Paṭala 34: ṣoḍaśanityānāṃ vidyākautukaprakāśanaparaṃ catustriṃśaṃ paṭalam
34-tes Kapitel: Wunderwirkende Zusatz-Vidyās der sechzehn Nityās (Siddhasārasvata, Mṛtyuñjaya, Tripuṭā, Gāruḍa-Mantra, Aśvārūḍhā, Annapūrṇā, Navātman/Navātmikā, Devīhṛdaya, Gaurī, Lakṣasuvarṇapradā, Niṣkatrayapradā, Iṣṭadāyinī, Mātaṅginī, die drei Lakṣmī-Vidyās, Siddhalakṣmī, die Gopāla-Formen und Arzneien)
Quelle: Tantrarāja-tantra mit dem Kommentar Manoramā des Subhagānandanātha, Band II (Paṭala XIX-XXXVI), hrsg. Sadāśiva Miśra, Tantrik Texts, Calcutta: Agamanusandhana Samiti 1926 (archive.org, OCR). Gelesener Zeichenbereich in window.TT2: 749281-781465 (Kapitelanfang 'catustriṃśapaṭalam' bei 749281 verifiziert; Kapitelende/Kolophon vor Beginn von Paṭala 35 'pañcastriṃśapaṭalam' bei 781466 verifiziert). Die vom Orchestrator geschätzte Endgrenze (749292) war falsch bzw. bezog sich versehentlich auf eine Stelle unmittelbar nach dem tatsächlichen Kapitelanfang; das tatsächliche Kapitel 34 ist mit ca. 32000 Zeichen deutlich länger als geschätzt und enthält alle 100 Verse plus zwei Kolophone. — Inhalt: Nach einer knappen Inhaltsübersicht (V.1-4) folgt eine dichte Aneinanderreihung kurzer 'Wunder-Vidyās' mit jeweils Bīja-Konstruktion (Buchstabieranleitung der Mantra-Silben durch den Kommentar), knapper Dhyāna-Beschreibung und Wirkungsangabe: Siddhasārasvata (Redegewandtheit/Weissagung durch ein Medium, V.5-10), die eingeschobene Mṛtyuñjaya-Vidyā (V.11-14), Tripuṭā (V.15-20), das 23-silbige Gāruḍa-Mantra gegen Schlangengift und Besessenheit (V.21-26), die 10-silbige Aśvārūḍhā-Vidyā zur Bezwingung (vaśīkaraṇa, V.27-34), die 17-silbige Annapūrṇā-Vidyā (V.35-41) sowie die daraus abgeleiteten neunsilbigen Navātman- und Navātmikā-Mantras (V.41-42), die viersilbige Devīhṛdaya-Vidyā (V.43-47), die zwölfsilbige Gaurī-Vidyā (V.48-52), die fünfzehnsilbige 'Lakṣasuvarṇapradā' (Gold-und-Reichtum-Vidyā, V.53-55) und die zwölfsilbige Niṣkatrayapradā (V.56-57), eine unbenannte, vermutlich der einleitend genannten Iṣṭadāyinī entsprechende achtsilbige Wunsch-Vidyā (V.58-59), die zwölfsilbige Mātaṅgī/Mātaṅgeśvarī-Vidyā mit ausführlichem Dhyāna (V.60-66), die aus ihr abgeleitete sechzehnsilbige Rājyalakṣmī-Vidyā (V.67-68), die siebenundzwanzigsilbige Mahālakṣmī-Vidyā (V.69-72), die siebzehnsilbige Siddhalakṣmī-Vidyā mit einem außergewöhnlich exzessiven Dhyāna (hundert Köpfe, zweihundert Arme, V.73-83), sowie abschließend die sechs bzw. sieben Gopāla-Mantras (aus dem Kṛṣṇa-Gopāla-Mythos der sechzehn Gopī-Gestalten abgeleitet, V.84-92) mit Verehrungsordnung, Dhyāna und einer Reihe von Arznei-/Räucherrezepturen für Gottesschau und zur Schlangengift-Abwehr (V.93-99); Schlusserklärung der Alldurchdringung durch Sadāśiva (V.100). — Die OCR dieser Ausgabe ist, wie im gesamten Band, sehr schlecht; besonders betroffen sind die zahlreichen Bīja-Buchstabier-Passagen des Kommentars (Silbe-für-Silbe-Zerlegung der Mantras in Vokal/Konsonant/Bindu), die im Rohtext fast durchgehend bis zur Unkenntlichkeit korrumpiert sind. Nur wenige Bīja-Rekonstruktionen sind hinreichend sicher (etwa das dreisilbige 'hāṃ hīṃ hūṃ' im Gāruḍa-Mantra, ausdrücklich vom Kommentar genannt); die übrigen Mantra-Silben sind überwiegend mit [bīja: ?] bzw. [?] gekennzeichnet, um Raten zu vermeiden. Zusätzlich enthält die Druckausgabe selbst eine Fußnote am Kapitelende: 'asmin paṭale saptaviṃśaślokāt paraṃ ekaḥ ślokaḥ patitaḥ' ('in diesem Kapitel ist nach dem 27. Vers ein Vers ausgefallen/verloren') — die Verszählung selbst bleibt in der Druckausgabe dennoch fortlaufend (27→28) und wurde hier entsprechend übernommen; auf die inhaltliche Lücke wird in Vers 27/28 hingewiesen. Mehrere Versziffern waren im OCR ziffernverdreht oder unleserlich (u.a. Vers 35 als '25', Vers 49 als Dublette von '48', Vers 53 als '13', Vers 79 als Dublette von '76', Vers 80 als Dublette von '81', Vers 82 unleserlich) und wurden anhand des fortlaufenden Sinnzusammenhangs sowie der Kommentar-Abschnittsgrenzen korrigiert; dies ist in den jeweiligen notes vermerkt.
Nun [will ich], hier, von den wunderwirkenden Zusatz-Vidyās (vidyā-kautuka) der sechzehn Nityās [sprechen]; ich werde eine erstaunenwirkende Vidyā verkünden – höre, du Schöne.
