Quellen der Menschheit

Tantrarāja Tantra

Paṭala 12: iti śrīṣoḍaśanityātantreṣu śrīkādimate dvādaśapaṭalaṃ paripūrṇam [?] ||12|| 12-tes Kapitel: Die Verehrung der Mahāvajreśvarī und die Vajra-Yantras

Quelle: Tantrarāja-tantra mit dem Kommentar Manoramā des Subhagānandanātha, hrsg. Sadāśiva Miśra, Tantrik Texts Vol. 8, Calcutta 1918 (archive.org, OCR). Das Kapitel lehrt die Verehrung der siebten der sechzehn Nityā-Göttinnen, Mahāvajreśvarī: ihre sechsfache Mantra-Einsetzung (nyāsa) und Meditationsform (dhyāna, Verse 1–10), ihre Begleit-Śaktis in einem mehrstufigen Cakra (11–17), die Verehrungs- und Feueropfer-Prozedur samt einem Homa für die Göttin Kurukullā (18–21) sowie allgemeine Verhaltensregeln für den Übenden (22–30). Es folgen zahlreiche Feueropfer-Rezepte für verschiedene erstrebte Früchte wie Reichtum, Gewänder, gute Ernte, Gesundheit und langes Leben (31–46), Heilrituale gegen schwere Krankheiten und Fieber (47–50) sowie ein ausführlicher abhicāra-Abschnitt: Bezwingungs- und Schadenzauber mittels einer Namens-Puppe (puttalikā) des Zielobjekts, einschließlich einer Variante zur Heilung von Fieber (51–62). Den zweiten Hauptteil bildet die Konstruktion zweier geometrischer Yantras, des „Mahāvajra” und eines einfacheren „Vajra”, mit Gitterlinien, Feldauslöschungen und Mantra-Beschriftung, samt ihren Anwendungen für Sieg, Schutz von Reich und Stadt sowie Unterwerfung feindlicher Könige (63–90); den Abschluss bildet ein Glücks- bzw. Wunscherfüllungs-Yantra mit einem Sechseck- und sechzehn Lotos-Diagrammen, die den sechzehn Zeiteinheiten von Tag und Nacht zugeordnet werden (91–101). Die OCR dieser Ausgabe ist außergewöhnlich schlecht — deutlich schlechter als in bisherigen Bänden dieses Projekts; besonders die Liste der Begleit-Śakti-Namen (11–17), die genauen Zahlenangaben der Yantra-Konstruktionen (63–73, 83–88) sowie der abschließende Vers 101 bleiben in Details unsicher und sind ausführlich mit [?] markiert. Nur der Wurzeltext (die Ślokas) wurde übersetzt, nicht der Sanskrit-Kommentar Manoramā; dieser wurde ausschließlich zur Klärung einzelner OCR-Lesungen herangezogen, wo er ein Wort des Wurzeltexts wörtlich zitiert, niemals als Deutungsgrundlage.

atha ṣoḍaśanityāsu saptamī yā samīritā | tasyā vidhānaṃ vakṣyāmi khalu sarvārthasādhakam ||1|| proktaiva vidyā prāgeva dvādaśākṣaravigrahā | tadaṅgāni ṣaḍnyāsaṃ dhyānaṃ śaktibhir arcanam ||2|| sādhanaṃ homakarmāṇi sarvadā yantrāṇi phalabhedataḥ | proktakrameṇa sakalaṃ kathayāmi yathāvidhi ||3|| iyam ekaikam atha ca dvayaṃ dvayam ayugdvayam [?] | māyayā puṭitaṃ kṛtvā kuryād aṅgāni ṣaṭ kramāt ||4|| pratyekaṃ śaktipuṭitair mantrair daśabhir nyaset | śiraḥśravaṇavaktranābhiguhyeṣu ca kramāt ||5|| raktāṃ raktāmbarāṃ raktagandhamālāvibhūṣaṇām | caturbhujāṃ trinayanāṃ māṇikyamukuṭāñcitām ||6||

Nun [wird die Methode] jener [Nityā gelehrt], die man unter den sechzehn Nityās als die siebte bezeichnet; ihre Methode (vidhāna) will ich verkünden, die wahrhaftig jedes Anliegen erfüllt. Die Vidyā (das Mantra) selbst wurde bereits zuvor genannt, aus zwölf Silben bestehend. Ihre Glied-Mantras, die sechsfache Einsetzung (nyāsa), die Meditation (dhyāna) und die Verehrung samt den Śaktis [will ich lehren]: die Übung (sādhana), die Feueropfer-Riten (homa) und, je nach den verschiedenen erstrebten Früchten, die Yantras — all das erzähle ich in der genannten Reihenfolge, der Vorschrift gemäß. [Diese Vidyā,] einzeln, dann zu zweien, zu zweien, ein ungepaartes Paar [?] — nachdem man [jeden Teil] mit der Māyā(-Silbe) eingehüllt hat, soll man die sechs Glieder der Reihe nach [einsetzen]. An jedem einzelnen [Ort] soll man mit den durch die zehn Śakti[-Silben] eingehüllten Mantras die Einsetzung (nyāsa) vornehmen: am Kopf, an den beiden Ohren, am Mund, am Nabel und am Geheimort (den Genitalien), der Reihe nach. [Man meditiere auf die Göttin als] rot, in rote Gewänder gekleidet, mit rotem Räucherwerk und roten Blumengirlanden geschmückt, vierarmig, dreiäugig, mit einem Diadem aus Rubinen gekrönt.

Quelle sehr schlecht lesbar. Vers 2: „ṣaḍnyāsam” nach dem Kommentar rekonstruiert, der die sechsfache Einsetzung (Kopf, beide Ohren, Mund, Nabel, Geheimort) erklärt (OCR bietet dort Unsinn). Vers 4 ist im Original stark verderbt (die Aufteilung der zwölf Mantrasilben auf die sechs Körperstellen); die Übersetzung ist nur eine Annäherung, mit [?] markiert. Der Kommentar erläutert nur zur OCR-Klärung, dass „guhya” hier die Genitalien meint und dass jede Stelle mit den zehn Śakti-Silben (den Vokalen als Śaktis) sowie der Māyā-Silbe (hrīṃ) umhüllt wird; diese Deutung, nicht der Kommentarwortlaut selbst, fließt in die Übersetzung von Vers 4–5 ein.

pāśāṅkuśāsicāpaṃ dāḍimīsāyakaṃ tathā [?] | dadhānāṃ bāhubhir vāme dakṣiṇāparadakṣiṇaiḥ [?] ||7|| paśyantīṃ sādhakaṃ vyastaṣaṭkoṇāśramahīpure | cakramadhye sukhāsīnāṃ raktavaktrasaroruhām ||8|| śaktibhiḥ svasvarūpābhir vṛtāṃ pītamadhyagām [?] | siṃhāsane'bhitaḥ prāptaprītābhiś ca svaśaktibhiḥ [?] ||9|| hṛdyāntābhir vinodāni yātāyātādibhiḥ sadā | kurvāṇām aruṇāmbhodhau cintayen mantranāyikām ||10||

[Man denke sie sich], Schlinge (pāśa), Elefantenhaken (aṅkuśa), Schwert und Bogen sowie einen Pfeil aus Granatapfelblüte [?] in ihren Armen tragend, in der Reihenfolge links, rechts, links, rechts. [Man denke sie sich], den Verehrer anblickend, inmitten des Cakras — [das aus] einem umgekehrten Dreieck, einem Sechseck und der Erdenburg (bhūpura, dem quadratischen Umfriedungsbezirk) [besteht] —, bequem sitzend, mit einem Antlitz wie eine rote Lotosblüte. Umgeben von Śaktis in je eigener Gestalt, [thronend] auf einem Löwensitz, ringsum von ihren eigenen, freudig herangetretenen Śaktis [begleitet] [?], die, [ihr] ans Herz gewachsen [?], allerlei Spiele wie Kommen und Gehen treiben — in einem Meer der Morgenröte meditiere man so auf die Gebieterin des Mantras.

