Paṭala 15: iti śrīṣoḍaśanityātantreṣu śrīkādimate pañcadaśaṃ paṭalaṃ paripūrṇaṃ [parākhyātam ?] ||15||
15-tes Kapitel: Kulasundarī, die Rede-Nityā, und die aus ihr abgeleiteten Vidyās
Quelle: Tantrarāja-Tantra mit dem Kommentar Manoramā des Subhagānandanātha (Tantrik Texts Vol. 8, hrsg. Sadāśiva Miśra, Calcutta 1918, archive.org, OCR). Die OCR-Qualität dieses Bandes ist außergewöhnlich schlecht, in diesem Kapitel stellenweise kaum lesbar; sehr viele Einzelwörter, vor allem in den mantra-technischen Abschnitten (Verse 33-64, 79-101), mussten mit [?] versehen werden, weil weder Metrum noch Kontext eine sichere Rekonstruktion erlaubten. Der Sanskrit-Kommentar wurde, wie im Auftrag vorgesehen, nur zur Klärung einzelner OCR-Lesungen der Wurzelverse herangezogen (in notes vermerkt), nicht als Deutungsgrundlage; seine paraphrasierenden Prosa-Erklärungen waren jedoch oft die einzige Möglichkeit, den ungefähren Sinn stark zerstörter Verse überhaupt zu erschließen. Inhalt: Nach der Tvaritā-Vidyā (14. Kapitel) folgt hier die Lehre der zehnten Nityā, Kulasundarī, der 'Schönen des Kula', die mit Rede (vāc), Beredsamkeit und Dichtkunst assoziiert ist (V.1-32: dhyāna, Handattribute, Hand- und Körper-nyāsa, Verehrung der elf Begleit-Śaktis, Weltenhüter, Yantra-Bau, Räucherwerk, nächtlicher Japa). Es folgt ein hochabstrakter, mantra-linguistischer Abschnitt (V.33-57) über die dreifache (aus den drei Veden gebildete) Natur der Silben ihrer Vidyā, aus dem durch Silben-Kombinatorik elf weitere Vidyās (Vijayā, Jīvā, Viśvā u.a.) abgeleitet werden, die zusammen mit Kulasundarī und einer 'Saṅketa'-Vidyā die 'dreizehn Tripurāratna-Vidyās' bilden, aus denen sich wiederum 78 Vidyās ergeben. Danach wird eine weitere, eigenständige Vidyā namens Sampatkarī ('Wohlstandbringerin') mit eigenem dhyāna und Kulāsana-Yantra gelehrt (V.57-67), gefolgt von einem Ritus mit geweihtem Ghee zur Erlangung von Weisheit/Dichtergabe (V.68-69), der Verehrung der Wochentags-Gottheiten und einem askenbasierten Schutzritus (V.70-77). Den Abschluss bildet, auf Bitte der Göttin, die Lehre des Mātṛkā-nyāsa (Einsetzen der 51 Alphabet-Laute auf den Körper, V.78-85) und eines Mātṛkā-Yantras (V.86-96) sowie eines weiteren Yantras zum Sieg in Gelehrtenversammlungen (V.99-100), mit dem Hinweis, dass die Yantren aller sechzehn Nityās im Grunde austauschbar sind (V.97-98), und dem abschließenden Vers über die redeerfüllte Durchdringung (vāc-tattva-vyāpti) dieser Vidyā (V.101).
Nun höre die Weise der Verehrung derjenigen, die unter den sechzehn Nityās als die zehnte bekannt ist, Kulasundarī.
[Höre] ihr dhyāna (Meditationsbild), dann ihren Namen, ihre Śaktis (Begleitmächte), ihre Verehrung; ihr sādhana (die Methode ihrer Erlangung), ferner die Unterscheidungen ihrer Gestalten, die Opferriten (yāga) und die [Riten,] die Beredsamkeit (vāc) verleihen.
[Man meditiere sie als] rot, umgeben von Scharen rötlicher, raumhafter Śaktis [?], gekleidet in rote Gewänder und mit rotem Schmuck, mit rotem Farbstoff gesalbt, mit sechs lotusgleichen Gesichtern.
Auf jedem Antlitz dreiäugig, dazu von schönem Lächeln, strahlend mit einer aus unbezahlbaren Edelsteinen und Rubinen gefertigten Krone.
Strahlend mit Ohrringen, Halsschmuck, Armreifen, Gürtel und Fußringen; [ihre] schöne [Zahnreihe(?)], mit roten Blütenbüscheln geschmückt [?].
Höchstes Erbarmen und höchste Wonne, auf einem rotleuchtenden Lotos thronend, mit zwölf Armen versehen, ganz aus Rede (vāc) für alle [Wesen] bestehend [?].
Vers 3: 'lohitākāśaśaktivṛndaniṣevitām' unsicher (OCR stark verderbt); Sinn 'von Scharen rötlicher Śaktis umgeben' vermutet. Vers 5: OCR-Zeile fast unlesbar; 'raktastabaka' (rote Blütenbüschel) und 'dantapaṅkti' (Zahnreihe) sind Vermutungen anhand von Metrum und Parallelstellen, [?] gesetzt. Vers 6: 'sarveṣāṃ sarvavāṅmayīm' (statt OCR 'sveṣāṃ') als Lesart angenommen, da die Vidyā später ausdrücklich als 'ganz aus Rede bestehend' beschrieben wird (vgl. V.101).
