Paṭala 13: śivadūtīnityāvidyāvidhānaprakāśanaparaṃ trayodaśaṃ paṭalam
13-tes Kapitel: Die Vidyā und die Riten der Śivadūtī-Nityā (Mantra, Yantras, Puppenzauber, Bann- und Tötungsritual)
Quelle: Tantrarāja-Tantra mit dem Kommentar Manoramā des Subhagānandanātha, Tantrik Texts Vol. 8 (Hrsg. Sadāśiva Miśra, Calcutta 1918), archive.org, OCR. Paṭala 13 behandelt die Vidyā (Mantra) und das rituelle Vorgehen für die achte der sechzehn Nityā-Göttinnen, Śivadūtī (im Kapitel meist 'Dūtī' genannt): Themenübersicht und Sechsglieder-Nyāsa (V.1-6), der Kreis der Begleitmächte (āvaraṇaśakti, V.7-13), Dhyāna (Meditationsbild), Verehrungs-Diagramm der Göttin sowie Ankündigung des Wunscherfüllungs-Opfers (V.14-21), Ergebnisse verschiedener Opfersubstanzen wie Guggulu, Karavīra, Campaka und Madhūka (V.22-30), zehn magische Yantras mit ihren jeweiligen Wirkungen - von Wohlstand über die Unterwerfung von König und Frau bis zur Heilung von Krankheiten (V.31-61), die Vidyā zur 'Einhauchung des Lebensatems' (prāṇapratiṣṭhā) in Puppen und Yantras samt Dhyāna der Prāṇa-Śakti und der zehn Lebenswinde (V.62-78), ein detailliertes Puppenzauber-Ritual zur Herbeiführung der Lebenskraft eines Opfers samt Astrologie (V.79-92), sowie strenge ethische Einschränkungen des Tötungszaubers (abhicāra): Verbot gegen Brahmanen, Fromme, Frauen usw., Erlaubnis nur gegen notorisch Böse, und Sühnerituale (V.93-102). Die OCR dieser Ausgabe ist außergewöhnlich schlecht, besonders in den zahlenlastigen Yantra-Konstruktionsanweisungen und im kodierten 40-silbigen Prāṇapratiṣṭhā-Mantra (V.62-67), das aus Silbenrätseln (bīja-Code) besteht und dessen Kommentar-Auflösung selbst zu stark verderbt ist, um zuverlässig entziffert zu werden; dort sowie an zahlreichen weiteren Stellen wurde mit [?] markiert statt geraten. Versnummern der OCR waren mehrfach fehlerhaft (häufige Verwechslung u.a. der Ziffern 2/3 und 6/7/8/9) und wurden, wo möglich, nach der fortlaufenden Zählung korrigiert (in den notes vermerkt); Versnummer 68 bleibt als dokumentierte Zähllücke unbesetzt, ohne dass Wurzeltext fehlt (siehe Notiz zu Einheit 13.62).
Nun höre, o Weise, die Vorschrift (vidhāna) für die, die als die achte unter den sechzehn Nityās verkündet worden ist – [eine Vorschrift,] die den erstrebten Erfolg gewährt.
Die Herausziehung des Mantras (vidyoddhāra) wurde [bereits nach dem allgemeinen Verfahren] vorgenommen, ebenso der Ablauf des Nyāsa (der rituellen Handauflegung); [ich werde lehren] ihre Kreis der Begleitmächte (āvaraṇaśakti), ihr Meditationsbild (dhyāna) und ihre Verehrung, ihre Anwendung (sādhana) und deren praktische Ausführungen mitsamt Feueropfer (homa), magischen Diagrammen (yantra) und dergleichen, die Vidyā zur Einhauchung des Lebensatems (prāṇapratiṣṭhā) samt deren Vorschrift und Frucht.
Der Reihe nach werde ich das vollständig darlegen, wie gesagt, o Maheśvarī – wodurch [dem Übenden] in der Welt Unterwerfung (nigraha) und Gunsterweisung (anugraha) [zuteilwerden] [?].
Man soll, wie zuvor [bei den früheren Nityās], die Sechsgliederung (ṣaḍaṅga-nyāsa) mit der Vidyā vornehmen, verbunden mit der Gruppe der sechs langen Vokale; mit eben dieser, von den [Vidyā-Silben] eingeschlossen, soll man [sie] auf die fünf [Sinnesorgane], angefangen beim Ohr, legen. Das sechste [Glied] lege man auf den Geist (manas); die alldurchdringende (vyāpaka) [Anwendung] vollziehe man mit der Vidyā. Ihr Dhyāna ist wie zuvor angegeben, ebenso ihre Verehrung entsprechend ihrer Śakti[-schar].
V.3 im OCR versehentlich mit der Nummer von V.2 wiederholt beziffert (Ziffernverwechslung, hier bereits laufend korrigiert, wie in mehreren folgenden Versen dieses Kapitels). V.4: zweite Vershälfte stark verderbt; Sinn nur aus dem Kontext (das Kapitel behandelt später sowohl segnende als auch bannende/tötende Rituale) erschlossen, daher [?]. V.5-6: Kommentar bestätigt, dass mit 'sechs langen Vokalen' (dīrghasvaraṣaṭka) und einer 'einschließenden' (puṭita) Buchstabenanwendung auf die fünf Sinnesorgane sowie mit einer sechsten, 'alldurchdringenden' Anwendung auf den Geist ein Sechsglieder-Nyāsa gemeint ist; die genaue Wortfolge des Wurzeltexts bleibt an mehreren Stellen (z.B. Versanfang V.5) unsicher, der Grundsinn ist aber durch den Kommentar gesichert.