Vers 7: Waffenliste unsicher, „dāḍimīsāyakam” (Pfeil aus Granatapfelblüte) wörtlich übernommen, da keine bessere Lesart zu gewinnen war. Vers 8: Der Kommentar erläutert nur zur OCR-Klärung den Aufbau des Cakras (Dreieck – Sechseck – zwölfblättriger – sechzehnblättriger Lotos – doppeltes Bhūpura-Quadrat mit vier Toren); diese aus dem Kommentar gestützte Lesung erscheint in der Übersetzung von „vyastaṣaṭkoṇāśramahīpure” verdichtet. Vers 9 ist syntaktisch unsicher rekonstruiert, „pītamadhyagām” bleibt unklar. „aruṇāmbhodhau” (Meer der Morgenröte/des Korallenlichts) ist ein aus der Śrīvidyā-Dichtung bekanntes Bild für den Aufenthaltsort der roten Göttin.

icchājñānakriyās tasyā vikoṇasthāś ca śaktayaḥ | ḍākinyādyāḥ ṣaṭkoṇasthāḥ padmadvādaśaparvagāḥ ||11|| [?] [?] kṣobhiṇī madanāturā | nirañjanā rāgavatī tathaiva madanāvatī [?] ||12|| mekhalā draviṇī [?] vegavatī dvādaśa śaktayaḥ | tataḥ ṣoḍaśaparvasthāḥ śaktayo [?] rakteṣu [?] ||13|| kamalāṃ kāminīṃ kalyāṃ kalāṃ kalitakautukām | kirātāṃ kālakadanāṃ kauśikāṃ kambuvāhinīm ||14|| kātarāṃ kapaṭāṃ kaumārīṃ [?] kuṅkumām api | caturasrasthitāś cāpi śaktīr ākhyeyāḥ kramāt [?] ||15|| jambhikā [?] capalā peśalā satī | ratiḥ śraddhā bhogalubdhā [?] madonmattā manasvinī [?] ||16|| dikṣu dvāreṣu pārśveṣu koṇeṣu ca saṃsthitāḥ [nāmnaḥ] | dvādaśaitā mahādevi caturasre 'bhito 'rcayet [?] ||17||

Ihre Śaktis von Wille, Erkenntnis und Handeln stehen in den Ecken [des Sechsecks]; Ḍākinī und die anderen, in den sechs Ecken befindlich, reichen [zugleich] bis zu den zwölf Blütenblättern [des folgenden Lotos]. [Zwei unleserliche Namen] [?], Kṣobhiṇī, Madanāturā; Nirañjanā, Rāgavatī, ebenso Madanāvatī [?]. Mekhalā, Draviṇī [?], Vegavatī — [das sind] zwölf Śaktis; sodann die in den sechzehn Blütenblättern befindlichen Śaktis [?] … Kamalā, Kāminī, Kalyā, Kalā, Kalitakautukā, Kirātā, Kālakadanā, Kauśikā, Kambuvāhinī — Kātarā, Kapaṭā, Kaumārī [?] und auch Kuṅkumā; auch die im Quadrat (Bhūpura) befindlichen Śaktis sind der Reihe nach zu nennen [?]: Jambhikā, [ein unleserlicher Name] [?], Capalā, Peśalā, Satī, Ratī, Śraddhā, Bhogalubdhā [?], Madonmattā, Manasvinī [?]. In den Himmelsrichtungen, an den Toren, an den Seiten und in den Ecken angesiedelt [sind diese Genannten]; diese zwölf [bzw. mehr], große Göttin, verehre man ringsum am Quadrat [?].

Diese sieben Verse zählen die Begleit-Śaktis (āvaraṇa-Gottheiten) der Mahāvajreśvarī auf, die in den sechs Ecken des Sechsecks, den Blütenblättern des zwölf- und des sechzehnblättrigen Lotos sowie an den Ecken/Toren des äußeren Bhūpura-Quadrats postiert sind (Gesamtzahl also deutlich mehr als 12, trotz „dvādaśaitāḥ” in Vers 17 — die Ziffer ist hier vermutlich verderbt oder bezieht sich nur auf eine Teilgruppe). Die OCR dieser Namensliste ist extrem schlecht; nur die auffällig alliterierenden Namen mit Anlaut ka- (Vers 14–15) und einige weitere (Vers 12, 13, 16) ließen sich mit einiger Sicherheit als Eigennamen identifizieren, ihre genaue Zuordnung zu den einzelnen Positionen und mehrere einzelne Namen bleiben unsicher ([?]). Namen wurden, wie bei Eigennamen dieser Art üblich, unübersetzt in IAST belassen.

kṛtvāpy amaṅgalatyāgaṃ [?] proktarūpe tato 'rcayet | bhogisiṃhāsanaṃ [?] vā ca siṃhāsanam anantaram ||18|| tataś cakraṃ tato devīṃ prāgvad āvāhya śaktibhiḥ | māyāsaptākṣarīmadhyaṃ gatair nāmabhir arcayet [?] ||19|| baliṃ ca dadyāt tadanu saptākṣaryā puroktayā | devyās tu kurukullāyā homaṃ kuryād yathāvidhi ||20|| śṛtaiḥ kṣīrarasaiḥ puṣpair ghṛtair vā homam ācaret | prāgvat samāpayed ity evam arcanaṃ te samīritam ||21||

Nachdem man [die Stätte] von Unheilvollem gereinigt hat [?], verehre man [die Göttin] sodann in der genannten Form; [man verehre] den Schlangen-Löwenthron(?) [?] und danach den Löwenthron. Dann [verehre man] das Cakra, dann, nachdem man die Göttin wie zuvor mitsamt ihren Śaktis herbeigerufen hat, verehre man [jede] mit ihrem Namen, [eingegangen] in die Mitte des siebensilbigen Māyā[-Mantras] [?]. Danach gebe man das Bali-Opfer mit dem zuvor genannten siebensilbigen [Mantra]; für die Göttin Kurukullā aber vollziehe man das Feueropfer (homa) der Vorschrift gemäß. Mit gekochtem Milchsaft, mit Blumen oder mit Ghee vollziehe man das Feueropfer; man beende es wie zuvor. So ist dir die Weise der Verehrung dargelegt.

