Quellen der Menschheit

Tantrarāja Tantra

Paṭala 21: citrānityāvidyāvidhānaprakāśanaparam ekaviṃśatitamaṃ paṭalam 21-tes Kapitel: Die Darlegung der Citrā-Nityā (Dhyāna, Cakra-Verehrung, Wunsch-Homa, Yantra-Konstruktion und Opfergaben)

Quelle: Tantrarāja-tantra mit dem Kommentar Manoramā des Subhagānandanātha, hrsg. Sadāśiva Miśra, Tantrik Texts Vol. II (Paṭala XIX-XXXVI), Calcutta: Agamanusandhana Samiti 1926 (archive.org, OCR). Dies ist der einundzwanzigste Paṭala, der die Citrā behandelt, die sechzehnte und letzte der sechzehn Nityā-Göttinnen (vgl. Vers 1: 'die sechzehnte'). Übersetzt wurde nur der Sanskrit-Wurzeltext (101 Verse), nicht der ausführliche Sanskrit-Prosakommentar (Manoramā); dieser wurde nur dort herangezogen, wo er zur Klärung einer OCR-Lesung ausdrücklich ein Wort des Wurzeltexts zitiert oder eine Zahl/Aufzählung bestätigt (in den Notes vermerkt). Inhalt: nach einer kurzen Einleitung (V.1-4: Ankündigung von Dhyāna, Śakti-Verehrung, Homa, Yantras) folgt die Dhyāna-Vorstellung der vierarmigen, dreiäugigen Citrā mit Schlinge, Stachelstab und den Gesten der Gabe und Furchtlosigkeit, thronend in einem neun-yoni-Diagramm (V.5-9), die gemeinsame Verehrung von Nātha-Paaren, Guru-Maṇḍala und Aṅga-Homa (V.10-12); ein langer Abschnitt über einen Wunsch-Homa (kāmya-homa) mit detailliertem Katalog verschiedenster Opfersubstanzen (Lotusblüten, Milch, Honig u.v.a.) und ihren jeweiligen magischen Wirkungen - Reichtum, Ruhm, Heirat, Königsgunst (V.13-29) -, gefolgt von einem Katalog von Unterwerfungs-/Schädigungs-Homas (nigraha-homa) gegen Feinde mit verschiedenen Giftpflanzen-Samen (V.30-37) sowie Hinweisen zu Selbstschutz und Ausgleichsriten (tarpaṇa) bei aggressiven Anwendungen (V.38-41); ein sehr technischer Abschnitt zur Konstruktion von Yantras aus der Vidyā-Silbenreihe, darunter ein kunstvoll verschachteltes 'großes Diamant-Yantra' aus hunderten Feldern (V.42-53) und der Aufzählung von siebenundzwanzig solchen Yantras mit ihrer Anwendung nach Tithi, Nakṣatra und Wochentag (V.54-69); die traditionellen Listen der Tithi- und Nakṣatra-Gottheiten sowie der den 27 Nakṣatras zugeordneten Bäume und Tier-'Yoni' (V.70-80); eine Meditationsanweisung, die Yantra-Gruppen in den sechs Körper-Cakras zu visualisieren (V.81-87); und schließlich ein ausführlicher Abschnitt über die tägliche/periodische Opfergabe (bali) an die Cakra-Gottheiten mit genauen Speiseopfern, der mit einer knappen philosophischen Schlussaussage über die Durchdringung der Welt durch das Ahaṅkāra-Prinzip der Göttin endet (V.88-101). Die OCR dieser Ausgabe ist - wie im gesamten Band - sehr schlecht; besonders in den technischen Yantra-Konstruktionspassagen (V.42-53, im Wurzeltext eng mit dem geometrischen Kommentar verzahnt), im langen Homa-Substanzenkatalog (V.13-41) und in den Namenslisten der Gottheiten/Bäume/Tiere (V.70-80, teils aber anhand bekannter Standardlisten der Nakṣatra-Tradition rekonstruierbar) ist eine sichere akṣara-genaue Rekonstruktion an vielen Stellen nicht möglich; unsichere Wörter, Namen und Halbverse sind durchgehend mit [?] gekennzeichnet (besonders betroffen: V.4, 9, 55 (im Original fast vollständig durch OCR-Störung verloren), 62, 68-71, 74, 82, 86, 90-91, 98-100). Die Kapitellänge (101 Verse, ca. 30500 Zeichen) entspricht in etwa der Schätzung des Orchestrators.

atha ṣoḍaśanityāsu yā citrā ṣoḍaśī śive | uktā tatkalpam adhunā śṛṇu sarvārthasiddhidam ||1|| vidyā prāgeva kathitā tadaṅganyāsasaṃyutam | dhyānaṃ śaktīḥ pūjanañ ca sādhanaṃ tatphalāni ca ||2|| homatarpaṇayantrārcābhāvanāḥ kathayāmi te | upāyaiḥ pañcabhis taistaiḥ sādhayed akhilepsitam ||3|| vidyādāv āyunā [?] kuryād dvidhākṣarayujā [?] kramāt | ṣaḍaṅgāni yathāpūrvaṃ mātṛkāṃ vidyayā nyaset ||4||

Nun [höre], o Śivā, die als Citrā bezeichnete Sechzehnte unter den sechzehn Nityās ist bereits verkündet worden; höre jetzt ihr Ritual (kalpa), das alle Ziele gewährt. Ihre Vidyā (Mantra) wurde bereits zuvor verkündet, zusammen mit dem Nyāsa ihrer Glieder (aṅga); [nun sollen folgen] die Dhyāna (Meditationsvorstellung), [die Verehrung] ihrer Śaktis und die Verehrung, die Sādhana (rituelle Grundlegung) und deren Früchte. Das Homa (Feueropfer), das Tarpaṇa (Libation), das Yantra, die Verehrung (arcā) und die Bhāvanā (Visualisierung) will ich dir verkünden; durch diese fünf Mittel erreiche man alles, was gewünscht wird. Am Anfang der Vidyā soll man [?] mit dem [entsprechenden Laut/Bīja] verbunden, in zweifacher Weise mit den Silben [?] verknüpft, [den Nyāsa] ausführen; wie zuvor [in den früheren Nityā-Kapiteln] soll man die sechs Glieder [des Nyāsa vollziehen] und die Mātṛkā (Buchstabenreihe) zusammen mit der Vidyā einsetzen.

