Quellen der Menschheit

Tantrarāja Tantra

Paṭala 5: śrīṣoḍaśanityātantre pañcamaḥ paṭalaḥ paripūrṇaḥ 5-tes Kapitel: Der Abschluss der täglichen Verehrung Lalitās und die Einteilung des Kūrma

Quelle: Tantrarāja-Tantra mit dem Kommentar Manoramā des Subhagānandanātha, Tantrik Texts Vol. 8 (Hrsg. Sadāśiva Miśra, Agamanusandhana Samiti, Calcutta 1918), archive.org, OCR. Inhalt: Das Kapitel führt die in Paṭala 3-4 begonnene Verehrung der Nityā Lalitā zu Ende. Es lehrt: den Abschluss von Japa und Pūjā mit den sechzehn Opfergaben (V.1-9); die Namen der neun Āvaraṇa-Cakras (der neun konzentrischen Kreise des Śrīcakra) und eine siebenfache Klassifikation der Śaktis von 'offenkundig' bis 'höchst geheim' sowie die Namen der neun Cakreśvarīs (V.10-22); die Verehrung mit den neun Juwelen, den zehn Sinnesorganen und -objekten und weiteren neunfachen Kategorien, dazu Mudrā- und Nyāsa-Vorschriften (V.23-38); die eigentliche tägliche Pūjā mit Anrufung, siebzehn Opfergaben, Verehrung der Nātha-Lehrer, der fünfzehn Nityā-Göttinnen und der acht Mütter, der Symbolik von Kāmas Blumenpfeilen, Bogen, Schlinge und Haken, sowie das Feueropfer (Homa) (V.39-63); die fünf Verehrungsgrade je nach Fähigkeit des Übenden (V.64-67); Regeln für die Mantra-Anwendung (Sādhana), die Vervielfachung der Japa-Zahl nach den vier Weltzeitaltern (Yugas) und eine Liste verbotener Handlungen (V.68-80); günstige und ungünstige Traumzeichen sowie die Voraussetzungen für den Erfolg der täglichen Verehrung (V.81-87); und schließlich, thematisch neu ansetzend, die Lehre vom Kūrma (der 'Schildkröte', einem Diagramm zur Beurteilung von Land, Dorf und Haus nach Silbenentsprechungen), seine vier Arten und seine Körperteile mit ihren Wirkungen (V.88-101). Die OCR-Qualität ist über weite Strecken sehr schlecht, besonders in V.19-38 (Aufzählungen von Juwelen-, Sinnesorgan-, Mudrā- und Cakra-Namen, teils metrisch unvollständig überliefert) sowie bei den Versziffern 88-101, wo Ziffern wie 8/9/6 systematisch verwechselt sind (hier nach fortlaufender Zählung korrigiert, s. Einzelnotizen). Zwischen Vers 31 und 32 findet sich im Original ein offenbar eigener Halbvers ohne lesbare Nummer ('uktakrameṇa sampūjya tattaccakreśvarīḥ priye' - 'nach der genannten Reihenfolge verehre die jeweiligen Cakreśvarīs, Geliebte'), dessen Zählung im Druck verloren ist; er wird hier ohne Nummer als Prosa-/Halbvers-Fragment wiedergegeben. Unsichere Rekonstruktionen sind mit [?] markiert.

bhāvanena tu tenaiva japed ityasamāhitaḥ | mantrātmanas te sāyujyaṃ siddhyed eva na saṃśayaḥ ||1|| vidyātṛtīyakhaṇḍena kuryāt pūjyopacārakān | pādyārghyācamanaṃ snānaṃ vasanābharaṇāni ca ||2|| gandhapuṣpaṃ dhūpadīpau naivedyācamanaṃ punaḥ | tāmbūlam arcanāstotraṃ tarpaṇaṃ ca namaskriyām ||3||

Mit eben jener [zuvor gelehrten] Meditation (bhāvanā) soll man ohne Zerstreutheit rezitieren (japa); deine Einswerdung (sāyujya) mit dem Wesen des Mantras wird sich gewiss einstellen, daran ist kein Zweifel. Mit dem dritten Teilstück (tṛtīya-khaṇḍa) der Vidyā [des fünfzehnsilbigen Grundmantras, das in drei Abschnitte gegliedert ist] soll man die Verehrungsgegenstände (pūjā-upacāras) darbringen: Fußwasser (pādya), Ehrenwasser (arghya), Mundspülung (ācamana), Bad, Kleidung und Schmuck; Duftstoff und Blumen, Räucherwerk und Lampen, Speiseopfer (naiveda) und nochmals Mundspülung, Betelbissen (tāmbūla), Verehrungsformel (arcanā) und Lobpreis (stotra), Wasseropfer (tarpaṇa) und Verneigung (namaskriyā).

Vers 1: OCR-Rest 'ityasamāhitaḥ' als 'iti asamāhitaḥ' oder eher verneinend 'na asamāhitaḥ' ('nicht unkonzentriert') gelesen; der Sinn 'ohne Zerstreutheit' folgt der Kommentarparaphrase. Verse 1-3 stehen im Druck als geschlossener mūla-Block direkt nach der Kapitelüberschrift, noch vor dem einleitenden Kommentarabschnitt; Verse 2-3 aufzählen die sechzehn (ṣoḍaśa) klassischen Pūjā-Opfergaben, hier auf zwei Verse verteilt.

evaṃ sampūjya purataḥ proktayogasamanvitam | japet sahasram athavā śataṃ tadvinajaṃ tu vā ||4|| tato devyāḥ prasādena svātmānaṃ tatsamaṃ smaret | nyāsatrayaṃ vidhāyātha devyātmā viharet sukhī ||5|| evaṃ nityakramaṃ yas tu kurvan gurusparo(?) naraḥ | na tasya kutracit kaścit kadācit kṣaṇasambhavaḥ ||6|| yas tasyām aṅgalaṃ(?) kṣaṇam upekṣāṃ vā samācaret | tasyāvayoḥ prasādena tāni syur lakṣaṇaṃ hi tat ||7|| navāvaraṇanāmāni tattacchaktyabhidhās tathā | svayaṃ(?) yair atulā siddhis tattaccakreṣu pūjanāt ||8|| trailokyamohanaṃ vāhyaṃ sarvāśāparipūrakam | sarvasaṃkṣobhaṇaṃ sarvasaubhāgyaparidāyakam ||9||

Nachdem man so [den Guru] auf die genannte Weise verehrt hat, soll man vorher(?) [das Mantra] tausendmal oder hundertmal oder dessen Hälfte rezitieren. Dann soll man sich durch die Gnade der Göttin als mit ihr eins erinnern (smaret); und nachdem man die dreifache Berührungsweihe (nyāsa) vollzogen hat, soll man, mit der Göttin identifiziert, glücklich umhergehen. Wer, dem Guru ganz ergeben, so den täglichen Ablauf (nityakrama) vollzieht, dem widerfährt nirgends und niemals irgendein widriger Augenblick. Wer dabei ein Unheil oder eine Vernachlässigung im entscheidenden Augenblick beginge - durch die Gnade der beiden [Guru und Gottheit] werde eben dies [Unheil] zum Kennzeichen [seines Fehlers], das ist es. [Nun folgen] die Namen der neun umschließenden Kreise (āvaraṇa) [des Śrīcakra] und ebenso die Namen der ihnen zugehörigen Śaktis, durch deren Verehrung in den jeweiligen Cakras unvergleichlicher Erfolg [erwächst]: 'Die drei Welten Bezaubernde' (trailokyamohana) [ist] das äußere [Cakra], 'Alle Wünsche Erfüllende' (sarvāśāparipūraka), 'Alles Erregende' (sarvasaṃkṣobhaṇa), 'Alles Glück Verleihende' (sarvasaubhāgyaparidāyaka) -

