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Tantrarāja Tantra

Paṭala 30: vāstudevatācakratatpūjāsūkṣmaparahomavidhānaprakāśanaparaṃ triṃśaṃ paṭalam 30-tes Kapitel: Das Vāstu-Devatā-Cakra (Bauplatz-Gottheiten-Diagramm) und seine Verehrung, sowie das feinstoffliche (sūkṣma) und das höchste (para) Feueropfer

Quelle: Tantrarāja-tantra, Band II, mit dem Kommentar Manoramā des Subhagānandanātha, hrsg. Sadāśiva Miśra, Tantrik Texts, Calcutta: Agamanusandhana Samiti 1926 (archive.org, OCR). Der dreißigste Paṭala (100 Verse laut ausdrücklicher Kommentarangabe „ślokaśatarūpeṇa triṃśena paṭalena“) behandelt: den Mythos vom Vāstu-Puruṣa, dem übergroßen, unbezwingbaren Dämon, der von den Göttern niedergerungen und mit dreiundfünfzig Gottheiten reglos besetzt gehalten wird (V.1-11); die Konstruktion des daraus entstehenden 81-Felder-Vāstu-Devatā-Cakras mit Brahmā im Zentrum und zweiunddreißig Randgottheiten (V.12-32), deren Verehrung mit Silben-Einschreibungen und Feueropfer; die jährliche Vāstu-Verehrung im eigenen Haus und ihre Vorteile bzw. die Nachteile ihres Unterlassens (V.33-37); die Anfertigung tragbarer Vāstu-Cakra-Tafeln für Paläste, Häuser und Siedlungen (V.38-42); den Übergang zum feinstofflichen (sūkṣma) Feueropfer der Kuṇḍalinī im Mūlādhāra, mit Verschmelzung der drei „Feuer“ (Agni, Sūrya, Soma) zu einem Praṇāgnihotra-Mantrasystem aus sechsfach kombinierten Silbenreihen (V.43-62); eine ausführliche Beschreibung der Kuṇḍalinī selbst und der Jīvanmukti (Lebenserlösung) ihres Kenners (V.63-74); den Wert der Hingabe (bhakti) an die sechzehn Nityās und die Ankündigung eines noch höheren „Para-Rūpa“-Feueropfers (V.75-82); eine Tugendliste der Nityā-Verehrer (V.83-88); die Gleichsetzung von grobem (sthūla), feinstofflichem (sūkṣma) und höchstem (para) Feueropfer als stufenweise Auflösung aller Unterscheidungen im eigenen Selbst (V.89-93); sowie abschließend praktische Anweisungen zu Kuṇḍa-Form und Ausrichtung des Opfernden je nach Art der Handlung (heilvoll, feindschädigend, vertreibend usw.) und eine Ersatzvorschrift (Erdaltar, sthaṇḍila) bei Unmöglichkeit eines Kuṇḍa-Baus (V.94-100). Die vom Orchestrator geschätzte Bereichsgrenze war beim tatsächlichen Kapitelbeginn erheblich unzutreffend: Paṭala 29 (Homa-Kuṇḍa-Bauvorschriften) reicht tatsächlich bis ca. Zeichenposition 590368 (nicht wie geschätzt bis ~568363), sodass Paṭala 30 selbst erst dort beginnt und bis zum doppelten Kolophon bei ca. Position 626500 reicht (Gesamtlänge ca. 36100 Zeichen, nahe der oberen Schätzgrenze 625537). Die OCR-Qualität ist über weite Strecken extrem schlecht, besonders in den Versen 6-11, 16-22 (Götternamen-Katalog des äußeren Cakra-Randes) und 57-59 (kombinatorische Mantra-Silben-Systematik); die Rekonstruktion der Götternamen in V.22-26 konnte durch Vergleich mit der aus anderen Vāstu-śāstra-Werken (z.B. Bṛhatsaṃhitā Kap. 53) bekannten Standardliste der zweiunddreißig Vāstu-Randgottheiten gestützt werden (nicht als Übersetzung, sondern nur zur Klärung einzelner entstellter Eigennamen); dennoch bleiben zahlreiche Wörter, Namen und ganze Halbverse durchgehend mit [?] markiert, insbesondere V.4-9, 16, 18-21, 30, 42, 58-59, 76-77, 83-88 und 96.

atha ṣoḍaśanityānāṃ sāmānyā vāstudevatāḥ | tāsāṃ cakraṃ tatra pūjākramaṃ samyag vadāmi te ||1|| tatphalāni ca taddhomavidhānāni tathā balim | sūkṣmahomavidhānāni tatphalāni paraṃ tathā ||2|| krameṇa śṛṇu deveśi proktāni phalasiddhaye | yair vinā bhuvane mantrāḥ sarve syān niṣphalā dhruvam ||3|| caturasrākṛtiḥ kaścid asuraḥ sarvanāśakṛt | purā tasya vadhāyaiva sarve devāḥ samudyamam ||4|| kṛtvā nihantuṃ [?] tair avadhyo 'bhavad durāt | āvayos tannirāsāya sāmety ākathayat tadā ||5||

Nun [verkünde ich] die den sechzehn Nityās gemeinsamen Vāstu-Gottheiten (die Schutzgottheiten des Bauplatzes). Ihr Cakra (Diagramm), sowie darin die Ordnung ihrer Verehrung, will ich dir genau verkünden. Ihre Wirkungen (phala), die Vorschriften ihres [groben] Homa (Feueropfers), ebenso das Bali-Opfer, die Vorschriften des feinstofflichen (sūkṣma) Homa und dessen Wirkungen, sowie das höchste [Homa] – [all dies will ich lehren]. Höre der Reihe nach, Göttin der Götter, [dies alles,] wie es zur Erlangung der [rituellen] Wirkung verkündet ist; ohne diese [Kenntnis] sind, das ist gewiss, in der Welt alle Mantras wirkungslos. Einst gab es einen gewissen Dämon von viereckiger (quadratischer) Gestalt, einen Allvernichter; um ihn zu töten, unternahmen einst alle Götter [gemeinsam] eine Anstrengung, doch selbst nachdem sie [dies] versucht hatten, blieb er von ihnen unbezwingbar, von fern her [?]; da erklärte [er/man] zu unser beider (Śakti und Śivas) Abwehr seiner [Bedrohung] einen Vergleich (sāma, ein Friedensangebot) [?].

Vers 4-5 stark verderbt; insbesondere Pāda „kṛtvā nihantuṃ [...] tair avadhyo 'bhavad durāt“ bleibt im genauen Wortlaut unsicher, der Sinngehalt (die Götter konnten den Dämon trotz Anstrengung nicht töten) ist durch den Fortgang der Erzählung (V.6-11) und den Kommentar gesichert. Es handelt sich um den bekannten Mythos vom Vāstu-Puruṣa, dem „Mann des Bauplatzes“ (Name explizit in V.6), wie er auch in anderen Vāstu-śāstra-Werken erzählt wird: ein alles bedrohendes dämonisches Wesen wird von den Göttern nicht getötet, sondern niedergerungen und mit den Körpern der Götter besetzt gehalten – daraus entsteht das Vāstu-Puruṣa-Maṇḍala, das Diagramm der Bauplatz-Gottheiten.