[Und zwar] das Siddhasārasvata, ebenso die Tripuṭā und die Gāruḍī, die Aśvārūḍhā, die Annapūrṇā, das Navātman und die Navātmikā;
und dann das Devīhṛdaya, die Gaurī-Vidyā, die „Hunderttausend-Geberin" (Lakṣadā), die „Geberin der drei Goldstücke" (Niṣkatrayapradā), die „Wunsch-Geberin" (Iṣṭadāyinī) und die Mātaṅginī;
die Rājyalakṣmī, die Mahālakṣmī, danach die Siddhalakṣmī, sowie die Gestaltungen (bheda) Gopālas und die Arzneien (auṣadha) – [dies alles] werde ich in der genannten Reihenfolge verkünden.
Vers 2: OCR zeigt eine unklare Devanagari-Zeichenfolge (etwa 'vipuṭagāruḍe') statt eines erwarteten 'tripuṭāṃ gāruḍīṃ'; nach Sinn und Metrum emendiert (die beiden Vidyās werden im Kapitelverlauf tatsächlich unter diesen Namen behandelt: Tripuṭā V.15ff., Gāruḍa-Mantra V.21ff.). Diese Einleitungsliste ist nicht vollständig erschöpfend – sie nennt nicht ausdrücklich die zwischen Siddhasārasvata und Tripuṭā eingeschobene Mṛtyuñjaya-Vidyā (V.11-14) und auch nicht getrennt jede im Kapitel tatsächlich vorkommende Einzel-Vidyā, dient aber als grobe Gliederung.
Der reine [Laut] (śuci = e), verbunden mit sich selbst (dem Bindu), dann Māyā (hrīṃ), verbunden mit Himmel(-Laut), Feuer(-Laut) und Vokal [?] – durch die Verbindung mit dem Herzlaut des Haṃsa und dem Glanz-Laut [?], durch überaus feurig-bewegte [Laute] [?] –
[es folgt ein weiterer Bīja-Bestandteil] [?], zusammen mit dem eigenen Herz-Anteil, auch mit den mitleidigen Feuer- und Flammen-Lauten [?] – so entstanden (samāyaiḥ uditā), ist die Vidyā fünfsilbig, ihr Wesen darauf gegründet [d.h. der Sarasvatī zugehörig].
Für die in diesem Kapitel nicht [eigens] genannten [Vidyās] soll man den Aṅga-Nyāsa mit der eigenen Vidyā oder mit Māyā (hrīṃ) vollziehen, und ebenso die Dhyāna [übertragen], wenn [sie] zuvor nicht eigens verkündet wurde.
Eine Milchdiät (payovrata) einhaltend, nachdem man fünfhunderttausendmal rezitiert und Kulasundarī (Lalitā, aus dem fünfzehnten Paṭala) meditiert hat [?], soll man [mit dieser Siddhasārasvata-Vidyā] die 'Pañcādi'-Anwendung [?] vollziehen.
Mit dieser [Vidyā], nachdem man ein Mädchen (kanyakā, ein jungfräuliches Medium) durch [ein bestimmtes Ritual] gereinigt [?] und sie [das geweihte Wasser] hat trinken lassen, soll man ihr, gesammelten Sinnes, sagen: 'Sprich!'
Verse 5-6: Buchstabieranleitung des fünfsilbigen Siddhasārasvata-Mantras durch den Kommentar; die OCR dieser Buchstabierpassage ist fast vollständig zerstört. Einigermaßen sicher ist nur, dass die erste Silbe aus 'e' + Bindu besteht (= aiṃ, das klassische Vāgbhava-/Sarasvatī-Bīja) – passend zu einer 'Sārasvata'- (redekundemachenden) Vidyā; alle weiteren Silben bleiben mit [?] bzw. [bīja: ?] gekennzeichnet. Vers 8: 'pañcādi' unsicher, evtl. Name einer Ritualanwendung oder OCR-Fragment; mit [?] markiert. Vers 9: Reinigungsritual des Mädchen-Mediums im Detail unklar (OCR-Fragment 'avicaladindriyām' o.ä. laut Kommentar – 'mit unbeirrten Sinnen').
Wie der Strom der Gaṅgā werde aus ihrem Munde die Rede (Bhāratī, d.h. Sarasvatīs Sprachkraft) hervorströmen; und, befragt, wird sie Dinge der drei Zeiten (Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft) verkünden – ein großes Wunder.
[Nun eine weitere, eingeschobene Vidyā:] Bhūḥ (o + Bindu), verbunden mit sich selbst; Jyā (ja-Laut) [und] Dharā-Śvetā (u + Bindu, ergibt zusammen etwa 'juṃ'[?]); Śrī (sa-Laut) verbunden mit Māyā (dem Visarga) – nachdem man 'pālaya' zweimal gesprochen hat, rezitiere man dies [dreisilbige Bīja-Wort] auch rückwärts.
Diese Vidyā heißt Mṛtyuñjaya ('Todesbezwinger'); [ihr Herzsilbe ist] mit einem langen Vokal verbunden; mit der Vidyā soll man beständig den Aṅga-Nyāsa vollziehen und sein eigenes Selbst [als mit Śiva-Mṛtyuñjaya identisch] bedenken.
[Man visualisiere ihn] auf dem Lotos, dessen Blütenstiel aus der ersten, mittleren und dritten Silbe [des Mantras] besteht, im Blütenkelch sitzend, [seinen Sitz] in der oberen Körperhälfte, versehen mit Wurzelsilbe, Bindu und Kalā [dem Nāda];
rein-weiß, rehäugig, in seiner Hand die Schlinge der eigenen Gedanken haltend, [als] Hara (Śiva) [?] – wer ihn so beständig bedenkt, dem mehrt sich Sieg und langes Leben.