Verse 4-8 sind OCR-technisch stark beschädigt; einzelne Wörter (gurusparaḥ/'gurupara' [dem Guru ergeben]; aṅgalam für 'amaṅgalam', Unheil; svayaṃ) bleiben unsicher und sind mit [?] markiert, der Gesamtsinn folgt jedoch dem Kommentar. Ab Vers 9 beginnt die Aufzählung der neun Āvaraṇa-Namen des Śrīcakra (Trailokyamohana-Cakra usw.), ein in der Śrīvidyā-Tradition feststehender Namenskatalog; die Verse 9-11 zählen zusammen alle neun Namen auf.

sarvārthasādhanaṃ sarvarogaharam eva ca | sarvalābhakaraṃ sarvasiddhipradam ataḥ param ||10|| sarvānandamayaṃ madhyabindusthānaṃ śivātmakam | evaṃ navāni nāmāni guṇayogīni pārvati ||11|| prakaṭā bāhyagā guptās tato guptatarās tathā | sampradāyās tadantasyāḥ kulakaulanigarbhikāḥ ||12|| rahasyāḥ syus tadantāś ca parāpararahasyakāḥ | atipūrvarahasyās tu madhyasthāḥ sthūlavigrahāḥ ||13|| tripureśī(?) syāt sundarī suravāsinī(?) | śrī mālinī ca siddhāmbā mahātripurasundarī ||14||

'Aller Ziele Vollbringerin' (sarvārthasādhana) und ebenso 'Alle Krankheit Nehmende' (sarvarogahara), 'Allen Gewinn Bewirkende' (sarvalābhakara) [und] darüber hinaus 'Alle Vollendung Gewährende' (sarvasiddhiprada) - 'Voll aller Wonne' (sarvānandamaya), 'der Ort des mittleren Punktes' (madhyabindusthāna), 'von Śivas Wesen' (śivātmaka) - so [lauten], o Pārvatī, die neun Namen, [jeder von ihnen] mit einer [bestimmten] Eigenschaft übereinstimmend. [Die diesen Cakras zugehörigen Śaktis heißen der Reihe nach:] 'offenkundig' (prakaṭā), 'äußerlich gehend' (bāhyagā), 'verborgen' (guptā), sodann ebenso 'noch verborgener' (guptatarā); die Überlieferungen (sampradāya) an ihrem Ende [tragen den Namen] 'die im Kula-Kaula verborgen Wohnenden' (kulakaulanigarbhikā), [dann] sind es die 'geheimen' (rahasyā), und an deren Ende die 'höher und niederer geheimen' (parāpara-rahasyakā); die 'zuvor überaus geheimen' (atipūrva-rahasyā) aber sind die 'mittig befindlichen, grobgestaltigen' (madhyasthā, sthūlavigrahā) [d.h. die innerste, dem groben Körper der Göttin am nächsten stehende Stufe]. Tripureśī [ist die erste Cakreśvarī], dann Sundarī, Suravāsinī(?) [richtiger wohl Tripuravāsinī], Śrī, Mālinī und Siddhāmbā, [und schließlich] Mahātripurasundarī.

Vers 14 ist im OCR extrem verderbt; die Rekonstruktion folgt dem in der Śrīvidyā-Tradition feststehenden Neunernamen der Cakreśvarīs (Tripurā/Tripureśī, Tripurasundarī, Tripuravāsinī, Tripurāśrī, Tripuramālinī, Tripurasiddhā, Tripurāmbā, Mahātripurasundarī u.ä.); die genaue Wortform und Reihenfolge bleibt wegen der OCR-Schäden unsicher, ebenso ob neun oder nur acht Namen im Original standen (im lesbaren Text erscheinen nur sieben deutliche Namen). Mit [?] markierte Namen sind Vermutungen.

madhyaṣaṭke tu purataḥ tripureti padāṅkitaiḥ | vidyāsaptākṣarīmadhyayojitair arcayet ||15|| pūjākramaṃ tadviśeṣān vidyāsādhanakramaṃ ca | sādhakavratacaryāṃ ca siddhicihnāni caiva ca ||16|| tripurātmānam ātmānaṃ bhāvayet prātar utthitaḥ(?) | jyotīrūpaṃ ca nāthāṅghrimūrdhnisthaṃ(?) nyastavigrahaḥ(?) ||17|| nānāvarṇāyudhākāravāhanābharaṇāḥ striyaḥ | sarvadā sarvagāḥ sarvasiddhidā balidānataḥ ||18||

Bei den mittleren sechs [Namen der Cakreśvarīs] aber soll man [sie] voran mit dem Wort 'Tripurā' versehen und, in ihre Mitte die siebensilbige Vidyā eingefügt, verehren. Den Ablauf der Verehrung (pūjā-krama) und seine Einzelheiten, den Ablauf der Vidyā-Vollziehung (sādhana-krama), das Gelübde und den Lebenswandel des Übenden (sādhaka) und ebenso die Kennzeichen des Erfolges (siddhi-cihna) [werde ich nun lehren]: Beim Aufstehen am Morgen(?) soll man sich selbst als von Tripurās Wesen meditieren, [und] die Lichtgestalt [des Guru], die an den Füßen des Nātha [gedacht wird und] auf dem Scheitel ruht(?), den eigenen Körper [dorthin] versetzt(?) [visualisieren]. [Um die Göttin herum sind] Frauen [d.h. Begleit-Śaktis] von mannigfacher Farbe, mit Waffen in verschiedener Gestalt, mit [verschiedenen] Reittieren und Schmuckstücken; sie sind immerdar allgegenwärtig und gewähren durch die Darbringung des Opfers (bali) alle Vollendung.

Vers 17 ist im OCR sehr stark beschädigt (nur wenige Wörter sicher lesbar); der Kommentar paraphrasiert ihn nur sinngemäß als Anweisung, sich beim morgendlichen Erwachen nach Kopf-Meditation und Nyāsa als eins mit der Göttin und mit dem lichtgestaltigen Guru zu visualisieren, dessen Füße auf dem eigenen Scheitel gedacht werden - eine im Tantra verbreitete Guru-Verehrungsvorstellung. Die deutschen Worte mit [?] sind entsprechend unsicher.

raktagandhāmbaraḥ(?) khaḍgī(?) raktabhūṣādibhūṣitaḥ | prasannacetāḥ karpūravāsitaḥ syāt(?) svāṅgavān(?) ||19|| padmāsanaḥ prāgvadanaḥ prāṇān āyamya saṃyataḥ | ṣoḍaśākṣaramantreṇa baliṃ dattvārcayed gurūn ||20|| mūrdhni tasyājñayā paścāt pūjāṃ kuryād yathāvidhi | nāthaṃ ca tanmayībhūtaṃ dhyātvātmānaṃ tadātmakam ||21|| navaratnamayaṃ darpaṇaṃ(?) navakhaṇḍavirājitam | mātṛkādyena(?) tannāmnā namo'ntena samarcayet ||22||

[Der Übende sei] in rotduftende Kleider [gehüllt](?), [mit einem Dolch/Schwert versehen](?), mit roten Schmuckstücken und dergleichen geschmückt, heiteren Gemüts, mit Kampfer parfümiert, [den Körper] wohlgestaltet(?). Im Lotossitz, nach Osten gewandt, den Atem gebändigt, beherrscht: nachdem er mit dem sechzehnsilbigen Mantra das Opfer (bali) dargebracht hat, verehre er die Gurus [in der Ahnenreihe]. Danach soll er auf dessen [des Guru] Geheiß am Scheitel die Verehrung vorschriftsmäßig vollziehen, indem er den Nātha [als] mit ihr [der Göttin] eins geworden meditiert und sich selbst als von dessen Wesen. Einen aus neun Juwelen bestehenden Spiegel(?), geschmückt mit neun Feldern, verehre man mit dessen [jeweiligem, mit dem Buchstaben-Alphabet(?) beginnendem] Namen, endend auf 'namaḥ'.