Vers 18 ist am Anfang und in der Mitte stark verderbt; „bhogisiṃhāsanam” (etwa: Schlangen- oder Genuss-Löwenthron) bleibt unsicher. Vers 19: Bezug des „siebensilbigen Māyā-Mantras” unklar, evtl. eine separate, hier nicht näher erläuterte Hilfsformel für die Verehrung der Begleit-Śaktis. Kurukullā (Vers 20) ist eine im tantrischen Kontext bekannte Gottheit, hier offenbar Adressatin eines zusätzlichen Feueropfers im Rahmen des Rituals.

vasantakāle goṣṭhe vā pūrṇām ārabhya sādhayet | haviṣyāśī payobhakṣaḥ phalamūlāśano 'tha vā ||22|| snātaḥ sugandhisalilair araṇāṃśukavān [?] śuciḥ | candracandanakastūrīkāśmīracarcitavigrahaḥ [?] ||23|| añjanāktākṣiyugalas tāmbūlāraktavaktravān | mukhārpitendu-śakalo [?] hṛṣṭacetā jitendriyaḥ ||24|| mīlan vikālapūjāsu [?] kṛtasaṅkalpasādhanaḥ | naktāśī hataśiṣṭaṃ na [?] japed idaṃ samāhitaḥ ||25|| nityaṃ [?] japadidyābhaktān bhajanakautukān [?] | vayohīnān [?] madhuraṃ pāyasaṃ bhojyabhaktimān ||26|| prāṇasyābhyarcya visṛjet niśi tadineṣu tu [?] | gurujīvaṃ samāsādya praṇamyāsakṛd ātmavān ||27|| ghanadhānyāmbarādayas taṃ santoṣya tadanujñayā | kṛtārambho nityaśaś ca pūjayet taṃ ca bhaktitaḥ ||28|| ante ca vittaiḥ stavaiś ca taṃ santoṣya kṛtī bhavet | vittaśāṭhyaṃ ca darpaṃ ca dambhaṃ cāsatyam eva ca ||29|| na kadācit kurvīta viśeṣād guruṣannidhau [?] | evaṃ lakṣatrayaṃ japtvā [?] ||30||

Im Frühling, [in einer Kuhweide/einem Kuhstall] beginnend an einem Vollmondtag, übe man die Sādhanā aus; man nehme Opferspeise (haviṣya) zu sich, oder ernähre sich von Milch, oder von Früchten und Wurzeln. Gebadet mit duftendem Wasser, in reine, ungefärbte(?) Gewänder gekleidet [?], rein; den Körper mit Kampfer, Sandel, Moschus und Safran gesalbt [?]; beide Augen mit Kajal geschminkt, den Mund von Betel gerötet, mit einer Mondsichel[-Zier] auf der Stirn [?], frohen Sinnes, die Sinne bezwungen; [die Verehrung] in der Dämmerung nicht auslassend [?], nachdem man den [rituellen] Entschluss (saṅkalpa) gefasst hat; nur nachts essend, nichts vom Opfer übrig lassend [?], rezitiere man dies gesammelten Geistes. Täglich [beköstige man] mit Freude die der Rezitation der Vidyā Ergebenen, die sich am Verehrungsdienst erfreuen [?], auch die noch jungen(?) [Kinder/Brahmanenknaben] [?], mit süßem Milchreis (pāyasa), voller Hingabe beim Speisen. [Nach] der Verehrung des Lebensatems (prāṇa) entlasse man [das Ritual] des Nachts an den [Puraścaraṇa-]Tagen; nachdem man zum Guru gegangen ist, ihn wiederholt verehrt hat, selbstbeherrscht, stimme man ihn mit reichlich Getreide, Gewändern und dergleichen zufrieden und beginne mit seiner Erlaubnis [das eigentliche Ritual]; man verehre ihn beständig auch weiterhin mit Hingabe. Am Ende stimme man ihn mit Reichtum und Lobpreisungen zufrieden — [dann] wird man ein Vollendeter (kṛtin). Betrug in Geldsachen, Hochmut, Heuchelei und ebenso Lüge — diese begehe man niemals, zumal nicht in Gegenwart des Guru [?]. Nachdem man so dreihunderttausend [Mal (lakṣatraya)] rezitiert hat [?] …

Dieser Abschnitt (allgemeine Regeln für die Sādhanā-Praxis: Jahreszeit, Ort, Kost, Reinheit, Verhalten gegenüber dem Guru) ist inhaltlich noch relativ gut erschließbar, im Wortlaut aber an vielen Stellen unsicher (u. a. Vers 23 „araṇāṃśukavān”, Vers 25 „mīlan vikālapūjāsu”, Vers 26 „vayohīnān” — evtl. „junge Brahmanenknaben/Mädchen”, ein in tantrischen Ritualen bekanntes Element der Speisung Jugendlicher). Vers 30 endet unvollständig rekonstruierbar; die Verszahl 300 000 (lakṣatraya) als Rezitationsziel ist die einzige sicher lesbare Angabe im zweiten Halbvers, dessen Rest im Original zu stark zerstört ist, um sinnvoll übersetzt zu werden.

āragvadhaprasūnaiś ca prasūnair vṛkṣajaiḥ kulaiḥ [?] | madhūkajaiś ca campakair vā vimadhulataiś ca nityam [?] ||31|| candracandanakastūrīkāśmīrasurabhiṃ kṛtam | tarpayet salilaṃ snātvāhinā [?] śobhāṃ bhaktimān dṛḍham [?] ||32|| evaṃ saṃsiddhamantras tu kuryāt kāmyāni sādhakaḥ | gurubhaktān nityakalyāṇakṛtasaṅkalpasaṃyutaḥ ||33|| sahasrajāpī sthiradhīr mantravīryavidāṃ sadā [?] | yaḥ so 'pi kāmyān kurvīta prayogān nānyathā śive ||34|| yad yan mohena cāpalenāpi vācaret [?] | anarthān kleśanāśādi [?] pīḍāṃ prāpnoti niścitam ||35|| asṛgbhiḥ [?] paṅkajair homaṃ kuryāc cāpi madhurāplutaiḥ [?] | maṇḍalāl labhate lakṣmīṃ mahatīṃ [?] śasyavigraham [?] ||36|| kṣaudrarasaiḥ siktaiḥ pūrṇāhutayas tadi dināvadhi [?] | juhuyāt trailyaśobhaktyā sahasraṃ vikacaiḥ śubhaiḥ [?] ||37|| tattaddineṣu pūrvoktān bhojayed uktarūpataḥ | tāvac ca japyād dhomāntaṃ yāvat saṅkhyātaṃ kṛtam ||38||

