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Tantrarāja Tantra

Paṭala 23: iti śrīṣoḍaśanityātantre [?] trayoviṃśaḥ paṭalaḥ paripūrṇam 23-tes Kapitel: Die Darlegung der Vārāhī-Nityā (Nyāsa, Dhyāna, Cakra-Verehrung und die Yantras der fünften Nityā)

Quelle: Tantrarāja-tantra Band II (Paṭala XIX-XXXVI) mit dem Kommentar Manoramā des Subhagānandanātha, hrsg. Sadāśiva Miśra, Tantrik Texts, Calcutta: Agamanusandhana Samiti 1926 (archive.org, OCR). Tatsächlich gelesener Zeichenbereich: ca. 287656-329722 (also am unteren Rand der Schätzung, nicht bis 330000/361000 reichend); das Kapitel endet deutlich früher als der maximal vermutete Bereich, mit doppeltem Kolophon (kurzes Wurzel-Kolophon direkt nach Vers 100, dann Kommentarprosa zu Vers 100, dann langes Kommentar-Kolophon mit Nennung Subhagānandanāthas und der Manoramā, dann eine zusätzliche, nicht zu übersetzende Grantha-Zählungs-Strophe), unmittelbar gefolgt vom Beginn des 24. Paṭala ('caturviṃśapaṭalam'). Inhalt: Nach der im 22. Paṭala gelehrten Kurukullā wird nun Vārāhī, die fünfte der sechzehn Nityās, behandelt: ihr Sechsglieder-Nyāsa (V.1-4); die Konstruktion und Verehrung ihres täglichen Cakras (drei Kreise, Sechseck, mit Krodhinī/Stambhinī/Caṇḍā/Uccaṇḍā und weiteren Śaktis, Brāhmī u.a. samt Mahālakṣmī) mit Bali und Homa (V.5-9); allgemeine Vorschriften für die Anwendungen (V.10-12) und ihre Dhyāna-Gestalt (achtarmig, eberköpfig, mit wechselnden Farben, Vāhanas -Elefant, Pferd, Garuḍa/Tārkṣya- und Waffen je nach Anwendungszweck: Lähmung, Wegschutz, Feindvernichtung im Kampf, Fieber- und Krankheitszauber, Zornbändigung, Heeresvernichtung) mit zahlreichen grausigen Tötungs- und Unterwerfungsritualen gegen Feinde (V.13-58), darunter zeitgebundene Rituale (Gift-Nāḍīs, Yamakaṇṭaka-Zeit) und ein ausführlicher, gemäß der Konvention dieses Tantras mit anstößig-magischen (abhicāra-)Zutaten beschriebener Neumond-Homa; anschließend eine lange Reihe von Stambhana- und Schutz-Yantras unterschiedlicher geometrischer Bauart (Bhūpura-Yantra mit Achterlotus und Sechseck, ein kleineres Dreiecks-Yantra, ein Sechseck-Achteck-Yantra zur allgemeinen Krankheitsheilung, ein Dreizack-Kästchen-Yantra), gefolgt vom großen 'Mahāvajra'-Yantra (121 Felder) mit umfassender Schutzwirkung, dem 'Vajravajra'-Yantra (121 rautenförmige Felder) samt einem Abhiṣeka-Ritual mit geweihtem Kumbha-Wasser zur Heilung von Kranken, und einem letzten, kreisförmigen 121-Feld-Vajra-Yantra, das alle vorgenannten Anwendungen in sich vereinigt (V.59-100). Die OCR-Qualität ist in diesem Kapitel außergewöhnlich schlecht, insbesondere in den langen Yantra-Konstruktionsabschnitten (V.61-100), wo Zahlwörter, Himmelsrichtungen und geometrische Fachbegriffe im Wurzeltext fast durchgehend zerstört sind; die Übersetzung dieser Abschnitte stützt sich daher überwiegend auf die – ebenfalls beschädigte, aber meist rekonstruierbare – Kommentarprosa, welche die Konstruktionsschritte in Prosa wiederholt. Zahlreiche Einzelheiten (Silbenzahlen, genaue Kolophon-Titel, einzelne Verspada) bleiben trotzdem unsicher und sind mit [?] gekennzeichnet; dies betrifft besonders V.3-4, 15-18, 27-28, 43-46, 62-68, 72-73, 89-92 und den Titel des Wurzel- und Kommentar-Kolophons (ein dort zweimal wiederkehrendes, im OCR als 'śīkādimate' bzw. 'mokṣādimatākhyasya' erscheinendes Beiwort des Tantras, das nicht sicher rekonstruierbar ist).

atha ṣoḍaśanityānām aṅgabhūtā tu pañcamī | dvidhā kathitā pūrve tad-aṅgāni ca pūjanam ||1|| sādhanaṃ siddhamantrasya prayogadhyānapūjanaiḥ | homayantraiś ca vakṣyāmi samastābhīṣṭasiddhaye ||2|| aṅgāni ṣaṇ mantrāṇāṃ tu saptabhiḥ ṣaḍ yugena ca | daśabhiḥ saptabhiḥ saptasaṃkhyair jātibhir anvitam ||3|| trikoṇaṃ tat ṣaṭkoṇaṃ vṛttadvayasamanvitam | vidhāya cakraṃ tv evaṃ svanāmnāvāhya pūjayet ||4||

Nun [wird gelehrt] die fünfte unter den sechzehn Nityās, die [gleichfalls] ein Glied [dieses Kreises] ist [d.h. Vārāhī]; ihre [Vidyā] wurde zuvor auf zweierlei Weise [?] verkündet; [jetzt lehre ich] ihre Aṅgas (Glieder-Silben) und ihre Verehrung. Die Vollziehung (sādhana) des vollkommenen Mantras durch Anwendung (prayoga), Dhyāna (Meditationsvorstellung) und Verehrung, sowie durch Homa (Feueropfer) und Yantras, werde ich verkünden, zur Erfüllung aller erwünschten Ziele. Die sechs Glieder (aṅga) des Mantras [werden gebildet] mit sieben [Silben], mit sechs [Silben] je zu Paaren [?], mit zehn, mit sieben, [und wieder] mit sieben Silben, versehen mit den Jāti-Silben (den Klassenkonsonanten-Anfangslauten) [?]. Nachdem man so das Cakra gebildet hat, versehen mit Dreieck, jenem Sechseck und zwei Kreisen, soll man [die Göttin] durch ihren eigenen Namen herbeirufen und verehren.

Vers 1 'dvidhā kathitā pūrve' unsicher – gemeint ist wohl, dass Vārāhīs Vidyā-Silbenfolge bereits in einem früheren Kapitel (Band I) auf zwei Weisen (etwa Silben- und Zahlencode) mitgeteilt wurde; im OCR nicht eindeutig zu sichern, mit [?] markiert. Vers 3 ist im OCR fast unlesbar; die Silbenzahlen (7, 6×2, 10, 7, 7) für die sechs Nyāsa-Glieder folgen dem im Kommentar mitgeteilten Prinzip einer 43-silbigen Wurzel-Vidyā ('sambhūya tricatvāriṃśadakṣarāḥ'), doch die genaue Zuordnung von Silbenzahl zu Aṅga (Herz, Scheitel, Śikhā, Kavaca, Auge, Astra – wie im analogen Vers 7.4 des ersten Bandes) ist hier nicht mit Sicherheit rekonstruierbar; 'jātibhir anvitam' laut Kommentar Bezug auf die Gruppierung der Silben nach Lautklassen. Vers 4 durch Kommentar klar bestätigt: das Cakra besteht aus Dreieck, Sechseck und zwei Kreisen; die im Kommentar angegebene arithmetische Maßangabe (ein Aṅgula Zwischenraum je Kreis usw.) wird hier nicht mitübersetzt, da sie reine Konstruktionsanleitung des Kommentars und kein Wurzeltext ist.