pravālākṣajapaṃ [?] padmaṃ kuṇḍikāṃ ratnamayīṃ [?] | vasupuṣpaṃ [?] ratnacaṣakaṃ mātuluṅgīṃ vyākhyānamudrikām [?] ||7||
dadhānāṃ dakṣiṇe [?] pustakaṃ cārugotpalam | hemau [?] ca lekhanīṃ mālāṃ kambu varaṃ [?] bhujaiḥ ||8||
abhitaḥ stūyamānāṃ ca devagandharvakinnaraiḥ | yakṣarākṣasadevair api siddhavidyādharādibhiḥ [?] ||9||
dhyātvaivam arcayen nityaṃ vāglakṣmīkāntisiddhaye | sitāṃ kevalavāksiddhyai lakṣmīṃ hemaprabhām api ||10||
dhūmrābhāṃ vairividveṣāya tayor nigrahāya ca | nīlāṃ ca [?] smaret tattadapekṣayā ||11||
tribhis tair uditais tu vargaiḥ kuryāt ṣaḍaṅgakam | ādimadhyāvasāneṣu pūjājapavidhau kramāt ||12||
pratyekaṃ tais tribhir bījair dīrghasvarasamanvitaiḥ | kuryāt karāṅgakānāṃ nyāsaṃ proktaṃ yathāvidhi ||13||
[Sie trägt] eine Korallen-Rosenkranz-Schnur [?], einen Lotos, einen mit Juwelen [besetzten?] Wasserkrug, eine [gewisse] Blüte [?], einen Juwelenbecher, eine Zitronatzitrone (mātuluṅga) und die Geste der Lehrdarlegung (vyākhyāna-mudrā);
ferner in [den übrigen Händen] ein Buch, eine schöne blaue Lotosblüte, [zwei goldene Gegenstände(?)], einen Schreibgriffel, eine Gebetsschnur (mālā) und eine treffliche Muschel (kambu) — mit [all diesen] Armen.
Und sie wird ringsum gepriesen von Göttern, Gandharvas und Kinnaras, ebenso von Yakṣas, Rākṣasas [und weiteren Göttern(?)], von Siddhas, Vidyādharas und dergleichen.
Hat man sie so meditiert, verehre man sie beständig zur Erlangung von Beredsamkeit, Glanz und Schönheit — weiß [meditiert] allein zur Erlangung der Redegewalt, golden strahlend aber [zur Erlangung von] Wohlstand (Lakṣmī).
Rauchfarben zum Zweck der Entzweiung eines Feindes und zu dessen Bezwingung; und dunkelblau [in einer furchterregenden Form(?)] gemäß dem jeweiligen Bedürfnis erinnere man sich ihrer.
Mit jenen drei genannten [Silben-]Gruppen vollziehe man das sechsgliedrige [nyāsa], der Reihe nach, am Anfang, in der Mitte und am Ende des Verehrungs- und Japa-Rituals.
Mit jedem der drei Keimsilben je einzeln, verbunden mit den langen Vokalen, vollziehe man, wie vorgeschrieben, das Einsetzen (nyāsa) auf Hände und Glieder.
Vers 7 ist im OCR fast vollständig zerstört; die Lesungen 'ratnacaṣakam' und 'mātuluṅgī' stützen sich auf den Kommentar, der diese beiden Wörter (in anderer, ebenfalls stark OCR-entstellter Schreibung) ausdrücklich mit den Ausdrücken für 'Juwelenbecher' bzw. 'Zitronatzitrone' glossiert — dies dient hier ausschließlich der OCR-Klärung. Übrige Wörter von Vers 7 (pravālākṣajapam, vasupuṣpam) bleiben Vermutungen, [?]. Vers 8: 'hemau' unsicher, evtl. ein weiteres Attribut statt 'golden'. Vers 11: das Objekt der dunkelblauen Form ('sṛkī-' o.ä., wohl eine fletschende/wilde Gestalt) im OCR unlesbar, [?].
[Man platziere die drei Keimsilben] rein [?] der Reihe nach an ihnen [selbst, den entsprechenden Körperstellen].
An Ādhāra, Geheimort und Nabel [die erste Gruppe], die zweite am Augenpaar, die dritte an Ohr und Kinn, die vierte an den Augenbrauen [und am Gaumen(?)].
Die fünfte an Schultern und Nabel [?], dann an Händen und Füßen: an jedem einzelnen — an Wurzel, Mitte und Spitze — setze man [die Silben] neunfach, mit den Wurzel-Silben [?].
Bhāṣā, Sarasvatī, Vāgī, Saṃskṛtā, Prākṛtā, Parā, Khaḍgarūpā, Vittarūpā, Ramyā, sowie Ānandā und Kautukā [— dies sind die elf Begleit-Śaktis].
Diese elf, so genannt, verehre man im Neun-Yoni-Diagramm; außen, in der achtblättrigen Lotosblüte, verehre man Brāhmī und die übrigen [Muttergöttinnen].
Im Quadrat verehre man ebenso die Weltenhüter in Śakti-Gestalt: mit Indra, Agni, Yama, dem Rakṣas[-Herrn Nirṛti], Varuṇa, dem Wind(-gott) und dem Mond(-gott, d.h. Kubera?) [?].
Und Īśāna [als neunten], von Osten beginnend über die acht Richtungen [verteilt] — mit Namen, die auf '-śakti' enden, verehre man sie zuvor, zur Erlangung jeder Vollkommenheit.