Vidyullatā, Karṣaṇī, Lolā, Nityā, Madanā [und] Mālinī, Vinodā, Kautukā, Puṇyā [und] Purāṇā – [diese zehn Mächte] befinden sich am [Tor und an den Ecken des äußeren] Quadrats.
Vāgīśā, Varadā, Vipravā [?], Vibhavā, Vighnakāriṇī, Vīrā, Vighnaharā [und] Vidyotyaktā – [dies sind] die acht Mächte des [äußeren] Bauwerks (yantra).
Sumukhī, Sundarī, Sārā, Samarā, Sarasvatī, Samayā, Svargā, Siddhā [und] Lakṣā – die Mächte der [nächsten] Umhüllung [?] (die Zählung als 'acht' ist im überlieferten Text unklar, da neun Namen genannt werden [?]).
Ḍākinī und die übrigen, sechs [an der Zahl], alle in den drei [Ecken des inneren Dreiecks], vom vordersten Punkt an im Uhrzeigersinn (pradakṣiṇa) [zu verehren]; sie sind von gleicher Gestalt, Farbe und mit denselben Waffen versehen wie die Grundgottheit (mūladevī).
Śivā [?], die von ferne Vollendung Verleihende [?] [und?] [?] auch die Zweigestaltige [?] [und] Manonmanī [?] soll man an sechs Sitzen (pīṭha) ringsum verehren [Vers stark verderbt, [?]].
Die Mächte des Willens (icchā), des Wissens (jñāna) und des Handelns (kriyā) verehre man in den drei [übrigen] Ecken; in der Mitte verehre man die Göttin [?] – die achte [Nityā], Śivā [d.h. Śivadūtī].
Höre, o Weise, ihr Dhyāna, das lieblich ist [und] die Welt bezaubert [?]; dennoch [will ich], um den Zweifel der Verehrenden [zu beseitigen] [?], aus Mitleid [?] ihre höchste Gestalt [beschreiben].
V.7-10 (zehn + acht + neun/acht + sechs Begleitmächte) sind größtenteils lesbar und durch den – ebenfalls stark beschädigten – Kommentar in ihrer Struktur bestätigt (vier Tor-/Eckpositionen mit zehn Namen, acht Namen am äußeren Bauwerk, eine dritte Gruppe, sowie die sechs bekannten Yoginīs Ḍākinī/Rākinī/Lākinī/Kākinī/Śākinī/Hākinī in den Dreieck-Ecken). Bei V.9 nennt der Text neun statt der erwarteten acht Namen; eine Fußnote der Ausgabe vermerkt für einen Namen die Variante 'saṃśayā', was auf eine Textunsicherheit an dieser Stelle hindeutet, daher [?]. V.11-13 sind sehr stark durch OCR-Fehler entstellt; V.11 nennt offenbar weitere Beinamen/Formen der Göttin (u.a. 'Manonmanī', durch eine Fußnotenvariante der Ausgabe gestützt) an 'sechs Sitzen', doch Satzbau und Einzelbedeutungen bleiben unsicher, daher durchgehend [?]. V.12b nennt ausdrücklich, dass in der Mitte die 'achte [Nityā], Śivā' (also Śivadūtī selbst) verehrt wird. V.13 ist eine Überleitung zur nachfolgenden Dhyāna-Beschreibung (V.14-17); einzelne Wörter (u.a. 'viśvamohanam', 'bhaktasandehāt') sind Vermutungen aus dem Versmaß und Kontext, keine gesicherten Lesungen.
[Man stelle sie sich vor als] von der Farbe zwölf Sonnen zur Mittagszeit der heißen Jahreszeit, mit einer Krone aus neun Juwelen, dreiäugig [?], in rote Gewänder gekleidet [?];
strahlend vom Glanz ihres mit vielerlei Schmuck durchsetzten Körpers, [von Staunen erfüllt(?)] [?], achtarmig, von den Großen (mahat) gepriesen;
Schlinge (pāśa), Schild (kheṭa), Keule (gadā) und Juwelenschale (ratnacaṣaka) in den linken Armen [?], mit den rechten [Armen haltend]: [?], Schwert, Axt und ebenso eine Lotusblüte;
versehen mit [Handgesten,] die das Ersehnte gewähren und Furchtlosigkeit schenken [?] – so soll man, nachdem man [sie] derart meditiert hat, die Göttin Dūtī verehren, die Zerstörerin schlechten Verhaltens (durnīti-nāśinī).
Zwei Kreise zuäußerst zuerst, darin ein sechsblättriger Lotus; sodann ein Sechseck [und] ein Achteck, darin ein achtblättriger Lotus.
Nachdem man im Bhūpura (der äußeren Toranlage) [das Muster] der 'Feuerbewohnerin' [wie bei einer früheren Nityā] gezeichnet und Śivā in dessen Mitte [gesetzt] hat, soll man jene Mächte herbeirufen und verehren, aufgestellt nach der zuvor genannten Vorschrift.