Mit Āragvadha-Blüten (Goldregen) und mit Baumblüten [verschiedener] Arten [?], mit Mahua- oder Campaka-Blüten, oder immer wieder mit [Blüten] der honiglosen Schlingpflanze [?] — das mit Kampfer, Sandel, Moschus und Safran wohlriechend gemachte Wasser spende man als Trankopfer (tarpaṇa); nach dem Bad, fest ergeben, [vollziehe man dies] in schönem [Zustand] [?]. So mag der Übende, dessen Mantra [durch dieses Vorgehen] vollendet (siddha) ist, die auf einzelne Wünsche gerichteten (kāmya) Riten vollziehen — dem Guru ergeben, stets auf das Wohlergehen bedacht, mit dem [rituellen] Entschluss versehen. Wer tausendmal rezitiert, festen Geistes, der Kraft des Mantras stets kundig [?] — nur ein solcher mag auch die auf einzelne Wünsche gerichteten Anwendungen vollziehen, nicht anders, o Śivā (Göttin). Was immer man aus Verblendung oder auch aus Leichtfertigkeit heraus [unvorschriftsmäßig] vollzöge [?] — [dadurch] erlangt man mit Sicherheit Unheil, [drohenden] Untergang und dergleichen [und] Pein. Mit Blut(?) [?] und Lotusblüten vollziehe man das Feueropfer, auch mit in Süßem getränkten [Materialien] [?]; durch dieses maṇḍala erlangt man großen [?] Reichtum (Lakṣmī), Wohlgestalt (?) [?]. Mit Honigsaft benetzte volle Opferspenden, bis zum Ablauf jenes Tages [?], gebe man mit dreifacher Hingabe (trailya-?) tausendmal mit erblühten, schönen [Blumen] [?] ins Feuer. An den jeweiligen Tagen speise man die vorher genannten [Personen] in der genannten Weise; und man rezitiere so lange bis zum Ende des Feueropfers, bis die [vorgeschriebene] Zahl erfüllt ist.

Verse 31–38 behandeln homa-Materialien und deren Wirkungen sowie die allgemeine Bedingung, dass nur der mit vollendetem Mantra (siddha-mantra) berechtigte Übende Wunsch-Riten (kāmya-prayoga) durchführen darf; Vers 35 warnt vor eigenmächtiger, unvorschriftsmäßiger Anwendung. Die OCR dieses Abschnitts ist sehr schlecht; Vers 36–37 (konkrete Materialien und Zahlenangaben) bleiben in Details unsicher ([?]). Verszählung: Die Ausgabe liest an mehreren Stellen (Verse 34–37) die Ziffer 3 (tin) fälschlich als 2 (do) (also z. B. „24” statt „34”); die Zählung wurde nach Kontext und den davor/danach eindeutig lesbaren Nummern (31, 32, 38) korrigiert.

campakaiḥ kṣaudrasaṃyuktaiḥ sahasrahavanāt priye [?] | labhate hemaniṣkāṇāṃ śataṃ māsena pūrvavat ||39|| pāṭalaiḥ tatsaṃsiktaiḥ trisahasraṃ hutais tathā | darṇādisaptamāsāl labhate divyāni vasanāni ca [?] ||40|| karpūracandanādīni sugandhīni ca māsataḥ | vastūni labhate divyaṃ ramyabhogopayogibhiḥ ||41|| śālibhiḥ kṣaudrasiktābhiḥ saptamyāṃ śataṃ hunet | tena śālisuvṛṣṭiḥ syān māsaiḥ ṣaḍbhir asaṃśayam ||42|| tilair hutais taddivase varṣād ārogyam āpnuyāt | svajanmarkṣe tathā dūrvābhir juhuyāt tathā ||43|| nirātaṅke mahābhogaḥ śataṃ varṣāṇi jīvati | guḍaiś cotiladūrvābhis triṣu janmarkṣeṣu vā hunet ||44|| tad āyur ārogyabhogāpuṇyaniṣṭhādibhāg bhavet [?] | ghṛtapāyasadugdhais tu hutais teṣu triṣu kramāt ||45|| āyurārogyavibhavair [?] pramāṇyo bhavet tathā | saptamyāṃ hutahomāt saubhāgyaṃ labhate hi [?] ||46||

Mit Campaka[-Blüten], mit Honig vermengt, [und] tausend Feueropferspenden erlangt man, Liebe [?], in einem Monat wie zuvor hundert Goldmünzen (niṣka). Mit Pāṭala[-Blüten], damit benetzt, mit dreitausend Opferspenden ebenso; von [einem bestimmten Zeitpunkt] an, binnen sieben Monaten [?], erlangt man erlesene Gewänder. Mit Kampfer, Sandel und anderen duftenden [Stoffen], binnen eines Monats, erlangt man köstliche Dinge, dienlich zu erlesenem Genuss. Mit Reis, mit Honig benetzt, opfere man am siebten [Tag] hundertmal; dadurch gibt es zweifellos binnen sechs Monaten reichen Reisregen (gute Ernte). Mit Sesam an jenem Tag geopfert, erlangt man binnen eines Jahres Gesundheit; ebenso opfere man am eigenen Geburtsgestirn (janma-nakṣatra) mit Dūrvā-Gras. Frei von Krankheit [und] von großem Wohlstand lebt man hundert Jahre; mit Jaggery und geröstetem Sesam samt Dūrvā-Gras opfere man an drei [aufeinanderfolgenden] Geburtsgestirnen. Dadurch erlangt man Anteil an langem Leben, Gesundheit, Genuss und Anteil an dauerhaftem Verdienst und dergleichen [?] — mit Opferspenden aus Ghee, Milchreis und Milch, nacheinander an jenen drei [Tagen/Gestirnen]. Durch Langlebigkeit, Gesundheit und Wohlstand wird man ebenso angesehen [?]; und durch das am siebten [Tag] dargebrachte Feueropfer erlangt man wahrlich Glück (saubhāgya) [?].

Abschnitt über verschiedene Homa-Substanzen (Campaka-, Pāṭala-Blüten, Reis, Sesam, Dūrvā-Gras, Ghee, Milchreis) und ihre je verschiedenen erstrebten Früchte (Gold, Gewänder, kostbare Güter, Ernteglück, Gesundheit, langes Leben, Wohlstand, Glück). Zahlenangaben (Anzahl Opferspenden, Zeiträume) sind an mehreren Stellen unsicher ([?]), Gesamtsinn aber gut gesichert.

dūrvāṅkuraiḥ tu prādeśamātraiḥ sāmlādisaṃyutaiḥ [?] | juhuyād dinaśo ghore sannipātajvare gadi [?] ||47|| mahārogeṣu dūrvābhis tilaiḥ kṣīrodbhavais tathā | dūrvādibhir vā nityaśo homaṃ kuryāt triṣāḍhasaṃyutaiḥ [?] ||48|| ṣaṇmāsād abdato vāpi rogān muktaḥ sukho bhavet | tadineṣu japed idaṃ nityaśaḥ salilaṃ spṛśan ||49|| sahasravāraṃ tat toyaṃ snānaṃ pānaṃ samācaret | pākādyam api tenaiva kuryād rogavimuktaye ||50|| sādhyasya [nāma] saṃcūrṇya lavaṅgaṃ sarṣapaṃ tilam | piṣṭvā ca sādhyapādolī [?] rajasā ca samanvitam ||51|| kṛtvā puttalikāṃ tais tu hṛdaye nāma saṃyutām | prāgvac chitvāyasena tīkṣṇena śastreṇa puttalikāṃ hanet ||52|| evaṃ dinaiḥ saptabhir vā vibhaktaikadinena vā | sādhyo vaśo bhaved śīghram api dūrasthito dṛḍham [?] ||53|| tathāvidhāṃ puttalikāṃ kuṇḍamadhye khaned bhuvi | upāgnau nidhāyātha vidyayā [?] hanet ||54||

