Paṭala 9: iti śrī-ṣoḍaśanityā-tantre śrīkādimate navamaḥ paṭalaḥ (Manoramā-Kolophon: bhagamālinī-nityā-vidyā-vidhāna-prakāśana-paraṃ navamaṃ paṭalaṃ paripūrṇam — Anm.: dieser Inhalts-Deskriptor scheint im Original/OCR irrtümlich aus Kap. 8 wiederholt, statt auf Nityaklinnā zu verweisen)
9. Kapitel: Die Verehrung der Nityā Nityaklinnā und ihre Yantras
Quelle: Tantrarāja-Tantra mit dem Kommentar Manoramā des Subhagānandanātha, ed. Sadāśiva Miśra, Tantrik Texts Vol. 8, Calcutta 1918 (archive.org, OCR-Volltext). Paṭala 9 lehrt die Verehrung der vierten Nityā, Nityaklinnā: Sadaṅga-Nyāsa, Dhyāna, ihre Begleit-Śaktis, Yantra-Konstruktion und -Verehrung, Homa/Tarpaṇa, eine lange Reihe von Kāmya- und Abhicāra-Riten (Liebeszauber, Puttalikā-Effigie-Riten, Unterwerfung, Krankheit/Tod des Feindes) mit verschiedenen Substanzen, und schließlich die Konstruktion von 55 Grund-Yantras sowie die Einzelanwendung von 16 benannten Yantras (Nr. 1-16) für Zwecke von Liebeszauber über Kriegsschutz bis Kinderwunsch und Eheglück. Die OCR-Qualität dieser Ausgabe ist außergewöhnlich schlecht (schlechter als in anderen Bänden dieses Projekts): häufige Ziffern- und Zeichenverwechslungen, zerrissene Wörter. Mehrere Versnummern waren im Original mit falschen Ziffern versehen (u.a. Verse 36/37 als '26'/'27', Vers 3 als '32', Vers 11 als '121') und wurden nach der fortlaufenden Zählung korrigiert. Zahlreiche Wörter und ganze Halbverse (v.a. in den stark technischen Abschnitten zu Begleit-Śaktis V.10-13, Yantra-Konstruktion V.14-18/61-69, und einigen Kāmya-Homas) sind trotz Rückgriffs auf Metrik, Grammatik und (nur zur Absicherung von Wortlesungen, nicht zur Deutung) den Sanskrit-Kommentar nicht sicher rekonstruierbar und mit [?] markiert. Der Sanskrit-Kommentar (Manoramā) selbst wurde nicht übersetzt, sondern nur zur Bestätigung von OCR-Lesungen des Wurzeltexts herangezogen.
atha ṣoḍaśa-nityāsu caturthī śṛṇu pārvati | nityaklinnā-vidhānānāṃ [?] prāg udīritam ||1||
tad-aṅgāni ca tad-dhyānaṃ tac-chaktīs tābhir arcanam | homa-tarpaṇa-bhedāṃś ca yantrāṇi phala-bhedataḥ ||2||
nirdiṣṭaṃ kramato vakṣye samastaṃ parameśvari | ādyena mantram avagamya [?] idaṃ samudīritam ||3||
tato dvābhyāṃ punar dvābhyāṃ dvābhyāṃ dvābhyāṃ dvayena ca | kuryāt ṣaḍ aṅgāni karayoś ca nyaset kramāt ||4||
tantre ṣaḍ-aṅgam uktaṃ tac ca tava kare [?] | nyased aṅguṣṭha-mūlād ā kaniṣṭhāntam ūrdhva-gam ||5||
Śiva kündigt Pārvatī an, nun (nach Bhagamālinī in Kap. 8) die vierte Nityā, Nityaklinnā, zu behandeln: ihre Glieder-Mantras (aṅga), Dhyāna, Begleit-Śaktis, Verehrung, Homa/Tarpaṇa-Unterschiede, Yantras und Phalabheda (V.2). V.1 und V.3 sind durch die extrem schlechte OCR nur bruchstückhaft rekonstruierbar (Mittelteile mit [?] markiert; der Fußnotenapparat der Ausgabe bestätigt zumindest den Namen „Nityaklinnā" und das Verb „udīritam"). V.4-5: Ṣaḍaṅga-Nyāsa (Installation der sechs Glied-Mantren) auf der Hand, vom Daumenansatz zum kleinen Finger aufwärts.
