Paṭala 32: homāt kāmyaphalodayo nāma dvātriṃśaḥ paṭalaḥ
32-tes Kapitel: Das Entstehen der gewünschten Frucht aus dem Feueropfer (der wohltätige Homa der Lalitā-Vidyā)
Quelle: Tantrarāja-tantra Band II mit dem Kommentar Manoramā des Subhagānandanātha, hrsg. Sadāśiva Miśra, Tantrik Texts, Calcutta: Agamanusandhana Samiti 1926 (archive.org, OCR). Dies ist der zweiunddreißigste Paṭala. Übersetzt wurde nur der Wurzeltext (100 Verse plus ein abschließendes, unnummeriertes Doppelverspaar), nicht der ausführliche Sanskrit-Prosakommentar; dieser wurde nur zur Klärung einzelner OCR-Lesungen herangezogen, wenn er ein Wort des Wurzeltexts wörtlich zitiert. Inhalt: Das Kapitel ist ein reiner 'Homa-Phala'-Katalog: es lehrt, im Anschluss an den vorangehenden (31.) 'Śata-sahasra-Homa', den milden/wohltätigen (saumya) Homa der Lalitā-Vidyā (der ersten und höchsten der sechzehn Nityās) und listet, Vers für Vers, eine sehr lange Reihe von Opfersubstanzen (verschiedenste Blüten, Milchprodukte, Butter, Getreide, Gewürze u.a.), die – jeweils an bestimmten Mondtagen (tithis), Mondhäusern (nakṣatras), Wochentagen oder Planetenkonstellationen (insbesondere Exaltationsstellungen) dargebracht – ganz unterschiedliche erwünschte Wirkungen (kāmya-phala) hervorbringen: Reichtum, Getreide- und Landbesitz, Kühe, kostbare und farblich passende Gewänder, eine Braut bzw. Söhne, Schönheit, Ansehen, Redegewandtheit (Heilung von Stottern), Freiheit von Krankheit und Planetenübel, langes Leben sowie – in einem eigenen Abschnitt (etwa V.70-77) – die Bezwingung/Anziehung (vaśīkaraṇa) von Frauen und Männern und die Unterwerfung aller Lebewesen. Ein bemerkenswert klar erhaltener Abschnitt (V.22-28) ordnet den sieben Wochentagen von Sonntag bis Samstag je eine eigene Opfersubstanz und Wirkung zu. Das Kapitel endet mit einem zusammenfassenden Lobvers auf die alles durchdringende reine Vidyā und dem üblichen Doppelkolophon. Die OCR-Qualität ist über weite Strecken außergewöhnlich schlecht – deutlich schlechter noch als in den meisten anderen Kapiteln dieses Projekts –, da der zweispaltige Druck (Wurzeltext und Kommentar nebeneinander bzw. abwechselnd, dazwischen wiederkehrende Digitalisierungs-Wasserzeichen) im OCR-Rohtext ständig durcheinandergerät und viele Verszahlen selbst verstümmelt oder vertauscht sind (mehrfach wurden zwei aufeinanderfolgende Verse fälschlich mit derselben Nummer versehen, z.B. um V.18/19, V.38/39, V.74/75, V.78/79; die Zählung wurde hier anhand des Kontexts und der fortlaufenden Kommentarhinweise auf 1-100 korrigiert). Der vom Orchestrator angegebene Zeichenbereich war stark ungenau (das Kapitel beginnt tatsächlich bei ca. Zeichen 662255 und endet bei ca. 688040, nicht bei 661287-688023 wie geschätzt; die These eines ungewöhnlich kurzen Kapitels war falsch: mit 100 Versen hat es die für diesen Text normale Länge). Zahlreiche Einzelheiten – genaue Blütennamen, Zahlwörter, einzelne Wirkungsangaben – sind wegen der Korruption nur ungefähr erschließbar und daher durchgehend mit [?] gekennzeichnet; besonders betroffen sind V.5, 22, 24-25, 34, 40-41, 50, 54, 56-57, 63, 76, 90-91, 96-99. Nach V.82 vermerkt der Herausgeber in einer Fußnote eine in einer anderen Handschrift zusätzlich überlieferte Halbverszeile ('maunī tu jamvad-abdāc chriyaṃ prāpnoti puṣkalām' - 'wer aber schweigt, erlangt binnen Jahresfrist reichlichen Wohlstand'), die hier nur in den Notes, nicht im Haupttext, wiedergegeben wird.
Nun will ich das Feueropfer (homa) der Lalitā-Vidyā verkünden, o Śivā, durch das sogar das Mantra in der Welt als einer Gottheit gleich gerühmt wird.
