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Tantrarāja Tantra

Paṭala 8: iti śrī-ṣoḍaśanityātantre 'ṣṭamaḥ paṭalaḥ (Manoramā-Kolophon: bhagamālinī-nityā-vidyā-vidhāna-prakāśana-paraṃ aṣṭamaṃ paṭalam) 8. Kapitel: Die Verehrung der Nityā Bhagamālinī und ihre Yantras

Quelle: Tantrarāja-tantra mit dem Kommentar Manoramā des Subhagānandanātha, hrsg. Sadāśiva Miśra, Tantrik Texts Vol. 8 (Calcutta 1918), archive.org, OCR (window.TT1, ca. Zeichen 301950-328850). Übersetzt wurde nur der Wurzeltext (ca. 101 Verse), nicht der umfangreiche Sanskrit-Kommentar; dieser wurde nur punktuell zur OCR-Klärung wörtlich zitierter Wörter herangezogen (in den notes vermerkt). Inhalt: Das Kapitel behandelt die zweite der sechzehn Nityā-Göttinnen, Bhagamālinī. Es lehrt zunächst ihre Mantra-Glieder, Meditationsgestalt und die sie umgebenden Śakti-Scharen (V.1-11), dann den Aufbau mehrerer Verehrungs-Cakras (Yoni-Dreiecke, Lotus-Cakra mit den vierzehn Nityās, Mātṛkā-Göttinnen an den Toren; V.12-21, 50-63) samt Opfergaben, Dauer und universellen Wirkungen der Verehrung (V.64-71). Ein längerer Abschnitt (V.22-49) beschreibt ein 'Wunsch-Feueropfer' (kāmya-homa) mit blumen-spezifischen Unterwerfungs- und Erfolgszaubern sowie 33 tragbare Yantras gegen Krankheiten, Dämonen und Unglück. Nach Vers 71 folgen 18 Verse (73-90), die der Text selbst ausdrücklich als 'vyākulitākṣara' (mit absichtlich verschlüsselten/verworrenen Silben) bezeichnet; schon der Erstherausgeber von 1918 erklärt in einer Fußnote, ihr Sinn sei nirgends zu ermitteln und selbst die korrekte Silbenfolge unbekannt - diese Übersetzung gibt sie daher, der Methodenvorgabe folgend, nicht wieder, sondern dokumentiert die Lücke (siehe Anmerkung zu Einheit 8.91). Das Kapitel schließt (V.91-101) mit einem weiteren, wieder klar lesbaren Yantra samt nächtlichem Ritual zur erotisch-magischen Bindung einer begehrten Frau (vanitā-saṅkulana), unverhüllt und wörtlich wiedergegeben. Die OCR-Qualität dieses Bandes ist insgesamt sehr schlecht (häufige Ziffern- und Zeichenverwechslungen, zerrissene Wörter); zahlreiche Einzelworte und vor allem die vielen technischen Zahlenangaben zu Silben- und Feldzahlen bleiben trotz sorgfältiger Rekonstruktion aus Metrik, Kontext und Kommentarparaphrase unsicher und sind mit [?] markiert.

atha ṣoḍaśanityāsu dvitīyāṃ bhagamālinīm | śṛṇu devi pravakṣyāmi sāṅgāṃ sāvaraṇāṃ kramāt ||1|| tad-aṅgāny atha tad-dhyānaṃ tad-āvaraṇa-devatāḥ | tat-pūjāyāḥ kramaṃ homaṃ yantrāṇi vividhāni ca ||2|| tan-mantroddhāra uditaḥ pūrvam eva mayā tava | aṅgāni mantravat tasyā ādita iha kīrtitam [?] ||3|| tataś caturbhiḥ śiraḥ syāt śikhā tribhis tu kīrtitā | catuṣṭayair dvayaiḥ [?] śeṣāṇy aṅgāni ṣaḍ iti kramāt ||4|| aruṇām aruṇākalpāṃ su-smitānanām [?] | vineyāṃ [?] bāhubhiḥ ṣaḍbhir upetāṃ kamalāsanām ||5||

Nun, unter den sechzehn Nityās, [zur] zweiten, Bhagamālinī: Höre, o Devī, ich will [ihr Mantra] der Reihe nach verkünden, zusammen mit seinen Gliedern (aṅga) und seiner Umhüllung/seinem Kreis von Gottheiten (āvaraṇa). Ihre Glieder, sodann ihre Meditationsgestalt (dhyāna), die Gottheiten ihres āvaraṇa (der sie umgebenden Kreise), die Ordnung ihrer Verehrung (pūjā), das Feueropfer (homa) und die vielfältigen Yantras [will ich lehren]. Die Extraktion (mantroddhāra) ihres Mantras wurde von mir dir bereits zuvor mitgeteilt; ihre Glieder werden, wie beim [vorigen] Mantra, hier von Anfang an dargelegt [?]. Sodann soll mit vier [Silben] das Haupt (śiras) [gebildet] werden, mit drei der Schopf (śikhā); mit zwei Vierergruppen [von Silben] [?] die übrigen Glieder, macht sechs der Reihe nach. [Man stelle sie sich vor als] rötlich, von rötlicher Gestalt, mit schön lächelndem Antlitz [?], … [ein unsicheres Beiwort, ?], mit sechs Armen versehen, auf einem Lotus thronend (kamalāsanā).

Vers 1: OCR-Lesung (transliteriert) 'gu devi' zu 'śṛṇu devi' rekonstruiert (häufige OCR-Verwechslung von śa/ga). Vers 3: stark verderbt, Sinn nach Kommentarparaphrase ('wie beim Mantra, von Anfang an dargelegt') erschlossen, [?] an unsicherer Stelle. Vers 4: die genaue Silbenverteilung auf die sechs Glieder (hṛdaya/śiras/śikhā/kavaca/netra/astra) ist durch den Kommentar nur teilweise gestützt ('catuṣṭayaiḥ' = 'mit je vier Silben'); 'dvayaiḥ' (zwei Gruppen) ist Vermutung für die OCR-Lesung 'vayaiḥ'. Vers 5 gehört mit den beiden folgenden (6-7) zu einer dreiversigen dhyāna-Einheit (Kommentar: 'aruṇādibhir... madātmabhir ity antais tribhiḥ ślokair devyāḥ saparivārāyā nityapūjādhyānam upadiśati'); 'vineyām' ist unsicher (OCR-Lesung 'vinevāṃ'), evtl. verderbt aus einem anderen Beiwort.