Vers 19 ist im OCR kaum rekonstruierbar (u.a. 'khaḍgī' - 'schwertbewehrt' - unerwartet in diesem Kontext, evtl. Verschreibung); die Grundaussage - rote Kleidung/Schmuck, kampferduftend, heiter - ist gesichert. Vers 22: 'darpaṇam' (Spiegel) ist unsicher aus dem OCR-Rest erschlossen; das Objekt könnte auch ein Maṇḍala oder Diagramm sein. 'mātṛkādyena' (mit dem Alphabet beginnend) ist eine Vermutung anstelle des unlesbaren OCR-Wortes; der Kommentar bestätigt nur, dass hier die im folgenden Vers genannten neun Juwelennamen mit 'namaḥ' angefügt einzeln zu rezitieren sind.

puṣyaṃ(puṣparāgaṃ) nīlaṃ ca vaiḍūryaṃ vidrumaṃ mauktikaṃ tathā | māṇikyaṃ(?) raktaṃ vajraṃ(?) gomedaṃ padmarāgakam ||23|| kalpakodyānam anyac ca ṛtūṃś cāpi samarcayet | indriyāṇi svarūpāṇi tat paścimato yajet ||24|| indriyārthān atha(?) pṛṣṭhatas tannāmnā ca samarcayet | paścimādi tu madhyāntaṃ vilomān navaratnakam ||25|| kālo mudrā mātṛkā ca ratnaṃ deśo gurus tathā | tattvaṃ grahāś ca mūrtiś ca cakreśvaryantanāmakaḥ ||26||

Puṣyarāga (Topas), Nīla (Saphir), Vaiḍūrya (Katzenauge/Beryll), Vidruma (Koralle), ebenso Mauktika (Perle), Māṇikya (Rubin), Vajra (Diamant), Gomeda (Hessonit) und Padmarāga (Rubin) [- diese neun Juwelen ordne man, im Nordosten beginnend, im Uhrzeigersinn den neun Feldern zu]. Auch den Wunschbaum-Hain (kalpaka-udyāna) und die Jahreszeiten (ṛtu) soll man verehren; die zehn Sinnesorgane in ihrer eigentlichen Gestalt (svarūpa) verehre man auf der Westseite [des Verehrungspavillons]. Die Sinnesobjekte (indriyārtha) sodann verehre man mit ihrem [jeweiligen] Namen auf der Rückseite; von Westen beginnend aber, [ordnet man] die neun Juwelen in umgekehrter Reihenfolge zur Mitte hin an. Zeit (kāla), Handgeste (mudrā), Buchstaben-Alphabet (mātṛkā), Juwel (ratna), Ort (deśa), ebenso Lehrerreihe (guru), Wesensprinzip (tattva), Planet (graha) und Körperbestandteil (mūrti) - [jede dieser neun Kategorien ist ihrerseits neunfach gegliedert und] endet auf den Namen der [jeweiligen] Cakreśvarī.

Dieser Abschnitt (V.23-38) ist im Original besonders schlecht überliefert; mehrere Verse scheinen metrisch unvollständig (nur eine Halbzeile) oder ihre Versziffern sind im Druck verwirrt bzw. doppelt vergeben. Die Übersetzung folgt, wo der Wurzeltext selbst nicht mehr sicher lesbar ist, dem Kommentar, der die neun Juwelen, die zehn Sinnesorgane/-objekte und die neunfachen Kategorien (Zeit, Mudrā usw.) ausdrücklich aufzählt bzw. paraphrasiert; unsichere Einzelwörter sind mit [?] markiert. Vers 25: 'atha' anstelle des unlesbaren OCR-Wortes 'gajān' vermutet.

karuṇātoyaparikhaṃ madhye māṇikyamaṇḍapam ||27|| deśaṃ kālaṃ tathākāraṃ śabdaṃ kośaṃ(?) pūjayet | rūpiṇīśaktisahitaṃ tataḥ saṃgītayoginīḥ ||28|| samastaguptaprakaṭasiddhayoginīcakrayuk | mantrākṣarair upetās tu pūjayet sarvamātaraḥ ||29||

Den 'Graben aus dem Wasser des Mitleids' (karuṇā-toya-parikha) [verehre man], in dessen Mitte den 'Rubin-Pavillon' (māṇikya-maṇḍapa). Ort, Zeit, ebenso Gestalt(?), Klang(?) und Behältnis(?) verehre man, versehen mit der Śakti Rūpiṇī, sodann die Saṃgīta-Yoginīs (die Tanz-, Gesang- und Musik-Yoginīs). Ausgestattet mit dem 'ganz-verborgen-offenkundig-vollendeten Yoginī-Kreis' (samasta-gupta-prakaṭa-siddha-yoginī-cakra) und den [einschlägigen] Mantra-Silben versehen, verehre man alle Mütter (sarva-mātaraḥ, d.h. die Buchstaben-Göttinnen Brāhmī usw.).

Verse 27-29 gehören zu den am stärksten beschädigten des Kapitels; Vers 27 ist metrisch nur eine Halbzeile und schließt offenbar unmittelbar an Vers 26 an. 'karuṇātoyaparikham' und 'māṇikyamaṇḍapam' werden vom Kommentar wörtlich bestätigt und als eigene, mit Namen und 'namaḥ' zu verehrende Objekte erläutert; ihre genaue Funktion im Aufbau des Śrīcakra bleibt aus dem Kontext allein unklar. Vers 28: 'kośam' (Behältnis/Schatzkammer) ist unsicher; 'saṃgītayoginīḥ' nach Kommentar ('nṛtyagītavādya-vinodikāḥ śaktīḥ' - die durch Tanz, Gesang und Musik erfreuenden Śaktis).

rocanācandrakāśmīralaghukastūrikāyutam | hemādipātre sādharaṃ(?) sthāpayed dadhyambunā ||30|| bhāvayed aṅghrisūryendubhūtāni(?) parameśvari | japec ca daśavāraṃ tat tarpayet tena yoginīḥ ||31|| uktakrameṇa sampūjya tattaccakreśvarīḥ priye |

Go-Rocanā, Sandel(?), Kaśmīr-Safran und feinen Moschus vermischt lege man in ein goldenes und anderes Gefäß, unter Zugabe von Dickmilch(?) und Wasser. Man visualisiere darin, o höchste Herrin, Sonne, Mond und die Elemente(?) zu Füßen [der Göttin]; und nachdem man [das Mantra] zehnmal rezitiert hat, sättige man damit die Yoginīs. Nach der genannten Reihenfolge verehre die jeweiligen Cakreśvarīs [der neun Kreise], Geliebte -

Die letzte Zeile ('uktakrameṇa...priye') ist im Original ohne lesbare Versziffer überliefert; sie steht zwischen den sicher nummerierten Versen 31 und 32 und wird hier als eigenständiges, unnumeriertes Halbvers-Fragment wiedergegeben (vgl. PROMPT: Halbverse ohne Nummer sind zulässig). Der Kommentar bestätigt ihren Inhalt (Verehrung der neun Cakreśvarīs 'der Reihe nach'), ohne die fehlende Zahl zu nennen. Vers 30: 'sādharam' und die genaue Zusammensetzung der Salbe bleiben unsicher.

