Paṭala 35: nityānāṃ svātmatvavāsanāyās tattadvidyāsvarūpabhedaprakāraprastārādikasya svarūpaprakāśanaparaṃ pañcatriṃśapaṭalam
35-tes Kapitel: Die vāsanā der Selbst-Identität der Nityās und die Formen, Arten und Ausbreitungsverfahren (prastāra) ihrer Vidyās (Mantra-Klassifikation, Silben-Permutationen, Mantravīrya und die Kennzeichen des Erfolgreichen)
Quelle: Tantrarāja-Tantra Band II mit dem Kommentar Manoramā des Subhagānandanātha, hrsg. Sadāśiva Miśra, Tantrik Texts, Calcutta: Agamanusandhana Samiti, 1926 (archive.org, OCR). Paṭala 35 (100 Verse) behandelt, im Anschluss an die sechzehn individuellen Nityā-Kapitel (Paṭala 19-34), zunächst (V.1-23) die esoterische vāsanā (Einprägung) der Wesenseinheit der sechzehn Nityās mit dem eigenen Selbst, wobei zentrale Ritualbegriffe (Guru, Yantra, Nyāsa, Japa, Homa, Tarpaṇa, Abhiṣeka usw.) durchgehend non-dualistisch als Chiffren für innere Erkenntnisvorgänge neu gedeutet werden; es folgt (V.24-26, stark korrupt) eine kurze Andeutung zur Buchstabenmystik der Hṛllekhā; danach (V.27-53) eine hochtechnische Abhandlung über die Klassifikation der Mantras nach Silbenzahl (Piṇḍa/Dvyakṣara/Vīja/Mālā) samt exakter Fakultätsberechnung ihrer möglichen Silben-Permutationen (3!=6 bis 9!=362880) und der geometrischen Konstruktion eines Permutations-Diagramms (prastāra) sowie eines Fünfzig-Felder-Rades der Mātṛkā-Buchstaben, deren Namen (V.49-53) bewusst in verschlüsselter Reihenfolge mitgeteilt und laut Text selbst als geheim zu bewahren erklärt werden (V.54); es folgt (V.54-61) eine allgemeine Methode zur Verschlüsselung beliebiger Verse durch Silben-/Pāda-Vertauschung und deren rituelle Anwendung; danach (V.61-69) die Lehre vom Mantravīrya (der eigentlichen Wirkkraft der Mantras) und den drei Bedeutungsebenen jeder Mantra-Silbe; schließlich (V.70-90) eine Aufzählung der Fehlerquellen unvollkommener Mantra-Praxis, der sechzehn Kennzeichen des erfolgreichen Praktizierenden (siddha) und der wechselseitigen „Feindschaft“ von Mantras/Gottheiten je nach Elementzugehörigkeit und Geschlecht, mit einer Warnung vor gleichzeitiger Übung mehrerer Mantras; und zuletzt (V.91-100) die Herstellung einer mantrisch geweihten Kräuter-Pille (guṭikā) aus fünfmal zehn den Elementen zugeordneten Heilpflanzen. Die OCR-Qualität ist wie im übrigen Band durchgehend sehr schlecht; besonders der hochtechnische Abschnitt zur Mantra-Kombinatorik (V.27-46) und die absichtlich verschlüsselte Buchstabenliste (V.49-53) sind so beschädigt bzw. genuin kryptographisch, dass keine sichere akṣara-genaue Rekonstruktion möglich ist; diese Stellen sind ausführlich mit [?] markiert bzw. (V.24-26, 49-53) nur inhaltlich zusammengefasst statt Wort für Wort übersetzt. Die Verszählung der Ausgabe ist durch häufige OCR-Ziffernverwechslungen (v.a. zwischen den Ziffern 8 und 9) unzuverlässig; sie wurde für diese Übersetzung anhand der tatsächlichen Versfolge durchgängig auf 1-100 korrigiert (ein zwischen Vers 60 und 61 auftretendes, durch Seitenlayout-Störung stark verstümmeltes Satzfragment ließ sich keinem eigenen Vers zuordnen und wurde nicht mitgezählt, siehe Notes zu 35.58). Das Kapitel entspricht mit rund 48000 gelesenen Zeichen (ca. 781466-829870 in window.TT2) in etwa dem geschätzten Bereich, reicht jedoch am oberen Ende leicht über die ursprünglich geschätzte Grenze 828374 hinaus (Paṭala 36 beginnt danach bei ca. 829930). Auffällig ist, dass der unmittelbar vor dem Kolophon stehende, nicht nummerierte Schlussvers („sadāśivamayī vyāptiḥ...“) wortidentisch mit dem entsprechenden Schlussvers von Paṭala 34 ist - möglicherweise eine im Original wiederkehrende Formel oder ein Duplikationsartefakt der Quelle; er wurde hier unabhängig davon korrekt für Kapitel 35 übersetzt.
Nun will ich die vāsanā (die einprägende Grundüberzeugung) verkünden, welche die Wesenseinheit der sechzehn Nityās mit dem eigenen Selbst begründet, durch die diese Einheit gewiss zu unmittelbarer, anschaulicher Erkenntnis wird.
Der Guru, o Göttin, ist eben jene Śakti, deren Gestalt aus reinem Selbst-Erfassen (vimarśa) besteht [?]; die beständige „Erneuerung" seines Wesens erscheint durch [seine gnadenvolle] Röte [?].
Die Opfergöttinnen [beginnend etwa mit Sarasvatī? – unsicher], die fünfte von väterlich-erzeugender Natur [?] – Kurukullā ist [ihre] Mutter; die Ziele des Menschen (puruṣārtha: Dharma usw.) aber sind [den Ozeanen gleich, d.h.] unermesslich groß.