kalhāra-pāśa-puṇḍrekṣu-kodaṇḍān vāma-bāhubhiḥ | dadhānāṃ dakṣiṇaiḥ padmam aṅkuśaṃ puṣpa-sāyakam ||6|| tathā-vidhābhiḥ parito vṛtāṃ śakti-gaṇais tutaiḥ [stutaiḥ?] | antar [?] anyābhiḥ smara-unmāda-mada-ātmabhiḥ ||7|| pañcatriṃśac chataṃ [?] te rūpiṇyaḥ śakti-pañcakam [?] | saptātra ca saṃyojya śaktīs tat-saṅkhyāṃ yajet ||8|| madanāṃ mohinīṃ lolāṃ jambhinīm unmadāṃ śubhām [?] | lubdhāṃ [?] hlādinīṃ drāviṇīṃ prītiṃ ratiṃ raktāṃ manoramām ||9|| sarva-unmādāṃ sarva-sukhām amanaṅgām [?] abhita-udayamām [?] | analpāṃ vyakta-vibhavāṃ vividha-kṣobha-vigrahām ||10|| etāḥ syuḥ śaktayaḥ pañca-pañcāśac-chataṃ [?] | tābhir vṛtāṃ tu tāṃ devīṃ pūjayed abhīṣṭa-āptaye ||11||

[Man verehre sie,] in den linken Händen eine Kalhāra-Lotusblüte, eine Schlinge (pāśa) und einen Zuckerrohrbogen (puṇḍrekṣu-kodaṇḍa) haltend, in den rechten einen Lotus, einen Elefantenstachel (aṅkuśa) und einen Blütenpfeil (puṣpasāyaka). [Sie ist] von ebensolchen Scharen von Śaktis (Kraft-Gottheiten) allseits umgeben und gepriesen, und von anderen [Śaktis], die alle die Natur von Liebesrausch und -taumel haben. Diese [ihr zugeordneten Silben-Gottheiten] werden als hundertfünfunddreißig [?] gezählt, ‚Rūpiṇī‘-genannt, [zusammen] eine fünffache Śakti-Gruppe [?] bildend; hat man hier noch sieben weitere hinzugefügt, verehre man die Śaktis nach dieser [Gesamt-]Zahl. [Ihre Namen:] Madanā (die Berauschende), Mohinī (die Betörende), Lolā (die Schwankende), Jambhinī, Unmadā (die Trunkene) [?], Śubhā (die Heilvolle), Lubdhā (die Begierige) [?], Hlādinī (die Entzückende), Drāviṇī (die Schmelzende), Prīti (Zuneigung), Rati (Liebeslust), Raktā (die Leidenschaftliche), Manoramā (die Herzerfreuende). [Weitere Namen:] Sarvonmādā (die alle Berauschende), Sarvasukhā (die alles Beglückende), […unsicher, ?…], Analpā (die Nicht-Geringe), Vyaktavibhavā (die von offenkundiger Macht), Vividhakṣobhavigrahā (die von mannigfach erregender Gestalt). Dies sind die Śaktis, [insgesamt] hundertfünfundfünfzig [?] an der Zahl; von ihnen umgeben, verehre man jene Göttin zur Erlangung des ersehnten [Zieles].

Verse 6-11 zählen die Bhagamālinī umgebenden Śaktis (Kraftgottheiten) auf; die genauen Zahlenangaben (135, 155 u.ä.) sind wegen OCR-Verderbnis und widersprüchlicher Kommentarangaben (der Kommentar nennt an einer Stelle 125, an anderer 135) unsicher und mit [?] markiert. Vers 6: Ikonographie mit Schlinge, Zuckerrohrbogen, Lotus, Elefantenstachel und Blütenpfeil entspricht dem bekannten Typus der Kāmeśvarī/Tripurasundarī-Ikonographie. Vers 9-10: Namensliste, mehrere Namen unsicher rekonstruiert (OCR stark verderbt), insbesondere ein Beiwort in Vers 10 blieb unaufgelöst.

atha pūjā-kramaṃ devi śṛṇu sarva-artha-dāyakam | yena viśvaṃ [?] vaśe bhūyād api sthāvara-jaṅgamam ||12|| catur-asra-dvayaṃ kṛtvā dvāraṃ tu paritaḥ [?] | tan-madhye 'gra-pañcadalaṃ [?] kṛtvā tat-karṇikā-gatam ||13|| yoni-dvayaṃ tayor madhye tiryag-rekhā-vidhānataḥ | pañca-viṃśac-chataṃ saṅkhyā yonayaḥ paritaḥ sthitāḥ ||14|| agrādi-lomaśās tās tu śaktīḥ saṃsthāpya pūjayet | madhye vṛtta-trayaṃ kuryāc ca viṃśati-rekhayā [?] ||15|| niṣpādya tāvatīr yonīr madanādyāḥ samarcayet | vṛtta-antarāle tābhir yajed aṅgāni ṣaṭ kramāt ||16||

Nun höre, o Devī, die Ordnung der Verehrung, die alle Ziele gewährt, durch die die Welt, das Bewegliche wie das Unbewegliche, [einem] untertan werden kann. Nachdem man ein doppeltes Quadrat gemacht hat, mit einer Tür ringsum [an einer Seite] [?], soll man in dessen Mitte einen fünfblättrigen [Lotus] machen, dessen Same/Fruchtknoten (karṇikā) [dort] zu liegen kommt. Zwischen den beiden [Kreisen] [entstehe] mittels Anordnung von Querlinien ein doppeltes Yoni(-Dreiecksmuster); hundertfünfundzwanzig an der Zahl sind die ringsum stehenden Yonis (Dreiecke). Nachdem man die Śaktis, von der Spitze beginnend, gegen den [gewöhnlichen] Strich [d.h. in umgekehrter Reihenfolge] darin aufgestellt hat, verehre man sie; in der Mitte mache man einen dreifachen Kreis, mit zwanzig Linien [?]. Nachdem man ebenso viele Yonis hergestellt hat, verehre man [darin die Śaktis] beginnend mit Madanā; im Zwischenraum der Kreise verehre man, von ihnen umgeben, der Reihe nach die sechs Glieder (ṣaḍaṅga).