Vers 1 'uktā' (OCR 'rokta') als Passiv-Partizip zu 'tāḥ' (die Nityās) ergänzt; die Zählung 'ṣoḍaśī' (die Sechzehnte) bestätigt, dass Citrā hier als letzte der sechzehn Nityās gilt, in Übereinstimmung mit der Ankündigung des Orchestrators. Vers 4 ist im OCR extrem korrupt; der Kommentar erläutert, dass hier auf den in einem früheren Kapitel (vermutlich Kulasundarī-Paṭala, Band I) beschriebenen Nyāsa-Ablauf verwiesen wird, ohne ihn im Detail zu wiederholen; Einzelheiten (welcher Laut, welche Silbenverbindung) bleiben mit [?] markiert, da OCR und Kommentarzitat ('dvidhākṣarayujā', 'cau cīṃ ityādirūpeṇa') keine sichere Rekonstruktion erlauben.

udyad-āditya-bimbābhāṃ navaratnavibhūṣitām | navaratnakirīṭāñ ca citrapaṭṭāṃśukojjvalām ||5|| caturbhujāṃ trinayanāṃ śucismitalasanmukhīm | sarvānandamayīṃ nityāṃ samastepsitadāyinīm ||6|| caturbhujāṃ [dadhānāṃ] svabhujaiḥ pāśam aṅkuśaṃ varadābhayaiḥ | [sthitāṃ] maṅgalāpadmakarṇikānavayonigām ||7|| tacchaktibhis tu taccakre tayaivārcā nirūpitā | navayonāv aṣṭavargayutā brāhmyādikāṃ yajet ||8||

[Man meditiere auf sie,] gleich der Scheibe der aufgehenden Sonne, geschmückt mit neun Juwelen, mit einer aus neun Juwelen [gefertigten] Krone, strahlend in einem Gewand aus buntem (citra) Seidenstoff. Vierarmig, dreiäugig, mit rein lächelndem, leuchtendem Antlitz; ganz aus Wonne bestehend, die Nityā, die Gewährerin alles Erwünschten. Die Vierarmige, die mit ihren [eigenen] Armen Schlinge und Stachelstab trägt sowie die Gesten der Gabe und der Furchtlosigkeit [macht] - [so throne sie], in der Kelchmitte des Maṅgala-Lotos, im Neun-Yoni-[Diagramm] sitzend. Mit ihren Śaktis aber ist in jenem Cakra ebenso die Verehrung festgelegt; im Neun-Yoni-[Diagramm], verbunden mit den acht Konsonantengruppen (varga), verehre man Brāhmī und die übrigen [Mütter-Göttinnen].

Vers 7 im OCR nur bruchstückhaft ('dadhānāṃ', 'sthitāṃ' ergänzt nach Metrum und Sinn, mit [?] im sa-Feld markiert); die vier Attribute (Schlinge, Stachelstab, Varada-, Abhaya-Geste) passend zu 'caturbhujām' (vierarmig) aus Vers 6. 'citrapaṭṭāṃśukojjvalām' (Vers 5) passt inhaltlich zum Namen Citrā ('die Bunte/Vielfältige'). Vers 8: das Neun-Yoni-Diagramm (navayoni) und die acht Vargas als Grundschema des Cakras durch den Kommentar bestätigt; Brāhmī u.a. sind die acht Mütter-Göttinnen (Aṣṭamātṛkā).

icchājñānakriyāśaktīś ca [?] parito devyāḥ pūjayet tadbhujāntike ||9|| sarvāsām api nityānāṃ nāthān devyās tu pārśvayoḥ | pūjayet tattadākārāṃs tattanmantrair yathāvidhi ||10|| gurumaṇḍalapūjādi sādhāraṇam udīritam | sarvāsām api nityānāṃ yad ādyāsyecchollāsajā ||11|| sādhanañ ca tathā proktaṃ tadaṅgahavanaṃ tathā | tena saṃsādhitā vidyā viniyogāya kalpate ||12||

Die Śaktis des Willens (icchā), des Wissens (jñāna) und des Handelns (kriyā) [?] verehre man ringsum, in der Nähe ihrer Arme. Die Nātha (Herren) aller Nityās verehre man zu beiden Seiten der Göttin, [jeweils] in ihrer eigenen Gestalt, mit ihren eigenen Mantras, wie vorgeschrieben. Die Guru-Maṇḍala-Verehrung und dergleichen ist als allen Nityās gemeinsam erklärt worden, da sie [alle] aus dem freien Aufwallen des Willens der Ersten [Lalitā] entstanden sind. Ebenso ist die Sādhana (die vorbereitende Grundlegung, Puraścaraṇa) verkündet worden, ebenso das Aṅga-Homa; dadurch wird die Vidyā vollendet (saṃsādhita) und für die [rituelle] Anwendung tauglich.

Vers 9 im OCR stark verderbt; die drei Śaktis Icchā, Jñānā, Kriyā sind Standardbestandteil der Śrīcakra-Verehrung, ihre genaue Position ('parito ... tadbhujāntike') mit [?] markiert. Vers 11 'ādyāsyecchollāsajā' unsicher rekonstruiert; Sinn: alle Nityās gelten als Ausfluss des freien Willens der ersten und höchsten Göttin (Lalitā).

kāmyahomavidhiṃ vakṣye śṛṇu sarvārthadāyakam | yenātimandabhāgyo 'pi śrīmān bhoktā sukhī bhavet ||13|| madhutrayasaṃsiktair aruṇair ambujaiḥ śriyam | prāpnoti maṇḍalād dhomān [?] mahāyaśaḥ ||14|| candrāntaratarutpalair uktair havanāt proktakālataḥ | suvarṇaṃ samavāpnoti nidhiṃ vā ca sudhāṃ tu vā ||15|| tathā kairavahomāt proktakālam avāpnuyāt | dhānyāni vividhāny āśu subhagaḥ sa bhaven naraḥ ||16|| ājyāktair utpalair homād vāñchitaṃ samavāpnuyāt | tadaktair api kāñcāre havanād rājavallabhaḥ ||17|| palāśapuṣpaiḥ [surabhraiḥ?] dyutais tatkālahomataḥ | caturvidhaṃ tu [dhanaṃ] bhavaty eva na saṃśayaḥ ||18|| lājais trimadhuropetais tatkālahavanena vai | kanyakāṃ labhate yatnāt samastaguṇasaṃyutām ||19|| nālikelaphalakṣodaṃ sasitaṃ saguḍaṃ tu vā | [homād] dattaṃ jahyāt tadvad dhanadopamaḥ ||20||

Ich will die Vorschrift des Wunsch-Homa verkünden, der alle Ziele gewährt; höre! Durch ihn wird selbst der vom größten Unglück Verfolgte wohlhabend, genussreich und glücklich. Mit in dreifachem Honig(-Süß: Honig, Zucker, Ghee) getränkten roten Lotosblüten opfernd, erlangt man - vom Maṇḍala-Zeitraum an [gerechnet] - Wohlstand und großen Ruhm. Durch das Opfer blauer Lotosblumen (utpala) [?], zur vorgeschriebenen Zeit dargebracht, erlangt man Gold, einen Schatz oder [Trank der Unsterblichkeit,] Nektar. Ebenso erlangt man durch das Opfer weißer Lotosblüten (kairava), zur vorgeschriebenen Zeit, rasch mannigfaches Getreide; der Mann wird glückhaft. Durch das Opfer in Ghee getränkter blauer Lotosblüten erlangt man das Gewünschte; ebenso wird man durch das Opfer damit getränkter Kañcāra-[Blüten] dem König lieb. Durch das Opfer glänzender Palāśa-Blüten [?] zur entsprechenden Zeit entsteht zweifellos vierfacher Reichtum [?]. Durch das Opfer von mit den drei Süßen (Honig, Zucker, Ghee) versehenem Reisflocken-Gebäck (lāja) zur entsprechenden Zeit erlangt man mühevoll eine mit allen guten Eigenschaften versehene Braut. Zerriebenes Kokosnussfleisch, mit Zucker oder auch mit Melasse [dargebracht, macht den Opfernden] ebenso [reich] wie den Gott des Reichtums (Kubera).