kathayāsmākam adhunā tad vāstupuruṣas tu | darpaśāntiṃ na cet tena viśvam āsīd upadrutam ||6|| ity ukte tair mayā [tasya] nidhanaṃ tasya duḥśakyam | [kṣitau] tam avanau tasya śarīre sthāpayet tathā ||7|| nityaṃ ca tripañcāśan niḥspandākramaṇāya vai | niyojya teṣāṃ ye pūjāvimukhās taiḥ [pāpāni] kṛtāni tu ||8|| [?] samādadhur duṣkṛtāni ca kurvate | tasmāt teṣām arcanaṃ tu pratyahaṃ kurvatāṃ sadā ||9|| śubhāny evāśu jāyante naivāśubhakathā api ca | tac cakrād vidhānaṃ tu śṛṇu samyag vadāmi te ||10|| prāk pratyag dakṣiṇodak ca kṛtvā vai daśasūtrakam | tair ekāśītikoṣṭhāni jātāni syuḥ samāni ca ||11||

[Der Dämon Vāstu-puruṣa sprach:] „Sagt mir nun, was mit diesem Vāstu-puruṣa [geschehen soll]; wenn [meinem] Stolz nicht Einhalt geboten wird, wird durch ihn die Welt bedrängt sein.“ Als dies gesagt war, war es, weil seine Tötung durch sie [die Götter] schwer zu bewerkstelligen war, [beschlossen], ihn zu Boden zu werfen [?] und ihn so auf seinem eigenen Leib festzuhalten, und zugleich die dreiundfünfzig [Gottheiten] dazu zu bestimmen, unbeweglich auf ihm zu verharren; von denen [Menschen], die sich der [ihnen gebührenden] Verehrung [dieser Gottheiten] verweigern, werden von diesen [dann üble Taten wie folgt bewirkt] [?] – [nämlich, dass sie (?)] Missetaten begehen und vollbringen; deshalb soll ihre Verehrung stets, Tag für Tag, von denen, die [es recht] tun, vollzogen werden. Dann entstehen rasch nur gute Dinge, niemals auch nur ein Anflug von Unglück; höre nun genau die Vorschrift für ihr Cakra (Diagramm), die ich dir verkünden will: Nachdem man vorn, hinten, rechts und links (d.h. in Ost-West- und Nord-Süd-Richtung) je zehn Linien gezogen hat, entstehen durch sie einundachtzig gleichmäßige Felder (Koṣṭha).

Verse 6-9 sind im OCR extrem zerstört; Rekonstruktion und Übersetzung folgen primär dem Sanskrit-Kommentar, der den Sinn erläutert: Der von den Göttern besiegte, aber unbezwingbare Dämon (der hier erstmals „Vāstu-puruṣa“ genannt wird) wird zu Boden geworfen und für immer von dreiundfünfzig Gottheiten reglos niedergehalten – der bekannte Mythos vom Vāstu-Puruṣa-Maṇḍala. Die genaue Wortfolge mehrerer Halbverse (6b, 7b, 8b-9) bleibt unsicher und mit [?] markiert. Vers 8 „tripañcāśat“ (53) statt der OCR-Lesung „vipañcāśat“ nach dem Kommentar und nach der in V.14-15 explizit genannten Zahl von 53 Gottheiten-Plätzen emendiert.

ekaṃ madhye navaikaṃ tu kuryāt koṣṭhāni koṣṭhakaiḥ | ekīkuryāc catuṣkoṣṭhāni diśā prāgādiṣu kramāt ||12|| tataś catuṣu koṇeṣu tiryaksūtracatuṣkataḥ | vidhā kuryāt koṇakoṣṭhāny aṣṭau tatpārśvayoḥ punaḥ ||13|| ekīkuryāt tathā dve dve tadbodhyāṃ dvidhā madhyataḥ | ekam ekaṃ bhavec chiṣṭaṃ bahir dvātriṃśad īritam ||14|| sarvamadhye yajet samyag brahmāṇaṃ kamalāsanam | ābhiś ca caturbhir vai vedādhyayanaśīlinam ||15||

In der Mitte soll man die neun [innersten] Felder durch [Zusammenlegen der] Zellen zu einem einzigen machen; ringsum, im Osten beginnend, der Reihe nach, vereinige man [die anschließenden Felder] zu Vierergruppen. Dann, in den vier Ecken, teile man mittels vierer Diagonal-Linien [die Eckbereiche ein]; die acht Eckfelder [entstehen so, und] wiederum an deren beiden Seiten – ebenso vereinige man [die Felder] paarweise; in jenem [zweiten] Feldring (Bodhi/Vīthi), in der Mitte [jeder Seite, fasse man zwei zu zwei zusammen]; je eines bleibt einzeln übrig; außen werden zweiunddreißig [Felder] genannt. In der Mitte von allem verehre man gebührend Brahmā, den auf dem Lotus Thronenden, zusammen mit diesen vier [Veden als seinen Begleitern], ihn, der dem Studium des Veda hingegeben ist.

Diese Verse beschreiben den klassischen 81-Felder-Vāstu-Puruṣa-Maṇḍala (Paramaśāyika-Typ) mit Brahmā im neunfeldrigen Zentrum (Brahmasthāna) und zweiunddreißig Feldern im äußeren Ring – eine in der Vāstu-śāstra-Tradition (z.B. Bṛhatsaṃhitā) wohlbekannte Struktur, die hier zur Kontrolle des insgesamt gut erhaltenen Wortlauts diente. 9 (Zentrum) + 32 (Außenring) + 12 (die in V.16-21 genannten weiteren Randgottheiten, s.u.) ergeben zusammen die in V.8/14 genannten 53 Gottheiten-Plätze.

prāgādi tad bahiś cāpi yajed etān pradakṣiṇam | āryakaṃ vivasvantaṃ mitraṃ [?] pṛthvīdharam ||16|| koṇārdhakoṣṭhayor ekaikam [aṣṭau ca] | vajrād īśāntam abhitaḥ pūjayet pūrvavat priye ||17|| vajraḥ savitā śakra indrajid dṛḍhañjayī | āyāpavatsakaś ceti proktās te 'ṣṭau tu nāmataḥ ||18|| [?] īśānāntam arcayet | aṣṭau krameṇa tārādyair namo'ntair nāmabhis tathā ||19|| anyān api ca cakre 'smin proktān sarvāṃs tathārcayet | tatra guham [?] [?] [?] ||20|| carakaś ca vidāraś ca [?] tanayaś ca sahaiśvari | bahir īśādi paritaḥ yajed aṣṭau diśaṃ prati ||21||

Im Osten beginnend, und auch außerhalb [des Brahmā-Feldes], verehre man diese im Uhrzeigersinn (pradakṣiṇa): Āryaka, Vivasvān, Mitra [und] Pṛthvīdhara [die vier den Sitz Brahmās unmittelbar umgebenden Wächtergottheiten]. In den halben Eckfeldern je eine [von acht weiteren Gottheiten] – ringsum, von Vajra bis Īśāna, verehre man [sie] wie zuvor, o Geliebte. Vajra, Savitṛ, Śakra, Indrajit, Dṛḍhañjayī [und] Āyāpavatsaka – so werden diese acht [Gottheiten] dem Namen nach genannt [?]. [Fortschreitend] bis Īśāna verehre man [sie]; die acht, der Reihe nach, mit den Anrufungen, die mit dem Praṇava (Oṃ) beginnen und mit „namaḥ“ enden, ebenso mit ihren [eigenen] Namen. Auch die anderen, alle in diesem Cakra genannten [Gottheiten], verehre man ebenso; darunter Guha [und zwei weitere, unleserliche Namen] [?]. Caraka, Vidāra, [und] [?] Tanaya, o Herrin [?] – ringsum, außerhalb, bei Īśāna beginnend, verehre man acht [weitere Gottheiten], je eine in [jede] Richtung.