ādhāre hṛdaye randhre vidyākhaṇḍatrayaṃ smaret | lohitaṃ tatprabhāvedhāj jvalitaṃ(?) ca nijaṃ vapuḥ ||32|| prāṇāyāmaṃ vidhāyātha kṛtvāsanakaraṃ(?) śodhanam | ādyayātha dvitīyādiṣaṣṭhāntābhis tathāsanam ||33|| pūjayed ekaikam ātmano madhyasthaṃ(?) nāmabhiyutam | tato dvitīyayā proktaṣaḍaṅgāni samācaret ||34||

Im Wurzelstützpunkt (mūlādhāra), im Herzen und in der Öffnung [des Scheitels, dem Brahmarandhra] visualisiere man die drei Teilstücke der Vidyā [des Grundmantras]; gerötet und, durch deren Kraft durchdrungen, entflammt(?) [visualisiere man] den eigenen Körper. Nachdem man den Prāṇāyāma (die Atemlenkung) vollzogen und damit die Reinigung des Sitzes(?) bewirkt hat, [verehre man] mit der ersten [Vidyā] sowie mit den vom zweiten bis zum sechsten [Buchstaben] reichenden [Silben] die vier Sitze (āsana) in eben dieser Weise. Man verehre einen jeden [Sitz] einzeln, verbunden mit seinem [eigenen] Namen, in der Mitte des Selbst befindlich(?); dann vollziehe man mit der zweiten [Vidyā] die genannten sechs Glieder (ṣaḍaṅga) [der Berührungsweihe].

Verse 32-34 beschreiben die innere Visualisierung während des Prāṇāyāma und die anschließende Sitz-Weihe (āsana-nyāsa) mit vier aus der Vidyā gebildeten Bīja-Mantren (laut Kommentar u.a. 'devyātmāsanāya namaḥ', 'cakrāsanāya namaḥ', 'sarvamantrāsanāya namaḥ', 'sādhyasiddyai(?) namaḥ'), gefolgt von der Ṣaḍaṅga-Nyāsa mit der 'zweiten Vidyā' (der in Paṭala 3 gelehrten Kulasundarī-Vidyā). Mehrere technische Ausdrücke bleiben wegen der OCR-Schäden unsicher (mit [?] markiert).

prasāritatalenaiva pāṇinā hṛdayaṃ śiraḥ | proktā śikhā tathā samyag adho'ṅguṣṭhena mudrayā(?) ||35|| tathāvidhābhyāṃ pāṇibhyāṃ varmaskandhādināṃ(?) abhigam(?) | tarjanīmadhyamānābhyāṃ(?) proktā netre(?) kramāt ||36|| prasāritatalābhyāṃ tu tālatrayam udīritam | saśabdaṃ tarjanījyeṣṭhāyogād astram(?) udīritam ||37|| digvidikṣūpari tathā svādho madhye ca vinyaset | tataḥ kṛtvā vaśinyādyaṃ nyāsaṃ prāguktayogataḥ ||38||

Mit ausgebreiteter, offener Handfläche allein berühre man Herz und Kopf; ebenso wird der Haarschopf (śikhā) [berührt], und, in rechter Weise, unten mit dem Daumen die Handgeste (mudrā) [gebildet]. Mit den beiden so gehaltenen Händen [ziehe man] den Panzer (kavaca) von den Schultern abwärts bis zum Nabel; mit Zeige- und Mittelfinger berühre man der Reihe nach die beiden Augen. Mit beiden ausgebreiteten Handflächen aber wird der dreifache Handklatsch (tālatraya) vollzogen; durch die klangvolle Verbindung von Zeigefinger und Daumen(?) wird die Waffen-[Geste] (astra-mudrā) kundgetan. In den Haupt- und Zwischenrichtungen, ebenso oberhalb, unterhalb des eigenen [Körpers] und in der Mitte platziere man [diese Geste]; dann vollziehe man, nach der zuvor gelehrten Methode, die mit Vaśinī beginnende Berührungsweihe (nyāsa) [der acht Vāgdevatās].

Verse 35-38 beschreiben die Ṣaḍaṅga-Nyāsa (Herz, Kopf, Haarschopf, Panzer, Augen, Waffe) mittels bestimmter Handhaltungen (mudrā) sowie die anschließende räumliche Ausbreitung der Waffen-Geste in die zehn Richtungen und die abschließende Vaśinyādi-Nyāsa (Weihe mit den acht Vāgdevatās, den 'Rede-Göttinnen', beginnend mit Vaśinī, wie in Paṭala 3 gelehrt). Einzelne Handgriffe bleiben wegen OCR-Schäden unsicher.

saptamyāvāhanaṃ kuryād itthayā(?) arghyavisarjanayā(?) | agrasyamadhyacakrasthayonimadhye niveśya tām ||39|| tathāvidhāṃ sāvaraṇāṃ dhyātvā mudrāṃ pradarśayet | proktāḥ saptadaśaitān āmupacāraiḥ samarcayet(?) ||40|| jayinīvimalāmadhye(?) nāthān nava yajed diśaḥ(?) | tato devyāḥ svasmṛtitvāc citrāḥ pañcadaśāpi ca ||41|| devīsūtīṃ(?) japet tattaddigbhāgeṣu tanmayaḥ kramāt | ārabhya paścimadvārād antaśākhāṃ(?) arcayet ||42|| abhitaś cāṣṭasu tathā dikṣu cordhvaṃ tatheritāḥ(?) | tathā brāhmyādikā aṣṭau pūjayet prathamāhutāḥ(?) ||43||

Mit der siebten [Vidyā] soll man die Anrufung (āvāhana) vollziehen, mit Ehrenwasser-Darbringung und -Entlassung in dieser Weise(?); nachdem man sie [die Göttin] in die Mitte des im vordersten Mittel-Cakra befindlichen Dreiecks (yoni) gestellt hat, soll man sie so, mitsamt ihrem Gefolge (āvaraṇa), meditieren und die Handgeste (mudrā) zeigen; mit den genannten siebzehn [Opfergaben] verehre man sie eine nach der anderen mit Namen. [Es folgt die Verehrung der neun Nātha-Lehrer in den Richtungen(?) sowie] der fünfzehn mannigfaltigen [Nityā-Göttinnen], die, weil sie das eigene Gedächtnis(?) der Göttin sind, [ebenfalls zu verehren sind]. Man rezitiere den Devī-Spruch(?) in den jeweiligen Himmelsrichtungen, der Reihe nach mit ihr geeint; vom Westtor beginnend verehre man bis zum letzten Flügel(-Tor)(?). Ringsum, in den acht [Haupt-]Richtungen sowie ebenso oberhalb, wie angegeben; ebenso verehre man die acht mit Brāhmī beginnenden [Mütter], zuerst mit Opfergaben bedacht(?).