Vers 14 ist im OCR so zerstört, dass nur das Versende ('tais tadātmasu yathākramam') halbwegs gesichert scheint (vgl. Kommentar: 'tais - vaktranāmabhiḥ', d.h. mit den Namen der [sechs] Gesichter); die Ergänzung 'śuciḥ' bleibt Vermutung. Verse 15-16 (neunfaches nyāsa an Ādhāra, Geheimort, Nabel, Augen, Ohr/Kinn, Brauen, Schultern, Händen, Füßen) folgen der Kommentar-Paraphrase, da der Wurzeltext selbst kaum lesbar ist; einzelne Ortsnamen bleiben unsicher [?]. Vers 19: die genaue Zuordnung der Weltenhüter-Namen ist wegen OCR-Verderbnis unsicher; die Reihenfolge Indra-Agni-Yama-Nirṛti-Varuṇa-Vāyu-Kubera-Īśāna (Standard-Aṣṭadikpāla) wurde als plausibelste Lesart zugrunde gelegt.
Nachdem man ein Doppelquadrat mit Türen nach Osten und Westen angelegt hat, mache man in der Mitte des Kreispaares [darin] eine achtblättrige Lotosblüte.
Nachdem man das Neun-Yoni-Diagramm nach der Vier-drei-fünf-vier-Teilung [?] angefertigt hat, rufe man [die Göttin] darin herbei und verehre sie gebührend, wie zuvor.
Die zehnte und elfte Śakti [Ānandā und Kautukā] [verehre man] an den beiden Seiten der mittleren Yoni; ebenso verehre man die zusätzlichen Weltenhüter-Śaktis (Ananta und Brahmā) an den beiden Türen [?].
Dies ist die Besonderheit, das Übrige [entspricht] dem allgemein [zuvor Gesagten]; der siebten Śakti(?) gebe man ein Opfer (bali), am Ende [des Rituals], mit Kurukullā [?].
So vollziehe man die tägliche Verehrung, das tägliche Feueropfer mit Ghee; am Morgen trinke man Wasser [dreimal, nach entsprechendem Japa], zur Erlangung der Selbstverwirklichung durch die Vidyā.
Mit Sandel, Uśīra-Wurzel, Kampfer, Moschus (Kastūrī), Gorocanā, zusammen mit Kaśmīr-[Safran(?)], Adlerholz (Kālāguru) und auch mit Moschus (mṛgamada).
Hat man den Körper [damit] gesalbt, den inneren Sinn [auf die Gottheit] gerichtet, Schweigen bewahrend, mit bunten Ornamenten und Gewändern geschmückt, wohlriechend, rezitiere man die Vidyā in der Dämmerung.
Vers 22: die Zahlenformel der Yoni-Teilung ('4-3-5-4') ist im OCR unklar und rein technischer Natur (Yantra-Konstruktion), Sinn nicht mit Sicherheit rekonstruierbar, [?]. Vers 23-24: die Verszählung des Originals sprang hier fehlerhaft von '22' direkt zu einem zweiten '22' und dann zu '24'; nach der Zählung wurde die zweite '22' zu '23' korrigiert. Vers 24 zweite Vershälfte ('saptaśaktyai baliṃ dadyāt... kurukullayā') im Kommentar nicht eigens erläutert und im OCR sehr unsicher, [?].
pūjayec ca śivām etair gandhaiḥ sarvārthasiddhaye | sarvābhir api nityābhiḥ prātar anyābhiḥ samam [?] ||28||
[?] pibet toyaṃ tathā vāksiddhaye śive | anyair api ca mantrais tair vidyayābhis tat prasidhyati [?] ||29||
prāgvan mukhatrayaṃ [?] japtvā tad daśāṃśena tarpayet [?] | sugandhisalilair homaṃ tāvat trir madhurājyaiḥ [?] ||30||
pālāśapuṣpair vikacair dṛṣṭaiḥ śaratkālasthitaiḥ [?] | siddhavidyaḥ punaḥ kuryāt kāmyakarmāṇi sādhakaḥ ||31||
devyā varṇavibhedena phalabhedāḥ samīritāḥ | vidyāsvarūpabhedais tu yan nu vakṣye yathāvidhi ||32||
vāṅmayatvaṃ vidyāyās tu tathā vyañjanasaṅgamāt | vācyavācakarūpasya prapañcasyāmitātmanaḥ [?] ||33||
kāraṇaṃ paramātmatvam [?] ameyatvaṃ ca vai kramāt | kathayāmi prājña [?] vistaravaibhavāt [?] ||34||
Und man verehre die Gütige (Śivā) mit diesen Wohlgerüchen zur Erlangung aller Ziele — zusammen mit allen [übrigen] Nityās am Morgen, wie mit anderen [Vidyās zugleich] [?].
[Nachdem man mit diesen rezitiert hat(?),] trinke man Wasser, ebenso, o Gütige, zur Erlangung der Redegewalt; dasselbe wird auch durch andere Mantras und durch jene [übrigen] Vidyās bewirkt [?].
Hat man wie zuvor [die Vidyā] mit den drei Silben(?) rezitiert, spende man ein Zehntel [der Japa-Zahl] als Tarpaṇa; ebenso [ein Zehntel] als Feueropfer mit wohlriechendem Wasser, dreimal, mit süßem Ghee [?].
Mit aufgeblühten Palāśa-Blüten, frisch gepflückt, im Herbst gesammelt [?] — [erst] wenn er in der Vidyā vollkommen geworden ist, mag der Sādhaka sodann die auf [weltliche] Wünsche gerichteten Riten (kāmya-karma) vollziehen.
Durch die Verschiedenheit der Farbe der Göttin sind die Verschiedenheiten der Frucht [des Rituals] dargelegt worden; was aber die Unterschiede des Wesens der Vidyā selbst betrifft, so will ich dies nun, wie vorgeschrieben, darlegen.
