weihschnur) für alle Śaktis anfertigen, sechzehn Fingerbreit (aṅgula) lang, oder auch neun Fingerbreit, mit entsprechend vielen Knoten und dergleichen versehen. Oder aber: für jede einzelne Gruppe von Śaktis [fertige man Pavitras] von einer Länge in Fingerbreiten, die ihrer jeweiligen Anzahl entspricht; nachdem man [sie] zuvor geweiht (adhivāsa) hat, verehre man ihn der Reihe nach. Für das Feueropfer (homa) [genügt] ein Pavitra mit einem einzigen Faden-Knoten von jenem Maß; mit hundertacht mit Knoten versehenen Fäden, oder ebenso nach [eigenem] Vermögen. Man hänge die Verehrung [d.h. das Pavitra] am Maß eines Sitzpolsters von einem Baldachin herab; für die Śaktis wie Vārāhī, Kurukullā und die übrigen [gilt dies] wie für die Hauptgottheit (mūlaśakti). Nach dem eigenen Körpermaß soll man [ein weiteres Pavitra] gemäß der genannten Zahl anfertigen; der Reihe nach wird [dies] für die Schüler der [einzelnen] Überlieferungen (āgama) ebenso wie für einen selbst festgelegt. Für die übrigen Yoginī-Śaktis [genügt ein Pavitra] mit einer einzigen Knotenreihe, in der Länge des Umfangs [entsprechend], das den Ritualpavillon (maṇḍapa) auf einer Seite umgibt [?]. Mit Faden-Knoten-Fingerbreiten in der Zahl von sechsundneunzig versehen, fertige man die Dreiheit der Pavitras an und weihe sie mit [den entsprechenden] Substanzen. Wenngleich die genannten Maße sich unterscheiden, ist doch überall nur eines davon zu wählen; man vermische die Maße nicht — tut man es doch, geht [die Wirkung] zugrunde.

Dieser stark technische Abschnitt (Herstellung der geweihten Pavitra-Schnüre für die Śrīcakra-Gottheiten) ist besonders schwer lesbar; die genauen Maß- und Knotenzahlen für die einzelnen Gottheitengruppen (Hetu-, Nātha-, Kāmeśvarī- u.a. Gruppen) sind laut Kommentar: Hetu-Gruppe (8) = 8 Fingerbreit/8 Knoten, die neun Nāthas = 9/9, Kāmeśvarī u.a. (3) = 3/3, die zentrale Hauptgöttin (als Inbegriff aller 16 Nityās) = 16/16, die übrigen 15 Nityās als Glieder Lalitās = 15/15; diese Einzelheiten werden im Kommentar (nicht im Wurzeltext) genannt und hier nur zusammengefasst, da der Wurzeltext selbst an vielen Stellen (bes. V.16–18) zu verderbt ist, um sie eigenständig wiederzugeben. Verse 12 Fußnote: Variante 'ṣoḍaśāgulāyāma…' usw. Vers 19 fasst den Sinn des ganzen Abschnitts zusammen: verschiedene Maßsysteme sind alternativ, nicht kumulativ, zu verwenden.

atha bhādrapade māsi pūrṇāyāṃ ketakodbhavaiḥ | prasūnair arcayed devīṃ pūrvoktavidhinā yutam ||20|| āśvinyāṃ [navarātraṃ?] darśāntapratipattithim | ārabhya pūjayed devīṃ gandhapuṣpopahārakaiḥ ||21|| home śatādikaṃ tadvat pūrṇāyāṃ ṣaṭśatādhikam | sahasraṃ juhuyāt [tathā] japaṃ caiva samācaret ||22|| kanyakāṃ samabhyarcya devīṃ sampūjya bhaktitaḥ | dattvā bhūṣaṇavastrādi dakṣiṇāṃ ca samuddharet ||23|| evam ekādisaṃkhyayā pūrṇāyāṃ ṣoḍaśa kanyāḥ samarcayet priye | tena vidvān bhavet siddhaḥ[?] ||24||

Nun, im Monat Bhādrapada, an dessen Vollmondtag, verehre man die Göttin mit Ketakī-Blüten (Pandanus), verbunden mit dem zuvor genannten Ritus. Im [Monat] Āśvina, beginnend mit der ersten Tithi (pratipad) nach dem Neumond [d.h. mit dem Beginn des Navarātra-Festes], verehre man die Göttin mit Duftstoffen, Blumen und Opfergaben. Beim Feueropfer (homa) [opfere man ebenso], von hundert an [täglich um hundert steigend], bis am Vollmondtag sechshundertundmehr, [zuletzt] tausend; ebenso vollziehe man die Rezitation (japa). Nachdem man eine Jungfrau (kanyakā) [als Verkörperung der Göttin] verehrt und die Göttin mit Hingabe gebührend geehrt hat, gebe man Schmuck, Kleider und dergleichen und entrichte die Priestergabe (dakṣiṇā). So verehre man, Liebe, mit der Zahl 'eins' beginnend [und täglich um eins steigernd], am Vollmondtag [insgesamt] sechzehn Jungfrauen; dadurch wird [der Verehrer] ein kundiger Vollendeter (siddha) [?].