Mit fingerlangen (prādeśa-langen) Dūrvā-Sprossen, verbunden mit Saurem und anderem [?], opfere man Tag für Tag [gegen] das schreckliche Sannipāta-Fieber (ein Fieber aus dem Zusammenwirken aller drei Doṣas), für den Kranken. Bei den großen Krankheiten (die acht mit Windkrankheiten beginnenden Übel) opfere man mit Dūrvā-Gras, Sesam und Milchprodukten, oder mit Dūrvā und dergleichen, täglich, versehen mit dem Dreifach-Süßen (Honig, Zucker, Ghee) [?]. Binnen sechs Monaten oder binnen eines Jahres wird man, von Krankheiten befreit, glücklich; an jenen Tagen rezitiere man dies täglich, [dabei] Wasser berührend. Jenes tausendmal [besprochene] Wasser verwende man zum Baden und Trinken; auch die Speisezubereitung führe man mit eben diesem [Wasser] durch, zur Befreiung von Krankheit. Nachdem man [den Namen] des zu Behandelnden(?)/Bezwingenden (sādhya) fein zerrieben hat, Gewürznelke, Senfkorn [und] Sesam, und [dies alles] zermahlen hat, samt Staub von der Fußsohle des sādhya [?] und mit [dessen Haar-]Staub versehen — nachdem man daraus eine Puppe (puttalikā) gemacht hat, mit dem Namen [des sādhya] am Herzen versehen, [und sie] wie zuvor zerteilt hat, durchbohre man die Puppe mit einer scharfen eisernen Waffe. So wird der sādhya (der zu Bezwingende) binnen sieben Tagen, oder [sogar schon] an einem einzigen festgesetzten Tag, bezwungen — rasch, selbst wenn er sich fest an einem fernen Ort befindet. Eine solche Puppe vergrabe man in der Erde inmitten einer Opfergrube; nachdem man [sie] nahe dem Feuer niedergelegt hat, vernichte man [sie] sodann mit der Vidyā [?].

Ab Vers 51 beginnt ein abhicāra-Abschnitt (Bezwingungs-/Schadenzauber mittels einer Puttalikā, einer Namens-Puppe des Zielobjekts, sādhya genannt) — wörtlich und sachlich wie im Auftrag verlangt wiedergegeben, ohne Beschönigung. Einzelne Materialangaben (Vers 51, 54) bleiben wegen der OCR unsicher ([?]). „mahāroga” nach Kommentarzitat (nur zur OCR-Klärung) als „die acht mit vātādi beginnenden großen Krankheiten” erläutert.

visadravyaṃ [?] vivāhamayyāṃ [?] sarṣapais tadrasaplutaiḥ [?] | pratyekaṃ [?] yojanadūrād apy ānayen mattāṃ balāt [?] ||55|| tāṃ tu puttalikāṃ ambumadhūcchiṣṭasamanvitām | kṛtaprāṇapratiṣṭhāṃ ca śmaśāne nikhanec chiśi [?] ||56|| sādhyayoniṃ ca tatraiva chitvā datvā baliṃ tataḥ | kṛtābhiṣekaṃ tāṃ vidyāṃ prajapec ca śataṃ trayam [?] ||57|| atha rāśyaṣṭame māsānnānāvidhair api [?] | rogabhūtādisaṃkarair nāśam eti suniścitam ||58|| yantreṇa samuddhṛtya salile tāṃ khanec chiśi | koṭibhis taiḥ sa vinistīrṇaḥ sukhī jīvati bhūtale [?] ||59|| sādhyadantena kṛtvā tāṃ sarṣapājye nivesitām | toyamadhye nidhāyātha kāryayed uktavāsaraiḥ [?] ||60|| verau [?] tīvrajvareṇātaḥ kṛte prāgvat sukhī bhavet | tām eva caṇḍikāgehe tayā baliyutaṃ khanet ||61|| sādhyo naraṃ ced nārī cet śāstur āyatane khanet | tadvidhānena sahitaṃ śatrusannādavān bhavet [?] ||62||

[Ein Trank- oder Wirkstoff, um] verwirrend zu machen [?], mit Senfkörnern, in dessen Saft getränkt [?], bringe man [den sādhya], selbst aus der Entfernung einer yojana, mit Gewalt betört herbei [?]. Jene Puppe aber, versehen mit Wasser und Bienenwachs, nachdem man ihr die Lebenskraft (prāṇapratiṣṭhā) eingesetzt hat, vergrabe man des Nachts auf dem Leichenverbrennungsplatz. Nachdem man eben dort die „Yoni” des sādhya [in die Puppe] eingeschnitten und ein Bali-Opfer dargebracht hat, rezitiere man die geweihte Vidyā dreihundertmal [?]. Dann, binnen acht Monaten [oder: wenn [die Sonne/das Gestirn] im achten Zeichen steht], geht [der sādhya] durch mancherlei Vermischung von Krankheit, Dämonen und dergleichen [?] mit Sicherheit zugrunde. Nachdem man sie mit einem Zauberinstrument (yantra) herausgeholt hat, vergrabe man sie des Nachts im Wasser; von so vielen Millionen(?) [Leiden] befreit [?], lebt er glücklich auf Erden. Nachdem man sie, mit dem Zahn des sādhya versehen, in Senföl gelegt hat, und sie dann ins Wasser gelegt hat, verfahre man an den genannten Tagen(?) [?]. Wenn dies bei heftigem Fieber geschieht, wird [der Kranke] wie zuvor gesund; eben diese [Puppe], samt dem ihr zugehörigen Bali-Opfer, vergrabe man im Haus/Tempel der Caṇḍikā. Ist der zu Bezwingende (sādhya) ein Mann, vergrabe man [sie] im Heiligtum eines Śāstṛ [?]; ist es eine Frau, [ebenso] — mit dieser Vorschrift versehen, wird man zum bezwungenen Feind triumphierend gegenüberstehen [?].