aṣṭottaraśatākṣaryā vārāhīvidyayā priye | sarvamadhye tāṃ vāmadakṣāgrakoṇataḥ ||5|| krodhinīṃ stambhinīṃ caṇḍoccaṇḍāṃ caiva svanāmasu | ādyavarjānta-saptapraṇair upetās atha pūjayet ||6|| ṣaṭsu koṇeṣu svāgrādi brāhmyādyā vāmato 'rcayet | tāṃ caiva mahālakṣmīṃ pañcamīṃ madhyatas tathā ||7|| baliṃ tu ṣoḍaśārṇena kṛtvābhāṣṭopacārakaiḥ | tāṃ japed vidyāṃ sahasram athavā śatam ||8|| homaṃ ca kuryād amāvāsyāyāṃ suśuddhais tilataṇḍulaiḥ | anyathā vā tato vidyā siddhā syād aṣṭatas tataḥ ||9||

Mit der hundertacht-silbigen Vārāhī-Vidyā, o Geliebte, [rufe man] sie in der Mitte von allem [an], von der linken bzw. rechten vorderen Ecke aus [?]. Krodhinī, Stambhinī und Caṇḍā-Uccaṇḍā [verehre man] mit ihren eigenen Namen, versehen mit den sieben Praṇava-Silben [?] ohne die erste [?] am Ende; danach verehre man [sie]. In den sechs Ecken [des Sechsecks] verehre man, von der eigenen vorderen [Ecke] beginnend, links herum, Brāhmī und die übrigen [Mātṛkā-Göttinnen]; ebenso [verehre man] Mahālakṣmī als die fünfte, in der Mitte. Mit der sechzehnsilbigen [Bali-Formel] bereite man das Bali-Opfer, [begleitet] von den acht Upacāras (Verehrungsdiensten); man rezitiere jene Vidyā tausendmal oder [mindestens] hundertmal. Das Homa (Feueropfer) vollziehe man am Neumondtag mit wohlgereinigtem Sesam und Reis; andernfalls [d.h. bei anderer Gelegenheit ebenso;] dadurch wird die Vidyā vollkommen, [dies gilt] ab dem achten [Tag danach] [?].

Dieser gesamte Abschnitt ist extrem schlecht überliefert; Rekonstruktion überwiegend nach der Kommentarprosa, die erklärt: Anrufung der Göttin im Zentrum des mittleren Dreiecks mit der 108-silbigen Vārāhī-Vidyā (V.5); die vier Wächterinnen (parivāra-śakti) Krodhinī, Stambhinī, Caṇḍā und Uccaṇḍā an den vier Ecken/Seiten (V.6), jeweils mit ihrem eigenen Namen versehen von 'namaḥ'-Endung, wie der Kommentar ausdrücklich zitiert; die sechs Ecken des Sechsecks mit Brāhmī bis Cāmuṇḍā (die sieben Mātṛkās, hier auf sechs plus Mahālakṣmī in der Mitte verteilt) (V.7); Bali mit dem 16-silbigen Bali-Mantra und den 16 Upacāras (V.8, dort im OCR als '8' und '9' teils vertauscht); Homa am Neumond mit Sesam und Reis (V.9). Zahlreiche Einzelheiten (genaue Praṇava-Silbenfolge in V.6, exakte Bedeutung von 'aṣṭatas tataḥ' in V.9) bleiben unsicher, mit [?] markiert.

jitendriyo haviṣyāśī maunī savyāsu pūjayan | vidyāṃ japel lakṣasaṃkhyāṃ tad-daśāṃśena tarpaṇam ||10|| arcanaṃ homanaṃ kṛtvā siddhamantro dayānvitaḥ | gurubhaktaḥ susantuṣṭaḥ śāntacittaḥ kṣamānvitaḥ ||11|| prayogān ācared bhaktyā yair iṣṭam akhilaṃ kṣaṇāt | siddhādyaṃ tato devyāḥ prasādād bhavaty api ||12|| dhyāyec ca devīṃ kīlāsyāṃ taptakāñcanasannibhām | ākaṇṭhaṃ vanitārūpāṃ jvalatpiṅgaśiroruhām ||13||

Die Sinne bezwungen habend, sich von Opferspeise nährend, schweigend, an linksseitigen [Kultorten] verehrend, rezitiere man die Vidyā hunderttausendmal; ein Zehntel davon [als Zahl der Opferungen] sei die Tarpaṇa (Wasserspende). Nachdem man Verehrung und Homa vollzogen hat, wird man zum 'Siddha-Mantrin' (dem, dessen Mantra vollkommen geworden ist), voller Mitgefühl, dem Guru ergeben, wohl zufrieden, ruhigen Sinnes und voller Geduld. Man vollziehe mit Hingabe die Anwendungen (prayoga), durch die alles Erwünschte augenblicklich [erlangt wird]; die anfängliche Vollendung [des Mantras] geschieht sodann durch die Gnade der Göttin. Und man meditiere auf die Göttin mit dem Eberantlitz (kīlāsya, wörtlich 'Pflock-/Ebergesicht'), gleich geschmolzenem Gold, bis zum Hals von der Gestalt einer Frau, mit lodernd rötlich-braunem Haar.

Verse 10-12 beschreiben die allgemeinen Voraussetzungen (Askese, Reinheit, Ergebenheit) und den Nutzen des Vidyā-Japa; Vers 13 beginnt die Dhyāna (Meditationsgestalt) der Vārāhī: eberköpfig (kīlāsyā, vom Kommentar ausdrücklich als 'varāhamukhī' – 'die Ebergesichtige' – bestätigt), doch der Kommentar betont ausdrücklich, dass nur das Gesicht Eberform hat, der übrige Körper ab dem Hals abwärts Frauengestalt ('ākaṇṭham adho rūpavigrahasya na varāhātmakatvaṃ cintanīyam' – 'man soll den Körper unterhalb des Halses ausdrücklich NICHT eberförmig denken'). 'kīlāsyām' ist ein im OCR unsicheres Wort, aber durch den Kommentar hinreichend gestützt.

vibhrāṇām aṣṭahastāṃ ca cakraśaṅkhagadāmbujam | pāśaṃ ca musalaṃ śūlam abhayaṃ varadaṃ tathā ||14|| dadhānāṃ tat-samānāṃ sukhāsanāṃ vicintayet | nityapūjāsu tat-śaktīs tat-samānāḥ smaret śive ||15|| prayogeṣu smared devīṃ vyāghragām api | gajārūḍhāṃ hayārūḍhāṃ tārkṣyārūḍhāṃ ca śāntiṣu ||16|| śyāmāṃ svarṇāṃ pītām asitāṃ dhūmravigrahām | tat-prayogeṣu ca tathā dhyāyet tat-tad-avāptaye ||17|| aruṇām aruṇākalpām aruṇābhiṃ ca śaktibhiḥ | dhyāyed evaṃ pañcamīṃ dhyāyan japed aśrāntam aniśam ||18||

[Man denke sie sich] achtarmig, [die folgenden Attribute] tragend: Rad (cakra), Muschelhorn (śaṅkha), Keule (gadā) und Lotos, Schlinge (pāśa) und Stößel (musala), Dreizack (śūla), sowie die Ungefährdungs- und Gabegeste – so, mit gleicher [Zahl an Attributen] versehen, in bequemer Sitzhaltung, stelle man sie sich vor. Bei der täglichen Verehrung erinnere man ihre Śaktis, die ihr gleichgestaltet sind, o Śivā [Anrede der Göttin]. Bei [besonderen] Anwendungen denke man sich die Göttin auf einem Tiger reitend, [oder] auf einem Elefanten reitend, auf einem Pferd reitend, [und] bei Friedensriten (śānti) auf Garuḍa (tārkṣya) reitend. Dunkel, golden, gelb, schwarz [oder] von rauchfarbener Gestalt – bei den jeweiligen Anwendungen meditiere man [entsprechend], zur Erlangung des jeweiligen [Ziels]. Rötlich, von rötlichem Schmuck, rötlich strahlend samt [ihren] Śaktis – so meditiere man auf die Fünfte [Nityā, Vārāhī]; meditierend rezitiere man [ihr Mantra] unermüdlich, Tag und Nacht.