Vers 21: Das Wort für den Zeitraum ist im OCR unlesbar ('viṣuvat…'); da die Zählung ausdrücklich 'ab der ersten Tithi nach dem Neumond' beginnt, ist das Navarātra-Fest im Āśvina gemeint, auch wenn das Wort selbst nicht sicher rekonstruierbar ist ([?]). Verse 20–24 behandeln also Bhādrapada-Fest, Āśvina-Navarātra mit gestaffeltem Homa/Japa und abschließender Kumārī- (Jungfrauen-)Verehrung, bei der die Zahl der verehrten Mädchen von 1 bis 16 gesteigert wird. Vers 24 Ende (Frucht der Kumārī-Verehrung) ist im Original stark verderbt und nur sinngemäß wiedergegeben.

kārttike māsi pūrṇāyāṃ kuṅkumena samarcayet | rātrau pradīpair dīrghābhaiḥ kuryād ghṛtasamedhitaiḥ ||25|| devyāḥ sthāpayed dīpān vidyayā ṣoḍaśa kramāt | śaktīnām ekam ekaṃ tu sthāpayen nāthadagrataḥ[?] ||26|| athavā bhājane madhye tv ekaṃ tam abhito nava | kṛtvā nivedayet puṇyavidyayā saprasūnakam ||27|| mārgaśīrṣe ca pūrṇāyāṃ nālikerāmbu candrayuk | nivedyābhyarcayen māṣapiṣṭāpūpair yathāvidhi ||28||

Im Monat Kārttika, an dessen Vollmondtag, verehre man mit Safran (kuṅkuma); in der Nacht soll man [die Verehrung] mit langflammigen, mit Ghee genährten Lampen vollziehen [das Lichterfest, dīpotsava]. Für die Göttin stelle man der Reihe nach sechzehn Lampen mit [je] einem Mantra-Anruf auf; für [jede] der Śaktis [im Gefolge] stelle man je eine vor dem [Haupt-]Herrn/vor sich[?] auf. Oder aber: in der Mitte eines Gefäßes eine [Lampe], um sie herum neun weitere, so anordnend, biete man [dies] mit der heilbringenden Vidyā dar, samt Blumen. In Mārgaśīrṣa, an dessen Vollmondtag, biete man Kokoswasser, mit Kampfer versetzt, dar und verehre mit Kuchen aus Urdbohnenmehl (māṣa), nach der Vorschrift.

Vers 25 beschreibt das Kārttika-Lichterfest (dīpotsava); Vers 26 (Devī-Lampen) ist laut Kommentar so zu verstehen, dass alternativ auch fünfzehn Lampen für die fünfzehn Nityās einzeln aufgestellt werden können ('asmin pakṣe pañcadaśanityānāṃ pṛthak pūjāyāṃ pañcadaśa dīpān sthāpayet'). Vers 28: 'māṣapiṣṭāpūpaiḥ' (Kuchen aus Urdbohnenmehl) nach dem Kommentar, der OCR-Text an dieser Stelle unleserlich.

puṣye māsi ca pūrṇāyāṃ gavyenābhigṛhya vā | pūjayed iṣṭasiddhyai ca gavyaṃ dugdhaṃ nivedayet ||29|| māghe māsi ca pūrṇāyāṃ tilaiḥ śuklais tathetaraiḥ | pūjayed dugdhanaivedyaiḥ sitāpūpādibhiḥ sadā ||30|| phālgune māsi pūrṇāyāṃ paṅkajaiḥ svarṇarājataiḥ[?] | atasīmadhukair[?] yutaiḥ pūjayed dīkṣitāptaye ||31|| viṣuve darśāsu[?] yugādiṣu samarcanam | kuryād dvaividhyaṃ puṇyeṣv āgamokteṣu teṣv api ||32|| nityanaimittikārcāsu niratānāṃ yatātmanām | procyante kāmyarūpāṇi ṣaṭkarmāṇi samarcanaiḥ ||33|| bandhahomakriyādhyānayogatarpaṇapūjanaiḥ | proktāni kāmyakarmāṇi prayoge 'nyat samarcayet ||34||

In Puṣya (Pauṣa), an dessen Vollmondtag, [verehre man], nachdem man Kuhprodukte (gavya) beschafft hat, zur Erlangung des gewünschten Zieles; Kuhmilch soll dargebracht werden. In Māgha, an dessen Vollmondtag, [verehre man] stets mit weißem und ebenso mit dunklem (anderem) Sesam, mit Milch-Opfergaben, mit weißen Kuchen und dergleichen. In Phālguna, an dessen Vollmondtag, verehre man mit goldenen und silbernen Lotosblüten [?], verbunden mit Flachsblüten (atasī) und Madhuka-Blüten [?], zur Erlangung der Einweihung (dīkṣā). An den Tagundnachtgleichen (viṣuva), an den Neumondtagen [?] und an den Yugādi-Tithis [den Jahreszeit-Anfangstagen] vollziehe man die Verehrung; man übe die zweifache [Form, d.h. sowohl als tägliche wie als anlassbezogene Verehrung] auch an jenen heilvollen, in den Āgamas genannten [Tagen, z.B. dem Geburtstag des Gurus]. Für die Selbstbeherrschten (yatātman), die der täglichen und der anlassbezogenen Verehrung hingegeben sind, werden nun die wunscherfüllenden (kāmya) Formen dargelegt: die sechs [magischen] Handlungen (ṣaṭkarman) samt ihren Weisen der Verehrung. Durch Bindung (bandha), Feueropfer (homa), [magisches] Ritual (kriyā), Meditation (dhyāna), [Yoga-]Vereinigung, Wasserspende (tarpaṇa) und Verehrung (pūjana) werden die wunscherfüllenden Handlungen ausgeführt; in der [praktischen] Anwendung vollziehe man je nach Fall eine andere [dieser sieben Weisen].

Damit endet die Reihe der zwölf Monatsfeste (Caitra bis Phālguna); mit Vers 33 beginnt der Abschnitt über die sechs magischen Handlungen (ṣaṭkarman), der bis zum Kapitelende reicht. Verse 31-34 sind im OCR stark beschädigt; einzelne Fachbegriffe (atasī, madhuka, dīkṣā) bleiben unsicher. Ziffernfehler: Die Verse 32 und 34 sind im Original als 22 bzw. 24 bezeichnet, offensichtliche OCR-Ziffernverwechslung (3 statt 2); Vers 33 ist im Original korrekt als 33 lesbar; nach fortlaufender Zählung müssen es 32, 33, 34 sein.