Fortsetzung des abhicāra-Abschnitts: verschiedene Varianten der Puttalikā-Magie, u. a. zur gewaltsamen Herbeiführung (vaśīkaraṇa, Vers 55), zur Vernichtung eines Feindes durch Vergraben auf dem Leichenplatz (56–58), sowie — bemerkenswert — eine Umkehrung zur Heilung von Fieber, wenn die Puppe stattdessen im Wasser vergraben bzw. behandelt wird (59–61). Vers 62 markiert den Übergang zum nächsten Thema (Yantra-Konstruktion). Der Abschnitt ist inhaltlich weitgehend erschließbar, im Detail (genaue Substanzen, Zahlenangaben, das Wort „verau” in Vers 61) aber stark unsicher; wörtlich und sachlich wiedergegeben, ohne Beschönigung, wie im Auftrag verlangt.

mahāvajraṃ ca vajraṃ ca yantrāṇy anyāny anuktāny api | prayogān api vakṣyāmi samāhitadhiyā śṛṇu ||63|| prākpratyagdakṣiṇodak ca viṃśatsūtrāṇi pātayet | tena koṣṭhāni jāyante trayekaṣaṣṭyā śatatrayam [?] ||64|| teṣu koṣṭheṣūpātteṣu catuṣkam api mārjayet pañcakena ca | catvāriṃśat tu śeṣaṃ vajrākāraṃ yathā bhavet ||65|| dviś catvāri catvāri mārjayitvā vikoṇakam | kuryāc cheṣāṇi koṣṭhāni pañcaṣaṣṭyā śataṃ bhavet ||66|| teṣu pūrvādiparito likhed vidyākṣarāṇi tu | prāgvat svaravibhinnāni prāguktavidhinā tathā ||67|| catvāri catvāri ca śataṃ teṣāṃ tu madhyataḥ | ekāśītikoṣṭhāni śiṣṭāni punar abhyantare [?] ||68|| teṣu paryāyanityārṇavargaṣaṭkasamanvitam | ghaṭikāyugavarṇāṃś ca likhet prāguktayogataḥ ||69|| śiṣṭeṣu vidyāvarṇāṃś ca likhed dvādaśaśeṣayoḥ | sādhyākhyām ālikhed uktakrameṇa puṭayor dvayoḥ ||70|| caturdikṣu likhet koṇeṣv abhito bhūtākṣarāṇi [?] | dvivikrameṇa prākpratyakkoṇayos tu trayaṃ trayam ||71|| etat proktena saṃlikhya sampūjya vidhinā yutam | spṛśan japen manuṃ pañcāntasahasraṃ tatas tu tat ||72|| viniyujyāyathoktesu kāryeṣu kramataḥ śive | bhūtākṣarāṇi ca punar likhet kāryānurūpataḥ ||73||

Den Mahāvajra und den Vajra sowie andere, noch nicht genannte Yantras, und auch [ihre] Anwendungen, will ich [nun] verkünden; höre mit gesammeltem Geist. In den Richtungen Ost-West und Süd-Nord ziehe man zwanzig Linien; dadurch entstehen Felder, [im Ganzen] dreihundertunddreiundsechzig [?]. Von diesen erfassten Feldern lösche man auch je vier mit fünf [Feldern zusammen? – unklar] aus [?]; die übrigen vierzig [?] [ordne man so], dass eine Vajra(Donnerkeil)-Form entsteht. Nachdem man zweimal je vier [Felder] und [je] ein Eckfeld ausgelöscht hat, forme man aus den übrigen Feldern [eine Figur, sodass] hundertfünfundsechzig [Felder] verbleiben. In diese schreibe man ringsum, von Osten beginnend, die Silben der Vidyā, wie zuvor durch die Vokale unterschieden, nach der zuvor genannten Methode. Vier und vier, [macht] hundert von ihnen in der Mitte; die restlichen [übrigen Felder ergeben] einundachtzig Felder im Inneren [?]. In diese schreibe man das der Reihe nach [wiederkehrende] Set der sechs ewigen Buchstabengruppen (Nityā-Varga-Ṣaṭka) sowie die den Zeiteinheiten (ghaṭikā) zugeordneten Silbenpaare, nach der zuvor genannten Verbindung. In die übrigen [Felder] schreibe man die Silben der Vidyā, in den [jeweils] zwölf restlichen [Feldern]; den Namen des sādhya (des Zielobjekts) schreibe man in der genannten Reihenfolge in die beiden [äußeren] Umhüllungen. In den vier Himmelsrichtungen, in den Ecken, ringsum schreibe man die Bhūta-Silben (die den Elementen zugeordneten Silben) [?]; nach zweifacher Zählweise je drei in den Ost- und West-Ecken. Nachdem man dies nach der genannten [Methode] gezeichnet und der Vorschrift gemäß verehrt hat, berühre man [es] und rezitiere das Mantra fünftausend[mal]; dann [ist] das [Yantra fertig]. Nachdem man [es] wie oben genannt der Reihe nach in [die verschiedenen] Aufgaben eingesetzt hat, o Śivā (Göttin), schreibe man je nach der Aufgabe wiederum die Bhūta-Silben [entsprechend um].

Dieser hoch technische Abschnitt (Verse 63–73) beschreibt die geometrische Konstruktion des Mahāvajra-Yantras (ein Gitter aus Linien, aus dem durch Auslöschen bestimmter Felder eine Donnerkeil(vajra)-Form entsteht) und die Beschriftung der Felder mit Mantra-Silben. Die Zahlenangaben in der OCR sind extrem unzuverlässig (Verwechslungen von Ziffern); mehrere Zahlen (Vers 64–66, 68) bleiben trotz Bemühen um Rekonstruktion unsicher und sind mit [?] markiert. Der Kommentar beschreibt an dieser Stelle das Konstruktionsverfahren in ausführlicher Prosa (u. a. ein Gitter aus sich kreuzenden Linien, das schrittweise durch Auslöschen von Eckfeldern in eine vajra-ähnliche Form gebracht wird); diese Kommentarprosa wurde nur zur Bestätigung einzelner Wörter der Wurzelverse herangezogen, nicht als eigenständige Übersetzungsgrundlage. Verszählung 63–73 ist durch die im Kommentar wiederholt zitierten Nummern gesichert.

mahāvajram iti khyātaṃ sarvatra aparājitam | vijayastambhavidveṣavaśyoccāṭanakarmasu ||74|| racayet puṣṭiśāntiṃ ca tathaiva ripunigrahe | deśarāṣṭrapuragrāmaniveśādiviśeṣataḥ ||75|| ghoreṣūtpātajāteṣu bhūmau saṃsthāpya girikaiḥ [?] | madhye devīṃ samāvāhya pūjayet trividhāṃ śivām [?] ||76|| sandhyāsu tisṛṣu prāktanakramān no rājānaṃ tathā [?] | kuryād virāvaṃ dviguṇaṃ triguṇaṃ kāmyarūpataḥ [?] ||77|| rājñāṃ vairivirodhena purīm āvāsyaśeṣite [?] | vibhave maṇḍape tasya proktavaj likhen mahat [?] ||78|| durdaśenārcayet tasya madhye devīṃ [?] śuciṣṭhitām | catyagītādibhiḥ sākaṃ sandhyāsu ca viśeṣataḥ ||79|| evaṃ prāgvad dinaiḥ kṛtair vijayī pṛthivīpatir bhavet | vairināśena vā tasya bhaṅgād vāsanato 'pi vā ||80|| tatas taṃ prājayitvā tu bhāle kṛtvā puraṃ baleḥ | pratyāyya deśikaṃ tvagra gajaṃ [?] jitakṣiraṃ sukham [?] ||81|| niḥsapatno nirātaṅkaḥ ṣaḍaṅgaḥ khyātavaibhavaḥ | evam etasya vajrasya vaibhavaṃ ko nu varṇayet ||82||