Diese vier Verse (11-14) führen, durch die in Vers 7 erteilte allgemeine Erlaubnis gedeckt, beiläufig eine eigene Mṛtyuñjaya-Vidyā ein, die in der einleitenden Liste (V.2-4) nicht gesondert genannt wird. Bīja-Buchstabierung in Vers 11 unsicher rekonstruiert (Kommentar nennt 'jakāra' für Jyā und 'ukāra+bindu' für Dharā-Śvetā, das Ergebnis bleibt unsicher, mit [?] markiert); die genaue Lautfolge des dreisilbigen Bīja-Worts (etwa 'oṃ juṃ śaṃ'[?] oder ähnlich) ist nicht mit Sicherheit rekonstruierbar.
Von dem 'dritten Gleichgestellten' [d.h. dem dritten Bīja des Siddhasārasvata-Mantras] die zweite [Silbe], danach – durch diese, verbunden mit den Lauten Rasa (6), Vahni (3) und Kha (0) [als Prāṇa-Zahlen] [?] – ist die Tripuṭā ('Dreifach-Umhüllte') entstanden.
Nachdem man den Aṅga-Nyāsa vollzogen hat, rezitiere man die Vidyā beständig; im [Mudrā-]Schoß, wohlgemut [?], sie bedenkend, tausendmal.
Dadurch [erlangt man] durch die Vidyā [Schönheit?] [?], Anmut, Dichtkunst, Gesangskunst; Herrschaft über Männer und Frauen und [?] erlangt der Mann.
[Man meditiere auf sie:] rötlich, mit rötlichen Augen, mit heiterem Lotos-Antlitz, eine Blüte [als Pfeil] [?] und die fünf [Kāma-]Pfeile, sowie Bogen [?] tragend,
mit sechs Armen tragend, strahlend mit rubingeschmückter Krone [?; Rest von Vers 19 im OCR zu stark zerstört];
ringsum sie [ihre] Śaktis tragend [die gleichen Attribute], auch singend, sie umringend stehend – umgeben von ihnen soll man sie, mit ihnen zur Einheit verschmolzen, bedenken.
Vers 15: laut Kommentar wird die (dreisilbige[?]) Tripuṭā-Vidyā aus Bestandteilen des Siddhasārasvata-Mantras (zweite und dritte Silbe) sowie dem Kāma-Bīja gebildet; die genaue Silbenfolge ist durch die OCR-Zerstörung nicht rekonstruierbar, mit [?] markiert. Verse 18-19 beschreiben eine Kāmeśvarī-artige, sechsarmige, mit den fünf Kāma-Pfeilen ausgestattete Gottheit (vgl. das ganz ähnliche Dhyāna in Paṭala 7 desselben Werks, Band I); Vers 19 im OCR fast vollständig zerstört, nur Schlussworte ('...vākya-sāra-daśa-pīḍakāḥ'[?]) andeutungsweise erhalten.
Bhūḥ (o + Bindu), verbunden mit sich selbst; Haṃsa-Dāha-Āsyā (Haṃsa- und Feuer-Laut gegenseitig verschmolzen); mit Marud (Luft-Laut), Akṣi (Auge-Laut) und Kṣmā (Erde-Laut) verbunden – dadurch entstehen die drei Silben Hāṃ, Hīṃ, Hūṃ; die vier Silben 'Vairimohādi' [zur Bezeichnung ihrer Wirkung, nicht als eigentliche Buchstaben] und [das Wort] 'Garuḍa' selbst [als Buchstaben eingesetzt];
Javī (p-Laut), 'Sarvajighrāsa' (Feuer-bezogener ī-Laut), sowie Haṃsa und Hiṃsa (zwei weitere Silben) – mit Svāhā am Ende gesprochen, ist der Mantra; der Praṇava (oṃ) [an den Anfang gesetzt] macht ihn zum vollständigen Schutz[-Mantra].
Der dreiundzwanzigsilbige Mantra ist, bei [ungünstiger] Konjunktion [der Planeten] rezitiert, wohl-bewährt; [er heilt] von Schlangen(-Dämonen) Gebissene, von Dämonen und dergleichen Geplagte, sowie andere Kranke,
von mancherlei [Gift] Gequälte, Ohnmächtige, deren Lebenshauch [fast] entwichen ist – man befreie [sie], indem man [das Wasser] hundertmal damit besprochen und darüber besprengt.
[Man visualisiere Garuḍa,] vor Śambhu (Śiva) einen dem Berg Meru gleichenden Tanz [?] aufführend, feindliche [Schlangen] verschlingend; daran denkend, rezitiere man den Mantra samt dem Praṇava.
Mit dem aus dem Lotusaugen-Same (Padmākṣa) gewonnenen Öl vernichtet man auch rasch [?] das Gift sämtlicher Schlangen, mühelos.
Vers 21: das explizit vom Kommentar genannte Ergebnis 'hāṃ hīṃ hūṃ' (drei Silben aus a-, ī-, ū-Laut mit Marud/Akṣi/Kṣmā gebildet) ist die einzige mit einiger Sicherheit rekonstruierbare Bīja-Passage dieses Kapitels; alle übrigen Einzelheiten der 23-silbigen Mantra-Konstruktion bleiben wegen extremer OCR-Zerstörung unsicher und sind mit [?] bzw. sinngemäßer Wiedergabe der Kommentarworte (nicht als gesicherte Lautfolge) markiert. 'Vairimohādi' und 'Garuḍa' scheinen im Kommentar eher als Bedeutungshinweise denn als tatsächlich einzusetzende Buchstaben zu fungieren; Einzelheiten unklar. Vers 25 'merusamam' unsicher (evtl. Bezugnahme auf einen kosmischen Tanz).
Der Praṇava (oṃ); Cara-Haṃsa-Agni-Javaḥ, Dāho, Nabhaścaraḥ; Śūnya-Ambu; Rasadāhaḥ; Hrasva-Ambu, mit Marud verbunden;
und Haṃsa, mit Marud verbunden – so wird die zehnsilbige Vidyā genannt; mit Māyā (hrīṃ) [versehen] [?] rezitiere man sie hunderttausendmal.