Verse 16-21 sind im OCR äußerst stark zerstört. Die vier Brahmā unmittelbar umgebenden Gottheiten Āryaka/Aryaman, Vivasvān, Mitra und Pṛthvīdhara (V.16) sowie das Prinzip der acht äußeren Gottheiten „von Vajra bis Īśāna“ (V.17-19) entsprechen der aus der Vāstu-śāstra-Tradition bekannten Struktur, konnten aber wegen der schweren OCR-Zerstörung nur teilweise sicher rekonstruiert werden; mehrere Einzelnamen (V.18 möglicherweise nur sechs statt der genannten acht Namen erkennbar; V.20 fast vollständig zerstört; V.21 Namen unsicher) bleiben mit [?] markiert. Der Kommentar bestätigt nur, dass hier zwei Fünfergruppen von Namen (V.20b-21a, zusammen zehn) sowie anschließend acht weitere Randgottheiten (V.21b) genannt werden – zusammen mit den 4+8 aus V.16-19 ergäbe dies 4+8+10+8=30, was nicht exakt zur erwarteten Zwölfzahl der übrigen Plätze (53−9−32=12) passt; dieser Widerspruch ließ sich aus dem stark korrumpierten Text nicht auflösen und wird hier offen dokumentiert, statt eine Lösung zu erraten.

īśānaḥ parjanyo jayantaḥ śakrabhāskarau | satyo bhṛśo 'tha [ākāśaś ca] pūrvāśākoṣṭhagāḥ kramāt ||22|| agniḥ pūṣā ca vitatho yamo 'tha gandharvaḥ | [gṛhakṣataś] śaṅkharājaś ca [pitṛr vā] dakṣiṇakoṣṭhagaḥ ||23|| nirṛtiś ca tathā dauvārikaḥ sugrīvakas tathā | varuṇaḥ puṣpadantaś cāsurākhyaḥ [rogakaḥ] ||24|| paścimāśāsthakoṣṭheṣu pūjyā ete yathākramam | vāyur nāgas tathā mukhyaḥ somo bhallāṭakas tathā ||25|| argalo ditir apy evam aditiś ca yathākramam | [ete] uttarasaṃstheṣu devatās tāḥ samīritāḥ ||26||

Īśāna, Parjanya, Jayanta, Śakra (Indra) und Bhāskara (die Sonne), Satya, Bhṛśa und [Ākāśa] – diese besetzen der Reihe nach die Felder der östlichen Himmelsrichtung. Agni, Pūṣan, Vitatha, Yama, dann Gandharva, [Gṛhakṣata], Śaṅkharāja (Bhṛṅgarāja?) und [Pitṛ] – [diese] besetzen die südlichen Felder. Nirṛti, ebenso Dauvārika und Sugrīva, Varuṇa, Puṣpadanta, der „Asura“ Genannte, [und Roga] – diese sind der Reihe nach in den Feldern der westlichen Himmelsrichtung zu verehren: Vāyu, ebenso Nāga, Mukhya, Soma und ebenso Bhallāṭaka. Argala, ebenso Diti, und der Reihe nach Aditi – [diese] sind die Gottheiten, die als in den nördlichen [Feldern] befindlich genannt werden.

Diese Namensliste der zweiunddreißig äußeren Vāstu-Gottheiten (acht je Himmelsrichtung) stimmt in Struktur und den meisten Einzelnamen mit der aus anderen Vāstu-śāstra-Werken (z.B. Bṛhatsaṃhitā, Kap. 53) bekannten Standardliste des Vāstu-puruṣa-maṇḍala überein (Īśāna, Parjanya, Jayanta, Indra, Sūrya, Satya, Bhṛśa, Ākāśa im Osten; Agni, Pūṣan, Vitatha, Yama, Gandharva, Bhṛṅgarāja u.a. im Süden; Nirṛti, Dauvārika, Sugrīva, Varuṇa, Puṣpadanta, Asura, Roga im Westen; Vāyu, Nāga, Mukhya, Soma, Bhallāṭa, Diti, Aditi im Norden). Diese allgemein bekannte Parallelüberlieferung diente nur zur Klärung einzelner stark OCR-entstellter Eigennamen (nicht als Übersetzungsgrundlage); dennoch bleiben einzelne Namen (V.22 „Ākāśa“; V.23 „Gṛhakṣata“, „Pitṛ“; V.24 „Rogaḥ“) unsicher und mit [?] markiert, da die OCR an diesen Stellen keine eindeutige Lesung erlaubt.

dvitīyavīthimadhyasya catuṣkaṃ koṇasūtrataḥ | kṛtvā teṣv eva prāgādiṣu yathākramāt ||27|| prācyāṃ yugārṇaparyāyanityārṇāny ālikhet kramāt | prāgādiṣu tathā dakṣe [udayārṇaṃ] nityārṇakam ||28|| paścime bhūmitoyāgnivāyukarmāntikān likhet | uttare pūjayāmīti vilikhyaiva yajec ca tān ||29|| pratyekaṃ tena juhuyāt kuṇḍe caturasre 'ndradiṅmukhaḥ | rohiṇyādyair guḍayavaiḥ kṣīradadhyājyāhutaiḥ kramāt ||30|| aṣṭottaraśataṃ vāṣṭottaraviṃśatim eva vā | pratyekaṃ tenāhutir dravyair mantraiḥ svāhāntaiḥ pāyasaiḥ ||31|| baliṃ ca teṣāṃ dadyāt pāyasair vyañjanānvitaiḥ | sasitair dugdhakadalīphalāpūpādisaṃyutam ||32||

Nachdem man mittels der Diagonal-Linien die vier [Felder] in der Mitte der zweiten Umgebung (Vīthi) [in jeder Richtung] gebildet hat, [beginne man] eben in diesen [Feldern], im Osten beginnend, der Reihe nach [wie zuvor]. Im Osten schreibe man der Reihe nach die Silbe des Zeitalters (yuga), die des Umlaufs (paryāya) und die tägliche [Nityā-]Silbe; ebenso im Süden die [entsprechenden] täglichen Silben des Aufgangs (udaya). Im Westen schreibe man [die Wörter für] Erde, Wasser, Feuer, Wind [und] Handlung, im [entsprechenden grammatischen Fall]; im Norden schreibe man das Wort „pūjayāmi“ („ich verehre“) und verehre dann jene [Gottheiten] dementsprechend. Für jede von ihnen opfere man im viereckigen Feuerbecken (Kuṇḍa), nach Osten (der Richtung Indras) gewandt, der Reihe nach mit [Zutaten wie] der Rohiṇī-Gruppe, Melassezucker und Gerste, [sowie] Milch, Dickmilch und Ghee. Einhundertacht, oder auch nur achtundzwanzig, Opferungen soll man für jede [Gottheit] mit der [entsprechenden] Substanz, mit den auf „svāhā“ endenden Mantras, mit Milchreis darbringen. Und man gebe ihnen ein Bali-Opfer aus Milchreis, versehen mit Beilagen, zusammen mit gesüßter Milch, Bananen, Backwerk und dergleichen.