Nyāsa auf beiden Handflächen und im Bereich der Augen/Nasenlöcher [?], auf der Haut (= dem ganzen Körper), am Phallus, am After und an den Füßen (V.6; laut Kommentar: tvaci = ganzer Körper, dhvaje = am Phallus, pāyau = am After). V.7-9: Dhyāna der Göttin Nityaklinnā — von rötlichem Glanz, in rötlichem Schmuck, einen Papagei tragend, mit dunkelroter Salbe gesalbt, lächelndem Lotusgesicht (V.7, Lesart „aruṇā-kalpām" nach Fußnoten-Variante der Ausgabe); mit Schweißtröpfchen auf der Stirn, den Halbmond im Haar (V.8, Anfang unklar [?]); mit vier Armen, die Schlinge, Elefantenstachel, Trinkgefäß [?] und die Geste der Furchtlosigkeit haltend, in der Mitte eines Lotus sitzend, von Rausch/Ekstase gelöst (madālasā, V.9).
Aufzählung der Begleit-Śaktis (āvaraṇa-devatās) der Nityaklinnā, die zusammen mit ihr zu verehren sind: Kṣobhiṇī, Mohinī, Līlā u.a. (V.10, Rest unklar), Nityā, Nirañjanā, Klinnā, Kledinī, Madanāturā, Madadravā, Drāviṇī (V.11), Madāvilā, Maṅgalā, Manmathārtā, Manasvinī, Modā, Āmodā, Mānamayī, Māyāmandā/Manoharā (V.12) — insgesamt an die 14-15 Namen, an den Seiten des Quadrats postiert, mit vergleichbaren (Reit-)Tieren und Waffen ausgestattet wie die zentrale Nityā (V.13). Dieser Abschnitt ist besonders stark OCR-geschädigt; mehrere Namen und Verbindungswörter bleiben mit [?] unsicher.
Konstruktion des Yantras: zwei ineinandergesetzte Quadrate mit Toren nach Osten und Westen, darin ein acht(?)-blättriger Lotus, darin ein weiteres Rad/Sechseck (V.14; eine Fußnoten-Variante der Ausgabe liest „sechsblättrig" statt „achtblättrig"). Verehrung nach Osten gewandt, das ganze Quadrat rundum (V.15); an den Torseiten, Ecken und Himmelsrichtungen die zehn [Daśamudrā-]Śaktis, dann an den acht Abschnitten im Uhrzeigersinn ab Westen (V.16); die zehn Śaktis an den Ecken des inneren Yoni-Dreiecks, davor im Uhrzeigersinn drei weitere Śaktis (V.17); im Zentrum des Diagramms (Fruchtknoten/Yoni), in den Zwischenrichtungen und ringsum werden die sechs Glieder-Mantras verehrt (V.18, Details der Richtungsbezeichnungen unsicher).
tato devīṃ tu tāṃ nityaklinnāṃ nityām udīrayet | upacārair arcayec ca baliṃ dadyāc ca pūrvavat ||19||
tad-agrataḥ japed vidyāṃ sahasraṃ yadi vā śatam | tato 'bhakṣyaṃ [?] homaṃ kuryād ukta-krameṇa tu ||20||
ājya-siktām atha svājyena puṣpaṃ vā saurabhānvitaiḥ | juhuyāt prāgvad udita-saṅkhyāṃ [?] prāg eva samāpya tat ||21||
abhyarcya devīm atha tāṃ svātmany udvāsya pūrvavat | nyāsaṃ kṛtvā stotra-yugaṃ japitvā tan-mayaś caret ||22||
vidyāyāḥ sādhanaṃ samyak samīhita-phala-pradam | śṛṇu devi pravakṣyāmi prayogārho yato bhavet ||23||
Anrufung der Göttin und Verehrung mit den (sechzehn) Upacāras, Bali-Opfer wie zuvor (V.19); Japa der Vidyā tausend- oder hundertmal, danach Homa mit einer unklaren Opfersubstanz [?] (V.20); Ājya-Opfer, wie zuvor, bis zur festgesetzten Zahl (V.21); nach der Verehrung Auflösung der Göttin ins eigene Selbst, Nyāsa, Rezitation der beiden Hymnen, Verweilen in der Identifikation mit ihr (V.22). V.23 leitet zur eigentlichen Sādhana (Erlangung der Tauglichkeit zur rituellen Anwendung) über.
