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Tantrarāja Tantra

Paṭala 14: śrīṣoḍaśanityātantre śrīkādimate caturdaśaṃ paṭalam 14-tes Kapitel: Die Vidyā der Tvaritā, ihre Verehrung und ihre Yantras

Quelle: Tantrarāja-Tantra mit dem Manoramā-Kommentar des Yogi Subhagānandanātha (Sadāśiva Miśra, Hrsg.), Tantrik Texts Vol. 8, Calcutta 1918, archive.org (tantrarajatantra01mishuoft), OCR. Paṭala 14 behandelt Tvaritā, die neunte der sechzehn Nityā-Göttinnen: ihre bereits in Paṭala 3 gegebene zwölfsilbige Vidyā, Glied-Nyāsa und Dhyāna (Verse 1-12), ihre Begleitgottheiten (13-16), das Verehrungscakra und den Pūjā-Ablauf (17-22), magische Anwendungen wie die Heilung von Schlangenbiss und ein ausführliches Wunschopfer (kāmyahoma) mit teils feindzerstörenden (abhicāra-)Riten (23-40), sowie - den Hauptteil des Kapitels bildend - eine Reihe von Yantras (Diagrammen) mit kryptographisch kodierten Mantra-Inschriften: ein Gnaden- und ein Krug-Yantra, zwei Vernichtungs-(nigraha-)Yantras mit Kālī- und Yama-Mantras, sowie rund zwanzig weitere kleinere Yantras aus den Silbengruppen der Vidyā, jeweils mit ihren magischen Wirkungen (41-101). Die OCR dieser Ausgabe ist außerordentlich schlecht, besonders in den technischen Yantra-Konstruktionsversen (48-92), wo die kodierten Einzellaute im Kommentar oft nicht mehr sicher zu identifizieren sind; dort wird überwiegend das beschriebene Verfahren, nicht die exakte Silbenfolge, wiedergegeben, und [?] markiert entsprechend unsichere Stellen. Die gedruckte Verszählung selbst ist im Mittelteil (etwa Vers 34-81) mehrfach fehlerhaft (Sprünge, Wiederholungen); sie wurde nach der tatsächlichen Vers-Abfolge auf 1-101 korrigiert, in genauer Übereinstimmung mit der Gesamtzahl, die das Kolophon des Kapitels bestätigt.

atha ṣoḍaśanityāsu navamī yā samīritā | proktaiva tvaritā vidyā prāgeva dvādaśākṣarā ||1|| tad vidhānaṃ śṛṇu prājñe homayantrādibhiḥ saha | yena mantraprabhāvād vā vikṣobhayati bhūtalam ||2|| vidyācaturthavarṇādi saptabhis tv akṣarais tathā | kuryād aṅgāni yugmāni ṣaṭ krameṇa karāṅgayoḥ ||3|| śirolalāṭakaṇṭheṣu hṛdayādyavasāne tathā | ūrvor jānvor jaṅghayoś ca pādayoś ca krameṇa vai ||4|| dvitīyopāntyayor madhyasthaṃ mantrākṣaram itarair nyaset | tāradvayena tad dhyānaṃ tacchaktyā tat prapūjanam ||5|| śyāmavarṇāṃ śubhākārāṃ navayauvanaśobhinīm | digvidikkramād aṣṭanāgaiḥ kalpitābharaṇojjvalām ||6||

Nun höre, welche unter den sechzehn Nityās als neunte genannt wurde: Tvaritā – ihre Vidyā (Mantra) von zwölf Silben wurde ja schon zuvor [im dritten Paṭala] dargelegt. Höre nun, Kluge, ihre Anwendungsweise samt Feueropfer (homa), Yantra und anderem, wodurch der Mantra durch seine Macht die Erde erschüttert, das heißt: sich auf Erden Wirkung und Ruhm verschafft. Mit den sieben Silben, beginnend beim vierten Buchstaben der Vidyā, bilde man ebenso der Reihe nach die sechs Glied-Mantra-Paare an Händen und Gliedern: an Kopf, Stirn und Hals, am Herzen bis zum Ende [der Aufzählung], an Schenkeln, Knien, Waden und Füßen, der Reihe nach. Die zwischen dem zweiten und vorletzten Buchstaben stehende Mantra-Silbe setze man mit den übrigen Silben ein; durch die beiden Praṇava-Silben geschieht ihre Meditation (dhyāna), durch ihre Śakti ihre Verehrung. Man meditiere auf sie: dunkel (śyāma) von Farbe, von schöner Gestalt, in der Schönheit ewiger Jugend erstrahlend, mit Schmuck erstrahlend, der aus acht Schlangen (nāga) gebildet ist, angeordnet der Reihe nach in den Haupt- und Zwischenrichtungen.

Quelle: Tantrarāja-Tantra mit dem Manoramā-Kommentar des Yogi Subhagānandanātha, Tantrik Texts Vol. 8 (Sadāśiva Miśra, Hrsg.), Calcutta 1918, archive.org (tantrarajatantra01mishuoft), OCR. Paṭala 14 behandelt Tvaritā, die neunte der sechzehn Nityā-Göttinnen: ihre bereits in Paṭala 3 gegebene zwölfsilbige Vidyā, Glied-Nyāsa (Vers 3–5) und Dhyāna (ab Vers 6). Die OCR ist an dieser Stelle schwer beschädigt; Vers 4 (Aufzählung der Nyāsa-Orte) und Vers 5 (genaue Nyāsa-Technik) bleiben im Detail unsicher [?]. Zur Verszählung insgesamt siehe die Anmerkung zu Einheit 14.93–101: die gedruckte Zählung wurde im Mittelteil des Kapitels mehrfach fehlerhaft befunden und durchgehend nach der tatsächlichen Vers-Abfolge auf 1–101 korrigiert.

tāṭaṅkam aṅgadaṃ tad dṛkśanānūpurānvitaiḥ | viprakṣatriyaviṭśūdrajātibhir bhogivigrahaiḥ ||7|| pallavāṃśukasaṃvītāṃ śikhipucchakṛtāṃśukām | valayair bhūṣitabhujāṃ māṇikyamukuṭojjvalām ||8|| barhibarhotkṛtāpīḍāṃ tacchatrāṃ tatpatākinīm | māṇikyaguṇalasadaṃsakucakuṅkumamaṇḍitām ||9|| cīnavastrāṃ cāruvadanāṃ mandasmitamukhāmbujām | pāśāṅkuśavarābhītilasadaṣṭacatuṣṭayām ||10|| dhyātvaivaṃ tottalāṃ devīṃ pūjayec chaktibhir yutām | tadagrasthāṃ ca sphāṭīkaiḥ śaracāpakarojjvalām ||11|| prasāde phaladāne ca sādhakānāṃ tvarāśritām | yataḥ sā tvariteti proktā māyā nityā navātmikā ||12||