Vers 27 beschreibt die Anlage von vier weiteren Feldern im zweiten Feldring (für die Einschreibung von Silben zu Zeitaltern/Yuga, Umlaufszyklen und den täglichen Nityā-Silben, worauf vermutlich ein früheres Kapitel dieses Werks Bezug nimmt); V.28-29 sind stark OCR-entstellt und primär nach dem Kommentar rekonstruiert, die genaue Bedeutung von „yugārṇa“ und „udayārṇa“ bleibt ohne Kenntnis der einschlägigen früheren Kapitel unsicher, daher [?] bei „udayārṇaṃ“. V.30 (viereckiges, ostgewandtes Kuṇḍa) und die Opfersubstanzen sind über den Kommentar hinreichend gesichert.

evaṃ siṃhagate bhānau pūrṇāyāṃ prativatsaram | svagehe vāstupūjāyāṃ maṇḍale sarvataḥ kramāt ||33|| kṛtvā viprān nityābhaktān yathābalaṃ tryahonān | madhurādyai rasair bhojayet ||34|| teṣāṃ dakṣiṇāṃ dadyād yathāśakti samarcya tān | evaṃ vidhikṛto gehe nākalyāṇaṃ kadācana ||35|| na bālamaraṇaṃ vyādhibhūtapretādikāni ca | na sarpapīḍāṃ nānyonyakalahāny aśubhāni ca ||36|| putrapautradhanārogyapaśudāsasukhādibhāk | arogī vijayī khyātaś ciraṃ jīvati [sādhakaḥ] ||37||

So, wenn die Sonne in das Sternzeichen Löwe eintritt, am Vollmondtag, führe man Jahr für Jahr im eigenen Haus die Vāstu-Verehrung durch, der Reihe nach rings um das [Vāstu-]Maṇḍala. Hat man [dies vollzogen], soll man Brahmanen, die Verehrer der Nityās sind, nach eigenem Vermögen bewirten – nicht weniger als drei [an Zahl] – mit süßen und anderen [schmackhaften] Speisen. Nachdem man sie gebührend geehrt hat, gebe man ihnen, nach eigenem Vermögen, eine Priestergabe (Dakṣiṇā); in einem Haus, in dem dies so vorschriftsgemäß vollzogen wird, gibt es niemals Unheil. Weder Kindstod, noch Krankheit, [Heimsuchung durch] Unholde und Verstorbenengeister und dergleichen, noch Schädigung durch Schlangen, noch gegenseitigen Streit oder andere Unglücksfälle [treten dort auf]. Vielmehr wird man teilhaftig an Söhnen, Enkeln, Reichtum, Gesundheit, Vieh, Dienerschaft und Glück; gesund, siegreich und berühmt lebt [der Verehrer] lange.

Verse 33-37 sind vergleichsweise gut überliefert. Vers 34 „tryahonān“ (etwa: „nicht weniger als drei [Personen]“) folgt der Kommentarglosse „puruṣatrayādihīnān“.

rājaveśmasu sarvatra tathā ca mahiṣīgṛhe | sacivāmātyasenānīsadaneṣu pure tathā ||38|| vidadhyād vāstucakraṃ tu deśikaḥ | na cet uktānyathā [tasya] rūpaphalaiḥ kleśo 'niśaṃ bhavet ||39|| trilohāśmataleṣv anyatame hastapramāṇake | tattaddevatānāmāni māyāgarbhe samālikhet ||40|| tataḥ tān pūjayet saptapañcadivasāvadhi | sthāpayed veśmasu kvāpi nityaṃ cāpi tataḥ tu vai ||41|| smaret tān devatābuddhyā kuryāt pūjāṃ diviśaḥ [?] | tad veśma maṅgalaṃ grāmapuraśivikādiṣu ||42|| vidadhyād akhilaṃ cakraṃ kleśaśāntyai samṛddhaye |

In königlichen Palästen überall, ebenso im Gemach der Königin, in den Wohnstätten der Minister, Ratgeber und Heerführer, und ebenso in der Stadt [allgemein] – soll der Ritualmeister (Deśika) das Vāstu-Cakra anlegen; geschieht dies nicht wie vorgeschrieben, so entsteht, dem verkündeten Nutzen entgegengesetzt, unaufhörlich Not. Auf einer Platte aus den drei Metallen oder aus Stein – gleich welcher davon, von der Größe einer Handspanne – schreibe man die Namen der jeweiligen Gottheiten, [jeden] eingebettet in die Māyā-Silbe (Hrīṃ) [bzw. den Praṇava]. Dann verehre man sie sieben oder fünf Tage lang; danach stelle man [die Tafel] dauerhaft irgendwo im Haus auf. Man gedenke ihrer als Gottheiten und vollziehe [regelmäßig] Verehrung [?]; jenes Haus wird dadurch heilvoll. In Dörfern, Städten, Lagern (Siedlungen) und dergleichen soll man das ganze Cakra anlegen, zur Beruhigung von Not und zum Gedeihen.

Der letzte Halbvers (V.43a) gehört inhaltlich noch zu diesem Abschnitt und bildet zusammen mit dem ersten Halbvers von 30.44 einen vollständigen Śloka (Vers 43); er wurde daher hier mit aufgenommen. Verse 39 und 42 enthalten kleinere Lücken, deren Sinn aber durch den Kommentar hinreichend gesichert ist.

tataḥ sūkṣmaparaiś ca homaiḥ siddhiṃ śṛṇu priye ||43|| mūlādhārasthaṃ kuṇḍalinyāsyagāmini | vācyavācakarūpañca prapañcaṃ juhuyāt tathā ||44|| yenāvayoḥ samo devi jāyate havanena vai | tadvidhānaṃ vada prājña śambho samyag adhunā ||45|| ādhāre vahnisaṃsthānaṃ kuṇḍalinyāḥ sthitiṃ tataḥ | brūhi tatkriyāṃ ca vada me viśadaṃ prabho ||46|| atha vakṣye vidhānaṃ te samyag vistarato 'dhunā | prāṇāgnihotravidyā iti yat tattvaṃ śrūyate param ||47||

Höre nun, Geliebte, die Vollendung durch das feinstoffliche (sūkṣma) und das höchste (para) Feueropfer! [Devī fragt bzw. Śiva lehrt:] Man opfere ebenso den Prapañca (die gesamte Erscheinungswelt), der aus dem Benannten und dem Benennenden (vācya-vācaka) besteht, im Munde der im Mūlādhāra befindlichen Kuṇḍalinī [als Feuer]. Durch welche [Handlung], o Göttin, uns beiden (Śakti und Śiva) Gleichheit entsteht durch dieses Opfer – diese Vorschrift verkünde mir jetzt genau, du Kundiger, Śambhu! Die Anlage des Feuers im Grundzentrum (Ādhāra), sodann den Sitz der Kuṇḍalinī, sage mir, und verkünde mir auch ihre [rituelle] Handlung klar, o Herr! [Śiva:] Nun will ich dir jetzt die Vorschrift genau und ausführlich verkünden – jenes höchste Prinzip, das man als „Prāṇāgnihotra-Wissen“ (die Lehre vom Feueropfer des Lebensatems) vernimmt.