[Anmerkung: An dieser Stelle vermerkt die gedruckte Ausgabe selbst eine inhaltliche Lücke – nach dem 27. Vers sei laut Fußnote ein Vers ausgefallen; die Zählung wird in der Druckausgabe dennoch ohne Sprung von 27 auf 28 fortgesetzt.]
Dann, nachdem man diese Rezitation nachts, ohne [sichtbare] Anstrengung, auf jemanden gerichtet hat, bringe man diesen durch [bloßen] Wunsch in das eigene Haus – [er wird] wie befohlen handeln.
Unterwerfung, Herbeiziehung, Reichtum (Lakṣmī), Gold, [alles] Erwünschte erlangt man mühelos; durch diese Vidyā gelingt [alles] beständig.
[Man meditiere auf die Göttin:] rötlich, auf einem rötlichen Pferd sitzend, mit rötlichem Gewand und Schmuck geschmückt, vierarmig, dreiäugig, mit heiterem Lotos-Antlitz,
Verse 27-28: das zehnsilbige Bīja der Aśvārūḍhā-Vidyā wird vom Kommentar Silbe für Silbe buchstabiert, doch ist diese Buchstabierpassage im OCR so zerstört, dass eine verlässliche Lautrekonstruktion (etwa zu einem bekannten Mantra wie 'aiṃ hrīṃ...') hier nicht seriös möglich ist; die Silbennamen sind daher wörtlich (transliteriert als Benennungen, nicht als gesicherte Endlautung) wiedergegeben. Zwischen Vers 27 und 28 vermerkt die Druckausgabe selbst eine Fußnote über einen verlorengegangenen Vers ('saptaviṃśaślokāt paraṃ ekaḥ ślokaḥ patitaḥ') – siehe Kapitel-Note.
Waffe in der rechten [Hand], mit der linken das strahlend-leuchtende Schwert; mit den anderen [beiden Händen], mit einer goldenen Schlinge, ihr eigenes Ziel-Objekt (sādhya) an den Hals gebunden [haltend],
[mit einem der Hände] mit einem goldenen Stock die Brust [des Unterworfenen] schlagend, [während dieser] mit gefalteten Händen, sich zu ihren Füßen werfend, spricht: 'Ich bin [dein] Diener' –
[so meditierend] rezitiere man diese Vidyā, im Bewusstsein, dass die dreifache Welt [ihr] unterworfen ist [?] – die gesamte belebte Welt [ist unterworfen] durch die Aśvārūḍhā genannte Vidyā.
[Nun folgt die siebzehnsilbige Annapūrṇā-Vidyā:] Der Praṇava (oṃ), mit 'Namaḥ' [zwei Silben], [dann das dritte Bīja der Tripuṭā-Vidyā] [?], ebenso 'Bhagavatī' (vier Silben), ebenso 'Māheśvarī' (vier Silben) – [und schließlich] 'Annapūrṇā svāhā' (sechs Silben) hinzugefügt.
Verse 32-34 setzen die Dhyāna-Beschreibung der vierarmigen Aśvārūḍhā-Göttin fort (Waffe, Schwert, goldene Schlinge mit dem Sādhya am Hals, goldener Stock; der Unterworfene wirft sich unterwürfig zu Boden) und schließen den Aśvārūḍhā-Abschnitt ab. Vers 35 (im OCR fälschlich mit '25' beziffert, hier nach Zählung zu '35' korrigiert) beginnt die Annapūrṇā-Vidyā, deren Silbenzahl der Kommentar ausdrücklich mit siebzehn angibt (2+2+3+4+4+... = 17, wobei das genaue dritte Bīja aus der Tripuṭā-Vidyā im OCR nicht sicher lesbar ist).
Nachdem man den Aṅga-Nyāsa [mit der eigenen Silbe] vollzogen hat, rezitiere man die Vidyā zur Mittagszeit [?] regelmäßig tausendmal; ihm wird niemals Armut widerfahren.
[Man meditiere auf Annapūrṇā:] die den Schlangen Schrecken einflößende, dem [Śiva-]Tanz zugewandt zuschauende, [mit einer Kelle] aus einem goldenen Gefäß [Speise] in der Hand haltend.
Wer stets die Vidyā rezitiert, wird niemals – zu keiner Zeit, an keinem Ort – hungrig sein.
Ebenso [wer] mich, im Tanz verweilend [?], deren Anblick Freude bereitet, im Angesicht verehrend, beständig anfleht [und] um eine Gabe bittet –
durch die Gnade dieser beiden [Śiva und Annapūrṇā] gelingt sogleich das Gedachte; ich stehe allen, auf jede Weise, überall, immer, zur Seite.
[Nun das neunsilbige Navātman-Mantra:] Haṃsa, Hṛd, Grāsa, Nabhas (vier Laute), verbunden mit den 'Rasa-Ambu-Vyāpta-Dāhaka'-Lauten [vier weitere], durch die Verbindung mit Kṣmā [ein neunter] [?] – das Navātman [-Mantra], aus diesen neun [Silben bestehend].
Verse 36-40: Dhyāna, Rezitationsvorschrift und Segensverheißung der Annapūrṇā-Vidyā (Schutz vor Hunger und Armut); Vers 39 im Original als direkte Rede der Göttin ('mich verehrend...') formuliert. Vers 41: Buchstabierung des neunsilbigen Navātman-Mantras laut Kommentar aus vier + vier + einer Silbe; die genaue Lautung bleibt unsicher, mit [?] markiert, jedoch ist die Zahl neun (navātman = 'neun-selbig') durch den Namen selbst gesichert.
Nachdem man eben von dieser [Navātman-Vidyā] die letzte Silbe entfernt und dafür 'Vahni' (den r-Laut[?]) eingesetzt hat, wird jene Vidyā 'Navātmikā' genannt, die alle Siddhis gewährt.
Der Praṇava (oṃ), die letzte Silbe der Tripuṭā-Vidyā [d.h. das Kāma-Bīja], mit Namaḥ [verbunden] – vierstellig [?] – diese Vidyā heißt Devīhṛdaya ('Herz der Göttin') und gewährt alle Ziele.