Die Rede-Natur (vāṅmayatva) der Vidyā [entsteht] durch die Vereinigung der Konsonanten, [und sie ist die Ursache] des grenzenlosen Weltgefüges (prapañca) in seiner Gestalt von Bezeichnetem und Bezeichnendem.
Die Ursächlichkeit, das Wesen des höchsten Selbst und die Unermesslichkeit will ich, o Weiser/Weise, der Reihe nach aus der Fülle der ausführlichen Lehre verkünden.
Vers 29 Anfang im OCR unlesbar, [?]; Sinn nach Kommentar rekonstruiert, der beschreibt, wie man nach Meditation eines Mātṛkā-Yantras und dreimaligem Japa der Mātṛkā bzw. der eigenen Nityā-Vidyā das so besprochene Wasser trinkt. Vers 30 ('mukhatrayam', 'daśāṃśena') stark vermutet nach Kommentarhinweis 'prāgvat- lalitāvat' (wie beim Lalitā-Ritus) und 'tāvat- taddaśāṃśena'. Ab Vers 33 beginnt ein hochtechnischer, mantra-linguistischer Abschnitt über die dreifache vedische Herkunft der Silben von Kulasundarīs Vidyā; die Übersetzung folgt so weit wie möglich dem (ebenfalls beschädigten) Wurzeltext, gestützt durch die klärende Kommentar-Paraphrase.
'A' und die folgenden [Vokale] sind der Sāmaveda, ebenso beginnt der Ṛgveda [mit 'a']; der Yajurveda beginnt mit 'i'; aus deren Verbindung [entsteht, rein (śuci),] das erste Kūṭa(-Bīja) [?].
Die dritte Modifikation (vṛtti/guṇa[?]) ist, o Weiser, in [ihrer] Vorher-Nachher-Abfolge gelehrt worden; hat man sie [entsprechend] niedergeschrieben, verfüge man [darüber] zunächst gemäß der Grammatik (śabdaśāstra) [?].
Durch guṇa-Sandhi [entsteht] aus dem [Anfangslaut] des Yajus sodann ein weiterer [Laut], ebenso; aus der Verbindung der beiden Sandhi-Vorgänge [ergibt sich] die reine grammatische Ableitung, der reine 'Körper' [des ersten Kūṭa] [?].
Dadurch ist die Vidyā 'raumhaft' (vyomamayī), kraft der Beziehung von Ursache und Wirkung; wodurch alle anderen [Laute/Dinge] sich von Anfang bis Ende ausbreiten [?].
Der in der mittleren Bahn befindliche Atem (prāṇa) der Konsonanten aber ist die Mātṛkā (das Alphabet); wie zuvor [erklärt,] ist [sie] kraft der Beziehung von Ursache und Wirkung von der Gestalt des Bezeichnenden.
Durch die Verbindung jener Silbe entsteht, kraft ihres Elementcharakters, das Bezeichnetsein; so ist [die Vidyā] in den Gestalten von Bezeichnendem und Bezeichnetem als deren eigenes Wesen erwiesen.
Die höchste Form (parā-rūpa) ist im dritten [vorangehenden] Vers als dreifältig bezeichnet worden; so ist diese Vidyā, alldurchdringend, von erhabenen Unterscheidungen der Gestalt.
Dieser gesamte Abschnitt (V.35-41) beschreibt in stark verschlüsselter Sprache, wie das erste Kūṭa-Bīja der Kulasundarī-Vidyā (nach dem Kommentar wohl eine Silbe wie 'e' bzw. deren Verwandte) aus den Anfangslauten der drei Veden (a=Sāma, a=Ṛg, i=Yajus) durch guṇa- und vṛddhi-Sandhi gebildet wird und daher als 'aus den drei Veden bestehend' (trayīmaya) gilt; die genaue Lautfolge bleibt wegen der schweren OCR-Verderbnis in mehreren Wörtern unsicher, [?]. Verse 36-37 sind im Wurzeltext praktisch unlesbar (die dort gedruckten Zeilennummern '26'/'27' wurden gemäß Zählung zu '36'/'37' korrigiert); ihre Übersetzung ist mit größter Vorsicht zu lesen. Der Kommentar (nur zur OCR-Klärung herangezogen) bestätigt zumindest die Grundidee: a(Sāma)+a(Ṛg) über i(Yajus) ergeben durch guṇa-Sandhi 'e', durch vṛddhi-Sandhi 'ai' usw.
Die erste [Bīja-Silbe ist] rein, von der Natur der Rede selbst [?]; die zweite wird 'Vahni' (Feuer) genannt — von der Gestalt der Einheit von Bindu (Punkt) und Visarga, [dem gemeinsamen] Leib [von Śiva und Śakti] [?].
Durch jene Silbe wird sie als 'alldurchdringend' (viśvātmarūpā) bezeichnet; die dritte heißt 'Vana' (Wald/Wasser [?]), verbunden entweder mit Māyā (hrīṃ) oder mit dem Visarga [?].
Diese wird 'Tripurākundā' genannt, [auch] als 'Saṅketa' (Chiffre-Vidyā) bezeichnet; sie besteht aus der Dreiheit von Erkennendem, Erkenntnis und Erkanntem, sowie aus den [drei Körpersäften] und dem dreifachen Glanz [von Feuer, Sonne und Mond] [?].
In ihrem mittleren Bīja aber ist sie, durch das Zusammenfügen von 'rasa' und 'prāṇa' [zwei kodierten Lauten (?)], in der Gestalt von Bezeichnetem und Bezeichnendem, wahrhaft die Ursache des Weltgefüges.
