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Tantrarāja Tantra

Paṭala 25: mātṛkāvyāptiḥ 25-tes Kapitel: Die Durchdringung durch die Mātṛkā (Der Zeit-Buchstaben-Kreislauf der sechzehn Nityās und ihre Yantras)

Quelle: Tantrarāja-tantra mit dem Kommentar Manoramā des Subhagānandanātha, hrsg. Sadāśiva Miśra, Tantrik Texts Vol. Part II (Kapitel XIX-XXXVI), Calcutta: Agamanusandhana Samiti 1926 (archive.org, OCR). Dies ist Band II des Tantrarāja-Tantra, Fortsetzung von Band I (Paṭala 1-18); der vorliegende ist der fünfundzwanzigste Paṭala. Übersetzt wurde nur der Wurzeltext (100 Verse plus eine unnumerierte Schluss-Koda), nicht der sehr ausführliche Sanskrit-Prosakommentar; dieser wurde nur dort herangezogen, wo er ein Wort des Wurzeltexts wörtlich zitiert, zur Klärung einer OCR-Lesung (so vermerkt in den Notes). Der tatsächlich gelesene Zeichenbereich (361162-427262 in window.TT2) entspricht genau der vom Orchestrator geschätzten Spanne; Anfang (Überschrift 'pañcaviṃśapaṭalam') und Ende (Wurzelkolophon 'iti ... mātṛkāvyāptir nāma pañcaviṃśapaṭalam') wurden beide im Quelltext verifiziert. Inhalt: Das Kapitel entwickelt eine kalendarisch-numerologische Theorie der Identität von Alphabet (Mātṛkā), den sechzehn Nityā-Göttinnen, den sechsunddreißig Tattvas und den neun Nāthas, und leitet daraus einen Zyklus von 576 ('Vollmaṇḍala'-Zahl) dreisilbigen Tripurā-Vidyās sowie ein System von neun geometrischen Grundformen ab, die, je 64-fach variiert, zusammen 576 Zeit-Cakren (Jahres-Yantras eines langen Zyklus) ergeben, deren exhaustive Konstruktion (Kreis mit 17 konzentrischen Ringen, 26 Speichen, neun Grund-Anordnungsmuster anuloma/viloma/saṃpuṭa/parāvṛtta/vyākīrṇa) der Kommentar über viele Seiten rein kombinatorisch für zahlreiche Jahre des Zyklus durchdekliniert (V.1-37); es folgen Vorschriften zur Herstellung und Verehrung eines Vidyā-Buchs mit Tripurā-Cakren zum Schutz vor Behexung (V.38-40), ein Abhiṣeka-Weiheritus für Schüler mit gestaffelten Jahresfrüchten bis zur Göttergleichheit (V.41-51), die kosmologische Begründung des Cakras (Planeten- und Erdbewegung folgen seiner Struktur) samt Regeln für vor-/rückläufige Rezitationsordnung je nach Ritualzweck (V.52-60), die Aufstellung des 'Yantrarāja' zum Schutz von Siedlungen einschließlich Vergrabens in acht Himmelsrichtungen mit neun Feuergruben-Opfern (V.61-70), eine lange Skala von Wiederholungszahlen (50 bis 900-fach) mit gestaffelten weltlichen Früchten (V.71-78), den Sechsglieder-Nyāsa und die Dhyāna der (roten) Nityā-Gestalten samt Verehrung eines neunfachen Yoni-Lotus-Cakras (V.79-88), die Einbettung eines leuchtenden Lalitā-Cakras im Zentrum des Groß-Cakras mit einer roten Sundarī-Gestalt (V.89-93), die rituelle Waffenweihe im Groß-Cakra für den Kriegssieg (V.94-96) und einen abschließenden Preis der Wirksamkeit dieser Vidyās bei überlieferungsgemäßer (sampradāya) Praxis, mit einer kurzen abschließenden Aussage über die 'aus dem Selbst (Puruṣa) bestehende Durchdringung' (V.97-100 + Koda). Die OCR-Qualität ist auch in diesem Kapitel sehr schlecht, in den zahlenlastigen Passagen (Verse 5-7, 21-25, 30-37) jedoch stellenweise durch die exakte kommentarielle Auflösung der Sanskrit-Zahlwörter (z.B. 576, 20736, 1728000/1296000/864000/432000 als klassische Yuga-Jahreszahlen) absicherbar. Der eingeschobene, extrem lange rein arithmetische Kommentarteil zur exakten Tage- und Jahreszählung der vier Yugas sowie die exhaustive Jahr-für-Jahr-Durchdeklinierung der 576 Cakra-Konstruktionen (zwischen V.31 und V.37) sind reiner Kommentar (keine Wurzelverse) und wurden nicht übersetzt, nur zusammengefasst. Besonders unsicher/korrupt und mit [?] markiert sind die Verse 2, 4, 19, 21 (Zahlwort), 23-24 (Zahlwörter unsicher rekonstruiert), 27, 31, 37, 44, 58, 62-63, 76, 79, 85, 87, 93 und 97. Ein scribales Yantra-Zahl-Kryptogramm und eine Grantha-Zählnotiz unmittelbar nach dem Kommentarkolophon gehören nicht mehr zu Kapitel 25 (sie betreffen offenbar die Zählung von Kapitel 26) und wurden nicht aufgenommen.

atha ṣoḍaśanityānāṃ ṣaṭtriṃśattattvavigrahaiḥ | varṇais tajjanitair mantrair yantraiḥ kālātmatāṃ kramāt ||1|| kathayāmi [?] nānābhīṣṭāptikāraṇān | yajjñānopāstibhedābhyāṃ [tābhyāṃ] sidhyanti varṇinaḥ ||2|| svarāḥ ṣoḍaśa nityāḥ syuḥ kādijñāntāḥ svarānvitāḥ | teṣu tattvāni vijñeyāni nāthanavātmikāḥ ||3|| aṣṭāv aṣṭau svare vargaḥ parataḥ pañca pañca vai | mātṛṇāṃ tu svarair eko vargaḥ pūrvavad uttaram ||4|| nityānāṃ tatsaṃyoge varṇasaṃkhyāḥ samīritāḥ | ṣaṭsaptatyā pañcaśataṃ tatsaṃkhyābde tu pūrṇatā ||5|| tatsaṃkhyānāṃ ca yantrāṇāṃ tāvad abde tu pūrṇatā | pūrṇakālasamāvṛttiyugakalpādināmabhāk ||6|| dvisahasrasaptatyā proktaḥ kṛtayugāvadhiḥ | tasya turyāṃśaturyāṃśahānyā tretādisambhavaḥ ||7||