Diese Verse beschreiben die Konstruktion des Verehrungs-Yantras für Bhagamālinī: äußeres Doppelquadrat mit Tor, innerer fünfblättriger Lotus, 125 Yoni-Dreiecke zwischen zwei Kreisen (für die zuvor genannten Śaktis), ein weiterer Dreifachkreis für die sechs Mantraglieder. Die Bauanweisungen sind, wie bei vergleichbaren Yantra-Beschreibungen dieses Werkes, stark technisch und OCR-bedingt unsicher; einzelne Maßangaben (z.B. 'zwanzig Linien' in Vers 15) bleiben mit [?] markiert.

tan-madhye bhagamālāṃ tām āvāhyokta-svarūpiṇīm [?] | saṃsthāpanādibhir arcayed upacārakaiḥ [?] ||17|| arghyam aṅgaiś ca mūlena saṃsādhyābhyarcya mūlataḥ | dvārasya pārśvayo rāga-dveṣa-śaktī tathārcayet [?] ||18|| śabda-sparśaṃ tathā rūpaṃ rasaṃ gandhaṃ ca pūrvavat | tad-antar-vṛttayor madhye ṣaḍaṅgāni tathārcayet ||19|| tad-anta-bhagamālāyāṃ madanādyās tathārcayet | madhye ca devīm abhitaḥ ṣaḍ yajed anya-āyudhāny api ||20|| tato devīṃ ṣoḍaśabhir upacārair udīritaiḥ | pūjayed ādya-varṇena vidadhyāt tad-dvayaṃ balim ||21||

In dessen Mitte verehre man, nachdem man Bhagamālā selbst in ihrer genannten Wesensgestalt herbeigerufen (āvāhana) hat, [sie] mit [ritueller] Aufstellung u.a., mit den [vorgeschriebenen] Dienstleistungen (upacāra). Nachdem man das Ehrenwasser (arghya) zusammen mit den Gliedern durch das Wurzelmantra (mūla) bereitet und [die Göttin] mit dem Wurzelmantra beginnend verehrt hat, verehre man ebenso zu beiden Seiten der Tür die beiden Śaktis Rāga (Leidenschaft) und Dveṣa (Abneigung). Klang, Berührung, ebenso Form, Geschmack und Geruch [als Śaktis, verehre man] wie zuvor; und zwischen den inneren Kreisen verehre man ebenso die sechs Glieder (ṣaḍaṅga). Innerhalb davon, im [Kreis der] Bhagamālā, verehre man ebenso die mit Madanā beginnenden [Śaktis]; und rings um die Göttin in der Mitte verehre man auch die sechs [Waffen in ihren Händen] und die übrigen [Attribute]. Dann verehre man die Göttin mit den genannten sechzehn Dienstleistungen (upacāra); mit der ersten Silbe [ihres Mantras, dem bīja] vollziehe man das doppelte Opfermahl (bali).

Vers 21: Der Kommentar erklärt 'tad-dvayaṃ balim' als zwei Opferspenden – eine zu Beginn der Verehrung mit dem sechzehnsilbigen Mantra, eine am Ende mit dem siebensilbigen Kurukullā-Mantra; diese Einzelheit ist im Wurzeltext selbst nicht ausgesprochen und daher hier nicht übernommen, sondern nur zur Erläuterung genutzt. Mehrere Einzelworte (Vers 17-18) bleiben wegen OCR-Verderbnis unsicher [?].

japed uttara-śataṃ agre devyās tu nityaśaḥ | prāgvad agni-mukhaṃ kṛtvā homaṃ kuryād daśāṃśataḥ ||22|| saṃyojya bindau tāṃ prāgvan mūlenābhyarcya tāṃ tathā | svātmany udvāsayed ukta-prakāreṇa mantra-varyām [?] ||23|| devy-ātmā vaśayed iṣṭaṃ nara-nārī-narādhipān | kāmya-homam atho vakṣye nānābhīṣṭa-pradaṃ [?] priye ||24|| tri-madhurakaiḥ puṇḍarīkaiḥ [?] vaśaṃ nayet | āraṇyais tu rājānaṃ karavīrais tu veśyakam ||25|| utpalair vaśayec chūdraṃ vanitāṃ japayā hataiḥ [?] | bilvair lakṣmīr bhaved dhrauṃ [?] syād vā kamalair hitāt [?] ||26|| kairavair bāhu [?] puṣpaṃ [?] mahad-yaśaḥ | saubhāgyaṃ campakaiḥ siddhaṃ rakta-saugandhikair hitam [?] ||27|| tagarair vaśyaṃ siddhaṃ puṃnāgair bhūṣaṇa-prāptaye | madhukaiḥ kanyakā-siddhiṃ palāśaiḥ raṇa-siddhaye ||28||

Man rezitiere stets zuvor hundertundeins [Mal] für die Göttin; nachdem man wie zuvor das Feuer nach Osten [gerichtet] gemacht hat, vollziehe man das Feueropfer (homa) im Umfang eines Zehntels [der Rezitationszahl]. Nachdem man sie [die Göttin/das Mantra] mit dem Bindu (Nasallaut) verbunden und ebenso mit dem Wurzelmantra wie zuvor verehrt hat, entlasse man [sie] in die eigene Seele, nach der genannten Weise – sie, die vortrefflichste der Mantras [?]. Wer mit der Göttin identisch geworden ist (devyātman), kann nach Belieben Männer, Frauen und Herrscher unterwerfen. Nun will ich das Wunsch-Feueropfer (kāmya-homa) verkünden, das mannigfache erwünschte [Ziele] gewährt, o Geliebte. Mit den drei süßen Substanzen [Honig, Milch/Ghee und Dickmilch] [und] mit Lotusblüten [?] bringe man [jemanden] unter Kontrolle; mit Wald[-Blumen] [unterwerfe man] einen König, mit Oleander[-Blüten] eine Kurtisane. Mit blauen Lotusblüten (utpala) unterwerfe man einen Śūdra, eine [beliebige] Frau durch Rezitationsopfer mit … [?]; mit Bilva[-Blüten] werde [man] zu Lakṣmī [d.h. erlange Wohlstand]; oder es geschehe mit Lotusblüten (kamala) zum Segen [?]. Mit weißen Wasserlilien (kairava) [erlange man] … großen Ruhm [?]; mit Campaka[-Blüten wird] Glück (saubhāgya) erlangt; mit rotem Saugandhika[-Lotus geschieht] Wohltat [?]. Mit Tagara[-Blüten] wird Unterwerfung (vaśya) erlangt; mit Puṃnāga[-Blüten] die Erlangung von Schmuck; mit Madhuka[-Blüten] die Bezwingung eines Mädchens (kanyakā); mit Palāśa[-Blüten] Erfolg im Kampf.