rakṣā śāntir jayo lābho nigraho nidhanaṃ tathā | ṣaṭkarmāṇi tadaṅgatvād anyeṣāṃ na pṛthak sthitiḥ ||35|| tāni caitrādi caitrāntaṃ tithivāraiś ca pārvati | pūjādravyādideśakālaiḥ kathyante sādhv anukramāt ||36|| rakṣāyai bhūpure śāntaye pūjayed vārimaṇḍale | jayāya dahanāgāre lābhāyānilamaṇḍale ||37|| śeṣayor vyomagehe 'syāḥ pītaśvetāruṇāsitaiḥ | dravyaiḥ ṣoḍhā vibhajyāhaḥ kramād rātriṃ ca pūjayet ||38|| tāni caitrādṛtavaḥ khaṇḍāni samudāhṛtāḥ | tāni pūjāvidhau proktā devyās tannavanāmabhiḥ[?] ||39|| lalitā kāmadā kāmety etābhir navabhiḥ kramāt[?] | caitrādimāsanāmāni teṣu tāddevīpūjanaiḥ[?] ||40||

Schutz (rakṣā), Befriedung (śānti), Sieg (jaya), Gewinn (lābha), Bezwingung (nigraha) und Vernichtung (nidhana) [sind] die sechs [magischen] Handlungen (ṣaṭkarman); da andere [Ziele] deren Teil sind, haben sie keinen eigenständigen Bestand. Diese [sechs Handlungen] werden nun, Pārvatī, von Caitra bis [wieder zu] Caitra, nach Tithi und Wochentag, mit den zugehörigen Kultgegenständen, Orten und Zeiten, der Reihe nach ordentlich dargelegt. Zum Schutz verehre man [die Göttin] im Erd-Quadrat (bhūpura); zur Befriedung im Wasser-Kreis (vārimaṇḍala); zum Sieg im Feuer-Dreieck (dahanāgāra); zum Gewinn im Wind-Sechseck (anilamaṇḍala). Für die übrigen zwei [Ziele, Bezwingung und Vernichtung, verehre man sie] in ihrem Raum-Gemach (vyomagṛha), mit gelben, weißen, roten und schwarzen Stoffen; nachdem man Tag und Nacht [je] in sechs [Zeit-]Abschnitte geteilt hat, verehre man der Reihe nach. Diese, von Caitra an, werden als die Abschnitte (khaṇḍa) der Jahreszeiten (ṛtu) bezeichnet; sie werden in der Verehrungsvorschrift mit den neun Namen der Göttin genannt [?]. Lalitā, Kāmadā, Kāma[-...] — mit diesen neun [Namen] der Reihe nach [?] [entsprechen] die mit Caitra beginnenden Monatsnamen; in ihnen [erfolgt] die Verehrung der jeweiligen Göttin [?].

Verse 39-40 sind im Original derart beschädigt, dass die genaue Zuordnung von neun Göttinnennamen zu zwölf (oder sechs Jahreszeiten-)Monaten nicht mehr sicher rekonstruierbar ist; nur der Sinn – eine Verbindung von Monatsnamen und Göttinnennamen im Rahmen der ṣaṭkarman-Vorschrift – ist aus dem Kontext erschließbar, weshalb beide Verse mit [?] versehen sind. Ziffernfehler wie in der vorigen Einheit: mehrere Verse dieser Gruppe (35-37) sind im Original mit falschen Ziffern versehen (3 als 2 gelesen); die Zählung 35-40 folgt der ununterbrochenen Vers-Abfolge und dem Metrum.

abhīṣṭaṃ samavāpnoti balārogyādisiddhibhiḥ | vrīhimāṣayavāgnau aghṛtatailapayo'mbaraiḥ[?] ||41|| dhānyaṃ ratnaṃ tilaṃ śubham iti dravyāṇy anukramāt | caitrādiṣu ṛtūn natvā tad-vidyayārcayet[?] ||42|| śleṣmātakakarañjāgninimbāpartyakadambakāḥ[?] | bilvo 'vaṭaś ca mātṝṇāṃ pādapāḥ samudāhṛtāḥ ||43|| candanadvayakarpūrakṛtā vyutkramapīṭhikāḥ | teṣu caitrādiṣu yajed ājñāsiddhir dṛḍhā bhavet ||44|| caitrādyṛtusambhūtaiḥ prasūnair nityam arcayet | āyuḥ kāntiṃ śriyaṃ bhūtiṃ vijayaṃ śāśvataṃ ca te[?] ||45|| pratipattithim ārabhya kramād ekaikavṛddhitaḥ | modakaṃ guḍanārikelaṃ pūrṇāntaṃ juhuyād api ||46|| tataḥ pratipadārabhya dinam ekaikaśaḥ kramāt | daśamaṃ tv ekam[?] evaṃ syāt kṛte lakṣmīpadaṃ bhavet ||47||

Man erlangt das Gewünschte, samt Kraft, Gesundheit und anderen Vollendungen, [durch Opfer] von Reis, Urdbohnen und Gerste im Feuer, mit Ghee, Öl, Milch und Gewändern [?]. Getreide, Edelstein, wohlriechender Sesam — dies sind die Opfersubstanzen der Reihe nach; nachdem man die von Caitra an [folgenden] Jahreszeiten verehrt hat, opfere man mit der [jeweiligen] Vidyā [?]. Śleṣmātaka, Karañja, [ein Feuerbaum], Nimba, Apartyaka[?] und Kadamba, Bilva und Avaṭa — [dies] sind die für die Mütter(-göttinnen, mātṛ) genannten Bäume. Aus zwei [Arten von] Sandelholz und Kampfer gefertigte, in umgekehrter Reihenfolge [angeordnete] Sitzsockel (pīṭhikā) — an diesen opfere man, von Caitra an; [dadurch] wird die Befehlsgewalt (ājñāsiddhi) fest. Mit den in den Jahreszeiten von Caitra an hervorgebrachten Blüten verehre man täglich; [dadurch erlangt] man langes Leben, Glanz, Wohlstand, Reichtum, Sieg und Beständigkeit [?]. Beginnend mit der ersten Tithi (pratipad), der Reihe nach um je eins steigernd, opfere man auch Küchlein (modaka) aus Palmzucker und Kokosnuss, bis hin zum Vollmond. Von da an, mit der ersten Tithi beginnend, Tag für Tag der Reihe nach [gesteigert] — [bis] zum zehnten [Tag] [wird es] eins [?]; so geschehen, wird [der Ort/Zustand] zur Wohnstatt der Lakṣmī (des Glücks).