Dieser Abschnitt (V.13-41) beginnt den Katalog des Wunsch-Homa (kāmya-homa): verschiedene Opfersubstanzen (vor allem Lotosblüten unterschiedlicher Farbe, Getreideprodukte) und ihre jeweiligen magischen Wirkungen. OCR ist an vielen Einzelstellen unsicher (V.14 'mahāyaśaḥ'-Zeile, V.18 'caturvidhaṃ dhanam'), mit [?] markiert. Verse 18-19 waren im OCR beide fälschlich mit '18' nummeriert; nach der Zählung wurde die zweite als V.19 korrigiert.

tathaivājyahomena sataṇḍulatilair api | prasūnair aruṇais tadvat tathā [dhanadopamaḥ] ||21|| sitaiḥ prasūnair vāksiddhiṃ havanāt samavāpnuyāt | sitaraktaiś ca militair āyurārogyam āpnuyāt ||22|| dūrvāṅkuraiḥ trimadhvākte havanāt tu jayed gadān | tathā guḍāktayā homena pāyasena tilena vā ||23|| śrīkhaṇḍapaṅkakapramilitaḥ śatapatrakaiḥ | havanāc chriyam āpnoti sā tadanvayagā bhavet ||24|| kuṅkumaṃ himatoyena [piṣṭvā] karpūrasaṃyutam | tat pañcahaviṣā [?] homāt kahlāraiḥ vikacaiḥ śubhaiḥ ||25|| rājakalpaḥ śriyā bhūyāj jīved varṣaśataṃ bhuvi | niḥsapatno nirātaṅko nirdvandvo nirmalāśayaḥ ||26|| ikṣukāṇḍasya sakalair havanād astram āpnuyāt | tathaiva karavīrotthaiḥ prasūnair aruṇaiḥ śubhaiḥ ||27|| candrāktaiḥ pāṭalīpuṣpair havanād vaśayed vadhūḥ | tathaiva [tagaraiḥ?] āsaktaḥ pārthivo vaśaṃ nayet ||28|| svarūpavatsāṃ sitagoḥ kṣīrāktasitahomataḥ | labhate 'nupamāṃ lakṣmīm api pāpiṣṭhacetanaḥ ||29||

Ebenso [erlangt man] durch das Homa mit Ghee zusammen mit gekochtem Reis und Sesam, mit roten Blüten, ebenso [Reichtum, wird man] Kubera gleich. Durch das Opfer weißer Blüten erlangt man Redegewandtheit (vāksiddhi); durch mit weißen und roten [Blüten] vermischte [Opfer] erlangt man langes Leben und Gesundheit. Durch das Opfer von mit den drei Süßen getränkten Dūrvā-Grasspitzen besiegt man Krankheiten; ebenso durch das Opfer von mit Melasse getränktem [Gras], mit Milchreis oder mit Sesam. Durch das Opfer von mit Sandelpaste vermischten hundertblättrigen [Lotosblüten] erlangt man Glücksgöttin (Śrī); sie wird [dem Opfernden] und seiner Nachkommenschaft zugetan. Safran, mit kaltem Wasser [zerrieben] und mit Kampfer versehen - durch das Opfer davon mit den fünf Opfergaben [?], mit schönen, aufgeblühten roten Lotosblüten (kahlāra), wird man königsgleich, reich an Glanz, lebt hundert Jahre auf Erden, ohne Rivalen, ohne Furcht, frei von Zwiespalt, mit reinem Herzen. Durch das Opfer der ganzen Zuckerrohrpflanze erlangt man eine [magische] Waffe; ebenso durch das Opfer schöner roter, vom Oleander (karavīra) stammender Blüten. Durch das Opfer von mit Mondlicht-Wasser [besprengten] Pāṭalī-Blüten unterwirft man eine junge Frau; ebenso, ergeben [durch Opfer von Tagara-Blüten?], bringt man einen Fürsten unter seine Macht. Durch das mit Milch getränkte, mit Zucker [versehene] Opfer, [dargebracht] einer eigenhabenden, ein Kalb säugenden weißen Kuh, erlangt selbst der übelst Gesinnte unvergleichlichen Wohlstand.

Fortsetzung des Wunsch-Homa-Katalogs mit weiteren Substanzen (Safran, Zuckerrohr, Oleander, Pāṭalī-Blüten) und Wirkungen (Redegewandtheit, Gesundheit, Liebeszauber, Unterwerfung eines Fürsten, Reichtum). Mehrere Einzelheiten (V.21, 25, 28) bleiben wegen OCR-Zerstörung unsicher und mit [?] markiert; der Kommentar bestätigt u.a. 'catuṣprakāraṃ dhanam' als vierfachen Reichtum in einer früheren Passage.

sīvīrākṣais tu kārpāsavījais tatkālahomataḥ | ardhenducuṇḍe niyataṃ viddhiṣṭā ripavo 'mbike ||30|| ariṣṭavījais tadvījais tattailāktais tathā jaṭaiḥ | sutryuvījair nimbatailasiktair homāt tu dantinaḥ ||31|| rāgāktais turagās tadvat tatpañcāṅgahavanād vaśam | arkavījais tu tailāktaiḥ sarvavināśavān ||32|| karaṅjavījais tatsiktair homād arivināśanaḥ | tathaivārkatarūddhūta pañcāṅgahavanād api ||33|| nimbatailāplutair akṣadramavījais tu homataḥ | tad-dine syād apasmāras [tv? na] bhavati niścitam ||34|| aratir janmanaḥ [?] paśca vartate [?] tale | tadyonipiśitais tais tu havanaṃ [?] ||35|| yakṣākṣavījaiḥ sarṣapatailāktair havanāt tathā | jāyante vividdhāḥ kuṣṭharogā dehavilāpakāḥ ||36|| marīcaiḥ [sarpa]homāt tailāt tan [madhyarāgataḥ?] | dāhajvareṇa grastaḥ syād rātris tadḍinabhruvam ||37||