Verse 22-29 (vgl. auch die nächste Einheit) listen die verschiedenen mit bestimmten Blütenopfern im 'kāmya-homa' (Wunsch-Feueropfer) erzielbaren Wirkungen auf – eine Art Katalog magischer Entsprechungen von Blume und Ziel, wie er in tantrischer Literatur häufig vorkommt. Die Liste ist durch die extrem schlechte OCR-Qualität dieses Abschnitts (viele Ziffern- und Zeichenverwechslungen in kurzen, listenartigen Halbversen) besonders unsicher; einzelne Blumen-Wirkungs-Zuordnungen (bes. Verse 25-27) bleiben mit [?] markiert, da die genauen Pflanzennamen und Wirkungen aus dem OCR-Rest nicht sicher rekonstruierbar sind.

kiṃśukair aṃśuka-avāptiḥ [?] pāṭalaiḥ paśu-siddhaye | rakta-utpalaiḥ sarva-siddhiṃ homayet parameśvari ||29|| atha yantrāṇi vakṣyāmi vāñchita-artha-pradāni tu | candana-aguru-karpūra-kastūrī-kuṅkumair likhet ||30|| sarvāṇi sarvato yantrāṇy abhīṣṭa-āvāpti-kāmukaḥ [?] | suvarṇe rajate tāmre tv aṃśuke [?] bhūrja-patre ||31|| śirasi [?] bāhau kaṇṭhe kaṭyāṃ prakoṣṭhake | nidhāya kvāpi pūjāṃ vā kuryād yantrāṇy aśeṣataḥ ||32|| ṣaṭkoṇaṃ vṛttayor madhye kṛtvā tad-antare tathā | yoniṃ vilikhya tan-madhye māyāṃ sādhya-samanvitām ||33|| vilikhya koṇa-catuṣṭaye [?] vahniḥ ṣaṭke 'pi saṃlikhet [?] | eka-eka-vṛttayor madhye śeṣa-aṅgāni samālikhet ||34|| bahir māyā-trayeṇa [?] vṛtta-ante bindu-yuktayā | evaṃ yantrāṇi mantreṇa garbhitaṃ garbhi [?] bhavet ||35||

Mit Kiṃśuka[-Blüten wird] die Erlangung von Gewändern [erreicht]; mit Pāṭala[-Blüten] Erfolg über [wilde] Tiere; mit rotem Lotus (rakta-utpala) vollziehe man das Feueropfer zur Erlangung völligen Erfolges (sarva-siddhi), o höchste Herrin! Nun will ich die Yantras (mystischen Diagramme) verkünden, die das ersehnte Ziel gewähren; man zeichne sie mit Sandelholz, Adlerholz (aguru), Kampfer, Moschus und Safran. Alle Yantras, in jedem Fall, [zeichne] der nach Erlangung des Ersehnten Verlangende [?] auf Gold, Silber, Kupfer, auf Tuch [?] [oder] auf Birkenrinde (bhūrjapatra). Nachdem man [das Yantra] auf dem Kopf [?], am Arm, am Hals, an der Hüfte oder am Handgelenk angebracht hat, oder es zur Verehrung [aufgestellt] hat, soll man die Yantras vollständig zur Anwendung bringen. Nachdem man zwischen zwei Kreisen ein Sechseck (ṣaṭkoṇa) gemacht hat und darin ebenso ein Yoni(-Dreieck) gezeichnet hat, [schreibe man] in dessen Mitte die Māyā[-Silbe, hrīṃ] zusammen mit [dem Namen] des Zielobjekts (sādhya). Nachdem man [etwas] in die vier Ecken [?] geschrieben hat, schreibe man auch in das Sechseck die Feuer[-Silbe, raṃ]; zwischen je zwei Kreisen schreibe man die übrigen Glieder (aṅga). Außen, mit einer dreifachen Māyā[-Silbe] [?], am Rand des Kreises, versehen mit dem Bindu(-Punkt): So werden die Yantras, durch das Mantra ‚schwanger gemacht‘ [d.h. mit Kraft erfüllt], wirkmächtig [?].

Diese Einheit setzt die Blumen-Wirkungs-Liste (vgl. vorige Einheit) fort und geht dann zur allgemeinen Herstellung der Unterwerfungs-Yantras über: Trägermaterial (Metalle, Tuch, Birkenrinde), Trageort am Körper, sowie die geometrische Grundstruktur (Sechseck, Yoni-Dreieck, doppelter Kreis) mit den einzuschreibenden Bija-Silben (māyā = hrīṃ, vahni = raṃ). Einzelne technische Angaben (Vers 31-35) bleiben wegen OCR-Verderbnis mit [?] markiert.

carame 'kṣata-ṣaṭkaṃ [?] tu śeṣaṃ saṃpūjayec chive | jyā-kaṭhāv-ambā hṛt-svena māyayākṣata-pañcakam [?] ||36|| tat-pañcakaṃ svara-bhedād aṣṭādaśatir māyayā tathā | taiḥ ṣaṇḍa-hīnaiḥ [?] ṣaṣṭiḥ syāt prāyayā [visarjanīyayā] ca tathā bhavet ||37|| ṣaṣṭyā śataṃ samudiṣṭaṃ varga-ṣaṭka-vigraham [?] | teṣāṃ sarveṣāṃ tantre 'smin viniyogo vidhīyate ||38||

Am Ende soll man die sechs 'Akṣatas' [?] und den Rest verehren, o Śivā! [Nach dem Silben-Schlüssel:] 'jyā' – 'kaṭhau' – 'ambā', mit dem Nasallaut (hṛt-sva) versehen, [ergeben] mittels der Māyā [d.h. mit angehängtem Visarga] die fünf 'Akṣaras' [?]. Diese Fünfergruppe, nach Vokalunterscheidung [vervielfacht], [ergibt] achtzehn, ebenso mittels der Māyā; durch sie, vermindert um … [?], seien es sechzig, und ebenso geschehe es mittels des Visarga. Mit sechzig [weiteren] wird [insgesamt] Hundert[sechzig] verkündet, [die Silben] die sechs Konsonantenklassen (varga) umfassend [?]; die Anwendung (viniyoga) all dieser wird in diesem Tantra dargelegt.

