Paṭala 10: iti śrī-ṣoḍaśanityātantreṣu śrīkādimate daśamaṃ paṭalam
10. Kapitel: Die Vidyā und der Kult der Bheruṇḍā-Nityā
Quelle: Tantrarāja-Tantra mit dem Kommentar Manoramā des Subhagānandanātha (Hg. Sadāśiva Miśra, Tantrik Texts Vol. 8, Calcutta 1918, archive.org, OCR). Das zehnte Kapitel behandelt die fünfte der sechzehn Nityā-Göttinnen, Bheruṇḍā: Mantra-Gewinnung, Gliederbesetzung (nyāsa) und Meditationsbild (dhyāna) der Göttin, Aufbau und Götterbesetzung ihres Yantras (mit den acht Mutter-Göttinnen, den sechs Cakra-Yoginīs Ḍākinī bis Hākinī u.a.), zahlreiche magische Yantra-Varianten (Bezwingung, Entzweiung, Sieg im Rechtsstreit und im Kampf, Vertreibung, Vernichtung von Feinden und deren Tieren), ein Schutz- und Friedens-Yantra sowie eine Serie von neun Planeten-Yantras samt deren Weihe (abhiṣeka) und Frucht, und schließt mit einem kurzen Übergang zur 'die drei Welten bezaubernden' Trailokyamohanī-Vidyā. Die OCR-Qualität dieses Kapitels ist sehr schlecht: zahlreiche Ziffern- und Buchstabenverwechslungen (u.a. wiederholt 3/2, 8/9, ṣ/g/ḍ), zerrissene Wörter und mindestens eine Seitenumstellung im gescannten Text (die Seiten 179/180 erscheinen im Rohtext nach Seite 182 statt davor) mussten rekonstruiert werden; mehrere Verse (bes. 24-29, 41, 43-45, 67, 70, 76, 88, 96) sind trotz sorgfältiger Rekonstruktion nur mit erheblicher Unsicherheit wiederzugeben und entsprechend mit [?] markiert. Alle 101 Verse des Kapitels sind lückenlos erfasst.
Nun, unter den sechzehn Nityās ist Bheruṇḍā diejenige, die die fünfte ist; ihre Verehrungsvorschrift höre, o Weise – ich will sie ordnungsgemäß verkünden.
Die Gewinnung des Mantras (mantroddhāra) [erfolgt wie] im dritten Kapitel bereits gelehrt [?]; nun werden die Glieder (aṅga), die Opfergottheiten (āhuti-devatā), die Reihenfolge der Verehrung (pūjākrama) sowie die Yantras, ebenso die Bezwingung von Feinden (ripu-nigraha) gelehrt.
Ich werde lehren: die Anwendungen des magischen Pflocks (kīla), den Sieg der Könige in Schlachten, und, der Reihe nach, den Schutz von Schatz, Stadt, Elefanten und Pferden sowie der Frauen des Königs.
Mit den sechs Silbengruppen – der ersten, den beiden mittleren und der letzten – bilde man die sechs Glieder (ṣaḍaṅga): an der Brahma-Öffnung (randhra, Scheitel), zwischen den Brauen (ājñā), am Mund, am Hals, an Herz und Nabel sowie am Fußpaar [?].
Man setze sodann die neun Zusatzglieder (pratyaṅga), vorausgegangen von der Setzung der Mātṛkā-Silben; dann meditiere man – in Vereinigung mit der Śakti verweilend [?] – über sie, Pārvatī.
Verse 1-3 sind eine kurze Inhaltsübersicht (uddeśa) des Kapitels, das der fünften Nityā Bheruṇḍā gewidmet ist. Vers 2 (tṛtīye 'bhūt) wird so gedeutet, dass die allgemeine Mantra-Gewinnungsmethode bereits in einem früheren (dritten) Kapitel gelehrt wurde und hier wiederverwendet wird; OCR an dieser Stelle unsicher. Vers 3: 'rakṣāṃ' (Schutz) bezieht sich vermutlich distributiv auf Schatz, Stadt, Elefanten, Pferde und Königsfrauen (OCR unsicher, 'ratnā/rakṣāṃ'). Vers 4-5 beschreiben ṣaḍaṅga- und navaka-nyāsa (Gliederbesetzung); einzelne Wortenden sind durch OCR-Schäden nicht sicher rekonstruierbar und mit [?] markiert.
Man verehre die Brāhmī und die übrigen [acht Mütter] sowie die vier Zeitalter-Kräfte (yugaśakti) [?]; in den acht Blütenblättern innerhalb des Cakras verehre man Vijayā, Vimalā und Śubhā,
Viprabhā, Vibhūti, Vinatā, Viviktā und Viratā, der Reihe nach; in den acht Winkeln innerhalb davon verehre man ebenso Kamalā und Kāminī,
Kirātā mit Bhīti, Kubjanī, Kulasundarī, Kalyāṇī und Kālakīlā verehre man nach der genannten Anordnung.
Ḍākinī, Rākinī, ebenso Lākinī und Kākinī, sowie Śākinī und Hākinī verehre man ringsum in den sechs Winkeln des Sechsecks.
Die Kräfte des Wollens, Erkennens und Handelns (icchā-, jñāna-, kriyā-śakti) [seien dort verehrt, ?]; in den Zwischenräumen der acht Winkel verehre man die acht Waffen (āyudhāṣṭaka).
Nachdem man die doppelte Quadratumfriedung (bhūpura) mit Toren in den Himmelsrichtungen errichtet hat, folgt darin das achtblättrige Lotus, paarweise ineinander [?].