Dieser Abschnitt (Homa-Substanzen, Mütter-Bäume, Sitzsockel, Blütenopfer) ist an mehreren Stellen (bes. V.41, 42, 45, 47) so verderbt, dass Wortlaut und genaue Zahlenangaben nur ungefähr erschließbar sind; die Grundaussage – ein fortlaufendes, sich steigerndes tägliches Opfer über die Jahreszeiten des Kalenderjahres hinweg zur Erlangung von Wohlstand und Befehlsgewalt – ist aber deutlich erkennbar. Vers 43: Die Baumnamen (v.a. 'Apartyaka') sind unsicher gelesen.

ravivāre 'ruṇāmbhojaiḥ kumudaiḥ somavāre tu | bhaume raktotpalaiḥ saumye vāre tagarasambhavaiḥ ||48|| guruvāre kalhāraiḥ śukravāre sitāmbujaiḥ | utpalaiḥ śanivāre tu pūjayed abdamātrakam[?] ||49|| nivedayet kramāt teṣu ravivārādisaptasu | pāyasaṃ dugdhakadalīnavanītaṃ sitaṃ ghṛtam ||50|| evam abdaṃ samārādhya devīṃ grahādibhiḥ kramāt | grahapīḍāṃ vijityāśu sukhāni ca samaśnute ||51|| caturasraṃ samārabhya nava cakrāṇy anukramāt | unnatonnatatamā madhye cakraṃ syān nidhanaṃ dhanam[?] ||52||

Am Sonntag mit rotem Lotos, am Montag mit Kumuda (weißer Nachtlotos); am Dienstag (bhauma) mit rotem Lotos [einer anderen Art], am Mittwoch (saumya) mit Tagara-Blüten. Am Donnerstag mit Kalhāra-Blüten, am Freitag mit weißem Lotos, am Samstag mit blauem Lotos verehre man, ein Jahr lang [?]. Man opfere der Reihe nach an diesen sieben [Tagen], vom Sonntag an: Milchreis (pāyasa), Milch, Banane, frische Butter, Zucker, Ghee. So, nachdem man die Göttin ein Jahr lang der Reihe nach zusammen mit den Planeten(-gottheiten) verehrt hat, überwindet man rasch die Planeten-Bedrängnis (grahapīḍā) und genießt Glück. Beginnend mit dem Viereck, [zeichne man] neun Cakras der Reihe nach, [je] höher aufragend als das vorige; in der Mitte [d.h. im höchsten] Cakra [wohnt] Vernichtung — [oder aber, umgekehrt,] Reichtum [?].

Verse 48–51 ordnen bestimmte Blumen und Opfergaben den sieben Wochentagen zu (zur Abwehr von Planeteneinfluss, grahapīḍā). Mit Vers 52 beginnt ein neuer, sehr schwer verständlicher Abschnitt über eine Stufenfolge von neun ineinander aufragenden Cakras (Diagrammen), deren genaue Bedeutung (welche Anordnung Vernichtung, welche Reichtum bringt) im verderbten Text nicht sicher zu klären ist; mit [?] gekennzeichnet.

vyutkramād unnataṃ tat suprajatvaṃ śriyaṃ labhet | ekādiṣaṭkramonnāmaḥ śriye kaulyaṃ ca kalpate[?] ||53|| navāni samarūpāṇi sarvābhīṣṭārthasiddhaye | ratne hemni rūpye ca tāmre dṛṣadi ca kramāt ||54|| kṛtvāgnau cakranirmāṇaṃ sthāpayet pūjayed api | lakṣmīkāntiyaśaḥputradhanārogyādisiddhaye ||55|| sauvarṇakāṃsyādiṣu punaḥ pūrvoktaviparītavat | phalakāyāṃ ca bhittau sthāpayen na kadācana ||56|| sthāpitaṃ yadi lobhena mohenājñānato 'pi vā | kulaṃ vittam apatyaṃ ca nirmūlayati sarvathā ||57||

[Zeichnet man das Cakra] in umgekehrter Reihenfolge aufragend, erlangt man gute Nachkommenschaft und Wohlstand; die von eins bis sechs aufsteigende Stufenfolge eignet sich für Wohlstand und Kaula-Zugehörigkeit [?]. Neun [Cakras] von gleicher Gestalt, zur Erfüllung aller gewünschten Ziele, [gefertigt] der Reihe nach aus Edelstein, Gold, Silber, Kupfer und Stein. Nachdem man die Herstellung des Cakra im Feuer[-Ritus geweiht] hat, soll man es aufstellen und auch verehren, zur Erlangung von Wohlstand (Lakṣmī), Glanz, Ruhm, Söhnen, Reichtum, Gesundheit und dergleichen. Auf Gold, Bronze und dergleichen [fertige man es] wiederum entgegengesetzt zum zuvor Genannten; auf einer Holztafel oder an einer Wand aber stelle man es niemals auf. Wird es aus Habgier, Verblendung oder auch aus Unwissenheit [dennoch dort] aufgestellt, so vernichtet es gänzlich Familie, Vermögen und Nachkommenschaft.