Im dritten [Bīja], durch die Verbindung mit 'haṃsa', wird die Dreiheit als alldurchdringend bezeichnet; durch das paarweise Verbinden von 'ha' u.a. darin [entsteht] die Natur des Beweglichen wie des Unbeweglichen [?].
Durch die Verbindung, eins um eins, zweie um zweie usw., der Konsonanten mit den Vokalen ist die Zahl der [daraus entstehenden] Vidyās, o höchste Herrin, unmöglich zu ermitteln.
Dieser Abschnitt bleibt in den Einzellauten weitgehend unsicher (durchgehend [?]); die Übersetzung gibt den vom Kommentar gestützten Argumentationsgang wieder (dreifache Bīja-Struktur, daraus Ableitung einer 'Saṅketa'-Chiffre-Vidyā namens Tripurākundā, aus der durch Permutation unzählige weitere Vidyās entstehen), ohne die genaue phonetische Rekonstruktion jeder Silbe zu behaupten. 'rasa' und 'prāṇa' in V.45 könnten Zahlwort-Code für bestimmte Laute sein (wie in der Kaṭapayādi- o.ä. Tradition); nicht sicher aufgelöst.
Wie könnte man sie, die von unendlicher Fülle ist, erschöpfend beschreiben? Dennoch will ich dir, zum Schutz der Hingebungsvollen, einiges [von ihr] sagen.
Sie verleiht langes Leben, Wohlstand, Ruhm, Genuss, Schönheit und Gesundheit; ganz aus diesseitigem und jenseitigem Wissen bestehend, gewährt sie jede Vollkommenheit.
Durch das Verbinden von 'ha' und 'sa' (haṃsa) der Reihe nach in die drei [Silbenglieder] der Kulasundarī-Vidyā [entsteht] die große Vidyā namens Vijayā ('Siegreiche'), die auf die Rettung der ganzen Welt bedacht ist.
Durch das Verbinden von 'h' und 's' im Herzen(-Bīja) darin entsteht die Vidyā namens Jīvā ('Lebendige'), von der Natur des Allbewusstseins; durch die Verbindung beider [Vijayā und Jīvā] darin entsteht diejenige, die die Gestalt von beiden hat.
[Durch] die Vidyā an den beiden äußeren [Silbengliedern mit] 'hṛd' u.a., [und] den Spruch (manu) an den beiden mittleren mit 'haṃsa' u.a. [?] — darin [entsteht] die 'Viśvā' genannte, alldurchdringende Gestalt [?].
Jede [der drei Silbenglieder], von der Śakti-Silbe eingefasst, [ergibt] die Vidyā 'Viśvavimohinī' ('Allbetörende'); dieselbe aber, eingefasst mit den [Silben] von Vahni, Candra und Ambu zusammen mit Māyā, [ergibt eine weitere Vidyā] [?].
Die Vidyā namens Tripuraśaktā, von der Gestalt der Errettung aus jeder Not [?]; durch ein Paar von Māyā-Silben [entsteht] die als Mohinī bezeichnete, in deren Mitte die als Kṣobhiṇī geltende.
Am Ende [des dritten Gliedes wird sie] als Krodhinī bezeichnet, an der Stelle des ersten [Gliedes, ersetzt] durch Vahni u.a., [entsteht] Mahodayā; so werden diese, insgesamt dreizehn, als die 'Tripurāratna-Vidyās' überliefert.
Aus diesen entstehen, durch Vertauschung ihrer Reihenfolge, achtundsiebzig Vidyās; ihr vollständiges Verfahren ist im [Werk] Lakṣasāgara ('Ozean der hunderttausend [Verse]') dargelegt worden.
So gibt es ferner eine Vidyā namens Sampatkarī ('Wohlstandbringerin'), von unvorstellbarer Erhabenheit; sie will ich dir, o Herrin der Götter, zur Erfüllung der Wünsche des Sādhaka verkünden.
Die Ableitung der elf Zusatz-Vidyās (Vijayā, Jīvā, Viśvā, Viśvavimohinī, Tripuraśaktā, Mohinī, Kṣobhiṇī, Krodhinī, Mahodayā u.a., zusammen mit Kulasundarī und der Saṅketa-Vidyā 'Tripurākundā' [V.44] die 'dreizehn Tripurāratna-Vidyās' bildend) folgt in Struktur und Reihenfolge dem Kommentar, da der Wurzeltext an vielen Einzelstellen (v.a. V.51-54) nicht mehr sicher zu rekonstruieren ist; entsprechend zahlreich sind die [?]-Markierungen. Die Zahl 78 (V.56) und der Verweis auf das Werk 'Lakṣasāgara' sind durch den Kommentar gestützt und relativ sicher.
Aus der Verbindung von h, r, ī und Bindu [?] wird die erste [Bīja-Silbe der Sampatkarī-Vidyā] gebildet [?]; aus dem Wind[-Laut] zusammen mit den beiden übrigen [?] die zweite, o Pārvatī.
Aus haṃsa, dem Feuer[-Laut] und Māyā [entsteht] die dritte, o höchste Herrin; so ist diese Vidyā dreisilbig, und ihre [rituelle] Anwendung wird nun dargelegt.
Mit der dritten Keimsilbe, verbunden mit den langen Vokalen, vollziehe man der Reihe nach das [nyāsa] auf Hände und Glieder wie zuvor; dann meditiere man sie folgendermaßen:
[Man meditiere sie,] deren Leib, Gewand und Schmuck den [rötlich-goldenen] Fäden der Granatapfelblüte gleichen, vierarmig, dreiäugig, mit heiterem, lächelndem Antlitz.