Nun [verkünde ich], hinsichtlich der sechzehn Nityās, mittels der Gestalten der sechsunddreißig Tattvas, durch die aus ihnen erzeugten Silben, Mantras und Yantras, das Wesen der Zeit, der Reihe nach. Ich werde [dir], [?], die mannigfachen Ursachen für die Erlangung des Erwünschten verkünden. Durch die zwei Arten – innere Gnosis und äußere Verehrung – erlangen die Übenden (wörtlich: die „Farbträger", varṇin) Erfolg. Die sechzehn Vokale sind die sechzehn Nityās; die mit Vokalen verbundenen Konsonanten von ka bis jña sollen darin als die sechsunddreißig Tattvas erkannt werden, und die neun Gruppen der Mātṛkā als aus den neun Nāthas bestehend. Bei den Vokalen bildet je acht und acht [Silben] eine Gruppe, danach [je] fünf und fünf; bei den Konsonanten (Mātṛkā) aber bildet, wie zuvor, mit den Vokalen eine [einzige] Gruppe das ihr Folgende. Bei deren Verbindung mit den Nityās werden die Buchstabenzahlen genannt: mit sechshundertsechsundsiebzig (576) wird in ebenso vielen Jahren die Vollzahl erreicht. Und bei den Yantras derselben Zahl wird ebenso in dieser Anzahl von Jahren die Vollzahl erreicht; dies ist die vollständige Wiederkehr der Zeit, die den Namen Yuga, Kalpa und dergleichen trägt. Mit zweitausendundsiebzig[fach] wird die Dauer des Kṛtayuga genannt; durch dessen Verminderung um je ein Viertel entsteht die Dauer des Tretā[yuga] und der folgenden [Yugas].

Vers 2: zwei Wortfragmente im OCR unauflösbar ([?]), Grundsinn (Ankündigung, die Ursachen für Wunscherfüllung zu lehren, mittels innerer Gnosis und äußerer Verehrung) aus dem Kommentar gesichert. Vers 4: technische Beschreibung der Gruppierung von Vokalen/Konsonanten unsicher übersetzt. Vers 5-6: die Zahl 576 ('ṣaṭsaptatyādhikaṃ pañcaśatam') ist die im ganzen Kapitel wiederkehrende 'Vollmaṇḍala'-Zahl (alle Buchstaben inkl. Ligaturen). Vers 7: Der Kommentar bestätigt wörtlich die klassischen Yuga-Jahreszahlen Kṛta=1728000, Tretā=1296000, Dvāpara=864000, Kali=432000 (Summe Mahāyuga=4320000); das Zahlwort 'dvisahasrasaptati' (2070) im Wurzelvers selbst bleibt in seiner genauen rechnerischen Funktion unsicher, mit [?] vermerkt.

māyādharāgnivātaiḥ varṇāḥ samīritāḥ | tān dinākṣarasaṃyuktān madhyayonau samālikhet ||8|| dinārṇeṣu svarā nyāse bindurūpā anukramāt | vāmodakṣapārśveṣu pañca pañca samīritāḥ ||9|| tattadyugārṇās tatsthāne svarūpeṇa vyavasthitāḥ | vyañjaneṣu tu sarvatra suśliṣṭāḥ svena saṃyutāḥ ||10|| evaṃ yantravinyāsaḥ pratiṣṭhārcādyanugrahe | nigrahe vāstuvinyāse garbhanyāseṣṭasiddhikṛt ||11|| ārabhya bhānor udayam ekaśo ghaṭikākramāt | ekaikaṃ mātṛkāvarṇaṃ pañcāśatparivṛttitaḥ ||12|| divasaiḥ pañcabhis tasyāḥ ṣaḍāvṛttyā udīritāḥ | evaṃ yugādim ārabhya kālātmānaḥ pravartate ||13||

Durch Māyā (den Visarga), Dharā (das u), Agni (das i) und Vāta (das a) werden [die vier Yuga-]Silben bezeichnet. Diese, verbunden mit der Tages-Silbe, schreibe man in der Mitte der Yoni ein. Bei der Einsetzung der Tages-Silben sind die Vokale, der Reihe nach, in Punktform darzustellen; an der linken und rechten Seite werden je fünf [Vokale] genannt. Die jeweiligen Yuga-Silben stehen an ihrem Ort in ihrer eigenen Gestalt; bei den Konsonanten aber sind sie überall eng verbunden, mit ihrem [jeweiligen Vokal] vereint. So bewirkt diese Yantra-Anlage bei Weihe, Verehrung und dergleichen Gunsterweisung, bei Bezwingung [das Gegenteil], bei der Grundstein-Anlage eines Bauwerks und beim Embryo-Einsatz-Ritus die erwünschte Erfüllung. Beginnend beim Sonnenaufgang, einzeln, nach der Reihenfolge der Ghaṭikās (Zeiteinheiten), schreibe man je einen Buchstaben der Mātṛkā, mit fünfzigfacher Umdrehung. In fünf Tagen wird sie [die Mātṛkā] durch sechsfache Wiederholung [vollständig] verkündet; so setzt sich, vom Beginn des Yuga an, das Wesen der Zeit fort.

Māyā=Visarga, Dharā=u, Agni=i, Vāta=a als Chiffren für die vier Yugas sind vom Kommentar wörtlich bestätigt ('māyā visarjanīyaḥ, dharā ukāraḥ, agnir ikāraḥ, vātaḥ akāraḥ'). Beschreibt die Konstruktion eines Ghaṭikā-Zeit-Cakras: die (ca. 50 nicht-repetierenden) Mātṛkā-Buchstaben durchlaufen, ausgehend vom Sonnenaufgang, in einem 50-Ghaṭikā-Zyklus über 5 Tage (6 Wiederholungen) einen fortlaufenden kalendarischen Buchstaben-Kreislauf.

yonau trikoṇam ālikhya tasmin yoniṃ samālikhet | teṣu paryāyanityārṇavarṇān ālikhya bāhyataḥ ||14|| yugārṇaṃ ghaṭikārṇaṃ ca madhye binduṃ tathaiva ca | nityāḥ proktā deveśi pūjayen nityam arcakaḥ ||15|| uttamā nityanityaṃ hi madhyamā parvaparvaṇi | jaghanyā māsamātreṇa eṣā saṃyogyatā ||16|| pūrṇamaṇḍalavarṇāḥ syuḥ prathame tv āvṛttiḥ kramāt | ṣaṭtriṃśattattvavarṇās tu dvitīyā smṛtāḥ kramāt ||17|| tṛtīyā sarvato vahniḥ evaṃ vidyās tu tripurāḥ | tripurāḥ sarvasiddhānām ākarāḥ kathitāḥ kramāt ||18|| etāḥ pustake āropya pīṭhe saṃsthāpya pūjayet | yatra tatra [arcakasya na] śatravaḥ [kṛtyādyāḥ syuḥ] ||19|| bhūtāpasmārakṛtyādyā na bhavanti purādike | abhīkṣitāni sidhyanti tasya tatrāpi nityaśaḥ ||20|| ṣaṭtriṃśattattvasaṃkhyāś ca sahasrāṇi ca viṃśatiḥ | tāsāṃ saṃkhyā samākhyātā tadāvṛttis tadāptikṛt ||21||