Fortsetzung des Cakra-Abschnitts: Materialangaben (Edelstein bis Stein, Gold/Bronze) und eine ausdrückliche Warnung, das Cakra niemals auf Holz oder einer Wand anzubringen. Vers 53 bleibt in seiner genauen Systematik ('umgekehrte' vs. 'aufsteigende' Stufenfolge) unsicher.

parvatāgre yajed devīṃ palāśakusumair api | siddhadravyaiś ca saptāhāt khecarīmelanaṃ bhavet ||58|| araṇye baṭamūle vā kuñje vā dharaṇīśrutām[?] | kadambajātipuṣpābhyāṃ siddhadravyaiḥ śivāṃ yajet ||59|| māsena sidhyanti niṣṇyaḥ[?] apsarā vāñchitapradāḥ | ketakīkusumaiḥ siddhāś ca ṭaṅkā vāridhes taṭe[?] ||60|| ājñām abhīṣṭāṃ vanitāṃ raṇe māyāṃ mahādbhutam[?] | vasūni mālābhūṣādi dadāty asyecchayā 'niśam ||61||

Auf einem Berggipfel verehre man die Göttin auch mit Palāśa-Blüten; mit den Vollendungsstoffen (siddhadravya) [versehen] erfolgt binnen sieben Tagen eine Begegnung mit einer Khecarī (einer luftwandelnden [Zauber-]Frau). Im Wald, am Fuß eines Nyagrodha-(Banyan-)Baumes, oder in einem Gebüsch, [verehre man] die erdberühmte [?] Śivā mit Kadamba- und Jātī-(Jasmin-)Blüten, samt den Vollendungsstoffen. Binnen eines Monats werden die wunscherfüllenden [Zauber-]Nymphen (apsaras) gewonnen [?]; mit Ketakī-Blüten erlangt man auch die Ṭaṅkā-[Geisterwesen] am Ufer des Ozeans [?]. Befehlsgewalt, eine begehrte Frau, in der Schlacht wunderbare Zauberkraft, Reichtümer, Girlanden und Schmuck und dergleichen gewährt sie unaufhörlich nach [des Verehrers] Willen.

Dieser Abschnitt (Verse 58–61 und die folgenden bis V.69) beschreibt verschiedene 'Siddhi-Mittel' (Wege zu magischer Vollendung) an besonderen Orten (Berggipfel, Wald, Gebüsch, Meeresufer) mit besonderen Blumen; der Text ist an vielen Stellen so entstellt, dass einzelne Wesen (z.B. 'Ṭaṅkā', 'Niṣṇya') nicht sicher identifiziert werden können und mit [?] markiert sind. Die Grundstruktur – Ortsangabe, Blumen-/Substanzangabe, verheißene magische Wirkung – ist aber durchgehend erkennbar.

pīṭhamantraiḥ kṛtvā tatra devīṃ yajen niśi | śālmalīkusumaiḥ siddhadravyair māsaṃ tu nirbhayaḥ ||62|| smaśāne devadeveśi sidhyanty asya piśācikāḥ | aśmapātaprahārair asya ghnanti[?] ciram[?] ||63|| nirjane vipine rātrau māsamātraṃ tu nirbhayaḥ | yajed devīṃ cakragatāṃ siddhadravyasamanvitām ||64|| mālatījātipunnāgaketakīmadhukaiḥ kramāt | tena sidhyanti vetālās tān āruhya sa icchayā caret ||65||

Nachdem man dort mit den Sitz-Mantras (pīṭhamantra) [den Ort geweiht hat], verehre man die Göttin nachts; mit Śālmalī-(Seidenwollbaum-)Blüten und den Vollendungsstoffen, einen Monat lang, ohne Furcht. Auf dem Leichenverbrennungsplatz, o Herrin der Götter-Götter, werden ihm die Piśācikās (Dämoninnen) unterworfen; durch Steinwürfe und Schläge [greifen sie ihn sonst? — unsicher] lange an [?]. In einem einsamen Wald, nachts, einen Monat lang, ohne Furcht, verehre man die im Cakra befindliche Göttin, versehen mit den Vollendungsstoffen. Mit Mālatī-, Jātī-, Punnāga-, Ketakī- und Madhuka-Blüten der Reihe nach: dadurch werden die Vetālas (Geisterwesen) unterworfen; sie besteigend, kann er nach Belieben umherziehen.

Fortsetzung der Siddhi-Mittel-Reihe: nächtliche Verehrung am Leichenverbrennungsplatz und im einsamen Wald zur Unterwerfung von Piśācikās und Vetālas (Geister- bzw. Dämonenwesen der tantrischen Ikonographie). Vers 63 ist besonders korrupt; der genaue Sinn der Steinwurf-Passage bleibt unsicher ([?]).

smaśāne caṇḍikāṃ nirjane vipine 'pi vā | madhyarātre yajed devīṃ kṛṣṇavastrādyabhūṣaṇaḥ ||66|| kṛṣṇacakre 'tikṛṣṇāṃ tām atikruddhāśayo japet | sādhyayoniṃ tadagre tu baliṃ dattvā nivedayet ||67|| siddhadravyasamopetaṃ māsaṃ tadbālacālanāt[?] | jāyante bhīṣaṇāḥ kulyās tābhyaḥ sādhyaṃ nivedayet ||68|| vipralambhāt[?] santuṣṭāḥ punar yānti nijaiś cakraiḥ | devā lalāṭanetrāḥ[?] svayaṃ prādhānyena tirohitāḥ ||69||

Auf dem Leichenverbrennungsplatz [verehre man] Caṇḍikā, oder ebenso in einem einsamen Wald; um Mitternacht verehre man die Göttin, [selbst] mit schwarzem Gewand und schwarzem Schmuck bekleidet. Auf einem schwarzen Cakra rezitiere man sie, die überaus Schwarze, mit von heftigem Zorn erfülltem Sinn; davor gebe man, nachdem man ein Opfer (bali) [gekennzeichnet] mit dem Geburtsgestirn des Zielobjekts (sādhya) dargebracht hat, [die Bitte] kund. Versehen mit den Vollendungsstoffen, einen Monat lang, durch [gewisses] Rühren [?] entstehen furchterregende Kulyā-[Geisterscharen]; ihnen trage man das Zielobjekt (sādhya) vor. Zufriedengestellt [durch die Opfergabe], ziehen sie sich mit ihren eigenen Scharen wieder zurück; die Gottheiten mit der Stirn-Augen[?, d.h. mit dem dritten Auge] verschwinden von selbst, da ihr Vorrang [wiederhergestellt ist] [?].