Verse 39-43 sind besonders schwer beschädigt; sie leiten den eigentlichen täglichen Verehrungsablauf ein: Anrufung der Göttin in das Zentrum des Śrīcakra, Verehrung mit siebzehn Opfergaben, Verehrung der neun Nātha-Lehrer und der fünfzehn Nityā-Göttinnen (der 'Ewigen', Teilgottheiten der sechzehn Nityās, wobei die sechzehnte mit Lalitā selbst identisch ist, vgl. Kommentar zu V.54), Verehrung an den Toren des Bhūpura (der äußeren quadratischen Umfriedung) und schließlich der acht Mütter (aṣṭamātṛkā: Brāhmī, Māheśvarī, Kaumārī, Vaiṣṇavī, Vārāhī, Indrāṇī, Cāmuṇḍā, Mahālakṣmī). Zahlreiche Einzelheiten (Mantra-Silben, genaue Reihenfolge) sind aus dem stark korrupten Wurzeltext nicht mehr sicher zu rekonstruieren und mit [?] markiert; die Übersetzung folgt im Kern der Kommentarparaphrase.

mūlavidyāyutaiḥ proktanāmabhir madhyato yajet | navasvāhutiṣu proktaṃ navabhir manubhiḥ kramāt ||44|| nivedayec ca tatpūjāṃ mudrāḥ kuryād ekaikaśaḥ | ṣoḍaśāre tv aṣṭadale tathā taccaturasrake(?) ||45|| proktābhiḥ śaktibhiḥ proktakramāt pūjāṃ samācaret | madhyayoner agramūle pārśvayor bahir arcayet ||46||

Mit den genannten, dem Grundmantra (mūlavidyā) angefügten Namen verehre man von der Mitte her; bei den neun Feueropfer-Spenden (āhuti) [rezitiere man] der Reihe nach mit den neun [einschlägigen] Mantras, wie vorgeschrieben. Man kündige [der Gottheit] diese Verehrung an und vollziehe die Handgesten (mudrā) einzeln, eine nach der anderen - im sechzehnblättrigen [Lotos], im achtblättrigen, und ebenso in jenem viereckigen [Bereich, dem Bhūpura]. Mit den genannten Śaktis vollziehe man die Verehrung in der genannten Reihenfolge; an Spitze und Wurzel des mittleren Dreiecks (yoni) sowie an beiden Flanken außerhalb verehre man.

Fortsetzung der Beschreibung der Pūjā in den einzelnen Teilen des Śrīcakra (dem sechzehn- und achtblättrigen Lotos, dem quadratischen Bhūpura und dem zentralen Dreieck).

bāṇān pañca tathā cāpaṃ pāśam aṅkuśam īśvari | bāhyād īśāntam abhito vāmāvartena saṃsthitāḥ ||47|| bāṇāḥ syus trividhāḥ proktāḥ sthūlasūkṣmaparatvataḥ | sthūlāḥ puṣpamayāḥ sūkṣmā mantrātmānaḥ samīritāḥ ||48|| parāś ca vāsanāyāṃ tu proktāḥ sthūlān śṛṇu priye | kamalaṃ kokanadaṃ(?) raktaṃ kahlāram indīvaraṃ tathā ||49|| sahakārajam(?) ity uktaṃ puṣpapañcakam īśvari | mānmathaṃ kṣobhajanakaṃ pūjāhomavidhānataḥ ||50|| japamantraprayogādau siddhamantraiś ca pañcabhiḥ | tathāvidhaṃ syāt taccāpaṃ sthūlaṃ pauṇḍraṃ(?) ca kāṇḍajam ||51||

Die fünf Pfeile, ebenso den Bogen, die Schlinge (pāśa) und den Haken (aṅkuśa), o Herrin - von außen bis zum Nordosten ringsum, im Gegenuhrzeigersinn angeordnet - die Pfeile sind, wie gelehrt, dreifacher Art, je nach grober, feiner oder höchster Beschaffenheit: die groben bestehen aus Blumen, die feinen werden als vom Wesen des Mantras erklärt, und die höchsten [bestehen] in der [mentalen] Prägung (vāsanā). Höre, Geliebte, die groben: der [weiße] Lotos, der rote Kokanada[-Lotos], die Kahlāra[-Wasserlilie] und ebenso der Indīvara [blaue Lotos], und die aus der Mangoblüte entstandene [Blüte] - so wird das fünffache Blumenwerk genannt, o Herrin, das, von Manmatha [dem Liebesgott] stammend, erregend wirkt, [je] nach der Art der Verehrung und des Opfers, beim Gebrauch von Japa und Mantra u.a. sowie mit den fünf vollendeten (siddha) Mantras. In gleicher Weise besteht auch jener Bogen in grober [Form] aus Zuckerrohr, aus dessen Stängel gefertigt.

Dieser Abschnitt beschreibt die Symbolik der fünf Blumenpfeile, des Zuckerrohrbogens, der Schlinge und des Hakens - die klassischen Attribute der Liebesgöttin (Kāmeśvarī/Rāgasvarūpiṇī) im Śrīcakra - in grober (Blumen), feiner (Mantra) und höchster (mentale Prägung) Ausprägung.

madhyayony agrakoṇādisaṃkhyāḥ(?) proktakramād yajet | kāmeśvaryādikāḥ(?) śaktīs tayā madhye śivāṃ yajet ||52|| pradakṣiṇaṃ mudrānavakaṃ(?) catvāri ca tataḥ kramāt | upacārān vidhāyātha proktayogasamanvitam ||53|| japitvā daśavāraṃ ca svātmānaṃ devatātanum | smaraṃs tasyātmani(?) tāḥ pañcadaśa nityāḥ samarcayet ||54|| tato bhūtātmabhiḥ pañcamantrair abhyarcya bhaktitaḥ | ātmāṣṭākṣaramantreṇa pūjayitvā tato japet ||55|| sahasraṃ purato devyāḥ śataṃ tadvinajaṃ tu vā | sandhyātrayaṃ ṣaṣṭisaṃkhyaṃ(?) uktaṃ vā proktarūpataḥ ||56||

Man verehre in der genannten Reihenfolge die [Punkte an der] Spitze und den Ecken des mittleren Dreiecks; mit ihr [der Vidyā] verehre man in der Mitte Śivā, [umgeben von] den mit Kāmeśvarī beginnenden Śaktis. Im Uhrzeigersinn [vollziehe man] die neun Handgesten, und dann der Reihe nach vier weitere; nachdem man so die [sechzehn] Opfergaben, versehen mit der genannten Methode, dargebracht hat, und [das Mantra] zehnmal rezitiert hat, indem man sich selbst als den Körper der Gottheit erinnert, verehre man, sich in ihr weilend denkend(?), die fünfzehn Nityā-[Göttinnen]. Dann, nachdem man mit den fünf 'Elementen'-Mantras (bhūtātma-mantra) voller Hingabe verehrt und mit dem achtsilbigen Selbst-Mantra (ātma-mantra) die Verehrung vollzogen hat, rezitiere man [dieses]. Tausendmal vor der Göttin, oder hundertmal, oder dessen Hälfte; an den drei täglichen Dämmerungszeiten (sandhyā) sechzigmal, so wird es, in der genannten Weise, gelehrt.

Vers 54 bestätigt (laut Kommentar) die Zahl 'fünfzehn' der Nityās mit dem Hinweis, dass die Göttin selbst als die sechzehnte, die Ganzheit dieser Fünfzehn in sich tragende Lalitā-Vidyā gilt ('pañcadaśety kathanaṃ svātmanaḥ ṣoḍaśyā lalitāvidyātmakatvam ādareṇety arthaḥ').

tataḥ puṣpāñjaliṃ kṛtvā mūlenābhyarcya homayet | kuṇḍe sthaṇḍilamadhye vā samprokṣyāthāmbunā kuśaiḥ ||57|| rekhāś catasraḥ prāggrāḥ(?) uttarāgrāś ca saṃlikhet | madhye tathāgnim ādhāya kravyādāṃśaṃ parityajet ||58|| pariṣicya paristīrya vahnivīryaṃ(?) vibhāvayet | pratyekaṃ saptajihvāsu kuryāc caiva ghṛtāhutīḥ ||59|| tataḥ pūjākrameṇaiva hutvā ṣoḍaśa sthūlataḥ | tatas tāṃ bindugehānni(?) vilīnāṃ paribhāvayet ||60|| baliṃ dadyāt tatas tasyā agre kurukullām anuṃ japet | annavyañjanapuṣpādyair uktasvarūpataḥ(?) ||61|| abhyarcya devīṃ cakrasthāṃ tathā tadrūpavān svayam | svamudrayā śakticakraṃ smṛtyātmani yojayet(?) ||62|| tato nyāsatrayaṃ kṛtvā prāṇāyāmapuraḥsaram | japitvā stotrayugalaṃ devyātmā vicaret sukhī ||63||