Vers 2-3 stark korrupt. Der Kommentar erklärt zu Vers 2, der Guru sei nichts als die ursprüngliche, aus reinem Selbstbewusstsein (vimarśa) bestehende Śakti selbst; wie eine Öffnung das Aufzunehmende aufnimmt und das Abzulehnende freigibt, bewirke der Seitenblick (kaṭākṣa) dieses Guru beim Schüler Hinwendung zum Nützlichen und Abkehr vom Schädlichen - die genaue Wortbedeutung von 'navatvam...raktatvena' bleibt aber unsicher. Zu Vers 3 bestätigt der Kommentar nur, dass Kurukullā (zusammen mit Vārāhī) als mütterliche, wunscherfüllende Śakti der Sādhakas verehrt wird und von einem Anteil von 'Vater' und 'Mutter' an Körper, Sinnen und Verstand die Rede ist; die genannten Einzelgöttinnen sind wegen OCR-Schäden nicht sicher identifizierbar.
Der Körper [gilt als aus] zwei Linien [bestehend, d.h. als bloße Grenze der Selbstwahrnehmung; seine] „Neuheit" [besteht] durch die Körpergewebe (dhātu: Fett, Same, Mark, Knochen usw.) und das Haar; die [sechs] Stützpunkte (ādhāra, die Cakras) sind mit [innerer] Vorstellung verbunden, ebenso [entsprechen ihnen] alle Jahreszeiten.
Durch die Planeten und das Tierkreisrad ist die Zeit ihrem Wesen nach nach Westen gewandt; deshalb [wendet sich der Verehrer] nach Osten; anderes hierzu wurde dir bereits an anderer Stelle mitgeteilt.
Der Erkennende ist das eigene Selbst, das Erkenntnismittel das Innere, das zu Erkennende das äußerlich Befindliche; das Śrīcakra und seine Verehrung werden als die Vereinigung dieser drei bezeichnet.
Vers 4 nach Kommentar rekonstruiert: die 'Neunfachheit' des Körpers bezieht sich auf die neun Körpergewebe (dhātu), die sechs 'Stützen' (ādhāra) sind die von Mūlādhāra bis Ājñā reichenden Cakras (laut Kommentar Wohnsitz der Ḍākinī u.a. Yoginīs, vgl. Paṭala 16). Vers 5: Kommentar verweist auf eine ausführlichere Zeit-Lehre in Paṭala 36. Vers 6 stimmt gut mit dem Kommentar überein (Verschmelzung von Erkennendem/Erkenntnis/Erkanntem als wahre Bedeutung der Śrīcakra-Verehrung).
śrīcakre vibhavāḥ proktā rasā niyatisaṃyutāḥ | ūrmayaḥ puṇyapāpe ca brāhmyādyā mātaraḥ smṛtāḥ ||7||
bhūtendriyamanāṃsy eva kramān nityākalāḥ punaḥ | karmendriyārthā doṣāś ca jñeyāḥ syuḥ śaktayo 'ṣṭau vai ||8||
[ṣaḍūrmayaḥ] proktāḥ kṣobhiṇyādyās tu śaktayaḥ | vāyavo daśa samproktāḥ sarvasiddhādiśaktayaḥ ||9||
[aparāḥ] daśa samproktāḥ sarvajñādyās tu śaktayaḥ | śītoṣṇasukhaduḥkhecchā guṇāḥ proktās tu [pañca] vai ||10||
Im Śrīcakra sind [zunächst die acht] Vollkommenheiten (Aṇimā usw.) genannt; die [neun] „Rasas“ (Grundstimmungen) sind mit der „Niyati“ (Bestimmung) zu zehnt verbunden; die [sechs] „Wogen“ (Hunger, Durst, Kummer, Verblendung, Alter, Tod) sowie Verdienst und Unheil [ergeben acht]; und die mit Brāhmī beginnenden [acht] Muttergöttinnen werden überliefert.
Die Elemente, die Sinnesorgane und der Verstand [bilden zusammen elf und] sind der Reihe nach wiederum die „Nitya-Kalās“; die Objekte der Handlungsorgane und die [drei] Körpersäfte sind als die [übrigen] acht Śaktis zu erkennen.
[Die sechs Wogen erneut? unsicher] werden als die Śaktis Kṣobhiṇī und die übrigen genannt; die zehn Lebenshauche (vāyu) werden als die Śaktis „Sarvasiddhi“ und die übrigen bezeichnet.
[Wiederum] zehn [Śaktis], mit „Sarvajñā“ beginnend, werden genannt; Kälte, Hitze, Lust, Leid und Begierde werden als die fünf [Sinnesqualitäten als] Guṇas bezeichnet.
Verse 7-10 zählen systematisch die den einzelnen Hüllen (āvaraṇa) des Śrīcakra zugeordneten Śakti-Gruppen auf (Vibhūtis, Rasas+Niyati, Ūrmis+Puṇya/Pāpa, Mātṛs, Bhūta-Indriya-Manas als Nityākalās, Karmendriyārthas+Doṣas, Kṣobhiṇyādi-Śaktis der 8 Blütenblätter, Vāyu/Prāṇa-Śaktis der 16 Blütenblätter, Sarvajñādi-Śaktis, fünf Tanmātra-Guṇas) - das übliche Śrīvidyā-Cakra-Schema; genaue Einzelzuordnungen wegen starker OCR-Korruption unsicher.
Die Vaśinī und die übrigen Śaktis sind [Trägerinnen] des Blütenpfeils; der Verstand (manas) ist der Zuckerrohrbogen, die Schlinge (pāśa) ist die Leidenschaft (rāga) selbst.
Der Hass ist ebenso der Elefantenstachel, o Schönfarbige, der Reihe nach; [diese drei Attribute entsprechen], in umgekehrter Ordnung, den Gestalten von Avyakta (dem Unentfalteten), Ahaṅkāra (Ich-Bewusstsein) und Mahat (dem kosmischen Intellekt).
Kāmeśvarī und die übrigen [Nityā-]Göttinnen [entsprechen den Buchstabengruppen]; Kāmeśvara wird als das reine Bewusstsein (saṃvit) überliefert; das eigene Selbst selbst wird als die Gottheit erklärt - als Lalitā, die verkörperte Ganzheit alles Manifestierten.
Jene „Röte“ [von zuvor] ist das Selbst-Erfassen (vimarśa); die „Verehrung“ ist eben diese meditative Vergegenwärtigung; der „Erfolg“ ist die Ungeteiltheit des eigenen Geistes; die „Handgeste“ (mudrā) ist das Vergegenwärtigen der göttlichen Machtfülle.