Dieser Abschnitt (Verse 66–69) beschreibt ein Schreckens-Ritual auf dem Leichenplatz mit schwarzem Cakra zur magischen Bezwingung eines 'sādhya' (Zielperson); der Wortlaut ist an mehreren Stellen (68–69 besonders) so zerstört, dass Einzelheiten (Art des 'Rührens', Bedeutung von 'lalāṭanetrāḥ') unsicher bleiben und mit [?] markiert sind. Die Passage gehört zu den anstößigeren, offen magisch-aggressiven ('abhicāra'-artigen) Verfahren des Kapitels und wird hier wie jede andere sachlich wiedergegeben.

raktabhūṣāmbarālepamālābhūṣitavigrahaḥ | udyāne nirjane devyāś cakraṃ saṃcintya pūjayet ||70|| kalhāracampakāśokapāṭalāśatapatrakaiḥ | siddhadravyasamopetair māsāt sidhyanti [tāḥ][?] ||71|| yāsāṃ prasādalābhena kāmarūpo bhaven naraḥ | yābhir viśvamayo viśvacārī viśvavinodavān ||72|| ṣaḍādhārābjamadhye tu cakraṃ saṃcintya pūjayet | candracandanakastūrī[...][?] ||73|| vikālajño bhaved devi teṣu samyag vicintayan | pūrṇapratītau bhavyāni vikale 'bhavyam īritam ||74|| devīṃ cakreṇa sahitāṃ jale salile smaret[?] | [...] vidyāṃ tryakṣarātmakam[?] ||75|| nāḍyāṃ sārasvatāṃ jihvāṃ dīpākārāṃ smaran pibet | abdāc caturvidhaṃ tasya pāṇḍityaṃ bhuvi jāyate ||76||

Mit rotem Schmuck, rotem Gewand, roter Salbe und roten Blumengirlanden geschmückt an Gestalt, verehre man in einem einsamen Garten die Göttin, nachdem man sich ihr Cakra vergegenwärtigt hat. Mit Kalhāra-, Campaka-, Aśoka-, Pāṭala- und Lotosblüten (śatapatra), versehen mit den Vollendungsstoffen, werden binnen eines Monats [jene Kräfte/Gottheiten] vollendet. Durch deren Gunsterlangung wird der Mensch gestaltwandlungsfähig (kāmarūpa); durch sie [wird er] alldurchdringend, überall wandelnd und an der ganzen Welt sich Ergötzender [durch das Vorführen von Zauberkünsten]. In der Mitte des Lotos der sechs [Körper-]Stützen (ṣaḍādhāra, der Cakras) vergegenwärtige man sich das Cakra und verehre es, [mit] Mond, Sandel, Moschus [und weiteren Substanzen, Rest unklar] [?]. Wer in diesen [Visualisationen] richtig meditiert, wird, Göttin, ein Kenner der [günstigen und ungünstigen] Zeit: bei vollständiger [klarer] Erscheinung [des Bildes ist es] günstig, bei unvollständiger wird Ungünstiges angezeigt. Man stelle sich die Göttin zusammen mit dem Cakra im Wasser vor [?] [und rezitiere] die Vidyā, die aus drei Silben besteht [?]. Indem man sich die Sarasvatī-Nāḍī als lampenförmige Zunge vorstellt und [den daraus fließenden Nektar] trinkend rezitiert, entsteht binnen eines Jahres die vierfache Gelehrsamkeit (Dichtkunst, Beredsamkeit, Redegewandtheit, Kommentierkunst) auf Erden für ihn.

Verse 70–72 beschreiben eine weitere Cakra-Verehrung im Garten zur Erlangung von Gestaltwandlung und magischen Kunststücken; Verse 73–75 (Visualisation im 'ṣaḍādhāra', im Wasser) sind besonders schwer lesbar und bleiben in Details unsicher. Vers 76 (Sarasvatī-Nāḍī als leuchtende Zunge, zur Erlangung von Redegewandtheit) ist demgegenüber klar erkennbar und durch den Kommentar gut gestützt.

evaṃ nityam uṣaḥkāle yaḥ kuryāc chuddhamānasaḥ | sa yogī brahmavijjñānī śivayogī tathātmavit ||77|| anugrahoktacakrasthāṃ devīṃ tābhir vṛtāṃ yajet | [...] ārogyam upajāyate[?] ||78|| jvarabhūtagrahonmādagaulmikakāmalātirug[?] | dantakarṇajvaraśiraḥśūlagulmādikutsitāḥ[?] ||79|| vraṇapramehakṛdrogā grahānyatridoṣajāḥ[?] | sarve tān samaṃ yānti pūjayā parameśvari ||80||

Wer dies beständig zur Morgendämmerung mit reinem Sinn übt, der ist ein Yogin, ein Kenner des Brahman, ein Wissender, ein Śiva-Yogin und zugleich ein Selbstkenner. Man verehre die im 'Gnaden-Cakra' (anugrahacakra, das im Abschnitt über die tägliche/anlassbezogene Verehrung genannt wurde) befindliche Göttin, umgeben von jenen [achtundvierzig Śaktis wie Ḍākinī u.a., laut Kommentar]; [dadurch] entsteht Gesundheit [?]. Fieber, Besessenheit durch Bhūtas und Grahas, Wahnsinn, Milz-/Geschwulstleiden, Gelbsucht mit heftigem Schmerz, Zahn-, Ohren- und Kopf-Fieber, Kopfschmerz, Koliken und dergleichen abstoßende [Leiden] [?] — Geschwüre, harnverursachende Krankheiten (prameha), sowie von Planetendämonen und den drei Körpersäften (Wind, Galle, Schleim) verursachte [Leiden] — sie alle weichen gleichermaßen durch [diese] Verehrung, höchste Herrin.