Die [zuvor bei der Aśvārūḍhā-Vidyā] genannte Dhyāna [gilt] für diese, [nur als] die stets alles Glück verheißende [Göttin, versehen mit anderer Attributzuweisung]; weißen Kuṣṭha (eine Heilpflanze) und die Wurzel der Svarṇapuṣpī, mit dem Wasser ihres Blattes,
[zu einer Paste] verrieben [?] – von Milchreis lebend, die Vidyā rezitierend, die Sinne bezähmt, schlafe man nachts auf dem Boden, an einem einsamen, reinen [Ort];
mit dieser [Paste] Stirn, Hals und Herz bestrichen, dort die Māyā (hrīṃ) aufgemalt – [die Göttin], in der Stirnmitte (ājñā-cakra) gegenwärtig, wird ihm sein Herzenswunsch verkünden.
Vers 43: die vierteilige Devīhṛdaya-Vidyā (Praṇava + Kāma-Bīja + Namaḥ, insgesamt laut späterem Vers 4 Silben) ist in ihrer Bīja-Identität ('vipuṭāntyārṇam' = 'die letzte Silbe der [in Tripuṭā] eingehüllten [Bīja]') nur ungefähr rekonstruierbar. Verse 44-46: ein Sehungsritual (Stirn-Hals-Herz-Bestreichung mit einer Heilpflanzenpaste, verbunden mit Fasten, Bodenschlaf und Enthaltsamkeit) zur Erlangung einer Vision der Göttin im Ājñā-Cakra; mehrere Einzelheiten wegen OCR-Zerstörung nur sinngemäß erschlossen.
Diese Devīhṛdaya-Vidyā gewährt Frauen sogleich Frucht: Glück, Wohlstand (Lakṣmī), Ruhm, Langlebigkeit, Gesundheit und Sieg bringt sie.
[Nun die zwölfsilbige Gaurī-Vidyā:] Der Praṇava (oṃ), 'Rudradayite' (die Geliebte Rudras, fünf Silben), ebenso 'Yogeśvarī' (vier Silben), 'Svāhā' am Ende (zwei Silben) – so wird diese zwölfsilbige Vidyā genannt.
Diese Gaurī-Vidyā, wenn hunderttausendmal rezitiert, ist wohl-bewährt; nachdem man wie zuvor bei Aśvārūḍhā meditiert hat, verschafft die Göttin das Gewünschte.
Zur Mitternacht, mit Kurkuma (niśā), auf dem eigenen linken Oberschenkel [des Sādhakas], nachdem man diese [Göttin] mit dem Namen des Zielobjekts (sādhya) versehen aufgezeichnet hat, mit darauf gerichtetem Sinn,
sie meditierend, so rezitiere man die Vidyā; dadurch zieht man die Geliebte herbei – es gibt keine der Gaurī-Vidyā ebenbürtige Vidyā zur Bezwingung von Frauen.
Zur Bezwingung von Königen, zur Bezwingung der Welt, im Werk der Frauen-Bezwingung – es gibt auf Erden keine [andere] Vidyā, die dieser Gaurī-Vidyā an Wirksamkeit gleichkäme oder sie überträfe.
Vers 49 (im OCR mit '48' verwechselt, hier als '49' gezählt) und Vers 53 (im OCR als '13' verlesen, s.u.) sind Beispiele der zahlreichen Ziffernverwechslungen in diesem Kapitelabschnitt; die Korrektur erfolgte anhand des fortlaufenden Sinns (jede der genannten Vidyās erhält genau ein Mantra-, ein Bewährungs- und mehrere Anwendungsverse). Vers 52: 'anudvayāt' unsicher, sinngemäß 'ohne ein Zweites/eine Entsprechung' wiedergegeben.
[Fortsetzung der Bīja-Konstruktion, hier für die fünfzehnsilbige 'Lakṣadā'-Vidyā:] Der Agni-Laut (r), der Kaṇṭha-Laut, ebendiese beiden, dann Nabhodharī (m + u); dieselben zwei [wiederholt] als zweites [Paar]; danach 'Kākaṇṭha';
'Muṇḍi svāhā' – so wird diese fünfzehnsilbige Vidyā genannt; mit Māyā (hrīṃ) [versehen] [?], nachdem man diese allglückverheißende Göttin meditiert hat,
rezitiere man die Vidyā schweigend, zwischen Bananen- und Betelpalmenhainen; verehrt zu den drei Sandhyās (Dämmerungszeiten), wird sie, zufrieden gestellt, zur 'Hunderttausend-Geberin' (Lakṣadā).
[Nun die zwölfsilbige Niṣkatrayapradā-Vidyā:] Der Praṇava (oṃ), 'Navakeśā' (vier Silben), verbunden mit 'Kanakavati' (vier Silben[?]), Svāhā am Ende – so ist diese zwölfsilbige Vidyā die 'Geberin dreier Goldstücke' (Niṣkatrayapradā).
Vers 53 ist im OCR fälschlich mit '13' beziffert (Ziffernverdrehung); nach Sinn und Position zwischen Vers 52 (Ende der Gaurī-Vidyā) und Vers 54 (Fortsetzung derselben Bīja-Konstruktion, endend mit dem Namen 'Lakṣadā' aus der Einleitungsliste V.3) als '53' korrigiert. Die genaue Bīja-Lautfolge bleibt wegen OCR-Zerstörung weitgehend unsicher; nur die Silbenzahlen (15 bzw. 12) und die Schlussformel ('muṇḍi svāhā', 'svāhā') sind einigermaßen gesichert.
Beständig am Fuß eines Aśvattha-Baumes (giliṅga, 'Śiva-Gestalt-Baum') [?], die Vidyā silbenweise dreihunderttausendmal[?] rezitierend, erlange man die genannte Frucht [der Niṣkatrayapradā].