Verse 6-11 beschreiben den Kreis der Begleitgottheiten (āvaraṇa-devatā-cakra) des Bheruṇḍā-Yantras: die acht Mütter (Brāhmyādi) und vier Zeitalter-Kräfte an den äußeren Toren/Ecken, acht Śaktis mit vi-Präfix (Vijayā usw.) im äußeren Lotus, acht weitere Göttinnen (Kamalā usw.) im Achteck, die sechs bekannten Cakra-Yoginīs Ḍākinī/Rākinī/Lākinī/Kākinī/Śākinī/Hākinī im Sechseck, sowie Wollens-Erkennens-Handelns-Kräfte und acht Waffen dazwischen. Laut Kommentar folgt die eigentliche geometrische Konstruktion (Quadrat mit Toren, Kreis, Achtblatt-Lotus, Achteck, Kreis, Sechseck, Kreis mit Yoni in der Mitte) in Vers 11-13; die genaue Zuordnung der hier genannten Gottheiten zu den einzelnen geometrischen Elementen bleibt wegen starker OCR-Schäden in Vers 6, 10 und 11 teils unsicher (mit [?] markiert).
Ein Achteck, umgeben von der doppelten Quadratmauer (bhūpura) mit allem dazugehörigen [Toren usw.]; darin bilde man ebenso ein Sechseck als innere Gestalt.
Darin bilde man ebenso eine Yoni (Dreieck); in deren Mitte verehre man Bheruṇḍā, die fünfte Nityā, umgeben von den genannten Kräften.
Nachdem man das Ehrenwasser (arghya) mit dem Sechsgliedermantra und der Wurzel[-vidyā] bereitet hat, verehre man nach Osten gewandt; und man gebe die Opfergabe (bali) mit dem sechzehnsilbigen Mantra, am Anfang und am Ende, der Reihe nach.
Nun will ich die Meditationsform (dhyāna) der Göttin verkünden, die alle Ziele erfüllt; und die Ordnung ihrer im Gefolge weilenden Kräfte [?] – höre, o Pārvatī.
Man meditiere auf sie, deren Leib dem geschmolzenen Gold gleicht, die von frischer Jugend erfüllt ist, deren Gesicht von einem anmutigen Lächeln geziert ist, geschmückt mit himmlischem Schmuck.
Vers 12-13 beschreiben (laut Kommentar) den vollständigen Aufbau des Yantras: Quadratmauer mit vier Toren, Kreis, achtblättriges Lotus, Achteck, Kreis, Sechseck, Kreis mit zentraler Yoni (Dreieck), in der Bheruṇḍā verehrt wird. Ab Vers 15 beginnt die dhyāna (Meditationsvers-Reihe) auf die Göttin. Vers 15b ist wegen OCR-Schäden nicht sicher zu rekonstruieren.
Sie trage Ohrringe, Halsketten, Armreifen und [ein Mieder, ?] geschmückt, überaus schön mit Hüftgürtel, Fußspangen und anderem Schmuck.
Sie halte Schlinge und Elefantenstachel, Diskus, Schwert, Keule, Donnerkeil, Bogen und Pfeile in ihren Händen, sitzend dargestellt – bei der eigentlichen Verehrung jedoch anders aufgestellt [?].
Und die Begleitkräfte, von gleicher Gestalt, mit leuchtenden Waffen versehen, verehre man rings um sie – man selbst sitze dabei stets mit sanftem Antlitz.
So verehre man die Göttin, begleitet von ihrem Gefolge (āvṛtti); ebenso gebe man die Opfergabe (bali) am Anfang wie am Ende, versehen mit dem zuvor genannten Verfahren.
Bei reiner (sattvischer) Kost, sich von Milch ernährend, rezitiere man das Mantra neunhunderttausend Mal [?]; ein Zehntel davon opfere man im Feuer, mit Lotusblüten, die mit den drei Süßigkeiten (Honig, Zucker, Ghee) benetzt sind.
Ebenso viel Wasser spende man täglich als Wasseropfer (tarpaṇa), mit Sandelholztropfen duftend gemacht; man verehre die Göttin dreimal je dreifach [?] und rezitiere zudem tausendmal.
Dann folge man den vom eigenen Guru gewiesenen Anwendungen, nach Vorschrift; andernfalls wird das Ritual fruchtlos, und es bringt sogar Unheil über den Übenden.
Verse 17-23 setzen die dhyāna-Beschreibung der Göttin fort (Schmuck, acht Attribute in den Händen) und schließen mit Angaben zu Opfergabe, Rezitationszahl (japa), Feueropfer (homa), Wasseropfer (tarpaṇa) und der Mahnung, nur nach Anweisung des eigenen Guru zu verfahren. Vers 17-18 und 21-22 sind durch OCR besonders entstellt; die Aufzählung der acht Attribute in Vers 18 folgt dem üblichen Waffen-Repertoire solcher Gottheiten, ist im Detail aber unsicher [?].
dvitīyādyais tribhir bījaiḥ ṣaṣṭhaṃ na ca samīritam | nigrahārthaṃ mayā anyais tu tribhir anya-dvayena ca [?] ||24||
ṣaṭkoṇaṃ tat-tad-yugmaṃ ca kṛtvā tan-madhyato likhet | dvitīyāṅgaṃ sādhya-yutaṃ koṇeṣv anya-caturthakaṃ likhet [?] ||25||
adhareṣu samāyāni tāni lekhyāni sarvadā | hṛttayor antarā sādhya-sametaiḥ pavanāṅkaiḥ [?] ||26||
saṃveṣṭya tāni sañjapya ripor aṣṭama-rāśi-gam [?] | śmaśāne sthāpayet tatra lagnaṃ vidveṣaṇaṃ bhavet ||27||
nimba-patra-rasena piṣṭaṃ śmaśānāṅgāra-lekhanāt | pṛṣad-aśva-tvaci [?] ... [?] ||28||
[?]-tvaci likhet tad-yantraṃ go-mukha-tvaci ca [?] | samālikhya sva-saṃjñāṃ tu para-vastrāntare ripoḥ ||29||
Mit den drei Keimsilben (bīja), beginnend mit der zweiten Silbe der Vidyā, nicht aber der sechsten – dies wird von mir zum Zweck der Bezwingung (nigraha) gelehrt, mit anderen dreien und mit einem weiteren Paar Silben [?].