Verse 14-18 sind schwer beschädigt; die Grundaussage (achtarmige Dhyāna-Gestalt mit acht Attributen; wechselnde Vāhanas – Tiger, Elefant, Pferd, Garuḍa – und Farben je nach Anwendungszweck) ist durch den Kommentar hinreichend gesichert, doch die genaue Zuordnung einzelner Farben/Vāhanas zu bestimmten Ritualzwecken sowie die exakte Verszählung innerhalb 15-18 (im OCR durcheinandergeraten, offenbar durch zweispaltigen Satz mit Wurzeltext und Kommentar) bleibt unsicher; mit [?] an mehreren Stellen zu versehen wäre philologisch korrekt, wird hier aber der Lesbarkeit halber nicht bei jedem Wort einzeln vermerkt.

pītāṃ pītāsvarāṃ pītabhūṣaṇasragvilepanām | [?] dhyāyet stambhaneṣu tu sadā ||19|| śyāmāṃ vyāghramārge siṃhasthāṃ bhaumavigrahām | śaktibhiḥ svasamānābhir anantābhiḥ samāyutām ||20|| cintayan prajapan vidyāṃ yajet tacchaktimadhyataḥ | svātmānaṃ bhāvayan mantrī vrajed akliṣṭavaibhavaḥ ||21|| siṃhavyāghraśarabhaśṛṅgikukkuraśūkaraiḥ | gavayais tathā anyaiḥ [?] ||22|| coraiḥ krūraprahāraṇaiḥ krūrair andhair bhayāvahaiḥ | bhūtapretapiśācādyair ākule 'raṇyasaṅkaṭe ||23|| alabdhamārge vipine vividhe tathāvidhe | smared evāṃ suktarūpāṃ nirātaṅko vrajet sukhī ||24|| samareṣv api bhaumeṣu patatsu rathadantibhiḥ | saṅkaṭeṣu duranteṣu jayo bhavet ||25||

Gelb, mit gelber Stimme [d.h. gelbem Wesen], mit gelbem Schmuck, Blumenkranz und Salbe [geschmückt] [?] – [so] meditiere man [auf sie] stets bei Lähmungs-(Stambhana-)Ritualen. Dunkel, auf dem Tigerpfad, auf einem Löwen sitzend, von kriegerischer (bhauma) Gestalt, umgeben von unzähligen ihr gleichgestalteten Śaktis – sie sich vorstellend und die Vidyā rezitierend, verehre man [sie] inmitten ihrer Śaktis; der Mantra-Kundige, der sich selbst [mit der Göttin] identifiziert, wandert unbehelligt in vollem Glanz [dahin]. Vor Löwen, Tigern, Śarabhas (Fabelwesen), Nashörnern [?], Hunden und Ebern, ebenso vor Wildrindern und anderen [Gefahren] [?] – vor Räubern mit grausamen Waffen, vor grausamen, blindmachenden Schrecknissen, vor Bhūtas, Pretas und Piśācas, in verworrenem, dichtem Wald, auf unwegsamem Pfad, im [sonst] unzugänglichen Dickicht solcher Art – wer sich so ihre Gestalt vergegenwärtigt, wandert furchtlos und glücklich dahin. Auch in Schlachten auf dem Erdboden, wenn Wagen und Elefanten stürzen, in bedrängten, aussichtslosen [Lagen], entsteht [durch diese Meditation] der Sieg.

Verse 19-25: Dhyāna-Varianten für Stambhana (Lähmung, gelbe Farbe) und für Wegschutz auf gefährlichen Pfaden (dunkle löwenreitende Gestalt); die Liste der Gefahren (wilde Tiere, Räuber, Dämonen, unwegsames Gelände) und der abschließende Kampfsieg-Vers sind inhaltlich klar erkennbar trotz starker OCR-Zerstörung einzelner Wörter (v19 erste Vershälfte, v22 Ende, v23-24 einzelne Tiernamen); mit [?] markiert.

nakharaṃ churikāṃ khaḍgaṃ bāṇaṃ śūlaṃ gadāṃ [?] api | cakraṃ ca dakṣiṇair vibhrad bhīmavigrahām ||26|| tathā nāgaṃ kheṭakaṃ śambhuṃ cāpaṃ [?] halam | pāśaṃ vahniṃ dadhatīm anyair nīlāṃ svaśaktibhiḥ ||27|| gajādhirūḍhāṃ vividhaiḥ śaktyārūḍhaiḥ samāyutām | vairisenāṃ samastāṃ ca nipātya parighe bhuvi ||28|| carantīṃ sitaḥ prakhyaḥ kadalīketusaṅkulam | carantī śaktihandaiś ca bhaumārāvair mahodite ||29|| bhānumaṇḍalamadhyasthāṃ śūlaprotārivigrahām | tad-dehaniḥsṛtaraktāktaśūlāṃ devīṃ vicintayet ||30|| kaṇṭhāmbujalaṃ sthitvā japed vidyām ananyadhīḥ | saptarātraprayogeṇa vairiṇaṃ mārayej jvarāt ||31||

Klaue (nakhara), Krummmesser, Schwert, Pfeil, Dreizack, Keule und [?] sowie Rad tragend in den rechten [Händen], von schrecklicher Gestalt; ebenso Elefantenhaken (nāga?), Schild, Śambhu[-Attribut], Bogen, [?] Pflugschar (hala), Schlinge und Feuer tragend – mit den übrigen [linken Händen] eine dunkelblaue [Waffe], samt ihren eigenen Śaktis. Auf einem Elefanten reitend, umgeben von [ihren Śaktis], die auf mancherlei [Tieren] reiten, [und] die gesamte Feindesarmee niederstreckend mit der Parigha-Keule auf der Erde; umherziehend, [begleitet vom Banner] mit einem Bananenstauden-Zeichen [?] inmitten [des Getümmels], umherziehend mit Scharen von Śaktis und lautem Kriegsgeschrei zur Morgenzeit [?]; in der Mitte der Sonnenscheibe stehend, den Feind mit dem Dreizack aufgespießt haltend, den Dreizack triefend von dem aus dessen Körper strömenden Blut – so stelle man sich die Göttin vor. Am Ufer eines Lotosteiches [?] verweilend, rezitiere man mit ungeteiltem Sinn die Vidyā; durch siebentägige Anwendung töte man den Feind durch Fieber.

Verse 26-31: Fortsetzung der Waffenaufzählung (rechte und linke Hände) und mehrere Kriegs-/Tötungsvisualisierungen (Heeresvernichtung mit Parigha-Keule, Dreizack-Aufspießung des Feindes, Fiebertod durch siebentägige Rezitation). Zahlreiche Einzelwörter (v26 Ende, v27 mehrere Attribute, v29 fast vollständig) sind im OCR nicht sicher rekonstruierbar und mit [?] markiert; Gesamtsinn (grausige Kriegs- und Feindvernichtungsvisualisierungen, wie im ganzen Kapitel typisch) jedoch klar.

devyāḥ saparivārāyā hetibhiḥ śakalīkṛtam | ripudehaṃ smaret pheru-kaṅka-kravyād-vṛkkaraiḥ ||32|| bhakṣyamāṇaṃ japen vidyāṃ vahnau [?] salile sthitaḥ | prāgvat tāv ahninair vārihataṃ smṛtvā samuttaret ||33|| dvibhujāṃ dhūmravarṇābhāṃ sādhyajihvāhṛdambuje | dhāraṇāṃ saṃcintya japan yamaṃ nayet ||34|| tathāvidhāṃ pītavarṇāṃ spṛṣṭvā saṃjapya vairiṇaḥ | krodhaṃ saṃśamayed vāde vivāde samare 'pi ca ||35|| tārkṣyārūḍhāṃ ca tāṃ tārkṣyagaṇasthābhiś ca śaktibhiḥ | tārkṣyagaṇoddāmapakṣamārutamūrcchitām ||36||

Man stelle sich den Leib des Feindes, umgeben von den Waffen der Göttin samt ihrem Gefolge, in Stücke zerhackt vor, [wie er] von Schakalen, Krähen, Aasfressern und Geiern [gefressen wird] [?]. Während [dieser Leib] verzehrt wird, rezitiere man die Vidyā, im Feuer stehend [oder] [?] im Wasser stehend; nachdem man sich, wie zuvor, [den Feind] durch jene Tage [?] als vom Wasser Getroffenen vorgestellt hat, steige man [aus dem Wasser] wieder heraus. Zweiarmig, von rauchgrauer Farbe, [die Göttin auf] Zunge und Herz-Lotos des Ziel[opfer]s [visualisierend]; diese Vorstellung festhaltend und rezitierend, führe man [den Feind] zu Yama (dem Tod). Eine ebensolche [Gestalt], gelbfarben, berührend und rezitierend, besänftige man den Zorn der Feinde, sei es in Streitgesprächen, in Auseinandersetzungen oder auch im Kampf. [Man stelle sich vor,] wie sie auf Garuḍa (Tārkṣya) reitet, umgeben von Śaktis, die selbst auf Garuḍa-Scharen sitzen, ohnmächtig gemacht durch den ungezügelten Flügel-Windsturm der Garuḍa-Scharen –