Mit einem Glanz wie bei einer Juwelenweihe versehen, inmitten einer achtblättrigen Lotosblüte [?], im Dreieck im Svastika-Sitz thronend, [eine Wohnstatt der Wonne(?)].
[Sie trägt] in ihren Händen einen Korallenhaken [?], einen mit Edelsteinen gefüllten Juwelenbecher, ein Buch und die Gabe-Geste, — die Allgütige.
Auf dem 'Kula-Sitz' (kulāsana), gebildet aus drei Dreiecken, [beschriftet] von 'a' bis 'sa' [mit sechzehn Vokalen(?)], inmitten [dessen], mit ihrer Vidyā versehen [?] —
Die genaue Lautstruktur der drei Sampatkarī-Silben (V.58-59) ist im Wurzeltext praktisch unlesbar; nach dem Kommentar besteht das dritte Bīja sicher aus ha + au(?) + Visarga (ein 'hauḥ'-artiges Bīja); die ersten beiden Silben bleiben mangels sicherer OCR-Lesung Vermutung, durchgehend [?]. Das 'Kulāsana'-Yantra (V.64, dreieckiges Diagramm mit dem Alphabet a-sa beschriftet) folgt der Kommentarbeschreibung.
Nachdem man sie herbeigerufen hat, verehre man sie nach vorausgehendem Entschluss (saṅkalpa) der Reihe nach; in der Mitte, an den Ecken des Dreiecks, [verehre man] Rati, Prīti und Manobhava (Kāma und sein Gefolge).
Vom vorderen [Blatt] beginnend, gegen den Uhrzeigersinn, ebenso auf den acht Blütenblättern die Muttergöttinnen; im Quadrat verehre man wie zuvor die Weltenhüter als Śaktis.
So ist, wohlgeordnet, das Verfahren für die achtundsiebzig [Vidyās] dargelegt worden; das doppelte Opfer (bali) und das Feueropfer sowie alles Übrige vollziehe man wie zuvor.
[Man vermenge] in vierfacher Menge Brāhmī-Saft, in einem Viertel [dieser Menge] Vacā-Saft [?], [und] in gleicher Menge Milch, mit Ghee, [gekocht] drei Tage lang [?].
Samt dem Yantra, mit der Mātṛkā-Vidyā dreimal mit höchster Hingabe besprochen [?], lecke man [dieses Ghee] Tag für Tag am Morgen; am Ende des Jahres wird man weise, ein Dichter(-Seher) [?].
Śiva, Ambikā, Kumāra (Skanda), Vidhi (Brahmā), ebenso Viṣṇu und Ramā (Lakṣmī), Kubera, [die Planeten] Sonne, Mond, Mars [?], Rāhu, Jupiter [und] Venus-Saturn [?] [— die Herren der Wochentage und weitere Gestirne].
An den Wochentagen, deren Herren zuletzt [genannt], verehre man diese mit der jeweiligen Tages-Vidyā, verbunden mit dem siebensilbigen Namen[-Mantra], spende Tarpaṇa und Feueropfer.
Mit Asche, die aus [geweihten] Kräutern gewonnen wurde, samt dem Mantra und dem Mātṛkā-nyāsa, berühre man den in Juwelenform [dargestellten (?)] Spruch (manu).
Besonders für schwer Leidende und Bedrängte vollziehe man diesen Ritus; dadurch werden sie, samt ihren Angehörigen, glücklich, solange sie leben.
Verse 68-69 (Ghee-Rezept mit Brāhmī, Vacā und Milch, kombiniert mit einem Mātṛkā-Yantra, zur Erlangung von Weisheit/Dichtergabe) folgen weitgehend der klärenden Kommentar-Paraphrase, da der Wurzeltext selbst kaum lesbar ist; Einzelheiten (Kochdauer, genaue Mengenverhältnisse) bleiben unsicher, [?]. Vers 70 (Wochentagsherren und Planeten) ist im OCR stark verderbt; die Zuordnung folgt der üblichen Neun-Planeten-Liste, einzelne Namen (Mars, Saturn/Venus) bleiben unsicher, [?].
tair eva vyādhiṣu prāgvad arcyāṃ gāṃ [?] tu maṇḍale | navakoṣṭhe nava proktān rāhuketusamanvitān ||74||
madhye 'ndrayamapāśīndu [?] vahniratno 'nileśvare [?] | koṣṭhaṃ tais tair yajet sadyo muktarogaḥ sukhī bhavet ||75||
grahārtiṣu ripukleśe durbhikṣe vividhe tathā | utpāte samaroddeśe kuryād uktārcanādikam ||76||
saṃpūjya tadvidaḥ samyag dadyād gāṃ khagam ambaram [?] | tena sarvāpadunmuktaḥ sukhī bhavati bhūtale ||77||
brūhi me mātṛkānyāsaṃ tadantaṃ parameśvara | kathayāmīti te vakṣye tatpaṭale 'khilam ||78||
hrasvadīrghasvaradvandvapuṭitaiḥ ṣaḍvarjitaiḥ [?] | kuryād aṅgāni ṣaḍvargaiḥ pañcapañcākṣaraiḥ ||79||
Mit eben diesen [geweihten Asche-Mantras] verehre man bei Krankheiten wie zuvor die [heilige Kuh (?)] in einem Diagramm; in dessen neun Feldern [verehre man] die neun genannten [Planeten] zusammen mit Rāhu und Ketu.