Nach Rezitation [des Mantras] und Verehrung [?] soll man ebenso die Anwendung (sādhana) nach der genannten Methode unermüdlich hunderttausendmal vollziehen.
Höre, o Göttin, die Vorschrift für das Wunscherfüllungs-Opfer (kāmyahoma), das den Entschluss (saṅkalpa) zum Erfolg führt, wodurch man das Gewünschte schnell und mit Gewissheit erlangt.
V.14-17 (Dhyāna der Göttin) sind in der Wortfolge mehrfach unsicher, doch das Grundbild (rötlich leuchtende, achtarmige Göttin mit Krone, Waffen und Lotus) ist klar erkennbar; einzelne Attribute (u.a. das dritte Auge, die genaue Waffe in V.16c) bleiben Vermutungen, mit [?] markiert. Bemerkenswert ist der gesicherte Beiname 'durnītināśinī' (Zerstörerin schlechten Verhaltens/schlechter Politik) am Ende von V.17. V.18 (Kommentarvariante bestätigt 'aṣṭadalāmbuja' statt einer im Haupttext leicht abweichenden Lesung) und V.19 (Bezug auf ein Bhūpura-Muster 'Vahnivāsinī', vermutlich aus einem früheren Kapitel übernommen) sind inhaltlich klarer. V.20 teilweise unleserlich (Verbform nach 'namaskṛtya').
Durch ein Feueropfer [?] mit Guggulu-Rauch sowie, zusammen mit Kokosnuss-Früchten, mit brauner Zuckermasse (guḍa) erlangt man Lakṣmī (Wohlstand).
Ebenso mit in Ghee getränkten Karavīra-Blüten [und] roten Lotusblüten [?], mit doppelt-honigversetzten Campaka-Blüten [erlangt man ebendies] [?].
Durch das Opfern von Madhūka-Blüten erlangt man eine Braut/Tochter (kanyā); durch das Opfern von Punnāga-Blüten Gewänder; durch Ghee erlangt man, was man wünscht.
Mit [Substanzen] von Honigglanz und Ghee [erlangt man] Königsherrschaft, mit Kuhprodukten (gavya) ebenso Rinder; durch mit Ghee vermischte Opfer erlangt der Übende Juwelen.
Nachdem man eine mit Zucker versetzte Puppe aus Reismehl gemacht und ihr hier den Namen [des Opfers] vorangestellt hat, koche man sie nachts in Öl und Ghee.
Fastend bei Tag und Nacht, nachdem man die Vidyā rezitiert hat, verzehre man sie; durch die Anwendung über sieben Nächte [unterwirft sich] ein Mann eine Frau oder [eine Frau einen Mann].
[Der/die Betreffende] kommt wie ein Diener unter Kontrolle [und] übergibt Vermögen, Lebenskraft und dergleichen; ebenso soll man Karavīra-Blüten [?], mit Säften benetzt, ins Feuer opfern.
Durch die Anwendung von 21 Nächten erlangt der Mann die Geliebte; durch ein Opfer von Ziegenfleisch mit doppeltem Honig erlangt man den Himmel (svarga).
Durch [ein Opfer] mit roten [Substanzen] [?] erlangt man mittels des Kreisdiagramms fruchtbares, getreidereiches Land; durch Lotuspflanzen mit Wasserfasern erlangt man Lakṣmī mitsamt [Reichtümern] [?].
V.22-30 zählen zehn Verse mit Opfersubstanzen (Guggulu, Karavīra/rote Lotusblüte, Campaka, Madhūka, Punnāga, Ghee, Kuhprodukte, ein Reismehl-Püppchen-Ritual, rote Substanzen, Lotus) und ihren jeweiligen Früchten (Wohlstand, Braut, Gewänder, Königsherrschaft, Rinder, Juwelen, Unterwerfung eines Menschen, Himmel, fruchtbares Land); der Kommentar bestätigt diese Grundstruktur ausdrücklich als 'dravyaviśeṣahomāt phalaviśeṣaprāptiḥ'. Die Einzelidentifikation mancher Substanzen und Wortformen ist wegen extremer OCR-Verderbnis unsicher (u.a. V.22a, V.23, V.28 'hayāripuṣpa' als vermutete Bezeichnung für Karavīra, V.30), daher mehrfach [?]. Verse 26-29 (Reismehlpuppen-Ritual zur Unterwerfung eines Menschen) sind inhaltlich klarer erkennbar.
Nun will ich dir die magischen Diagramme (yantra) nennen, die vielerlei Ersehntes gewähren; höre mit gesammeltem Sinn ihre Vorschriften, o Śivā.
In den Silben der Dūtī-Nityā[-Vidyā] gibt es zehn beständige [Kernlaute] [?]; mit diesen, verbunden mit den sechzehn Vokalen, ergibt sich die Zahl Hundertsechzig [?].
Man zeichne zwei Quadrate, darin ein Kreispaar, darin ein Achteck, und darin wiederum ein Kreispaar.
Dort in der Mitte schreibe man [das Mantra] umschlossen vom Namen [des Ziels] und dem Vidyā[-Anfang] [?]; in den Zwischenräumen der [beiden] Kreise [und] außen in den acht Ecken
schreibe man dort, zwischen den beiden äußeren Kreisen, die dem Ritualzweck entsprechenden Elementen-Silben (bhūtākṣara), und in der Mitte der zehn Toranlagen (bhūpura) [?].