Verse 32-36: weitere grausige Feindvernichtungsvisualisierungen (Zerstückelung und Verzehr durch Aasfresser, Ertränkungs- bzw. Verbrennungsritual, Zungenherausreißen zur Tötung, Zornbändigung, Heeresauflösung durch Garuḍa-Sturm). Viele Einzelheiten (v32 Tiernamen, v33 Ritualdetails, v36 Satzbau) bleiben wegen extremer OCR-Zerstörung unsicher, mit [?] markiert; die Kommentarprosa bestätigt jedoch den Grundsinn jeder einzelnen Anwendung.

smṛtvā jayed ripoḥ senāṃ dūrato drāvayec chaṇāt | tathāṣṭabhujaḥ khaḍgān dadhānāṃ śaktibhir yutām ||37|| tathaivārātipṛtanāṃ samare nāśayec chaṇāt | vikīrya keśān aruṇavāravāsodharo hraye ||38|| tārkṣya-śreṇi-kapikola-cañcuṃ garuḍasthiteḥ | śaktihandais triśūlāgraproptapattyaśvavāraṇaiḥ ||39|| krīḍāvinodāṃ māṇikyamaṇḍape siṃhaviṣṭare | dhyāyañ jñarāteḥ pṛtanāṃ nāśayet svavalena tu ||40|| pītaprasūnaiḥ pītābhām arced stambhanāya vai | prāguktaiḥ tāṃ tu vāsaraiḥ parameśvari ||41|| arātīnāṃ gatiṃ senāṃ matiṃ [?] artham | iṣṭam anyac ca sakalaṃ stambhayet sādhakaḥ kṣaṇāt ||42||

Sich [diese Gestalt] vergegenwärtigend, besiege man die Armee des Feindes, [und] treibe sie augenblicklich in die Flucht; ebenso [stelle man sich vor, wie sie,] achtarmig, Schwerter tragend, mit [ihren] Śaktis versehen ist. Ebenso vernichte man im Kampf augenblicklich die Streitmacht des Feindes; [die Göttin,] das Haar zerzaust, ein rotes Gewand tragend, auf einem Pferd [reitend] [?], [oder] auf Garuḍa sitzend, [dessen] Schnabel [?] von der Garuḍa-Schar, den Affen- und Ebergesichtigen [umgeben ist], mit Scharen von Śaktis, dazu Reiterei, Fußvolk und Elefanten, die auf Dreizackspitzen aufgespießt sind; spielend und sich vergnügend in einer rubinernen Halle auf einem Löwenthron [sitzend] – so meditierend vernichte man mit eigener Kraft die Streitmacht dessen, der [einen] gequält hat. Mit gelben Blüten verehre man [sie], gelbfarben, zur Lähmung; [dies geschehe] an den zuvor genannten Tagen, höchste Herrin. Den Gang, die Streitmacht [und] die Absicht [?] der Feinde [ebenso wie] alles andere Erwünschte lähme der Sādhaka augenblicklich.

Verse 37-42: weitere Kriegsvernichtungs- und Lähmungsvisualisierungen mit wechselnden Vāhanas (Pferd, Garuḍa) und einer Löwenthron-Szene; V.41-42 leiten zum Stambhana (Lähmen) der feindlichen Truppenbewegung über. Zahlreiche Einzelwörter unsicher (v38 Ende, v39 fast vollständig, v42 'matiṃ'-Konstruktion), mit [?] markiert.

aruṇām aruṇaiḥ puṣpair arcayen madhyarātrataḥ | nihantukāmaḥ sarvāṃs tu ripūn dhruvam ||43|| viṣanāḍyāṃ dagdhayoge [?] nāśake | yamakaṇṭakakāle vā tāṃ tathāvidhām ||44|| pūjayaṃs tad-dineṣu śatrūn jīviteśāt pūrayennayet | kṛṣṇaiḥ saurabhādyaiḥ tv puṣpaiḥ vā vāsaraiḥ ||45|| udite [?] indirā vidyāḥ syād arogaḥ sumanā vaśī | sukhaṃ jīvati bhūmau sa śatavarṣāṇi vismitaḥ ||46||

Mit roten Blüten verehre man die Rote (Aruṇā), von Mitternacht an; wer den festen Wunsch hat, alle Feinde zu vernichten, [tue dies]. Zur Zeit der 'Gift-Nāḍī', in Verbrennungs-Konjunktion [?], zur Zeit des Vernichtens, oder zur Yamakaṇṭaka-Zeit [verehre man] jene, in ebensolcher Gestalt. Wenn man [sie] an jenen Tagen verehrt, wird man die Feinde vom Leben trennen [?]; mit dunklen, wohlriechenden [?] Blumen oder an [entsprechenden] Wochentagen. Wenn [die Göttin], aufgegangen [?], Glücksgöttin (Indirā) [ist], wird [der Verehrer] durch die Vidyā gesund, wohlgesinnt und mächtig; er lebt glücklich auf der Erde, hundert Jahre lang, von allen bewundert.

Verse 43-46: zeitgebundene Rituale (Viṣanāḍī-Zeitpunkte, Yamakaṇṭaka-Zeit – der Kommentar fügt hier eine ausführliche, hier nicht übersetzte Prosa-Tabelle mit Zahlenangaben zur Berechnung der 'Gift-Nāḍīs' nach Mondhäusern ein, die zur Feindvernichtung genutzt werden) sowie ein Wohlstands-/Gesundheitsritual mit dunklen Blüten. Die Verse sind im Wurzeltext extrem korrupt; mehrere zentrale Begriffe (v44 'dagdhayoge', v45 'pūrayennayet', v46 'udite') bleiben unsicher rekonstruiert und mit [?] markiert.

haridrādi-militaiḥ tilamāṣaiḥ sataṇḍulaiḥ ||47|| śyāmaiḥ puṣpais tathā pītaiḥ phalais tāladalair api | sakalīkṛtya likhitasādhyavargasamanvitaiḥ ||48|| niśāghṛtasamopetaiḥ stambhayet prāgudīritān | niśācūrṇaghṛtāktais tu homaḥ stambhayate tathā ||49|| aravaṭṭhaṃ [?] tad-yonidehajaiḥ māṃsais tad-rasasambhūtasnehāktaiḥ vahnijaiḥ ||50|| sārayed dviṣaṃ rogaśatru-śṛṅgaphaṇījalaiḥ | daṃśanair vāraṇair anyaiḥ vyāghraiḥ kaṇṭakādibhiḥ ||51|| nirghātatarukūlapatanādi-bhakṣaṇāt | śatru-nirbhagnāḥ prayogāmī na bhavanti vā bhaṅgurāḥ ||52||

Mit [Ölen und Zutaten], die mit Kurkuma und dergleichen vermischt sind, mit Sesam und schwarzen Bohnen samt Reiskörnern, mit dunklen und auch mit gelben Blüten, mit Früchten und Palmyra-Blättern, nachdem man [den Namen] der zu bezwingenden Personengruppe darauf geschrieben und geeinigt (sakalīkṛta) hat, versehen mit Nacht-Ghee [?] lähme man die zuvor genannten [Feinde]; mit Nacht-Pulver und Ghee bestrichen bewirkt ebenso das Homa die Lähmung. [Mit Substanzen], die aus dem Körper eines an [einem bestimmten Ort] Geborenen [stammen] [?], mit Fleisch, mit dessen Fett getränkt, im Feuer geopfert, vertreibe man den Feind – mit [Ritualen unter Verwendung von] Krankheit, Feind, Horn und Schlangenwasser; durch Bisse, [wilde] Elefanten, andere [Gefahren], Tiger [oder] Dornen und dergleichen, durch Blitzschlag, Baumsturz und dergleichen, [oder] durch Verschlungenwerden – [so] werden die Feinde zerbrochen; diese Anwendungen sind, wenn richtig ausgeführt, niemals wirkungslos.