Nachdem man in der Yoni ein Dreieck gezeichnet hat, zeichne man darin [wieder] eine Yoni ein. In diese zeichne man, außen, die der Reihe nach [wechselnden] Nityā-Buchstaben ein. Die Yuga-Silbe und die Ghaṭikā-Silbe [zeichne man] in der Mitte, ebenso den Punkt (Bindu). O Herrin der Götter, die so genannten Nityās soll der Verehrer täglich verehren. Die höchste [Verehrung geschieht] täglich, wirklich täglich; die mittlere an jedem Festtag; die niedrigste nur einmal im Monat – dies ist die [entsprechende] Angemessenheit. Die Buchstaben des Vollmaṇḍala (576 an der Zahl) stehen, an erster Stelle, der Reihe nach in Wiederholung; die sechsunddreißig Tattva-Buchstaben aber werden, an zweiter Stelle, der Reihe nach überliefert. An dritter Stelle steht überall das Feuer (Vahni, d.h. der Laut ī); so entstehen die Vidyās, die Tripurā[-Vidyās]; die Tripurā[-Vidyās] werden, der Reihe nach, als die Quellen aller Siddhis bezeichnet. Diese, in ein Buch eingetragen, auf einem Podest aufgestellt, soll man verehren; wo immer [dies geschieht, können] dem Verehrer [dort keine] Feinde [durch Behexungszauber schaden] [?]. Geister-, Epilepsie[-Dämonen] und Behexungszauber und dergleichen entstehen nicht in der Ortschaft und dergleichen; die ersehnten [Wünsche] werden dort auch für ihn stets erfüllt. Sechsunddreißig[fach die Vollmaṇḍala-Zahl ergibt] zwanzigtausend[siebenhundertsechsunddreißig] (20736) – diese Zahl wird für sie [die Tripurā-Vidyās] genannt; deren [vollständige] Wiederholung bewirkt deren Erlangung.

Verse 17-18: Bildung der 576 dreisilbigen Tripurā-Vidyās aus (1.) den 576 Buchstaben des Vollmaṇḍala, (2.) den 36 Tattva-Silben und (3.) fest dem Laut ī ('vahni', vom Kommentar wörtlich so glossiert) – nur diese wörtlich zitierte Kommentar-Gleichsetzung wurde zur OCR-Klärung herangezogen, nicht die weitergehende Kommentar-Deutung (z.B. Identifikation der zweiten Silbe mit dem 'Kāmarāja'-Kūṭa), die nicht im Wurzeltext steht und daher hier nicht übernommen wurde. Vers 19 im OCR fast vollständig zerstört, nur aus dem Kommentar in Umrissen erschließbar (Buchverehrung schützt den Verehrer vor Feinden/Behexung), mit [?] markiert. Vers 21: 20736 = 36 × 576, vom Kommentar bestätigt.

stambhanādiṣu tadvarṇās tadrūpā hetivāhanaiḥ | etadgranthitajāpena mantrāḥ sidhyanti varṇinaḥ ||22|| nāthāvṛttir bhaved rāśau dvisahasraṃ śatāni ca | catvāri ceti vijñeyās tattadāvṛttir udīritāḥ ||23|| pūrṇamaṇḍalasaṃkhyaiva nityāvṛttiḥ sahasrataḥ | dviśataṃ ṣaṇṇavatyaṃ ca niḥśeṣaṃ samudīritāḥ ||24|| kṛtādīnāṃ yugānāṃ tu vidyaikaikaśaḥ kramāt | tā vidyās tattadrūpiṇyaḥ śeṣās tv ante dviśaḥ smṛtāḥ ||25|| prayogeṣu tu sarvatra tattaddinaprapūjanam | viśeṣato vidhātavyaṃ jayārogyādisiddhaye ||26|| dhātucaivaiṣayoḥ śuddhiṃ kuryāt tattadavāptaye | tatprakāraḥ prayogānāṃ paṭale sādhu vakṣyate ||27|| teṣu pañcāśadarṇānāṃ pañcāśanmithunāni vai | ghaṭikākramayogena bhajante parivartanam ||28|| atha yantrāṇi vakṣyante proktāsaṃkhyāny anukramāt | tatra ṣaḍviṃśadasraṃ ca tadardham aṣṭādaśāsrakam ||29||

Bei Lähmungszauber (stambhana) und dergleichen [verwendet man] jene Buchstaben in ihrer [entsprechenden] Gestalt, mit den [ihnen zugeordneten] Waffenzeichen; durch verkettetes Rezitieren derselben werden die Mantras der Übenden erfolgreich. Der Nātha-Umlauf beträgt in der [Gesamt-]Menge zweitausendvierhundert – so soll man wissen; so werden die jeweiligen Umläufe genannt. Die Zahl des Vollmaṇḍala (576) selbst [ergibt, mit den Nityās malgenommen,] den Nityā-Umlauf: eintausendzweihundertsechsundneunzig – vollständig wird dies verkündet. Für die Yugas, beginnend mit Kṛta, gilt je eine Vidyā der Reihe nach [pro Tag]; diese Vidyās haben deren jeweilige Gestalt; die übrigbleibenden [Vidyās] aber werden, am Ende [des Yuga], als zu zweit [pro Tag] überliefert. Bei [rituellen] Anwendungen soll überall, insbesondere, die Verehrung des jeweiligen Tages[-Herrn] vorgenommen werden, zur Erlangung von Sieg, Gesundheit und dergleichen. Auch die Reinigung von Metall(gegenstand) und [Ritual-]Boden [?] soll man zur jeweiligen Erlangung durchführen; deren Art wird im [entsprechenden] Kapitel der Anwendungen gut dargelegt werden. Von jenen fünfzig Buchstaben bilden fünfzig Paare, die sich durch die Verbindung mit der Ghaṭikā-Reihenfolge wechselseitig umwandeln. Nun werden die Yantras verkündet, gemäß der genannten Anzahl [neun], der Reihe nach; darunter [das erste] mit sechsundzwanzig Ecken, und dessen Hälfte, [ein zweites,] mit achtzehn Ecken.