Übergang vom groben Homa des Vāstu-Cakra zum feinstofflichen Homa der Kuṇḍalinī im Mūlādhāra; die Verse sind als Dialog zwischen Devī (Frage, V.45-46) und Śiva (Antwort ab V.47) gestaltet, wie im ganzen Werk üblich.

yaj jñātvā vanitāgarbhe na prayāti naro bhuvam | yad vyāyāsarahitam ananyāpekṣanirvaham ||48|| yan manaḥ kleśaviśrāntiḥ sthānaṃ niḥśeṣakalmaṣam | sukhāspadaṃ svasthaṃ viśvamayaṃ mūlādhāre vivedanāt ||49|| atroktaśeṣam akhilaṃ ṣaḍviṃśe paṭale sphuṭam | punas tataḥ tava varṇayāmi ca kiñcana ||50|| nityānityodite mūlādhāramadhye 'sti pāvakaḥ | sarveṣāṃ prāṇināṃ hṛdye ca prabhākaraḥ ||51|| śikhāyāṃ brahmarandhre ca candramāś ca vyavasthitaḥ | tattrayātmakam eva syād ādyā nityā trikhaṇḍakam ||52||

Wodurch ein Mann, der es erkannt hat, nicht [wieder] in den Mutterschoß eingeht, [ein Wissen,] das ohne [äußere] Anstrengung ist [und] von nichts anderem abhängig zu vollziehen ist; dessen Erwerb im Mūlādhāra der Ort der Beruhigung des geistigen Leides ist, [ein Zustand,] gänzlich frei von Makel, der Sitz des Glücks, in sich selbst ruhend, alldurchdringend (viśvamaya) – den [ganzen] darüber hinaus Verbleibenden Rest habe ich im sechsundzwanzigsten Paṭala bereits klar dargelegt; nun will ich dir davon abermals etwas [Weiteres] schildern: Im sogenannten „Nityānitya“[-Kapitel] [dargelegt: im] Mūlādhāra befindet sich das Feuer (Pāvaka); im Herzen aller Lebewesen die Sonne (Prabhākara); im Scheitel(-Wirbel, Śikhā) und im Brahmarandhra der Mond (Candramas) – diese drei zusammen bilden [zusammen] die erste Nityā (Vidyā) in drei Abschnitten (Trikhaṇḍa).

Verse 48-50 preisen das feinstoffliche Wissen; V.50 verweist ausdrücklich auf ein bereits im 26. Paṭala (dieses oder eines vorangehenden Bandes) behandeltes Thema. V.51-52 ordnen die drei kosmischen „Feuer“ (Agni/Mūlādhāra, Sūrya/Herz, Soma/Scheitel-Brahmarandhra) den drei Abschnitten der ersten Nityā-Vidyā zu, was im weiteren Verlauf (V.53ff.) zur Grundlage der Meditationspraxis wird.

teṣāṃ trayāṇām aikyaṃ tu manasā bhāvayet tathā | tejogranthim iva tejobhis teṣām anyonyajaṃ śive ||53|| tathā bhāvyaṃ tat tejaḥ svayaṃ buddhvā tha tanmayam | cittavikalpavidhuraṃ bhāvayed ūrdhvaṃ yat ||54|| teṣāṃ trayāṇāṃ varṇānāṃ prāguktānāṃ krameṇa vai | bhāvanārthaṃ aṅgaṃ proktaṃ puṭitaṃ tejasā taiḥ ||55|| putitān bhānupradīpaiḥ svarāṃs tāreṇa saṃyutaiḥ | kuṇḍalīmukhamārgāgre juhuyān niścalāśayaḥ ||56||

Die Einheit dieser drei [Feuer, Sonne und Mond] soll man mit dem Geist so visualisieren, o Śivā, wie einen Knoten aus Licht (Tejogranthi), der aus ihren gegenseitig ineinander übergehenden Lichtern entsteht. Ebenso soll jenes Licht (Tejas) selbst, nachdem man [es] als solches erkannt hat, visualisiert werden, als davon durchdrungen (tanmaya); was von der Unterscheidung des [dualistischen] Denkens frei ist, das soll man darüber [hinausgehend] visualisieren. Für die Meditation auf jene drei zuvor genannten [Licht-]Silben wird der Reihe nach [je] ein „Aṅga“ (Hilfsglied) gelehrt, das mit ihrem Licht [gleichsam] eingehüllt (puṭita) ist. Die so mit den Leuchten der Sonne (Bhānu) eingehüllten Vokale, versehen mit dem Praṇava (Tāra) – [diese] opfere man an der Öffnung der Kuṇḍalinī, mit unbewegtem Sinn.

Diese Verse beschreiben die meditative Verschmelzung der drei „Feuer“ (Agni, Sūrya, Soma) zu einem einzigen Lichtprinzip als Vorstufe des im Folgenden (V.57ff.) gelehrten Silben-Kombinationssystems (Mond-, Sonnen- und Feuer-Silbenreihen). Die genaue technische Bedeutung von „puṭita“ (eingehüllt/kombiniert) wird erst in den folgenden, an anderer Stelle des Werks (15. Paṭala laut Kommentar) definierten Silbenreihen (Vokale = Soma/Mond, ka-ta-Reihe = Sūrya/Sonne, tha-sa-Reihe = Agni/Feuer) voll verständlich.

vahnibhānupuṭāntaḥsthaiś cāndraiḥ juhuyāt kramāt | candrabhānupuṭāntaḥsthair vahnivarṇaiḥ juhuyāt tathā ||57|| bhānucandrapuṭāntaḥsthair vahnivarṇaiḥ juhuyāt tathā | candravahnipuṭāntaḥsthair bhānuvarṇaiḥ juhuyād api ||58|| vahnicandrapuṭāntaḥsthair bhānuvarṇaiḥ juhuyāt tataḥ | tathā teṣāṃ prātilomyāt ṣoḍaśānāṃ juhuyād api ||59||

Mit den Mond-Silben (Candra, den 16 Vokalen), die in der Umhüllung von Feuer- und Sonnen-Silben eingeschlossen sind, opfere man der Reihe nach; ebenso opfere man mit den Feuer-Silben, die in der Umhüllung von Mond- und Sonnen-Silben eingeschlossen sind. Ebenso opfere man mit den Feuer-Silben, die in der Umhüllung von Sonnen- und Mond-Silben eingeschlossen sind; ebenso opfere man auch mit den Sonnen-Silben, die in der Umhüllung von Mond- und Feuer-Silben eingeschlossen sind. Danach opfere man mit den Sonnen-Silben, die in der Umhüllung von Feuer- und Mond-Silben eingeschlossen sind; ebenso opfere man auch, indem man diese sechzehn [Kombinationen] in umgekehrter Reihenfolge [durchläuft].

Diese drei Verse beschreiben ein hochtechnisches, sechsfaches (bzw. mit Umkehrung zwölffaches) Kombinationssystem dreier Silbenreihen – der sechzehn Vokale („Mond“/Candra), der Reihe ka-ta (16 Konsonanten, „Sonne“/Bhānu) und der Reihe tha-sa (16 Konsonanten, „Feuer“/Vahni) –, wobei jeweils eine Reihe in eine „Hülle“ (puṭa) der beiden anderen eingeschlossen und mit dem Praṇava (Oṃ) versehen rezitiert wird. Der Kommentar zitiert hierzu mehrere vollständige Beispielmantras (z.B. „oṃ kasoṃ … thatho“), doch die genaue akṣara-Folge jedes einzelnen der resultierenden Mantras wird hier nicht wiedergegeben, da sie reine technische Buchstabierlisten sind, deren OCR zudem größtenteils unlesbar ist; die Übersetzung folgt dem vom Kommentar klar erläuterten Strukturprinzip.

evaṃ dvādaśadhā homam akṣaraiḥ syād udīritaiḥ | kṛtvā tadvācyam akhilam artharūpañca taiḥ samam ||60|| tejastrayātmarūpaṃ syād āvayor api tadvapuḥ | anyāni cāvayor icchāgṛhītāni vapūṃṣi vai ||61|| tāny anyadevatādehasamāni icchāvaśāni ca | muktiñca tanmayo bhāvasyaivyaṃ mayā samīritam ||62||

So soll das Feueropfer auf zwölffache Weise mit den genannten Silben vollzogen werden, indem man das durch sie [insgesamt] zu Bezeichnende, die gesamte gegenständliche Wirklichkeit, mit ihnen [den Silben] gleichsetzt. Der aus den drei Lichtern (Agni, Sūrya, Soma) bestehende Wesenskörper ist zugleich auch unser beider (Śakti–Śivas) [wahrer] Leib; andere Leiber, die wir aus [freiem] Willen angenommen haben, [sind ebenfalls möglich], und diese [Willens-Leiber] sind den Körpern anderer Gottheiten gleich [und] dem eigenen Willen unterworfen; und die Erlösung besteht eben im Einssein damit [mit dem dreieinigen Lichtwesen] – dies ist von mir, [Śiva,] die Wesensbestimmung [dieser Lehre] verkündet worden.