Verse 47-52: Beschreibung eines Homa-Rituals mit zahlreichen Zutaten (Kurkuma, Sesam, Blüten, Palmblätter) zur Lähmung von Feinden, gefolgt von einem drastischeren, mit anstößigen Bestandteilen (Körperteile/Fett/Fleisch, im Kontext von Totenfeuer-Assoziationen) beschriebenen Vernichtungsritual, das den Feind durch Krankheit, wilde Tiere oder Unglücksfälle umkommen lassen soll; abschließend die Zusicherung der Wirksamkeit. Die OCR ist hier besonders zerstört (v50 fast vollständig, v51-52 mehrere Wörter); der Kommentar bestätigt den ritualistischen Grundsinn (Verwendung von Leichenfeuer- bzw. schakalgebundenen Assoziationen, wie im Kommentar zu V.51-52 ausdrücklich erläutert: 'ariva pakṣa iva śatrunakṣatra-samudbhūta-kāla-pradīptavahniḥ' u.ä.), doch die genaue wörtliche Rekonstruktion bleibt an vielen Stellen unsicher und ist mit [?] markiert. Gemäß Auftrag werden diese ritualistisch-anstößigen Inhalte sachlich und wörtlich wiedergegeben, ohne Beschönigung.

dhūmrāṃ khaḍgamārūḍhāṃ nakharādyāyudhais yutām | dhyāyan ripor aṣṭame tu rāśau chāgaghṛtāhutaiḥ ||53|| sārṣapair homaṃ [?] naraṃ mārayed ripūn | tīvra-dāhajvarayastaṃ visaṃjñaṃ viklavāṅgakam ||54|| bālārkābhāṃ smaraṅgadāhutibhiḥ saṃyutāṃ śivām | sarūpavatsāruṇagoghṛtāktair aruṇaiḥ śubhaiḥ ||55|| prasūnaiḥ kiṃśukodbhūtais tathā bandhūkasambhavaiḥ | japāprasūnaiḥ pālāśaiḥ karavīrasamudbhavaiḥ ||56|| kahlārotpalarativai kamalaiḥ pāṭalodbhavaiḥ | aśokajaiḥ kusumbhotthair anyaiḥ raktaiḥ lohitaiḥ ||57|| havanān na hi tulyaḥ syād aiśvaryeṇājñayā dhanaiḥ | anyair api ca tatsaṃkalpair aṅgaiḥ suniścitam ||58||

Rauchgrau, ein Schwert reitend [?], mit Klaue und anderen Waffen versehen – so meditierend, in der achten Mondstation des Feindes [d.h. beim ungünstigen Gestirnsstand des Feindes], mit Ziegenblut-Ghee-Opferungen, mit Senfkörnern homend, töte man den feindlichen Mann; [er werde] von brennendem Fieber ergriffen, bewusstlos, mit gelähmten Gliedern. Gleich der aufgehenden Sonne, mit Opferungen von 'Liebesglied'[-Substanzen] [?] versehen, die Heilvolle, mit dem Ghee eines gleichfarbig-rötlichen Kalbs und einer rötlichen Kuh, mit günstigen roten [Blumen], mit Kiṃśuka-Blüten, ebenso mit Bandhūka-Blüten entstandenen, mit Hibiskus-Blüten, mit Palāśa-Blüten, mit Oleander-Blüten entstandenen, mit Seerosen-, blauen Lotos- [?], mit Lotos-, mit Pāṭalā-Blüten entstandenen, mit Aśoka-Blüten, mit Färberdistel-Blüten entstandenen, mit anderen roten, dunkelroten [Blüten] – [wer so] opfert, dem ist nichts gleich an Herrschermacht, an [königlicher] Befehlsgewalt, an Reichtum; auch mit anderen, diesem [Zweck] entsprechenden Zutaten [erlangt man dies] ganz gewiss.

Verse 53-58: ein weiteres Tötungsritual (Fieber-Tod durch Senfkorn-Homa) sowie – im Kontrast dazu – ein umfangreiches Wohlstands- und Herrschaftsritual mit einer langen Aufzählung verschiedenster roter Blütenarten (zwölf Blumennamen), deren botanische Identifikation im Einzelnen unsicher bleibt (Kiṃśuka = 'Flame of the Forest', Bandhūka = Malabar-Glory-Lily, Karavīra = Oleander, Pāṭalā = Trompetenbaum u.a., nach gängiger Wörterbuchbedeutung; im Text selbst mit [?] versehen, wo die genaue botanische Zuordnung unsicher bleibt). Vers 55 'smaraṅgadāhutibhiḥ' unsicher rekonstruiert.

aruṇāṃ nakharādyaiḥ tu yutāṃ dhyāyan samāhitaḥ | madhyarātre 'rced sādhyāṅgasukhau [?] sacaiva tathā ||59|| krodhena hantum indrādyo nārīnaralokoʼpi vā vaśe | bhavet kīrtyā indirāyuktaś ciraṃ jīvati bhūtale ||60|| vilikhya bhūpuraṃ madhye nijasādhyaṃ samālikhet | bhīmākṣarāṇi vartulāny [?] daśāgrād abhito likhet ||61|| bahir aṣṭadalaṃ padmaṃ kṛtvā tatra likhet kramāt | mantrākṣarāṇi tṛtu-śastā tad-acchidra-yugmakam ||62|| tad api pārthivān varṇān bahiḥ ṣaṭkoṇam ālikhet | tatkoṇeṣv antarālāṅgu mantrārṇān bhūdaśānvitān ||63||

Die Rote (Aruṇā), versehen mit Klaue und anderen [Waffen], meditierend, gesammelten Sinnes, verehre man um Mitternacht, [während man das Zielobjekt] an den Gliedern von Zielperson [und] Sādhaka [?] [visualisiert] [?]. Durch [ihren] Zorn kann man selbst Indra und die anderen [Götter] sowie die Welt der Frauen und Männer unterwerfen; [der Verehrer] wird, mit Ruhm und Glück (Indirā) begabt, lange auf der Erde leben. Nachdem man ein Bhūpura (Quadrat-Umfassung) gezeichnet hat, zeichne man in der Mitte das eigene Zielobjekt (sādhya) ein; die schrecklichen (bhīma-)Silben, kreisförmig [angeordnet] [?], zeichne man rings um die zehn [Silben] herum. Außerhalb bilde man einen achtblättrigen Lotos und schreibe darin der Reihe nach die Mantra-Silben, wie zur rechten Jahreszeit vorgeschrieben, dazu deren ununterbrochenes Paar. Dann zeichne man außerhalb davon die Erd-Silben (pārthiva-varṇa), außen ein Sechseck; in dessen Ecken und Zwischenräumen [schreibe man] die Mantra-Silben samt den zehn Erd[silben].

Ab hier (V.59) beginnt ein langer, technisch extrem dichter Abschnitt zur Konstruktion mehrerer Stambhana- und Schutz-Yantras (bis V.100), dessen Wurzeltext im OCR fast vollständig zerstört ist; die Übersetzung stützt sich hier notwendig überwiegend auf die – ebenfalls beschädigte, aber besser lesbare – Kommentarprosa, die jeden Konstruktionsschritt in eigenen Worten wiederholt (Bhūpura, Kreis-Silben, Achterlotos, Sechseck usw.). Zahlreiche geometrische und numerische Einzelheiten bleiben unsicher und sind mit [?] markiert; wie im Auftrag vorgesehen, wird hier keine erfundene Präzision vorgetäuscht.

kṛtvā tad-bahir ekāṅgulaṣaḍaṅgulamānāntarālaṃ vṛttadvayaṃ kṛtvā tatra bāhyaviṣāṇabodhyam aṣṭadalaṃ padmaṃ vidhāya bāhyāvṛttād bahiḥ tadviṣkambhamānena vṛttaṃ kṛtvā tadantarāle madhyaṃ ṣaṭkoṇaṃ vidhāya tad-vṛttadvayāntarālabodhyām oṃ ū oṃ ga ja ḍa da va la kṣa iti daśākṣarāṇi samālikhya aṣṭasu padmadaleṣv aṣṭāv agrādi-prādakṣiṇyena mūlavidyākṣareṣu daśottaraśatasaṃkhyeṣu pratidalaṃ ṣaṭṣaṭkrameṇāṣṭacatvāriṃśadakṣarāṇy ālikhya ||64||

[Nach dieser Anweisung des Kommentars] gestalte man außerhalb davon, im Abstand von einem bis sechs Aṅgulas [je nach Kreis], zwei Kreise; darin, an der zu verstehenden äußeren Grenze, bilde man einen achtblättrigen Lotos; außerhalb des äußeren Kreises, im gleichen Durchmesser-Abstand, [ziehe man] einen [weiteren] Kreis, und in dessen Zwischenraum bilde man in der Mitte ein Sechseck; im Zwischenraum der beiden [ersten] Kreise schreibe man die zehn [Erd-]Silben O, Ū, OṂ, GA, JA, ḌA, DA, VA, LA, KṢA; in den acht Lotosblättern schreibe man, von vorn im Uhrzeigersinn beginnend, aus den hundertacht Silben der Wurzel-Vidyā, je Blatt sechs Silben, insgesamt achtundvierzig Silben.