Mit Ohrringen (tāṭaṅka) und Armreifen (aṅgada) sowie Fußringen (nūpura) versehen, ihre Glieder gebildet aus den Schlangenleibern der vier Kasten – Brahmanen, Kṣatriyas, Vaiśyas und Śūdras [vgl. die acht Nāgas aus Vers 6]. In ein Gewand aus zartem Blattgrün gehüllt, mit einem aus Pfauenfedern gefertigten Gewandbesatz, die Arme mit Reifen geschmückt, strahlend mit einer Rubinkrone. Mit einem aus Pfauenfederbüscheln gebildeten Kopfschmuck (āpīḍa), mit einem ebensolchen Schirm und einer ebensolchen Standarte, Schultern und Brust mit Rubinschmuck und rotem Kuṅkuma geschmückt. In chinesische Seide gekleidet, von lieblichem Antlitz, mit sanft lächelndem Lotusmund, ihre Hände leuchtend mit Schlinge (pāśa), Elefantenhaken (aṅkuśa), der Gabe- und der Furchtlosigkeitsgeste. Nachdem man sie so als Tottalā – einen weiteren Namen der Tvaritā – meditiert hat, verehre man die Göttin zusammen mit ihren Śaktis, vor ihr stehend, mit Bergkristallen geschmückt, mit Händen, die von Pfeil und Bogen erstrahlen. Weil sie im Gewähren von Gnade und Frucht rasch (tvarā) ist, wird sie „Tvaritā" (die Schnelle) genannt – eine Form der Māyā, dem Wesen nach die neunte Nityā.

Verse 7–10 sind Dhyāna-Verse (Ikonographie der Tvaritā); die OCR ist stark beschädigt, einzelne Ornament- und Gewand-Details sowie die genaue Zahl ihrer Arme (Vers 10) bleiben unsicher [?]. Vers 12 gibt die (volksetymologische) Deutung des Namens „Tvaritā" von tvarā (Schnelligkeit); der Kommentar merkt ausdrücklich an, dass dieser Vers die Namensgebung begründet.

kuśāvarto gadāpāṇir vakro 'rdhenduśiroruhaḥ | kiṅkaraś cāgratas tasyāḥ pūjyāḥ sarve priye ||13|| taddvārapārśvayoḥ pūjyau jayāvijayasaṃjñikau | tatsadṛśau khaḍgavetrau natakarāmbujau ||14|| svāṅguṣṭhau khecarau caṇḍākarpiṇau kṣepaṇau tataḥ | svāṅgulyau nemikarau lokapālasamā imāḥ ||15|| pūjyāḥ padmāṣṭapatreṣu sthitā mantrārthaśaktayaḥ | yābhir nityārcitābhiḥ syān naronārīṣu mantravat ||16||

Kuśāvarta, der Keulenträger (Gadāpāṇi), Vakra („der Gekrümmte") mit halbmondgleichem Haarschopf, und der Kiṅkara („Diener") vor ihr – sie alle sind zu verehren, Geliebte. Zu beiden Seiten ihrer Tür sind die beiden als Jayā und Vijayā („Sieg" und „Erfolg") benannten Torwächterinnen zu verehren, ihr an Farbe gleich, Schwert und Stab tragend, mit geneigten Lotushänden. Ferner die nach Fingern und Zehen benannten Paar-Śaktis: Svāṅguṣṭhā und Khecarā, Caṇḍā und Karpiṇā, Kṣepaṇā, sowie Svāṅgulyā und Nemikarā – diese entsprechen [in Farbe, Waffe und Reittier] den Weltenhütern (lokapāla). Zu verehren sind ferner die auf den acht Blütenblättern des Lotos sitzenden Śaktis, die Bedeutungsträgerinnen der Mantra-Silben; durch ihre beständige Verehrung erlangt man wie durch den Mantra selbst Macht über Männer und Frauen.

Verse 13–16 zählen die Begleitgottheiten (parivāra) der Tvaritā auf: Türwächter, an Fingern und Zehen benannte Paar-Śaktis (den Weltenhütern zugeordnet) und die acht Silben-Śaktis der Lotusblätter. Einzelne Eigennamen der Paar-Śaktis in Vers 15 sind wegen starker OCR-Verderbnis nur näherungsweise gelesen [?].

śṛṇu pūjāvidhiṃ tasyās tvaritāyāḥ sureśvari | prāgvad ādye vidhāyeśām aṣṭasiṃhāsane śubhe ||17|| āsane haṃsaracite vidadhyād bhūpuradvayam | paścimadvārasaṃyuktaṃ tadantarvṛttayugmakam ||18|| tadantar aṣṭapatraṃ ca vidhāyātha parāṃ śivām | prāgvad āvāhya paritaḥ śaktibhir veṣṭitāṃ tathā ||19|| mudrādarśanapūrvaṃ tu pūjayet tāṃ yathoditam | agrapatrāgrake dattamadhye vācyau purodite dvau ||20|| kiṅkarasya baliṃ dadyād devyagre prāgudīritaiḥ | svasamānagaṇākīrṇamaṇḍalasthasya bhaktitaḥ ||21|| evaṃ pūjāṃ vidhāyāgre japed vidyāṃ sahasrakam | śataṃ vā kṛtahomastu pūjāṃ prāk samāpayet ||22||

Höre nun, Herrin der Götter, die Verehrungsweise dieser Tvaritā: Nachdem man wie zuvor durch die sechs Glied-Mantras zuerst die Herrin auf dem schönen, von acht Löwen[-Füßen] getragenen Thron [vergegenwärtigt hat] – auf diesem mit der Silbe Haṃsa versehenen Sitz mache man zwei ineinanderliegende Erdumwallungen (bhūpura), je mit einem Westtor versehen, und darin ein Paar Kreise; darin wiederum einen achtblättrigen Lotos; sodann rufe man die höchste Śivā (die Göttin) wie zuvor herbei, ringsum von ihren Śaktis umgeben. Nach dem Zeigen der vorgeschriebenen Mudrās verehre man sie wie vorgeschrieben; an der Spitze des vordersten Blütenblatts, in der Mitte zwischen den beiden Kreisen, sind die beiden zuvor genannten [Wächter] zu nennen. Dem Kiṅkara gebe man vor der Göttin ein Opfer (bali) mit den zuvor genannten Mantras, hingebungsvoll, ihm, der inmitten der von seinesgleichen Scharen erfüllten Maṇḍala-Fläche steht. Nachdem man so die Verehrung vollzogen hat, rezitiere man davor die Vidyā tausendmal oder hundertmal; nachdem man das Feueropfer (homa) vollzogen hat, beschließe man zuvor die Pūjā.