[Nun eine achtsilbige, unbenannte Vidyā, wohl der einleitend genannten Iṣṭadāyinī entsprechend:] Cara (e), Prāṇa mit Marud verbunden (a-Laut[?]), Vyāpta (ya), Prāṇa mit Dharā verbunden (u-Laut[?]); zweimal Vyoma, mit Marud verbunden [?], und Raya mit Dharā verbunden;
'Cara-Prāṇa' wird [diese Vidyā] genannt; die Vidyā verkündet, im Geheimen gemurmelt, das Gewünschte. Mit Jasminblüten zur Mitternacht verehrt, [erscheint sie] in glückverheißender Gestalt.
[Nun die zwölfsilbige Mātaṅgī-Vidyā:] Die ersten drei Silben des Siddhasārasvata-Mantras, danach ebenso [vier Silben] 'Mātaṅgī', dann wieder 'Svāhā' – [die ersten drei Silben] jedoch in umgekehrter Reihenfolge [wiederholt] – das ist ihr Mantra.
Diese zwölfsilbige [Vidyā] gewährt binnen kurzem Glück, Dichtkunst, Wohlstand, Erfolg im Gesang bei allen, und Bezwingungsmacht.
Vers 57: 'giliṅga' unsicher, evtl. Verschreibung für 'girliṅga' oder einen Baumnamen; mit [?] markiert. Verse 58-59: die achtsilbige Vidyā trägt im Text keinen ausdrücklichen Eigennamen außer der wörtlichen Bezeichnung 'Cara-Prāṇa' (nach ihren ersten beiden Bestandteilen); sie dürfte der in der Einleitung (V.3) genannten Iṣṭadāyinī ('Wunsch-Geberin') entsprechen, da sie 'das Gewünschte verkündet'. Vers 60: die Mātaṅgī-Vidyā wird aus den ersten drei Silben des Siddhasārasvata-Mantras (V.5-6) gebildet, kombiniert mit 'Mātaṅgī' und 'Svāhā', wobei die ersten drei Silben am Ende in umgekehrter Reihenfolge wiederholt werden; Gesamtzahl 12 laut Vers 61.
Nachdem man den Aṅga-Nyāsa mit Māyā (hrīṃ) vollzogen hat, rezitiere man sie beständig beim Sonnenaufgang; dadurch wird sie [dem Sādhaka] geneigt und gewährt alles Gewünschte.
[Dhyāna der Mātaṅgī:] von der Farbe des Indranīla-Edelsteins, strahlend in rotem Gewand und rotem Schmuck, mit herabhängenden [Haaren] [?], strahlend duftend wie Sandelholz,
mit einer eigens dafür bereiteten Schädelgirlande, geschmückt mit einem Büschel Perlen, mit Fußringen, Armringen und Fußglöckchen geschmückten Füßen,
die große Vīṇā spielend, umgeben von ihresgleichen Frauenscharen [?], ringsum [?], mit reinem Lächeln.
[Bīja-Bildung der Rājyalakṣmī-Vidyā:] Der zweite [Laut] der Mātaṅgī[-Vidyā] und danach der dritte; durch diese Laute, verbunden mit Rasa (6-Zahl-Laut), soll Ambu (v-Laut[?]) [entstehen], danach [Vāta (Luft-)] und Agni (Feuer-Laut);
'Rājyade rājyalakṣmi' – [dessen] kurzer [Anfangs-Laut] in umgekehrter Reihenfolge wiederholt – dies ist die sechzehnsilbige Vidyā der Rājyalakṣmī, so wird sie verkündet.
Verse 63-65: ausführliches Dhyāna der Mātaṅgī(-Mātaṅgeśvarī), einer der klassischen zehn Mahāvidyās, hier mit Schädelgirlande, Vīṇā und Frauenschar-Begleitung – Einzelheiten in Vers 63 und 65 wegen OCR-Zerstörung unsicher, mit [?] markiert. Vers 66-67: die Ableitung der sechzehnsilbigen Rājyalakṣmī-Vidyā aus Bestandteilen der Mātaṅgī-Vidyā ist im Kommentar nur bruchstückhaft erhalten; die genaue Silbenfolge bleibt unsicher.
Nachdem man diese siegreiche (vijayā) Vidyā meditiert hat, rezitiere man sie beständig und verehre sie; zufrieden gestellt, gewährt sie dem Sādhaken unverzüglich Königsherrschaft.
[Nun die siebenundzwanzigsilbige Mahālakṣmī-Vidyā:] Der Praṇava (oṃ), 'Śrīpuṭā' (Śrī-umhülltes Bīja, hrīṃ+śrīṃ[?]), Māyā (hrīṃ); 'Kamale' (drei Silben), danach 'Kamalāto laye' [zwei Silben], danach 'Prasīda' zweimal [sechs Silben];
Am Anfang dies, [dann Bhūḥ (oṃ) und] Namaḥ verkündet, o Maheśvarī – deine Vidyā ist siebenundzwanzigsilbig, die stets alles Erwünschte gewährt.
[Man vollziehe] mit [den Bestandteilen dieses Bīja] den sechsfachen Aṅga-Nyāsa, jeweils doppelt gesprochen; und die Dhyāna in Siegesgestalt, und rezitiere Tag und Nacht.
[Sie gewährt] Ruhm, Reichtum, Gesundheit, Sieg und alles andere Erwünschte vollständig; bei [der Sonne] im Zeichen der Waage [stehend], [an einem] Vollmondtag [ist] die Verehrung von allumfassender Wunscherfüllung.
Verse 69-70: die siebenundzwanzigsilbige Mahālakṣmī-Vidyā wird aus mehreren Bīja-Bestandteilen (Praṇava, 'Śrīpuṭā', Māyā, 'kamale', 'kamalāto laye', zweimal 'prasīda', Bhūḥ, Namaḥ) zusammengesetzt; die OCR dieser Aufzählung ist so zerstört, dass die genaue Silbenfolge nur ungefähr, nicht aber wortgetreu rekonstruierbar ist. Vers 71 Anfang ('[bīja]tvaḥ') unsicher, vermutlich Verweis auf ein zuvor genanntes Bīja für den Nyāsa; mit [?]/[bīja] markiert.