Als Mahāvajra ist [dieses Yantra] bekannt, überall unbesiegt (aparājita); bei Werken des Sieges, der [Herrschafts-]Säule, der Feindschaft, der Bezwingung und der Vertreibung (uccāṭana) bewirkt es Gedeihen und Befriedung (śānti), ebenso das Bezwingen von Feinden — insbesondere bei Land, Reich, Stadt, Dorf, Siedlung und dergleichen. Bei schrecklichen, [durch] Unglückszeichen (utpāta) entstandenen [Ereignissen] stelle man [es], mit Steinen [beschwert/errichtet] [?], auf dem Boden auf; nachdem man die Göttin in seine Mitte herbeigerufen hat, verehre man die dreifache [Form der] Śivā (Göttin) [?]. An den drei Dämmerungszeiten [rezitiere man] in der zuvor [genannten] Ordnung; [man vollziehe] für den König [?] einen zwei- oder dreifachen Kriegsruf, je nach dem gewünschten Zweck [?]. Wenn bei Königen durch Feindschaft die Stadt bis auf einen Rest der Bewohner [entvölkert] ist [?], zeichne man in dessen prächtigem Pavillon das [Yantra] wie vorgeschrieben, groß [?]. Mit [einem Bild] von übler Erscheinung [des Feindes?] [?] verehre man in dessen Mitte die reinstehende Göttin, zusammen mit Tanz, Gesang und dergleichen, besonders zu den Dämmerungszeiten. So wird, wenn dies für die genannte Anzahl von Tagen ausgeführt wird, der Herr der Erde siegreich — sei es durch die Vernichtung seines Feindes, oder durch dessen Zerschlagung, oder auch durch [dessen] Flucht. Nachdem man ihn (den Feind) sodann hat fliehen lassen, und auf der Stirn [des Yantras/Bildes] die Stadt des Bali(-Opfers) [dargestellt] hat [?], nachdem man den [Lehrmeister/Anführer] überzeugt hat, [stelle man] vorn einen Elefanten [auf], glücklich, den Sieg errungen habend [?]. Ohne Rivalen, unangefochten, [im Besitz] der sechs [Reichs-]Glieder (Minister, Land, Festung, Schatz, Heer, Bündnispartner), von berühmter Machtfülle — wer könnte die Machtfülle dieses Vajra [je vollständig] beschreiben?

Verse 74–82: Wirkungen und rituelle Anwendung des Mahāvajra-Yantras, vor allem im politisch-königlichen Bereich (Sieg über Feinde, Schutz von Land und Stadt bei Unglückszeichen, Abwehrzauber gegen feindliche Könige). Der Kommentar bestätigt „ṣaḍaṅga” (Vers 82) als die sechs Glieder eines Königreichs (Minister, Land, Festung, Schatz, Heer, Bündnispartner) — nur zur Wortklärung herangezogen. Zahlreiche Details (Vers 76–79, u. a. die genaue Zeremonie in Kriegszeiten) sind durch die OCR so beschädigt, dass nur der ungefähre Sinn wiedergegeben werden kann; entsprechend viele [?].

athānyad vajranirmāṇaṃ vidhānaṃ vakṣye tat priye | yena hastagatena syuḥ siddhayo 'pi svahastagāḥ ||83|| prākpratyagdakṣiṇodak ca daśasūtrāṇi pātayet | tenaikāśītikoṣṭhāni jāyante tad athā pūrvavat [?] ||84|| mārjayed daśakoṇeṣu śiṣṭeṣu vilikhet tathā | vikoṇāni caturdikṣu teṣu tāny eva vat pūrvavat [?] ||85|| vilikhed vad viśiṣṭeṣu mantravarṇāṃs tadiśas tathā | ekasmin dvirdvaye śaktiṃ jaṭhare sādhyam ālikhet [?] ||86|| etac ca pūrvamukteṣu viniyuñjyāc chijecchayā [?] | na bhedas tu nayor asti prayogeṣu tu sarvataḥ ||87|| etad vajrasya madhyasthaṃ nāma kṛtvā mahībhujaḥ | tasya hṛdaye taṃ saṃsthāpya samare kṛte ||88||

Nun will ich, Liebe, eine andere Vorschrift zur Herstellung eines Vajra[-Yantras] verkünden, durch das, ist es einmal in der Hand, sogar die Siddhis (übernatürlichen Vollkommenheiten) in die eigene Hand gelangen. In Ost-West und Süd-Nord ziehe man zehn Linien; dadurch entstehen einundachtzig Felder, ebenso [im Weiteren zu behandeln] wie zuvor [?]. In den zehn Eckfeldern lösche man [Felder] aus, in den übrigen schreibe man ebenso; in den vier Himmelsrichtungen bilde man Eckfiguren, [wie] jene ebenso wie zuvor [?]. In den verbleibenden [Feldern] schreibe man die Mantra-Silben, entsprechend jenen Richtungen; in einem [Feld je] zwei-zwei, [und] den Śakti-[Bīja], in die Mitte (den „Bauch”) schreibe man den Namen des sādhya [?]. Und dieses [Yantra] mag man, wie das zuvor genannte, nach Belieben einsetzen [?]; zwischen den beiden [Yantras] besteht bei den Anwendungen kein Unterschied. Nachdem man in der Mitte dieses Vajra den Namen eines Königs (mahībhuj) angebracht hat, [und ihn] in dessen Herz[feld] eingesetzt hat, wenn eine Schlacht bevorsteht …

Konstruktion eines zweiten, einfacheren Vajra-Yantras (Zehn-Linien-Gitter mit 81 Feldern statt des komplexeren Mahāvajra), das laut Vers 87 dieselbe Wirkkraft wie das erste besitzt. Die konkreten geometrischen und mantrischen Details (Vers 84–86, 88) sind durch die extrem schlechte OCR nur ungefähr rekonstruierbar; die Kernaussagen (81 Felder durch zehn Linien je Richtung, Einschreiben von Mantra-Silben und Name des Zielobjekts bzw. eines Königs) sind aber gesichert.

nihatya vāhanān śatroś caturaṅgaṃ mahībhujaḥ | akṣatārogasarvāṅgo yaśolakṣmīghanāśritaḥ ||89|| nityaṃ suciraṃ jīved bhogī bhūmau nijecchayā | etat tāmratale kṛtvā sthāpayed abhivṛddhaye ||90||

Nachdem man das vierteilige Heer (Elefanten, Wagen, Reiterei, Fußvolk) des feindlichen Königs samt seinen Reittieren geschlagen hat, [bleibt man selbst] an allen Gliedern unversehrt und gesund, von reichlichem Ruhm und Glanz (Lakṣmī) begleitet, und lebt beständig, sehr lange, nach eigenem Willen als Genießender auf Erden. Nachdem man dieses [Yantra] auf eine Kupferplatte graviert hat, bewahre man es auf, zur [fortwährenden] Mehrung [dieser Früchte].