Höre seine Durchführung, Kluge, nach den Unterschieden von Opfersubstanz, Zeit und dergleichen, in den zuvor genannten neun Feuergruben (kuṇḍa), jeweils in ihrer eigenen vorgeschriebenen Ordnung.
Man opfere nach der vorgeschriebenen Weise, vorausgegangen von der Meditation auf jenes [Opfer-]Feuer; vom Beginn des ersten Tages der hellen Monatshälfte (śukla-pratipad) bis zum Vollmond opfere man mit Lotusblüten.
Durch das Opfern von Oleanderblüten (karavīra) an jenen Tagen erlangt man Wohlstand – [ebenso] mit den drei Süßstoffen (Honig, Zucker, Ghee) benetzten, roten, schönen Blüten.
V.2 'navakuṇḍeṣu' (neun Feuergruben) verweist offenbar auf eine früher im Werk gelehrte Konstruktion, die hier nicht wiederholt wird. V.4 zweite Vershälfte unsicher; 'raktaiḥ' (rot) evtl. auf eine andere, hier nicht genannte Blütenart bezogen.
[Durch jenes Opfer wird] ein Mann einem Herrscher gleich [?]; ebendamit, mit [gewissen, als 'löwenhaft' bezeichneten (?)] Substanzen, unter Ghee-Zugabe geopfert, [wird ein weiteres Ziel erreicht].
Durch das Opfern von Kahlāra-Lotos an jenen Tagen wird man reich an Geld und Getreide; durch das Opfern von Utpala (blauem Lotos) eben an denselben [Tagen] erlangt man reichlichen Wohlstand.
Durch das Opfern von rötlichen Utpala-Blüten erlangt man eine [Braut] (kanyakā); man erlangt Wohlergehen, Ruhm und Gesundheit und wird zugleich strahlend.
Mit jenen sechs safranfarben leuchtenden [Blüten], durch das Opfern an jenem Tag, erlangt man unerschütterlichen [Wohlstand] und lebt glücklich auf Erden.
Durch das Opfern von Sandelholz und dergleichen an jenen Tagen, wie vorgeschrieben, lebt ein Mensch, begleitet von Söhnen, Gattin [und Gesinde], lange.
V.5 ist im OCR fast völlig zerstört; nur der grammatische Rahmen ('wird wie ein König') ist erkennbar, der Rest mit [?] belassen. V.8 'acalāṃ ca [śriyaṃ]' und V.9 'dāsa' sind Ergänzungen nach dem wiederkehrenden Formelmuster dieses Kapitels (Substanz + Tag → Ergebnis), nicht im OCR selbst lesbar.
Eben mit denselben [Substanzen], mit Kampferwasser (indu-drava) benetzt, wird man durch das Opfer dem Liebesgott Kandarpa gleich; man lebt auf Erden, sich am Umgang mit einer Schar von Frauen erfreuend.
Vom Beginn des ersten Tages der dunklen Monatshälfte bis zum Neumond opfere man mit drei[fach benetzten Substanzen], ghee-getränkt; binnen eines einzigen Jahres erlangt man Wohlstand ohne Nebenbuhlerin.
Ebenso opfere man an [jenen] Tagen selbst gefasst [mit gewissen Blüten] ins Feuer; man lebt auf Erden, begabt mit Anmut, Wohlstand, Sieg und Gesundheit.
Mit Weintrauben, mit Ghee benetzt, durch Opfer an jenen Tagen lebt ein Mann lange auf Erden von [feinster] Speise zehrend, reinen Gemüts.
Durch das Opfern von Dattelfrüchten [wird das Erlangte im Umkreis(?) der Erde bekannt]; man gewinnt eine Frau, die mit langem Leben, Gesundheit und Sieg begabt ist.
Durch das Opfern von Bananenfrüchten ebenso an jenen Tagen wird man verdienstvoll und ruhmreich, von Fürsten geachtet, und lebt hundert Jahre glücklich.
V.12 erste Hälfte unsicher rekonstruiert. V.14 zweite Vershälfte ('kṣititalaḥ') unklar; Gesamtsinn nach Parallelstellen (Gewinn einer tugendhaften Frau) erschlossen.
Mit zerriebenem Kokosnussfleisch, verbunden mit Zuckerpulver und -saft, erlangt man durch das Opfer an jenen Tagen jeden Wunsch, ganz und gar.
Mit denselben, mit Zuckerrohrsaft benetzt, erlangt man durch das Opfer eben an jenen Tagen mannigfarbige, sehr kostbare Gewänder.
Mit jenen sechs, mit der dreifachen Süße (Honig, Zucker, Ghee) [benetzt], erlangt man durch das Opfer Wohlstand; ebenso mit Milch, Quark und Ghee einer weißen Kuh mit Kalb.