Die „Opfergabe“ ist, eben durch diese Identifikation, die Unachtsamkeitslosigkeit [des Geistes]; die „Anwendungen“ (prayoga) aber sind die Auflösung der dualistischen Gedankenkonstruktionen (vikalpa) samt ihrer Ursache im eigenen Selbst.
Verse 11-15 sehr korrupt. Verse 14-15 setzen die bereits in Vers 2 begonnene Umdeutung tantrischer Grundbegriffe (Guru, jetzt: Verehrung, Erfolg, Mudrā, Opfergabe, Anwendung) im Sinne einer nichtdualen Selbst-Erkenntnislehre fort: jeder äußere Ritus wird als Chiffre für einen inneren Bewusstseinsvorgang erklärt.
Die „Yantras“ sind, wie die Wissenden erkennen, überall nichts als das Mittel zur Verwurzelung im eigenen Selbst; die „Verehrung der Göttin zu den drei Dämmerungszeiten“ bedeutet das beständige Erleuchten von Anfang, Mitte und Ende [der Zeit als eines einzigen Selbst].
Die anderen, ringsum im Cakra wandelnden [geheimen] Śaktis (Yoginīs) aber werden als die Ursachen der mannigfaltigen Erscheinungswelt bezeichnet.
Der „Nyāsa“ wiederum ist die Gestaltung des eigenen Körpers zur Gottheit; die „Rezitation“ (japa) wird als die Vergegenwärtigung des Wesenseinsseins [mit der Gottheit] recht bezeichnet.
Ebenso gilt das Zum-Erlöschen-Bringen der mannigfaltigen Erscheinungswelt im eigenen Selbst [als „Feueropfer“]; das Vergegenwärtigen ihrer wechselseitigen Verschmelzung [aller Erkenntnisformen] wäre das „Wasseropfer“ (tarpaṇa).
Fortsetzung der inneren Umdeutung ritueller Begriffe (Yantra, Sandhyā-Verehrung, Umwandlung der Yoginīs im Cakra, Nyāsa, Japa, Homa, Tarpaṇa) als Chiffren für nichtduale Erkenntnisvorgänge - typisch für die Śrīvidyā-Hermeneutik dieses Tantra.
Das Zum-Erlöschen-Bringen der aus Verblendung, Unwissenheit und dergleichen entstehenden Leiden im eigenen Selbst gilt als das eigentliche „Bad“ (abhiṣeka); die Vidyā selbst aber ist das große Selbst, die Zuflucht von allem.
Die Freiheit von allen äußeren Bedingtheiten (upādhi) wird als die wahre „Unterweisung“ bezeichnet; die „Guru-Gabe“ (dakṣiṇā) [besteht in der Nicht-Verschiedenheit vom Guru, unsicher], und „Dienstbereitschaft“ wird als Standhaftigkeit [in der Selbsterkenntnis] erklärt.
Das Betrachten des Wandels der Zeit in Gestalt der Mondphase (tithi) [ist die wahre Bedeutung der Tithi-Nityā-Verehrung]; „dies sind die fünfzehn Nityās“ - so wurden nun [die entsprechenden] vāsanās erklärt.
Fortsetzung der inneren Umdeutung ritueller Begriffe (Abhiṣeka, Unterweisung, Guru-Gabe, Dienstbereitschaft, Tithi-Nityā-Verehrung). Vers 22 fasst den mit Vers 1 begonnenen Abschnitt als Darlegung der 'vāsanā' der Nityās zusammen; der Kommentar verweist für Details auf frühere Kapitel dieses Werks.
Die Elemente, angefangen mit der Erde, [entsprechen] den Fingern, angefangen beim kleinen Finger; durch die verschiedenen Arten ihrer wechselseitigen Verschmelzung [ergibt sich] die ganze Vielfalt der Erscheinungswelt.
Vers 23 stellt eine Entsprechung zwischen den fünf Elementen und den fünf Fingern her (kleiner Finger = Erde usw., aufsteigend); die Verschmelzung der Finger/Elemente untereinander erklärt die Vielfalt der manifestierten Welt - vermutlich Grundlage einer (im Folgenden nicht mehr klar erkennbaren) Handgesten- oder Nyāsa-Lehre.
[?] ||24||
[?] ||25||
[?, betrifft hallekhā und die Feuer-Silbe] ||26||
[Diese drei Verse sind im vorliegenden OCR-Text so schwer beschädigt, dass keine verlässliche Silbenrekonstruktion möglich ist; auf eine geratene Übersetzung wird verzichtet.]
Laut Kapitelüberschrift im Kommentar („lalitāvidyākṣarārthakathanam“, „Erklärung der Bedeutung der Silben der Lalitā-Vidyā“) legen diese drei Verse die esoterische Bedeutung der Silben ihrer Wurzel-Vidyā (insbesondere der Hṛllekhā, hrīṃ) dar: die Raum-Silbe (ākāśākṣara, „halllekhā“) und die Feuer-Silbe werden mit dem Ausstrahlen (prakāśa) und Verschlingen (grāsa) der Sprache (Bhāratī/Vāc) gleichgesetzt, deren Verschmelzung (tādātmyavimarśa) durch einen vierten Laut (Bindu) als Einheit von Śiva und Śakti gedeutet wird. Der Rohtext selbst ist an dieser Stelle so zerstört (u.a. lateinschriftlicher OCR-Datenmüll), dass eine Wort-für-Wort-Übersetzung nicht seriös möglich ist; gemäß Anweisung wird hier [?] gesetzt statt geraten.
Nun wird die Methode der Bildung der Mantras dargelegt, die für jene, die in der wahren Wirkkraft (vīrya) der Mantras vollendet sind, gegenüber den anderen eine Besonderheit ausmacht.
Die einsilbigen Mantras heißen „Piṇḍa“ (Klumpen), die zweisilbigen [einfach] „Dvyakṣara“; von zwei Silben angefangen bis zu neun Silben heißen sie „Vīja“ (Samen-Mantras).