jitendriyo haviṣyāśī vidhi-sadācāra-rataḥ japet | prāg-vad vṛttaṃ [?] tad-aṃśaṃ ca kuryād dhomaṃ ca tarpaṇam ||24||
madhūka-puṣpaṃ madhv-aktaṃ vā kula-tailam athāpi vā | candana-kastūrī-vāsitais tarpayej jalaiḥ ||25||
tato nitya-prayogārho nitya-arcā-nirataḥ tathā | sahasra-jāpī tad-bhaktaḥ kuryād uktaṃ na cānyathā ||26||
Mit gezügelten Sinnen, nur geweihte Speise (haviṣya) essend, den vorgeschriebenen guten Wandel pflegend, rezitiere man; Homa und Tarpaṇa im entsprechenden Maß (V.24, Details unsicher). Als Opfer: Mahua-Blüten mit Honig oder Kula-Öl, Tarpaṇa mit sandel- und moschusdurchdufteten Wassern (V.25). Wer täglich tausendmal rezitiert und der Göttin ergeben ist, wird zur ständigen (nitya-)Anwendung befähigt und darf nur das Vorgeschriebene, nichts anderes, ausführen (V.26).
Reihe von Kāmya-(Wunsch-)Homas mit verschiedenen Blüten/Substanzen: rote Lotus- und Opferhölzer bringen (Kranz-)Reichtum, rote Oleanderblüten (karavīra) unterwerfen Frauen (V.27). V.28 ist im Original so schwer beschädigt, dass nur Bruchstücke (Milch einer gleichfarbigen Kuh(?), Jasmin-/Mālatī-Blüten) erkennbar sind; der genaue Sinn bleibt unsicher [?]. Ruhm, Wissen, Reichtum, Gesundheit, Glück, Sieg u.a. durch Āragvadha-Blüten (Goldregen), rasche Heilung von Krankheit (V.29, unsicher). Golderwerb, Lähmung der Feindesfüße oder Zwietracht durch mit Ghee bestrichene rote Oleanderblüten (V.30). Rote Gewänder, Gewinnung des Schmucks einer Frau und ihre Unterwerfung, Erfolg in Schmuck, Fuhrwerk und Handel (V.31).
Mit Gewürznelken und parfümiertem Öl gesalbt (Rest unsicher), durch Homa bringt man mitten in der Nacht die gewünschte Braut herbei (V.32). Mit demselben Öl schwarzen Sesam und Blüten am Ende der Nacht geopfert: binnen eines Monats gerät der Feind sicher in schweres Fieber (V.33). Mit Bhallātaka-Öl (Marking-Nuss) unvermischt den Samen nachts geopfert: am nächsten Tag entstehen [beim Feind] Wunden, [kaum] von Ärzten heilbar (V.34, unsicher). Mit brennenden Gliedern geht der Feind dadurch ins Reich des Todes; ebenso der mit diesem Öl benetzte Same [?] (V.35, Ende unsicher).
Mit Pfeffer, Senf und Ghee bestrichen, nächtlich einen Monat lang geopfert, bringt sicher die vom Fieber des Verlangens ergriffene gewünschte Frau herbei (V.36). Mit Pfeffer und Senf siebenmal nächtlich geopfert bringt rasch selbst eine widerspenstige Frau herbei (V.37, Details unsicher). Speiseopfer mit Ghee, täglich hundert- oder hundertacht-mal dargebracht, macht zum Genießer einer an Nahrung überreichen Welt (V.38). Anmerkung: Die Verse 36 und 37 sind in der Quelle fälschlich mit „26" und „27" nummeriert (OCR-/Druckfehler bei den Ziffern 2/3); die Zählung wurde nach der fortlaufenden Reihenfolge korrigiert.