Dort schreibe man das Alphabet (mātṛkā), der Reihe nach zu je zwölf, in den vier Ecken [?], und verteile den Rest bei der weiteren Beschriftung.
Nachdem man [die Silben] mit den Vokalen und dem Bindu (Anusvāra) verbunden hat, trage man [alles] zuletzt mit Augensalbe/Schwärze (añjana) auf [?]; so entstehen die zehn Yantras, [welche] Sitze der Vollendung (siddhi) [sind].
V.31-37 (sieben Verse, laut Kommentar ausdrücklich 'saptabhiḥ ślokair daśa yantrāṇi upadiśati') beschreiben die allgemeine Konstruktionsmethode der zehn im Folgenden benannten Yantras: zwei Quadrate, Kreispaare, Achteck, Lotusblätter, Beschriftung mit Bīja-Silben, Elementenlauten und dem Alphabet (mātṛkā), abgeschlossen durch Auftragen mit añjana. Zahlreiche technische Einzelheiten (V.32 der Zahlenwert 160, V.34-36 genaue Anordnung der Beschriftung) sind wegen der extrem schlechten OCR (gerade bei Ziffern) nur ungefähr erschließbar, daher mehrfach [?].
Das erste [Yantra], mit rotem Ocker (gairika) gemacht, [darin] Śivā herbeigerufen, verehre man am siebten [Tag der Mondphase] an den drei täglichen Zeitpunkten (Sandhyā), zusammen mit weißen Kuchen (sitāpūpa) [als Opfergabe].
Nachdem man [dies] gemacht hat, biete man Milch[-Reis] am Morgen, am Mittag ebenso Dickmilch-Reis, am Abend Milch/Reisbrei sowie Bananenfrucht dar.
So – oder auch, nachdem man [statt des Yantras] ein Kreisdiagramm (maṇḍala) gemacht hat – erlangt man mit gesammeltem Sinn durch die Verehrung das Gewünschte durch die Gnade der Göttin, mit geringer Mühe.
Das zweite, mit Kurkuma (haridrā) gemacht [?], nachdem man dort [die Göttin] an jenem Tag herbeigerufen hat, biete man wohlgekochtes Ziegenfleisch [und] Opferreis (caru) dar.
Dadurch gewinnt man mühelos einen König sich gewogen und unter Kontrolle; ebenso unterwerfe man eine liebe Frau für die Dauer ihres Lebens.
Das dritte, ebenfalls mit Zinnober (sindūra) hergestellt, nachdem man sie dort herbeigerufen hat, unterwirft man – durch entsprechend viele Tage hindurch verehrend – feindliche Widersacher.
Das vierte, mit Safran (kuṅkuma) gemacht, verehre man in dessen Mitte; binnen einer Woche weichen durch ihre Gnade alle Nöte.
Das fünfte, mit Sandelholz(-paste) gemacht, verehre man Śivā in dessen Mitte, [mit] bloßem Milchreis, Banane [und] mit Ghee versetztem Zucker.
Wer dies an den drei Sandhyās darbringt, wird binnen eines Monats alle Krankheiten überwinden [und] fortan glücklich, lange, mit unerschöpflichem Leben und ohne Gebrechen leben.
V.38-46: fünf der zehn Yantras (rot-Ocker, Kurkuma, Zinnober, Safran, Sandelholz) mit ihren Wirkungen (Wunscherfüllung, Unterwerfung von König/Frau, Beseitigung von Feinden, Abwenden von Nöten, Heilung von Krankheiten und langes Leben); Text und Sinn sind hier vergleichsweise gut rekonstruierbar. V.41 'haridrayā' (Kurkuma) ist eine Vermutung anstelle einer stark entstellten OCR-Form.
abhiṣiñcec ca tatraiva kumbhaṃ saṃsthāpya toyajam(?) | kṛtvā tasmai dakṣiṇāṃ ca dadyād dravyaṃ svaśaktitaḥ ||47||
prāṇapradātre tasmai tu dadyāt sarvasvam eva vā | yenāsau toṣam āyāti tāvad vittaṃ samarpayet ||48||
ṣaṣṭhaṃ karpūrasaṃyuktaṃ paṭe likhet tataḥ | mārge vā śilāpaṭṭe paṭe vā saudhatale(?) ||49||
annājyaṃ pāyasāpūpavyañjanāni nivedayet | pūjayet trisandhyāsu japan vidyāṃ tathā vibho(?) ||50||
trisaptarātramātreṇa jvarādyābhicārajāt | mucyante prāṇino 'cintyāt śakyo mantrayantrayoḥ(?) ||51||
saptamaṃ tāmrapaṭṭe tu kṛtvāvāhyābhipūjya vā | sthāpayen mandire tasmin kṣemaṃ rāṣṭre [?] ||52||
aṣṭamaṃ rajate kṛtvā vidyāt sarvasampadam | navamaṃ hemagaṃ kṛtvā bhūṣādau dhārayec chive ||53||
daśame sarvakāryāṇi sādhayed arcayan śivām | yad yad dhi vāñchitaṃ kāryaṃ tat tad yantragataṃ tathā ||54||
kṛtvā tāṃ pūjayet tatra tat kāryaṃ hṛdaye smaran | taddinais tad avāpnoti nātra kāryā vicāraṇā ||55||
Und man soll dort die Weihung (abhiṣeka) vollziehen, indem man einen [mit Wasser gefüllten] Topf aufstellt; und man gebe dem [Priester] dafür ein Honorar (dakṣiṇā), Material entsprechend den eigenen Mitteln.