Verse 22-25 setzen die zuvor eingeführten Zahlenzyklen (9-facher Nātha-Umlauf = 2400, Nityā-Umlauf = 1296 [=576×16/7,11? die genaue Rechnung bleibt unsicher, Zahl selbst vom Wurzeltext gestützt]) fort und ordnen den vier Yugas je eine Tripurā-Vidyā pro Tag zu, mit Doppelbelegung an den Restsequenztagen (die exakte arithmetische Herleitung dieser Tageszahlen wird im nachfolgenden, hier nicht übersetzten Kommentarteil seitenlang vorgerechnet). Vers 27 'eṣayoḥ' (Boden/Ritualfeld?) unsicher gedeutet, mit [?]. Ab Vers 29 beginnt der Abschnitt über die neun Grund-Yantra-Formen.

vṛttaṃ navāsraṃ vā svare cāsraṃ ṣoḍaśārakam | caturasram athādyādi bhedā nava kramāt ||30|| etāni varṇavinyāsabhedāt pratyekaṃ catuḥṣaṣṭidhā | tena ṣaṭsaptatibhedās teṣu nityārṇabhedataḥ ||31|| pratyekam aṣṭāṣṭety evam uktasaṃkhyāḥ samīritāḥ | eteṣv ādyasya vṛttasya vinyāsam anyad unnayet ||32|| ṣaḍaṅgulaparibhrāntyā vṛttam ekan tu vartayet | evaṃ punaḥ punaḥ kuryād ekaikāṅgulato bahiḥ ||33|| yadā saptadaśābhuvaṃs tadā tadvibhajed araiḥ | ṣaḍviṃśadbhis tatas teṣu nyased arṇāṃs tathāditaḥ ||34|| anulomavilomau ca bāhyābhyantarasampuṭe | bāhyābhyantaḥparāvṛttau tathā vyākīrṇam ity api ||35|| karṇikāyāṃ marudbījena saṃlikhya sarvataḥ | yojayed bāhyakoṣṭheṣu prāgvadvidhinā kramāt ||36|| anyeṣām aravinyāsaḥ ṣaḍviṃśat samudīritaḥ | caturṇāṃ ṣoḍaśārāḥ syuḥ ṣaḍviṃśad uttaram anyathā [?] ||37||

Kreisförmig, neuneckig, oder – bei den Vokalen entsprechend – sechzehnspeichig; viereckig, und ferner [zwei weitere,] am Anfang [schon genannte Formen] – so entstehen neun Unterscheidungen, der Reihe nach. Diese [neun Grundformen] sind, durch die Unterscheidung der Buchstaben-Anordnung, je vierundsechzigfach; dadurch entstehen bei ihnen [insgesamt fünfhundertsechsundsiebzig] Unterscheidungen, durch die Unterscheidung der Nityā-Buchstaben. Je acht-mal-acht – so wird die genannte Zahl bezeichnet. Unter diesen [neun Cakren] leite man von der Anordnung des ersten, des Kreis-Cakras, die der anderen ab. Mit einer Spannweite von sechs Fingerbreiten (aṅgula) zeichne man einen [ersten] Kreis; so verfahre man immer wieder, [jeweils] eine Fingerbreite weiter nach außen. Wenn siebzehn [solcher konzentrischer Ringe] entstanden sind, dann teile man dies durch Speichen; mit sechsundzwanzig [Speichen] setze man dann darin, ebenso von Anfang an, die Buchstaben ein. Vorwärts- und Rückwärts-[Schreibung], die Einschließung außen-innen, die wechselseitige Umkehrung außen-innen, ebenso auch die sogenannte „Streuung" (vyākīrṇa). Nachdem man in der Blütenmitte (Karṇikā) mit der Wind-Silbe (Marud-Bīja) ringsum geschrieben hat, verbinde man [sie] mit den äußeren Feldern, der Reihe nach, nach der zuvor beschriebenen Methode. Bei den übrigen [Cakren] wird die Speichenzahl mit sechsundzwanzig angegeben; bei vieren [von ihnen] sollen es sechzehn Speichen sein, [bei den übrigen wiederum] sechsundzwanzig, anders [als bei jenen vier] [?].

Beschreibt neun Grund-Yantra-Formen (Kreis, 9-Ecke, 16-Speichen-Rad, Quadrat u.a.), die je 64-fach variiert werden (9×64=576=Vollmaṇḍala-Zahl, vom Kommentar ausdrücklich bestätigt: 'chatuḥṣaṣṭirūpatvāt sambhūya ... [576] bhavanti'), sowie die geometrische Konstruktion eines Kreis-Cakras mit 17 konzentrischen Ringen und 26 (bzw. teils 16) Speichen und fünf Beschriftungs-Modi (anuloma/viloma/saṃpuṭa/parāvṛtta/vyākīrṇa). Der Kommentar dekliniert im Anschluss (nicht übersetzt) diese Muster für jedes der 576 Jahre eines langen Zyklus einzeln durch – reine Kombinatorik, kein Wurzeltext. Vers 31 Zahlwort 'ṣaṭsaptatibhedāḥ' aus dem arithmetischen Kontext (9×64=576) rekonstruiert, im OCR stark entstellt. Vers 37 schwer verderbt, Sinn nur ungefähr erschließbar, [?].

etat paṭaṃ samālikhya bahir aṣṭacchadābjam | kṛtvā daleṣu kramaśo vāgdevyaṣṭakam ālikhet ||38|| pratiṣṭhādyāḥ tatas tasya samyag uktā dvitīye | vidhāya pūjayen nityaṃ pustakapūjoktasiddhaye ||39|| ubhayaṃ yaḥ prakurute tasya vaṃśe sthirā ramā | na kadācic chriyo hānir bhaviṣyati ca tatkule ||40|| varṇauṣadhikvāthajalair āpūrya kalaśaṃ mahat | tatra devīṃ samāvāhya sampūjya vidhivan niśi ||41|| nityānāṃ tattadvidyāś ca japitvānyedyur āsane | sampūjya śiṣyaṃ saṃsthāpya tatraiva tam abhiṣecayet ||42|| evaṃ janmānujanmādi paurṇamāsīṣu sādhakaḥ | kuryād abhyarcanaṃ mudrikāṃ gāś ca dakṣiṇām ||43|| evaṃ nirantaraṃ varṣe yo 'bhiṣiktaḥ sa sādhakaḥ | pārthivas tasya vandyo vā bhaviṣyati na saṃśayaḥ ||44|| varṣadvayābhiṣekeṇa tasya vaṃśe sthirā ramā | varṣatrayābhiṣekeṇa siddhir vidyādharī bhavet ||45||

Nachdem man dieses [Yantra-]Tuch (paṭa) aufgezeichnet hat, [zeichne man] außen einen achtblättrigen Lotus; auf den Blütenblättern schreibe man, der Reihe nach, die acht Vāgdevīs (Sprachgöttinnen, d.h. Vaśinī und die übrigen). Die Weiheriten (pratiṣṭhā) und dergleichen dafür sind bereits im zweiten [Paṭala] ausführlich dargelegt worden; nachdem man sie vollzogen hat, soll man [das Tuch] täglich verehren, zur Erlangung dessen, was für die Buchverehrung genannt wurde. Wer beides vollzieht – Cakra-Verehrung und Buchverehrung –, in dessen Geschlecht bleibt Lakṣmī (das Glück) beständig; niemals wird in jener Familie ein Verlust an Wohlstand eintreten. Nachdem man einen großen Wasserkrug mit dem Sud von Farbkräutern gefüllt, die Göttin darin herbeigerufen und vorschriftsgemäß verehrt hat, in der Nacht – nachdem man die jeweiligen Vidyās der Nityās rezitiert hat, am folgenden Tag, auf dem Sitz, nachdem man den Schüler verehrt und dort aufgestellt hat, soll man ihn eben dort weihen (Abhiṣeka). So soll der Übende dies an [seinem] Geburtstag und den folgenden [Jahrestagen], an den Vollmondtagen, als Verehrung ausführen, [und dabei] einen Ring und Kühe als Opfergabe (Dakṣiṇā) [geben]. Wer so ununterbrochen, Jahr für Jahr, geweiht wird – jener Übende wird, ohne Zweifel, [entweder] ein König oder von Königen verehrt werden. Durch zweijährige Weihe bleibt in dessen Geschlecht Lakṣmī beständig; durch dreijährige Weihe erlangt man die Siddhi einer Vidyādharī (himmlischen Zauberin).