Verse 17–22 beschreiben den rituellen Aufbau (Cakra mit Bhūpura, Kreisen und achtblättrigem Lotos), Invokation, Mudrās, die Opfergabe an den Türwächter Kiṅkara und den abschließenden Japa/Homa. Details der Cakra-Geometrie und einzelner Silben (Vers 18, 20) bleiben wegen OCR-Schäden unsicher [?].

tataḥ sādhitavidyas tu prayogān ācaren naraḥ | bilvavṛkṣāṃśaṃ juhuyāt pūrvaṃ sādhane japan ||23|| evaṃ saṃsiddhamantras tu mantritaiś ca lavaṇādikaiḥ | phaṇidaṣṭaṃ vrajato 'ntaṃ mukhe saṃtāḍya jīvayet ||24|| tatkarṇayor japed vidyāṃ yaṣṭyā vā japasiddhaye | saṃtāḍya śoṣaṃ sahasā hṛtaṃ viṣam utthāpayed iti ||25|| kāmyahomavidhiṃ devi śṛṇu vakṣye yathāvidhi | kṛtvā yoniṃ kuṇḍamadhye tatrāgniṃ vidhivan nayet ||26|| tilān sarṣapagodhūmaśālidhānyayavair hunet | vimiśrakṣīramadhubhiḥ samety saptabhis tathā ||27|| vakulaiś campakair ajaiḥ kahlārair asitotpalaiḥ | kuravair mallikākundamadhukair indirāptaye ||28|| aśokaiḥ pāṭalair bilvair jātīvicakilaiḥ sitaiḥ | navair nīlotpalair atha aśvaripujaiḥ karṇikārajaiḥ ||29|| dhāmnā lakṣmīś ca saubhāgyam āyur vittaṃ yaśonidhim | yad yad dhi vāñchitaṃ sarvam avāpnoti suniścitam ||30||

Wer die Vidyā zur Vollendung gebracht hat, mag magische Anwendungen ausüben; zuvor rezitiere er bei der Vidyā-Erlangung und opfere dabei Teile des Bilva-Baumes im Feuer. Wessen Mantra so zur Vollendung gelangt ist, der belebt einen von einer Schlange Gebissenen, dem Tode Nahen, wieder, indem er ihn, nachdem er ihn mit gesegnetem Salz und dergleichen besprochen hat, auf den Mund schlägt. An dessen beiden Ohren rezitiere er die Vidyā, oder mit einem Stab, um die Rezitation zur Vollendung zu bringen; durch das Schlagen wird die Erstarrung plötzlich aufgehoben, und das entzogene [Gift/Bewusstsein] steht wieder auf – so heißt es. Höre, Göttin, die Vorschrift des Wunschopfers (kāmyahoma); ich will sie der Ordnung gemäß erklären: Nachdem man in der Mitte der Feuergrube (kuṇḍa) die Yoni-Form angelegt hat, führe man dort das Feuer vorschriftsgemäß ein. Man opfere Sesam, Senf, Weizen, Reiskorn und Gerste, gemischt mit Milch und Honig, zusammengebracht, ebenso mit sieben [weiteren Zutaten]. Mit Vakula- und Campaka-Blüten, mit rotem Lotos (kahlāra) und blauem Lotos, mit Kuravaka, Mallikā, Kunda und Madhūka-Blüten – zur Erlangung der Indirā (Lakṣmī, der Glücksgöttin). Mit Aśoka-, Pāṭala- und Bilva-Blüten, mit Jātī und weißem Vicakila, mit frischem blauem Lotos und weiteren Blüten. Dadurch erlangt man Glanz, Glück (Lakṣmī) und gutes Geschick, langes Leben, Reichtum, einen Schatz an Ruhm; was immer man sich wünscht, das alles erlangt man, ganz gewiss.

Verse 23–25 beschreiben die Anwendung der vollendeten Vidyā zur Heilung von Schlangenbiss (der Kommentar überschreibt den Abschnitt entsprechend als „viṣaharaṇa-vidhāna"). Verse 26–30: Wunschopfer (kāmyahoma) mit verschiedenen Getreide- und Blütenopfern zur Erlangung von Lakṣmī, Glück und Reichtum. Einzelne Pflanzen- und Blütennamen (Vers 27–29) sind wegen schwerer OCR-Verderbnis nur näherungsweise identifiziert [?]; auch „dhāmnā" (Vers 30, Beginn) bleibt unsicher [?].

pūrvaṃ guḍūcīṃ saṃbhṛtya vaṭam āragvadhaṃ tathā | sitāṃ kṣīreṇa saṃyojya rogān mukto naro 'cirāt ||31|| ikṣujambūnārikelamocāguḍasitair hutaiḥ | acalāṃ labhate lakṣmīṃ bhoktā ca bhavati prabhuḥ ||32|| etair udīritair ājyamadhukṣīrair ghṛtair hutaiḥ | ekaikena vanitā vaśyā yāvajjīvaṃ dhanādibhiḥ ||33|| ājyaghṛtais tu bhūpā vaśyāḥ syur havanāt priye | krameṇa tiṣṭhaty aśeṣataḥ ||34|| sarṣapājyair nṛmūlāṭṭahanau vairikhalye | tadasthiyonyasthimāṃsair api ca tatkṛte ||35|| yac caikanāgnau yonyasthiraktotpāditaṃ vasā | ārdravāraghṛtopetaṃ phaṇiśeṣaṃ ca vā hunet ||36|| kṛṣṇāṃśukaśiroveṣṭaḥ khaḍgapāśī roṣavān | niśāmadhye hunet sadyo nihantuṃ vairiṇaṃ haṭhāt ||37|| khaḍgakāṣṭhānale tasya phalaiḥ patraiś ca homataḥ | saptarātrād arātīṃs tu gajāśvā rogam āpnuyuḥ ||38|| caturaṅgulajair dagdhaiś cāturaṅgaṃ balaṃ ripoḥ | saptāhād rogaduḥkhārtaṃ bhavaty eva na saṃśayaḥ ||39|| evam asyās tu vidyāyāḥ vaibhavaṃ ko nu varṇayet | tathāpi taddiśā kiṃcid ucyate tac chṛṇu priye ||40||