Von da an, von zehn Silben angefangen bis zu zwanzig Silben, [heißen sie „Mālā“]; auch darüber hinaus gehen sie als „Mālā“, worin kein Unterschied mehr besteht.
Zwischen den beiden ersten Klassen, Piṇḍa und Dvyakṣara, besteht kein [zahlenmäßiger] Unterschied; bei den Vīja-Mantras aber besteht ein Unterschied [je nach Silbenzahl]; ihre jeweilige Anzahl [möglicher Silbenanordnungen] wird nun verkündet.
Sechs, dann vierundzwanzig, dann [ein]hundertzwanzig, dann siebenhundertzwanzig, [der Reihe nach fortschreitend - die Anzahl der möglichen Silbenumstellungen bei drei, vier, fünf und sechs Silben].
Klassifikation der Mantra-Arten nach Silbenzahl (piṇḍa=1, dvyakṣara=2, vīja=3-9, mālā=10 und mehr) und Angabe der Anzahl möglicher Silbenpermutationen für 3-, 4-, 5- und 6-silbige Vīja-Mantras: 6(=3!), 24(=4!), 120(=5!), 720(=6!) - die Zahlen entsprechen exakt den Fakultäten, wie der Kommentar durch eine ausführliche Rechnung bestätigt. OCR bei den Zahlwörtern teils korrupt, aber durch die Kommentar-Rechnung eindeutig identifizierbar.
Fünftausend[und vierzig], [dann vierzigtausenddreihundert]zwanzig, sodann mit dreihunderttausend[zweiundsechzigtausendachthundertachtzig] verbunden [- die Permutationszahlen für sieben-, acht- und neunsilbige Vīja-Mantras].
Dreihunderteinundsechzigtausendachthundertachtzig - dies ist die [letzte] Permutationszahl; so sind, von der drei- bis zur neunsilbigen Stufe, die sieben Zahlen genannt, mit deren Hilfe man die übrigen [Silbenzahlen ab zehn] weiterberechnen möge.
Höre, Göttin, der Reihe nach das Verfahren der geometrischen Aufreihung (prastāra) dieser [Permutationen]; eben mit diesen Zahlen soll man Schritt für Schritt die Silbenumstellungen der Mantra-Wörter ermitteln.
[Nachdem man die Silben] aufgeschrieben hat, schreibe man der Reihe nach [die weiteren Zahlen] darunter und darüber; vier oder fünf [Linien], in kreuzförmiger Gestalt, bis zur zehnten Stufe.
Fortsetzung der Fakultätsberechnung (7!=5040, 8!=40320, 9!=362880, vom Kommentar durch Rechnung ausdrücklich bestätigt) und Einleitung des geometrischen 'Prastāra'-Verfahrens (Permutationstabelle mittels Linien und Feldern). Genauer Wortlaut der Konstruktionsanweisung wegen OCR-Schäden nur ungefähr rekonstruierbar; Zahlenangaben durch Kommentar-Rechnung gesichert.
tadadho rekhās tāstatsaṅkhyāṅgulāvadhi | tiryagrekhās tāvato 'ṅkān kṛtvā teṣv aṅkam ālikhet ||36||
savyadakṣasthiteṣv eva koṣṭhapaṅktiṣv anukramāt | ādye dvidvikramād aṅkān pūrayet tatra coditān ||37||
etena anyatra sarvatra deyān aṅkān anukramāt | dvitīyapaṅktau prathame khaṇḍe śeṣāṃs tān pūrayet ||38||
dvitīyādiṣv api tathā śeṣān khaṇḍeṣu pūrayet | dvitīyapaṅktau tu śeṣais tv evam eva samālikhet ||39||
caturthādiṣv api tathā navamāntaṃ samālikhet | tiryakpaṅktiṣv anabhyastakramam aṅkās tu sarvataḥ ||40||
Darunter [ziehe man] jene Linien, bis zur jeweils erforderlichen Anzahl von Fingerbreiten; nachdem man ebenso viele Querlinien gezogen hat, schreibe man in den [entstandenen Feldern] die Zahlwerte ein.
In den von links nach rechts angeordneten Feldreihen, der Reihe nach; in der ersten [Reihe] fülle man, im Zweierschritt fortschreitend, die dort vorgeschriebenen Zahlen ein.
Auf dieselbe Weise trage man überall sonst der Reihe nach die einzutragenden Zahlen ein; in der zweiten Reihe fülle man im ersten Abschnitt die übrigen Zahlen ein.
Ebenso fülle man auch in den weiteren Abschnitten die übrigen Felder; in der zweiten Reihe aber schreibe man mit den übrigen Zahlen auf genau dieselbe Weise.
Ebenso schreibe man fort, von der vierten Reihe bis zur neunten; in den Querreihen sollen die Zahlen überall in ungewohnter, nicht-wiederholter Reihenfolge erscheinen.
Diese fünf Verse beschreiben in extrem technischer, kaum mehr im Detail nachvollziehbarer Weise das geometrische Verfahren zur Konstruktion einer vollständigen Permutationstabelle (aller Silbenanordnungen) mittels eines Rasters aus Linien (rekhā) und Feldern (koṣṭha). Der Kommentar begleitet die Konstruktion mit einem durchgerechneten Beispiel für sechs Permutationen, ist aber selbst so von OCR-Fehlern durchsetzt, dass eine lückenlose Nachvollziehung nicht möglich ist; die Übersetzung folgt dem erkennbaren Metrum und den noch lesbaren Fachbegriffen (rekhā = Linie, koṣṭha = Feld, paṅkti = Reihe, khaṇḍa = Abschnitt).
So entsteht, o von Helden Verehrte, aus all diesen [Umstellungen] die Vidyā; die in der untersten Reihe [stehende Silbenfolge] ist die „rückläufige“, die mittlere die von „wirrer“ Anordnung.
Durch alle diese [Silbenumstellungs-Vidyās] wird rasch alles Erwünschte erreicht; die daraus entstandenen Varianten der Lalitā[-Vidyā] wurden im Yantra-Kapitel dieses Werkes genannt.