Durch das zur entsprechenden Zeit dargebrachte Opfer von Baumwollsamen im halbmondförmigen Feuerbecken werden die Feinde, o Ambikā, gewiss durchbohrt. Durch das Opfer der Samen des Ariṣṭa(-Baumes), mit dessen Öl und dessen Wurzelfasern getränkt, sowie durch das mit Nimöl getränkte Opfer bestimmter Samen [?] [wird man des Feindes] Elefanten [Herr]. Durch das mit rotem Farbstoff getränkte, ebenso durch das mit den fünf Gliedern jenes [Baumes ausgeführte] Opfer [unterwirft man des Feindes] Pferde; durch das mit Öl getränkte Opfer von Arka-Samen [erlangt man die Macht,] alles zu vernichten. Durch das Opfer damit getränkter Karañja-Samen wird der Feind vernichtet; ebenso durch das Opfer der fünf, vom Arka-Baum geschüttelten Glieder. Durch das Opfer der in Nimöl getränkten Samen des Akṣadruma(-Baumes) [tritt] an jenem Tag gewiss Epilepsie [beim Feind ein]. [Ein Vers über Unglück von Geburt an, im OCR fast vollständig unlesbar; Opfer von Fleisch des entsprechenden Herkunftstiers des Feindes.] Durch das Opfer von Yakṣākṣa-Samen, mit Senföl getränkt, entstehen mannigfache, den Körper zersetzende Aussatz-Krankheiten (kuṣṭha). Durch das Opfer von Pfefferkörnern [mit Schlangenöl (?), inmitten von rotem Farbstoff] wird [der Feind] von brennendem Fieber ergriffen, [dessen Wirkung] eine Nacht [und] einen Tag [andauert].

Katalog von Unterwerfungs-/Schädigungs-Homas (nigraha-homa) gegen Feinde, mit Samen und Ölen verschiedener (teils giftiger) Pflanzen (Ariṣṭa, Arka/Calotropis, Karañja, Nimba/Neem, Senf) und ihren schädigenden Wirkungen (Lähmung von Elefanten/Pferden des Feindes, Epilepsie, Aussatz, Fieber). Verse 30-37 sind im OCR sehr stark zerstört, insbesondere Vers 35, dessen Sinn nur ungefähr aus dem Kontext (Fleischopfer vom Herkunftstier des Feindes) erschließbar ist; zahlreiche Einzelheiten mit [?] markiert.

evaṃ nigrahahomeṣu svarakṣāṃ tathānvaham | snigdhaiḥ samprāptasadvidyājapahomādi kārayet ||38|| svastyayanena vā tadvat prayogas tābhir eva ca | vidyābhir anyathā vidvān mantram apy āśu nāśayet ||39|| prāguktānāṃ tu kurvīta nigrahaṃ svasya roṣataḥ | vittāśayā vā na kadāpy ācared dvṛtikāmukaḥ ||40|| nityaṃ [chinnā] vidhau proktais tarpaṇais tāni sādhayet | anayā vidyayā karmāṇy aśeṣāṇi maheśvari ||41||

Bei diesen Unterwerfungs-Homas soll man ebenso täglich den eigenen Schutz [pflegen]: mit den milden [Riten], mit dem der [entsprechenden] Vidyā gemäß erlangten Japa und Homa und dergleichen soll man [dies] ausführen. Oder mit dem Svastyayana (Segensritus) ebenso; die Anwendung erfolgt eben mit diesen [milden] Vidyās; anders [d.h. ohne diesen Selbstschutz] möge der Kundige rasch selbst das Mantra vernichtet sehen. Die zuvor genannten [Unterwerfungsriten] soll man nur aus [gerechtem] Zorn gegen sich selbst [gerichtete Angriffe] ausführen, niemals aus Gier nach Reichtum oder aus Verlangen nach [bloßem] Vergnügen. Stets soll man sie durch die vorgeschriebenen Tarpaṇas (Sühne-Libationen) im [entsprechenden] Ritual vollziehen; mit dieser Vidyā [gelingen] alle Handlungen ohne Ausnahme, o große Herrin.

Abschließende Verse zum Homa-Abschnitt: Mahnung zum Selbstschutz bei aggressiven (nigraha-)Anwendungen durch tägliche milde Riten, Beschränkung der Unterwerfungsriten auf Notwehr, und Ausgleich durch Tarpaṇa-Riten. Vers 41 'chinnā' unsicher; Sinn der ersten Vershälfte insgesamt aber klar (regelmäßige Tarpaṇa-Praxis zur Absicherung).

atha yantrāṇi vakṣyāmi nānābhīṣṭapradāni vai | yaiḥ sarve sarvadā sarvaṃ samīhitam avāpnuyuḥ ||42|| svarayuktalipivrātagarbhāṃ vidyāṃ samālikhet | sarvoktesu vidhivat sthāneṣu parameśvari ||43|| trikoṇaṃ dhṛtiyugmañ ca ṣaṭkoṇaṃ taddvayaṃ tathā | tribhiḥ ṣaḍdalaṃ padmaṃ tattrayañ ca saṃlikhet ||44|| ādyakūṭaṃ likhet sādhyaṃ garbhe madhye vidhānataḥ | trikoṇeṣu ca ṣaṭkoṇe ṣaṭpatreṣu samālikhet ||45|| kūṭāny anyāni coktāni tatra pañcadaśāny api | antarvṛttāntarad-dve tu bhūtānāñ ca kriyocitān ||46||

Nun will ich die Yantras verkünden, die mannigfaches Erwünschtes gewähren, durch die alle [Menschen] jederzeit alles Erstrebte erlangen. Man zeichne die Vidyā, deren Kern die mit den Vokalen verbundene Buchstabenreihe ist, vorschriftsgemäß an allen genannten Stellen, o höchste Herrin. Ein Dreieck, ein Kreispaar, ebenso ein Sechseck, davon zwei; mit drei [weiteren Kreisen] einen sechsblättrigen Lotos - diese drei [Formen] zeichne man. Die erste Silbengruppe (kūṭa) schreibe man, versehen mit dem Namen des Zielobjekts (sādhya), vorschriftsgemäß in der Mitte des Kerns; im Dreieck und im Sechseck schreibe man [sie] auf die sechs Blätter. Die übrigen genannten Silbengruppen, fünfzehn an der Zahl, [schreibe man] dort; zwischen den beiden inneren Kreisen [schreibe man] die den [fünf] Elementen entsprechenden, dem Ritualzweck angemessenen [Buchstaben].