Dieser Abschnitt (77–80) beschreibt die heilende Wirkung der täglichen Verehrung des 'Gnaden-Cakra' gegen eine lange Liste von Krankheiten; Vers 78 ist im OCR besonders lückenhaft (die genaue Formulierung der Krankheitsabwehr bleibt unsicher), Vers 79 listet zahlreiche Krankheitsnamen, von denen einige (v.a. 'gaulmika') nur ungefähr identifizierbar sind.

dravyaiś cakrasya nirmāṇe kaśmīraṃ samudāhṛtam | sindūraṃ gairikaṃ lākṣā haratālaṃ candane 'pi vā ||81|| biladvāre likhec cakraṃ ṣoḍaśārṇasaṃyutam[?] | [...] asya madhyasthāṃ pūjayet parameśvarīm ||82|| tābhis tacchaktibhiḥ sākaṃ siddhadravyaiḥ sugandhibhiḥ | kusumair māsamātraṃ tu nāgakanyāḥ sametya tam ||83|| pātālādiṣu lokeṣu ramayanti priyāś ciram | yakṣakinnarasadgandharvasiddhavidyādharāṅganāḥ[?] ||84|| piśācā guhyakā vīrāḥ kinnarā uragāḥ priye | sidhyanti pūjanāt tat tat prāktanakālataḥ[?] ||85||

Als Materialien zur Herstellung des Cakra werden genannt: Safran (kaśmīra), Zinnober, Ockererde, Lack(farbe), Auripigment — oder auch auf Sandelholzgrund. An der Höhlenöffnung (biladvāra, dem Zugang zur Unterwelt) zeichne man das Cakra, versehen mit sechzehn Silben [?]; die in seiner Mitte befindliche höchste Herrin verehre man. Zusammen mit jenen Śaktis, mit den wohlriechenden Vollendungsstoffen und mit Blumen, einen Monat lang — [da] kommen die Nāga-Mädchen zu ihm. In den unterirdischen Welten (pātāla u.a.) erfreuen sie ihn lange als Geliebte — die Frauen der Yakṣas, Kinnaras, Gandharvas, Siddhas und Vidyādharas [?]. Piśācas, Guhyakas, [menschengestaltige] Helden (vīra), Kinnaras und Schlangenwesen (uraga), Liebe, werden durch diese Verehrung vollendet [d.h. unterworfen], je nach ihrer früheren [Zugehörigkeit] [?].

Dieser Abschnitt (81–85) beschreibt die Anfertigung eines Cakras 'an der Höhlenöffnung' (Zugang zur Unterwelt, pātāla) und die durch dessen Verehrung erlangte Gunst verschiedenster halbgöttlicher und dämonischer Wesen (Nāga-Mädchen, Yakṣas, Kinnaras, Gandharvas, Vidyādharas, Piśācas, Guhyakas u.a.) als Geliebte bzw. dienstbare Geister. Verse 82 und 84–85 bleiben in Einzelheiten (Silbenzahl des Cakra, genaue Aufzählung) unsicher.

kiṃśukair bhūṣaṇāvāptyai pāṭalair gajasiddhaye | raktotpalair aśvasiddhyai kumudaiḥ kharasiddhaye ||86|| utpalair uṣṭrasaṃsiddhyai tagaraiḥ paśusiddhaye | jambīrair mahiṣāvāptyai lakucai rathasiddhaye[?] ||87|| dāḍimair nidhisaṃsiddhyai madhukair nāgasiddhaye | bakulair aṅganāsiddhyai kalhāraiḥ putrasiddhaye ||88|| śatapatrair jayāvāptyai ketakyā vāhanāptaye | saurabhādyaiḥ prasūnais tu nityaṃ saubhāgyasiddhaye ||89|| pūjayet prasavamātraṃ vā dviguṇaṃ viguṇaṃ tu vā | yāvatphalam api vā kṣīraśarkarāghṛtapāyasaiḥ ||90|| sacakraparivārāṃ tāṃ devīṃ salilamadhyagām | tarpayet kusumaiḥ sārdhaṃ[?] sarvopadravaśāntaye ||91|| kṣīraiḥ pūrṇāyuṣaḥ siddhyai striyaḥ saubhāgyasiddhaye | dadhnā ārogyasaṃsiddhyai vibhavaiśvaryasiddhaye ||92||

Mit Kiṃśuka-Blüten zur Erlangung von Schmuck, mit Pāṭala-Blüten zur Erlangung eines Elefanten, mit rotem Lotos zur Erlangung eines Pferdes, mit Kumuda zur Erlangung eines Esels. Mit [blauem] Lotos zur Erlangung eines Kamels, mit Tagara-Blüten zur Erlangung von Vieh, mit Jambīra-(Zitrus-)Blüten zur Erlangung eines Büffels, mit Lakuca-Blüten zur Erlangung eines Wagens [?]. Mit Granatapfelblüten zur Erlangung eines Schatzes, mit Madhuka-Blüten zur Erlangung [der Gunst] eines Königs [?], mit Bakula-Blüten zur Erlangung einer Frau, mit Kalhāra-Blüten zur Erlangung eines Sohnes. Mit Lotos (śatapatra) zur Erlangung des Sieges, mit Ketakī zur Erlangung eines Reittiers; mit wohlriechenden Blumen aller Art [verehre man] beständig zur Erlangung von Glück (saubhāgya). Man verehre mit einer einfachen, doppelten oder [noch] vielfacheren Menge an Blüten — oder soviel, wie dem gewünschten Erfolg entspricht — mit Milch, Zucker, Ghee und Milchreis [als Opfergaben]. Die von ihrem Cakra-Gefolge umgebene Göttin, inmitten des Wassers befindlich, erfrische man mit Blumen zugleich [?], zur Befriedung aller Übel. Mit Milch zur Erlangung eines vollen Lebensalters, [für] Frauen zur Erlangung von Glück, mit [saurer] Milch (dadhi) zur Erlangung von Gesundheit, zur Erlangung von Reichtum und Herrschaft.