Dem, der [einem] das Leben schenkt [d.h. dem Offizianten], soll man geradezu sein ganzes Hab und Gut geben; so viel Reichtum überreiche man, wie ihn zufriedenstellt.
Das sechste, mit Kampfer versetzt, schreibe man auf ein Tuch; oder auf eine Steinplatte am Wegesrand, auf eine Platte, oder auf den Boden eines Palastes.
Speise und Ghee, Milchreis, Kuchen und Beilagen bringe man dar; man verehre [die Göttin] an den drei Sandhyās, dabei die Vidyā rezitierend, o Mächtiger [?].
Binnen bloß 21 Nächten werden Lebewesen von Fieber und anderem, das aus Bannzauber (abhicāra) entstanden ist, befreit – [dies ist] die unfassbare Macht von Mantra und Yantra [?].
Das siebte, auf einer Kupferplatte gemacht, nachdem man [die Göttin] herbeigerufen und verehrt hat, stelle man im Haus/Tempel auf; [dadurch entsteht] Wohlergehen [und] im Reich feste Sicherheit [?].
Das achte, in Silber gemacht, gewähre – man wisse es – jeglichen Wohlstand; das neunte, in Gold gemacht, trage man, o Śivā, als Schmuckstück u.ä.
Mit dem zehnten vollbringt man, Śivā verehrend, alle Aufgaben; was immer für eine Aufgabe erwünscht ist, die stelle man sich ebenso im Yantra gegenwärtig vor.
Nachdem man es angefertigt hat, verehre man es dort, die betreffende Aufgabe im Herzen bedenkend; binnen entsprechend vieler Tage erlangt man dies – hieran ist kein Zweifel zu hegen.
V.47-55: die Yantras sechs bis zehn (Kampfer-Schrift, Kupfer, Silber, Gold, ein Allzweck-Yantra) mit Weihungs- und Priesterlohn-Hinweisen (V.47-48), Heilung von fieberhaften Bannzauber-Folgen (V.51) und allgemeiner Wunscherfüllung (V.54-55). Der Grundsinn ist gut erschließbar; einzelne Wörter (u.a. V.49 'saudhatale', V.50 Anrede 'vibho', V.52 Versende) bleiben wegen OCR-Schäden unsicher.
etāny eva tāni yantrāṇi bhūrje kṛtvābhipūjya ca | sikthanirmitam(?) [rūpaṃ] tanmadhye niveśya tat ||56||
[?] arcayet tatra gandhapuṣpaiḥ samāhitaḥ | sādhyasyābhimukho vidyāṃ japec citram anusmaran(?) ||57||
pāṇinā kaṇṭham āvadhya(?) yāvat taṃ nijajapād [?] | nyastāñjalikaraṃ [paśyed](?) dāso 'ham iti vādinam ||58||
trisaptarātrād [?] syān naraṃ nārīm athavā(?) | tad eva kroḍaṃ(?) kṛtvā ca sandhyāsu triṣu nityaśaḥ ||59||
kāmārtā vanitāḥ kāmajvaratāpaprasādataḥ(?) śanaiḥ | kulaṃ lajjāṃ vivekaṃ ca parityajyāsya kiṅkarāḥ ||60||
bhaveyur iti yantrāṇāṃ prayogās te samīritāḥ | prāṇapratiṣṭhāvidyāṃ te vakṣye 'haṃ [priye] pārvati ||61||
Nachdem man diese selben Yantras auf Birkenrinde (bhūrja) gezeichnet und verehrt hat, lege man ein aus Wachs geformtes [Bildnis] [?] in deren Mitte.
[Nachdem man es dargebracht hat] [?], verehre man es dort mit Duftstoffen und Blumen, gesammelten Sinnes; dem Ziel (sādhya) zugewandt rezitiere man die Vidyā, [es] lebhaft/deutlich vor Augen habend [?].
Mit der Hand den Hals [des Bildnisses] umfassend [?], bis [man] es durch die eigene Rezitation [belebt] [?], sehe man [es] mit gefalteten Händen, 'Ich bin dein Diener' sprechend.
Nach 21 Nächten [?] werde ein Mann oder eine Frau [unterworfen]; ebendieses [Bildnis] halte man [an sich/warm](?) stets an den drei Sandhyās.
Von Verlangen gequälte Frauen werden, allmählich vom Fieber der Leidenschaft ergriffen [?], Sippe, Scham und Urteilsvermögen aufgebend, zu seinen Dienerinnen.
'So sollen sie werden' – dies sind die dir genannten Anwendungen der Yantras. Nun will ich dir, [Liebe] [?], Pārvatī, die Vidyā der Einhauchung des Lebensatems (prāṇapratiṣṭhā) verkünden.