Auch die aus [den Kombinationen von] Nitya und Anitya entstandenen vollendeten [Silbenreihen] wurden im dortigen Yantra-Kapitel genannt; die übrigen Varianten aber sind jeweils dort zu suchen, wo sie [im Werk] genannt sind.
Die Bedeutungen dieser fünf Mantra-Arten sind grob und fein zugleich; wodurch aber entsteht ihre „Richtigkeit“ (samyaktva), mühelos für alle von ihnen?
Wodurch entsteht diese Richtigkeit, und wie geschieht ihre rechte Herstellung? Welches sind die Kennzeichen der wahren Vidyā, und welcher Erfolg wird dabei genannt?
Man ziehe sechs waagrechte Linien, und senkrecht dazu, der Reihe nach, elf weitere; so entsteht ein Rad (cakra) mit fünfzig Feldern.
Abschluss des Prastāra-Themas (V.41-43: verschiedene Silbenfolgen - rückläufig, mittig, wirr - alle gleich wirksam; Verweis auf frühere Kapitel für die daraus entstandenen Lalitā- und Nitya/Anitya-Yantra-Varianten) und Übergang (V.44-46) zu einem neuen Thema: der 'Richtigkeit' der fünf Mantra-Arten und der Konstruktion eines Fünfzig-Felder-Rades für die fünfzig Buchstaben der Sanskrit-Mātṛkā.
Man schreibe dort, von links nach rechts, die Buchstaben der Reihe nach; fünf Reihen werden genannt, die des Prāṇa (Lebenshauch/Wind), des Feuers, des Wassers und der Erde [entsprechend, die fünfte ist die des Äthers].
Die Schöpfung, „Māyā-Śakti“ genannt, der Herr, der aus allen Elementen/Wesen besteht - deshalb ist eben dessen [Śiva-]Anordnung nicht auf einen [einzigen] Ort beschränkt, [sondern durchdringt alles].
Beschreibung des Fünfzig-Felder-Rades: die fünfzig Silben der Mātṛkā werden in fünf Zehnergruppen den fünf Elementen (Wind/Prāṇa, Feuer, Wasser, Erde, Äther) zugeordnet und reihenweise eingetragen; Vers 48 erklärt diese Anordnung als Ausdruck der alldurchdringenden, mit allen Elementen wesensgleichen Śiva-Śakti.
[Diese fünf Verse zählen die fünfzig Buchstaben der Mātṛkā, den fünf Elementen zugeordnet zu je zehn, in einer vom Text selbst absichtlich verschlüsselten ("wirren", vyākula) Reihenfolge auf. Der Text erklärt in Vers 54 ausdrücklich, dass gerade durch diese Namen die Mantra-Herausziehung (mantroddhāra) erfolgt und die Namen deshalb stets geheim zu halten sind. Eine Entschlüsselung der ursprünglichen, absichtlich verschlüsselten Buchstabenfolge ist im Rahmen dieser Übersetzung nicht seriös möglich (die Quelle selbst verlangt Geheimhaltung), und die OCR ist zusätzlich an dieser Stelle extrem beschädigt; auf eine geratene Rekonstruktion wird daher verzichtet.]
Der Kommentar bestätigt das Grundschema: fünf Zehnergruppen von Silben, zugeordnet Vāyu (Wind), Tejas/Agni (Feuer), Bhūmi (Erde), Ap (Wasser) und Vyoman/Ākāśa (Äther) - die klassischen fünfzig Mātṛkā-Akṣaras (a bis kṣa), den fünf Elementen zugeordnet, hier jedoch in kryptographisch verschlüsselter Reihenfolge mitgeteilt.
etair nāmabhir eva atra mantroddhāraḥ kṛtaḥ śive | tasmād ataiva gopyāni nāmāny etāni sarvadā ||54||
uktanigūhanayogena likhet tatra tu pustake | pradāyaikaṃ vadet karṇe śiṣyasyaivottamasya tu ||55||
[?, betrifft ein Verschlüsselungsverfahren für beliebige Verse durch Vertauschung von Pāda-Positionen] ||56||
ślokenānena janayed anantān sampradāyataḥ | nānāvṛttān abhīṣṭārthān nigūhanāya tu deśikaḥ ||57||
Durch eben diese Namen wird hier, o Śivā, die Mantra-Herausziehung (mantroddhāra) vollzogen; deshalb eben sind diese Namen stets geheim zu halten.
Nach der genannten Verhüllungsmethode schreibe man [das Mantra] dort im Buch nieder; nachdem man [es überliefert] hat, spreche man es nur ins Ohr des würdigsten Schülers.
[Dieser Vers ist im OCR-Text so beschädigt, dass keine verlässliche Rekonstruktion möglich ist. Laut Kommentar beschreibt er ein Verschlüsselungsverfahren für beliebige Verse (śloka) durch Vertauschung der Silben-/Pāda-Positionen (1. mit 8., 2. mit 4., 3. mit 6., 5. mit 7.), veranschaulicht durch ein Anuṣṭubh-Beispiel im Kommentar.]
Mit diesem Verfahren mag der Lehrer (deśika), der Tradition folgend, endlos viele verschlüsselte Verse in verschiedenen Versmaßen erzeugen, die gewünschte Bedeutungen zum Zweck der Verhüllung in sich tragen.
Verse 54-57: nach der geheimen Buchstabenliste (V.49-53) folgt die ausdrückliche Anweisung zur Geheimhaltung (V.54), eine Methode der Mantra-Verhüllung beim Niederschreiben und mündlicher Weitergabe nur an den würdigsten Schüler (V.55), sowie ein allgemeines Verschlüsselungsverfahren für beliebige Verse durch Silbenumstellung (V.56-57, im Kommentar mit einem Anuṣṭubh-Beispiel erläutert, dort auch Verweis auf Paṭala 1, Verse 23-24, als Parallelverfahren).
An einem weder zu heißen noch zu kalten, einsamen, ebenen, angenehm gestalteten Ort - in einem Haus oder einem Pavillon weilend - errichte man einen im Innern weiß getünchten Sitz (pīṭha).