Nachdem man zuerst Guḍūcī (Tinospora) gesammelt hat, ebenso Banyan- und Goldregenbaum-Rinde (āragvadha), dies mit weißem Zucker und Milch vereinigt im Feuer geopfert – davon wird ein Mensch rasch von Krankheiten befreit. Durch Opfer von Zuckerrohr, Jambu-Frucht, Kokosnuss, Banane und braunem wie weißem Zucker erlangt man unerschütterlichen Reichtum (Lakṣmī) und wird zu einem Herrn, der ihn genießt. Durch diese genannten Stoffe, mit Ghee, Honig und Milch geopfert – durch jedes einzelne davon wird eine Frau samt Reichtum lebenslang gefügig (vaśya). Durch Ghee-Opfer werden ebenso Könige durch das Feueropfer gefügig, Geliebte; der Reihe nach bleiben sie zur Gänze [ergeben]. Mit Senföl, an einer Kreuzung gegen einen Feind [angewandt], ebenso mit Knochen und Fleisch eines Wesens von Yoni-Gestalt für diesen Zweck – was auch immer in einem einzigen Feuer aus dem Blut der Yoni-Knochen gewonnenes Fett ist, zusammen mit feuchtem Ghee und Schlangenresten geopfert werde – der Übende, das Haupt in schwarzes Tuch gehüllt, Schwert und Schlinge tragend, von Zorn erfüllt, opfere um Mitternacht, um den Feind sofort mit Gewalt zu töten. Durch Opfer der Früchte und Blätter [eines bestimmten Baumes] im Feuer auf einem Schwert-Holzscheit erkranken binnen sieben Nächten die Elefanten und Pferde der Feinde. Durch das Verbrennen vier Finger langer Holzstücke wird binnen sieben Tagen ohne Zweifel das vierteilige Heer (Elefanten, Wagen, Reiter, Fußvolk) des Feindes von Krankheit und Leid geplagt. Wer könnte wohl die ganze Macht dieser Vidyā beschreiben? Dennoch sei etwas in dieser Richtung gesagt – höre es, Geliebte!

Verse 31–39 behandeln weitere Homa-Anwendungen: Heilung (31), Reichtumserwerb (32–34), Unterwerfung von Frauen und Königen (33–34) sowie – wörtlich und ohne Beschönigung wiedergegeben, wie von der Aufgabenstellung gefordert – feindzerstörende (abhicāra-)Riten mit Tier- bzw. Leichenbestandteilen (35–37) und Schädigung des feindlichen Heeres (38–39). Die OCR ist in Vers 34–36 so schwer beschädigt, dass Einzelheiten (genaue Zutaten, Ritualorte) nur sinngemäß und mit erheblicher Unsicherheit [?] wiedergegeben werden können.

atha yantrāṇi vakṣyāmi samastābhīṣṭasiddhaye | tāni sarvāṇi deveśi kuru citte krameṇa vai ||41|| prākpratyagdakṣiṇodak ca sūtrāṇi dvādaśāpy ataḥ | tadagrāṇy abhitaḥ kuryāt triśikhāny asya sarvage ||42|| koṣṭhaṃ tārasya madhyasthaṃ nāma kṛtvā śivādiṣu | prādakṣiṇyapraveśena dvādaśākṣaraṃ māyayā ||43|| vidyām ālikhya saṃjapya viśvayā sarvasiddhaye | paridhāya kaule ca vaśyāya saubhāgyāyākhilāptaye ||44|| viṣagrahabhayotpātaśāntyarthaṃ yuddhaṃ jayāptaye | naranārīcatuṣpadīnāṃ vaśyāya vidyāś ca tat ||45|| prākpratyagdakṣiṇodak ca nava sūtrāṇi pātayet | jāyante ca catuḥṣaṣṭikoṣṭhāni parameśvari ||46|| teṣu sarvaṃ nikaṭādi likhel lakṣmyā anukramāt | bahis tūrṇākṣarair ante vaṣaḍyuktas tu veṣṭayet ||47||

Nun will ich die Yantras (Diagramme) darlegen, zur Erfüllung aller Wünsche; alle diese, Herrin der Götter, präge dir der Reihe nach ein. Man ziehe zwölf Linien von Ost nach West und von Süd nach Nord; an deren Enden mache man ringsum Dreizackspitzen, überall an diesem Diagramm. Im mittleren Feld schreibe man den Namen [der Zielperson] innerhalb der Silbe Tāra (oṃ); dann, im Uhrzeigersinn fortschreitend, beginnend bei [der Ecke] Śiva, schreibe man die zwölf Silben [der Vidyā], verbunden mit der Māyā-Silbe, ein. Nachdem man die Vidyā so eingeschrieben und rezitiert hat, [verwende man es] zur Erlangung aller Vollkommenheiten; umgebunden dient es im Kaula-Ritus zur Unterwerfung, zu gutem Glück, zur Erlangung von allem. Zur Besänftigung von Gift, Planetenbefall, Furcht und Unheil, zum Sieg im Kampf, zur Unterwerfung von Männern, Frauen und Vierfüßlern diene eben diese Vidyā. Man ziehe neun Linien von Ost nach West und von Süd nach Nord; so entstehen vierundsechzig Felder, höchste Herrin. In diese schreibe man, von der Mitte ausgehend, [die Namen] mit der Lakṣmī-Silbe der Reihe nach ein; außen umgebe man es mit den Silben der Tvaritā, am Ende mit vaṣaṭ versehen.