In der Mitte, [an den Feldern] von Indra, Yama, Varuṇa, dem Mond, Agni, [Kubera], Vāyu und Īśāna [?] — verehre man jedes Feld mit dem jeweiligen [Planetenmantra]; sogleich wird man von Krankheit befreit und glücklich.
Bei planetenbedingtem Leiden, bei Bedrängnis durch Feinde, bei mancherlei Hungersnot, ebenso bei einem [bösen] Vorzeichen und im Angesicht der Schlacht vollziehe man die genannte Verehrung und dergleichen.
Hat man [den Ritus] gebührend vollzogen, gebe man denen, die dies verstehen, eine Kuh, [Gold(?)] und ein Gewand; dadurch wird man von jeder Not befreit und glücklich auf Erden.
[Die Göttin:] „Verkünde mir den Mātṛkā-nyāsa und was dazugehört, o höchster Herr.“ [Der Gott:] „Ich will es dir sagen — in diesem Kapitel will ich es dir vollständig darlegen.“
Mit [Silben,] eingefasst von Paaren kurzer und langer Vokale, unter Ausschluss der sechs [Halbvokale/Sibilanten (?)], vollziehe man das [Sechsglieder-nyāsa] mit den sechs Lautgruppen (varga) von je fünf Buchstaben.
Vers 74-75 (Neun-Felder-Planetendiagramm) folgt in der Grundstruktur dem Kommentar; einzelne Feld-Zuordnungen sind wegen OCR-Verderbnis unsicher, [?]. Vers 78 ist als Dialogvers (Frage der Göttin, Antwort des Gottes) gestaltet, wie im Kommentar vermerkt; im Wurzeltext selbst ist nicht ausdrücklich als Sprecherwechsel markiert, aber inhaltlich eindeutig. Ab Vers 79 beginnt der von der Göttin erbetene Abschnitt über den Mātṛkā-nyāsa.
Unter den Vokalen [seien] die vier mittleren [Silbenpaare, jeweils] sechsfach [mit Bindu und Visarga versehen (?)]; hat man so das Hand- und Glieder-[nyāsa] vollzogen, [setze man] die Laute von 'a' bis 'jña' [dem letzten Buchstaben] [?].
Auf der Stirn, im Kreis geschlagen [?], [dann] von den Augen, Ohren, der Nase und den Wangen her, auf Lippen, Zähnen, Scheitel, Zungenspitze und an den beiden Ohren setze man die Vokale.
An Wurzel-, Mittel- und Endgelenk von Händen und Füßen, [jeweils] vorn, setze man die vier [Konsonanten-]Gruppen; die fünfte [Gruppe setze man] an Seiten und Rücken.
Hat man [eine Gruppe] an Nabel und Herz gesetzt, [setze man] die alldurchdringenden [Laute, 'ya' bis 'kṣa'] in die zehn Körpergewebe: Haut, Blut, Fleisch, Fett, Knochen, Mark, Samen und die übrigen, bis zum Ende.
Ebenso setze man [sie] in Prāṇa, Śakti und den Ātman [selbst], so, mit gesammeltem Geist; die dem Herzen nahestehenden unter ihnen setze man, ihrer gedenkend, in die [Körper-]Gewebe.
Oder aber am Herzen, am Schulterpaar und an den beiden Hüften/Achseln [?]; vom Herzen bis zur Fußspitze [mit 's' fahrend], setze man [dann, ebenso mit 'h' fahrend,] an Bauch und Antlitz.
Dieser gesamte Nyāsa-Abschnitt (V.80-85) ist im Wurzeltext äußerst schwer lesbar; die Übersetzung stützt sich stark auf die (selbst ebenfalls beschädigte, aber inhaltlich klarere) Kommentar-Paraphrase, die u.a. ausdrücklich beschreibt, dass man mit der Hand streichend von Herz bis Fußspitze 's' und dann 'h' setzt (V.85). Einzelne Ortsbezeichnungen ('trikakakṣayoḥ', 'tapādāgre') bleiben unsicher, [?].
Nachdem man, von zwei Kreisen umgeben, eine große, achtblättrige Lotosblüte gebildet hat, schreibe man in deren Mitte die aus Haṃsa, dem Herz(-Laut 'h') und der Śakti geborene [Silbe, wohl 'hrīṃ'].
Das [Mittel-]Bīja [schreibe man in die Mitte], die Vokale auf die Staubgefäße, die [Konsonanten-]Gruppen auf die Blütenblätter, je fünf Buchstaben, und die Laute 'ḍa' und 'va' [?] in die [acht Himmels-]Richtungen.
Unter den Vokalen [gibt es] fünf nicht wiederholte und [noch einmal] andere fünf; durch den Unterschied von Verbindung mit bzw. ohne Konsonant ergibt sich eine doppelte Anwendung [?].
Mit a, i, u, Bindu und Visarga [entsteht] jene Fünfergruppe der 'Śakti'-[Endungen]; die übrigen elf [Vokale], o Gütige, entstehen aus [der Verbindung mit den Halbvokalen und Sibilanten (?)].
Hat man in der Mitte dieses Yantras den Namen [der Gottheit/des Anwenders] eingeschrieben, setze man es ein; am Morgen berühre man [es, meditiere man] den Mond [?], sodann [erlangt man] die ganze Welt und jeglichen Wohlstand [?].
Durch Weihung, Verehrung und Kult [dieses] aus Metall gefertigten [?] [Yantras], durch dessen Aufstellung im Haus, im Land und anderswo, gewährt das Yantra die Erfüllung jedes Zieles.