V.39 ist im Original kaum entwirrbar (Reisopfer mit Ghee, verbunden mit Wohlstand/Lakṣmī; Rest unsicher [?]). Man fertigt aus dem Getreide des Opferziels (sādhya), vermengt mit Teig, Staub von dessen Fußspur, Senf, Pfeffer und Salz, eine Puppe (puttalī) und opfert sie nachts im Feuer (V.40 — durch den Kommentar gut bestätigt). Die Puppe wird sodann an den Vorderfüßen, Waden, Knien, Oberschenkeln, unterhalb des Nabels und bis zum Hals in Teilen zerschnitten [in mehreren Homa-Akten geopfert] (V.41, laut Kommentar).
Und den Kopf schneidet man zuletzt mit sehr scharfer Waffe ab; durch diese zwölffache Zerteilung und Opferung werden Männer, Frauen und selbst Fürsten (V.42) rasch unterworfen, oder geraten nach dem Willen [des Übenden] in fieberhafte Not, oder gehen, wiederum nach seinem Willen, durch diese ausschließlich auf ihn gerichtete Anwendung (ananya-yoga) in den Tod (V.43). Ein drastisches Abhicāra-Ritual (Schadenzauber), das wie der Rest des Kapitels sachlich wiedergegeben wird.
piṣṭena guḍa-yuktena marīcair jīrakeṇa tu | kṛtvā puttalikāṃ sādhya-nāma-yuktām adho hṛdi ||44||
sa-nāma-homa-sampāta-ghṛte sampācya tāṃ punaḥ | ripu-śatru-jaya-kara-agreṇa [?] sakṛt prajapen manum ||45||
abhyarcya tad ghṛta-abhyaktaṃ bhakṣayet tad-dhiyā japan | nara-nārī-nṛpās tasya vaśyāḥ syur maraṇāvadhi ||46||
tair eva piṣṭaṃ vṛttaṃ tu kṛtvā tan-madhyataḥ tathā | sādhya-nāma sphuṭaṃ kṛtvā prāgvat sampācya bhakṣayet ||47||
vaśyās te vatsaraṃ bhūyus tan-nāmārgha-yutais tathā | kṛtvābhipācya bhakṣāt vaśayet tāṃs tad-aṅgakam [?] ||48||
Aus mit Melasse, Pfeffer und Kreuzkümmel vermengtem Teig fertigt man eine Puppe, unten am Herzen mit dem Namen des Opferziels versehen (V.44). Erneut in dem beim Homa übriggebliebenen namensbezeichneten Ghee gekocht, rezitiert man, [die Hand] auf den Sieg über den Feind gerichtet [?], das Mantra (V.45, unsicher). Mit Ghee bestrichen verzehrt man sie unter Rezitation in Gedanken an das Ziel; Männer, Frauen und Fürsten werden ihm bis zum Tod unterworfen (V.46). Ebenso fertigt man aus demselben Teig einen runden Kuchen, schreibt deutlich den Namen des Opferziels in dessen Mitte, kocht und verzehrt ihn wie zuvor (V.47). Sie bleiben ein Jahr lang unterworfen; ebenso, wenn [die Kuchen] mit einer Opfergabe in ihrem Namen versehen zubereitet und verzehrt werden, unterwirft man sie [dauerhaft] (V.48, Einzelheiten unsicher).
Tarpaṇa (Wasserspende) mit Kokoswasser unterwirft Frauen, mit kampferduftendem Wasser Menschen allgemein (V.49). Mit Salzwasser werden alle zu Dienern, ebenso mit salzhaltigem Wasser Frauen unterworfen (V.50). Mit reinem Wasser einen Monat, einen halben Monat oder sieben Nächte lang im Namen [des Zieles] gespendet, wird dieses auf Dauer unterworfen (V.51). Mit Ketakī- und Sandelduft sowie Papageien-Frucht[-Saft] [?] durchdufteten Wassern gespendet, werden Frauen unterworfen und geben [sogar] Leben und Vermögen hin (V.52, unsicher). Mit Nameru-duftendem Wasser gespendet werden Herrscher unterworfen; mit Campaka-duftendem Wasser gewinnt man aller Zuneigung (V.53).