Beginn des Yantra-Abschnitts: allgemeine Konstruktionsanleitung (Dreieck, Kreise, Sechseck, sechsblättriger Lotos, Einschreibung der 'kūṭa' genannten Silbengruppen der Vidyā mit dem Namen des Zielobjekts). Diese Konstruktionsverse sind im Wurzeltext eng mit dem geometrischen Prosakommentar verzahnt; Details bleiben streckenweise unsicher.

sasādhyakas tv evaṃ ca bahirvṛttāntaradvaye | sādhyāṃ vilikhen māyābinduyuktāṃ kramotkramāt ||47|| evaṃ ṣaḍviṃśatividhaṃ yantraṃ kuryād vicakṣaṇaḥ | parastāt tu śatenāpi ṣaṭkyā kūṭair likhet paviṃ ||48|| prāk-pratyag-dakṣiṇoda kṣiṇaiḥ sūtrāṇy aṣṭādaśa kṣipet | tais tu koṣṭhāni jāyante navāśītiśatadvayam ||49|| tatra koṇeṣu koṣṭhāni dvāviṃśat sāṃjayet tathā | tato vajraṃ bhaven madhye tv ekaṣaṣṭyā śatātmakam ||50|| tasya dvidhā trikoṇāni vidadhyād ekakoṣṭhataḥ | madhyakoṣṭhe likhed vidyāṃ sādhyāsyākarma saṃyutām ||51|| trikoṇeṣu tu tat kūṭāny ālikhet sādhyavanti ca | prāgvad ārabhya vilikhet prādakṣiṇyapraveśataḥ ||52|| etad iva mahad yantraṃ samastāpannivāraṇam | samastābhīṣṭadaṃ sarvaṃ vijayaśrīpradaṃ śubham ||53||

Mit dem [zuvor Beschriebenen], das das Zielobjekt (sādhya) [im Kern] trägt, schreibe man ebenso in den beiden äußeren Zwischenräumen zwischen den [weiteren] Kreisen das Zielobjekt, versehen mit Māyā (Visarga) und Bindu, in vorwärts- und rückwärtslaufender Reihenfolge. So soll der Kundige das sechsundzwanzigfache Yantra herstellen; darüber hinaus zeichne man mit ebenso vielen weiteren Silbengruppen (kūṭa), aus hundertsechsundsiebzig [Silben bestehend], den Donnerkeil (vajra, ein Yantra-Diagramm). Nach vorn, hinten, rechts und links ziehe man achtzehn Linien; durch sie entstehen zweihundertneunundachtzig Felder (koṣṭha). Dann füge man in den Ecken zweiundzwanzig weitere Felder hinzu; so entsteht in der Mitte des Diamant[-Diagramms] ein aus hunderteinundsechzig [Feldern bestehendes Quadrat]. Davon zeichne man, von einem einzelnen Feld ausgehend, zweifach Dreiecke; im mittleren Feld schreibe man die Vidyā, versehen mit dem Namen und der Handlung des Zielobjekts. In den Dreiecken aber schreibe man die [übrigen] Silbengruppen, ebenfalls mit dem Namen des Zielobjekts versehen; wie zuvor beginnend, schreibe man im Uhrzeigersinn (prādakṣiṇya) fortschreitend. Dieses große Yantra allein wehrt alle Nöte ab; es gewährt alles Erwünschte, verleiht Sieg und Glück und ist heilvoll.

Fortsetzung der Yantra-Konstruktion: ein 'sechsundzwanzigfaches' System von Einzel-Yantras (V.47-48) sowie ein daraus abgeleitetes, sehr komplexes 'Diamant-Yantra' (vajra) aus mehreren hundert Feldern (V.49-53), dessen genaue geometrische Konstruktion nur mithilfe des ausführlichen Prosakommentars ungefähr nachvollziehbar ist; die genauen Feldzahlen (289, 22, 161 etc.) sind im Kommentar in Prosa bestätigt, die Wurzeltext-Verse selbst jedoch an mehreren Stellen unsicher rekonstruiert.

saptaviṃśatir uktāni yantrāṇy evaṃ maheśvari | saptaviṃśatinakṣatrasamāny etāni ced api ||54|| [?] ||55|| phalāni teṣāṃ kramaśo vadāmy uktakrameṇa vai | viniyogakramañ caiva susphuṭaṃ parameśvari ||56|| prathamenārcitena syād rogā naśyanty aśeṣataḥ | svaveśmani vidhāyaitat pīṭhe bhūmitale 'pi vā ||57|| proktadravyāṇi saṃpiṣya tatpiṇḍenātha susphuṭam | virāvaṃ saptarāvaṃ vā saptaviṃśatirāvakam ||58|| sampūjya tatra kumbhaṃ tu vidyauṣadhijalānvitam | nidhāyābhyarcya [tenaiva] abhiṣiñcet tataḥ sukhī ||59|| evam anyāni yantrāṇi prokteṣu viniyojayet | teṣāṃ vilekhanadravyāṇy ākarṇaya vadāmi te ||60||

So sind sieben[und]zwanzig Yantras verkündet, o große Herrin; diese entsprechen [in ihrer Zahl] den siebenundzwanzig Nakṣatras (Mondhäusern). [Vers 55 ist im Original fast vollständig durch OCR-Zerstörung verloren; nur unlesbare Schriftreste sind erhalten.] Ihre Früchte will ich der Reihe nach, wie zuvor angekündigt, verkünden, und ebenso den Anwendungsablauf, ganz deutlich, höchste Herrin. Durch das mit dem ersten [Yantra] Verehrte werden Krankheiten restlos vernichtet; nachdem man dieses in seinem eigenen Haus, auf einem Sitz oder auch auf dem bloßen Erdboden angebracht hat, und die genannten Substanzen zerstoßen und daraus einen deutlichen Klumpen (piṇḍa) [geformt hat, führe man] ein-, sieben- oder siebenundzwanzigfaches [Räuchern/Rezitieren] (rāva) [aus], und nachdem man dort einen mit der Vidyā [geweihten] Kessel, mit Kräuter-Wasser gefüllt, verehrt hat, [ihn] niedergesetzt und angebetet hat, besprenge man [den Kranken] damit - danach wird er gesund. So wende man auch die übrigen Yantras in den genannten [Zwecken] an; höre die Substanzen für ihre Einzeichnung, [die] ich dir verkünde.

Vers 55 ist im Original nahezu vollständig zerstört (nur wenige unlesbare Schriftreste im OCR erkennbar, kein zusammenhängender Text rekonstruierbar); dies ist eine echte, dokumentierte Quellenlücke, keine Rateleistung. Verse 56-60 behandeln die Anwendung der 27 (den Nakṣatras entsprechenden) Yantras, beginnend mit dem ersten (Heilung von Krankheit).

raktacandanaṃ candanañ ca raktaṃ sendurocanam | kāśmīram aguru kuṣṭham elākakkolajātibhiḥ ||61|| [?] dvādaśabhir himāmbuparipeṣitaiḥ | jalair [?] śubhair vā sūkṣmapeṣitaiḥ ||62|| dvitīyaṃ vijayaṃ prāptaṃ vidyāt proktarūpataḥ | vāde vivāde samare dūteṣu ca jayī bhavet ||63|| tṛtīyādyeṣu navasu grahān nava samarcayet | devyātmarūpāt tenāsya tair bādhā na bhaved dhruvam ||64|| stambhayed dvādaśenāśu proktakramavidhānataḥ | saṅgrāmagamanaṃ varṣām udyogaṃ vācam āgraham ||65|| trayodaśādyair vajrāntair yantrais tithimayair api | tattattithiṣu taiḥ proktavāñchitān āpnuyād dhruvam ||66|| teṣu teṣu tu kāleṣu tattattithidinādhipān | vareśān api sampūjya tattat phalam avāpnuyāt ||67|| tattadyantre [japaṃ] kṛtvā vāñchiteṣv itareṣv api | vārārcaṃ tithisamproktayantre tāṃ taiś ca daivataiḥ ||68|| āhūtya tām arcayed agnirakṣovāyv-īśadiggataiḥ | rogaśāntiṃ samudyogaphalābhīṣṭāny avāpnuyāt ||69||