Abschluss des Abschnitts über das zweite Vajra-Yantra: Kriegserfolg, Unversehrtheit, Ruhm, langes Leben; Anweisung, das Yantra auf eine Kupferplatte zu gravieren.

vidhāya hṛttayor madhye ṣaṭkoṇaṃ tasya madhyataḥ | bāhyaṃ kṛtvā ca vidyāyā bījam ādyaṃ tathāntimam [?] ||91|| ṣaṭsu koṇeṣu tu punar agrapaścimayor likhet | ekaikaṃ pārśvakoṇeṣu dve dve tadantarā punaḥ [?] ||92|| mātṛkāṃ vilikhed ādihrasvāntāṃ bindusamanvitam | madhyabījasya madhyasthaṃ likhet taṃ nijavāñchitam ||93|| [?] kumārīṇām idaṃ bhujaṅge [?] | kare vā dhārayet sadyo vallabhā tasya jāyate ||94|| svaraprasāritair mantraiḥ padmāni kārayet | dattāṣṭapatrayuktāni ṣoḍaśāni manoharam ||95||

Nachdem man zwischen zwei Kreisen [?] in der Mitte ein Sechseck gezogen und [das Ganze] nach außen [durch einen Umkreis?] eingefasst hat, [schreibe man] die erste und ebenso die letzte Keimsilbe (bīja) der Vidyā. In den sechs Ecken wiederum schreibe man je eine [Silbe] in der vorderen und der hinteren [Ecke]; je eine an den Seitenecken, [und] je zwei-zwei wiederum dazwischen [?]. Man schreibe die Mātṛkā (das Alphabet) vom ersten bis zum letzten Kurzvokal, versehen mit dem Bindu (Anusvāra-Punkt); in die Mitte der mittleren Keimsilbe schreibe man das, was man sich selbst wünscht. [Für] Mädchen (kumārī) [?] — trägt man dies am Arm oder in der Hand, wird einem sogleich ein[e] Geliebte[r] zuteil. Mit durch ihre Vokale gedehnten (verlängerten) Mantras lasse man Lotos[-Diagramme] anfertigen, mit je acht gegebenen Blütenblättern versehen, sechzehn an der Zahl, reizvoll [anzuschauen].

Neuer Abschnitt: ein „Glücksbringer”-Yantra (im Kontext offenbar ein Liebes-/Wunscherfüllungs-Amulett) mit einem Sechseck-Diagramm sowie sechzehn achtblättrigen Lotos-Diagrammen (Verse 95 leitet zum folgenden Abschnitt über). Vers 94 ist am Anfang stark verderbt (Bezug zu „kumārī” unklar); Vers 91–92 (genaue geometrische Anordnung) bleibt in Details unsicher.

karṇikāsu ca patreṣu likhed ekaikam akṣaram | karṇikāyās tu madhye kuryān nāma nijepsitam ||96|| ghaṭikākṣarasaṃyuktaṃ viniyuñjyāt tu nityaśaḥ | ahorātraṃ ṣoḍaśadhā kṛtvā tāṃ teṣu yojayet ||97|| samastaṃ vāñchitaṃ tattat tanmadhye vilikhet tadā | dhārayed abhiṣiktaṃ ca japitādhyarthasiddhaye [?] ||98|| prākpratyagdakṣiṇodak ca pañca sūtranipātanāt | koṣṭhāni ṣoḍaśāni syus teṣu padmāni kārayet ||99|| prāguktesu vidhāyaivam arcayed yāmataḥ kramāt | devīṃ tu sthāpayed ubhe [?] sarvasampadavāptaye ||100|| [?] tattvamayī [vyāptir/vyādhir] iti samyak samīritā [?] | asyā niṣphālanāc citte tat tat svātmasāt kṛtam [?] ||101||

In die Pericarpien (karṇikā) und die Blütenblätter schreibe man je eine Silbe; in die Mitte der Pericarpie aber setze man den Namen dessen, was man sich selbst wünscht. Verbunden mit der Silbe der [jeweiligen] Zeiteinheit (ghaṭikā) wende man [dies] beständig an; nachdem man Tag und Nacht in sechzehn [Abschnitte] geteilt hat, ordne man jenes [Lotos-Set] diesen [Abschnitten] zu. Alles, was man sich jeweils wünscht, schreibe man dann in dessen Mitte; man trage es, geweiht und besprochen, zur Erfüllung des erstrebten Zieles [?]. Durch das Ziehen von je fünf Linien in Ost-West und Süd-Nord entstehen sechzehn Felder; in diese lasse man Lotos[-Figuren] anfertigen. Nachdem man [dies] wie zuvor genannt eingerichtet hat, verehre man [es] der Reihe nach, zu jeder Nachtwache; die Göttin aber stelle man an beiden [Orten/Zeiten? — unsicher] auf, zur Erlangung allen Wohlergehens. [Diese Kraft], aus dem Element [?] bestehend, wird [so], als [eine Art von Krankheit/Durchdringung — unsicher], zutreffend beschrieben [?]; durch die bloße Berührung dieser [Kraft] am Herzen wird dies und jenes [Erstrebte] einem zu eigen gemacht [?].

Verse 96–100: Fortsetzung des Lotos-Yantras, dessen sechzehn Felder den sechzehn Zeiteinheiten (ghaṭikās) von Tag und Nacht zugeordnet werden, mit Einschreibung des jeweils Erwünschten — ein allgemeines Wunscherfüllungs-Yantra. Vers 101 (der abschließende Preisvers der Wirkkraft dieser Vidyā) ist im Original derart zerstört, dass zwei ganz verschiedene Lesarten des ersten Halbverses im Text erscheinen (an einer Stelle „yonitattvamayī vyāptiḥ”, an anderer „vāyutattvamayī vyādhiḥ” — dieselbe Verszahl 101 erscheint auffälligerweise auch scheinbar am Ende des vorangehenden 11. Kapitels wieder, vermutlich eine Formel, die in dieser Ausgabe mehrfach vorkommt oder ein Digitalisierungs-Dopplungsartefakt ist); eine sichere Übersetzung des ersten Halbverses ist nicht möglich, daher vollständig mit [?] markiert. Der zweite Halbvers (die Wirkung durch bloße Berührung/Betrachtung im Herzen) ist sinngemäß, aber ebenfalls nicht wortwörtlich gesichert. Damit endet im Śrī-Ṣoḍaśanityā-Tantra, in der Kādi-Lehrtradition, das zwölfte Kapitel, vollständig; ein im Kolophon folgendes weiteres Wort (etwa „parārdhyaṣṭam”, evtl. eine Vers- oder Abschnittszählung) bleibt unklar und wurde nicht übersetzt.

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