V.56-61 beschreiben ein abschließendes Weihe- und Bindungsritual mit einem Wachsbildnis (siktha = Bienenwachs, durch Kommentarglosse 'sikthaṃ - madhucchiṣṭam' gestützt), das im Yantra plaziert, verehrt und mit dem Ziel identifiziert wird, um dessen Unterwerfung (vaśīkaraṇa) zu bewirken. Der Text ist hier besonders stark verderbt (u.a. V.57-59 Verbformen und Einzelheiten der Handlung); Grundsinn (Bannung eines Mannes oder einer Frau durch Rezitation und Ritual über 21 Nächte) ist aus Kommentarhinweisen und Parallelstellen erschlossen, viele Einzelheiten bleiben mit [?] markiert. V.61 leitet zum nächsten Abschnitt (Prāṇapratiṣṭhā-Vidyā) über und redet die Göttin ausdrücklich als Pārvatī an.
[Sechs Verse (62-67) legen in rätselhafter Silben-Code-Form (bīja-nirdeśa) eine vierzigsilbige Mantra-Vidyā zur 'Einhauchung des Lebensatems' (prāṇapratiṣṭhā) dar: Wörter wie 'vātaḥ' (Wind), 'agniḥ' (Feuer), 'haṃsaḥ', 'vyoma' (Äther) u.ä. stehen dabei jeweils verschlüsselt für einzelne Mantra-Silben, wie der (leider ebenfalls stark verderbte) Kommentar an mehreren Stellen ausdrücklich erläutert (z.B. 'vātaḥ = a-kāraḥ', 'agniḥ = ī-kāraḥ', 'haṃsaḥ = haḥ'). Da sowohl der Wurzeltext als auch seine Kommentar-Auflösung an dieser Stelle so stark durch OCR-Fehler entstellt sind, dass eine verlässliche, durchgehende Entzifferung der vierzig Mantra-Silben nicht möglich ist, wird hier auf eine geratene Rekonstruktion verzichtet; die sechs Verse sind daher als unlesbar [?] markiert, statt einen falschen Mantratext zu erfinden.]
Mit den sieben [oben genannten] Silben soll man je zwei zusammen die Sechsgliederung (ṣaḍaṅga-Nyāsa) vollziehen; ebendiese lege man auch auf Haut usw. [d.h. die sieben Körpergewebe], eingeschlossen von der Śakti[-Silbe] (śaktipuṭa).
V.62-67 (laut Kommentar sechs Verse, 'ṣaḍbhiḥ ślokaiś catvāriṃśadakṣarāṃ prāṇapratiṣṭhāvidyām upadiśati') bilden ein rätselhaftes Silben-Kryptogramm für ein 40-silbiges Mantra; angesichts der Schwere der OCR-Schäden in Wurzeltext UND Kommentar wird hier bewusst nicht geraten (siehe ausführliche Erklärung im de-Feld). Die OCR-Ziffern in diesem Abschnitt sind besonders unzuverlässig (u.a. zwei aufeinanderfolgende Verse mit den Rohziffern '67' und '68', obwohl dazwischen im laufenden Text nur ein einziger Vers steht); die Zählung 62-67 folgt der ausdrücklichen Kommentarangabe 'sechs Verse'. Dadurch bleibt Nummer 68 in der fortlaufenden Zählung diese Kapitels unbesetzt (dokumentierte Zähllücke, keine fehlende Übersetzung: der gesamte Wurzeltext von der Ankündigung in V.61 bis zur Sechsgliederung in V.69 ist vollständig erfasst). V.69 (Sechsgliederung mit den sieben Silben aus dem vorigen Kryptogramm, angewandt auch auf die sieben Körpergewebe) ist wieder klarer lesbar; die im Kommentar benannte Formel (je zwei Buchstaben pro Glied: Herz, Kopf, Schopf, Panzer, Auge, Waffe) folgt dem bei früheren Nityās üblichen Muster.
Man meditiere die Lebenskraft-Macht (prāṇaśakti) [als] rötlich, in rote Gewänder gekleidet, mit rot geschmücktem Diadem, mit Lippen rot wie ein junger Trieb (pallava);
mit langgezogenen roten Augen, [?], mit lieblich lächelndem Antlitz, in [einem Händepaar] ein Blütenbündel haltend;
ringsum von zehn ihr gleichen Mächten umgeben, [jede] mit unendlicher Macht ausgestattet – man verehre [sie] in der Mitte des Lotus.
[Ihre zehn Begleitmächte sind:] Prāṇa, Apāna, Samāna, Vyāna und Udāna, sowie Nāga, Kūrma, Kṛkara, Devadatta und Dhanañjaya.
Man zeichne zwei Quadrate, darin ein Kreispaar, darin einen achtblättrigen [Lotus] [?], darin wiederum ein Kreispaar.
Nachdem man [dies] gemacht und [die zehn Mächte] in der Mitte herbeigerufen hat, verehre man sie mit gefalteten Händen; dort rezitiere man, der Anwendung ergeben, [das Mantra], und opfere ebenso ein Zehntel davon im Feuer.
Mit Sesam, Zucker und Senfkörnern, sowie mit Weißem, mit Süßem versetzt, befriedige man [sie]; nachdem man [das Opfer] wohlriechend u.ä. gemacht hat, vollziehe man [die Anwendung] erfolgreich.
In diese Puppen (puttalikā) und Yantras, die in diesem Tantra überall genannt worden sind, soll man mittels dieser Vidyā ordnungsgemäß den Lebensatem (prāṇa) einfügen.