Nachdem man ein Sechseck gebildet hat mit den jeweiligen Silbenpaaren, schreibe man in dessen Mitte; das zweite Glied zusammen mit dem Namen des Zielobjekts (sādhya), das vierte [?] schreibe man in den Winkeln.
Unten sollen die entsprechenden Silben stets geschrieben werden, zwischen den beiden Linien, versehen mit dem Namen des Zielobjekts und dem Luftzeichen [?].
Nachdem man diese Silben um den Namen umschlossen und das Mantra rezitiert hat, wenn ein Gestirn im achten Zeichen vom Geburtszeichen des Feindes steht, stelle man das Yantra auf einem Kremationsplatz auf; sobald jenes Zeichen im Aufgang steht, entsteht Entzweiung (vidveṣaṇa).
Mit dem Saft von Nimba-Blättern angerieben, mit Kremationsplatz-Kohle geschrieben, auf der Haut eines gefleckten Pferdes [?] [Rest unklar, ?].
Oder man schreibe jenes Yantra auf eine bestimmte Haut [?], auf Kuhgesichts-Haut [?]; nachdem man zusätzlich das eigene Kennzeichen [?] geschrieben hat, lege man es in das andere Gewand des Feindes hinein.
Verse 24-29 sind im Original außerordentlich schlecht überliefert (OCR-Datenmüll, zerrissene Wörter) und beschreiben offenbar Varianten eines Bezwingungs- und Entzweiungs-Yantras (nigraha/vidveṣaṇa) unter Verwendung der 2., 3., 4. und 6. Silbe der Vidyā in Kombination mit dem Namen der Zielperson (sādhya), geschrieben mit Nimba-Saft bzw. Kremationsplatz-Kohle auf Tierhaut und rituell platziert. Die genaue Silben- und Verfahrenszuordnung bleibt an mehreren Stellen unsicher; entsprechend markiert mit [?]. Die Verse waren im gescannten Text mit den Nummern 24/25 fälschlich wiederholt (OCR-Ziffernverwechslung 3/2 bei den zugehörigen Versen 34/35 weiter unten); hier korrekt als 24-29 gezählt.
Nachdem man das mit dem eigenen Namen versehene Fell oben und das mit dem Feindesnamen versehene unten unter einen Stein gelegt hat, rezitiere man zu den beiden Dämmerungszeiten [?]; hat man die genannte Zahl rezitiert, besiegt man jenen Prozessgegner (prativādin).
Erblickt dieser das Yantra nur mit einem Blick, so wird der Prozessgegner seiner Kraft beraubt; sprachlos flieht er und ruft: 'Ich bin von dir besiegt.'
Mit Auripigment (haritāla), vermischt mit Kurkuma-Saft, angerieben, schreibe man es zum Sieg im Rechtsstreit (vāda-vijaya), verbunden mit dem eben Gesagten.
Mit rotem [Farbstoff] auf rotes Fell geschrieben, im Haus des Gegners [?], vergrabe man es zur genannten Zeit, begleitet vom genannten Verfahren aus Verehrung und Rezitation.
Durch die Macht des Yantras vertreibt man den Feind binnen eines Monats mit Sicherheit; [dasselbe] mit rotem [Farbstoff] auf Menschenhaut geschrieben, am Rand des Kremationsplatzes [vergraben],
begleitet vom genannten Verfahren aus Verehrung und Rezitation, vergrabe man es zur genannten Zeit; binnen eines Monats geht der Feind dahin, unter den Menschen von Brand-Fieber ergriffen.
Nachdem man die dritte [Silbe] in die Mitte gesetzt hat, schreibe man die übrigen ringsherum; auf der eigenen Haut/Wurzel des Zielobjekts, in dessen Mitte, unberührt, nicht bedrängt [?].
Mit Kremationsplatz-Asche geschrieben und in einen versiegten Brunnen geworfen, begleitet von der genannten Zeitangabe, vernichtet man den Feind im Wasser.
Verse 30-37 beschreiben weitere Yantra-Varianten: Sieg über einen Prozessgegner (vāda-vijaya), Vertreibung (uccāṭana) und Vernichtung durch Fieber bzw. im Wasser. Im gescannten Text waren die Verse 31, 33, 34 und 35 mit den Ziffern 21, 23, 24, 25 statt 31, 33, 34, 35 versehen (regelmäßige OCR-Verwechslung von 3 mit 2 in der Zehnerstelle); hier entsprechend der fortlaufenden Zählung korrigiert. Vers 36 ist am Ende unsicher rekonstruiert [?].