Dieser Abschnitt listet, welche Blumen bzw. Opfersubstanzen welchen konkreten Wunsch erfüllen (Reittiere, Schätze, Ehe, Sieg, Glück, Gesundheit, Reichtum); die Aufzählung ist ihrer Form nach klar (X mit Y zur Erlangung von Z), doch sind einzelne Pflanzennamen und Zielobjekte (z.B. V.87 'rathasiddhaye', V.88 'nāgasiddhaye') wegen OCR-Verderbnis nur mit Vorbehalt rekonstruiert.

nālikerodakaiḥ śītyai[?] himatoyair anṛtuprāptaye[?] | sarvārthasiddhaye toyair abhiṣiñcen maheśvarīm ||93|| parakīyodyāne[?] yajed devīṃ siddhadravyair divāniśam | nivasaṃs tatra tat puṇyaṃ jāyate manmatho 'paraḥ ||94|| pūrṇāsu niyataṃ devīṃ kanyakāyāṃ samarcayet | krūrāḥ preritā mantrā vimukhās tān grasanti vai ||95|| liṅgadvayagatāṃ devīṃ cakrasthābhiḥ saha śaktibhiḥ | pūjayan iṣṭamaṇḍalaṃ labhate 'tra paratra ca ||96|| śatamānakṛtaiḥ svarṇapuṣpaiḥ saurabhyavāsitaiḥ | pūjayen māsamātraṃ tu prāgjanmāghair vimucyate ||97||

Mit Kokoswasser zur Kühlung [?], mit eiskaltem Wasser zur Erlangung [von Regen] außerhalb der [Regen-]Jahreszeit [?], mit Wasser zur Erlangung aller Ziele besprenge man die große Herrin. In einem fremden Garten [?] verehre man die Göttin Tag und Nacht mit den Vollendungsstoffen; wer dort verweilt, dem wird jenes Verdienst zuteil, [dass er] ein zweiter Liebesgott (Manmatha) [wird]. An den Vollmondtagen verehre man beständig die Göttin in Gestalt einer Jungfrau (kanyakā); die [gegen ihn] entsandten bösen Zaubersprüche (mantra) wenden sich ab und verschlingen [stattdessen ihre Absender]. Die in zwei liṅga-[Symbolen] befindliche Göttin, zusammen mit den im Cakra befindlichen Śaktis verehrend, erlangt man das gewünschte [Herrschafts-]Gebiet, hier und im Jenseits. Mit hundertfach angefertigten goldenen Blüten, wohlriechend gemacht, verehre man einen Monat lang; [dadurch] wird man von den Sünden früherer Geburten befreit.

Der Abschnitt schließt mit weiteren Kāmya-Ritualen (Wasserweihe, Verehrung im 'fremden Garten', Kumārī-Verehrung am Vollmond zur Abwehr feindlicher Zauberei, Liṅga-Verehrung, goldene Blüten zur Tilgung früherer Sünden). Mehrere Wörter (V.93 'anṛtuprāptaye', V.94 'parakīyodyāne', V.96 'liṅgadvayagatām') sind unsicher rekonstruiert und mit [?] markiert.

tathā ratnaiś ca navabhir māsaṃ māsaṃ tu pūjayet | vimuktaḥ sarvapāpaughais tāṃ paśyati ca cakṣuṣā ||98|| kiṃśukair arcayed devīṃ māsamātraṃ sugandhibhiḥ | mucyate pāpakulyādiduḥkhair ghoratarair api ||99|| devīrūpaṃ svam ātmānaṃ cakraṃ śaktīḥ samantataḥ | bhāvayan viṣayaiḥ puṇyaiḥ pūjayaṃs tanmayo bhavet ||100|| gandhatattvamayī vyāptir iti samyak samīritā | asyā niṣkālanāc cittaṃ tattvaṃ svātmasātkṛtam ||101|| iti śrīṣoḍaśanityātantre kādimate ṣaṣṭhaṃ paṭalam.

Ebenso verehre man, Monat für Monat, mit den neun Edelsteinen (navaratna); befreit von allen Sündenfluten, erblickt man sie mit [leiblichem] Auge. Mit Kiṃśuka-Blüten verehre man die Göttin einen Monat lang, mit wohlriechenden [Blumen]; man wird befreit von Sünden-Nachwehen und selbst von den allerschrecklichsten Leiden. Indem man das eigene Selbst als Gestalt der Göttin, das Cakra [als] die Śaktis ringsum meditiert und mit den [Sinnes-]Objekten als heilvollen Gaben verehrt, wird man mit ihr wesenseins. So ist die vom Erd-Element (dessen Merkmal der Geruch, gandha, ist) erfüllte Durchdringung recht dargelegt worden; durch deren [meditatives] Aufschwingen wird das Bewusstsein dem eigenen Selbst zum Wesen (tattva) gemacht. So [endet] im ehrwürdigen Ṣoḍaśanityā-Tantra, [überliefert] nach der Kādi-Schule, das sechste Kapitel.

Verse 98–100 schließen den Kāmya-Abschnitt mit weiteren Einzelvorschriften (Edelsteine, Kiṃśuka-Blüten) und der abschließenden Meditation über die Wesenseinheit von Verehrer, Cakra und Göttin ab. Vers 101 ist die für diesen Textteil formelhafte Schlussmeditation über die fünf Elemente (hier: das Erdelement, gandhatattva, dessen Sinnesqualität der Geruch ist) — fast wortgleich mit den entsprechenden Schlussversen der Kapitel 4 (Windelement) und 5 (Raumelement) dieses Textteils; die Reihenfolge Feuer/Wasser(?)-Wind-Raum-Erde legt nahe, dass die vorausgehenden, hier nicht übersetzten Kapitel 1-3 die übrigen Elemente behandeln. Nach Vers 101 folgt im Original zunächst das kurze Wurzeltext-Kolophon (hier übersetzt), danach der lange Kommentar-Kolophon des Subhagānandanātha (der das Kapitel als 'ṣoḍaśanityānaimittikakāmyārcanaprakāśanaparam', d.h. als Darlegung der anlassbezogenen und wunscherfüllenden Verehrung der sechzehn Nityās, bezeichnet, mit Verszahl-Angabe 'grantha-saṅkhyā' der Ausgabe, die im OCR nicht mehr zuverlässig lesbar ist), bevor mit 'atha saptamaṃ paṭalam' das siebte Kapitel beginnt.

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