Rotes Sandelholz und [weißes] Sandelholz, roter Farbstoff mit Zinnober und Gorocanā, Safran, Adlerholz (aguru), Kostuswurzel, zusammen mit Kardamom, Nelkenpfeffer (kakkola) und Muskatblüte (jāti) - mit zwölf [solchen Substanzen], mit kaltem Wasser fein zerrieben, oder mit [reinem] Wasser [?], fein zermahlen [zeichne man die Yantras]. Durch das zweite [Yantra] erlangt man den Sieg, wie er verkündet wurde; in Streitgesprächen, Rechtsstreitigkeiten, in der Schlacht und in Gesandtschaften wird man siegreich. Bei den ab dem dritten [Yantra] neun [Yantras] verehre man die neun Planeten; da dies aus der eigenen Gestalt der Göttin [gewirkt ist], entsteht durch sie gewiss keine Bedrängnis für ihn [den Anwender]. Mit dem zwölften [Yantra] lähmt man rasch, der vorgeschriebenen Reihenfolge gemäß, den Feldzug, den Regen, das Unternehmen, die Rede und den Eigensinn [des Gegners]. Mit den vom dreizehnten bis zum vajra-[Yantra, dem letzten] reichenden, den Tithis entsprechenden Yantras erlangt man an den jeweiligen Tithis das dort verkündete Erwünschte, ganz gewiss. Zu den jeweiligen Zeiten verehre man auch die Herren des jeweiligen Tithi-Tages sowie die Herren der Wochentage und erlangt so die jeweilige Frucht. Nachdem man im jeweiligen Yantra [das Mantra rezitiert] hat, [erlangt man] auch andere Wünsche; die Verehrung des Wochentags-[Herrn] im den Tithis zugeordneten Yantra [geschehe] zusammen mit jenen [Tithi- und Wochentags-]Gottheiten. Nachdem man sie herbeigerufen hat, verehre man sie mit den an Agni-, Rakṣas-, Vāyu- und Īśa-Richtung [gelegenen Gaben]; man erlangt Heilung von Krankheit, den Erfolg des Unternehmens und die erwünschten [Ziele].

Fortsetzung: Materialien zur Einzeichnung der Yantras (zwölf Duftsubstanzen, V.61-62) und Anwendungsschema der 27 Yantras nach Nakṣatra, Planeten (Grahas), Tithi und Wochentag (V.63-69). OCR an mehreren Stellen (V.62, 68-69) stark beschädigt; Sinn aus Kontext und Parallelstellen anderer Kapitel (Zuordnung von Yantra-Reihen zu Nakṣatras/Tithis/Grahas) erschlossen, unsichere Wörter mit [?] markiert.

vārāṇām adhipāḥ proktās tithinakṣatradevatāḥ | yoniś ca nigade [tāsāṃ] parameśvari ||70|| vahnir brahmā tathā gaurī vighno bhujaṅgaḥ ṣaṇmukho raviḥ | śanaiścaraś ca tathā durgā [?] dhanadeśvarau ||71|| yamo haraḥ śaśī ceti tithīśāḥ parikīrtitāḥ | nakṣatradevatāṃś cāpi śṛṇu vakṣye yathāvidhi ||72|| aśvinau ca yamo 'gniś ca [prajāpatiḥ] somaḥ śivo 'ditiḥ | guruḥ sarpāś ca mitraḥ aryamā bhaga eva ca ||73|| [savitā?] tathā tvaṣṭā vāyur indrāgnī [tathā] | indro nirṛtir āpaś ca viśvedevā haris tathā ||74|| vasavo varuṇaḥ [?] ajaikapadas tathā | ahirbudhnyaḥ paras tathā pūṣā proktā nakṣatradevatāḥ ||75||

Die Herren der Wochentage sind [bereits] genannt worden; [nun] die Gottheiten der Tithis und Nakṣatras, und ihre 'Yoni' (Herkunftstier) verkünde ich dir, höchste Herrin. Agni, Brahmā, ebenso Gaurī, Vighna (Gaṇeśa), Bhujaṅga (die Schlangengottheit), Ṣaṇmukha (Kārtikeya), Ravi (die Sonne), Śanaiścara (Saturn) und ebenso Durgā, [Śiva] und die beiden Herren Dhanada (Kubera) [und ...] - Yama, Hara (Śiva) und Śaśin (der Mond) - so sind die Herren der fünfzehn Tithis (Mondphasentage) verkündet. Höre nun auch, wie es sich gehört, die Gottheiten der Nakṣatras (Mondhäuser), die ich verkünden werde. Die [beiden] Aśvins, Yama, Agni, [Prajāpati/Brahmā], Soma, Śiva, Aditi, Bṛhaspati, die Schlangen (Sarpa), Mitra, Aryaman und ebenso Bhaga - [Savitṛ], ebenso Tvaṣṭṛ, Vāyu, ebenso Indra-und-Agni [zusammen], Indra, Nirṛti, die Gewässer (Āpas) und die Viśvedevas, ebenso Hari (Viṣṇu) - die Vasus, Varuṇa, [?], ebenso Ajaikapāda, Ahirbudhnya, danach [ein weiterer], und Pūṣan - dies sind die verkündeten Gottheiten der Nakṣatras.

Verse 70-75 zählen die traditionellen Gottheiten der fünfzehn Tithis (Vers 71-72) und der siebenundzwanzig Nakṣatras (Vers 73-75) auf; letztere Liste entspricht - trotz erheblicher OCR-Korruption - erkennbar der aus Jyotiṣa-/Tantra-Texten bekannten Standardliste (Aśvin, Yama, Agni, Prajāpati, Soma, Rudra, Aditi, Bṛhaspati, Sarpa, Pitṛ/Mitra, Aryaman, Bhaga, Savitṛ, Tvaṣṭṛ, Vāyu, Indrāgni, Mitra, Indra, Nirṛti, Āpas, Viśvedevāḥ, Viṣṇu, Vasu, Varuṇa, Ajaikapāda, Ahirbudhnya, Pūṣan), was eine deutlich sicherere Rekonstruktion als sonst in diesem Kapitel erlaubte; einzelne Abweichungen von dieser Standardreihenfolge (z.B. 'Mitra' statt 'Pitṛ' an zehnter Stelle) könnten auf eine eigene Zählweise dieses Textes oder auf OCR-Fehler zurückgehen und sind mit [?] markiert. Die Tithi-Devatā-Liste (Vers 71) ist im OCR schwerer beschädigt und weniger sicher rekonstruierbar.