Diese Verse fassen das Ziel des zwölffachen feinstofflichen Homa zusammen: die Erkenntnis, dass der aus den drei kosmischen Lichtern bestehende Körper der wahre, gemeinsame „Leib“ von Śiva und Śakti (und letztlich des Übenden) ist, während alle anderen Körperformen (auch Götterkörper) bloße, dem Willen unterworfene Erscheinungsformen sind.

tava kuṇḍalinīṃ devi sphuṭaṃ me parameśvara | tāṃ vadāmi śṛṇu prājñe rahasyaṃ paramādbhutam ||63|| mūlādhārasthavahnyātmatejomadhye vyavasthitā | jīvaśaktiḥ kuṇḍalākhyā prāṇākāreṇa tena sā ||64|| prasuptasuptabhujagākārā virāvattā mahādyutiḥ | māyāśīrṣā nadantī tām uccarantī niśaṃ svage ||65|| suṣumnāmadhyadeśe sā yadā kāyasya tu | pidhāya na śṛṇoty asyā dhvaniṃ tasya tadā matiḥ ||66|| evaṃ sā jīvaśaktis tu yadā kuṇḍalinīsthitiṃ | vihāya ṛjuṃ tāṃ yāti svacchandāhatā satī ||67|| tadā viśvapratītiḥ syāt prāṇinām anyadā punaḥ | niśāndhakāre bhuvanasthitivat svātmanaḥ sthitiḥ ||68||

[Devī fragt:] „Deine Kuṇḍalinī, Göttin – [nein, richtig:] o höchster Herr, [erkläre mir] sie klar; ich will von ihr sprechen [d.h. ich frage nach ihr] – höre, du Kundiger, [dieses] höchst wunderbare Geheimnis! [Śiva antwortet:] Inmitten des im Mūlādhāra befindlichen, feuerhaften Lichtes befindet sich, in Gestalt des Lebensatems (Prāṇa), die Lebenskraft (Jīvaśakti), genannt Kuṇḍalinī (die 'Geringelte'). Von der Gestalt einer schlafenden, zusammengerollten Schlange, laut tönend, von großem Glanz, mit einem Visarga (Ḥ, māyāśīrṣā) als 'Haupt', rauschend, unaufhörlich [ihren eigenen Klang] hervorbringend im [innersten] Himmel [des Körpers] – wenn sie in der Mitte der Suṣumnā [im Innern] des Körpers ist und [jemand] deren Klang nicht vernimmt, weil er [seine Sinne] verschlossen hält, dann [herrscht in ihm] jene [gewöhnliche, verhüllte] Geistesverfassung. Wenn aber jene Lebenskraft ihren [gewöhnlichen] Kuṇḍalinī-Zustand verlässt und sich streckt (aufgerichtet, ṛju wird), von ihrem eigenen freien Willen bewegt, dann entsteht für die Lebewesen [erst] die [wahre] Erkenntnis des Alls (viśva-pratīti); zu anderer Zeit hingegen [bleibt] das eigene Selbst-Sein [den Wesen] verborgen wie das Dasein der Welt in nächtlicher Finsternis.“

Vers 63 ist als kurze, unvollständig überlieferte Zwischenfrage der Devī zu verstehen (Kommentar: „tava kuṇḍalinīṃ devi sphuṭaṃ [pṛcchāmi]“); die genaue grammatische Fügung von „devi“ und „parameśvara“ im selben Halbvers bleibt trotz Kommentarstütze etwas unsicher. V.64-68 beschreiben die Kuṇḍalinī in schlafendem/aufsteigendem Zustand und ihre Rolle für die Welterkenntnis – ein Kernthema der Kuṇḍalinī-Yoga-Tradition, das hier wörtlich und ohne Glättung übersetzt wurde.

evaṃ tāṃ vetti yo dehe deśikādeśadarśitām | sa vetti brahma paramaṃ māṃ tvām api ca sādhakaḥ ||69|| jīvanmuktaḥ sa vijñeyaḥ śuddhātmāsaktamānasaḥ | asya dvaipuṇyapāpañca śokaharṣātibhūmigaḥ ||70|| rāgadveṣavinirmuktas tyaktasatvakriyāphalaḥ | nirupādhikasantuṣṭaḥ svacchando necchayā yutaḥ ||71|| svadeham anyavat paśyan samaś ca stutinindayoḥ | samārimitrakalyāṇaguṇaśīlair dyānvitaḥ ||72|| evaṃ sa kathito jīvanmukto lokeṣu sādhakaḥ | itaraḥ pūjane devyā bhajane ca saṃkīrtane ||73|| kālena siddhibhāgbhūyād itaro duḥkhabhājanam | janmabhir vividhaiḥ kliṣṭaḥ sūkhī vidyādhanodbhavaiḥ ||74||

Wer sie [die Kuṇḍalinī] so kennt, wie sie im Körper vom Lehrer-Unterweisung [her] aufgezeigt wird, der erkennt das höchste Brahman, [nämlich] mich, und auch dich, o [du,] die Übende (Sādhikā, Devī)! Er ist als ein zu-Lebzeiten-Erlöster (Jīvanmukta) zu erkennen: reinen Wesens, mit unverhaftetem Geist; jenseits von Verdienst und Sünde, jenseits von Kummer und Freude, frei von Zuneigung und Abneigung, dem Wirken und dessen Früchten entsagt, ohne äußere Bedingung zufrieden, seinem eigenen [inneren] Willen folgend, nicht [mehr] von [fremdem] Begehren getrieben, der seinen eigenen Körper wie einen fremden betrachtet, gleichmütig gegenüber Lob und Tadel, versehen mit den heilvollen Eigenschaften und dem Wesen dessen, der Feind und Freund gleich [behandelt]. So wird, unter den Menschen, jener Übende „zu-Lebzeiten-Erlöster“ genannt. Ein anderer [dagegen, der dieses Wissen nicht hat, gelangt nur] durch Verehrung der Göttin, durch Hingabe und Lobpreisung [zum Ziel], [und zwar erst] mit der Zeit möge er der Vollendung teilhaftig werden; der andere [aber, der auch dies unterlässt, wird] ein Gefäß des Leides, durch mannigfache Geburten geplagt – [nur] der durch Wissen und Reichtum Entstandene ist [wenigstens weltlich] glücklich.