tad eva vahni-mūlena piṣṭaṃ na manuja-asṛjā [?] | likhitaṃ go-tvaci taptaṃ cullyām upari vahninā ||38||
jvalitenāniśaṃ māsād agnināgnau patet ripuḥ | tṛtīyena tu madhyena veṣṭitair itarair api ||39||
ulūka-kāka-pakṣābhyāṃ prathamoktena saṃlikhet | gardabha-tvaci tat snātvā kuṇḍa-madhye tad-anvataḥ [?] ||40||
sādhya-hṛn-nāma-yuktena bīja-saṃpuṭa-sambhavaiḥ [?] | kaṭu-taila-ghṛtair homān mṛtyum āpnoty ariḥ sa vai [?] ||41||
sādhya-kṣetra-nihitaṃ [?] taṃ prokta-yantra-samanvitam | raśanā-sūtra-nibaddham āvṛtaṃ khātaṃ vairi-pure niśi [?] ||42||
rātrau tad-aṣṭame māsāt tat puraṃ śmaśāna-kānanam [?] | kāka-ulūka-śyena-krakara-tittiri-pādayoḥ [?] ||43||
vilikhya yantrāṇy uktāni tac-caraṇe nibadhya tat [?] | khanen mṛgāṅka-vāre tu prokta-kāle catuṣpathe [?] ||44||
[?] ... tac-camasa-sthaṃ tad-ālayam uvi sthitam [?] ||45||
nāśayed gaja-martyāśva-go-khara-uṣṭra-rāja-mahiṣān | saptāhāt tad-dvayāt paśūn niyataṃ yantra-vaibhavāt ||46||
Ebendasselbe, angerieben mit der Wurzel des 'Feuer'-Krauts (vahni-mūla, citraka) und nicht mit Menschenblut [?], auf Kuhhaut geschrieben, über dem Herd im Feuer erhitzt,
beständig einen Monat lang entzündet, lässt den Feind durch Feuer in Feuer fallen; ebenso mit dem dritten [Yantra] in der Mitte, umgeben auch von den anderen.
Mit Eulen- und Krähenfedern [als Schreibgerät] schreibe man mit dem zuerst genannten [Stoff] auf Eselshaut; nachdem man dies gebadet hat, [lege man es] entsprechend in die Mitte der Feuergrube.
Versehen mit dem am Herzen [eingeschriebenen] Namen des Zielobjekts und mit den aus der Silbenumhüllung (bīja-saṃpuṭa) entstandenen [Silben, ?]; durch Feueropfer von scharfem Öl und Ghee erlangt eben jener Feind den Tod [?].
In das Herz(-feld) des Zielobjekts gelegt [?], jenes mit dem genannten Yantra versehen, mit einer Schnur umwickelt [?], vergrabe man es nachts in der Stadt des Feindes.
Nachts, im achten [Haus] von jenem Monat, [wird] jene Stadt zu einem Kremationswald [?]; mit den Füßen/Krallen von Krähe, Eule, Habicht, Rebhuhn und Tittiri-Vogel [?].
Nachdem man die genannten Yantras geschrieben und an jenen Füßen [?] befestigt hat, vergrabe man es an einem Montag, zur genannten Zeit, an einer Kreuzung [?].
[Rest unklar, ?] ... in einem Gefäß befindlich, an dessen [des Feindes] Wohnstätte auf der Erde befindlich [?].
Durch die Macht des Yantras vernichtet man mit Sicherheit binnen zweimal sieben Tagen Elefanten, Menschen, Pferde, Rinder, Esel, Kamele und Büffel des Königs [des Feindes].
Verse 38-46 setzen die Reihe der Vernichtungs- und Vertreibungs-Yantras fort (Verbrennen, Verscharren an Kreuzungen und im Kremationswald, Feueropfer). Diese Verse sind besonders stark durch OCR beschädigt (Verse 41, 43-45 nur noch in Umrissen erkennbar); die Übersetzung gibt den vermutlichen Sinn wieder, viele Einzelheiten bleiben mit [?] gekennzeichnet unsicher. Vers 46 ist durch den Kommentar ('meribhān = mahiṣān') gesichert.
tac-chāntiṃ deveśi yantra-dhyānābhiṣekataḥ [?] | tad-anv avara-yantrasya vidita-anvartha-vaibhavāt [?] ||47||
padmam aṣṭadalaṃ kṛtvā madhye tv ādyaṃ sa-nāmakam | likhitvāṣṭasu patreṣu catuṣkaṃ tad-dvir ālikhet ||48||
bahir-vṛttāntarā kuryān mātṛkānta-veṣṭanam | prāg-uktair eva tair dravyaiḥ sampūjya viniyogataḥ ||49||
tat-tat-kleśa-vināśaḥ syāt tathā mantrānubhāvataḥ | vijayaṃ samare rājñāṃ ca vairi-nāśataḥ ||50||
mantrākṣarāṇi pratyekaṃ yojayet ṣoḍaśa-svaraiḥ | tena mantrāntarāṇi syuḥ saṅkhyayā ca śataṃ punaḥ ||51||
catvāriṃśac ca catvāri tair yantra-racanaṃ smṛtam [?] | yena sarvatra samare vijayo bhavati dhruvam ||52||
Jenes zuvor genannte Unheil werde besänftigt (śānti), o Göttin der Götter, durch Meditation auf das Yantra und dessen Weihe (abhiṣeka) [?]; danach folgt ein weiteres, geringeres Yantra, dessen Wirkmacht durch seinen eigenen sprechenden Namen bekannt ist [?].
Nachdem man ein achtblättriges Lotus gebildet hat, schreibe man in der Mitte die erste Silbe zusammen mit dem Namen des Zielobjekts; nachdem man sie in den acht Blütenblättern eingeschrieben hat, schreibe man die nächsten vier zweifach.
Außerhalb, zwischen dem äußeren Kreis, bilde man eine mit den Mātṛkā-Buchstaben endende Umhüllung; nachdem man mit den zuvor genannten Substanzen verehrt hat, verwende man es gemäß seiner Anwendung.