Nachdem man [das Yantra bzw. den Text] dort niedergelegt hat, bei Vollmond oder unter einem günstigen Gestirn oder bei günstigem Aufgang, schreibe man es mit Safran, Sandelholz, [Gorocanā?] oder rotem Arsen (darada), wie überliefert.
Nachdem man es geschrieben bzw. niedergelegt hat, rufe man dort das Maṇḍala herbei und verehre die Heilvolle; man rezitiere täglich die Mātṛkā, der Tradition gemäß.
Verse 58-60 beschreiben Ort, Zeit, Material und Ritual für das Niederschreiben und die tägliche Rezitation der (verschlüsselten) Mātṛkā/des Mantras. Unmittelbar nach Vers 60 erscheint im Rohtext ein durch Seitenlayout-Störung stark verstümmeltes, nicht eindeutig als eigener Vers identifizierbares Satzfragment ("...yas tatpadāmbujaśekharaḥ... vācayen naiva kevalaḥ ... iti...", sinngemäß wohl eine Mahnung, verschlüsselte Verse nicht ohne Verständnis zu rezitieren); es wurde nicht als eigener, nummerierter Vers gezählt, da anschließend im Rohtext der nächste Vers wieder eindeutig mit "61" bezeichnet ist und die Gesamtzählung nur so mit dem am Kapitelende eindeutig belegten Schlussvers 100 übereinstimmt.
So möge, [nach diesem Verfahren], der Mantra-Kundige für die gewünschte Gottheit vollständig ein Mantra bilden, das die gewünschte Bedeutung zum Ausdruck bringt, gemäß der genannten Methode.
Mantras, die reich an Äther-, Feuer- und Wind-Silben sind, gelten als zornig, aufwühlend; solche, die reich an Erd- und Wasser-Silben sind, gelten als sanft, verehrungswürdig und erfolgbringend.
Wegen der Vielfalt ihrer wechselseitigen Vermischung entstehen Mantras vielfältigen Ursprungs; durch ihre Verehrung entsprechend ihrer Natur tragen die Vollendeten (siddha) Frucht, durch die Einswerdung [von Sādhaka und Mantra].
Die Bedeutungen der Mantras sind dreifach zu erkennen von denen, die Erfolg (siddhi) begehren; die im Pūjā-Kapitel genannten Verehrer (upāsaka) sind ebenso dreifach.
Klassifikation der Mantra-Silben nach Elementzugehörigkeit in „zornige“ (Äther/Feuer/Wind) und „sanfte“ (Erde/Wasser); Ankündigung der Lehre von den drei Bedeutungsebenen jedes Mantra-Lautes (folgende Verse) und der drei Arten von Verehrern (siddha/sādhya/sādhaka).
Das Verweilen der Erkenntnis am Ursprungs- und Ruhepunkt jedes Buchstabens ist die eine Bedeutungsebene; die andere ist die allseitige, grammatisch-etymologisch feststehende Betrachtung seiner Bedeutung.
Als dritte wird die Vorstellung der Verschmelzung von Bezeichnetem und Bezeichnendem genannt; diese drei Bedeutungsebenen der fünf Mantra-Arten gewähren ausnahmslos den erwünschten Erfolg.
Ich will nun, o Kluge, die Wirkkraft (vīrya) der Mantras verkünden, den Sitz der Glückseligkeit; durch dessen unmittelbare Erfahrung wird der Mensch schon zu Lebzeiten befreit (jīvanmukta).
[Diese Wirkkraft ist] die Ursache auch der Erscheinungswelt, [bestehend aus] den Gestalten der drei feurigen Energien (Brahmā, Viṣṇu, Rudra); und die drei Guṇas, welche als deren Ursache genannt werden, [sind ihr ebenfalls wesensgleich].
Die Vollendung des Erfassens dieser wahren Natur wird als die „Richtigkeit“ (samyaktva) bezeichnet; eben diese Wirkkraft der Mantras wird als deren „Leben“ (jīva) bezeichnet.
Darlegung der drei Bedeutungsebenen jeder Mantra-Silbe (Ursprungspunkt/Ruhepunkt, grammatisch-etymologische Bedeutung, Verschmelzung von Bezeichnetem/Bezeichnendem) und der Lehre vom „Mantravīrya“ (der eigentlichen Wirkkraft der Mantras) als Identität mit den drei Energie-/Schöpfungsformen (Brahmā/Viṣṇu/Rudra) und den drei Guṇas, die Ursache aller Erscheinung sind; der Kommentar zitiert hierzu Paṭala 28 ("kāraṇaṃ parameśāni tavaicchaiva tu kevalam") und verweist vorausschauend auf die in Paṭala 36 gelehrte Kāmakalā-Dhyāna-Methode, durch die der Sādhaka sich mit dieser Wirkkraft eint; ohne solche Identifikation sei ein Mantra wirkungslos.
asamyaktvaṃ tu mantrāṇām ayogyakathanena vai | sadā prayogād bhajanād akāle saṃśayād bhavet ||70||
guror avajñayā pāpād viṣiddhācārayogataḥ | devatādrohataḥ sarvaparivādānavasthayā ||71||
asampradāyād ajñānād anekabhajanād api | tatsamagratvaṃ yena bhavet kāryaṃ tat pūrvam īritam ||72||
Die Unrichtigkeit (Unwirksamkeit) der Mantras aber entsteht durch Mitteilung an einen Unwürdigen, durch beständiges [statt vorschriftsmäßiges] Anwenden, durch Verehrung zur Unzeit oder durch Zweifel;
durch Missachtung des Guru, durch Sünde infolge verbotenen Verhaltens, durch Feindschaft gegen die Gottheit, durch Unbeständigkeit im Verleumden aller [bzw. im gemeinsamen Ritual];
durch fehlende Tradition (sampradāya), durch Unwissenheit, sowie durch die Verehrung mehrerer [Mantras zugleich]. Die Handlung, durch die deren Vollständigkeit (Wirksamkeit) [wiederhergestellt] werden kann, wurde bereits zuvor genannt.