Dann soll man, nachdem man mit einer Handvoll Blumen und dem Grundmantra verehrt hat, das Feueropfer (homa) vollziehen, in der Feuergrube (kuṇḍa) oder in der Mitte des Opferaltars (sthaṇḍila), nachdem man diese[n] zuvor mit Wasser und Kuśagras besprengt hat. Man ziehe vier Linien, nach Osten und nach Norden gerichtet; in deren Mitte lege man das Feuer nieder und sondere den Anteil der Fleischfresser-[Geister] (kravyād) aus. Nachdem man [das Feuer] rings besprengt und umstreut hat, visualisiere man die Kraft des Feuers; in jeder der sieben Zungen [des Feuers] bringe man je eine Ghee-Opferspende dar. Dann, nachdem man in der Reihenfolge der Pūjā sechzehn grobe [Opferspenden] geopfert hat, visualisiere man sie [die Göttin] als aufgelöst in der Wohnstätte des Bindu(-Punktes). Dann bringe man vor ihr das Opfer (bali) dar [und] rezitiere das Kurukullā-Mantra, mit Speise, Beilagen, Blumen und dergleichen, in der zuvor beschriebenen Weise. Nachdem man die im Cakra thronende Göttin verehrt hat und selbst von deren Gestalt geworden ist, vereinige man mit der eigenen Handgeste (mudrā) den Kreis der Śaktis durch Erinnerung mit dem eigenen Selbst. Dann, nachdem man die dreifache Berührungsweihe (nyāsa), vorangegangen von Prāṇāyāma, vollzogen und das Verspaar (stotra-yugala, die zwei Lobpreis-Hymnen) rezitiert hat, wandle man, mit der Göttin identifiziert, glücklich umher.

Dieser Abschnitt beschreibt den vollständigen Homa (Feueropfer)-Ablauf: Vorbereitung der Feuerstelle, Aussonderung des Anteils für die 'Fleischfresser' (kravyād, feindliche Geister, denen ein Anteil überlassen wird, damit sie das Opfer nicht stören), Ghee-Opfer in den sieben 'Zungen' (Flammen) des Feuers, abschließende Kurukullā-Verehrung und Auflösung der Meditation. Einzelne technische Ausdrücke bleiben unsicher (mit [?]).

pūjāviśeṣān deveśi śṛṇu nityaṃ kramoditān | aśaktānāṃ tu vistāre tathāpatsu ca śasyate ||64|| anyathānarthakāri syāt saṃkocārcanam īśvari | hetibhir madhyamādyaṃ syād dvitīyaṃ navayoniṣu ||65|| caturdaśārānmadhyāntaṃ(?) caturthaṃ prāktarūpataḥ | pañcamaṃ sarvaduḥkhārtināśanaṃ vāñchitapradam ||66|| tatprakāraṃ tu deveśi kurukullārcane śṛṇu | iti pañca prakārārcā proktā sarvārthasiddhidā ||67||

Höre, Königin der Götter, die besonderen Arten der täglichen, der Reihe nach genannten Verehrung: für die Unfähigen [bzw. Untauglichen] aber wird [statt] der ausführlichen [Verehrung] auch in Notlagen [eine abgekürzte Form] gelehrt. Andernfalls wäre die verkürzte Verehrung (saṃkoca-arcana) unheilbringend, o Herrin. [Die erste Verehrungsform besteht] in [der Verehrung] mit den Waffen (heti) [und] der mittleren [Gottheiten]; die zweite in den neun Dreiecken (yoni). Vom vierzehneckigen [Kreis] bis zur Mitte [reichend ist] die vierte [Form], in der zuvor beschriebenen Weise; die fünfte, die alles Leid und alle Bedrängnis vernichtet, gewährt [jeden] Wunsch. Diese [fünfte] Art höre, Königin der Götter, in [der Lehre von] der Kurukullā-Verehrung [an anderer Stelle]. So wurde die fünffache Art der Verehrung gelehrt, die alle Ziele zur Vollendung bringt.

Der Wurzeltext scheint zwischen der 'zweiten' (V.65) und 'vierten' Form (V.66) eine dritte Stufe zu überspringen; der Kommentar ergänzt sie als die Verehrung 'vom vierzehneckigen Kreis bis zur Mitte' (caturdaśārādi-madhyāntā), während V.66 dann tatsächlich die vierte Stufe (bis zum quadratischen Bhūpura) meint - im Wurzeltext selbst ist die dritte Stufe entweder ausgefallen oder mit V.66 verschmolzen; die Zählung 'vierte'/'fünfte' folgt dem Kommentar.

vidyāyāḥ sādhanaṃ siddhiṃ tadvrataṃ vakṣyam eva ca | tadābhimukhyacihnāni vighnāni prāktanād api ||68|| śṛṇu krameṇa deveśi sarvadā prītikārakam | yena sarve'pi siddhās te jīvanmuktāś ca tanmayāḥ ||69|| snātaḥ sugandhasalilaiḥ prākpūjāproktarūpavān | guruṃ vittena santoṣya raktāgāre kramaṃ bhajet ||70|| sandhyātraye'pi japavān sahasraṃ maunasaṃyutaḥ | mātrāguḍasitopetaṃ payaḥpāyasam arpayet ||71|| nīrājanaṃ ca karpūraiḥ kuryāt sandhyāsu tāsv api | homaṃ daśāṃśataḥ kuryāt tarpaṇaṃ candanāñjalaiḥ(?) ||72|| svanityād ūrdhvato jāpyaṃ dvisahasraṃ dinaṃ prati | kuryāt tena bhavet pūrṇaṃ lakṣaṃ pūrṇāntam īśvari ||73||

Die Vollziehung (sādhana) der Vidyā, ihren Erfolg (siddhi) [und] ihr Gelübde (vrata) werde ich nun lehren, ebenso die Kennzeichen ihres günstigen Herannahens (abhimukhya) [und] die Hindernisse - auch solche aus früherem [Karma stammend]. Höre der Reihe nach, Königin der Götter, was immerdar erfreulich wirkt: wodurch alle, die vollendet (siddha) sind, zu Lebzeiten Befreite (jīvanmukta) und mit ihr [der Göttin] eins werden. Gebadet mit duftendem Wasser, in der zuvor für die Verehrung vorgeschriebenen Gestalt, nachdem man den Guru mit einer Gabe zufriedengestellt hat, vollziehe man den [vorgeschriebenen] Ablauf in einem rot[ausgekleideten] Gemach. Auch an den drei Dämmerungszeiten rezitiere man, in Schweigen versunken, tausendmal; man biete Milchreis (pāyasa) dar, versehen mit einem Maß Rohrzucker und Kandiszucker. Man vollziehe auch bei diesen Dämmerungszeiten die Lichterschwenkung (nīrājana) mit Kampfer; das Feueropfer (homa) vollziehe man im Verhältnis eines Zehntels [der Japa-Zahl], das Wasseropfer (tarpaṇa) mit Sandelwasser-Handvollen. Über die eigene tägliche [Rezitationszahl] hinaus rezitiere man täglich zweitausend[mal] zusätzlich; dadurch werde am Ende ein volles Lakh (100.000) vollständig erreicht, o Herrin.