Verse 36-38 sind eine 'mantroddhāra'-Passage: eine verschlüsselte Anleitung zur Silbengewinnung mittels eines traditionellen Code-Schlüssels (der Kommentar löst auf: jyā = der Laut ja, kaṃ/kaṭhau = ṭha, ambā = va, hṛt = sa, sva = Anusvāra-Punkt, māyā = Visarga). Die genaue Silbe-für-Silbe-Rekonstruktion sowie die Zahlenangaben (Zwischensummen 5, 18, 60, 160) sind wegen massiver OCR-Verderbnis sowohl im Wurzeltext als auch im erklärenden Kommentar nicht sicher zu ermitteln; die Übersetzung folgt dem erkennbaren Grundgerüst (ein Silben-Additionsverfahren zur Bildung mehrerer Mantra-Varianten für die im Folgenden beschriebenen Yantras) und markiert die unsicheren Einzelstellen mit [?].

caturdaśānāṃ yantrāṇāṃ viniyogaṃ śṛṇu priye | vaśyam ākarṣaṇaṃ stambham ārogyaṃ vijayaṃ śivam ||39|| gaja-aśva-go-meṣa-mahiṣāṇām anukramāt [?] | nara-nārī-nṛpāṇāṃ ca prokta-yogena sādhayet ||40|| akṣara-agraiḥ [?] sthalāgraiḥ [?] lalitā-rahitas tu taiḥ | nityā-caturdaśa-agaiś [?] cāpy eka-ṣaṣṭi-śatena ca ||41|| ṣaṭ-pañcāśat-samopetaṃ catuḥ-śatam udīritam | tair yantra-racanā-yogaṃ phalāni ca śṛṇu priye ||42||

Höre, o Geliebte, die Anwendung der vierzehn Yantras: Unterwerfung (vaśya), Herbeiziehung (ākarṣaṇa), Lähmung (stambhana), Gesundheit (ārogya), Sieg (vijaya), Heil (śiva) [und weitere, im Folgenden genannte Wirkungen]. [Diese Wirkungen erzielt man] der Reihe nach [für] Elefanten, Pferde, Rinder, Schafe und Büffel sowie für Männer, Frauen und Könige; man bewirke [sie] nach der genannten Methode. Mit den [Mantra-]Silben [?] … [?], ohne Lalitā [d.h. ohne deren Mantra], durch jene [Silben] – zusammen mit den Silben der vierzehn [übrigen] Nityās [?] und mit hundertundeinundsechzig [weiteren] – wird [die Gesamtzahl] vierhundertsechsundfünfzig verkündet; durch sie [lehre ich] die Methode der Yantra-Konstruktion und ihre Früchte – höre, o Geliebte!

Verse 39-42: Aufzählung der Wirkungen der (im Folgenden beschriebenen) 33 Yantras (vgl. Vers 45, 49) und eine numerologische Angabe zur Gesamtzahl der dafür benötigten Mantra-Silben. Die genauen Zahlenwerte (Vers 41-42) sind im OCR-Text stark entstellt; der Kommentar nennt selbst unterschiedliche Teilsummen (unter anderem 106, 135, 161×14), die sich nicht widerspruchsfrei zur genannten Gesamtsumme 456 zusammenfügen lassen – vermutlich ist auch der Kommentartext an dieser Stelle verderbt. Die Übersetzung gibt das erkennbare Grundschema wieder; einzelne Zahlen und Fachausdrücke bleiben mit [?] markiert.

vikoṇam aṣṭa-patra-abjaṃ bahir vṛtta-dvayaṃ tathā | vidhāya madhye māyā-sthaṃ kṛtvā nāma [?] vikoṇa-gam [?] ||43|| antarāla-trayaṃ [?] likhya bahiḥ pañca-aṣṭa-gām iva [?] | catur-daśa-arṇam ālikhya vṛtta-madhye tu mātṛkām ||44|| vilikhya arcā-hata-japa-sekaiḥ [?] siddhāni yojayet [?] | trayastriṃśatamaṃ yantraṃ sa-śakty-akṣara-pañcakam [?] ||45|| jvare ghore śītikāyāṃ tathā cāturthike gade | sphoṭe masūrikāyāṃ ca netrābhyāṃ [?] bhukti-sambhave [?] ||46|| yakṣa-rākṣasa-gandharva-piśāca-uraga-pīḍane | bāla-grahe daurbhāgye vandhyātve vairi-pīḍane ||47|| vāde ca unmādane [?] rāja-krodhe cora-bhaye tathā | ḍākinyādi-gaṇaiḥ ṣaḍbhir ākrāntāyāṃ brahma-rākṣase [?] ||48|| prameha-kāmalā-rugbhis [?] doṣajeṣu triṣu kramāt | yojayed ukta-vidhinā trayastriṃśad iti īśvari ||49||

Nachdem man ein Sechseck, einen achtblättrigen Lotus und außen ebenso einen Doppelkreis gemacht, in der Mitte die Māyā[-Silbe] platziert und den Namen [des Zielobjekts] [?] in das Sechseck [gesetzt] hat … … nachdem man den dreifachen Zwischenraum [?] gezeichnet, außen gleichsam fünf-acht-fach [?] [Silben verteilt], das vierzehnsilbige [Mantra] geschrieben und in der Mitte des Kreises die Buchstabenreihe (mātṛkā) [gesetzt] hat, und [das Ganze] gezeichnet mit Verehrung, Rezitation und Besprengung wirksam gemacht hat [?]: [dies ist] das dreiunddreißigste Yantra, samt den fünf Śakti-Silben [?]. Bei schwerem Fieber, bei Schüttelfrost, ebenso bei der Krankheit des viertägig wiederkehrenden Fiebers, bei Hautausschlag, bei Pocken und bei einem an beiden Augen auftretenden Leiden [?]; bei Bedrängnis durch Yakṣas, Rākṣasas, Gandharvas, Piśācas oder Schlangen(-dämonen); bei Kindesdämonen (bāla-graha), bei Unglück, bei Unfruchtbarkeit, bei Bedrängnis durch Feinde; bei Rechtsstreit und Wahnsinn [?], beim Zorn eines Königs, bei Furcht vor Dieben, ebenso bei Bedrängnis durch die sechs Ḍākinī-Scharen u.a., durch einen Brahma-Rākṣasa [Dämon eines erschlagenen Brahmanen]; bei Harnleiden, Gelbsucht und Erkrankungen [entsprechend] den drei [Körpersäften] der Reihe nach – wende man [dieses Yantra] nach der genannten Vorschrift an: So [enden] die dreiunddreißig [Yantras], o Herrin!