Tarpaṇa mit nach Pāṭalī (Trompetenblume) und Lotus duftenden Wassern macht im eigenen Umfeld stets zum Gegenstand des Staunens (V.54). Mit moschusduftendem Wasser gespendetes Tarpaṇa bewirkt jede Vollkommenheit (siddhi); ebenso das mit Kampfer- und Sandelduft (V.55) — es bewirkt binnen eines Maṇḍala (49 Tage, laut Kommentar) sicher die Erfüllung des Gewünschten; mit einem weiteren, unklaren Wasser [?] wird man dauerhaft reich an Vermögen, Getreide u.a. (V.56).
Mit melassehaltigem Wasser gespendetes Tarpaṇa vernichtet Hindernisse; mit Tamarindensaft durchdrungenem Wasser spende man, um Feindschaft [zwischen zweien] zu erzeugen (V.57). Mit heißem Wasser [für zwei Verfeindete? unsicher] gespendet; mit bloßem heißem Wasser allein entsteht bei ihm schweres Fieber (V.58). Mit Neemblatt-Saft durchdrungenem Wasser gespendetes Tarpaṇa erzeugt zwischen zwei Feinden gegenseitige Feindschaft, wodurch beide zugrunde gehen (V.59). Ebenso bewirkt Tarpaṇa mit Senföl den Untergang des Feindes [?]; durch Leiden wie Ruhr u.ä. [entstehen ihm] aus der Ferne [?] [Übel, evtl. Haarausfall] (V.60, stark unsicher).
Übergang zu den Yantras, die schon durch bloße Verehrung Erfolge in die Hand geben (V.61). Konstruktion: in der Mitte zweier Kreise ein Sechseck, in dessen Mitte die Namenssilbe, dann der Reihe nach die Silbengruppen der Vidyā, beginnend mit der zweiten (V.62); in den sechs Ecken die restlichen vier Silbengruppen, zwischen den beiden Kreisen (in den Zwischenräumen der Ecken) die übrigen Silben (V.63); die zehn Bhūta-Silben in zweifacher Anordnung, macht elf Varianten je nach Einsetzung im Zentrum (V.64); aus der Verbindung jeder Bhūta-Silbe [mit den übrigen] ergibt sich eine je fünfzigfache [bzw. gemäß Kommentar insgesamt 55] Gruppe — höre diese fünf [Kategorien] der Reihe nach (V.65). Dieser hochtechnische Abschnitt zur Yantra-Konstruktion ist im Original besonders schwer beschädigt; die Übersetzung folgt, wo möglich, den knappen Kommentarhinweisen (u.a. zur Gesamtzahl von 55 Yantras).
In all diesen [Yantras] zeichnet man zunächst [?] in Rot auch die Mātṛkā (das Alphabet-Diagramm) ein, schreibt maßvoll [die Namen] und danach wird ihre Anwendung (viniyoga) erklärt (V.66). Je zwei Yantras für Unterwerfung, zwei für Anziehung, zwei für Besänftigung; durch Einsetzen eines anderen Namens in der Mitte ergeben sich weitere Varianten (V.67). So wird dieses [Grund-]Ergebnis siebenundzwanzigfach; höre die übrigen [Anwendungen] der Reihe nach (V.68): Lähmung, Verwirrung, dann ebenso Feindschaft und Vertreibung; Tötung mit je zwei [Yantras]; ein hartes [Ritual] aus der Gruppe [bewirkt zudem] Verderben [?] (V.69, Ende unsicher). [Ferner Yantras] für Elefanten, Pferde und Kamele, für [Beute-]Büffel und -Widder, für Rinder, Männer, Frauen, für den Sieg über Feinde in der Schlacht (V.70).