Verse 41–47 leiten den Yantra-Teil des Kapitels ein: ein Zwölf-Linien-Diagramm (121 Felder) für allgemeine Zwecke (41–45) und ein Neun-Linien-Diagramm (64 Felder, 46–47) als Grundlage des im Folgenden beschriebenen „Anugraha"-(Gnaden-)Großcakras. Einzelheiten der Silbenanordnung (43–44, 47) bleiben wegen OCR-Schäden unsicher [?].

anugrahaṃ mahācakraṃ vidyāṃ śṛṇu maheśvari | sarvatobhadravinyāsānuṣṭubhaṃ sarvasiddhidam ||48|| dāhavahniyutaṃ cādyaṃ viyad indrarutaṃ tataḥ | nabhaś ca marutopetaṃ vyāghraṃ tena samanvitam ||49|| etāny eva vilomāni prathamaṃ caraṇaṃ bhavet | dvitīyādyaṃ dvitīyaṃ syād vā śūnyaṃ dvitīyakam ||50|| tṛtīyaṃ tac caturthe syāj jyā ca sābhracarā tataḥ | pratilomaṃ tad eteṣāṃ dvitīyaṃ caraṇaṃ bhavet ||51|| tṛtīyaturyau parata iḍā vandyā tatas tv iḍā | marutā prāgvad etat pratilomaṃ tṛtīyakam ||52|| caturthaṃ dvādaśaṃ viṃśaṃ tat pūrvaṃ te vilomagāḥ | etac caturthaṃ caraṇaṃ śrīvidyāyāṃ maheśvari ||53|| sarvatobhadrarūpaiṣā vidyā sarvārthasādhikā | yatra sthitāsau cakrasthā na tatrāgrabhayaṃ kvacit ||54||

Höre nun, große Herrin, die Beschreibung der Anugraha-(Gnaden-)Großcakra-Vidyā: eine Anuṣṭubh-Silbenreihe in Sarvatobhadra-Anordnung – das heißt, in alle Richtungen gleich lesbar –, die alle Vollendungen gewährt. Die erste Silbe entsteht, indem man den für „Feuer" stehenden Laut mit dem für „Flamme" stehenden verbindet; dann die zweite aus dem für „Himmel" und dem für „Indra" stehenden Laut; die dritte aus dem für „Luftraum" und dem für „Wind" stehenden; die vierte ist der „Tiger"-Laut, mit jenem verbunden. Eben diese vier Silben, rückwärts gelesen, ergeben den ersten Versfuß (caraṇa). Der zweite Versfuß beginnt mit der zweiten Silbe des ersten Versfußes; seine zweite Silbe sei die „Leere" (der Nasallaut). Die dritte Silbe [des zweiten Versfußes] ist die vierte des ersten; dann folgen „Jyā" und die „Wolkenwandlerin". Deren Rückwärtslesung ergibt den zweiten Versfuß. Die dritte und vierte Silbe [des dritten Versfußes stehen] danach: „Iḍā", die „Verehrungswürdige" (vandyā), dann wieder „Iḍā" und „Wind", wie zuvor; deren Rückwärtslesung ist der dritte Versfuß. Die vierte Silbe [des vierten Versfußes] ist die zwölfte, [dann] die zwanzigste Silbe [des Diagramms], davor jene [dritte Silbe] – rückwärts gelesen; das ist der vierte Versfuß dieser erhabenen Vidyā, große Herrin. Diese Vidyā hat Sarvatobhadra-Gestalt und erwirkt jedes Ziel; wo immer sie, im Diagramm stehend, sich befindet, dort gibt es keinerlei Furcht vor Angriff.

Verse 48–54 beschreiben nach der in der Manoramā gebräuchlichen kryptographischen Methode (einzelne Laute werden durch Umschreibungen wie „Feuer", „Wind", „Himmel" kodiert) die Konstruktion einer vierzeiligen, in alle Richtungen palindromischen (sarvatobhadra) Anuṣṭubh-Silbenfolge im 64-Feld-Diagramm aus Vers 46f. Da die kodierten Einzellaute im vorliegenden OCR-Text nicht zuverlässig zu identifizieren sind (der Kommentar löst sie zwar prinzipiell auf, ist an dieser Stelle aber selbst stark verderbt), wird hier nur das beschriebene Konstruktionsverfahren, nicht die tatsächliche resultierende Silbenfolge, wiedergegeben; alle Einzelidentifikationen sind entsprechend als unsicher [?] zu betrachten.

daśasūtranipātena ekāśītisaṃkhyakaṃ padam | tanmadhyakoṣṭhe dāvasya kṛtvā madhyasya digvīthiṣu ||55|| likhed aṣṭacaturthe tat pratyekaṃ śubhe mudre yathāvidhi | jyādharāsair māyayā ittato 'mbu sparśagā iḍā ||56|| tataḥ striyo likhed vidyāṃ śivarakṣodigādikām | prāvṛttūrṇākṣaraiḥ saptavarṇaṃ dvayojitaiḥ ||57|| tato 'mbu svayutaṃ tena mālākalitarūpiṇā | datvā dvayena niṣpādaya kumbhaṃ padmādharottaram ||58|| kṛtvā svarṇādisūtreṣu saṃpūjyābhyarcya tat punaḥ | sthāpayej japasaṃsiddhaṃ teṣu pūrvoditeṣu vai ||59||

Durch das Ziehen von zehn Linien entsteht ein Feld von einundachtzig Feldern; in dessen mittleres Feld schreibe man die Silbe „Dāva" (Feuer); in den Bahnen rund um die Mitte, in [den Feldergruppen von] acht mal vier, schreibe man dies ein, jedes in einem der glückverheißenden Buchstabensiegel, der Vorschrift gemäß: die Silben „Jyā" mit „Dhara" und „Māyā" verbunden, dann „Ambu", die „Berührende" (sparśagā) und „Iḍā". Sodann schreibe man die weiblichen Silben, die Vidyā sowie „Śiva", „Rakṣas" und die Himmelsrichtungen; mit den umgekehrten Tvaritā-Silben, je zwei verbunden, ergänze man es um sieben Buchstaben. Sodann umgebe man dies mit dem verbundenen „Ambu" (Wasser-Laut) in Gestalt einer Buchstabengirlande; nachdem man es zu zweit vollendet hat, gestalte man das Ganze zu einem Krug (kumbha) mit Lotos unten und oben. Nachdem man es angelegt hat, verehre und bete man es an, dann stelle man das durch Japa Vollendete an den zuvor genannten Orten auf.