evaṃ lakṣatrayaṃ proktaṃ prathamaṃ tu kṛte yuge | tretāyāṃ dviguṇaṃ tadvad dvāparaṃ triguṇaṃ smṛtam ||74|| kalau caturguṇaṃ proktam akṣarāṇāṃ ca saṃkhyayā | tṛtīyasaptasaṃkhyā sā tena syād ekaviṃśatiḥ ||75|| tena cānyeṣu yugeṣu syāt saṃkhyā dvirudīritā(?) | vanitākṣobhalobhāc ca na vighno jāyate yadi ||76|| tāsu saṃkhyāsu pūrṇāsu samprāpya svakramaṃ(?) bhajet | varjyāni śṛṇu deveśi taddineṣu sadāpi ca ||77|| nāstikaiḥ saha saṃlāpaṃ maithunaṃ(?) paranindidaṃ(?) | nidrāśokau(?) tathālāpaṃ deśāntaraparibhramam ||78|| sarveṣu varjyāni proktāny anyāni śārṅgiṇi(?) | svasvavṛttiṃ sarvadā sarveṣāṃ nāśakāni ca ||79|| parve ca gṛhasthyāḥ svavākyāt(?) tri(?) nindanāni ca | strīṣu rāgaṃ(?) prahāraṃ ca dṛṣṭān api na yojayet ||80||

So wurde die dreifache Lakh[-Zahl] gelehrt, [und zwar] zuerst im Kṛta-Zeitalter; in der Tretā wird das Doppelte davon, ebenso in der Dvāpara das Dreifache überliefert. Im Kali[-Zeitalter] wird das Vierfache gelehrt, nach der Zahl der [nicht-wiederholten] Silben; das ist jene 'dritte-Sieben-Zahl' [des dritten Vidyā-Teilstücks mit sieben Silben], wodurch es einundzwanzig [Lakh im Kṛta-Zeitalter] wird. Dadurch ergibt sich in den anderen Zeitaltern die entsprechend vervielfachte Zahl - vorausgesetzt, dass kein Hindernis entsteht durch die Erregung von Frauen oder durch Gier. Wenn diese Zahlen vollständig erreicht sind, erlange man [die Vollendung] und pflege danach die eigene [gewöhnliche] Ordnung; höre, Königin der Götter, was an jenen [besonderen] Tagen und auch sonst allzeit zu meiden ist: Gespräch mit Ungläubigen (nāstika), verwerflichen Beischlaf(?), Schlaf und Kummer, ebenso [müßiges] Geschwätz und das Umherziehen in ein anderes Land; in allem sind diese und andere [Dinge], o [Bogen tragende(?)] Göttin, als zu meiden gelehrt - sie vernichten allzeit das eigene Tun eines jeden. An Festtagen [meide man] häusliche Streitigkeiten und gegenseitige Vorwürfe(?); Leidenschaft gegenüber Frauen und Gewalttätigkeit soll man nicht einmal mit den Augen(?) ausüben.

Verse 74-75 legen die Grundzahl des Puraścaraṇa-Japa (dreimal 100.000 im Kṛta-Zeitalter, entsprechend den drei mal sieben nicht-wiederholten Silben des dritten Vidyā-Teilstücks) und ihre Vervielfachung in den folgenden Zeitaltern fest. Verse 78-80 (Liste verbotener Verhaltensweisen) sind im OCR stark beschädigt; einzelne Verbote (z.B. 'maithunam paranindidam', 'dṛṣṭān api') bleiben in ihrer genauen Wortbedeutung unsicher und mit [?] markiert.

siddhicihnāni coktāni vāsanā(?) kathitaṃ mayā | ānukūlyasya cihnāni śṛṇu sādhayatas tadā(?) ||81|| svapne poteṣu vanitāsaṅgaḥ(?) sammelanaṃ niśi | gajāśvasiṃhaturageṣu vihāro rājadarśanam ||82|| gajānām aṅganānāṃ ca darśanaṃ nṛtyagītayoḥ | utsavaṃ ca surāmāṃsadarśanaṃ sparśanaṃ tathā ||83||

So wurden die Kennzeichen der Vollendung genannt, und die [karmische] Prägung (vāsanā) [dazu] wurde von mir dargelegt; höre nun die Anzeichen der Gunst (ānukūlya) für den, der [die Sādhana] übt: Im Traum: [das Fahren] auf Booten, Vereinigung mit Frauen, ein Zusammentreffen bei Nacht; Umherwandeln unter Elefanten, Pferden, Löwen und Rossen, das Erblicken eines Königs; das Erblicken von Elefanten und Frauen, von Tanz und Gesang, ein Fest, sowie das Erblicken und Berühren von Wein und Fleisch -

Verse 81-96 zählen günstige (81-83) und ungünstige (84-87) Traum- bzw. Vorzeichen für den Erfolg der Sādhana auf - ein in Tantra-Texten verbreitetes Motiv (svapna-śakuna). Vers 81 bleibt in Details unsicher (vāsanā).

nindāni śṛṇu deveśi vighnānarthakarāṇi ca | kṛṣṇavargorabhraṭaiḥ(?) svalpaṃ prahāras tailalepanam ||84|| maithunaṃ paranārībhir indriyacyavanaṃ(?) tathā | rāṣṭrakṣobhaṃ vahnivāyujalair(?) vā bandhanāśanam ||85|| gurāv apekṣāsampattir vastūnāṃ vyādhibādhanam | anyamantrārcanaśraddhā vighno nityārcane'niśam ||86|| narāṇāṃ ca bahupuṇyaiḥ kṛtavadbhir janmasu | śraddhāvaśyaṃ(?) sampradāyasiddhir nityārcanaṃ bhavet ||87||

Höre, Königin der Götter, die tadelnswerten [Vorzeichen], die Hindernis und Unheil bringen: [von einer dunklen Herde(?)] getroffen, ein leichter Schlag, das Beschmiertwerden mit Öl, Geschlechtsverkehr mit einer fremden Frau, ebenso der Samenerguss(?); Aufruhr im Land, [Bedrohung] durch Feuer, Wind oder Wasser, der Verlust einer Bindung [bzw. eines Angehörigen](?), Geringschätzung gegenüber dem Guru, Mangel an Wohlstand der [notwendigen] Dinge, Bedrängnis durch Krankheit, [sowie] Glaube an die Verehrung eines anderen Mantras - [dies alles ist] ein beständiges Hindernis für die tägliche Verehrung. Für Menschen aber, die durch viel angesammeltes Verdienst aus [früheren] Geburten den notwendigen Glauben [besitzen](?), wird die tägliche Verehrung zur Vollendung durch die [Guru-]Überlieferung (sampradāya).

Verse 84-87 zählen ungünstige Vorzeichen sowie die eigentlichen Hindernisse (Geringschätzung des Guru, Glaube an fremde Mantras usw.) für die tägliche Verehrung auf; mehrere Einzelworte (v84-85) bleiben wegen starker OCR-Schäden unsicher.

kūrmavyavasthām avijñāya yāgapādividhisaṃyutaḥ(?) | sa nāpnoti phalāny uktāny anyathā nāśam eti ca ||88|| tasmāt kūrmavibhāgaṃ tu vijñāyākhilam ācaret | sa caturdhā tato loke tatprakārān śṛṇu priye ||89|| prathamas tu paraḥ kūrmas tato deśagatas tathā | grāmo gṛhagataś caiva caturdhā tadvyavasthitiḥ ||90|| deśaṃ grāmaṃ gṛhaṃ vāstu navadhā vibhajet tataḥ | prāgādi paścimāntaṃ tu kādimāntāni vinyaset ||91|| akṣarāṇi samāny eva catvāri parito nyaset | dakṣe dvayam athomadhye svarāt prāgvādi(?) vinyaset ||92||

Wer die Einteilung des Kūrma (der 'Schildkröte' [-Diagramms]) nicht kennt, [auch wenn er] mit den Opfer- und übrigen Vorschriften versehen ist, erlangt nicht die genannten Früchte, sondern gerät vielmehr ins Verderben. Deshalb soll man, nachdem man die Einteilung des Kūrma erkannt hat, alles [entsprechend] vollziehen. Er ist in der Welt vierfach; höre seine Arten, Geliebte: der erste ist der höchste (kosmische) Kūrma; sodann ebenso der auf ein Land bezogene; das Dorf und das Haus betreffende - vierfach ist so seine Einteilung. Land, Dorf, Haus oder Baugrund (vāstu) teile man dann in neun [Felder]; von Osten beginnend bis zum Westen ordne man die Buchstaben von 'ka' bis 'ma' an. Die gleichen vier Buchstaben ordne man ringsum an; auf der rechten [Seite] zwei, dann in der Mitte, beginnend mit den Vokalen von Osten her(?), ordne man an.