Verse 43-45 beschreiben die Konstruktion des 33. (letzten) der zuvor angekündigten Yantras; die geometrischen Einzelheiten sind wegen OCR-Verderbnis nur ungefähr erschließbar. Verse 46-49 zählen dessen (bzw. der ganzen Yantra-Reihe) Anwendungsbereiche auf: verschiedene Fieber- und Hautkrankheiten, dämonische Bedrängnisse, Unglücksfälle und Säfte-bedingte Leiden (die drei doṣas der Ayurveda-Terminologie: vāta, pitta, kapha).

kāmeśvary-ādi-nityānāṃ sādhāraṇa-samarcanam | śṛṇu devi pravakṣyāmi sarva-aṅga-aṅgitva-yogataḥ [?] ||50|| tāsāṃ pañcadaśānāṃ tu mantra-varṇāḥ samīritāḥ | śata-dvayaṃ ṣaṇṇavatiṃ [?] taiś cakraṃ tava pūjanam ||51|| prāk-pratyag-dakṣiṇa-udak ca rekhā-viṃśatim ālikhet | tena koṣṭhāni jāyante catur-asrāṇi pārvati ||52|| śata-dvayaṃ tv eka-ṣaṣṭyā [?] teṣv aṃśādi-pravṛttitaḥ [?] | praveśa-gatyā vilikhed yāvat-saṅkhyaṃ yathāntaram ||53|| pañca-ṣaṣṭis teṣu dikṣu prāgādiṣu catuṣṭayam | avaśiṣṭaṃ bhavet teṣu dig-asthaṃ pūrva-ukteṣu ca [?] ||54|| māyāṃ catuṣṭaya-antasthām ālikhed aṅkitaṃ kramāt | ekona-pañcāśat-koṣṭheṣv eka-bhūteṣu tattva-ve [?] ||55||

Die gemeinsame Verehrung der mit Kāmeśvarī beginnenden [fünfzehn] Nityās – höre, o Devī, ich will [sie] verkünden, gemäß ihrer wechselseitigen Beziehung als Glied und Beglliedertes [d.h. da jede zugleich Teil der anderen Gefolgschaft ist] [?]. Von jenen fünfzehn [Nityās] sind die Mantra-Silben [bereits] genannt worden, [insgesamt] zweihundertsechsundneunzig [?]; mit ihnen [gestalte man] das Rad (cakra) deiner Verehrung. Man ziehe zwanzig Linien, ost-west- und süd-nord-[laufend]; dadurch entstehen viereckige Felder (koṣṭha), o Pārvatī. Zweihunderteinundsechzig [?] [Felder entstehen so]; darin, abschnittsweise fortschreitend [?], schreibe man nach der Methode des [fortlaufenden] Eintretens so viele [Silben], wie der verfügbare Raum erlaubt. Fünfundsechzig [Felder] befinden sich in jenen vier Haupt-Himmelsrichtungs-Gruppen zu vieren, beginnend im Osten; der Rest verteilt sich auf die [übrigen] Richtungsfelder, wie zuvor genannt [?]. Die Māyā[-Silbe] schreibe man, der Reihe nach markiert, an das Ende jeder Vierergruppe; in den neunundvierzig zu einem [Feld] verschmolzenen Feldern … [?]

Verse 50-55 beschreiben ein zweites großes Verehrungs-Cakra, diesmal für alle fünfzehn 'kleineren' Nityās (Kāmeśvarī u.a., d.h. ohne die oberste Lalitā) gemeinsam, mit genauen Feld- und Silbenzahlen (20 Linien, resultierende Felder, Verteilung auf Himmelsrichtungen). Die Zahlenangaben sind wegen OCR-Schäden nur näherungsweise gesichert und mit [?] markiert; der Bauplan bleibt in den Grundzügen (Gitter aus Linien, Feldergruppen zu je vier pro Richtung, Māyā-Silbe an den Gruppengrenzen) erkennbar.

padmaṃ catur-aśra-dalaṃ [?] bahir vṛtta-dvayaṃ tathā | likhitvā karṇikā-madhye yoniṃ māyodarāṃ likhet ||56|| daleṣv api tathā śaktiṃ caturdaśasu saṃlikhet | bhagamālāṃ madhya-śaktām āvāhyābhyarcayed bahiḥ [?] ||57|| paścimādi tu vāyv-antam anyā āvāhya pūjayet | yathā-kramam idaṃ cakram āsāṃ sādhāraṇaṃ bhavet ||58|| madhye madhye tu yāḥ pūjyāḥ śeṣās tu dala-āśritāḥ | yathā-krameṇa śivāntāḥ pūjayed ukta-vigrahāḥ ||59|| catur-asra-dvayaṃ bāhyaṃ kṛtvā dvārāṇi dikṣu ca | dvārāṇāṃ pārśvayoḥ koṇān pravacayed [?] dvādaśa kramāt ||60|| brāhmī māheśvarī dvāre paścime savya-dakṣiṇe | kaumārī vaiṣṇavī saumye vārāhy-aindrī ca pūrvage ||61|| cāmuṇḍā-sau [?] mahālakṣmīr yāmye vāyu-diśi koṇagāḥ [?] | deśa-kālau tathā-ākāra-śabdau prokta-krameṇa ca [?] ||62|| pūjayet prokta-rūpais tu prokta-rūpāś ca tāḥ kramāt | upacārair āsavaiś ca māṃsair mṛtaiḥ [/māṃsaiḥ] su-saṃskṛtaiḥ ||63||

Nachdem man einen Lotus mit vier[?] Blättern und außen ebenso einen Doppelkreis gezeichnet hat, zeichne man in der Mitte seines Fruchtknotens ein Yoni(-Dreieck), das die Māyā[-Silbe] in sich birgt. Auch auf den Blütenblättern, allen vierzehn, zeichne man je eine Śakti; nachdem man Bhagamālā als mittlere Śakti herbeigerufen hat, verehre man [sie], [und dann] außerhalb [die übrigen]. Von Westen beginnend bis Nordwesten [?] herbeigerufen, verehre man die anderen [Śaktis]; so ist dieses Cakra der Reihe nach [aufgebaut und] allen [Nityās] gemeinsam. In den jeweiligen Mitten sind die übrigen [Nityās] zu verehren, die auf den [Lotus-]Blättern ruhen; der Reihe nach, bis hin zu Śivā, verehre man [sie] in der genannten Gestalt. Nachdem man ein äußeres Doppelquadrat mit Türen in [allen vier] Richtungen gemacht hat, ordne man an den Seiten der Türen der Reihe nach zwölf Ecken an. Brāhmī und Māheśvarī [stehen] am Westtor, links und rechts; Kaumārī und Vaiṣṇavī im Nordwesten [?]; Vārāhī und Aindrī im Osten. Cāmuṇḍā und Mahālakṣmī [stehen] im Süden [und] in der Ecke der Windrichtung (Nordwesten) [?]; Ort und Zeit, ebenso Gestalt und Klang [als Śaktis, stehen] in der genannten Reihenfolge [an den übrigen Ecken]. Man verehre [sie] in den genannten Formen, sie selbst [erscheinend] der Reihe nach in den genannten Gestalten, mit [den vorgeschriebenen] Dienstleistungen, mit berauschendem Trank (āsava) und mit wohlzubereitetem Fleisch.