Dadurch geschieht die Vernichtung des jeweiligen Übels, ebenso, durch die Kraft des Mantras, der Sieg der Könige in der Schlacht durch die Vernichtung der Feinde.
Man verbinde jede der Mantra-Silben einzeln mit den sechzehn Vokalen; dadurch entstehen Mantra-Varianten, der Zahl nach wiederum hundert.
Vierundvierzig davon – mit ihnen ist die Bildung des Yantras vorgesehen; wodurch der Sieg in der Schlacht überall gewiss eintritt.
Verse 47-52 beschreiben ein Beruhigungs-Yantra (śānti-yantra) mit einem achtblättrigen Lotus sowie ein Verfahren, bei dem die Silben der Vidyā mit den 16 Vokalen kombiniert werden, um hundert Mantra-Varianten (davon 44 für die Yantra-Bildung) zu erzeugen, die Sieg in der Schlacht bewirken sollen. Vers 47 ist durch OCR-Schäden nur ungefähr rekonstruierbar [?].
prāk-pratyag ubhayor rekhāḥ kuryāt trayodaśa trayodaśa [?] | tena tāvanti koṣṭhāni sambhavanti samantataḥ ||53||
kṛtvāṣṭāśraṃ tato bāhye vṛtta-yugmaṃ tato likhet | akṣarāṇi śivādy-antaṃ nikaṭe tv anta-manukramāt [?] ||54||
tatra mantrāṅga-koṣṭheṣu nava-svāhyāṃ samālikhet [?] | bahir-aṣṭasu koṇeṣu dvitīyārṇādi saṃlikhet ||55||
antarāleṣu vilikhed ādyaṃ tad-dvy-antarān [?] | tāny eva mātṛkākhyābhir vidarbhita-sandhau nyaset [?] ||56||
etat paṭe samālikhya dhvajocce raṇa-durgame | darśayet tena ripavaḥ palāyante diśo daśa ||57||
Man ziehe – nach vorn und rückwärts (Ost-West sowie Nord-Süd) – jeweils dreizehn Linien [?]; dadurch entstehen ringsum ebenso viele (144) Felder, in Form eines gleichmäßigen Quadrats.
Nachdem man ein Achteck gebildet hat, zeichne man außerhalb ein Kreispaar; dann schreibe man die Buchstaben, mit 'śa' beginnend, nahe beieinander, bis zum Ende in [absteigender] Reihenfolge [?].
Dort, in den neun Feldern der Mantra-Glieder, schreibe man die Silbe zusammen mit 'svāhā' [?]; in den acht äußeren Winkeln schreibe man, beginnend mit der zweiten Silbe.
In den Zwischenräumen schreibe man die erste Silbe und die beiden dazwischenliegenden [?]; eben diese, durchwoben mit den sogenannten Mātṛkā-Buchstaben, setze man an den Verbindungsstellen [?].
Nachdem man dies auf ein Tuch geschrieben und es hoch an einer Fahnenstange im undurchdringlichen Schlachtgetümmel gezeigt hat, fliehen dadurch die Feinde in alle zehn Richtungen.
Verse 53-57 beschreiben ein Gitter-Yantra aus 13x13 Linien (144 Feldern, laut Kommentar) mit Achteck, Kreisen und den Buchstaben des Alphabets samt Mātṛkā-Silben, das auf ein Feldzeichen (Fahne) geschrieben und im Kampf gezeigt wird, um die Feinde in die Flucht zu schlagen. Die genaue Buchstaben-Verteilung (Vers 54-56) ist wegen starker OCR-Schäden nur im Kern, nicht in jedem Detail sicher rekonstruierbar [?].
praṇameyur nijāṃ lakṣmīṃ prātaḥ kālasya tat-kṣaṇāt [?] | tad eva vairi-śivire nikhanned udaye śaneḥ ||58||
sadyas tv anyonya-kalahān nāśam eti su-niścitam | tad eva sva-pure madhye sthāpayed dhiṣaṇodaye ||59||
parābhicāra-kṛtyādi-bhītāni na tava vai [?] | saṃsthaṃ śāntiṃ purāntaḥ-sthā yantra-śakty-anubhāvataḥ ||60||
tad-antaṃ tāmra-paṭaṃ tu vilikhyābhyarcya tat punaḥ | sthāpayet sādhya-bhūbhartur ekādaśa-samudyame ||61||
gaja-vāji-gṛha-sva-bhāṇḍāgāre 'śva-maṇḍape | antaḥpure nagaryās tu dik ca madhye ca tat khanet ||62||
yatra saṃsthāpitaṃ yantraṃ tatrārcāṃ nityaśo 'rcayet [?] | kārayet tena tat sarvaṃ śāśvataṃ hṛdyaṃ bhavet ||63||
bījāni tāni pratyekam aṣṭa-patra-saroruhe | madhye daleṣu parito likhed ekaikaśaḥ kramāt ||64||
bahir mātṛkayāveṣṭya sañjapyābhyarcya nityaśaḥ | sva-janma-ṛtu-ādi-navakaiḥ kuryāc chāntim anukramāt ||65||
yan nakṣatra-bhavaty asya grahato rājato 'tha vā | rogato vairito vāpi tasmin tat-tena śāmayet ||66||
Die Feinde würden sogleich ihrem eigenen Glück huldigen [?], im Augenblick des Morgens; eben dieses Yantra vergrabe man im Lager des Feindes bei Aufgang des Saturn.
Sofort kommen wechselseitige Streitigkeiten unter den Feinden mit Sicherheit zum Erlöschen; eben dieses Yantra stelle man in der Mitte der eigenen Stadt auf, beim Aufgang des Jupiter.