Höre, o Weise, ihr [dieser Vidyā] Yantra, das sogleich Wirkung erzeugt (pratyayakāraka), wodurch eine Puppe, durch die Kraft des Geistes, mit dem Fließen des Lebens (jīva) versehen wird.
V.70-78: Dhyāna der 'Prāṇaśakti' (rötlich, achtarmig wie zuvor, hier mit Blütenbündel), Aufzählung ihrer zehn Begleitmächte als die zehn Lebenswinde (Prāṇa, Apāna, Samāna, Vyāna, Udāna, Nāga, Kūrma, Kṛkara, Devadatta, Dhanañjaya – eine feste, aus der allgemeinen Yoga-/Tantra-Lehre bekannte Zehnergruppe, hier zur Bestätigung einzelner OCR-Lesungen herangezogen), Konstruktion eines eigenen Verehrungs-Diagramms, Opfersubstanzen sowie die Anwendung dieser Prāṇapratiṣṭhā-Vidyā zur Belebung der zuvor beschriebenen Puppen und Yantras. V.71 zweite Vershälfte teilweise unleserlich.
[Man ziehe(?)] mit einer Schnur acht [Linien]; [so entstehen] neunundvierzig Felder (koṣṭha) – die darin entstandenen [Namen o.ä.] lege man in sie hinein.
Beginnend im Nordosten und ringsum nach innen fortschreitend, schreibe man das Übrige in die mittleren neun [Felder], der Reihe nach von den Körperteilen ausgehend [?].
Dann, nachdem der Übende in die beiden verbleibenden [Felder] den Namen des Ziels (sādhya) geschrieben hat, berühre er, nach Rezitation der Vidyā, [es] mit warmer(?) Hand hundertmal.
Damit soll man die Puppe (puttalikā) anfertigen; ohne dies gelingt es nicht. Höre das wunderbare [Verfahren], das Herbeiholen des Lebens (jīva) usw. des Ziels, das ich dir verkünden will.
Wie [im fünfzehnten Kapitel(?)] beschrieben verfahrend, [ziehe man] aus dem Innern jenes [Ziel-]Körpers die Erkenntnis- und Handlungssinne, ihre Objekte, sowie ebenso den Geist (manas) und die Lebenskraft (jīva) [heraus].
Von dort, vom Körper des Zielobjekts, ebenso mittels der Namen auf der Puppe, durch einen von roten Strahlen/Fäden gebildeten Kraftstrom [?], hole man jene [Vermögen] herbei [durch mentale Kraft].
An den Enden der Silben der Vidyā füge man die Namen des Ziels ein; die so verbundene Vidyā rezitiere man tausendmal(?), [die Puppe dabei] berührend.
Mit 'lebendiger Hand' [?] [richte] der Übende jene Absicht in der Mitte der Nacht [auf die Puppe]; so, mit derart eingesetztem Lebensatem, regt sich die Puppe – erstaunlicherweise.
V.79-86: Konstruktion eines Puppenbildnisses mit 49 Feldern (Koṣṭha) zur Beschriftung mit Namen, gefolgt von einem Ritual zum 'Herbeiholen' der Lebenskraft, Sinnesvermögen und des Geistes des anvisierten Opfers (sādhya) in die Puppe. V.79-80 (Feldkonstruktion) und V.83-84 (Übertragung der Vermögen 'durch rote Strahlen') sind stark verderbt und nur im Umriss erschließbar. V.83 bezieht sich laut Kommentar auf ein bereits früher im Werk gelehrtes Verfahren (die genaue Kapitelangabe ist im Kommentar selbst unleserlich).
sādhyasya janmanakṣatrāṇy ākarṇaya vadāmi te | tajjanmalagnasañjātanavāṃśas tatpradhānakam ||87||
anyāni ca navarkṣāṇi(?) navagrahasamanvayāt | teṣu teṣu prayogeṣu vakṣyāmy apare homake ||88||
ripor nakhaṃ ca keśaṃ ca caragotraṃ(?) rajas tathā | anyāni cāṅgaromāṇi puttalyāṃ yojayan matimān(?) ||89||
vargādiṣu ca sarvatra puttalyāṃ proktayā tayā | evaṃ sarvaṃ samākhyātaṃ prāṇākarṣaṇakarma te ||90||
anayā vidyayā kṛtvā prāṇākarṣaṇam uktayā | tato niviṣṭaputtalyāṃ tatas tad idam ācaret ||91||
sarvatra māraṇe proktā sādhyagrahasaṃsthitiḥ(?) | uktānāṃ tu navarkṣāṇāṃ(?) tathaivāṣṭakavargakam ||92||
daśāsthitiṃ ca sanvīkṣya kuryān māraṇam ātmavān | anavekṣya kṛtaṃ karma svātmānaṃ hanti tadgataḥ(?) ||93||
brāhmaṇaṃ dhārmikaṃ bhūpaṃ vanitām āstikaṃ naram | vadānyaṃ sadayaṃ nityam abhicāraṃ na yojayet ||94||
Höre, ich nenne dir die Geburtsgestirne (janma-nakṣatra) des Ziels; der aus seinem Geburts-Aszendenten (janma-lagna) hervorgegangene Neuntel-Teilwert (navāṃśa) ist dabei das Maßgebliche.
Auch die übrigen Gestirngruppen [?], in Verbindung mit den neun Planeten – ihre jeweiligen Anwendungen werde ich in einem späteren [Abschnitt über das] Feueropfer nennen.