kāraskaraś cāmalakodumbaro jambakas tathā | khadiraḥ [?] ca pippalo nāgarohiṇau ||76|| palāśaḥ plakṣāmbaṣṭhabilvāñjanavikaṅkatāḥ | udumbaraḥ saralaḥ sarjo vañjulaḥ panasas tathā ||77|| arkaḥ śamī kadambaś ca cūto nimbas tathāntime | madhūkaś ceti samproktā vṛkṣā bhānāṃ kramād amī ||78|| aśvo gajo [meṣaḥ] sarpaḥ sarpiṇī śvā viḍālikā | ajā mārjāra sūṣā ca mūṣikā vṛṣamahiṣau ||79|| vyāghraś ca mahiṣo vyāghrī mṛgo [?] śunī kapiḥ | gokarṇī vānarī siṃhī turagā siṃhagogajāḥ ||80||

Kāraskara, Āmalaka, Udumbara, ebenso Jambaka (Jambu), Khadira, [?], Pippala und die beiden [Bäume für die folgenden zwei Nakṣatras] Nāga und Rohiṇa - Palāśa, Plakṣa, Ambaṣṭha, Bilva, Añjana, Vikaṅkata, Udumbara, Sarala, Sarja, Vañjula und ebenso Panasa (Jackfruchtbaum) - Arka, Śamī, Kadamba, der Mangobaum (Cūta), zuletzt der Nimba (Niembaum) und schließlich der Madhūka (Mahuabaum) - so werden diese Bäume, den Mondhäusern (bhāni) entsprechend, der Reihe nach genannt. Pferd, Elefant, [Widder], Schlange, Schlangenweibchen, Hund, Katzenweibchen, Ziege, Kater, Ratte(-weibchen) und Maus, Stier und Büffel[-kuh], Tiger, Büffel, Tigerin, Hirsch, [?], Hündin, Affe, [Hund/Mungo] (gokarṇī), Äffin, Löwin, Pferd, Löwe-Kuh-Elefant [für die letzten drei Nakṣatras].

Verse 76-80 zählen die klassischen, aus der Jyotiṣa-Tradition (u.a. Bṛhat-Saṃhitā-Umfeld) wohlbekannten Listen der den 27 Nakṣatras zugeordneten Bäume (V.76-78) und Tiere/'Yoni' (V.79-80) auf; die weitgehende Übereinstimmung mit diesen Standardlisten erlaubte trotz erheblicher OCR-Korruption eine vergleichsweise sichere Rekonstruktion der meisten Namen. Einzelne Lücken (V.76, 80) bleiben mit [?] markiert, da weder OCR noch Standardliste hier eindeutig sind.

yadā rogādiduḥkhārtir bhavet tadvat kṛtair dinaiḥ | tattatsaṃkhyayā homaiḥ śāntiḥ syād dviguṇena vā ||81|| ādhāre pañca yantrāṇi svādhiṣṭhāne catuṣṭayam | maṇipūre bhāvayet tāni tāvanti [?] ||82|| anāhate tataḥ pañca yantrāṇi paribhāvayet | viśuddhākhye ca catvāri pañcājñāyās iti kramāt ||83|| tattattithidineṣv evaṃ bhāvayet ṣoḍaśīṃ śivām | tattaccakragatāḥ sarvā bhāvayet sarvasampade ||84|| ādhārādiṣu cakrāṇi bhāvayed uktayogataḥ | na tu sarvatra sarvāṇi bhāvayen na kadācana ||85|| bhāvanāyām aśaktānāṃ tattadyantrāṇi bahis tathā | proktāny ādhārapadmāni kṛtvā tāny arcayet tu vā ||86|| evaṃ dineṣu vāreṣu nakṣatreṣu ca kramāt | sampūjya devīm iṣṭāni prāpnuyāt proktavāsaraiḥ ||87||

Wenn Leid durch Krankheit und dergleichen entsteht, [wird es] ebenso durch entsprechend [viele] Tage [gemildert]; durch Homa in der jeweiligen [Yantra-]Zahl - oder dem doppelten [an Zahl] - erfolgt Heilung. Im Mūlādhāra fünf Yantras, im Svādhiṣṭhāna vier; im Maṇipūra visualisiere man ebenso viele [?]. Danach im Anāhata fünf Yantras visualisiere man vollständig; im sogenannten Viśuddha vier, und in der Ājñā fünf - so der Reihe nach. An den jeweiligen Tithi-Tagen visualisiere man so die Sechzehnte (die Nityā Citrā), die Heilvolle; alle in dem jeweiligen Cakra befindlichen [Yantras] visualisiere man, zum Erlangen allen Wohlstands. In den [sechs Körper-]Cakras vom Mūlādhāra an visualisiere man die Yantras gemäß der genannten Zuordnung; aber nicht überall alle [Yantras zugleich] soll man visualisieren, niemals. Für jene, die zur [inneren] Visualisierung nicht fähig sind, [gilt]: die jeweiligen Yantras [zeichne man] äußerlich ebenso, [auf] die genannten Ādhāra-Lotusse, und verehre sie [dort]. So, an den [jeweiligen] Tagen, Wochentagen und Nakṣatras der Reihe nach die Göttin verehrend, erlangt man an den genannten Tagen das Gewünschte.

Anleitung, die 27 Yantras auf die sechs Körper-Cakras zu verteilen und dort zu visualisieren (Mūlādhāra 5, Svādhiṣṭhāna 4, Maṇipūra [?, vermutlich 5], Anāhata 5, Viśuddha 4, Ājñā 4 - macht in der Summe die genannten 27, auch wenn die genaue Zahl im Maṇipūra durch OCR-Verlust unsicher bleibt, mit [?] markiert); Alternative für weniger Geübte: äußerliche Zeichnung auf den entsprechenden Lotus-Diagrammen.

baliñ ca dadyāt teṣv eva vāsareṣu yathāvidhi | pañcāśanmithunānāñ ca proktacakre 'rcayet kramāt ||88|| prātaḥsandhyayoś cāpi cakrasthānāṃ parameśvari | mithunoktakrame śaktimantravac cakragāminām ||89|| kūṭānāṃ sarvarūpāṇi proktāni sphuṭam īśvari | tais teṣāṃ teṣu kāleṣu baliṃ dadyāt tathā īritaiḥ ||90|| devyās tv anugrahaproktanivedaiḥ śikthakaṃ mahat | vidhāya tasya madhye tu kṛtvā dīpaṃ ghṛtāplutam ||91|| vidhāya tattanmantrais tu vidadhyāt tāny anukramāt | pratyekaṃ devatānāṃ vā mithunānām athāpi vā ||92||

An eben diesen [festgesetzten] Tagen gebe man ebenso vorschriftsgemäß das Bali-Opfer; die fünfzig Mithuna-Paare [aus dem im sechzehnten Paṭala genannten Cakra] verehre man der Reihe nach in dem [dort] genannten Cakra. Auch am Morgen und an der Abenddämmerung [verehre man] die im Cakra befindlichen [Paare], höchste Herrin; nach der für die Mithunas genannten Ordnung, wie bei Śakti und Mantra, [verehre man] die im Cakra Wandelnden. Alle Gestalten der Silbengruppen (kūṭa) sind, o Herrin, deutlich genannt worden; mit diesen, den [entsprechend] genannten [Namen], gebe man ihnen zu den jeweiligen Zeiten das Bali-Opfer. Mit den zur Gnade der Göttin bestimmten Opfergaben forme man einen großen Wachs-/Teigklumpen (śikthaka); in dessen Mitte richte man eine mit Ghee getränkte Lampe her. Nachdem man [dies] mit den jeweiligen Mantras hergerichtet hat, soll man sie der Reihe nach [darbringen], jeweils einzeln den Gottheiten oder auch den [ganzen] Mithuna-Paaren.