Für Zweikampf, Debatte und alle Arten von Rechtsstreit; und es gibt [ein Yantra], das Stadt und Dorf Segen bringt (V.71). Von den in der Vidyā bereits genannten Silben abgesehen, ergeben die verbleibenden elf Silben, wie zuvor, in Verbindung mit den Vokalen [weitere Silbenreihen], o große Herrin (V.72). So werden hundertsechsundsiebzig zum Mantra gehörige Silben genannt; man schreibe sie, in elf Gruppen geteilt, in die genannten Yantras ein (V.73). Mit der Mātṛkā und der Vidyā umschlossen füge man den [Ziel-]Namen ein; hiermit wird die Anwendung der sechzehn [im Folgenden einzeln behandelten] Yantras erklärt (V.74).
prathamena tu yantreṇa kanyakāḥ sva-vaśaṃ nayet | tenaiva tāsām ārtiṃ ca śamayet snigdha-dhāraṇāt [?] ||75||
svastha-āveśaṃ ca tenaiva kuryān mantra-japaṃ tathā | tan-mayīṃ [tat-sthāṃ ca] bhāvayet kanyāṃ dhūpaḥ sarja-rasena tu ||76||
āviṣṭāṃ tāṃ sam-abhyarcya proktais tair upacārakaiḥ | pṛcchet sva-vāñchitān arthān ācaṣṭe sātmanaḥ sadā ||77||
tato 'bhyarcyātmanā yojyaṃ tāṃ tad-ātmā bhavet svayam | tāsām avasthām anyaiś ca śamayed asya dhāraṇāt ||78||
Mit dem ersten Yantra bringt man Mädchen unter die eigene Kontrolle; mit demselben kann man auch ihre Not lindern, durch liebevolles Tragen [des Yantras] [?] (V.75). Mit demselben bewirkt man auch die Besitznahme [durch die Göttin] in einer gesunden [Jungfrau] sowie Mantra-Rezitation; man stelle sich das Mädchen als mit ihr [der Göttin] eins vor, [unter] Räucherung mit Sarja-Harz (V.76). Die so Besessene verehre man mit den genannten Opfergaben und befrage sie nach den gewünschten Dingen; sie, [nun mit der Göttin identifiziert], berichtet stets von selbst (V.77). Danach vereinige man sie [wieder] mit sich selbst durch Verehrung; man selbst wird mit ihr [der Göttin] eins. Auch den Zustand [besessener Mädchen], die durch andere [Geister ergriffen sind], kann man durch das Tragen dieses [Yantras] beruhigen (V.78).
Mit dem zweiten Yantra, auf Tuch mit roter Ockerfarbe gezeichnet, besiegt man damit sogleich den Debattengegner (V.79). Durch dessen Aufstellung wird selbst ein zuvor sehr Selbstsicherer augenblicklich sicher: mit gelähmter Zunge, sprachlos, trockenem Mund, unstetem Blick (V.80), nach allen zehn Richtungen blickend, alle Scham ablegend flieht er; rasch zu Füßen fallend spricht er: „Ich bin von dir besiegt." (V.81)
Mit dem dritten [Yantra], geschrieben mit nächtlich angeriebenem Wasser, auf Tuch oder Scherbe, auf heißen Boden gestellt (V.82), oder unter den Herd [gelegt], Tag für Tag: es lähmt fest den Feind — seinen Zorn, seinen Gang, seinen Verstand, seine Zunge, seinen ganzen Kampfeinsatz (V.83). Sobald man von seinem Nahen im Voraus erfährt [?], vergräbt man es mitten auf dem Weg; nachdem man mit dem Yoni-Mantra dieses [Yantras] ein Opfer dargebracht und das Mantra abermals gesprochen hat (V.84) — dadurch wird sein Heer geschlagen, von Krankheit [?] erfasst, in Verwirrung geraten und von Furcht ergriffen; es kann sich durch die Macht des Yantras nie wieder sammeln (V.85).
Das vierte [Yantra] ist im Original so stark beschädigt, dass nur erkennbar bleibt: nach der zuvor beschriebenen Art gezeichnet und in/bei der Feindesstadt aufgestellt (V.86) — der Feind kommt rasch durch aus Feindschaft entstehende Krankheiten u.ä. zugrunde; bei all diesen [aggressiven] Anwendungen sorge man auch für den eigenen Schutz (V.87). Mit dem fünften, sechsten, siebten, achten und neunten [Yantra] richte man Schutz für Reich, Stadt und Wohnstätte ein (V.88).