Verse 69-72 beschreiben klassische Jīvanmukti-Kennzeichen (Merkmale des zu Lebzeiten Erlösten), wie sie ähnlich auch in vedantischer Literatur vorkommen; Vers 73-74 stellt dem den bloß hingebungsvollen, aber unwissenden Verehrer gegenüber, dessen Erlösung sich verzögert.

mudair unmattacittaḥ san adho 'dho yāti yoniṣu | nityāsu bhaktir bhuvane pracīṇe pāpakarmaṇi ||75|| jāyate yad balād loke bhavet prāguktalakṣaṇaḥ | naro bhavanti tāṃ bhaktiṃ prāpya lokeṣu devatāḥ ||76|| surā bhānucandrau budhajīvasitāsitāḥ | anye ca lokapālādyās tadbhaktiprāptasampadaḥ ||77|| bahunā kiṃ paraṃ devi nityābhiḥ sadṛśānaghe | na santi devatā vidyās tasmāt tā eva sarvadā ||78|| bhāvayāmy aham adyāpi trikāle vigrahānvitaḥ | tadaṇḍavyāptacakrasthā grahāś ca taddarśitāḥ ||79|| vidhiviṣṇuśivātmatvaṃ tāsām eva nijecchayā | anyāś ca devatā yā yās tās tās tanmayavigrahāḥ ||80|| pararūpan tu vakṣyāmi homānte mahad adbhutam | yatsiddhiḥ siddharūpāṇāṃ prāguktānāṃ bhavet sadā ||81|| anyeṣāṃ na bhaved bhāvas tathā bhāvo yo mahān | pracīṇe bhaktiḥ syāt tajjñasya [vināśinām] ||82||

Berauscht von [weltlichem] Genuss und geistesverwirrt geht [ein solcher Mensch] von einer [Wieder-]Geburt zur anderen, immer weiter hinab. [Doch] Hingabe (Bhakti) an die Nityās in der Welt entsteht, wenn die üble Tat [aus früheren Leben] geschwunden ist; wer kraft dieser [Hingabe geboren wird], erlangt in der Welt das zuvor genannte [Jīvanmukti-]Merkmal; Menschen werden, nachdem sie diese Hingabe erlangt haben, [selbst] zu Göttern in den Welten, [zu] Göttern (Sura), Sonne und Mond, Merkur, Jupiter, Venus und Saturn, und zu anderen, wie den Weltenhütern (Lokapāla) und dergleichen – [alle diese] haben ihren Reichtum durch eben diese Hingabe erlangt. Was soll ich noch viel [reden], o Göttin? Es gibt, o Makellose, keine den Nityās gleichen Gottheiten [oder] Wissenschaften (Vidyās); deshalb sind eben diese [Nityās] es, die zu jeder Zeit [alles bewirken]. Ich selbst, [Śiva,] verehre [sie] noch heute, versehen mit [meiner] Gestalt, zu den drei [täglichen Gebetszeiten]; die Planeten, die sich innerhalb des die ganze Welteiszelle (Aṇḍa) durchdringenden [Nityā-]Cakra befinden, werden dadurch ebenfalls [als mit den Nityās wesensgleich] aufgezeigt. Die Wesensnatur von Brahmā (Vidhi), Viṣṇu und Śiva gehört eben diesen [Nityās] allein, aus deren eigenem freien Willen; und welche anderen Gottheiten es auch geben mag, sie alle sind Erscheinungsformen, die von ihnen [den Nityās] durchdrungen sind. Die „andere Form" (Para-rūpa, das höchste Feueropfer) aber werde ich am Ende [dieser Lehre vom] Homa verkünden, ein großes Wunder, dessen Vollendung stets nur denen zuteilwird, die, wie zuvor beschrieben, schon vollkommen (siddha) sind. Für andere entsteht dieser Zustand nicht; jener große Zustand [entsteht vielmehr für den], dessen Hingabe, sobald [seine] verderblichen [Taten] vergangen sind, zum Kenner Dessen (tajjña) [wird] [?].

Verse 76-77 sind teilweise unsicher (insbesondere die genaue grammatische Fügung); die Aufzählung der Planetengottheiten (Sonne, Mond, Merkur, Jupiter, Venus, Saturn) in V.77 ist inhaltlich klar erkennbar, auch wenn die Wortstellung im OCR unsicher bleibt. Verse 79-82 sind im OCR ebenfalls stark beschädigt; V.79 nimmt Bezug auf die im 25. Paṭala behandelten Planetengottheiten im Matṛkā-Cakra; V.81 kündigt das am Kapitelende (V.89ff.) gelehrte „pararūpa“-Feueropfer an; V.82 bleibt trotz Kommentarstütze in der genauen syntaktischen Fügung unsicher und ist mit [?] markiert.

nityāvidyāsu bhaktānāṃ lakṣaṇaṃ śṛṇu sundari | [nirāsuryāśayatvaṃ?] santoṣo nityapūrṇatā ||83|| sukhitā tyāgitā jñānaṃ kṛtajñatvam amūḍhatā | akārpaṇyam adīnatvaṃ paracintānirmudrāsaḥ [?] ||84|| dayālutā manasvitvam avirodhitvaṃ manaḥsthitiḥ | lābhahānyoḥ prītiroṣābhāvaḥ kalyāṇaśīlatā ||85|| kalyāṇābhiniveśitvaṃ sadā kalyāṇakīrtanam | akalyāṇakathālāpavaimukhyaṃ svacchayā sthitiḥ ||86|| sarvaiśvaryaṃ bhoktṛtvaṃ naiṣṭhikatvam ajihmatā | sarvānukūlyaṃ saṅgītapriyatvaṃ vāñchitāptayaḥ ||87|| rājayoṣitprabhuprājñavahnamānam amatsaraḥ | sarvottaratvavāñchā ca lakṣaṇānīritāni te ||88||

Höre, du Schöne, das Kennzeichen der Verehrer der Nityā-Vidyās: [ein von dämonischer Gesinnung freies Wesen (?)], Genügsamkeit, [das Gefühl] steter Erfüllung, Glückseligkeit, Entsagungsbereitschaft, [rechtes] Wissen, Dankbarkeit, Unverblendetheit, Freiheit von Geiz, Freiheit von Kleinmut, [innere] Unabhängigkeit von der Sorge um andere [?], Mitgefühl, Seelengröße, Widerspruchslosigkeit, Gleichmut in Gewinn und Verlust, Freude [an allen Wesen] und Abwesenheit von Zorn, heilsame Wesensart, Hingabe an das Heilvolle, stetes Lobpreisen des Heilvollen, Abneigung gegen Gerede über Unheilvolles, ein von nichts Fremdem abhängiges Dasein, vollkommene Souveränität, [innere] Genussfähigkeit, Standhaftigkeit [in der Übung], Aufrichtigkeit, Wohlwollen gegenüber allen [Wesen], Freude an Musik/Klang, Erfüllung [aller] Wünsche, Gleichmut gegenüber der Verehrung durch Könige, Frauen, Herren [und] Weise, Neidlosigkeit, sowie das Verlangen nach [gänzlicher] Vereinigung mit [der Gottheit] – dies sind die genannten Kennzeichen [der Nityā-Verehrer].