Den Nagel und das Haar des Feindes, sein [wanderndes(?)] Geschlechtsmerkmal und ebenso [Körper-]Staub, sowie andere Körperhaare füge der Kluge in die Puppe ein.
Ebenso in allen [Buchstaben-]Gruppen und überall [sonst, verfahre man] mit der Puppe wie beschrieben. So ist dir das gesamte Ritual des Herbeiziehens der Lebenskraft (prāṇākarṣaṇa) erklärt worden.
Nachdem man mit dieser genannten Vidyā das Herbeiziehen der Lebenskraft vollzogen hat, verfahre man sodann mit der [nun] besetzten Puppe wie folgt.
Bei jedem Tötungsritual (māraṇa) ist die Stellung des dem Ziel [zugeordneten] Planeten zu beachten, ebenso wie die genannte Aṣṭakavarga-Methode der neun Gestirngruppen [?].
Nachdem er die [planetare] Zeitenfolge (daśā) geprüft hat, vollziehe der Selbstbeherrschte das Tötungsritual; eine ohne solche Prüfung vollzogene Handlung vernichtet den, der sie ausführt, selbst.
Gegen einen Brahmanen, einen Rechtschaffenen, einen Herrscher, eine Frau, einen gläubigen Menschen, einen Freigebigen [oder] einen Mitfühlenden wende man niemals Bannzauber (abhicāra) an.
V.87-94: astrologische Voraussetzungen (Geburtsgestirn, Navāṃśa, Planetenbezug, Aṣṭakavarga-Methode, Daśā-Prüfung) für das Tötungsritual (māraṇa), Fortsetzung des Puppenrituals mit Körperresten des Feindes (Nagel, Haar u.a.), sowie die ausdrückliche ethische Einschränkung, dass Bannzauber niemals gegen Brahmanen, Fromme, Herrscher, Frauen oder gütige Menschen gerichtet werden darf. Astrologische Fachbegriffe (navāṃśa, aṣṭakavarga, daśā) sind sicher identifiziert, doch die genaue Wortfolge bleibt an mehreren Stellen (V.88, V.89, V.92) unsicher.
Wendet man ihn dennoch aus Feindschaft an, so vernichtet die daraus entstehende Verfehlung [den Ausführenden] selbst. Höre, ich nenne dir [nun] die [rechtmäßigen] Objekte des Bannzaubers (abhicāra).
Die höchst Sündigen, Ungläubigen, Diebe, Schmäher von Göttern und Brahmanen, Mörder des Volkes, [und] die beständig in jeglicher grausamer Tat Verharrenden;
[ferner] den Räuber fremden Eigentums, den Zerstörer von Familien [?], den Schmäher heiliger Verträge sowie den Verleumder [und] den Königsmörder;
wer durch Gift, Feuer oder Waffe [Menschen] verfolgt, wer Lebewesen ständig Gewalt antut – gegen einen solchen darf man das lebensraubende Ritual richten, ohne dabei selbst mit Sünde belastet zu sein.
Nachdem man das Tötungsritual rasch vollzogen hat, sei man danach, von eigenem Vermögen [Gaben spendend] [?], gelobt; man verehre mit den Füßen [d.h. durch Niederwerfung] den Guru [und] die Brahmanen, oder [übe] selbst die tägliche [Sühnehandlung].
Danach, nach erneuter Weihung, rezitiere man die Vidyā hunderttausendmal, sich nur von geweihter Opferspeise (havis) ernährend; auf bis zu drei Jahre(?) hinaus vollziehe man jährlich die [erneute] Weihung.
Durch das sogleich [vollzogene] Sühneopfer (sadyohoma) wird er von jenen Sünden befreit. Dies ist dir die gesamte Vorschrift (vidhāna) der Dūtī-Nityā verkündet worden.
So ist zu Recht verkündet worden, dass [ihre] Durchdringung im Wesen jedes [ihrer] Aspekte/Schritte (pāda) besteht [d.h. sie durchdringt alles, Schritt für Schritt]; wenn man sie ungeteilt im Herzen [erfasst hat], wird all das [die ganze Welt] zum eigenen Selbst gemacht.
So [endet] in den Ṣoḍaśanityā-Tantras, in der [Rezension] Kādimata, das dreizehnte Kapitel.
V.95-102: Warnung vor dem Rückschlag unrechtmäßig angewandten Bannzaubers, Liste der rechtmäßigen Ziele (notorisch Böse, Gottes-/Brahmanenschmäher, Mörder, Diebe, Verräter, Königsmörder, Gewalttäter), Sühneriten nach vollzogenem Tötungsritual (Spende, Verehrung von Guru und Brahmanen, erneute Weihung und Rezitation), sowie ein abschließender philosophischer Vers über die alldurchdringende Natur der Göttin. Mehrere Einzelheiten (V.97 erste Vershälfte, V.99, V.100 Zeitangabe) bleiben wegen starker OCR-Schäden unsicher. Der kurze Wurzeltext-Kolophon ('trayodaśaṃ paṭalam') folgt unmittelbar; ein zweiter, ausführlicherer Kommentar-Kolophon (mit Nennung des Kommentators Subhagānandanātha und des Werktitels) folgt im Original noch danach, wird hier aber gemäß Vorgabe nicht mitübersetzt.