Mit [Kuh-]Milch benetzt, in der [Kräuter] eingeweicht wurden, erlangt man durch das Opfer sein Anliegen; ebenso mit Ziegenmilch verbunden oder mit gemischter Milch [zweier Tiere].
Mit Kokosnusspulver, mit [Sandel-]Puder benetzt, opfere man jenes ins Feuer; ebenso mit zwölf Substanzen, einzeln oder miteinander verbunden.
Durch tägliches Opfer mit Substanzen, die mit Milch, Quark und Ghee versehen sind, [und durch das Verschenken] von Kühen, Land, Gold und Gewändern, lebt man auch [nach dem Tode] im Ruhme fort.
Verse 16-19 stark verderbt; die genaue Zuordnung der Halbverse zu den Versnummern (im OCR mehrfach doppelt mit '18' bezeichnet) wurde anhand des fortlaufenden Sinns (immer neue Milch-/Frucht-Kombinationen) rekonstruiert. V.21 'gobhūhiraṇyavāsobhiḥ' im OCR als unklares 'gosūhiraṇyavāsībhiḥ' überliefert, hier zum gut belegten Gaben-Quartett Kuh/Land/Gold/Gewand emendiert.
Am Sonntag, nachdem man mit [Blüten der Sonnenpflanze Arka] geopfert hat, entsteht Überfluss an Speise und Getreide; [die Erde wird] fruchtbar, reich an Ghee, von Honig überströmend.
Am Montag erlangt man, mit zuckerbenetzten Kokosnussstücken geopfert, ganz gewiss eine an Feldfrucht reiche Erde.
Am Dienstag (dem Tag des Mars) erlangt man durch das Opfer mit roten [Blüten] Wohlstand; durch Opfer mit [den Mitteln, die] Unheil und Übel [vertreiben], erlangt man jene Erde.
Am Mittwoch [erlangt man] durch das Opfer [einer bestimmten Substanz] mit Sesam und Reis Wohlstand, der die Wohnstatt allen Glücks ist, ohne Verzug.
Am Donnerstag, mit milchbenetztem Jackfruchtkern-Pulver, opfere man; binnen eines Jahres erlangt man ein vortreffliches Haus.
Am Freitag (dem 'hellen' Tag der Venus), mit Kokosnusspulver, mit Zucker verbunden, oder mit Melasse verbunden, opfere man; man gedeiht sehr lange im Wohlstand.
Dieser Abschnitt (V.22-28) ist der am klarsten erkennbare Teil des Kapitels: er ordnet den sieben Wochentagen (Sonntag bis Samstag) je eine eigene Opfersubstanz und Wirkung zu. V.22 und V.24 sind dennoch im OCR stark beschädigt; die Substanznamen ('arkapuṣpaiḥ', 'rakta-puṣpaiḥ') sind aus dem Kontext (Sonne = Arka-Pflanze; Mars = rot) erschlossen, nicht direkt gesichert.
Am Samstag, mit Sesam, der mit Öl benetzt und mit dunklem [Sesam] gemischt ist, erlangt man durch das Opfer binnen eines Jahres höchst bezaubernden Wohlstand.
Mit all diesen zusammen opfere man an allen sieben [Wochentagen]; durch die Kraft des Vidyā-Opfers wird man an jenen Tagen zu einem Anteilhaber der Indirā (Lakṣmī).
An jenen Tagen soll man außerdem zwei oder drei der Vidyā ergebene [Verehrer] wohl bewirten, mit Kuchen, die aus Ghee, Sesamöl, Zucker und Mehl bereitet sind.
In den neun Mondhäusern (nakṣatras) von Aśvinī an opfere man ebenso der Reihe nach, mit Reiskörnern, Mungbohnen, schwarzen Bohnen (māṣa) sowie mit weißem und anderem (dunklem) Sesam.
Ebenso mit Kodrava-Hirse, zur Erlangung der Indirā (Lakṣmī); mit Milch, Ghee und Sesam, verbunden mit der Milch eines jungen Kalbes.
V.29-32 leiten von der Wochentags- zur Nakṣatra-Liste über; einzelne Substanznamen (bes. V.32) bleiben unsicher.
mahiṣyajāvikākṣīrayutais tair eva navasu kramāt | maghādiṣu tathā homaṃ navabhiḥ syān navasv api ||33||
[?] sudṛḍhāṅkaiḥ [?] | māṣānnaiś ca haridrānnair [?] pāyasais tathā ||34||
[?] cānyaiś ca vicitraiḥ kīrtilakṣmījayāvahaiḥ | tathā mūlādinavake balibhir juhuyāt tathā ||35||
gandhaiḥ śaktibhir lājair ikṣukāṇḍaiḥ payaḥsiktaiḥ | śālīcaṇakasadyoktair māṣapiṣṭatilodbhavaiḥ ||36||
Mit Büffel-, Ziegen- und Schafsmilch verbundenen [Substanzen] ebenso, der Reihe nach, in den neun [Mondhäusern] von Maghā an: der Homa mit neun [solchen Substanzen] soll auch in [diesen] neun [Mondhäusern] dargebracht werden.