Beginn des abschließenden Bali-Abschnitts (Opfergaben-Ritual): Bezug auf die 'fünfzig Mithuna-Paare' aus dem sechzehnten Paṭala (Kulasundarī-Cakra, Band I) und die Silbengruppen (kūṭa) der Yantras; Herstellung eines geweihten Opferklumpens mit Lampe. Vers 91 'śikthakam' (Wachs- oder Teigklumpen) unsicher, mit [?].

dadyād apūpaṃ pañcānāṃ pañcānāṃ [rambhā]śarkaraiḥ | kulmāṣapāyasānnena dadhyannaṃ chāgamāṃsakam ||93|| itthaṃ kāryasya gurutālāghavāpekṣayā dinaiḥ | sādhayet saptabhiḥ pañcabhir māsān maṇḍalato 'pi vā ||94|| mithunānāṃ baliṃ dadyāt pratimāsaṃ gṛhe 'rcayet | pratyabdaṃ vā punar mantraṃ jīved āśīr mahodayaḥ ||95|| evaṃ kālātmamithunavalidānena pūjanāt | smaraṇāt kīrtanāt sarvāñchitān āpnuyād dhruvam ||96|| mithunānāṃ balidravyāṇy ākarṇaya maheśvari | yais tuṣṭiṃ prāpya tāny āśu prayacchanty abhivāñchitam ||97|| daśānāṃ pāyasaṃ dadyād daśānāṃ tu guḍaudanam | pañcānāṃ mudgabhaktāṅgaṃ pañcānāṃ dadhibhaktakam ||98|| dadyād apūpaṃ pañcānāṃ pañcānāṃ [rambhā]śarkaraiḥ | pañcānāṃ nārikelasya phalacūrṇaṃ guḍānvitam ||99|| pañcānāṃ sitabhaktāḍhyaṃ mocāphalasudīritam | dattvaivaṃ nityaṃ yo 'sau syān māntrikāgraṇīḥ ||100||

Man gebe fünf [Paaren] Gebäck (apūpa), fünf [Paaren Bananen] mit Zucker, [ferner] Kulmāṣa-Speise mit Milchreis, gesäuertes Reisgericht (dadhyanna) und Ziegenfleisch. So soll man, je nach Wichtigkeit oder Geringfügigkeit des Vorhabens, [dies] an sieben oder fünf Tagen ausführen, oder auch einen ganzen Maṇḍala-Zeitraum [49 Tage] hindurch. Man gebe den Mithuna-Paaren [dann nur noch] monatlich ein Bali-Opfer, verehre sie im Haus; oder [gebe es] jährlich wiederkehrend erneut mit dem Mantra - so lebt man mit großem, segensreichem Aufstieg. So erlangt man durch die zeitgemäße Darbringung des Mithuna-Bali-Opfers, durch Verehrung, Erinnerung und Lobpreisung gewiss alles Gewünschte. Höre die Bali-Opfergaben für die Mithuna-Paare, große Herrin, durch die sie, zufriedengestellt, rasch das Erwünschte gewähren: Zehn [Paaren] gebe man Milchreis, zehn [Paaren] Reis mit Melasse, fünf [Paaren] mit Mungobohnen zubereiteten Reis, fünf [Paaren] mit Joghurt zubereiteten Reis; fünf [Paaren] gebe man Gebäck, fünf [Paaren Bananen] mit Zucker, fünf [Paaren] mit Melasse vermischtes Kokosnussfleisch-Pulver; fünf [Paaren, gebe man] mit Zucker reich versehenen [Reis] samt köstlicher Banane (mocāphala) - wer so beständig darbringt, wird zum Ersten der Mantra-Kundigen.

Detaillierter Katalog der Speiseopfer für die fünfzig Mithuna-Paare (insgesamt: 10+10+5+5+5+5+5+5 = 50, was die Gesamtzahl bestätigt) sowie Angaben zur zeitlichen Durchführung (7 oder 5 Tage, ein Maṇḍala-Zeitraum, danach monatlich oder jährlich). 'rambhāśarkaraiḥ' (Banane mit Zucker) in V.93 und V.99 nach dem Kommentarzitat zu V.100 ergänzt, der ausdrücklich 'mocāphalaṃ śarkarāmilitam' erläutert; OCR zeigte hier 'coraśarkaraiḥ', vermutlich verlesen aus '(ra)mbhāśarkaraiḥ'.

ahaṅkāramayī vyāptir iti samyak samīritā | asyā niṣkalanāsthitte [?] tattattvaṃ svātmasātkṛtam ||101|| iti śrīnityātantre ṭīkādimate ekaviṃśatipaṭalaṃ paripūrṇam |

'Sie ist die aus dem Ahaṅkāra (dem Ich-Bewusstsein) bestehende Alldurchdringung' - so ist es zutreffend verkündet worden; wenn dies ohne [begrenzende] Unterteilung feststeht [?], wird dieses [höchste] Prinzip (tattva) dem eigenen Selbst gleichgemacht (angeeignet). So ist, in diesem Nityā-Tantra samt Kommentar, der einundzwanzigste Paṭala vollendet. [Es folgt im Original unmittelbar das lange Kommentar-Kolophon, das den Kommentator Subhagānandanātha und sein Werk Manoramā nennt sowie den Paṭala als 'die Darlegung der Vorschrift der Citrā-Nityā-Vidyā' (citrānityāvidyāvidhānaprakāśanaparam) bezeichnet und mit der Kapitelzählung '21' sowie einer Verszählungs-Schlussnotiz (27 Yantras, ca. 200 Verse Kommentarumfang) endet.]

Der letzte Vers (101) ist eine knappe philosophisch-theologische Schlussaussage über die Identität der Göttin mit dem alldurchdringenden Ahaṅkāra-Prinzip (dem kosmischen 'Ich-Bin'), passend zu den in anderen späten Paṭalas dieses Bandes auftretenden Ātmajñāna-Passagen; im OCR stark beschädigt, Gesamtsinn aber noch erkennbar. Beide Kolophone (kurzes Wurzeltext-Kolophon 'iti ... ekaviṃśatipaṭalaṃ paripūrṇam' und das lange, hier nicht übersetzte Kommentar-Kolophon mit Nennung von Subhagānandanātha und 'Manoramā') sind im Quelltext klar vorhanden und bestätigen Kapitelende und -nummer (21); danach beginnt mit 'dvāviṃśapaṭalam' (Kolophon-Überschrift) unmittelbar Paṭala 22 über die Kurukullā-Vidyā.

Interaktive Leseansicht des ganzen Werks