Verse 56-63 beschreiben ein drittes Cakra: einen vierzehnblättrigen Lotus mit Bhagamālā im Zentrum und den vierzehn übrigen Nityās (bis Śivā) auf den Blütenblättern, umgeben von einem äußeren Doppelquadrat mit vier Toren, an dessen zwölf Ecken die acht Mātṛkā-Göttinnen (Brāhmī, Māheśvarī, Kaumārī, Vaiṣṇavī, Vārāhī, Aindrī/Indrāṇī, Cāmuṇḍā, Mahālakṣmī) sowie vier weitere Śakti-Paare (Ort/Zeit, Gestalt/Klang) angeordnet sind. Die genaue Zuordnung der Ecken zu den Himmelsrichtungen ist im OCR-Text teils widersprüchlich und mit [?] markiert. Vers 63 erwähnt ausdrücklich Fleisch- und Alkoholopfer (madya, māṃsa) als Teil der pañcamakāra-artigen Kultpraxis; dies wird, der Methodenvorgabe entsprechend, sachlich wiedergegeben.

apūpaiḥ pāyasair dugdhaiḥ suśritaiḥ sita-saṃyutaiḥ | kadalī-panasa-ādīś ca phalair madhubhir eva ca ||64|| nava-dravyaiḥ prīṇayed dvi [?] vādya-gīta-ādibhis tathā | eka-rātraṃ dvi-rātraṃ vā pañca-rātraṃ tu sapta vā ||65|| nava-rātraṃ tathā pakṣaṃ māsaṃ pūrṇādikaṃ tu vā | varṣaṃ vā phālguna-antaṃ vā syāt sarva-ārti-nāśanam ||66|| grahāṇāṃ prātikūlyeṣu dīrgha-rogeṣu vartate | devatānām agha-utpāte vividhe tv abhicārake ||67|| dāridrya-vijaya-prāptau [?] durbhikṣe ca pīḍane | kṛcchreṣv anyeṣu ghoreṣu pūjaiṣā sarva-kāma-dā ||68|| pīṭhe vā susame kṛtvā vaidikā-maṇḍane tu vā | kṛtvā tat-prokta-rūpaṃ ca prokta-dravyais tathārcayet ||69|| namerucampakāśokapunnāgavakulāmbujaiḥ | mallikā-mālatī-jātī-śatapatra-utpalādibhiḥ ||70|| su-gandhibhis tathā anyaiś ca pūjayet pūrṇa-mānasaḥ | etad vidyā-bhakti-rūpās tān anyāṃś ca pūjayet ||71||

Mit Kuchen, mit Milchreis (pāyasa), mit wohlgekochter, mit Zucker versetzter Milch, mit Früchten wie Banane und Jackfrucht, sowie auch mit Honig, erfreue man [die Göttin] mit neun[erlei] Substanzen, ebenso mit Musik, Gesang und dergleichen; eine Nacht, zwei Nächte, fünf Nächte oder sieben, neun Nächte, ebenso einen halben Monat, einen ganzen Monat oder länger, ein Jahr oder bis zum Ende [des Monats] Phālguna [lang]: [solche Verehrung] vernichtet alles Leid. Sie wirkt bei widrigem Einfluss der Planeten, bei langwierigen Krankheiten, bei bösen Vorzeichen von Seiten der Gottheiten [und] bei mancherlei Schadenszauber (abhicāra); bei Armut, zur Erlangung des Sieges, bei Hungersnot und Bedrängnis, bei anderen schrecklichen Nöten: Diese Verehrung gewährt alle Wünsche. Nachdem man [das Yantra] auf einem Podest (pīṭha) oder auf ebenem Grund, oder in einer vedischen Altar-Ausschmückung angebracht und in der genannten Form gestaltet hat, verehre man [es] mit den genannten Substanzen. Mit [Blüten von] Nameru, Campaka, Aśoka, Punnāga, Vakula und Lotus, mit Jasmin (mallikā), Mālatī, Jātī, Hundertblatt-Lotus (śatapatra), blauem Lotus (utpala) und dergleichen, sowie mit anderen wohlriechenden [Blüten] verehre man mit ganzem Herzen; diese [Nityās], die Gestalt gewordene Hingabe zur [jeweiligen] Vidyā, und die übrigen [Gottheiten] verehre man [ebenso].

Verse 64-71 beschließen den Abschnitt über die gemeinsame Verehrung der Nityās mit Angaben zu Opfergaben (Speisen, Blumen), Dauer der Verehrung und ihren universellen Wirkungen gegen Unglück, Krankheit und Not.

atha anyac chṛṇu deveśi cakram adyeti [/adya] tad-darśanam | yony-arṇavākhyaṃ vanitārṇava-parvata-vajrakam [?] ||91|| ṣaḍviṃśa-aṅgula-mānena kṛtvā yoniṃ same tale | tad-dvy-aṅgula-māneṣu sūtrāṇy ekādaśāpayet [?] ||92|| tenaiva yoni-jā yānti [?] tri-koṇāni śatāt param | catvāriṃśac ca catvāri teṣu mantra-akṣarāṇi tu ||93|| prādakṣiṇya-praveśena tu vilikhet tu nirantaram | maṇer avaśiṣṭa-navake [?] nava-varga-samanvite ||94|| nāthān nava likhet paścāt sādhya-ādyā-karma-saṃyutam [?] | sarvatra vilikhed dvayor [?] bhūyas tv āvartanena tu ||95|| ardha-rātre tu tāṃ sādhyāṃ smaran madana-vahninā | dahyamānāṃ hata-svāntāṃ [/hṛta-svāntāṃ] mastaka-sthāpitāñjalim [?] ||96||