Aufzählung der Ursachen für die Unwirksamkeit von Mantras (Verrat an Unwürdige, unvorschriftsmäßige Praxis, Ungehorsam gegen den Guru, Sünde, Verleumdung, fehlende Tradition, Unwissenheit, gleichzeitige Verehrung mehrerer Mantras); Vers 72 verweist auf ein früher (in diesem Kapitel, vgl. V.54-61) genanntes Mittel zur Behebung solcher Mängel.
Nicht übermäßiger Hass, nicht übermäßige Leidenschaft, keine übermäßige Verstrickung in Genüsse; nicht übermäßiger Kummer, nicht übermäßige Freude, nicht übermäßige Zuneigung, kein Neid;
keine übermäßige Hingabe an Laster, [Zufriedenheit(?), Unempfindlichkeit gegenüber Mühsal(?) - zwei Wörter unsicher], ein Auskommen mit nur dem eigenen Körper [an Bedürfnissen], das Unterlassen der Sorge um andere;
Gleichmut in Gewinn und Verlust, ein stets zufriedenes Gemüt, Geben nach eigenem Vermögen - dies sind die Kennzeichen des Vollendeten (siddha).
Diese drei Verse zählen laut Kommentar in drei Gruppen (7+5+4) insgesamt die "sechzehn Kennzeichen" (ṣoḍaśalakṣaṇāni) des im Mantra Vollendeten (siddha) auf. Zwei Begriffe in Vers 74 sind wegen OCR-Schäden unsicher rekonstruiert.
Die mühelose Erfüllung der Herzenswünsche wird als „Erfolg“ (siddhi) bezeichnet; die Gunst von Königen, Gleichmut gegenüber allen [?];
Ruhm, der Erwerb von Reittieren, Schmuck und dergleichen, langes Leben, Gesundheit, Verlässlichkeit, gute Schüler [zu haben], Dankbarkeit;
das Neutralisieren von Giften, Wissen, ebenso das Wahrnehmen des Wohlergehens anderer, [sowie zwei weitere, unsichere Zeichen] - dies sind [weitere] Erfolgszeichen jenes Mantras, [wenn es] vollendet [ist].
Dies sind die genannten Erfolge, Anzeichen der Vollendetheit (siddhasattva); nur von einem, der diese Vollendetheit erlangt hat, dürfen die [magischen] Anwendungen ausgeführt werden, nicht anders, Geliebte.
Fortsetzung der Aufzählung von Erfolgszeichen (Wunscherfüllung, Königsgunst, Ruhm, langes Leben, Gesundheit, Giftresistenz u.a.) des im Mantra Vollendeten; nur ein solcher "siddhasattva" darf magische Anwendungen (prayoga) durchführen. Einzelne Wörter in V.76 und V.78 wegen OCR-Schäden unsicher; die Verse 78-79 sind im Original mit derselben (OCR-fehlerhaften) Nummer bezeichnet, wurden hier aber der Zählung nach als zwei getrennte Verse (78 und 79) behandelt.
Wie unter den Menschen, so besteht auch unter den Mantras und Gottheiten, o Pārvatī, wechselseitige Feindschaft, bedingt durch das Zusammenwirken ihrer [jeweiligen elementaren] Eigenschaften.
Zwischen den Feuer- und Erd-[Mantras] sowie den Wasser-[Mantras] sollen Feindschaften bestehen; ebenso zwischen den Wind- und Wasser-[Mantras] sowie den Erd-[Mantras], wechselseitig.
Die weiblichen Gottheiten sind größtenteils den männlichen Gottheiten feind; unter den weiblichen Gottheiten besteht wechselseitige [Feindschaft] zwischen den sanften und den zornigen.
Unter den männlichen Gottheiten [besteht Feindschaft] zwischen Tvaritā und Narasiṃha; zwischen den Waffen-[Gottheiten] und den Anuyakṣiṇīs besteht sie durch das Rad der Aghorāstra.
Aufzählung der wechselseitigen "Feindschaften" zwischen Mantras/Gottheiten je nach Elementzugehörigkeit (Feuer/Erde/Wasser/Wind) und Geschlecht (männlich/weiblich) sowie Temperament (sanft/zornig) - eine Art elementar-astrologischer Kompatibilitätslehre für die gleichzeitige Verehrung mehrerer Mantras.
mantrāṇāṃ devatānāṃ ca vairīkaraṇam īśvari | kathayāmi priye prājñe yena loko 'tisidhyati ||84||
vaiṣamyabhajanaṃ puṃsām ajñānād āśayād athavā | tena santo devatāś ca krudhyantīty upāsakam ||85||
tasmāt svasya lokasya mantravīrye hi jīvitam | yannniṣṭhānām amī doṣā na spṛśanti kadācana ||86||
Ich verkünde [nun], o Herrin, die Ursache der Feindschaft (Verfeindung) zwischen Mantras und Gottheiten, o Kluge, Geliebte, durch [deren Kenntnis] die Welt aufs Höchste Erfolg erlangt.
Die unausgeglichene (widersprüchliche) Verehrung der Menschen, sei es aus Unwissenheit oder aus [eigennütziger] Absicht - dadurch erzürnen die Guten (Mantras) und die Gottheiten über den Verehrer.
Deshalb liegt gerade in der Wirkkraft (vīrya) des Mantras das Leben der eigenen Welt [des Verehrers]; diejenigen, die in dieser [Wirkkraft] fest gegründet sind, werden von diesen Fehlern niemals berührt.
Erklärung, dass widersprüchliche (nicht regelkonforme) Verehrung mehrerer Mantras Mantras und Gottheiten erzürnt; nur wer in der wahren Wirkkraft (mantravīrya) des Mantras fest gegründet ist, bleibt von diesen Gefahren unberührt.
Nur den einen Mantra, den man durch Dienstbereitschaft gegenüber dem Guru zur rechten Zeit ehrfürchtig erhalten hat, möge man mit dessen Erlaubnis zum eigenen Erfolg verehren.
Andernfalls tötet [das falsch geübte Mantra] den Sādhaka - durch Waffen, aus Furcht vor Feinden, durch Armut, schwere Krankheit oder durch übermäßige Hingabe an Laster.