[Mit weiteren, fest gefügten Substanzen (?)]; mit Reis unter schwarzen Bohnen, mit kurkumagelbem Reis [und] ebenso mit Milchreis (pāyasa).
Und mit anderen mannigfaltigen [Substanzen], die Ruhm, Wohlstand und Sieg bringen; ebenso opfere man Opfergaben (bali) in den neun [Mondhäusern] von Mūla an.
Mit duftenden [Substanzen] und mit Kraft(-verleihenden Mitteln, mit gerösteten Reiskörnern (lāja), mit milchbenetzten Zuckerrohrstücken; mit frisch zubereitetem Reis und Kichererbsen, mit einer aus schwarzen Bohnen und zerstoßenem Sesam bereiteten Paste.
V.34 ist im OCR fast unlesbar; nur die Grundidee (verschiedene Reis-/Milchreis-Speiseopfer) ist aus dem Kontext erschließbar, praktisch der gesamte Vers mit [?] versehen.
Mit Kuchen, reich an Mungbohnen[-mehl] (?), erlangt man dadurch gewiss Sieg, Ruhm, Wohlstand (Indirā), Gesundheit, langes Leben, Glück und Ansehen.
Mit denselben Opfergaben opfere man; dadurch wird man reich; ebenso opfere man in den sogenannten 'Amṛta'-Konjunktionen zur Beruhigung von Krankheit.
Mit Melasse, Sesamöl und Dūrvā-Gras, mit der dreifachen Süße benetzt, ehrfürchtig; in den Exaltations-Konjunktionen [der Planeten] opfere man mit roten, schönen Lotosblüten.
Wenn [ein Planet] in der Exaltation steht, geschieht dies gewiss allen Angehörigen der eigenen Sippe; durch die genannten Opfergaben wird [diese Wirkung] entfacht.
Es wird sich gewiss binnen kurzer Zeit einstellen; nun höre einen anderen, noch vorzüglicheren Homa, den ich dir verkünden will.
Wenn [ein Planet] in seinem eigenen [Zeichen] oder in der Exaltation steht, opfere man zur Zufriedenstellung jenes Planeten mit Milchreis, ghee-benetzt, mit Zucker vermischt, unter [Rezitation] der Vidyā.
V.38, 40-41 stark beschädigt; Ergänzungen in eckigen Klammern folgen dem in diesem Abschnitt durchgehenden Muster (Planeten-Exaltation → Opfer → Nutzen für die Sippe/den Sādhaka).
sarvadā ya itthaṃ vidhim enaṃ kuryād yathāvidhi | tattatprokteṣu kāleṣu grahārtiḥ syān na tatkule ||43||
māseṣu janmatritaye homaṃ [kuryāt] tathā yathāvidhi | tadvad [āsanna]nilayaṃ yāvajjīvaṃ sukhī bhavet ||44||
[tathā] japed vidyāṃ sahasraṃ dine nityayā saha | na tasya kutracit kañcit kācit kleśasambhavaḥ ||45||
tarpaṇaṃ kārayec candravāsitair madhurair jalaiḥ | [śveta]prasūnaiś ca [pūjayet] tad-dine ||46||
avandhyaṃ janmatritayaṃ syāt kadācin na mantrikaḥ | yadi syāt tasya rogādipīḍā bhavati niścitam ||47||
Wer immer diese Vorschrift auf diese Weise, wie es sich gehört, ausführt, in dem stets zu jenen genannten Zeiten – in dessen Sippe wird es keine Bedrängnis durch [Übel-]Planeten geben.
In den Monaten, zur dreifachen Geburts[-nakṣatra-Wiederkehr], soll man ebenso, wie vorgeschrieben, den Homa vollziehen; dementsprechend lebt man, [beständig zufrieden(?)], solange man lebt, glücklich.
Ebenso rezitiere man die Vidyā tausendmal am Tag, zusammen mit der täglichen [Pflichtrezitation]; für ihn entsteht nirgends irgendein Leiden.
Die Tarpaṇa (Wasseropfergabe) lasse man mit kampferdurchduftetem, süßem Wasser darbringen, und mit [weißen] Blüten [verehre man sie] an jenem Tag.
Die dreifache Geburts[-Beobachtung] wird niemals fruchtlos; wenn der Mantra-Kundige sie [jedoch unterlässt], trifft ihn gewiss Leiden durch Krankheit und dergleichen.