Jyā (j), Saka (?), Dāha (r), Vahni (Bindu[?]), Kha (Himmel-Laut); Nabhaḥ (m); Haṃsa, mit Marud verbunden; 'Caṇḍa-Tejaḥ' und die 'Saṅghaṭṭana'-Laute (Reibungs-/Verbindungslaute) folgen danach –
[weitere Silben] in [der Reihe von] Kālī [und] Mātrā [?], [sowie] Haṃsa mit Māyā (hrīṃ) [verbunden] – so wird [die Siddhalakṣmī-Vidyā] als siebzehnsilbig verkündet.
Ohne dieses [Vorgehen zu ändern], nachdem man den Aṅga-Nyāsa vollzogen hat, rezitiere man die Vidyā beständig; morgens tausendmal, und opfere ihren Teil [im Tarpaṇa].
Durch die tägliche Verehrung wird sie dem Sādhaken zufrieden gestimmt und gewährt Sieg, [Wohlstands-]Last [?] und alle Pracht übertreffenden Glanz.
Sie bewirkt Abwehr vor den Machenschaften von Bhūtas, Pretas, Piśācas und der Epilepsie-Dämonin (Apasmāra); auf dem Weg, in Wildnis, Berg und Wald beschützt sie.
Ihre Dhyāna nun, o Göttin der Götter – sie gleicht an Glückverheißung [selbst] der Maṅgalā (Durgā) – werde ich, [gemeinsam mit] Yantra, Verehrungsordnung und Vorschrift, der Reihe nach verkünden.
Verse 73-74: die siebzehnsilbige Siddhalakṣmī-Vidyā wird aus zahlreichen, vom Kommentar Silbe für Silbe erläuterten Bīja-Bestandteilen gebildet; die OCR dieser Erläuterung ist jedoch so zerstört, dass die genaue Lautfolge nicht seriös rekonstruierbar ist. 'Saka' in Vers 73 unsicher, evtl. OCR-Fragment eines anderen Wortes.
Hunderthäuptig, dreiäugig in jedem Antlitz, furchterregend, mit zweihundert Armen versehen, umgeben von Śaktis von ihrer eigenen Gestalt,
in den unzähligen Händen die dem Wunsch des Sādhaken entsprechenden Waffen tragend – wer sie so meditierend verehrt, erlangt das ganze gewünschte [Reich der] Erde.
[Beschreibung des Yantras:] Nach Osten, Westen, Süden und Norden [gezogen], acht Linien; dann markiere man in den ersten Straßen (vīthī) [des Quadrats] der Reihe nach je fünf und fünf [Felder];
in der zweiten Straße, in den Ecken, je drei zu einem [Feld] vereint; danach schreibe man von der Mitte aus die sechzehn Mantra-Silben sowie den [Sādhya-]Namen ein.
Im Uhrzeigersinn (prādakṣiṇya) verehre man sie beständig in der Mitte [dieses Yantras] – die Siddhalakṣmī, [Göttin,] die stets alle Wünsche vollständig erfüllt.
Verse 79-80 (im OCR mit '76' bzw. '81' verwechselt/dupliziert, hier nach Sinnzusammenhang als '79' und '80' gezählt) beschreiben ein außergewöhnlich exzessives Dhyāna der Siddhalakṣmī mit hundert Köpfen und zweihundert Armen – ein Superlativ-Motiv, das in dieser Drastik selten belegt ist; die Übersetzung folgt dem klar erkennbaren Wortlaut. Verse 81-82: Beschreibung eines quadratischen Yantras mit mehreren konzentrischen 'Straßen' (vīthī) von Feldern; Einzelheiten der genauen Feldeinteilung bleiben wegen OCR-Zerstörung unsicher, mit [?] behandelt, soweit nicht klar erkennbar.
Einst nahm die erste [der Nityās], Lalitā, [selbst?] eine männliche Gestalt an [?], eine dunkle (Kṛṣṇa-)Gestalt, und unterwarf durch das gemeinsame Auftreten aller [ihrer] Frauen[-Gestalten] die Welt.
Dann wurde er, von seinen eigenen Śaktis unter dem Namen Gopī [umgeben,] bedrängt (von Sehnsucht ergriffen); da gestaltete er, zu seiner Zerstreuung, seinen [eigenen] Leib sechsfach.
Diesen sechs [Formen] entsprechen sechs Mantras, alle Wünsche gewährend; durch Mantra, Verehrung, Feueropfer, Rezitation, Tarpaṇa (Wasserspende) und Besprengung mit ihnen
wird man mit Wohlstand, Anmut, Ruhm, Sieg und Gesundheit versehen. Höre nun diese sechs aufeinanderfolgenden Mantras, samt Dhyāna, Verehrung und Anwendung.
[Aus den Lauten] 'Sthira-Rasa-Vyāpta-Vanaśaiḥ' [?] entstand der große Mantra, in der Mitte zwischen zwei Praṇavas (oṃ...oṃ) stehend, 'Siddhagopāla' genannt.
Verse 84 ist metrisch und inhaltlich schwierig (ein Wort fehlt im OCR nach 'ādyā lalitā'); der Sinn scheint zu sein, dass Lalitā (die erste Nityā) eine männliche Kṛṣṇa/Gopāla-Gestalt annimmt, um die Welt zu bezwingen – ein Vorspiel zum Gopāla-Mythos der sechzehn Gopīs (bekannt aus Bhāgavata-Kontext), hier tantrisch als Emanation Lalitās gedeutet. Vers 85 'ṣoḍhā' (sechsfach) steht in gewissem Spannungsverhältnis zur Ankündigung von 'sieben' Gopāla-Mantras in den folgenden Versen (89-90); vermutlich sind sechs Grundformen gemeint, aus denen durch Kombination mit den fünf Kāma-Bījas weitere Varianten entstehen. Vers 88: Bīja-Konstruktion des Siddhagopāla-Mantras im OCR stark zerstört, mit [?] markiert.