Verse 55–59 beschreiben ein zweites Diagramm mit 81 Feldern (ekāśīti-pada) in Krugform (amṛta-kumbha-yantra). Die genaue Silbenbelegung (56–58) ist wegen starker OCR-Schäden nur bruchstückhaft rekonstruierbar [?]; wiedergegeben wird das erkennbare Konstruktionsverfahren.

tatra lakṣmīr atisphītā nīrogāś ca prajās tathā | gajāśvāḥ paśavas tvanye prāṇinaḥ sukhino 'niśam ||60|| bhūtapretapiśācādipīḍāsu viniyojitam | alakṣmīghnam athaitat tu sarvaṃ sarvatra saṃpade ||61|| nigrahaṃ śṛṇu deveśi śatravo yasya śaktitaḥ | svalpenaiva tu kālena bhavanty eva parāsavaḥ ||62|| prāgvad ekāśītipadaṃ kṛtvā tanmadhyakoṣṭhake | dāhagarbhaṃ nāma kṛtvā tathā digvīthiṣu kramāt ||63|| likhed yogacatuṣkaṃ tu vahnimārutavigraham | yaiḥ sadyo vairiṇaḥ svīyaṃ vimuñcanti kalevaram ||64|| raso dāhāśrayuto graso vahnimṛgaḥkhagaḥ | prabhā dāhāśrayutā haṃso dāhādyasaṃyutaḥ ||65|| daśarandhrodgamārabhya paṅktiśo vilikhet tataḥ | kālīyamasya kramato vidyāmantrau saṃkramam ||66|| sarvatobhadrarūpā tu kālyanuṣṭubham īśvari | nu vakṣyāmi parato yamānuṣṭubham īśvari ||67|| prāṇo marutsamopeta iḍā vandyā samanvitā | nabho marutaṃ dagdhvā caturṇāṃ pratilomataḥ ||68||

Durch dieses Amṛta-Kumbha-Yantra entsteht reicher Wohlstand, gesunder Nachwuchs, [gedeihen] Elefanten, Pferde und andere Tiere, und die Lebewesen sind beständig glücklich. Es wird gegen Heimsuchungen durch Bhūtas, Pretas, Piśācas und dergleichen eingesetzt und vernichtet zudem Unglück – all das dient überall zu jedem Wohlstand. Höre nun, Herrin der Götter, von der Unterwerfung (nigraha): Durch dessen Kraft sind die Feinde binnen kürzester Zeit dem Tode verfallen. Nachdem man wie zuvor ein Diagramm mit einundachtzig Feldern angelegt hat, schreibe man in dessen mittleres Feld die Silbe „Dāha" (Feuer) samt dem Namen [des Feindes]; ebenso, den Bahnen der Richtungen entlang, der Reihe nach, schreibe man die vierfache Verbindung von Lauten, die „Feuer-Wind-Gestalt", durch die Feinde augenblicklich ihren eigenen Leib von sich werfen (sterben). [„Rasa" verbunden mit dem Feuer-Laut ergibt die erste Silbe; „Grāsa" mit Feuer, Wild und Vogel die zweite; „Prabhā", mit dem Feuer-Laut verbunden, die dritte; „Haṃsa", mit dem Feuer-Laut u.a. verbunden, die vierte.] Beginnend beim Aufgang der zehn Öffnungen [des Diagramms], schreibe man reihenweise die Silben der Kālī- und der Yama-Vidyā-Mantras der Reihe nach ein, sodass sie ineinander übergehen. Die Kālī-Anuṣṭubh hat Sarvatobhadra-Gestalt, Herrin; danach will ich dir die Yama-Anuṣṭubh verkünden, Herrin. [„Prāṇa", verbunden mit dem Wind-Laut, dazu „Iḍā" und die „Verehrungswürdige"; „Nabhas" und „Marut" verbrannt/verbunden – von diesen vier Silben, rückwärts gelesen, entsteht der erste Versfuß.]

Verse 60–61 nennen den Nutzen des Amṛta-Kumbha-Yantras. Verse 62–68 leiten das „Nigraha"-(Vernichtungs-)Yantra samt der darin einzuschreibenden Kālī- und Yama-Anuṣṭubh-Mantras ein, wieder nach dem kodierten Konstruktionsverfahren (vgl. Anmerkung zu 14.48). Vers 65 gibt laut Kommentar die so gewonnenen vier Silben als bīja-artige Lautfolgen an, die im beschädigten Kommentartext nicht mit Sicherheit rekonstruiert werden können [?]; „saṃkramam" (Vers 66) ist unsicher gelesen [?].

prathamaṃ caraṇaṃ tasya dvitīyaṃ śūnyam eva ca | nabhobhuvā grāsa etat pratilomād dvitīyakam ||69|| tṛtīyam ekādaśamaṃ tato gotrā carānvitā | rayas teṣāṃ vilomaṃ ca tṛtīyaṃ caraṇaṃ manoḥ ||70|| caturthaṃ dvādaśaṃ viṃśaṃ rayo 'bdhavilomakam | caturthe caraṇaṃ proktaṃ vidyāṃ ghnantīṃ sarvanāśinīm ||71|| vyāghraṃ kālas tṛtīyaṃ ca marutāmbu samanvitam | nāda eṣāṃ vilomaṃ ca prathamaṃ caraṇaṃ yame ||72|| etad dvitīyaturye ca nabhasā bhūś ca nādakam | eteṣāṃ pratilomaṃ ca dvitīyaṃ caraṇo manoḥ ||73|| ambuyukto marut tasminn ekādaśakam eva ca | rasaś cyāśro vajrī pratilomāt tṛtīyakam ||74|| nādo nādo dāhavahnī rayor vā tadanantaram | pratilomaṃ tu teṣāṃ syāc caturthaṃ caraṇaṃ śive ||75|| evaṃ mantradvayaṃ koṣṭheṣv ālikhya bahir apy adhaḥ | veṣṭayed vyāghradāhābhyām uktakramasamanvitam ||76||

Dessen erster Versfuß ergibt sich so; der zweite ist die Leere (der Nasallaut); „Nabhas" und „Bhū" verbunden ergeben den „Verschlinger" (grāsa) – dies rückwärts gelesen ist die zweite Silbe. Die dritte Silbe ist die elfte des Diagramms; danach „Gotrā", mit der Wandlerin verbunden; „Raya" – deren Rückwärtslesung ist der dritte Versfuß des Mantra. Die vierte Silbe ist die zwölfte, die zwanzigste, und „Raya", rückwärts [gelesen]; dies ist der vierte Versfuß der Vidyā, die man „die alles vernichtende Zerstörerin" nennt. „Vyāghra" (Tiger-Laut), „Kāla" als dritte Silbe, mit Wind und Wasser verbunden; deren Rückwärtslesung, zusammen mit „Nāda", ergibt den ersten Versfuß der Yama-Anuṣṭubh. Deren zweite und vierte Silbe sind „Nabhas" verbunden mit „Bhū" und „Nāda"; deren Rückwärtslesung ist der zweite Versfuß des Mantra. „Ambu" verbunden mit „Marut", dazu die elfte Silbe des Diagramms; „Rasa", „Cyāśra", „Vajrī" – rückwärts gelesen ist das die dritte Silbe. „Nāda", „Nāda", „Dāha-Vahni", danach „Raya" – deren Rückwärtslesung ergibt den vierten Versfuß, Śivā. Nachdem man so die beiden Mantras (Kālī- und Yama-Anuṣṭubh) in die Felder eingeschrieben hat, umgebe man das Diagramm außen, unterhalb, mit den Silben „Vyāghra" und „Dāha", in der genannten Reihenfolge verbunden.