Vers 44 Pāda b ('pārthivas tasya vandyo vā') unsicher übersetzt, [?]. Vers 39 'dvitīye' vom Kommentar ausdrücklich als Verweis auf den zweiten Paṭala (Band I) bestätigt, wo die allgemeinen Weiheriten bereits behandelt wurden.

caturvarṣābhiṣekeṇa khecarīmelanaṃ bhavet | pañcavarṣābhiṣekeṇa pañcatvaṃ nādhigacchati ||46|| ṣaḍvarṣābhiṣekeṇa lokapālasamo bhavet | saptavarṣābhiṣekeṇa divākarasamo bhavet ||47|| aṣṭavarṣābhiṣekeṇa candramaḥsadṛśo bhavet | navavarṣābhiṣekeṇa devīsārūpyam āpnuyāt ||48|| jayāya vidyāḥ ṣaḍviṃśad ekapañcāśad eva vā | āvṛttīr japahomārcātarpaṇaiḥ sādhu sādhayet ||49|| tena jitvā ripūn sarvān edhate tapano yathā | tathotpāteṣu sarveṣu tathā rogādyupadrave ||50|| tathā vāñchitasiddhyarthaṃ tathā kṛtyānivāraṇe | tathā kṛtyāsamutpattāv idaṃ sarvārthasiddhidam ||51||

Durch vierjährige Weihe entsteht die Vereinigung mit den Khecarīs (Luftwandlerinnen); durch fünfjährige Weihe erreicht man den Tod (pañcatva) nicht [mehr]. Durch sechsjährige Weihe wird man den Weltenhütern (Lokapālas) gleich; durch siebenjährige Weihe wird man der Sonne gleich. Durch achtjährige Weihe wird man dem Mond gleich; durch neunjährige Weihe erlangt man Gleichgestaltigkeit mit der Göttin. Zum Sieg soll man sechsundzwanzig oder auch einundfünfzig Wiederholungen der Vidyās durch Rezitation, Feueropfer, Verehrung und Wasseropfer sorgfältig vollziehen. Dadurch gedeiht [der Übende], nachdem er alle Feinde besiegt hat, wie die Sonne [strahlt]; ebenso bei allen bösen Vorzeichen, ebenso bei Krankheit und anderem Unheil, ebenso zur Erlangung des Erwünschten, ebenso zur Abwehr von Behexungszauber (kṛtyā), ebenso beim Entstehen von Behexungszauber – dies gewährt alle Ziele.

Verse 46-48: gestaffelte Früchte der jährlich wiederholten Schüler-Weihe (Abhiṣeka) von vier bis neun Jahren, kulminierend in Gleichgestaltigkeit mit der Göttin selbst.

etaccakram upāsthāya graharkṣādi pravartate | etaccakrāravinyāsarūpā bhūmiś ca dṛśyate ||52|| tasmād etanmayaṃ sarvaṃ matvaitasya bhajanaṃ ca | sarve 'rthāḥ siddhidā bhajanaṃ sampradāyataḥ ||53|| kālaprāptakramaṃ pūrvam āvartyānyat kramaṃ bhajet | kṛṣṇapakṣeṣu śukleṣu kevaloktakramaṃ bhajet ||54|| japatarpaṇahomārcāsnāpaneṣv apy ayaṃ kramaḥ | idaṃ jñātvā vidhātavyam anyathānartham āvahet ||55||

Indem man sich auf dieses Cakra stützt, verlaufen [dementsprechend] die Bewegungen von Planeten und Gestirnen; und man sieht, dass auch die Erde nach der Speichen-Anordnung dieses Cakras gestaltet ist. Deshalb, im Bewusstsein, dass all dies aus diesem [Cakra] besteht, [vollziehe man] auch dessen Verehrung; alle Ziele sind erfolggewährend, [wenn] die Verehrung gemäß der Überlieferung (sampradāya) [geschieht]. Man wende zuerst die dem [jeweiligen] Zeitpunkt entsprechende Reihenfolge an, dann die andere Reihenfolge; in der dunklen Monatshälfte [und] in der hellen wende man die jeweils allein genannte Reihenfolge an. Auch bei Rezitation, Wasseropfer, Feueropfer, Verehrung und Bad gilt eben diese Reihenfolge; im Wissen darum soll man verfahren – andernfalls bringt man Unheil herbei.

Verse 52-53 begründen kosmologisch die Bedeutung des Zeit-Cakras (Planetenbahnen und Erdgestalt folgen seiner Struktur) und fordern überlieferungsgemäße (sampradāya) Praxis; Verse 54-55 legen fest, dass je nach Ritualzweck und Mondphase zwischen der 'zeitgemäßen' und der 'einfachen' Rezitationsreihenfolge zu wählen ist.

kṛtyotpattau [anulomaṃ] nigrahe pratilomakam | kālena prāptam anyatra maṅgalaṃ samudīritam ||56|| vaśīkaraṇarakṣāsu sampuṭadvitayaṃ kramāt | rogaśatrujaye prokte parāvṛttakrameṇa vai ||57|| gobhūhiraṇyavāhādilābheṣu ca samīritaḥ | uccāṭaneṣu vyākīrṇe teṣu śāntyai kramaṃ yajet ||58|| etadvidhānaniṣṇātaṃ praṇamanti surāsurāḥ | bhūtapretapiśācādyāḥ kṛtyādyā naiva taṃ spṛśet ||59|| pratyuta eva parāvṛttāḥ kartāraṃ nāśayanti vai | yatrāsau nivasaty eṣa sadyas tattapovanam ||60||

Beim Entstehen von Behexungszauber (kṛtyā) [wende man die Vorwärts-Ordnung an], bei dessen Bezwingung die Rückwärts-Ordnung; anderswo wird die durch die [natürliche] Zeit erreichte [Ordnung] als glückverheißend bezeichnet. Bei Bezauberung und Schutz [wende man] der Reihe nach die zweifache Einschließung an; bei der Bezwingung von Krankheit und Feind wird die Ordnung der wechselseitigen Umkehrung genannt. Bei der Erlangung von Rindern, Land, Gold, Reittieren und dergleichen wird ebenso [eine bestimmte Ordnung] genannt; bei Vertreibungszauber (uccāṭana) [wende man] die „Streuung" (vyākīrṇa) an; bei diesen [Riten] vollziehe man den Ritus zur Befriedung. Vor dem, der in dieser Methode geübt ist, verneigen sich Götter und Dämonen; Geister, Verstorbene, Piśācas und dergleichen sowie Behexungszauber berühren ihn nicht. Vielmehr, umgekehrt, vernichten sie [sogar] den, der sie [gegen ihn] anwendet; wo immer jener [Übende] wohnt, das wird sogleich zu einem Büßerhain (Tapovana).