V.44, 46 unsicher ergänzt; 'janmatritaya' (dreifache Geburt[-Tithi/Nakṣatra-Wiederkehr]) bezeichnet vermutlich eine dreimal jährlich wiederkehrende, dem Geburtsgestirn entsprechende Beobachtung, wie sie auch in anderen Kapiteln dieses Werks vorkommt.
Wenn Mond oder Sonne in der Exaltation oder im eigenen Zeichen stehen, rezitiere man die Vidyā tausendmal, oder man verehre die Śivā (die Göttin) hundertmal.
Wem dies [gelingt], den wird gewiss niemals eine Bedrängnis durch Krankheit treffen; wer daher zu den genannten Zeiten so handelt, wird glücklich.
Für den Mantra-Kundigen aber, der von Planetenübel, Krankheit, Armut und Leid geplagt ist, wird sein Mantra-Wissen [fruchtlos] und zum Gegenstand von Kummer und Spott.
Mit Palāśa-Blüten, mit dessen Früchten, Blättern, Zweigen und Wurzeln wird man durch das Opfer binnen eines Jahres redegewandt, selbst wenn man zuvor stotterte.
Mit Arka-Blüten, mit der dreifachen Süße benetzt, erlangt man durch das Opfer sein Anliegen; innerhalb eines Maṇḍala[-Zeitraums] auch mit dessen Zweigen, von der Wurzel an.
Mit Bilva-Blüten und ebenso mit dessen Früchten, Blättern und Zweigen opfere man; wenn dessen Wurzel mit [Milch] für Lakṣmī besprengt wird, möge sie niemals von jener Sippe weichen.
Kein bedeutender OCR-Verlust in diesem Abschnitt; V.50 und V.52 leicht ergänzt nach Parallelformulierungen.
[padmaphalāntaḥsthamaṇibhis] tu prasādāt tāvaddine naraḥ | [tais tu?] labhate ramyāṃ sarvalokacamatkṛtām ||54||
campakair madhusaṃmiśrair juhuyāt taddināvadhi | vandhyāpi syād aprajā putrān avāpnoti guṇādhikān ||55||
tair evājyaplutair homān maṅgale ty uccasaṃsthite | labhate [śasyasamṛddhāṃ bhūmiṃ] bhoktā ca jāyate ||56||
taiś caivāhutais candre svocchage taddine bhavet | śataguḥ [gavāṃ] sādhakas taddhanamadhyagataḥ ||57||
pāṭalaiḥ [gandha]siktair homāt kanyāsiddhir bhavet tathā | tagarair api tathā lājaiś ca kuṭajair api ||58||
Mit den perlengleichen Kernen im Innern der Lotosfrucht [geopfert], durch [deren] Gunst, erlangt ein Mann für die Dauer jenes [Maṇḍala-]Zeitraums eine liebliche [Gattin/Frucht], die der ganzen Welt ein Gegenstand des Staunens ist.
Mit Campaka-Blüten, mit Honig vermischt, opfere man bis zu jenem [festgesetzten] Tag; selbst eine unfruchtbare, kinderlose [Frau] erlangt dadurch Söhne von hervorragenden Eigenschaften.
Mit denselben, in Ghee getränkt, erlangt man durch das Opfer, wenn Mars in der Exaltation steht, ein an Feldfrucht reiches Land und wird zu dessen Genießer.
Mit denselben [Blüten] geopfert, wenn der Mond in seiner eigenen Exaltation steht, wird der Übende an jenem Tag Besitzer von hundert Kühen, inmitten [großen] Reichtums.
Mit duftbenetzten Pāṭalī-Blüten wird durch das Opfer ebenso die Gewinnung einer Braut erreicht; ebenso auch mit Tagara[-Wurzelpulver], mit geröstetem Reis und auch mit Kuṭaja-Blüten.
V.54, 56-57 stark rekonstruiert; die Lesung 'padmaphalāntaḥsthamaṇibhiḥ' und 'śasyasamṛddhāṃ bhūmim' stützen sich auf die entsprechenden Kommentarzitate ('padmaphalāntaḥsthamaṇibhiḥ', 'khecāre dṛṣabharāśigate' = Mond im Exaltationszeichen Stier), da der Wurzeltext selbst hier kaum lesbar ist.
taiś cūrṇamiśrair havanāc caturbhir labhate dhanam | vastrāṇi vicitrāṇi mahārhāṇi ca taddine ||59||
śatapatraiḥ tu madhvaktair homāl lakṣmīm avāpnuyāt | kadambaiḥ kuṭajaiś caiva [devi] vicakilair api ||60||
mallikāmālatījātipunnāgaiś ca namerubhiḥ | juhuyāt prathamārambhaṃ pañcamyantaṃ madhudravaiḥ ||61||
ekaikaśaḥ samastaiś ca mahālakṣmīm avāpnuyāt | tathājyāktais tu havanāl labhate bhūṣaṇaiḥ śriyam ||62||
prasūnaiḥ karṇikārasya tathā cāhutair havanāc ca dine | uditaṃ [dhanam] cāpi lābhaṃ avāpnoti suniścitam ||63||
tathā raktakumudair utpalaiś [candrayogādyaiḥ] | prāgvan nandādipūrṇāntam ekaikaṃ vāpi pañcabhiḥ ||64||
Mit jenen, mit [Sandel-]Pulver vermischt, erlangt man durch das Opfer mit vieren [zusammen] Reichtum, mannigfaltige und sehr kostbare Gewänder an jenem Tag.