Alle Gottheiten, die in der Mitte dieses Yantras wohnen, gewähren den Sādhakas [ihre] Gegenwart und die Gabe der [erstrebten] Früchte.
Die genaue Konstruktion des Mātṛkā-Yantras (V.86-89: Mittel-Bīja, Vokale auf den Staubgefäßen, Konsonantengruppen auf den acht Blütenblättern, weitere Buchstaben in den Himmelsrichtungen und auf einem äußeren, mit dem vollständigen 51-Laute-Alphabet beschrifteten Kreis) folgt der ausführlichen Kommentarbeschreibung, da der Wurzeltext an vielen Stellen unlesbar ist; einzelne Laute (V.86 'hrīṃ', V.87 'ḍa/va') bleiben Vermutungen, [?].
Welcher Mensch auch immer diese Vidyā rezitiert — sei er auch dumm oder ein großer Sünder [?] —, gelangt durch beständigen Japa, Verehrung und dergleichen mit der Zeit zur Gleichheit mit mir [Śiva].
Wenn man diese Laute wiederholt auf der Zunge visualisiert, wird man, tritt man in Versammlungen der Gelehrten (vidyā-goṣṭhī) ein, den Menschen an Redegewandtheit gleichgestellt [?].
Hat man [die Silbe 'ḷ'?], inmitten der Mondscheibe (bindu-bimba) befindlich, als Nektar spendend visualisiert, rezitiere man diesen Spruch (manu) mit gesammeltem Geist.
Aus [der Meditation auf] diese Scheibe entsteht die Vollkommenheit der Dichtkunst, die alle Sprachen umfasst; und in Disputationen und dergleichen wird man überall, sich mit der Gottheit identifizierend, zum Sieger.
Die Yantras der [übrigen] Nityās [beruhen] auf gemeinsamer, einheitlicher Struktur; man darf daher die aus dem einen entstandenen Anwendungen wechselseitig [auf die anderen] übertragen, kraft ihrer Einheit.
Deshalb sind die für die eigene [Nityā] gelehrten [Yantras] auch die eigene Vollkommenheit bewirkenden; unter allen sechzehn Nityās gilt, was von einem Yantra gesagt wurde, auch für die anderen.
Vers 95 ist im OCR fast vollständig zerstört; die Ergänzung '[ḷkāram]' (der Vokal ḷ) ist reine Vermutung aufgrund des Kontexts (Mondscheiben-Symbolik, vorangehende Silben-Diskussion), [?]. Verse 97-98 formulieren ausdrücklich das Prinzip, dass die für die einzelnen Nityās gelehrten Yantras strukturell austauschbar sind — ein inhaltlich auffälliger, aber durch den Kontext gut gestützter Gedanke.
Hat man ein Kreispaar und ein Sechseck gebildet, [und] in der Mitte des mittleren [Kūṭa-Bīja-]Anfangslautes [den Namen des Anwenders] eingeschrieben, [dann] außen, auf dessen sechs [Ecken], jene drei [Silben] mit dem eigenen [Namen] und mit Māyā (hrīṃ) —
— und hat man sodann, weiter außen, auf einem [vierten] Kreis das Alphabet (mātṛkā) eingeschrieben —, so erlangt man, indem man dies auf der Zunge visualisiert, sogleich den ersten Rang in [jeder] Versammlung.
So ist wohlbegründet die alldurchdringende, redeerfüllte Wesensnatur (vāc-tattva-vyāpti) [dieser Vidyā] dargelegt worden; durch deren bloßes Aufklingen im Herzen wird eben jenes Wesen (tattva) zu einem selbst gemacht (dem eigenen Selbst einverleibt).
So endet, im ehrwürdigen Ṣoḍaśanityā-Tantra, genannt Śrīkādimata, das vollständige fünfzehnte Kapitel — [von Śrī Subhagānandanātha, der auch den Beinamen Prapañcasārasiṃharājaprakāśa trägt, in der Manoramā-Auslegung verfasst,] das die Lehre der Kulasundarī-Nityā darlegt.
Vers 99-100 (Sieges-Yantra für Gelehrtenversammlungen) folgt in der Konstruktion der Kommentar-Paraphrase (Kreis-Sechseck-Diagramm mit den drei Kūṭa-Silben und einem äußeren, mit dem vollständigen Alphabet beschrifteten Kreis), da der Wurzeltext kaum lesbar ist. Vers 101 ist nahezu wortgleich mit dem Schlussvers des 12. Kapitels dieses Werks (vgl. ch12.json, V.101: '...tattvamayī vyāptir...'), offenbar eine formelhafte Schlusswendung, die pro Kapitel auf das jeweilige Leitprinzip (hier: vāc, die Rede) bezogen wird; hier ist der Wortlaut etwas besser erhalten als dort. Die Übersetzung des Kolophons folgt dem kurzen Wurzeltext-Kolophon ('iti śrīṣoḍaśanityātantreṣu śrīkādimate pañcadaśaṃ paṭalaṃ paripūrṇam...'); das rätselhafte Schlusswort aller Kapitel-Kolophone dieser Ausgabe (im OCR etwa 'parākhyaṣṭam') konnte nicht sicher identifiziert werden (evtl. verderbt aus 'parākhyātam', 'so verkündet') und wurde nicht mitübersetzt, ebenso wie der lange Kommentar-Kolophon mit Kommentatorennamen (Subhagānandanātha) und die rein editorische 'granthasaṅkhyā'-Notiz zum Umfang, die beide nicht zum Wurzeltext gehören.