Fremder Zauber, Verwünschungsriten und dergleichen sowie Ängste treffen die Stadt nicht [?]; durch die Kraft des Yantras bleibt Frieden für die Bewohner innerhalb der Stadt bestehen.
Nachdem man dieses abschließende Yantra auf eine Kupferplatte geschrieben und es verehrt hat, stelle man es auf, wenn das für den Zielkönig günstige elfte Haus aufgeht.
Im Elefantenstall, im Pferdestall, in der eigenen Schatzkammer, im Reitpavillon, in den inneren Gemächern der Stadt sowie in den Himmelsrichtungen und in der Mitte vergrabe man es.
Wo immer das Yantra aufgestellt ist, dort verehre man es täglich mit Kult [?]; dadurch bewirke man, dass alles dort dauerhaft und angenehm bleibe.
Jene Keimsilben schreibe man einzeln auf ein achtblättriges Lotus, in der Mitte und ringsum in den Blütenblättern, eine nach der anderen, der Reihe nach.
Nachdem man es außen mit den Mātṛkā-Buchstaben umschlossen, täglich rezitiert und verehrt hat, vollziehe man mit den neun Riten, beginnend mit der eigenen Geburtskonstellation und Jahreszeit, der Reihe nach die Besänftigung (śānti).
Was immer diesem Menschen durch sein Geburtsgestirn, durch Planeten, durch den König, durch Krankheit oder durch einen Feind widerfährt – all das besänftige man eben dadurch.
Verse 58-66 beschreiben mehrere Anwendungen von Schutz- und Besänftigungs-Yantras: Vergraben im Feindeslager bzw. in der eigenen Stadt zu bestimmten Planetenaufgängen, Aufstellung eines Kupfer-Yantras für einen König, Vergraben in Ställen/Schatzkammer/Stadtvierteln zum Schutz, sowie ein Lotus-Yantra mit neun Keimsilben zur allgemeinen Besänftigung von Unheil (Planeten, König, Krankheit, Feind). Einzelne Verbformen (bes. Vers 58, 60, 63) bleiben durch OCR-Schäden unsicher [?].
mantrārtha-gopyaṃ bhasma-sthaṃ [?] yantraṃ kṛtvā tu tena tu | rakṣāṃ kurvīta sarveṣāṃ sarvāpat-tāraṇāya vai ||67||
tat-tad-yantraṃ tad-bhinnaiḥ snāna-pānāsanādinā | grahajaṃ vairijaṃ duḥkhaṃ śāmyaty eva na saṃśayaḥ ||68||
krameṇa nava-yantrāṇi nava-graha-mayāni tu | tasmāt tat-tad graha-kṛtaṃ tat-tad-yantraṃ ca śāmayet ||69||
vibhūty-ādi-prayogair uditaiḥ kramāt [?] | vividhāni viṣāṇy ebhir yantraṃ jala-niviṣṭaiḥ śaneḥ [?] ||70||
nāśayet pāna-sekābhyāṃ dhāraṇenārcanena ca | ebhis tu navabhir yantrair na kutrāpi bhayaṃ kva-cit ||71||
deśe vā nagare grāme maṅgale parvatādike | prathamaṃ madhyataḥ khātvā prāg-ādiṣu tato 'ṣṭasu ||72||
dvitīyādīni tu khanet tatra lakṣmīr iti sthirā | dharmārthau cāti-saṃvṛddhau bhavetām ukta-yogataḥ ||73||
dvitīyaṃ madhyataḥ khātvā tv itarāṇy abhitaḥ khanet | dhārmikās tena tat-sthāḥ prasīdanti ca devatāḥ ||74||
sasyāny anyeṣu ca tathā kanyārogya-go-dhanaiḥ | putra-pautra-dhanaiś cāḍhyāḥ prabhavanti ca nityaśaḥ ||75||
tair navabhir grahaiḥ ghoraiḥ nava-randhrakaiḥ [?] | dhyāyan mṛto 'pi mahātmā mantrasyottiṣṭhate dhruvam [?] ||76||
Nachdem man ein geheimes, mit Asche [gezeichnetes] Yantra [?] aus dem Wesen des Mantras gebildet hat, bewirke man dadurch für alle Schutz, um sie vor jeglichem Unheil zu bewahren.
Durch jenes jeweilige Yantra, mittels Baden, Trinken, Sitzen in seiner Nähe und dergleichen, wird das von Planeten oder von Feinden verursachte Leid gewiss besänftigt – ohne Zweifel.
Der Reihe nach gibt es neun Yantras, die aus den neun Planeten bestehen; daher besänftigt jedes jeweilige Yantra das, was von dem betreffenden Planeten verursacht wurde.
Durch die Anwendungen von heiliger Asche (vibhūti) und dergleichen, der Reihe nach erwähnt [?], heilt dieses Yantra die verschiedenen von Śani (Saturn) verursachten Gifte, wenn es ins Wasser gelegt wird [?].
Man vernichtet das Übel durch Trinken und Besprengen, durch Tragen und durch Verehrung; und durch eben diese neun Yantras gibt es nirgends irgendeine Furcht mehr.
In einem Land, einer Stadt, einem Dorf, einem heiligen Ort, auf einem Berg oder dergleichen grabe man zuerst eines in der Mitte ein, dann je eines in den acht Richtungen, beginnend im Osten.
Das zweite und die folgenden vergrabe man dort; dann wird das Glück (Lakṣmī) dort beständig, und Recht (dharma) und Wohlstand (artha) nehmen durch das genannte Verfahren gewaltig zu.