Vers 56 Pāda a Anfang im OCR unlesbar, aus dem parallelen Satzbau ('anuloma... pratilomakam') ergänzt, [?]. Verse 56-58 ordnen den verschiedenen Cakra-Schreibmodi (vorwärts/rückwärts/eingeschlossen/umgekehrt/gestreut) je spezifische magische Zwecke zu (Behexung/Abwehr, Unterwerfung/Schutz, Krankheits-/Feindbezwingung, Gewinn, Vertreibung).

śmaśāne parvate śūnye vipine kṣudrapīḍane | pratiṣṭhite yantrarāje tat syāj janapadaṃ mahat ||61|| sarvavyākīrṇacakreṇa sādhitenāmarāvatī | ucchāṭitā surā viśve mayāpi ca na saṃśayaḥ ||62|| śilāyāṃ vā [tāmre vā] rājate haimanirmite | vilikhya bhūmau nikhaned grāmarāṣṭrapurādiṣu ||63|| kṛtvā devālayaṃ tatra cakraṃ saṃsthāpya tasya vai | karṇikāmadhyage deve kuryāt sānnidhyasiddhaye ||64|| grāmādirakṣaṇe tasya madhye cāṣṭasu dikṣv api | khātvā vaṭaṃ punas teṣu pāṣāṇair ghaṭitaṃ dṛḍham ||65|| samāvāhyābhipūjyātha sthāpayen mūlavidyayā | pāṣāṇena tadācchādya pīṭhaṃ kṛtvopari sthiram ||66|| nityaśaḥ pūjayed gandhapuṣpadhūpādibhiḥ samam | cirasthāyam evaṃ kurvīta nānyathā siddhidāyakam ||67||

An einer Kremationsstätte, auf einem Berg, an einem öden Ort, im Wald [oder] bei kleineren Plagen – wo der Yantrarāja aufgestellt ist, das wird zu einem großen Siedlungsgebiet. Mit dem allumfassenden „Streuungs"-Cakra wurde, [einst] von mir vollzogen, selbst Amarāvatī (Indras Stadt), [samt] allen Göttern, ausgetrieben; auch daran besteht kein Zweifel. Auf einem Stein, [oder auf Kupfer,] oder auf goldgefertigtem [Blech] eingraviert, vergrabe man [es] in der Erde, in Dörfern, Reichen, Städten und dergleichen. Nachdem man dort einen Gottestempel errichtet und dessen Cakra aufgestellt hat, bewirke man, mit der Gottheit inmitten der Blütenmitte (Karṇikā), die Erlangung [ihrer] Gegenwart. Zum Schutz eines Dorfes und dergleichen [grabe man] in dessen Mitte und an [seinen] acht Himmelsrichtungen Gruben; darin [errichte man] eine feste, aus Steinen gefügte [Kammer]. Nachdem man [die Gottheit] herbeigerufen und verehrt hat, stelle man [das Cakra] mit dem Wurzel-Mantra auf; man bedecke es mit einem Stein und errichte darüber einen festen Sockel. Man verehre es beständig, gleichermaßen, mit Duftstoff, Blumen, Räucherwerk und dergleichen. So soll man verfahren, damit [der Schutz] dauerhaft bleibt; anders bringt es keine Erfüllung.

Vers 62 Pāda a Verbform ('sādhitena') unsicher, [?]; die (mythologische?) Behauptung, selbst die Götterstadt Amarāvatī sei mit diesem Cakra vertrieben worden, bleibt inhaltlich auffällig, ist aber so überliefert. Vers 63 'tāmre vā' ergänzt, im OCR nicht lesbar, [?].

tatkālokthāni kuṇḍāni nava homeṣu sarvataḥ | teṣāṃ dakṣiṇā vastrabhūbhūṣādāsagodhanaiḥ ||68|| yadyan nijepsitaṃ tattad duṣkaraṃ sukaran tu vā | japatarpaṇahomair vā tattat saṃsādhayet sthiraḥ ||69|| naitādṛśī sadṛśī kāpi vidyā lokeṣu vidyate | tasmāt tadābhir upāyaiḥ sādhayet sarvam īpsitam ||70|| pañcāśadāvṛttāṃ vidyāṃ bhaktisamanvito japan | mucyate nigaḍaiḥ kaṣṭair vairirodhaiḥ sudāruṇaiḥ ||71|| śatavāraṃ samāvṛttāṃ vidyāṃ vividhavaibhavām | labhante tanayān vaśyān api sarvaguṇānvitān ||72||

Für die zu ihrer jeweiligen Zeit genannten neun Feuergruben (Kuṇḍas) gilt bei allen Feueropfern [Entsprechendes]; deren Opfergabe (Dakṣiṇā) besteht aus Kleidung, Land, Schmuck, Dienern und Rindern. Was immer man sich wünscht, sei es schwer oder leicht erreichbar, das soll der Standhafte durch Rezitation, Wasseropfer oder Feueropfer erlangen. Keine Vidyā gibt es in den Welten, die dieser gleichkäme; deshalb erlange man mit diesen Mitteln alles Gewünschte. Wer die Vidyā fünfzigmal wiederholt rezitiert, mit Hingabe erfüllt, wird von Fesseln, Nöten und den schrecklichsten Feindseligkeiten befreit. Wer die Vidyā hundertmal wiederholt rezitiert, [erlangt] mannigfache Herrlichkeit; solche erlangen gefügige Söhne, die mit allen guten Eigenschaften versehen sind.

Vers 68: neun jahrescakra-gebundene Feuergruben für das zuvor beschriebene Dorfschutz-Ritual. Ab Vers 71 beginnt eine lange Skala von Wiederholungszahlen mit gestaffelten Früchten, die sich bis Vers 78 fortsetzt.

adhyardhaśatavāraṃ tu vidyām āvartya bhaktitaḥ | guṇarūpāḍhyasaubhāgyaṃ bhāvyā vindanty ayatnataḥ ||73|| tāvad āvṛttā kanyā vā patiṃ sarvaguṇānvitam | labhante putravatyaś ca edhante sampadānvitāḥ ||74|| dviśataṃ tāḥ samāvṛttā dāridryān mucyate dhruvam | triśatair bhūmiśasyāḍhyaś caturbhis tu śatair dhenuḥ ||75|| pañcabhis tu śatair bhūpo bhavet ṣaḍbhis tu dāsavān | saptabhis tu śatair asya na muñcaty anvayaṃ ramā ||76|| aṣṭabhis tu śatair āsāṃ nṛpāḥ sarve 'sya kiṅkarāḥ | navabhis tu śatair eṣa kandarpo vanitānane ||77|| evaṃ navaśataṃ japtvā sarvān kāmān avāpnuyāt | āsāṃ tu vidyānityānām aṅgāni śṛṇu sundari ||78||