Verse 69–76 setzen die kodierte Konstruktion der Kālī- und Yama-Anuṣṭubh-Mantras fort (vgl. Anmerkung zu 14.48/14.60). Die genaue phonetische Auflösung einzelner Code-Wörter (etwa „Gotrā", „Cyāśra") ist im stark beschädigten Kommentar nicht zuverlässig zu ermitteln und bleibt daher unsicher [?]; wiedergegeben wird das beschriebene Bildungsverfahren.

makarīdaṇḍigaralair āliptaṃ snāpitair akam | japtaṃ vinikṣiped annavivare catvare 'tha vā ||77|| valmīke mṛtabhavane śāsturāyatane 'tha vā | śmaśāne prāktasamaye prāktakramasamanvitam ||78|| yatra deśādikaṃ yantraṃ tatrālakṣmīr gadaiḥ samam | mārībhūtijvarāḥ sādhyāḥ sarve devāsurair api ||79|| prāgvac ca navabhiḥ sūtrair aṣṭāṣṭakapadaṃ śive | kṛtvā teṣv īśarekhādikam ārabhya kālikāmanum ||80|| vilikhya yamamantreṇa proktabījadvayena ca | veṣṭayitvā bahiścakraṃ sthāpayet tadadhomukham ||81|| etac ca pūrvacakroktaphalakṛt parameśvari | anukteṣv api nāmāni yojayet koṣṭhamadhyataḥ ||82|| lavaṇoṣaṇamehāmburagidhamāgnisaṃyutaiḥ | śmaśānāṅgāranimbotthaniryāsair viṣamīritam ||83||

Nachdem man es mit Makarī-Gift, Daṇḍi und Galle bestrichen und getränkt hat, versenke man es nach der Rezitation in einer Getreidegrube oder an einer Kreuzung, in einem Ameisenhügel, an einem Totenort, im Heiligtum des Widersachers, oder auf dem Leichenverbrennungsplatz, zur vorgeschriebenen Zeit, in der genannten Reihenfolge. Wo immer dieses Diagramm [vergraben ist], dort herrscht Unglück zusammen mit Krankheiten; Seuche, Dämonenbefall und Fieber lassen sich damit gegen alle bewirken, seien es Götter oder Dämonen. Nachdem man wie zuvor mit neun Linien ein Vierundsechzig-Felder-Diagramm angelegt hat, Herrin, schreibe man darin, beginnend bei der Śiva-Ecke, den Kālī-Mantra ein, nachdem man es mit dem Yama-Mantra und den beiden genannten Bīja-Silben eingeschrieben hat, umgebe man das Cakra außen und stelle es mit der Öffnung nach unten auf. Auch dieses bewirkt die beim vorigen Cakra genannten Wirkungen, höchste Herrin; auch bei den dort nicht genannten Zwecken trage man die Namen [der Zielpersonen] von der Feldmitte aus ein. Als Tinte diene eine Mischung aus Salz, scharfem Gewürz, Urin, Schlangenfett und Feuer[-Ruß], verbunden mit Leichenbrandkohle und dem ausgetretenen Harz des Nimbaums – so wird sie als unheilbringend bezeichnet.

Verse 77–79 nennen Vergrabungsorte und Wirkung des Nigraha-Yantras – Seuche und Unglück – wörtlich und ohne Beschönigung wiedergegeben, wie in der Aufgabenstellung gefordert. Verse 80–83 beschreiben ein zweites, 64-feldiges Nigraha-Yantra samt einer unheilbringenden Ritual-Tinte aus u.a. Leichenasche und Baumharz. Einzelne Zutaten (Vers 77, 83) sind wegen OCR-Schäden unsicher gelesen [?].

vidyādivargajaṭhare sādhyam ālikhya tadbahiḥ | aṣṭacchedeṣu phaṭvargam ālikhet tavaṇakam ||84|| karṇikāsthaṃ tato 'nyaṃ ca veṣṭayen māyayā tataḥ | bahiḥ kumbhaṃ vidadhyāc ca proktākṣaravidhānataḥ ||85|| evam anyaiś ca navabhir vidyāvargair yathākramam | vidadhyān nava yantrāṇi daśānāṃ ca phalaṃ śṛṇu ||86|| svarāṣṭre jayaṃ vaśyaṃ naranārīcatuṣpadīnām | stambhaṃ lakṣmīyaśohemavāsāṃsi ca samāpnuyāt ||87|| anāvṛttāny akṣarāṇi anteṣv ekādaśāyataḥ | svarabhinnair bhavet saṃkhyā ṣaṭsaptatyā śataṃ smṛtam ||88|| tair yantrakaraṇaṃ teṣāṃ phalāni ca yathākramam | śṛṇu vakṣyāmi deveśi sādhakābhīṣṭasiddhaye ||89|| vṛttayor madhyagaṃ kṛtvā padmaṣoḍaśapatrakam | tanmadhye karṇikāmadhye śaktiṃ sādhyasamanvitām ||90|| pareṣu ṣoḍaśārṇāni veṣṭayet tatra māyayā | vṛttayor antarā bāhyaṃ kumbhaṃ proktaṃ samālikhet ||91|| evam ekādaśoktāni yantrāṇi prathitāni vai | viniyogān vade teṣāṃ krameṇa ca pārvati ||92||

Nachdem man in der Mitte der Vidyā- und weiterer Buchstabengruppen den Namen des zu Behandelnden eingeschrieben hat, schreibe man außen, in acht Abschnitten, die „Phaṭ"-Buchstabengruppe. An der Blütenmitte wiederum etwas anderes, dann umgebe man es mit der Silbe Māyā; außen gestalte man es zu einem Krug, nach der genannten Buchstabenanordnung. Ebenso verfahre man der Reihe nach mit den neun anderen Silbengruppen der Vidyā und stelle so neun weitere Yantras her; höre nun die Wirkung dieser zehn Yantras. Sie bewirken Sieg im eigenen Reich, die Unterwerfung von Männern, Frauen und Vierfüßlern, Lähmung [des Feindes], sowie das Erlangen von Reichtum, Ruhm, Gold und Gewändern. Die nicht wiederholten Buchstaben der Vidyā, an deren Enden elf hinzukommen, ergeben, mit den ihnen zugeordneten Vokalen verschieden verbunden, die Zahl Hundertsechsundsiebzig, so wird überliefert. Mit diesen Silben ist die Herstellung [weiterer] Yantras möglich; höre nun der Reihe nach ihre Wirkungen, Herrin der Götter, ich will sie darlegen, zur Erfüllung der Wünsche der Übenden. Nachdem man zwischen zwei Kreisen einen sechzehnblättrigen Lotos angelegt hat, schreibe man in dessen Mitte, in der Blütenmitte, die Śakti [den Namen] verbunden mit dem zu Behandelnden. In die übrigen Blätter schreibe man die sechzehn Vokal-Buchstaben; man umgebe dies dort mit der Silbe Māyā; zwischen den beiden Kreisen schreibe man außen den vorgeschriebenen Krug ein. So sind die elf genannten Yantras dargestellt; ich will nun der Reihe nach ihre Anwendungen nennen, Pārvatī.