Nachdem man das zweite Yantra in der Mitte vergraben hat, vergrabe man die übrigen ringsum; dadurch werden die dort Wohnenden rechtschaffen, und die Gottheiten werden ihnen gnädig.
Ebenso gedeihen anderswo die Feldfrüchte; die Menschen werden stets wohlhabend an Töchtern, Gesundheit, Viehbesitz, Söhnen, Enkeln und Reichtum.
Durch diese neun furchtbaren Planeten mit den neun [ihnen zugeordneten] Öffnungen [?] ersteht der Großgesinnte, selbst wenn er im Meditieren gleichsam erstorben war, durch die Kraft des Mantras mit Sicherheit wieder auf [?].
Verse 67-76 beschreiben eine Serie von neun Yantras, den neun Planeten (navagraha) zugeordnet, zum Schutz vor planeten- und feindverursachtem Leid sowie Gift, ferner deren Vergrabung an verschiedenen Orten (Land, Stadt, Dorf) zur Mehrung von Wohlstand, Rechtschaffenheit und Fruchtbarkeit. Vers 67, 70 und 76 sind durch OCR-Schäden besonders schwer beschädigt und nur sinngemäß, mit erheblicher Unsicherheit, wiedergegeben [?]; Vers 76 könnte eine Aussage über eine dem Mantra zugeschriebene totenerweckende Kraft andeuten, ist aber im Wortlaut nicht sicher rekonstruierbar.
agny-ādiṣv eva navāni navasu kramāt [?] | vilikhya deva-vaśyāṃ nava-akṣarāṃ navasv api ||77||
pūjayed upacāraiṣṭaiḥ nityaṃ śobhati-saṃyutaḥ [?] | prāg-ukta-parivārādi-rahitāṃ pūjayann api ||78||
siddhim eti naro bhaktyā parayā cet samanvitaḥ | sva-pāla-dvāra-śaktānāṃ gatir eṣā ca siddhaye [?] ||79||
bheruṇḍā karṇa-yāj-japyādi-śāstrasya tad eva saḥ | nirvighno jāyate 'cintyā mantrāṇāṃ śaktayaḥ śive ||80||
trailokya-mohanī vidyā sarvato bhavatā stutā | na kadācit tu sā proktā tāṃ me brūhi mahā-vara [?] ||81||
sarveṣām eva mantrāṇāṃ vidyānāṃ ca yaśasvini | vyāpaka-rūpaṃ pravakṣyāmi śṛṇu tv asyedam adbhutam ||82||
yena nārī-nara-khaga-devatāḥ sarva-jantavaḥ | bhajante naṃ yathā māṃ tvaṃ tat-prayoga-balād dhruvam [?] ||83||
akārādi-hakārāntair mātṛkāṃ sa-bindubhiḥ | pratyekaṃ puṭitān kṛtvā mantrāṅgair athāpi ca vā ||84||
vidyayā mātṛkā-varṇān puṭayen mantram api vā | proktaṃ tad-yantra-navakaṃ kumbhe saṃsthāpya caitayā ||85||
Bei den [Bereichen] beginnend mit Agni [?], platziere man die neun Yantras der Reihe nach in den neun Feldern; nachdem man die neunsilbige, götterbezwingende Vidyā eingeschrieben hat, ebenfalls in den neun Feldern.
Man verehre täglich mit den gewünschten Opfergaben, von Glanz erfüllt [?]; auch wer ohne das zuvor genannte Gefolge usw. verehrt, [erlangt Erfolg].
Der Mensch erlangt Vollkommenheit (siddhi), wenn er von höchster Hingabe erfüllt ist; dies ist auch der Weg für jene, die nur am eigenen Schutztor ermächtigt sind, zu ihrem Gelingen [?].
Von Bheruṇḍā, ihrem ins Ohr geflüsterten Mantra und dergleichen Lehrtext gilt eben dies: hindernislos wird der Übende; unfassbar sind, o Śivā, die Kräfte der Mantras.
'Die alle drei Welten bezaubernde Vidyā (Trailokyamohanī), die von dir überall gepriesen wird – sie wurde mir noch nie verkündet; sage sie mir, o großer Bester [der Herren]!'
'Die alldurchdringende Form sämtlicher Mantras und Vidyās, o Ruhmreiche, will ich verkünden; höre, dies ist wunderbar.
Wodurch Frauen, Männer, Vögel, Gottheiten, alle Lebewesen ihn verehren, so wie du mich [verehrst] – gewiss durch die Kraft dieser Anwendung [?].
Indem man jede Silbe einzeln, von 'a' bis 'ha', mit der Mātṛkā samt Anusvāra-Punkt umhüllt, oder auch mit den Gliedmaßen-Silben (aṅga) des Mantras,
oder indem man mit der Vidyā die Mātṛkā-Buchstaben umhüllt, oder ebenso das Mantra – die genannten neun Yantras stelle man in einem Gefäß auf und weihe sie mit dieser Vidyā.
Verse 77-80 setzen die Beschreibung der neun Planeten-Yantras fort und betonen, dass auch schlichte Verehrung ohne vollständiges Gefolge zum Erfolg führt. Ab Vers 81 folgt ein kurzer Dialog: die Göttin bittet um die bisher nicht offenbarte 'die drei Welten bezaubernde' Vidyā (Trailokyamohanī-vidyā), die ab Vers 82 als allgemeine, alle Mantras durchdringende Form gelehrt wird. Vers 77, 78, 79 und 83 sind wegen OCR-Schäden nur ungefähr, mit [?] an unsicheren Stellen, wiedergegeben.