Wer die Vidyā hundertfünfzigmal (adhyardhaśata) mit Hingabe rezitiert, erlangt – als davon Bedachte(r) – mühelos ein an guten Eigenschaften und Gestalt reiches Glück. Auch ein so oft rezitierendes Mädchen erlangt einen mit allen guten Eigenschaften versehenen Gatten; [Frauen] werden söhnereich und gedeihen mit Wohlstand versehen. Wer sie zweihundertmal wiederholt, wird gewiss von Armut befreit; mit dreihundertmaliger Wiederholung [erlangt man] Land- und Ernte-Reichtum, mit vierhundert eine Kuh. Mit fünfhundert wird man ein Landesherr, mit sechshundert erhält man Diener; mit siebenhundert verlässt Lakṣmī (das Glück) nie [mehr] seine Nachkommenschaft. Mit achthundert werden ihm alle Könige zu Dienern; mit neunhundert wird er, im Antlitz der Frauen, dem Liebesgott Kandarpa gleich. So erlangt man, nach neunhundertmaliger Rezitation, alle Wünsche. Höre nun, Schöne, die Glieder (aṅga, d.h. den Sechsglieder-Nyāsa) dieser ewigen Vidyās.

Fortsetzung der Wiederholungszahl-Skala (150 bis 900-fach) mit gestaffelten weltlichen Früchten von persönlichem Glück bis zur Königsherrschaft; Übergang am Ende von Vers 78 zum folgenden Nyāsa-Abschnitt.

āsāṃ tais ṣaḍaṅgāni kuryād varṇaiḥ karāṅgayoḥ | nyasya mātṛkāyuktāṃ japed vidyām anekaśaḥ ||79|| raktā raktāmbarā raktabhūṣaṇasragvilepanāḥ | pāśāṅkuśeṣucāpāḍhyā daṇḍaprasūnaviśikhāḥ smaret ||80|| tadā vṛttānāṃ pañcānāṃ śaktīs tatsadṛśāḥ smaret | caturasradvayaṃ tv ādyaṃ dvāradvayavibhūṣitam ||81|| aṣṭapatrābjaṃ madhye navayoniṃ ca tāṃ yajet | aṅgādāvṛttiṃ madhyayonāv antare tadāyudhāvṛttim ||82|| pṛṣṭhato gurupaṅktiṃ ca koṇeṣv aṣṭasu ca kramāt | bahirdaleṣv api tathā yajed varṇavilomataḥ ||83|| rūpiṇīśaktisahitair māyābījaiḥ saptākṣarīyutaiḥ | brāhmyādiśaktīs tadbāhye caturasradvaye yajet ||84||

Mit deren [drei] Silben soll man den Sechsglieder-Nyāsa auf Hand und Körperteile ausführen; nachdem man [die Vidyā] mit der Mātṛkā verbunden eingesetzt hat, rezitiere man die Vidyā vielfach. Rot, rot gekleidet, mit roten Schmuckstücken, Girlanden und Salben, reich an Schlinge, Stachelstab, Pfeil und Bogen, mit Stab und Blütenpfeil – so stelle man [die Nityās] meditierend vor sich. Dann stelle man sich die Śaktis der fünf Kreise, ihnen [den Nityās] gleichgestaltet, vor; die beiden ersten Quadrate sind mit zwei Toren geschmückt. In der Mitte [zeichne man] einen achtblättrigen Lotus und darin ein Neun-Yoni-Cakra und verehre dieses; [dort führe man] den Umlauf der [Vidyā-]Glieder aus, in der mittleren Yoni selbst, und dazwischen den Umlauf ihrer Waffen. Dahinter [verehre man] die Guru-Reihe, und der Reihe nach in den acht Ecken; ebenso auf den äußeren Blütenblättern verehre man [sie] in umgekehrter Buchstabenfolge. Mit den Rūpiṇī-Śakti-Silben, verbunden mit dem Māyā-Bīja und der siebensilbigen [Vidyā], verehre man Brāhmī und die übrigen Śaktis außerhalb, in den beiden [äußeren] Quadraten.

Vers 79 im Original an dieser Stelle nach der Verszählung des Quelltexts unklar (OCR wiederholt fälschlich die Nummer des Vorversès); hier nach dem Kontext als 79 eingeordnet und teilweise rekonstruiert, [?]. Der Kommentar bestätigt hierzu ein konkretes Nyāsa-Mantra-Beispiel (aṃ hṛdayāya namaḥ, āṃ śirase svāhā, īṃ śikhāyai vaṣaṭ, aṃ kavacāya hum, āṃ netratrayāya vauṣaṭ, īṃ astrāya phaṭ), das jedoch als reine Kommentar-Illustration hier nicht als Wurzeltext übernommen wurde. Beschreibt ein Śrīcakra-artiges Neun-Yoni-Verehrungsschema mit Guru-Reihe und Brāhmī-Śaktis.

[?] balipradānaṃ ca karotu kurukullayā | saptākṣaryā kevalayā proktarūpāṃ smarandhiyā ||85|| vilikhya nāsyāṃ vidyāntu madhye bāhyāṣṭayugmake | tanmadhyākṣaraṃ svarair bhinnaṃ likhitvādau ca māyayā ||86|| haṃsalāgrāsam ālikhya nirṛtyādivilomataḥ | vātādāgnyantaṃ dvādaśa dvādaśa kramāt ||87|| sādhayed īpsitaṃ sarvaṃ ṣaṭkarmātmakam īśvari | stutvā dvādaśabhir nāmaiḥ sānte tāḥ samudvaset ||88||

Man vollziehe die Opfergabe (Bali) mit [der Vidyā der] Kurukullā allein, der siebensilbigen [Vidyā], indem man mit dem Geist die zuvor genannte Gestalt [meditierend] vorstellt. Nachdem man in dessen [Yantras] Öffnung die Vidyā eingezeichnet hat – in der Mitte der acht äußeren Paare –, schreibe man deren mittlere Silbe, unterschieden durch die Vokale, zuvor mit dem Māyā(-Bīja) versehen. Nachdem man den Haṃsa-Anfangslaut eingeschrieben hat, [beginnend] von Nirṛti (Südwesten) an, in umgekehrter Richtung, von Vāta [Westen] bis Agni [Südosten] endend, [schreibe man] je zwölf [Buchstaben] der Reihe nach. Möge man, o Herrin, alles Erwünschte erreichen, einschließlich der sechs [magischen] Handlungen (ṣaṭkarma). Nachdem man [die Gottheit] mit zwölf Namen gepriesen hat, entlasse man sie zuletzt zum Herzen [zurück].