Verse 64-68 sind im Wurzeltext (mūla-śloka) im OCR nicht mehr als solche vom Kommentar unterscheidbar – die vom Orchestrator bereitgestellte Quelle bietet hier fast ausschließlich Kommentarprosa ohne erkennbare Vers-Trennmarkierungen; es handelt sich um die detaillierte Konstruktionsanleitung für das erste, große Stambhana-Yantra ('sarva-stambhana-yantra', vgl. Kolophon-Zwischenüberschrift 'yantrapūjākathanam'). Da im Auftrag ausdrücklich verlangt wird, nur den Wurzeltext zu übersetzen und den Kommentar nur zur OCR-Klärung heranzuziehen, wird dieser Abschnitt hier als Sonderfall behandelt: Die Vers-Ziffern 64-68 werden anhand der im Originaldruck noch erkennbaren, isoliert stehenden arabischen/Devanāgarī-Ziffernfragmente rekonstruiert, doch der laufende Wurzeltext selbst ist so in die Kommentarprosa eingebettet, dass eine sichere Trennung nicht mehr möglich ist; die vorliegende Übersetzung gibt daher den Konstruktionsgang sinngemäß wieder, wie es der Kommentar mitteilt, mit dem ausdrücklichen Vermerk, dass eine akṣara-genaue Wurzeltext-Rekonstruktion hier nicht möglich war.

navayoniṃ [?] vṛttaṃ tad bahiḥ ||65|| navāsraṃ [?] vṛttaṃ tad bahiḥ | caturasraṃ ca saṃlikhya mantrārṇān ṣaṭṣaḍ ālikhet ||66|| aṣṭāntarāleṣv ekaikaṃ [?] tu mātṛkām | tadbahiś ca vilikhet pratilomānulomakam ||67|| sādhyākhyāṃ sarvato likhya yajed aṣṭabhujāṃ śivām | stambhaḥ syāt teṣāṃ muktānāṃ vidhānāt parameśvari ||68||

[Man zeichne] eine neuneckige Yoni-Figur [?], darum einen Kreis. [Darum wiederum] ein Achteck [?], darum einen Kreis, darum ein Quadrat, und schreibe [je] sechs Mantra-Silben [in den neun und acht Ecken]. In den acht Zwischenräumen [der Ecken schreibe man je] eine [Silbe] der Mātṛkā (Buchstabenreihe); außerhalb davon schreibe man [die Mātṛkā] in umgekehrter und in vorwärtsläufiger Richtung. Nachdem man ringsum den Namen des Zielobjekts (sādhya) geschrieben hat, verehre man die achtarmige Heilvolle; die Lähmung jener [Feinde], die [durch dieses Yantra] befreit [d.h. gebannt] werden sollen, geschieht durch diese Vorschrift, höchste Herrin.

Fortsetzung des in Einheit 23.64 begonnenen Yantra-Abschnitts (zweites, 'navayoni'-basiertes Stambhana-Yantra); auch hier ist die Grenze zwischen Wurzelvers und Kommentar im OCR kaum erkennbar, die Verszahlen 65-68 sind jedoch im Druck noch als isolierte Ziffernfragmente erkennbar und wurden entsprechend zugeordnet (Vers 65 im Wurzeltext praktisch vollständig zerstört, daher nur ein Formel-Fragment angesetzt und mit [?] markiert). Der Sinn (neuneckiges Yoni-Diagramm mit umgebendem Kreis, Sechseck-artigem Achteck, Mātṛkā-Umschrift vor- und rückwärts, Verehrung der achtarmigen Göttin) ist durch den Kommentar hinreichend gestützt; die genaue Silbenanordnung bleibt mit [?] markiert.

vṛttaṃ tāsāṃ [?] vṛttaṃ ṣaḍaśraṃ tadvad yugmakam | aṣṭāśraṃ tadbahir vṛtte iti kramād vinyaset ||69|| ekaṃ madhye bahiḥ koṇeṣv antarāleṣu ca kramāt | trayaṃ trayaṃ samālikhya bahiḥ [?] pārthivaiḥ ||70|| vilikhya madhye nāmāpi japitvābhyarcya sādhakaḥ | sthāpayet kvāpi tatraiva nityaṃ ca baliṃ kṣipet ||71||

Einen Kreis, [darin] wiederum einen Kreis, ein Sechseck, ebenso ein Paar [Sechsecke bzw. Dreiecke], ein Achteck, darum wiederum einen Kreis – so, der Reihe nach, ordne man [diese Formen] an. Eine [Silbe] in der Mitte, außen in den Ecken und Zwischenräumen der Reihe nach je drei [Silben] schreibend, außen [umgebe man es] mit den Erd[silben] [?]. Nachdem man in der Mitte auch den Namen [des Zielobjekts] geschrieben, [die Vidyā] rezitiert und [die Göttin] verehrt hat, stelle der Sādhaka [das Yantra] irgendwo auf und bringe dort täglich ein Bali-Opfer dar.

Verse 69-71: ein drittes, kleineres Stambhana-Yantra (konzentrische Kreise, Sechsecke, Achteck) mit Aufstellung und täglichem Bali-Opfer. Die genaue Abfolge der geometrischen Figuren ist wegen starker OCR-Zerstörung von Vers 69 nur ungefähr rekonstruierbar, mit [?] markiert; der Kommentar bestätigt aber die Grundkonstruktion (konzentrischer Kreis-Sechseck-Achteck-Kreis-Aufbau).

kṛtvā ṣaḍaṣṭakoṇāni ṣaṭkoṇāni pṛthak pṛthak | kramāt trikoṇavṛttāntarālān ṣaṭkoṇasaṃyutān ||72|| bāhyāt kramena madhyāntaṃ nakṣatratithivārayuk | vilikhet lipibhiḥ [?] śaktisaṃyutām ||73|| sādhyaṃ ṣaṭkoṇamadhyeṣu vilikhec ca prad akṣiṇam | māyāmadhyagataṃ devi dhārayet sarvavighnajit ||74|| bhūtapretapiśācādi-śānty arthaṃ sarvārtiśāntaye | gajavājikharoṣṭrādi-rogaśāntyai ca dhārayet ||75||

Nachdem man sechs [innere] und acht [äußere] Ecken, [d.h.] Sechsecke, je gesondert, der Reihe nach [angeordnet hat, und dazu] Dreieck-Kreis-Zwischenräume, versehen mit Sechsecken, schreibe man von außen der Reihe nach bis zur Mitte, versehen mit Mondhaus, Tithi und Wochentag, mit den [entsprechenden] Silben [?], samt [ihrer] Śakti. Das Zielobjekt schreibe man in die Mitte der Sechsecke, [und zwar] im Uhrzeigersinn; was inmitten der Māyā(-Silbe) [d.h. in der Mitte des Ganzen] steht, o Göttin, trage man [als Amulett] – es überwindet alle Hindernisse. Zur Beruhigung von Bhūta, Preta, Piśāca und dergleichen, zur Beruhigung allen Leidens, sowie zur Heilung von Krankheiten bei Elefanten, Pferden, Kamelen und dergleichen trage man [dieses Yantra].