Verse 84–87 beschreiben neun weitere Yantras aus den Buchstabengruppen (varga) der Vidyā, mit knapp genannten Wirkungen. Verse 88–92 leiten zu elf weiteren Yantras aus den „veränderten Vokal"-Silben (svaravikṛta) der Vidyā über, in Form eines Sechzehn-Blatt-Lotos-Kruges. Die genaue Buchstaben- und Zahlangabe in Vers 88 ('176') ist wegen OCR-Schäden unsicher [?].

prathamaṃ hayarandhrākṛt dvitīyaṃ gajarandhrakam | tṛtīyaṃ parasenāyāṃ caturthaṃ daṇḍarandhrakam ||93|| pañcamaṃ kurute rājaveśmarandhrāṃ tu sarvataḥ | ṣaṣṭhaṃ sacivarandhrākṛt saptamaṃ pururandhrakam ||94|| aṣṭamaṃ rakṣaṇaṃ syāt sarveṣām api sarvadā | phaṇicoragrahādibhyo bhayebhyaḥ śrutyas tathā ||95|| navamaṃ sarvarogaghnaṃ sarveṣām api sarvadā | uttārakaṃ syād deveśi prākproktavidhinā yutam ||96|| daśamaṃ bhujagaṃ kṛtvā prāgvat siktoktaliṅgakam | sthāpayec chītake toye ghaṭādau savidhe 'tha tam ||97|| prayojayet tāni ca japet saṃjīvakaraṃ tat | ghorābhicārakulyādijāto dāhajvaraḥ kṣaṇāt ||98|| vimucya taṃ prayoktāraṃ nāśayet tatkṣaṇāt priye | evam etāni yantrāṇi nāmataḥ sarvakāryakṛt ||99|| sarvāsām api nityānāṃ prātar eva saṃdhyayā | pūjādau ca baliṃ dadyāt ṣoḍaśārṇena pārvati ||100|| pāṇitattvamayo vyāptir iti samyak samīritā | asyā niṣphalanāc citte tat tat svātmasātkṛtam ||101||

Das erste Yantra bewirkt ein „Durchbohren" (die Vernichtung) der Pferdetruppen [des Feindes], das zweite ein Durchbohren der Elefantentruppen; das dritte wirkt im feindlichen Heerlager, das vierte durchbohrt den feindlichen Heerstab. Das fünfte durchlöchert überall den königlichen Palast [des Feindes]; das sechste durchbohrt den Minister, das siebte die Stadt. Das achte dient jederzeit allen zum Schutz vor Schlangen, Dieben, Planetenbefall und ähnlichen Gefahren. Das neunte vernichtet jederzeit alle Krankheiten; das zehnte, Herrin der Götter, ist ein „Übersetzer" (rettet aus Gefahr), verbunden mit dem zuvor genannten Verfahren. Das zehnte Yantra – nachdem man ein Schlangenbild angefertigt und es wie zuvor mit dem genannten Liṅga-Zeichen besprengt hat – stelle man in kaltem Wasser auf, in einem Krug oder dergleichen, in dessen Nähe. Man setze diese Yantras ein und rezitiere dabei den Mantra – das wirkt belebend; das aus schrecklichem Schadenzauber und dergleichen entstandene Brandfieber weicht augenblicklich. Nachdem man es so [vom Betroffenen] gelöst hat, vernichte man sogleich den, der den Schadenzauber angewendet hat, Geliebte. So bewirken diese Yantras, jedes seinem Namen gemäß, jeden gewünschten Zweck. Allen Nityās gebe man frühmorgens, in der Dämmerung, zu Beginn der Verehrung, mit dem sechzehnsilbigen Mantra ein Opfer (bali), Pārvatī. So wurde die aus dem Hand-Prinzip (pāṇitattva) bestehende Durchdringung (vyāpti) recht dargelegt; aus deren Erwägung im Geiste wird dies alles zum eigenen Selbst gemacht (verinnerlicht). So endet im ehrwürdigen Ṣoḍaśanityātantra, genannt Śrīkādimata, das vierzehnte Kapitel (paṭala).

Verse 93–99 nennen knapp die Zwecke der elf Yantras aus 14.88–92 (feindliches Heer, Palast, Minister, Stadt; Schutz vor Gefahr und Krankheit; Wiederbelebung; Abwehr von Schadenzauber). Vers 100 ist eine allgemeine, offenbar für alle sechzehn Nityā-Kapitel formelhafte Anweisung zum täglichen Morgenopfer. Vers 101 ist ein knapper, formelhafter Schlussvers über eine tattva-Durchdringung (hier: pāṇitattva, „Hand-Prinzip"; im vorangehenden 13. Kapitel entsprechend pādatattva, „Fuß-Prinzip"), der mehreren Kapiteln dieses Textabschnitts fast wortgleich angehängt ist – vermutlich Teil eines größeren, die Nityā-Kapitel übergreifenden Körper-Tattva-Schemas; seine genaue Bedeutung bleibt kommentarlos knapp und ist nur ungefähr wiedergegeben [?]. Danach folgt im Original das Wurzeltext-Kolophon (hier übersetzt): „So endet im ehrwürdigen Ṣoḍaśanityātantra, genannt Śrīkādimata, das vierzehnte Kapitel." Zur Verszählung: Die gedruckte Ausgabe nummeriert ab etwa Vers 34 wiederholt fehlerhaft (Sprünge und Wiederholungen einzelner Zahlen, u.a. um Vers 65/66 und erneut um Vers 79–81); die Zählung wurde hier durchgehend anhand der tatsächlichen Vers-Abfolge auf 1–101 korrigiert, was genau mit der im Kolophon des Kapitels bestätigten Gesamtzahl übereinstimmt.

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