Nun höre, o Herrin der Götter, ein anderes Cakra – seine Darlegung jetzt: das ‚Yoni-Ozean‘ (Yony-arṇava) genannte, ‚der Donnerkeil des Berges des Frauen-Ozeans‘ [d.h. wohl ein Yantra zur massenhaften Bezwingung von Frauen] [?]. Nachdem man auf ebenem Grund ein Yoni(-Dreieck) mit einem Maß von sechsundzwanzig Fingerbreiten (aṅgula) gemacht hat, lege man darin, im Abstand von je zwei Fingerbreiten, elf Linien (sūtra) an. Eben dadurch entstehen aus den Yoni[-Linien] Dreiecke, mehr als hundert – hundertvierundvierzig; auf ihnen [stehen] die Mantra-Silben. Im Uhrzeigersinn (prādakṣiṇya) fortschreitend schreibe man [sie] ununterbrochen ein; in den neun verbleibenden [Feldern] [?], versehen mit den neun [Konsonanten-]Klassen (varga), schreibe man danach die neun ‚Herren‘ (nātha) [?], zusammen mit dem Namen des Zielobjekts (sādhya) und der [beabsichtigten] Handlung; überall schreibe man [dies] zweifach [?], wiederum durch Umlauf. Um Mitternacht, indem man sich jene begehrte [Frau] vorstellt, wie sie vom Feuer der Liebesglut verzehrt wird, ihr Inneres gefangen [?], die Hände in Añjali auf dem Haupt erhoben,

WICHTIGER HINWEIS ZU DEN VERSEN 72-90: Zwischen Vers 71 (Ende der vorigen Einheit) und Vers 91 liegen im Urtext 18 weitere Verse (Zählung 73-90 laut einer eingeschobenen Kommentar-Bemerkung; ein Vers 72 fehlt in der erkennbaren Zählung, an seiner Stelle steht offenbar nur diese Bemerkung selbst). Diese Verse werden vom Text ausdrücklich als 'vyākulitākṣara' (Verse mit '(absichtlich) verwirrten/verschlüsselten Silben') bezeichnet; eine anschließende, ebenfalls in Geheimschrift gehaltene sechsversige Kommentar-Erläuterung dazu wird im Druck mit einer eigenen, von der Hauptzählung unabhängigen Verszählung 1-6 versehen. Der Herausgeber der Druckausgabe von 1918 fügt dazu die Fußnote hinzu (paraphrasiert): 'Bis hierher weichen die Verse in der Grundhandschrift und in der [Parallel-]Handschrift voneinander ab; ihr Sinn wird nirgends verstanden, nicht einmal die korrekte Vervollständigung der Verse ist bekannt; man möge wissen, dass genau die Schriftzeichen, wie sie in der Vorlage geschrieben stehen, auch hier gedruckt sind.' Da also selbst die Herausgeber der Editio princeps den Sinn dieser Passage nicht erschließen konnten, unterlässt diese Übersetzung jede Deutung dieses Abschnitts (Verse 73-90 sowie die separat gezählten sechs Erläuterungsverse) und dokumentiert ihn stattdessen als echte, im Quellentext selbst benannte und begründete Lücke. Die Versnummern 72-90 fehlen daher in der Zählung der 'sa'-Felder dieses Kapitels bewusst. Der Inhalt dürfte, dem Kontext nach (vgl. das unmittelbar folgende, wieder klar lesbare Cakra zur 'vanitā-saṅkulana', der 'Massenbezwingung von Frauen'), eine besonders geheim gehaltene, erotisch-magische Ritualvorschrift betroffen haben, deren Wortlaut durch absichtliche Verschlüsselung (eine Art tantrischer Geheimsprache, sandhyā-bhāṣā) unkenntlich gemacht wurde. Ab Vers 91 ist der Text wieder normal lesbar (wenn auch weiterhin schlecht überliefert) und beschreibt ein neues Yantra samt nächtlichem Beschwörungsritual.

vikīrṇa-keśīm ālola-locanām aruṇāruṇām | vāyu-prakampita-patākā-khya-paṭa-upama-kalevarām [?] ||97|| viveka-vidhurāṃ mattāṃ māna-lajjā-bhaya-atigām | cintayen nātyarcayet [?] cakra-madhyā-devīṃ digambarām [?] ||98|| japād dāḍima-bandhūka-kiṃśuka-ādyaiḥ samarcayet [?] | anyaiḥ sugandhi-śephāli-kusumaiś ca sugandhibhiḥ ||99|| tri-sapta-rātrād āyāti prokta-rūpā mada-ākulā [?] | yāvac charīra-pātaṃ tu chāyeva anapagāsya sā ||100|| rūpa-tattva-mayī vyāptir iti samyak samīritā | asyā niṣkalanāc [/niṣphalanāt] cittaṃ tat-tac ca svātmasāt kṛtam ||101|| iti śrī-ṣoḍaśanitya-tantre 'ṣṭamaḥ paṭalaḥ

[man stelle sie sich vor] mit aufgelöstem Haar, mit unstet rollenden Augen, glührot vor Leidenschaft, ihren Leib gleich einer im Wind flatternden Fahne [?]; der Unterscheidungskraft beraubt, trunken [vor Liebesverlangen], jenseits von Stolz, Scham und Furcht – so stelle man sich [sie] vor; und man verehre die im Zentrum des Cakra [befindliche] nackte (digambarā) Göttin [?]. Nach der Rezitation (japa) verehre man [die Göttin] mit Granatapfel-, Bandhūka- und Kiṃśuka[-Blüten] u.a., sowie mit anderen wohlriechenden Blüten wie der Śephālī. Nach einundzwanzig Nächten (tri-sapta = 3×7) kommt [die begehrte Frau] in der beschriebenen Weise, von Leidenschaft überwältigt, [zu ihm]; bis zum Fall des Leibes [d.h. bis zum Tod] bleibt sie ihm, ungetrennt wie sein eigener Schatten. So wurde die Durchdringung (vyāpti), die aus dem Wesen der [visualisierten] Gestalt (rūpa-tattva) besteht, richtig dargelegt; durch deren Auflösung [?] wird eben dieser Geist [Zustand] sich selbst zu eigen gemacht. So [endet] im ehrwürdigen Ṣoḍaśanityā-Tantra das achte Kapitel.

Verse 97-101 schließen das im vorigen Abschnitt begonnene nächtliche Visualisations- und Verehrungsritual zur 'vanitā-saṅkulana' (Bezwingung/Gewinnung einer Frau) ab und enden mit einem knappen, meditationsphilosophisch klingenden Schlussvers (101), der die vorausgehende, drastisch-erotische Visualisation in eine Aussage über 'Selbstwerdung' (svātmasātkaraṇa) einer geistigen Durchdringung (vyāpti) überführt; die genaue Auflösung (niṣkalana/niṣphalana) bleibt unsicher. Der Abschnitt (bes. Vers 96-100) schildert unverhüllt ein erotisch-magisches Unterwerfungsritual; entsprechend der Projektmethode wird dies sachlich und wörtlich wiedergegeben, ohne Beschönigung.

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