Mit den fünf Kāma-Mantras, einem nach dem anderen, der Reihe nach – durch das 'Umhüllen' (puṭana) [des Siddhagopāla-Mantras] mit ihnen entstehen [fünf weitere Mantras], die dementsprechend benannt sind [Kāmarāja-Gopāla, Manmatha-Gopāla, Kandarpa-Gopāla, Makaraketana-Gopāla, Manobhava-Gopāla].
So wird der große Mantra siebenfach, 'Sammohana' ('Allbetörend') genannt; der erste [Siddhagopāla] ist ein fünfgliedriger Mantra, die anderen sind sechsgliedrige.
Mit dem jeweiligen Bīja [des betreffenden Mantras] soll man vorschriftsmäßig den sechsfachen Aṅga-Nyāsa vollziehen; [die Gottheit,] in der Mitte eines achtblättrigen [Lotos] befindlich, verehre man der Reihe nach mit den sieben [Mantras].
Diese Yantras, deren Mitte mit dem jeweiligen Mantra versehen ist, [verehre man] der Reihe nach an den Wochentagen, beginnend mit dem Sonnentag; ihre Verehrung [erfolgt] in dieser Reihenfolge.
Verse 89-90: die sieben Gopāla-Mantras (das ursprüngliche Siddhagopāla-Mantra plus fünf durch 'Umhüllung' mit je einem der fünf Kāma-Bījas – vgl. die fünf Kāma-Gottheiten Kāmarāja, Manmatha, Kandarpa, Makaraketana, Manobhava aus Paṭala 7 desselben Werks, Band I – gebildete Varianten) werden hier kollektiv 'Sammohana' genannt; Verse im OCR mit '80' bzw. Dubletten verwechselt, nach Sinnzusammenhang als '90' korrigiert. Die genauen Namen der fünf abgeleiteten Mantras werden im erhaltenen Wortlaut nicht einzeln aufgeführt, sondern nur aus dem Kommentar erschlossen.
[Diese sieben Gopāla-Mantras sind] allwunscherfüllend; täglich mit Milch, Ghee und aufgeweichten Speisen, mit Milchreis, Kokosnuss-[Speisen] [?], mit Zucker versüßten Bananenfrüchten
soll man der Reihe nach an den Wochentagen Speiseopfer darbringen, zur Erfüllung des gewünschten Zieles; durch diese sieben genannten [Opfergaben] erlangt man alles Gewünschte.
[Dhyāna:] Man bedenke [den Gopāla als] rötlich, sechsarmig, die Flöte spielend, Schlinge und Stachelstab, Zuckerrohrbogen mit Blütenpfeil tragend, [umgeben] von [seinen] Śaktis.
Mit dem zu einer Paste zerriebenen Wurzelwerk der Svarṇapuṣpī, mit eigenem [geweihtem] Wasser [angerührt] und auf Herz, Hals und Stirn aufgetragen, erlangt man die Schau der Gottheit.
[Zutaten weiterer Räucher-/Salbenrezepturen:] Ugragandhā, Indigo (nīlī), verbunden mit der Frucht der Dhātakī, Āragvadha (Cassia fistula), Muṇḍinī, Śākoṭa, Wurzel des Jambū-Baumes,
Verse 93-97: Naivedya-Vorschriften (Wochentags-Opfer) und ein Dhyāna des sechsarmigen, flötenspielenden Gopāla mit Kāma-Attributen (Zuckerrohrbogen, Blütenpfeil – ein deutlicher Bezug zum Kāma-Kontext der vorangehenden Vidyās); anschließend Beginn einer Liste pflanzlicher Zutaten für eine Räucher- oder Salbenrezeptur zur Gottesschau bzw. Heilzwecken, deren botanische Identifikationen teils unsicher sind (mit [?] markiert, wo die OCR mehrdeutig blieb).
Karṇikāra (Kastanienbaum), Haṃsapadī, Vārāhī, 'Sagarājaka' [?], Koraṇṭa, Sesamfrucht [?], die Wurzel [von Bilva?], und die Frucht [von Bilva?] – all dies zerreibe man zu gleichen Teilen [zu Pulver].
Nachdem man [dieses Pulver] mit weißem Ghee und Honig verbrannt/geräuchert hat [?], werde man, sich [die Gottheit] vorstellend, mit ihr eins; nach einigen Tagen [erlangt man] Selbstbeherrschung/Selbstverwirklichung (ātmavān).
So ist wohlgemäß verkündet worden, dass [alles] von Sadāśiva durchdrungen ist (sadāśivamayī vyāptiḥ); indem man dies im Bewusstsein auflöst (niṣkalana), wird jenes Wahre (tattva) zum eigenen Selbst gemacht.
[Hier endet Paṭala 34.] — In diesem Kapitel ist, laut Fußnote der Druckausgabe, nach dem 27. Vers ein Vers verlorengegangen.
Vers 98: mehrere Pflanzennamen unsicher identifiziert bzw. im OCR fragmentarisch ('Sagarājaka', 'tilaphalam', 'bilaphalam' teils erschlossen, mit [?] bzw. in eckigen Klammern ergänzt); es handelt sich um die Fortsetzung und den Abschluss der in Vers 97 begonnenen Zutatenliste für ein Räucher-/Brennmittel zur Bewirkung der Gottesschau bzw. eines verwandten Zwecks. Vers 100 ist der für dieses Werk typische, an den Schluss vieler Paṭalas gesetzte nichtdualistische Schlussvers (vgl. den fast wortgleichen Schlussvers am Ende von Paṭala 33 desselben Bandes); er entspricht dem Wurzeltext-Kolophon direkt vorausgehenden Vers. Danach folgt im Original das kurze Wurzeltext-Kolophon 'iti ṣoḍaśanityātantre ślokādimate catustriṃśat paṭalam paripūrṇam ||34||' sowie unmittelbar danach das lange Kommentar-Kolophon, das Subhagānandanātha und sein Werk Manoramā nennt; dazwischen vermerkt die Druckausgabe die oben im Kapitel-Note zitierte Fußnote zum verlorenen 27. Vers.