Mit hundertblättrigen Lotosblüten, mit Honig benetzt, erlangt man durch das Opfer Lakṣmī; ebenso mit Kadamba-, Kuṭaja- und, o Göttin, mit Vicakila-Blüten.
Mit Jasmin (mallikā), Mālatī, Jāti, Punnāga und Nameru[-Blüten] opfere man, vom ersten [Mondtag] an bis zum fünften, mit Honig beträufelt.
Einzeln oder mit allen zusammen erlangt man die große Lakṣmī; ebenso, wenn sie mit Ghee benetzt sind, erlangt man durch das Opfer Wohlstand samt Schmuckstücken.
Mit Blüten des Karṇikāra-Baumes (Goldregen) ebenso geopfert, erlangt man an jenem Tag mit Gewissheit aufsteigenden [Reichtum] und Gewinn.
Ebenso mit roten Kumuda- und Utpala-Lotosblüten [in Verbindung mit günstigen Mondkonstellationen]: wie zuvor, von Nandā (dem ersten Mondtag) bis zum Vollmond, einzeln oder mit allen fünfen zusammen.
V.63-64 unsicher; die genaue Wirkung in V.63 nur ungefähr aus dem Formelmuster erschlossen.
Durch das Opfer erlangt man Lakṣmī zusammen mit Land, Schmuck und Reittieren; ebenso wird, mit der dreifachen Süße benetzten Kahlāra-Lotosblüten, der beste der Übenden für immer [ausgezeichnet].
Mit Ketakī-Blüten und mit [wohlriechenden] scharfen [Duftstoffen], an jenen Tagen [geopfert], erlangt man viele himmlische, unbezahlbare Gewänder.
Mit weißen Blüten und [wohlriechendem] Pulver erlangt man durch das Opfer an jenem Tag weiße Gewänder sowie Perlenketten.
Man opfere mit Kuruvaka-Blüten zur Erlangung von Juwelenschmuck; ebenso erlangt man durch das Opfer mit Tamāla-Blättern Wohlstand.
Welcher Farbe die Blüten sind, die man mit der Vidyā opfert, geliebte [Göttin], von eben jener Farbe erlangt der Übende jederzeit Gewänder.
Die Verszahlen dieses Abschnitts waren im OCR teils vertauscht (eine Ziffer erschien als '69' unmittelbar nach der Zahl '64', obwohl inhaltlich und nach den nachfolgenden klaren Zahlen 66-68-70 eindeutig '65' gemeint ist); hier entsprechend zu 65-69 korrigiert.
Mit Pfeffer(körnern), mit Ghee und mit Sesamöl, durch das Opfer bei Nacht, ziehe man die begehrte [Frau] herbei – eine, die schamhaft, ihrer Familie ergeben, [doch zugleich] leidenschaftlich ist.
Mit den aus Pāṭalī-, Jasmin-, Mandāra- und Śephālikā-Blüten gewonnenen [Substanzen], zusammen mit Campaka-, Aśoka-, Punnāga- und Nameru-Blüten,
bezwingt man durch das Opfer, mit Honig verbunden, alle Frauen; mit denselben, in Ghee getränkt, bezwingt man durch das Opfer auch Männer.
Mit jenen, ghee-benetzt, erlangt man durch nächtliches Opfer königlichen Wohlstand; mit ihnen, mit Zucker verbunden, bezwingt man die gesamte lebendige Welt.
Durch tägliches Opfer mit Speise[-körnern] wird man reich an Speise; ebenso opfere man täglich mit Sesam und Reis für langes Leben.