Verse 72-75: ein viertes Yantra zur allgemeinen Krankheits- und Übelabwehr (roga-śānti), aufgebaut aus mehreren ineinander verschachtelten Sechs- und Achtecken mit Dreieck-Kreis-Zwischenräumen, versehen mit den für den jeweiligen Anwendungstag zuständigen Nakṣatra-, Tithi- und Vāra-Silben, als Amulett zu tragen. Mehrere Einzelheiten (v72 Anfang, v73 'lipibhiḥ') bleiben unsicher, mit [?] markiert; Kolophon-Zwischenüberschrift 'rogaśāntiyantrakathanam' (im OCR erkennbar) bestätigt den Zweck dieses Yantras.

prākpratyagdakṣiṇodakkarekhā dvādaśa saṃlikhet | rekhāgre sarvataḥ śūlās tanmadhyāgre ca pārśvayoḥ ||76|| stambhayeti samālikhya madhyakoṣṭhaṃ tv adhaś ca | parito vilikhen mantravarṇān bhaumasamanvitān ||77|| bhūrje vā kanake lohe śilāyāṃ vā samālikhet | gṛhapattanayor lohatuṇḍayor iṣṭasiddhidam ||78||

Zwölf Linien zeichne man in Ost-West- und Nord-Süd-Richtung; an allen Enden der Linien [zeichne man] Dreizacke, an deren mittlerem [oberen] Ende und an [beiden] Seiten; nachdem man 'stambhaya' ('lähme!') [darauf] geschrieben hat, [zeichne man dies auch] im mittleren Feld sowie darunter; ringsum schreibe man die Mantra-Silben, versehen mit den Erd[silben]. Auf Birkenrinde, auf Gold, auf Eisen oder auf Stein zeichne man [dies]; für Haus und Stadt sowie für Metallgefäße(?) gewährt es das erwünschte Gelingen.

Verse 76-78: ein fünftes Yantra (Zwölf-Linien-Gitter mit Dreizack-Enden und dem Wort 'stambhaya' – 'lähme') zur Lähmung/zum Schutz von Haus und Stadt, auf verschiedenen Materialien anzufertigen. 'gṛhapattanayor lohatuṇḍayoḥ' (v78) unsicher, mit [?] zu versehen; Kommentar bestätigt den Zweck (Schutz von Haus/Stadt bzw. Metallgegenständen vor Diebstahl u.ä., wie in der Kommentarprosa zu Vers 77 angedeutet).

gaurikṣīreṇa vā śilāyāṃ tālena vilikhec chubham | sthāpayed bhittimadhye ca bhūmau ca kramataḥ śive ||79|| nityaśaḥ pūjayet puṣpaiḥ sugandhaiḥ prajapet tathā | yāvat phalāsti kurvīta niyataṃ sandhyayor dvayoḥ ||80||

Mit Kuhmilch [oder] auf Stein mit Palmyra-[Tinte] zeichne man das Heilbringende; man stelle es in der Mitte einer Wand oder [in] der Erde auf, der Reihe nach, o Śivā. Täglich verehre man [es] mit wohlriechenden Blumen und rezitiere ebenso [die Vidyā]; solange die Wirkung anhalten soll, vollziehe man dies beständig zu den beiden Dämmerungszeiten.

Verse 79-80 schließen die Beschreibung des vorherigen Yantras ab (Aufstellung an Wand oder in der Erde, tägliche Verehrung zur Morgen- und Abenddämmerung).

prākpratyagdakṣiṇodakka kuryāt sūtrāṇi ṣoḍaśa | tais tu koṣṭhāni jāyante pañcaviṃśaiḥ śatadvayam ||81|| teṣu koṇeṣu parito mārjayet prāgvad āścaturi | aṣṭāviṃśati koṣṭhāni tataḥ śiṣṭeṣu triṃśati ||82|| prāgvad ekaikataḥ kuryāt trikoṇāni yathāvidhi | madhye viṃśatituṣu koṣṭheṣu sādhyasādhakakarma ca ||83|| ūrdhvam adho madhyataś ca śeṣeṣu prāgvad ālikhet | mantravarṇān agram ārabhya vilikhed abhitaḥ śive ||84||

In Ost-West- und Nord-Süd-Richtung ziehe man sechzehn Linien; dadurch entstehen zweihundertfünfundzwanzig Felder. In deren Ecken lösche man ringsum, wie zuvor, an allen vier [Ecken je] achtundzwanzig Felder aus; von den übrigen [Feldern verbleiben dann entsprechend viele] [?]. Wie zuvor bilde man, an jedem [ausgelöschten Eckfeld] einzeln, Dreiecke nach Vorschrift; in der Mitte, in den zwanzig [?] Feldern, [schreibe man] das Werk von Zielobjekt und Sādhaka. Oben, unten und in der Mitte sowie in den übrigen [Feldern] schreibe man wie zuvor; die Mantra-Silben, von vorn beginnend, schreibe man ringsum, o Śivā.

Verse 81-84: Beginn des großen 'Mahāvajra'-Yantras (16×16-Gitter, 225 bzw. nach Reduktion 121 Felder mit Eckdreiecken); die genauen Feldzahlen (225, 28, 30, 20) sind im OCR z.T. unsicher und stellenweise widersprüchlich überliefert, mit [?] markiert; der Kommentar selbst gibt am Ende dieses Abschnitts (zu V.85) die Endzahl 'ekaviṃśatyadhikaśata' (121) für die vajra-förmigen Felder des nächsten Yantras an, was auf eine komplexe Reduktionsrechnung schließen lässt, deren einzelne Zwischenschritte hier nicht mit Sicherheit rekonstruiert werden können.

etad agraṃ mahāyantraṃ samastābhīṣṭasādhakam | yatraitat sthāpitaṃ loha-śilādi-likhitaṃ śive ||85|| tatra coragrahavyādhi-ripusarpasamudbhavāḥ | bhūtapretapiśācādikopajā apy upaplavāḥ ||86|| na bhavanti kadāpy eva sambhavanti ca sampadaḥ | vāstumanyādi-duḥkhāni śamayed gehagaṃ ca tat ||87|| yasmin gehe sthāpitaṃ tu yantraṃ tadgṛhavartinām | kṛtyābhicāra-krodhādi-pīḍā na bhavati dhruvam ||88||

Dies ist das erste, große Yantra (Mahāyantra), das Erfüller aller erwünschten Ziele; wo immer dies aufgestellt wird, auf Metall, Stein oder dergleichen eingraviert, o Śivā, dort entstehen niemals Übel, die durch Diebe, [ungünstige] Planeten, Krankheit, Feinde, Schlangen entstehen, noch durch den Zorn von Bhūtas, Pretas, Piśācas und dergleichen hervorgerufene Heimsuchungen, und [stattdessen] entsteht Wohlstand; die Leiden des Bauplatzes und dergleichen besänftigt es, [wenn es] im Haus [aufgestellt ist]. In welchem Haus dieses Yantra aufgestellt ist, den Bewohnern jenes Hauses widerfährt gewiss keine Pein durch Behexung (kṛtyā), schwarze Magie (abhicāra), Zorn und dergleichen.

Verse 85-88: Abschluss und Wirkungsbeschreibung des Mahāvajra-Yantras (umfassender Schutz für Haus und Bewohner vor Dieben, Planeteneinflüssen, Krankheit, Dämonen und schwarzer Magie).

vāyvagnineritaṃ ca kuryād dvādaśasūtrakam | teṣv acarūpakoṣṭhāni ekaviṃśaśataṃ bhavet ||89|| teṣu madhye samālikhya sādhyanāma tato bahiḥ | agrād abhita evānyāny akṣarāṇi samālikhet ||90|| vinyaset mahīvarṇapūrvāṇi kramataḥ śive | sthāpitaṃ lohaśilādilikhitaṃ tu pūjitaṃ vā ||91|| rogabhūtagrahonmādapiśācāpasmṛtidoṣaḥ | anyāni kleśakārīṇi yāni tāni vināśayet ||92||

In Richtung von Wind [und] Feuer [d.h. Nordwest und Südost] ziehe man zwölf Linien; darin entstehen rautenförmige Felder, hundertundzwanzig [Wörtlich: 'einundzwanzig-hundert', d.h. 121] an der Zahl. In deren Mitte schreibe man den Namen des Zielobjekts, dann außen davon, von vorn im Kreis herum, die übrigen Silben. Man ordne sie an, mit den Erd-Silben beginnend, der Reihe nach, o Śivā; [dieses Yantra werde] aufgestellt, auf Metall, Stein oder dergleichen eingraviert, oder [auch nur] verehrt. Krankheit, [Heimsuchung durch] Bhūtas und [ungünstige] Planeten, Wahnsinn, Piśāca-bedingte Bewusstlosigkeit und andere leidbringende [Übel], welche es auch seien, vernichte es.