In den vier Haupt- und acht Nebenrichtungen sowie in der Mitte stelle man das auf einer Kupferplatte angefertigte Yantra auf (V.89); das fünfte stelle man der Reihe nach in der Mitte auf, gemäß seiner Anwendung; [ebenso] vergrabe man es, wie vorgeschrieben, im eigenen Reich, in der Stadt oder im Königspalast (V.90). Dadurch werden feindselige, als wohltätig getarnte Anwendungen und grausame Angriffe [?], unfähig einzudringen, auf den zurückgeworfen, der sie einsetzt (V.91, unsicher). Mit dem zehnten [Yantra], auf eine Silberplatte gezeichnet und als Rüstung getragen, dringt ein Held rasch in die Schlacht ein und vernichtet und zerschlägt sie (V.92). Das elfte, mit nächtlich angeriebener roter Ockerfarbe geschrieben, auf Tuch aufgestellt, beruhigt rasch eine in Verwirrung geratene Schlacht (V.93).
dvādaśenendu-kāśmīra-likhitena ghṛtena tu | bhūrje parva-puṭe samyak sarva-ratnā bhaven nṛṇām ||94||
trayodaśena yantreṇa tāla-patra-kṛtena tu | tāla-lipyena kudyāntaḥ sthāpitenārcitena ca ||95||
kṣemaṃ [?] bhaved vyādhi-cora-graha-bhujaṅgamāt | rājato vairitaḥ bādhād anyad vā āditas tathā ||96||
caturdaśena yantraṃ tu bhūrja-parve sthitena vai | tena kāminīnāṃ tu saubhāgyam atulaṃ bhavet ||97||
Mit dem zwölften [Yantra], mit Kampfer und Safran in Ghee auf Birkenrinde geschrieben, an einem Gelenk [des Körpers] gefaltet [getragen], erlangen Menschen alle Arten von Juwelen (V.94). Mit dem dreizehnten Yantra, auf ein Palmblatt mit Gelbwurz-Tinte geschrieben, in einer Wand eingelassen und verehrt (V.95), entsteht Sicherheit [?] vor Krankheit, Dieben, [unheilvollen] Ergreifer-Geistern (graha) und Schlangen, ebenso vor Bedrängnis durch den König, einen Feind oder anderes (V.96). Das vierzehnte Yantra, an einem Birkenrinden-Falz angebracht, verleiht Frauen unvergleichliches eheliches Glück (V.97).
Ebenso erlangt, mit dem fünfzehnten, auf Goldblatt getragen, selbst eine Unfruchtbare einen tugendreichen, langlebigen Sohn (V.98). Mit dem sechzehnten, in der beschriebenen Weise zusammen mit einer Ghee-Salbung, wird sie ihrem Gatten, selbst neben Nebenfrauen, über die Maßen lieb (V.99). Auf Birkenrinde [getragen], ebenso mit Ghee, bleibt sie unter den Sterblichen stets allen ergeben/geschützt vor König, Dieb, Ergreifer-Geistern und anderem [?] (V.100, Sinnrichtung unsicher zwischen „Zuneigung“ und „Schutz“).
So wurde die Durchdringung (vyāpti), die aus dem Wesen der Berührung (sparśa-tattva) besteht, richtig dargelegt; durch deren Auflösung wird auch dieser [Bewusstseins-]Zustand dem eigenen Selbst zu eigen gemacht (V.101) — ein Vers, der wortgleich (bis auf das Leitwort rūpa/sparśa) auch Kapitel 8 beschließt und offenbar für jede Nityā-Sektion in variierter Form (nach den fünf Sinnesobjekten/tanmātras) wiederkehrt.
So [endet] im ehrwürdigen Ṣoḍaśanityā-Tantra, [in der Fassung] des ehrwürdigen Kādi-mata, das neunte Kapitel.