Diese Tugendliste (V.83-88) ist im OCR an mehreren Stellen unsicher; besonders das erste Merkmal in V.83 (OCR etwa „āsurikāśayatvam“, wörtlich „dämonische Gesinntheit“ – als Tugend sinnwidrig) wurde, gestützt auf die Kommentarglosse „paramārthaparijñānāt“ (aus der vollen Erkenntnis der höchsten Wahrheit), versuchsweise als „nirāsuryāśayatvam“ (Freisein von dämonischer/egoistischer Gesinnung) gedeutet und mit [?] markiert, da die exakte OCR-Lesung dies nicht sicher stützt. V.84 „paracintānirmudrāsaḥ“ bleibt ebenfalls unsicher.

yadvikalparūpaṃ tu manas tannirvikalpake | nidhānaṃ parahoman tu sthūlasūkṣmañca yanmayam ||89|| uccāvacavikalpānāṃ vastūnām agnidāhataḥ | tanmayatvād aikyarūpaṃ sthūlahomam udīritam ||90|| sūkṣmahomaṃ tathā śabdair nānārūpais tu vācakaiḥ | vācyārthānām aśeṣeṇa vedyavettṛvidātmanā ||91|| sthitiḥ paro bhaved homaḥ sarvabhedavilāpanāt | svātmarūpamahāvahnijvālārūpiṣu sarvadā ||92|| nirindhaneddharūpeṣu paramārthātmani sthire | nivṛttyānavilāpas tu parahomaḥ samīritaḥ ||93||

Was den vielfältig-unterscheidenden [d.h. dualistischen] Geist betrifft, so ist seine Auflösung in das [ihm zugrundeliegende] Unterscheidungslose der höchste Homa (Para-Homa); [dieser] ist es, von dem sowohl der grobe (sthūla) als auch der feinstoffliche (sūkṣma) [Homa] durchdrungen sind. Weil die vielfältigen [Opfer-]Gegenstände (samit, Blumen, Früchte usw.) durch das Verbrennen im Feuer mit ihm [dem Feuer] eins werden, wird dies, [ihre] Einswerdung, als der grobe (sthūla) Homa bezeichnet. Der feinstoffliche (sūkṣma) Homa hingegen [besteht darin, dass man] mit den verschiedengestaltigen bezeichnenden Worten die gesamte Bedeutung des Bezeichneten [ins eigene Wesen] vereint – im Wesen des Erkennbaren, des Erkennenden und des Erkennens. Das [bloße] Verweilen [in diesem Zustand] wird zum höchsten (para) Homa, weil darin jeglicher Unterschied aufgelöst wird – [ein Verweilen] in den Erscheinungsformen der eigenen, wesenseigenen großen Feuerflamme (Mahāvahni), allezeit, in jenen [Flammen-Formen, die] ohne [äußeren] Brennstoff leuchten, im festen, wahrhaften Selbst [ruhend]: dieses Aufgehen ohne [weiteres] Zurückkehren wird als der höchste (para) Homa bezeichnet.

Diese fünf Verse bilden die philosophische Zusammenfassung des Kapitels: die Gleichsetzung von grobem, feinstofflichem und höchstem Feueropfer als drei Stufen zunehmender Auflösung der dualistischen Vorstellung im eigenen, feuerartigen Selbst-Bewusstsein.

teṣu prokteṣu kuṇḍeṣu caturasre samācaret | śubhe homakarma samastaṃ tu śubhātmakam udīritam ||94|| aśubhātmakam anyat tu tryasre saṃsthaṃ samīritam | anyeṣv anyāni kāryāṇi proktāni proktarūpataḥ ||95|| prāgudaṅ śivadig vahnir [nairṛtaṃ] yāmyam eva ca | dakṣiṇāsye 'bhicāraṃ tu kuryād vimukho dviṣām ||96||

Unter den genannten Feuerbecken (Kuṇḍa) soll man im viereckigen [Kuṇḍa] handeln; jegliches heilvolle Feueropfer wird als von heilvoller Natur bezeichnet, [und ist im viereckigen Kuṇḍa auszuführen]. Das andere, von unheilvoller Natur, wird als im dreieckigen [Kuṇḍa] auszuführend bezeichnet; bei den übrigen [Kuṇḍa-Formen sind entsprechend] andere Handlungen vorgeschrieben, wie [an jeweils passender Stelle] verkündet. Osten und Norden [sind] die heilvolle Richtung (Śivadik); [die Richtung des] Feuers (Südosten) und die [Richtung des] Nirṛti (Südwesten), ebenso die des Yama (Süden) [dienen je eigenen Zwecken]; nach Süden gewandt vollziehe man die Unterwerfung/Bezwingung (Abhicāra), [dabei] den Feinden den Rücken zugekehrt.

Die genaue Zuordnung von Himmelsrichtung und Ritualzweck in V.96 ist im OCR unsicher und wurde primär anhand des ausführlichen Kommentars rekonstruiert, der die einzelnen Ausrichtungen (Ost/Nord = heilvoll, Süden = Abhicāra, Feuer-/Nirṛti-Richtung, Vāyu-Richtung = Vertreibung [s. V.97], Westen = übrige grausame Handlungen) im Detail erläutert.

uccāṭanaṃ vāyumukho vidadhyād rākṣasonmukhaḥ | vidadhyāt paścimāsyas tu krūrāṇy anyāni sarvaśaḥ ||97|| svadeśagrāmagehādau tāni karmāṇi taddiśi | vidadhyād upaviśyoktāny anyathānartham āvahet ||98|| kuṇḍādyakaraṇāśaktau sthaṇḍile homam ācaret | gomayaiḥ pariṣṭīrṇe tu susame bhūtale śubhe ||99|| vālukāhastavistārāyāmam āstīrya tatra vai | madhye vidadhyād dhomantu proktam evam aśiṣṭataḥ ||100|| kālatattvamayī vyāptir iti samyak samīritā | asyā niṣkalanāc citte tattvaṃ svātmasāt kṛtam | iti ṣoḍaśanityātantreṣu ślokādimate prapañcasāre vāstudevatācakrādinirūpaṇaparaṃ triṃśaṃ paṭalam (30).

Nach Vāyu (Nordwesten) gewandt vollziehe man das Vertreiben (Uccāṭana); nach der Richtung des Rākṣasa (Nirṛti, Südwesten) gewandt [vollziehe man andere Handlungen]; nach Westen gewandt vollziehe man alle übrigen grausamen Handlungen. Jene Handlungen soll man im eigenen Land, Dorf, Haus und dergleichen, in der [jeweils] genannten Richtung [sitzend] vollziehen, nachdem man sich [entsprechend] niedergesetzt hat; andernfalls bewirkt es Unheil. Ist man außerstande, ein Kuṇḍa u. dgl. anzufertigen, so vollziehe man das Feueropfer auf einem [bloßen] Erdaltar (Sthaṇḍila): auf ebenem, heilvollem Boden, mit Kuhmist bestrichen, nachdem man dort Sand in der Ausdehnung einer Hand-Spanne ausgebreitet hat; in der Mitte [davon] vollziehe man dann das Feueropfer, wie es [zuvor] verkündet wurde, ohne [weitere] Einschränkung. [Schlussformel:] „Dies ist die aus Zeit und Wesenswahrheit (Kāla-tattva) bestehende Durchdringung [des Selbst]“, so ist es recht verkündet; durch deren restloses Erfassen im Bewusstsein wird das [höchste] Prinzip zum eigenen Selbst gemacht. So endet, in den [Lehrwerken über die] sechzehn Nityās, gemäß der als „Ślokādimata“ bekannten [Überlieferung des] Prapañcasāra, das dreißigste Kapitel, das die Darlegung des Vāstu-Devatā-Cakras und dergleichen zum Gegenstand hat.

Vers 100 endet mit einer kurzen, formelhaften Schlusszeile über die 'Zeit-Wesens-Durchdringung' (kāla-tattvamayī vyāptiḥ), die fast wortgleich auch im 29. Paṭala als Kapitelabschluss-Formel erscheint (vgl. dortiges Kolophon) und offenbar eine feste Schlussformel dieses Werkteils ist. Das kurze Wurzeltext-Kolophon wurde hier übersetzt; das anschließende, ausführlichere Kommentar-Kolophon (mit Nennung Subhagānandanāthas und des Werktitels Manoramā) folgt dem für dieses Werk üblichen Muster und wurde nicht gesondert übersetzt, da es keinen inhaltlichen Bezug zum Wurzeltext des Kapitels, sondern nur zur Kommentar-Verfasserschaft hat.

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