Für jedes einzelne Mantra ist eine [bestimmte] Kräutergruppe festgelegt; aus diesen, nach der Anzahl/Bedeutung der jeweiligen [Mantra-]Buchstaben zusammengesetzt, [entsteht] eine Pille (guṭikā), die Mantra-Erfolg verleiht.
Mit dieser [Pille]: Besprengung, ihr Tragen [als Amulett], ihr Verzehr, ihr Auftragen [auf den Körper] sowie ihre Verehrung - so, und nicht anders, führt sie zur Erlangung des Erfolgs.
Warnung, nur den einen, vom Guru vorschriftsmäßig erhaltenen Mantra zu verehren (sonst drohen dem Sādhaka schwere Übel); Einführung der mantrisch-elementar bestimmten Kräuter-Pille (guṭikā) und ihrer fünf Anwendungsweisen (Besprengung, Tragen, Essen, Auftragen, Verehrung).
[Weißes und dunkles?] Sandelholz, Jaṭāmāṃsī (Indische Narde), ebenso Pippala(-Frucht); Lajjātukā (Mimosa pudica), Śikhiśikhā, Darbha-Gras, [ein weiteres, unsicheres Kraut].
So, o Göttin, sind die Heilkräuter der Wind-Buchstaben genannt; mit ihnen soll man der Reihe nach die zehn [Wind-]Buchstaben je einzeln verehren.
Laghu, Candra (Kampfer?), Muru (Guggul?), Bilva, Uḍumbara (Feigenbaum), [ein weiteres Kraut], Kṛṣṇaśaṅkha-Blüte und [ein weiteres, unsicheres Kraut] - so der Reihe nach.
Dies sind die Heilkräuter der Feuer-Buchstaben, wie auch [einige ihrer] Blätter genannt wurden; mit ihnen soll, dem Dienst an den Füßen des Guru ergeben, ihre Verehrung vollzogen werden.
Aufzählung von je zehn Heilkräutern für die Wind- (vāyu) und Feuer- (vahni/agni) Buchstabengruppe der Mātṛkā, zur Herstellung der in Vers 89 genannten Mantra-Pille (guṭikā). Mehrere Pflanzennamen sind wegen starker OCR-Schäden nur unsicher identifizierbar und entsprechend mit [?] gekennzeichnet; die Grundstruktur (je zehn Kräuter pro Elementgruppe) ist durch die Kommentar-Überschriften eindeutig gesichert.
Uśīra (Vetiver-Wurzel), Kuṣṭha, [ein unsicheres Kraut], Aśmarīkā, Agnimanthaka [ein weiteres, unsicheres Kraut]; Rohiṇa, Tulasī (Basilikum), [ein unsicheres Kraut], Elā (Kardamom) [und ein weiteres] - so der Reihe nach.
Dies sind die genannten Heilkräuter der Erd-Gruppe; mit ihnen soll man sie [die betreffenden Buchstaben] verehren; zur Erlangung des jeweiligen Zwecks soll man [zudem] dem Guru die Gabe (dakṣiṇā) entrichten.
[Zwei unsichere Kräuter], Granthiparṇī, ebenso Śoṇaparṇa; Kuśa-Gras, [ein unsicheres Kraut], eine [bestimmte] Ranke (latā) [und ein weiteres], Lakṣmī[-Kraut] - so der Reihe nach.
So, o Göttin, sind der Reihe nach die Heilkräuter der Wasser-Buchstaben [genannt]; mit diesen Kräutern soll man ihre Verehrung ehrfürchtig vollziehen.
Fortsetzung mit je zehn Heilkräutern für die Erd- (bhūmi) und Wasser- (jala) Buchstabengruppe. Zahlreiche Pflanzennamen wegen OCR-Schäden unsicher und mit [?] markiert; Vers 96 erwähnt zusätzlich die Verpflichtung zur Guru-Gabe (dakṣiṇā) bei Anwendung dieser Kräuterverehrung.
kakkolaṃ ca tathā rocanā [kaliṅgakam?] | triphalā dundubhiyugalam apāmārgāñjaliḥ saha ||99||
ity uktāni khavarṇānām auṣadhāni krameṇa vai | tais teṣām arcanaṃ kuryāt tattatkāryārthasiddhaye ||100||
Kakkola(-Beere), ebenso Rocanā (Gorocanā), [ein unsicheres Kraut]; Triphalā, ein Paar Dundubhi[-Samen], sowie eine Handvoll Apāmārga (Achyranthes).
So sind der Reihe nach die Heilkräuter der Äther-Buchstaben genannt; mit ihnen soll man ihre Verehrung vollziehen, zur Erlangung des jeweiligen Zwecks.
„Die Durchdringung [von allem], die aus Sadāśiva besteht“ - so wurde dies recht verkündet; durch das Verschmelzen (niṣkalana) davon im Bewusstsein wird jenes Prinzip (tattva) zum eigenen Selbst gemacht.
So endet, im Kommentar namens Manoramā, verfasst von Subhagānandanātha (der auch den Beinamen Prapañcasārasiṃharājaprakāśa trägt), zu dem unter den Śoḍaśanityā-Tantras als vollständig geltenden Werk, der fünfunddreißigste Paṭala, der die Wesensdarlegung der „Selbst-Identitäts-Einprägung“ (vāsanā) der Nityās sowie der verschiedenen Formen, Arten und Ausbreitungsweisen (prastāra) ihrer jeweiligen Vidyās zum Gegenstand hat. Oṃ, das ist Wahrheit.
Abschluss der Kräuterliste mit den zehn Heilkräutern der Äther- (ākāśa/kha) Buchstabengruppe (V.99-100); danach folgt ein unnummerierter, allgemeiner Schlussvers über die alldurchdringende Gegenwart Sadāśivas, der wortidentisch mit dem Schlussvers von Paṭala 34 ist (vermutlich eine im Original wiederkehrende Formel oder ein Duplikationsartefakt der Quelle), und schließlich das (Kommentar-)Kolophon, das Autor (Subhagānandanātha), Kommentartitel (Manoramā) und Kapitelnummer (35) bestätigt.