Dieser Abschnitt (ab V.70) beginnt das Thema der Bezwingung/Anziehung (vaśīkaraṇa) von Männern und Frauen.
madhyarātre tu lavaṇaiḥ suśliṣṭaparicūrṇitaiḥ | juhuyād yas tu taiḥ sarvān vaśyed aṅganājanān ||75||
tathā dadhyanvite lāje homād iṣṭaṃ vaśaṃ nayet | tathā [cūtāṅkuraiḥ] taiḥ [saṃyuktair] havanāt tathā ||76||
ājyais tu kevalair homāt suvarṇadhenur bhavet | nityaśo ghṛtahomena śrīmān bhogī ca jāyate ||77||
gātrānuliptaḥ svargī ca sitagandhasragambaraḥ | sampūjya devīṃ dṛṣṭātmā saṃskṛte havyavāhane ||78||
vatsāyāḥ sitāyā goḥ payasi dviguṇaṃ pacet | [tena] taṇḍulaṃ tu śālijaṃ sitam eva ca ||79||
Um Mitternacht aber, mit fein und gleichmäßig zerstoßenem Salz, opfere, wer immer will; damit bezwingt man alle Frauen.
Ebenso bringt man durch das Opfer von mit Quark vermischtem geröstetem Reis den Begehrten unter seine Macht; ebenso auch mit Mangoblatt-Trieben, damit verbunden, durch das Opfer.
Durch das Opfer mit Ghee allein erlangt man [den Verdienst der Schenkung] einer goldenen Kuh; durch tägliches Ghee-Opfer wird man wohlhabend und ein Genießender.
[Nun folgt ein weiteres Verfahren:] Am Körper gesalbt, glanzvoll, mit weißem Sandelduft, Girlanden und Gewand geschmückt, nachdem man die Göttin verehrt hat, gesammelten Sinnes, im ordnungsgemäß geweihten Opferfeuer,
koche man in der doppelten Menge Milch einer weißen Kuh mit Kalb Reis von der Śāli-Sorte, ebenso weiß [wie die Milch].
sitadugdhaghṛtopetaṃ kṛtvā vai siktakaṃ mahat | vāmena pāṇinā vidyāṃ japitvā śatavāraṃ ca ||80||
śriyaṃ me dehi devīti kṛtvā kāṣṭhojjvalānale | hutvā samāpya pūjāṃ tu tathā bhuktvā tu taddinam ||81||
nirantaraṃ nityaś ca yuktaṃ tadanvayam | na kadācid ramā [muñcet] tā apramitavaibhavāḥ ||82||
pāyasaṃ juhuyāt pūrṇāṅkavāreṣu sādhakaḥ | nivedayec ca pūjāyām annādyāḍhyatamo bhavet ||83||
Nachdem man, versehen mit weißer Milch und Ghee, einen großen [Reisbrei] hergestellt hat, und, mit der linken Hand [darauf weisend], die Vidyā hundertmal rezitiert hat,
spreche man 'Gib mir Wohlstand, o Göttin!' und opfere ihn in das mit Holz lodernde Feuer; danach, nach Abschluss der Verehrung, verzehre man [den Rest] eben an jenem Tag.
Unaufhörlich und beständig, [so] verbunden mit jener [Sippe] – niemals verlässt Ramā (Lakṣmī) jene [Übenden], die von unermesslicher Pracht sind.
Der Übende soll Milchreis an den vollzähligen [Tagen] opfern und ihn bei der Verehrung darbringen; er wird zum Reichsten an Speise und Nahrung.
Nach V.82 vermerkt der Herausgeber, dass eine andere Handschrift zusätzlich die Halbzeile 'maunī tu jamvad-abdāc chriyaṃ prāpnoti puṣkalām' ('wer aber schweigend [verharrt], erlangt binnen Jahresfrist reichlichen Wohlstand') überliefert; sie ist hier nicht in den Haupttext aufgenommen, da sie im Haupt-OCR-Strom fehlt und nur in einer Fußnote der Ausgabe erscheint.
Aus der Milch einer rotbraunen Kuh mit Kalb [gewinne man] frische Butter; diese lege man dann in eine Kahlāra-Lotosblüte, an jenem [festgesetzten] Tag.
Ebenso opfere man [sie] ins Feuer, am Dienstag, wenn [Mars] in seiner Exaltation steht; zu jener Zeit, an jenem [Maṇḍala-]Tag, erlangt man mit Sicherheit Lakṣmī.
Ebenso lege man die Butter einer rein weißen [Kuh] in eine weiße Lotosblüte, nehme sie [dann wieder] auf, und opfere sie, wenn [die Sonne/der Mond] im [Zeichen] Fische [steht], unter [Mantra-]Rezitation ins Feuer.
Durch siebenmalige Anwendung erlangt man großen Wohlstand, reich an jeglichem Gedeihen, verbunden mit mannigfachen Genüssen, verheißungsvoll.
Ebenso nehme man die aus einer rotbraunen [Kuh gewonnene] Butter und lege sie dann auf den Fruchtboden (Karṇikā) einer voll erblühten Lotosblüte;
dann opfere man [sie] achtmal; der Übende wird reich, o Śivā; ebenso mit Blüten des Karṇikāra-Baumes und mit solchen, die vom Campaka-Baum stammen,
Dieser Abschnitt (V.84-89) beschreibt eine Reihe von Butter-Lotos-Opfern zu bestimmten Planetenkonstellationen (Mars in Exaltation, Sonne/Mond in Fische).