Verse 89-92: das 'Vajravajra'-Yantra (diagonal, 12×12-Gitter mit 121 rautenförmigen Feldern) zur Heilung von Krankheit, Wahnsinn und dämonischen Heimsuchungen. 'vāyvagnineritam' (Diagonal-Ausrichtung Nordwest-Südost) durch Kommentar bestätigt; Feldzahl 121 ('ekaviṃśādhikaśata', wörtlich 'hundert plus einundzwanzig') im Kommentar mehrfach genannt.

proktesv ārttighnopi tathā tadrūpaṃ gaurikaiḥ api | vilikhya madhye kumbhaṃ tu vastrāc chādyaghaṭapūritam ||93|| nidhāya devīṃ salile samāvāhyābhipūjya ca | sparśajjalaṃ japed vidyāṃ sahasradvayam ātmavān ||94|| tena jalair abhiṣiñcet taṃ gadinaṃ prāṅmukhaṃ tataḥ | taiḥ kliṣṭaṃ mṛtadehas tu sukhī jīvati bhūtale ||95|| vidyāprāptābhiṣiktaṃ tu vajre 'smin koṣṭhavajrake | ekaviṃśaśate vāpi kumbhaṃ saṃsthāpya secayet ||96||

In den zuvor genannten [Yantras], die alles Leid vernichten, [zeichne man] dieselbe Form, auch mit weißer [Farbe] [?]; nachdem man [dies] gezeichnet hat, [stelle man] in der Mitte einen Wasserkrug (Kumbha), mit Tuch bedeckt, gefüllt [mit Wasser]. Nachdem man die Göttin im Wasser [des Kruges] eingeladen, herbeigerufen und verehrt hat, rezitiere man, das [Krug-]Wasser berührend, zweitausendmal die Vidyā, gesammelten Sinnes. Mit diesem Wasser besprenge man den Kranken, nach Osten gewandt; die durch [Krankheit] Geplagten, selbst dem Tode Nahe, leben [dadurch] glücklich weiter auf der Erde. Wer durch die Vidyā geweiht ist, [besprenge] mit diesem Vajra[-Wasser], sei es beim Feld-Vajra oder beim Hundertundzwanzig[feld-Yantra] [?]; man stelle den Kumbha auf und besprenge [damit].

Verse 93-96: Abhiṣeka-Ritual (Weihe- und Heilbesprengung) mit dem in einem geweihten Wasserkrug gesammelten Wasser, unter Anrufung der Göttin im Vajravajra- bzw. Koṣṭhavajra-Yantra, zur Heilung selbst Todkranker. 'gaurikaiḥ' (v93), die genaue Bezugnahme von 'ekaviṃśaśate vāpi' auf eines der vorgenannten Yantras (v96) bleiben unsicher, mit [?] markiert.

vedāṅgulaparibhrāntyā vṛttaṃ kṛtvā tato bahiḥ | dvyaṅgule dvyaṅgule kuryād ekādaśa tataḥ kramāt ||97|| teṣu dvyaṅgulamāneṣu tiryak sūtrāṇi pātayet | ekādaśa tatas teṣu prāṅmadhyāt pradakṣiṇam ||98|| bhūdaśārṇaiḥ tu tāṃ vidyām ālikhen nirgamakramāt | rekhāgrāṇi ca śūlāni kṛtvā sādhyaṃ ca madhyataḥ ||99|| tad yantraṃ prāgvad akhilaviniyogaiṣu yojitam | na asādhyam asti bhuvane vidyāyāḥ siddhyā anayā ||100|| manas-tattvamayī vyāptir iti samyak samīritā | asyā nirūpaṇāc cittaṃ tattvaṃ svātmasāt kṛtam ||

Nachdem man durch Herumführen [des Zirkels] im Abstand von vier Aṅgulas einen Kreis gezogen hat, ziehe man darum, der Reihe nach, elf [weitere Kreise], je im Abstand von zwei Aṅgulas. In diesen, im Maß von zwei Aṅgulas, ziehe man quer[laufende] Linien, elf an der Zahl, sodann, von der vorderen Mitte ausgehend, im Uhrzeigersinn. Mit den zehn Erd-Silben schreibe man jene Vidyā, in fortlaufender Reihenfolge; die Enden der Linien versehe man mit Dreizacken, und [schreibe] das Zielobjekt in der Mitte. Dieses Yantra, wie zuvor mit sämtlichen Anwendungen verbunden, [macht,] dass es in der Welt nichts gibt, das durch die Vollendung dieser Vidyā unerreichbar wäre. So wurde die aus dem Wesen des Geistes (manas) bestehende Durchdringung [aller Dinge] zutreffend verkündet; durch deren Erkenntnis wird der Geist mit dem [höchsten] Prinzip (tattva) zu einem einzigen Selbst gemacht. || So ist im ehrwürdigen Ṣoḍaśanityā-Tantra [?] der dreiundzwanzigste Paṭala vollendet. ||

Verse 97-100 beschreiben das letzte, kreisförmige Vajra-Yantra (elf konzentrische, in Zwei-Aṅgula-Abständen gezogene Kreise mit Querlinien, insgesamt wohl wieder 121 rautenförmige Felder wie beim vorigen Yantra), das alle zuvor gelehrten Anwendungen in sich vereint. Der abschließende, unnumerierte Halbvers ('manastattvamayī vyāptiḥ...') ist ein zusätzlicher, im Druck nicht gezählter Schlussvers philosophisch-doktrinären Inhalts (Identifikation von Geist und höchstem Prinzip durch die Erkenntnis dieser Yantra-/Vidyā-Lehre), wie er auch in anderen Kapiteln dieses Tantras gelegentlich als Kapitelabschluss vor dem eigentlichen Kolophon erscheint. Die anschließende Wurzeltext-Kolophonzeile lautet im OCR 'iti śrī-ṣoḍaśanityātantre [zwei unlesbare Wörter, evtl. ein Beiname des Werks] trayoviṃśaḥ paṭalaḥ paripūrṇam' – das zwischen 'tantre' und 'trayoviṃśaḥ' stehende Beiwort (OCR 'śīkādimate') ist trotz mehrfachem Vergleich mit der Parallelformulierung im nachfolgenden Kommentar-Kolophon (dort OCR 'mokṣādimatākhyasya', am ehesten 'mokṣādi-mata-ākhyasya' zu lesen, 'des [Tantra] namens Mokṣādimata [?]') nicht mit Sicherheit zu rekonstruieren und daher mit [?] gekennzeichnet; ebenso bleibt im Kommentar-Kolophon das letzte Wort vor der Kapitelzahl (OCR 'parāsṛṣṭam', vermutlich eine Verschreibung von 'parisamāptam', 'vollendet') unsicher. Der lange Kommentar-Kolophon lautet sinngemäß: 'So ist im [Werk], das im Ṣoḍaśanityā-Tantra [unter dem Namen Mokṣādimata (?)] vollständig ist, in der von Śrī-Subhagānandanātha, der den Beinamen Śrī-Tantrarājaprakāśa trägt, verfassten Auslegung namens Manoramā, der der Darlegung der Anwendungsvorschrift der fünften Vidyā, die ein Glied der sechzehn Nityās ist, gewidmete dreiundzwanzigste Paṭala vollendet' (im OCR fälschlich mit der Zahl 22 statt 23 versehen, hier nach der Zählung korrigiert). Danach folgt im Druck noch eine separate, nicht zu übersetzende Grantha-Zählungsstrophe ('granthasaṃkhyā') über den Silben-/Strophenumfang dieses Kapitels, bevor mit 'caturviṃśapaṭalam' (24. Paṭala) der nächste Abschnitt beginnt.

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