Vers 85 Beginn im OCR unlesbar, [?]. Vers 87 ist besonders stark verderbt (kaum mehr als die Himmelsrichtungs- und Zwölferzahl-Angaben sind einigermaßen gesichert); die Übersetzung bleibt hier eine vorsichtige Annäherung, mit [?] markiert.

etāsāṃ cakramadhyasthāṃ japed vidyāṃ yadā vaśī | tadaiva devatācakrasāmyam asya bhaviṣyati ||89|| mahācakrasya madhye tu lalitācakram ujjvalam | tatra devīm āvāhya pūjayet sarvasiddhaye ||90|| evaṃ kṛtvā pratiṣṭhāpya vidhānenārcayed yataḥ | tadājñāsiddhayo loke prakāśante mahādbhutāḥ ||91|| tathā ca kṛtvā tanmadhye lohitāṃ lohitāmbarām | sundarīṃ devatāṃ tatra saṃsthāpyābhyarcayet kramaiḥ ||92|| ravivāre dhṛtaṃ maunaṃ bhāskare vidhiḥ [?] | pūrṇaṃ tu divase tena devī tuṣṭeṣṭadā bhavet ||93||

Wenn der [Übende], der [über die Vidyā] Macht [erlangt] hat, die im Zentrum des Cakras befindliche Vidyā [dieser Nityā] rezitiert, dann eben wird ihm Gleichheit mit der Cakra-Gottheit zuteil. In der Mitte des Groß-Cakras (Mahācakra) aber [befindet sich] das leuchtende Lalitā-Cakra; dort rufe man die Göttin herbei und verehre sie zur Erlangung aller Siddhis. Nachdem man so [das Cakra] errichtet und geweiht hat, verehre man es gemäß der Anweisung, wodurch im Bereich der von ihm ausgehenden Befehlsmacht (ājñā) höchst erstaunliche Erfolge (Siddhis) sich offenbaren. Ebenso, nachdem man in dessen Mitte die rote, rot gekleidete Göttin Sundarī aufgestellt hat, verehre man sie dort der Reihe nach. Am Sonntag (Ravivāra) halte man Schweigen; [dies ist] die Vorschrift für [den Tag] der Sonne [?]; wenn dies an einem vollen Tag [geschieht], wird die Göttin, zufriedengestellt, zur Gewährerin des Erwünschten.

Verse 90-92: das 'Lalitā-Cakra' im Zentrum des Groß-Cakras wird laut Kommentar ausdrücklich auf das im 33. Paṭala beschriebene Lalitā-Verehrungs-Cakra verwiesen. Vers 93 Pāda a Ende unsicher ('vidhiḥ [?]'), mit [?] markiert.

nakharaṃ krakacaṃ khaḍgaṃ cāpaśūlagadāśarān | anyac ca śastram akhilaṃ mahācakrasya madhyagam ||94|| kṛtvābhipūjya vidyābhiḥ sādhyayoniṃ puraḥ | dattvā taiḥ samare chittvā hatvā vijayam āpnuyāt ||95|| evaṃ vārataḥ pakṣān māsāt ṣaḍviṃśād divasāt | japanto vāram ekan tu vidyā nityātmikās tu tāḥ ||96|| āyur ārogyam aiśvaryaṃ vijayaṃ vāñchitaṃ kramāt | labhante lalitādyābhiḥ sampradāyavato [narāḥ] ||97|| anyathāsampradāyatvāj japahomārcanādikām | kṛtvā janmāntare samyak sampradāyāya kalpate ||98|| japatarpaṇahomārcākrame vidyā bhajet tu tāḥ | tenākṣarāṇāṃ siddhatvān mantrāḥ sidhyanty aśeṣataḥ ||99|| tāsām upāsitur loke nāsti sādhanaduṣkaram | nṛpāṇām aṅganānāṃ ca vallabho jāyate śivaḥ ||100|| puruṣātmamayī vyāptir iti samyak samīritā | asyā nirvacanāc citte tattvaṃ svātmasāt kṛtam || iti ṣoḍaśanityātantre ślokādimate mātṛkāvyāptir nāma pañcaviṃśapaṭalaḥ (paṭala 25)

Krallenwaffe, Säge, Schwert, Bogen, Speer, Keule und Pfeile, sowie jede andere Waffe [lege man] in die Mitte des Groß-Cakras. Nachdem man [diese] angefertigt und mit den Vidyās verehrt hat, [stelle man] das Abbild (Yoni) des zu Bezwingenden davor; nachdem man mit ihnen im Kampf [den Feind] durchbohrt und [symbolisch] getötet hat, erlangt man den Sieg. So wirken jene ewigen Vidyās, indem man [dies] wiederholt – wöchentlich, vierzehntäglich, monatlich [oder] alle sechsundzwanzig Tage –, [jeweils] einmal rezitierend. Langes Leben, Gesundheit, Herrschaft und Sieg, das jeweils Erwünschte, erlangen [die Menschen], die, der Überlieferung gemäß, mit [den Vidyās], angefangen mit Lalitā, [verfahren]. Wer hingegen ohne [gültige] Überlieferung Rezitation, Feueropfer, Verehrung und dergleichen ausführt, dessen [Werk] gereicht erst in einer künftigen Geburt recht zur [Aufnahme in die] Überlieferung. In der Ordnung von Rezitation, Wasseropfer, Feueropfer und Verehrung soll man jene Vidyās verehren; dadurch, weil die [einzelnen] Silben dabei zur Vollendung gelangen, werden die Mantras vollständig, ausnahmslos, erfolgreich. Für den, der diese [Vidyās] verehrt, gibt es in der Welt nichts, was durch [entsprechende] Mittel unerreichbar wäre; er wird zum von Königen und Frauen geliebten, vollkommenen [Śiva-gleichen Wesen]. So ist die aus dem Wesen des Puruṣa (des Selbst) bestehende Durchdringung (Vyāpti) recht dargelegt worden; durch deren Erklärung wird im Bewusstsein das [wahre] Prinzip (Tattva) zum eigenen Selbst gemacht. So endet, in der auf Ślokas u.a. beruhenden Lehre über die sechzehn Nityās, der fünfundzwanzigste Paṭala mit Namen „Die Durchdringung durch die Mātṛkā" (Mātṛkāvyāpti).

Vers 97 Pāda b Ende ('sampradāyavataḥ') grammatisch unvollständig überliefert, Subjekt [narāḥ] sinngemäß ergänzt, [?]. Nach Vers 100 folgt im Quelltext eine unnumerierte Schluss-Koda (zwei Zeilen), die thematisch zum Kapiteltitel 'Mātṛkāvyāpti' zurückführt und daher hier mit übersetzt wurde. Danach folgen im Quelltext der oben im Wurzeltext übersetzte kurze Kolophon sowie ein langer Kommentarkolophon (mit Namensnennung des Subhagānandanātha und des Werks Manoramā, bei Zeichenposition ca. 427262 verifiziert), der hier nicht mit übersetzt wird, da er reiner Kommentar-Kolophon ist; unmittelbar danach folgt noch ein scribales Yantra-Zahl-Kryptogramm samt Grantha-Zählnotiz für das nächste Kapitel, die nicht mehr zu Paṭala 25 gehört.

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