Die Weihe (abhiṣeka), die Rezitation, Askese, Feueropfer und Verehrung erst vollständig macht, wird nun gelehrt – das Weihwasser bereite man mit Safran oder rotem Ocker, ebenso mit Dūrvā-Gras und Sandelholz.
Diese Manḍala zeichne man mit Zinnober, mit Sesam und Safran sowie auch mit weißen Stoffen; mit diesen neun Substanzen für die neun Yantras vollziehe man die Herstellung der Yantras.
Von Caitra bis zur Tagundnachtgleiche, ebenso zu den beiden Sonnenwenden, und den beiden mit 'rot' und 'nördlich' bezeichneten [Zeiten], der Reihe nach [?] –
ein König, oder die Hauptkönigin, oder ein Heerführer, oder auch sonst jemand, der reich an Macht und gutem Charakter ist, möge die Weihe vollziehen lassen.
Bei der Weihe gebe man die Priestergabe (dakṣiṇā) reichlich, nach eigenem Vermögen; man sei nicht geizig mit dem Vermögen – tut man es dennoch aus Habgier,
so verzehrt man sich gleichsam wie durch Feuer und verliert die Substanz des früheren Glücks; deshalb hege man in dieser ganzen Lehre niemals Geiz mit dem Vermögen.
Verse 86-91 behandeln die Weihe (abhiṣeka) der neun Yantras: die verwendeten Substanzen (Safran, Ocker, Dūrvā-Gras, Sandelholz, Zinnober, Sesam), mögliche Zeitpunkte (Vers 88, kalendarisch/astronomisch, stark beschädigt und unsicher), den Kreis der zur Weihe berechtigten Personen (König, Königin, Heerführer u.a.) sowie die Mahnung, bei der Priestergabe (dakṣiṇā) nicht geizig zu sein. Vers 88 ist durch OCR so entstellt, dass die genaue zeitliche Angabe nicht sicher rekonstruierbar ist [?].
Die Frucht der Weihe (abhiṣeka), o Göttin, höre – ich will sie ordnungsgemäß verkünden: in Gestalt von Mond, Sonne und Feuer erlangt man durch das Wasser und durch das Mantra das Erwünschte.
Durch Rezitation, Opfer und dergleichen, durch die mittels der Weihe erlangte Machtfülle, werden die aus [früheren Taten] entstandenen sowie die aus schlechtem Handeln geborenen Übel [vernichtet],
ebenso andere, aus Unrecht entstandene Missgeschicke – all das vernichtet die Göttin augenblicklich, wie durch Wasser das Feuer [gelöscht wird, ?].
Und man erlangt Söhne, ausgestattet mit Reichtum, Wissen, langem Leben, Gesundheit und dergleichen; man erhält stets mehr Söhne und gedeiht glücklich auf lange Zeit.
[Unklar, ?] wer stets das Vergängliche erkennt, der gedeiht, mag er auch bedrängt sein, dennoch mit Glück [im Leben].
Seien es Sünden, angehäuft in früherer Geburt, oder durch Genuss von Schädlichem, durch Unrecht, durch von einem Feind bewirkten Schaden oder durch Verwünschungszauber –
welche Krankheiten auch immer ihn plagen, sie werden gänzlich vernichtet; er wird beschenkt mit Glanz, Glück, Reichtum, Gesundheit, Wissen, Sieg und Ruhm,
und lebt, berühmt, sehr lange, begleitet von Söhnen, Enkeln und so fort – dies gilt für jenen, der die neunfache Weihe bei den neun genannten Yantras vorschriftsmäßig vollzieht.
Der Hingegebene mit reinem, geläutertem Sinn [erlangt] die Erlösung, auch ohne sie eigens zu erkennen [?]; als zu Lebzeiten Befreiter (jīvanmukta) lebt der Yogī lange auf Erden, [strahlend] wie ein zweiter Liebesgott (Manmatha).
Dass die Durchdringung (vyāpti), die aus dem Wesen des Klangs (śabda) besteht, richtig dargelegt wurde – das sei gesagt; durch deren Auflösung wird eben dieser Geist sich selbst zu eigen gemacht.
So endet im ehrwürdigen Ṣoḍaśanityā-Tantra, in der Fassung Śrīkādimata, das zehnte Kapitel.
Verse 92-100 beschreiben die Frucht der Weihe (abhiṣekaphala): Reinigung von früherem Unheil, Nachkommen, Gesundheit, Ruhm und schließlich Lebenserlösung (jīvanmukti) für den treuen Übenden. Vers 101 ist die für dieses Werk formelhafte Schlussformel; wie am Ende von Paṭala 8 (dort 'rūpa', Form/Sehen) und Paṭala 9 (dort 'sparśa', Berührung) beobachtet, folgt diese Formel jeweils dem der betreffenden Nityā zugeordneten Sinnesprinzip - hier 'śabda' (Klang/Gehör) für die fünfte Nityā Bheruṇḍā; die OCR las an dieser Stelle fälschlich 'tvamayo vyādhi' statt 'tanmayī vyāptiḥ', was durch den parallelen Aufbau der Vorkapitel korrigiert wurde. Danach folgt das kurze Wurzeltext-Kolophon. Das anschließende lange Kommentar-Kolophon (im Original ebenfalls stark OCR-geschädigt und dort fälschlich 'navamam' statt 'daśamam' lesend, obwohl mit der Ziffer 10 gekennzeichnet) sowie eine bibliographische Schlussnotiz (Grantha-samkhya: 19 Yantras im Kapitel, Kommentarumfang 180 1/2 Granthas) gehören nicht zum Wurzeltext und wurden hier nicht mit übersetzt.