Man opfere mit Butter bestrichene [Blätter], wenn die Sonne [an bestimmter Stelle] steht; [dadurch wehrt man] hohe Verluste sowie Könige und Diebe, die einem [Besitz] rauben wollen, ab.
Man erlangt großen Wohlstand; möge [Unglück] niemals jener Sippe widerfahren; ebenso durch das Opfer von Butter, mit Zucker verbunden,
erlangt man Ruhm, Wohlstand, Reichtum, Gesundheit, Sieg und langes Leben; die Opferhandlung, ausgeführt mit gekrümmten Kiṃśuka(Palāśa-)Blüten, mit der dreifachen Süße benetzt,
bringt Glück, Wohlstand, Sieg, Schönheit und Weisheit; durch das Opfer von Quark-Reis wird der Übende binnen dreier Monate reich an Speise.
Oder man schreibe mit jenen [Substanzen] sein eigenes Anliegen auf Stücke von Palmblatt und opfere es, mit Butter versehen, bei Nacht.
Innerhalb eines Maṇḍala-Zeitraums, eines Monats oder [auch nur] einer Woche erlangt man eben sein eigenes Anliegen; ebenso schreibe man es fest auf Palāśa-Blätter und opfere es.
Oder man schreibe es auf Blüten und opfere es bei Nacht; oder man schreibe es mit Sandelpaste auf ein Jackfruchtblatt und opfere es ebenso.
V.90-91 stark beschädigt; Sinn nur ungefähr erschlossen. Ab V.94 wechselt das Verfahren zum magischen Beschreiben von Blättern/Blüten mit dem eigenen Wunsch und deren anschließender Verbrennung im Opferfeuer, ein im Tantra verbreitetes Verfahren (likhita-homa).
tathā vilikhya iṣṭaṃ nāgavallīdale [saṃ]yutaiḥ | hutvā tv āpnoti nijaṃ vāñchitaṃ proktakālataḥ ||97||
kastūrīlikhitaṃ suśliṣṭaṃ patre campakabhūruhaḥ | hutvā tu tad avāpnoti taddinais tadvidhānataḥ ||98||
elālavaṅgakakkolajātīphalasamanvitaiḥ | site likhya ca [pūjya] patre padmasamudbhave ||99||
[juhuyāt] saṃsiddhaye [sarvaiḥ] kim ihoditaiḥ | nāsādhyam asti bhuvane vidyāhomair udīritaiḥ ||100||
śuddhavidyāmayī vyāptir iti samyak samīritā | asyā nigālanāc citte tattatvaṃ svātmasāt kṛtam ||
Ebenso schreibe man den Wunsch, verbunden mit [Wohlgeruch-Substanzen], auf ein Betelblatt (nāgavallī) und opfere es; man erlangt dadurch sein eigenes Anliegen innerhalb der genannten Zeit.
Mit Moschus geschrieben, fest haftend, auf ein Blatt des Campaka-Baumes, opfere man es; man erlangt jenes [Anliegen] binnen der [vorgeschriebenen] Tage, nach dieser Vorschrift.
Mit Kardamom, Gewürznelken, Kubebenpfeffer (kakkola) und Muskatnuss verbunden, schreibe man [den Wunsch] mit weißer [Paste] auf ein aus dem Lotos entstandenes Blatt und [verehre es],
und opfere es zur Erlangung des Ziels – was bedarf es hier weiterer Worte über all [diese Mittel]? Es gibt nichts in der Welt, das durch die hier verkündeten Opfer der Vidyā unerreichbar wäre.
So ist die aus der reinen Vidyā bestehende Alldurchdringung zu Recht verkündet worden; durch ihre Aufnahme in das Herz wird eben jenes Wesen (tattva) zum eigenen Selbst gemacht.
Der letzte Doppelvers (nach V.100) trägt im Original keine eigene Nummer und bildet den abschließenden Lobpreis vor dem Kolophon, wie auch in anderen Kapiteln dieses Werks üblich. Wurzeltext-Kolophon (nicht als eigene Einheit gezählt, siehe Ende dieser Einheit): 'iti ṣoḍaśanityātantreṣu ślokādimate homāt kāmyaphalodayo nāma dvātriṃśaḥ paṭalaḥ ||32||' – 'So [endet] im Ṣoḍaśanityā-Tantra, nach der Lehre der Ślokas u.a. [Textteile], der zweiunddreißigste Paṭala, genannt "das Entstehen der gewünschten Frucht aus dem Feueropfer".'