Ab Vers 88 wechselt das Thema unvermittelt zur Lehre vom Kūrma (dem 'Schildkröten'-Diagramm zur Beurteilung von Land, Dorf, Haus und Bauplatz mittels eines Rasters aus Silben) - ein eigenständiger Themenblock, der das Kapitel beschließt. Die Versziffern von hier bis Vers 101 sind im OCR durchweg durch Ziffernverwechslung (v.a. 8/9/6) entstellt und wurden nach fortlaufender Zählung korrigiert. Die genaue Konstruktion des Buchstabenrasters (V.91-92) bleibt in Details unsicher; sie folgt der im Kommentar gegebenen Erläuterung eines Neun-Felder-Rasters mit vier Zeilen zu je fünf Silben.

īśānte digdiśaṃ(?) pañca nāmādyakṣaraṃ yato bhavet | taddvāraṃ(?) pādayoḥ pādau kukṣau pārśve tatas tataḥ ||93|| puccham ekam adho madhye pṛṣṭham evaṃ ṣaḍaṅgavat | mukhe sarvādhisiddhiḥ syāt karayor alpasiddhikṛt ||94|| kukṣau nairantaryanaiṣphalyaṃ(?) pādayoḥ sarvaduḥkhakṛt | pucche sthairyaṃ tu niyataṃ pṛṣṭhe sarvādayakam(?) ||95|| tasmāt tat sādhu vijñāya kuryāt sarvaṃ samīritam | vyañjanaṃ deśakūrmaṃ syāt svakūrme svarās tathā ||96|| grāmādikarma dvitayaṃ parakūrme na taddvayam | nityaṃ pūrvamukho yasmāt tena tatsiddhir īritā ||97||

Im Bereich, der bis zum Nordosten [reicht bzw. in dessen fünf Richtungsfeldern], wo immer der erste Buchstabe des Namens [des zu beurteilenden Ortes] zu liegen kommt - dort ist dessen Tor/Maul(?); [die zwei benachbarten Felder sind] die beiden Füße, [die nächsten] der Bauch, die Flanken, und so weiter fort. Der Schwanz ist das eine [Feld] unten in der Mitte, ebenso der Rücken - so [ergeben sich] die sechs Glieder (ṣaḍaṅga) [des Kūrma]. Im Maul liegt vollkommener Erfolg in allem, an den beiden Vorderfüßen [nur] geringer Erfolg, am Bauch beständige Erfolglosigkeit, an den [Hinter-]Füßen [entsteht] alles Leid; am Schwanz aber [nur] beständige Standhaftigkeit, am Rücken alles, was [Gedeihen? bringt](?). Deshalb soll man, nachdem man dies wohl erkannt hat, alles Genannte [entsprechend] tun. Der Konsonant kennzeichnet den Land-Kūrma, im eigenen (Haus-)Kūrma ebenso die Vokale. Das Verfahren für Dorf und dergleichen ist zweifach; beim höchsten (kosmischen) Kūrma gibt es dieses Zweifache nicht, da er stets nach Osten gewandt ist - dadurch wird seine [Teile-]Bestimmung anders angegeben.

Verse 93-97 beschreiben die sechs 'Glieder' (Maul, zwei Vorderfüße, Bauch, zwei Hinterfüße, Schwanz, Rücken) des Kūrma-Diagramms und ihre je unterschiedliche Wirkung (Erfolg, Mißerfolg, Beständigkeit usw.) je nachdem, in welchem Feld der Anfangsbuchstabe des zu beurteilenden Namens fällt. Mehrere Ausdrücke (v93, v95) bleiben wegen OCR-Schäden unsicher.

evaṃ kūrmavibhāgo'yam īritas te caturvidhaḥ | mantrāṇāṃ tena siddhiḥ syāt sarveṣāṃ sarvatas tadā ||98|| sambadhyāyāmavistāram(?) hatvāṣṭābhis tu śeṣataḥ | vijñāya vargaṃ teṣv ekaṃ nāmne prakalpayet ||99|| vāstuṣv ajñātarūpeṣu prasiddhaṃ nāmato bhavet | tattatsthāneṣu niyatam anargham(?) śūnyatā tathā ||100|| vyomatattvamayī vyāptir iti samyak samīritā | asyā niṣphalanāc cittaṃ tattvaṃ svātmasātkṛtam ||101|| iti śrīṣoḍaśanityātantreṣu śrīkādimate pañcamaṃ paṭalaṃ paripūrṇam.

So wurde dir diese vierfache Einteilung des Kūrma dargelegt; dadurch wird für alle Mantras auf jede Weise Erfolg eintreten. Nachdem man die Länge und Breite [des Bauplatzes] in Beziehung gesetzt und durch acht geteilt hat, [bleibt] ein Rest; nachdem man die diesem [Rest] entsprechende Buchstabengruppe (varga) erkannt hat, bestimme man aus ihr einen [Buchstaben] für den Namen. Bei Bauplätzen unbekannter Gestalt richte sich [die Zuordnung] nach dem allgemein bekannten Namen [des Ortes]; an den jeweiligen [Körperteil-]Stellen [ergibt sich so] bestimmt entweder Kostbares(?) oder ebenso Nichtigkeit (śūnyatā, Erfolglosigkeit). Die Durchdringung, die aus dem Element des Äthers/Raumes (vyoman) besteht - so wurde sie recht gelehrt; durch deren Auflösung(?) wird das Bewusstsein [bzw. dieses] Wesensprinzip (tattva) dem eigenen Selbst einverleibt. So endet in den ehrwürdigen Ṣoḍaśanityā-Tantras, [überliefert] nach der Kādi-Schule, das fünfte, vollständige Kapitel (paṭala).

Vers 101 schließt das Kapitel mit einer knappen meditativen Schlussformel, ähnlich - jedoch mit anderem Inhalt (hier: das Element Äther/Raum, dort: die Bindu-Symbolik) - wie die Schlussverse des vorangehenden vierten Kapitels; beide Kapitel enden zufällig(?) jeweils bei Vers 101. Der Wurzeltext-Kolophon ('...pañcamaṃ paṭalaṃ paripūrṇam parārdhāṣṭamam') endet mit dem Zusatz 'parārdhāṣṭamam', der - wie bereits am Ende von Paṭala 4 identisch belegt - vermutlich eine drucktechnische Bogen-/Lagensignatur der Ausgabe ist und nicht zum inhaltlichen Kolophontext gehört; er wurde daher nicht mitübersetzt. Der anschließende, hier nicht als eigener Vers erfasste lange Kommentar-Kolophon des Subhagānandanātha bezeichnet das Kapitel als der Darlegung des Ablaufs der täglichen Verehrung (nityārcana) der Nityā Lalitā gewidmet und nennt eine im OCR nicht mehr sicher lesbare Verszahl-Angabe der Ausgabe (Grantha-Saṃkhyā) von 265 Einheiten.

Interaktive Leseansicht des ganzen Werks